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Der große Fischbrötchen-Check

Ob in der Pause oder als Mitternachtscheck – ein Fischbrötchen ist immer eine gute Option. Unsere Kollegin Jana Belmann hat eine Woche lang jeden Tag ein Fischbrötchen gefuttert. Ihr Resümee:

Brücke 10: Elbe pur

Es ist 13 Uhr an den Landungsbrücken. Eine Schlange von Touris bildet sich vor der Brücke 10 und die Fischbrötchen gehen im Akkord über die Theke. Trotz des Ansturms halte ich nach nicht mal drei Minuten das Brötchen meiner Wahl in den Händen. Ob Winter oder Sommer, hier kann man zu jeder Jahreszeit draußen sitzen, in Decken gewickelt und auf Lammfelle gekuschelt. Aus den Lautsprechern klingt der leise Sound einer Gitarre und das Wasser der Elbe schwappt gegen den Steg. Während mir die Sonne ins Gesicht scheint, beiße ich in ein Brötchen mit geräucherter Makrele (4,50 Euro). Die ist gut gewürzt und saftig. Da stört auch das etwas trockene Brötchen kaum. Bei dieser Aussicht und der Auswahl an zehn verschiedene Fischbrötchen kann man nichts falsch machen.

Preis/ Leistung 4/5
Geschmack 4/5
Flair 5/5
Lage/Erreichbarkeit: St. Pauli-Landungsbrücken 10 (St. Pauli). S1, S2, S3, U3 oder Bus (111, 112) bis Landungsbrücken

Fisch Loop: Traditionsgeschäft

An einem Nachmittag mitten in der Woche verschlägt es mich ins Fisch Loop. Gähnende Leere. Um die Mittagszeit ist hier wohl mehr los als um 17 Uhr. In diesem Traditionsgeschäft fühle ich mich in die 80‘er Jahre zurückversetzt. Die Kacheln sind grau, auf manchen sind bunte Schiffe abgebildet. Quer durch den Laden erstreckt sich eine riesige Theke aus denen ganze Fische mit Eis bedeckt in Richtung des Besuchers glubschen. Das günstige Brötchen mit Räucherlachs wird frisch mit drei großen Stücken Lachs belegt, dann noch ein Salatblatt, Zwiebeln – fertig. Zum puren Geschmackserlebnis hätte noch ein wenig Sauce gefehlt. Dieser Laden versteht sein Handwerk, frischen Fisch gibt’s hier allemal.

Preis/Leistung 4/5
Geschmack 3/5
Flair 3/5
Lage/Erreichbarkeit: Straßburger Straße 15 (Dulsberg).
U1 bis Straßburger Straße

Kleine Haie große Fische: Bier, Schnack und Fisch

Anstatt die alkoholbedingte nächtliche Heißhungerattacke mit einem Döner zu stillen, sollte man lieber zum Fischbrötchen greifen. Bei Kleine Haie große Fische gibt’s die frisch belegt und einen netten Schnack gratis dazu. Am Wochenende treffen sich hier die Nachtschwärmer auf engstem Raum für einen Mitternachtssnack. Ein Stammgast empfiehlt mir den Stremellachs mit etwas Chilisauce. Ich folge der Empfehlung, aber ohne die Chilisauce. Das Brötchen ist fix fertig: mit saftigem Fisch, Salat und frischen Gurkenscheiben. Zusätzlich noch mit etwas Butter bestrichen – wirklich lecker. Auf der Bank vor dem kleinen Laden beobachte ich wie sich der Kiez langsam mit Menschen füllt, um die Nacht zum Tag zu machen.

Preis Leistung 4/5
Geschmack 4/5
Flair 4/5
Lage/Erreichbarkeit: Querstraße 4 (St. Pauli). S1, S2, S3 oder mit dem Bus (111, 36, 37) bis Reeperbahn

Veddeler Fischgaststätte: Futtern wie bei Muttern

Die Veddeler Fischgaststätte ist eine echte Institution in Hamburg. Seit mehr als 80 Jahren wird hier frischer Fisch auf dem Teller und im Brötchen serviert. Obwohl das kleine Häuschen sich momentan mitten in einer Baustelle befindet, lasse ich mich vom äußeren Eindruck nicht täuschen. Im Inneren empfängt mich ein uriger Gastraum mit Seemannsknoten und alten Fischernetzen an den Wänden. In diesem Häuschen sieht alles noch genauso aus wie damals, als Hans Albers noch lebte! Leider gibt’s nur zwei Fischbrötchen zur Auswahl: Fischfrikadelle oder Backfisch. Letzteres schmeckt tatsächlich knackfrisch. Bei meinem nächsten Besuch werde ich aber eine große Portion Fisch mit Kartoffelsalat probieren.

Preis/Leistung:4/5
Geschmack 3/5
Flair 4/5
Lage/Erreichbarkeit: Tunnelstraße 70 (Veddel). S3, S31 bis Veddel

Eier Carl: Das Gesamtpaket

Ein Fischbrötchen mit Lachs kostet hier stolze 4,80 Euro. Ich habe es trotzdem probiert und wurde vollends überzeugt. Eier Carl ist ein Restaurant direkt gegenüber von der Fischauktionshalle mit einer kleinen Auswahl an frisch zubereiteten Fischbrötchen. Als die Kellnerin meine Bestellung an den Tisch bringt, werde ich angelächelt von einem wunderschönen Salatblatt, einer gigantischen Menge Lachs und Zwiebeln. Die Innenseiten sind leicht mit Remoulade bestrichen. On Top gibt’s noch kleine Gewürzgurken. Einfach lecker. Wenn das Wetter mitspielt, kann man auf dem weitläufigen Platz sehr schön draußen sitzen, das turbulente Treiben am Hafen beobachten und die letzten Sonnenstrahlen genießen.

Preis/Leistung 4/5
Geschmack 5/5
Flair 4/5
Lage/Erreichbarkeit: Fischmarkt 3 (St. Pauli). S1, S2, S3, U3 bis Landungsbrücken oder Bus 111 bis Fischauktionshalle

Texte und Fotos: Jana Belmann 


Who the fuck is…

 

…Jana Belmann?
Mindestens bis Weihnachten kann die 23-Jährige jetzt keine Fischbrötchen mehr sehen. Für SZENE HAMBURG Uni-Extra (erschienen im Oktober 2017) probierte die Lüneburger KuWi-Studentin eine Woche lang jeden Tag einen anderen Fischimbiss aus. Jetzt weiß Jana, wo der Lachs am besten schmeckt.


 Der Text ist ein Auszug aus dem SZENE HAMBURG Uni-Extra (Ausgabe Herbst/Winter 2017/18) 


Neu: Hook Dogs gibt’s jetzt auch in der Holstenstraße

Nach Burger kommt Hot Dog, und nach 1 kommt 2. Der Peter-Pane-Ableger Hook Dogs eröffnet seine zweite Filiale in Hamburg: In der Holstenstraße / Max Brauer Allee gibt es jetzt Fritten, Drinks und vor allem mächtige Wurst-Kreationen im Brötchen. Und das funktioniert sogar für Vegetarier

Die Zeichen stehen auf Wachstum. Nachdem erst vor kurzem die erste Filiale des sogenannten Premium-Hot-Dog-Restaurants in Altona an der Bergspitze eröffnete, folgt jetzt bereits die nächste Hook Dogs Station. In der Holstenstraße, Ecke Max Brauer Allee, eröffnete das neue Restaurant, das in Sachen Inneneinrichtung und Konzept seinem Vorgänger exakt gleicht. Klar, es handelt sich um Systemgastronomie, und die hat bekanntlich eine eigene CI, der es zu folgen gilt. Dennoch setzt man, nach eigener Aussage, auf Produkte, die mit  „feinsten Zutaten aus aller Welt und mit frisch gebackenen Brotsorten zubereitet und (…) mit Liebe serviert werden

Klingt gut, ist in der Umsetzung nicht immer einfach. Vor allem das mit der Liebe. Aber in der Holstenstraße glänzt der Service durch zuvorkommende Freundlichkeit und echtem Überblick. Das hat man selten.

Dennoch: Der rote Teppich wird dem Team auch hier nicht ausgebreitet, reservieren muss hier derzeit keiner. Der Premium Hot Dog sei noch nicht etabliert, heißt es auf Nachfrage. „Viele sehen unsere Preise und denken: Hot Dogs kriege ich bei IKEA viel günstiger. Aber das ist kein Vergleich“, erklärt der engagierte und freundliche Mitarbeiter vor Ort. Dennoch, man zähle auf die günstige Lage, schließlich ist das Musical-Theater auch nicht weit weg, und auf die Kraft des Hot Dogs, kurz: die Qualität.

Neu: Hook Dogs in der Holstenstraße

Fritten-Power. Der Avocado-Dip kann was.

Tatsächlich zeigt sich die Speisekarte im Hook Dogs weitaus kreativer als die des schwedischen Möbelhauses. Vom Klassiker mit Röstzwiebeln (5,90 Euro) bis zum Luxus-Teil mit Shrimps (Albatros, 10,80 Euro) ist alles dabei. Zusätzlich kann der Besucher individuell Zutaten variieren und sich den Wunsch-Hot-Dog zusammenstellen, inkl. Auswahl des Fleisches ( Rind oder Hähnchen) und der bevorzugten Brotsorte. Positiv: Auch für Veganer und Vegetarier ist gesorgt. Gewählt können neben verschiedenen Brötchen-Typen auch die Art des Patties: vegetarisch oder vegan auf Quinoa Basis.

Hook Dogs

Veggie-Wurst mit Hummus und Pita Chips. Der Fleischersatz schmeckt ein bisschen fad, dafür ist der Belag ’ne Wucht!

Beispiele: Der Flamenco lockt mit Avocado Fries und Tomatensalsa (8,90 Euro) der Casablanca (Bild) mit Paprika, Hummus und Pita-Chips (8,50 Euro). Natürlich gibt es alle Varianten auch brotlos. Fast Food für Veggies, mal nicht ganz so langweilig wie wir es von anderen Systemgastronomien kennen, wenn auch nicht ganz kostengünstig. Dennoch, ab und zu kann man es sich mal gönnen, zudem jetzt auf der Karte neben den Süßkartoffel- oder klassischen Fritten, Pita-Chips oder Avacado Fries nun auch Maniok Fritten stehen. Ob die allerdings mit jenem im nahe gelegenen Macaibo mithalten können, wagen wir leise zu bezweifeln.

Achja, bevor wir es vergessen. Es darf nicht nur gespeist, sondern auch getrunken werden im Hook Dogs. Zum üblichen Getränkeangebot gesellen sich feine Drinks und Cocktails. Schließlich will das Hook Dogs auch eine Bar sein. Aber, sorry, dafür fehlt der Flair, auch wenn die Drinks schmecken.

Hook Dogs

Drinks für jede Jahreszeit. Neben den bekannten Klassikern gibt’s auch saisonale Kreationen

Fazit: Für leckeres-kalorienreiches-aber-leider-geil-Fast-Food ist das Hook Dogs gelegentlich durchaus einen Ausflug wert. Auch wenn’s Systemgastronomie ist. Probiert es einfach mal aus.

/Text & Fotos/ Beitragsbild: REM


Serie: SZENE Hamburg Essen+Trinken 2017/18. Philipps Restaurant

Philipp scheint ein verdammt cooler Kerl zu sein. Er setzt auf unaufdringlichen Style, unkompliziertes Essen und Musik von The Cure. Unser Testsieger in der Kategorie Szene-Läden.

Mit seinem gleichnamigen Souterrain-Restaurant mitten im Karoviertel hat er sich in den vergangenen zwei Jahren längst etabliert. Nur wer rechtzeitig einen Tisch im Philipps reserviert, hat auch gute Chancen, seinen Wunschtermin zu finden. Und obwohl es fast immer ausgebucht ist, wirkt es nicht voll.

Phillips

Gehoben, aber nicht abgehoben. Und richtig satt wird man auch.

Hier sitzen die Gäste in vielen kleinen Separees – ja, sogar im Weinregal – und im Sommer auch auf einer lauschigen Terrasse. Chef Philipp Johann steht in der Küche, als wir direkt neben dem Tresen am hohen Tisch Platz nehmen.

Der Service ist freundlich, aufmerksam und alles andere als aufgesetzt. Wir starten mit drei selbst gebackenen kleinen Brötchen, zu denen Algenbutter und Portwein- Schalotten-Quark gereicht wird.

Philipp versteht offenbar, wie man Gäste stilvoll willkommen heißt. Kein Wunder, dass es das Philipps 2016 auch in den Guide Michelin geschafft hat.

Ein Satéspieß mit kerniger selbst gemachter Erdnussbutter versüßt als Amuse gueule die Zeit bis zur Vorspeise. Auf den Tisch kommen dabei ein frisches Ceviche vom Kabeljau mit Limetten, Koriander, Chili und roten Zwiebeln (12,50 Euro) sowie Pulpo à la Gallega (15,50 Euro). Letzter war für unseren Geschmack ein Tickchen zu lang in der Pfanne.

Der Service stimmt. Er erkundigt sich regelmäßig gut gelaunt nach dem Befinden und hat ein Auge auf sich langsam leerende Gläser.

Das Restaurant ist sein Baby, der Funke springt über

Als Hauptgang werden knusprig gebratene Filets von der Meerbarbe auf Bärlauchrisotto (22,50 Euro) sowie verdammt zartes Cordon bleu vom Kalbsrücken mit grünem Spargel (21,50 Euro) serviert. Die Portionen sind viel größer als erwartet, darum bleibt am Ende nur noch Platz für ein gemeinsames Dessert. Die Crème brûlée (7,50 Euro) überzeugt und macht eine rundes Menü aus allen drei Gängen.

Küche stimmt, Service stimmt. Wir kommen wieder.

Als alle Gäste satt und zufrieden sind, kommt Philipp aus der Küche. Er plaudert kurz an den Tischen, fühlt sich sichtlich wohl auf seiner Bühne. Auch hinterm Tresen packt er gern selbst mit an. Mehr als sympathisch!

Das Restaurant ist sein Baby, der Funke springt über. Wir kommen gern wieder!

/ Getestet von Ilona Lütje / Fotos: Philipps

Preisklasse: €€€

Adresse:Turnerstraße 9, (Karolinenviertel), Telefon 63 73 51 08, Di-Sa 12–14.30, 18–21.30 Uhr, Kreditkarten: Mastercard, Visa, Amex; EC-Karte; www.philipps-restaurant.de


Kulinarische Karte


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Essen+Trinken 2017/18

Ein Beitrag aus unserer aktuellen SZENE HAMBURG ESSEN + TRINKEN 2017/18. 292 Seiten Hamburger Gastronomie- und Food-Kultur & über 500 Restaurant-Empfehlungen. Den Premium-Gastro-Guide gibt es ab sofort im Handel. Oder in unserem Shop zu bestellen!

 

Serie: SZENE Hamburg Essen+Trinken 2017/18. Leche de Tigre

Viva la Esskalation! Darum ist das Leche de Tigre unser Testsieger in der Kategorie Weltweit

Leche Le Tigre

Diese Fritten machen glücklich

NEU! Stolz schreitet Aurelio Moreno durch den brummenden Laden: Küsschen hier, Umarmung dort, ein paar Scherze mit seinem Gastro-Partner Tschabi Lopez. Die beiden dürfen stolz sein, denn was das Team im Leche de Tigre auftischt, ist schlicht und einfach grandios.

Bunte Teller voller bunter Speisen füllen den Tisch, die Karte nennt sie Tapas, das Auge ruft „Yeah!“ – und der Gaumen?

Der geht ab, besser gesagt, der ist schon längst abgehauen. Nach Südamerika.

Schuld daran sind Yuca frita (6 Euro) und Rib-Eye-Steak (14 Euro), Causa Veggie (7 Euro) und Lomo saltado (13 Euro). Vor allem die beiden letzten krachen göttlich. Rote-Bete-Tatar, Avocado und Süßkartoffelchips machen es sich beim Causa Veggie auf kaltem (!) Kartoffel-Chili-Püree gemütlich, drum herum ein cremig-würziger See mit Tschabis Mayo. Lomo saltado daneben bringt Hitze in die Sache – mit Nikkei-Wok-Beef auf scharfem Huancaina-Risotto (Salsa huancaina: eine typisch peruanische Sauce) und mit Tomaten-Zwiebel-Koriander-Party.

Soul Food trifft Sonne. In der Küche: offene Flammen und lautes Gelächter. Wie kann ein Laden nur so viel Spaß machen? Auch die Einrichtung ist gut drauf: Etwas Kantinengefühl und viel Neon mischen sich zum perfekten Provisorium, Schalen mit gepopptem Mais stehen auf gestempelten Papiertischdecken, in der Luft liegt Feuer und südamerikanische Musik. Der Grüne Veltiner (6,60 Euro) ist maisfarben – wie passend – und laut genug, um mit den Tapas mitzuhalten. Wir gucken nach rechts, das Paar neben uns verschwindet kurz nach Japan und freut sich über dicke Lachsstücke an Soja-Tigermilch (Ceviche Nikkei, 10 Euro).

Wir wollen das auch, aber sind so satt. Denn mal ehrlich: Wer hätte gedacht, dass kalter Kartoffelbrei so gut schmecken kann?

/Mirco Wolf Wiegert / Beitragsbild: Leche Le Tigre

Kosten-Klasse €€–€€€

Adresse: Nernstweg 32–34 (Ottensen), Telefon 0176 23 75 39 38, Mo-Sa 16–23, So 17–22 Uhr, Kreditkarten: alle; EC-Karte; www.lechedetigre.de


Er hat’s getestet: VIP-Tester Mirco Wolf Wiegert

Mirco Wolf Wiegert, Schlafräuber & fritz-kola Geschäftsführer

Mirco ist frisch gebackener Leche Le Tigre-Fan, steht aber auch auf den Mittagstisch im Grilly Idol. Und nachts? Da treibt es ihn gerne mal in die Kleine Pause.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kulinarische Karte


Essen+Trinken 2017/18

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Serie: SZENE Hamburg Essen+Trinken 2017/18. Das Henriks

Großes Kino im Henriks. Darum ist das Restaurant unser Testsieger in der Rubrik International & kreativ

Henriks

Das Team von seiner Schokoladenseite

Die Vorspeise, die in diesem Moment in einer riesigen, hellblauleuchtenden Kaviardose serviert wird, ist schlicht eine Sensation: Tataki vom Tuna (22,90 Euro). Die fast rohen, kurz angegarten Thunfischscheiben kommen mit japanischer Yuzu-Sauce, Brunnenkresse und Fliegenfisch-Kaviarkügelchen und beeindrucken mit asiatischer Säure und essbaren Blüten. Mit dieser wahrlich kreativen Ouvertüre korrespondiert vorzüglich der goldgelbe Sancerre le Chêne du Roy (28,90 Euro pro Flasche). Auch die Kalbshaxen-Scheiben mit Cipriani-Dip, Nüssen und herben Wildkräutern meiner Begleitung (18,90 Euro) kommen zart und unverschämt delikat daher, wenn auch einen Tick weniger aufregend als das Tataki.

Henriks

Weiß, wie’s geht: Claas-Henrik Anklam

Bei den Hauptgerichten brillieren perfekt gewürzte Jakobsmuscheln vom Grill mit Nudelrisotto (26,90 Euro) sowie ein gegrillter Teriyaki-Lachs mit Rahmgurkensalat und Kartoffel-Nusspüree (26,90 Euro).

Claas-Henrik Anklam, ehemals Chefkoch im Tarantella und Küchenchef im Landhaus Scherrer, hat mit dem Henriks eine stilvolle Gourmet-Anlaufstelle nahe der Moorweide geschaffen

Das Ambiente ist mondän-elegant, ein bisschen James-Bond-Style, mit offener Showküche und begehbarem Weinschrank sowie einem sympathischen Service.

Die beeindruckende Qualität hat ihren Preis: Empfehlenswert ist daher besonders der Mittagstisch, der sich ausgezeichnet für einen Business- Lunch eignet. Das gute hausgemachte Vanilleeis mit warm schmelzender Valrhona-Schokoladensauce (10,90 Euro) krönt diese kulinarische Nacht: Chapeau, Henrik, großes Kino! /MAE

Kategorie: €€€€

Adresse: Tesdorpfstraße 8 (Rotherbaum), Telefon 288 08 42 80, Mo-So ab 12 Uhr, Kreditkarten: Amex, Visa, Mastercard; EC-Karte; www.henriks.cc


Kulinarischer Lageplan


Essen+Trinken 2017/18

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Neu: SZENE Hamburg ESSEN+TRINKEN 2017/18

Party, jetzt! Wir sind stolz wie Bolle, dass die 30. Ausgabe unserer SZENE Hamburg ESSEN+TRINKEN mit ihren 292 Seiten noch fetter und schicker ist

Über 500 Restaurant- und Gastro-Tipps für Hamburg und Umland, noch mehr VIP-Tester, noch mehr Service, Porträts aus der Hamburger Food-Szene, feines Zeug aus dieser Stadt, Inspirationen…. mehr geht nicht. Das Ding ist ein echtes Brett! Und wir empfehlen euch, schnell im Handel eines der Exemplare für euch zu sichern. Oder eure Ausgabe hier zu bestellen.

Mahlzeit!

 

SZENE testet: das VU auf St. Pauli

Kleine Perle in der Kleinen Freiheit: Im Februar dieses Jahres eröffneten die Brüder Vu ihr Deli VU – und bieten authentische Küche, die ein bisschen glücklich macht

VU

Willkommen im Pho-Distrikt

Noch ist das kleine vietnamesische Deli in der Kleinen Freiheit eingekesselt von Baustellen. Spätestens im Sommer wird vor dem Restaurant ein kleiner Garten entstehen, in den man durch eine breite Terrassen-Fensterfront schauen kann, friedlich sinnierend eine Pho löffelnd.

Aber das ist Zukunftsvision. Derzeit blickt man auf eine Sandwüste. Macht nichts, denn drinnen lässt sich’s bereits jetzt gut aushalten.

Das VU kombiniert DIY-Kiefernmöbel mit Messinglampen und altem Schulgestühl im Industrie-Look. Hell, freundlich, ein cleaner Style. Es ist ein Familienbetrieb. Die Brüder Bao und Chuong haben sich mit dem Laden einen kleinen Traum erfüllt, die Eltern steuern ihre kulinarischen Künste bei.

VU

Frisch & gnadenlos lecker

In der Küche regieren also Mama und Papa Vu und kreiieren traditionelle vietnamesische Kost neu. Die Karte verspricht einiges: Suppe (Pho), Salat (Mien), Dampfknödel (Bánh Bao) und Baguette (Bánh Mi) in unterschiedlichen Variationen mit und ohne Fleisch. Das Baguette ist heute leider nicht im Angebot. Denn am Sonntag, so Bao, würde der Bäcker nicht frisch liefern. Als Vorspeise wählen wir Sommerrollen (Bánh Cuón) mit selbst gemachtem Tofu (4,50 Euro). Der begeistert durch eine feine Konsistenz und eine leichte Säure. Koriander dominiert den Geschmack, alle Zutaten sind frisch, der Salat knackig. Als Hauptspeise gönnen wir uns eine Reisbandnudelsuppe mit Rinderbrust (9,50 Euro) und einen Glasnudelsalat mit Tofu (7 Euro). Und sind begeistert. Die Suppe ist ein Rezept von Mama Vu persönlich und heißt schlicht Bò by MaMa. Nudeln, Rinderbrust zartrosa und blanchierte Rinderbrustscheiben schwimmen in der aromatischen Brühe. Vietnamesische Kräuter verleihen ihr den gewissen Pfiff.

VU

Gerne hätten wir uns bis zum Dessert durchgefuttert. Beim nächsten Mal.

Der Glasnudelsalat (Mién Tofu) besticht mit frischen Sprossen und Tofustreifen in einem Sud aus Kräuterbrühe. Klasse. Wir sind neugierig und bestellen einen Dampfknödel mit Tofu (Bánh Bao, 5 Euro). Eine gute Entscheidung, die vietnamesische Variante eines Burger kann was. Der geschmacksintensive Knödel besteht aus Reismehl-Hefe-Mix und ist gefüllt mit Gurkenstreifen, Möhre, Kohl, Sprossen und Kohl. Hinzu kommen frische Kräuter und der unvergleichliche Tofu nach Art des Hauses. Leichte Kost, die Spaß macht und die Geschmacksnerven triggert.

Wären wir nicht so satt, hätten wir gern die Kokosbällchen mit Sesam-Nuss-Pastete in Kokosmilch (3,50 Euro) probiert. Klingt verführerisch. Wir schreiben es auf die To-do-Liste und bestellen noch einen Green Life, eine hausgemachte Limo aus Apfel, Minze und Soda (3,50 Euro). „Die Minze“, sagt Bao, „kommt vom Türken in der Susannenstraße. Echte marokkanische Minze.“

Familie Vu legt eben Wert aufs Detail. Feine Küche mit kleinen Glanzlichtern, zurückhaltende Gastfreundlichkeit, ungezwungenes Ambiente: Mit oder ohne Gärten vor der Tür – das VU kann was. Wir sehen uns wieder. / Regine Marxen


VU, Kleine Freiheit 68 (St. Pauli), Di-Do 12–21, Fr-Sa 12–22, So 14–21 Uhr

SZENE testet: Basil & Mars in Hamburg Rotherbaum

Das „Alsterufer 1“ ist als Adresse ja schon mal ’ne Hausnummer, der man erst mal gerecht werden muss. Martin Lohr und Joachim Mars (Betreiber der populären Marsbar in Eppendorf) sind das Wagnis in dem verglasten Neubau eingegangen – und es scheint aufzugehen

Basil & Mars

Tüchtig in der Küche. Foto: Basil & Mars

Wir sitzen in dem großen und hohen Raum etwas abseits an Bistro-Tischen, alle anderen an normalen tiefen Tischen. Aber ein Platz hat echten Highlight-Charakter: der lange Tresen unter Kupferleuchten mit Blick in die offene Küche. Hätten wir das vorher gewusst, wir hätten uns diesen Tisch gewünscht.

Basil & Mars

Tresenplatz in der gehobenen Klasse. Die Bar. Foto: Basil & Mars

Die Preise sind eine ziemliche Ansage, die meisten Hauptgerichte tummeln sich um die 30 Euro. Da scheint die „Chefs Selection“ ein guter Deal zu sein: sechs Gerichte von der Karte als kleinere Portion für 38 Euro. Eine schöne Möglichkeit, die Küche kennenzulernen. Es wird so ziemlich alles aufgetischt, was gerade angesagt ist: unter anderem Asiatisches (Sashimi), Mediterranes (geröstete Garnelen) oder Deutsches (Geschmortes vom Weideochsen). Das klingt vielleicht etwas beliebig, ist aber gut umgesetzt, wie der Abend zeigen wird.

Basil & Mars

Ohlala. Der Blick in die Cocktailkarte lohnt sich. Foto: Basil & Mars

Bis zum ersten Gang dauert es leider mehr als 45 Minuten, danach aber stimmt das Timing. Den Beginn macht ein sehr gut abgeschmecktes Thunfischtatar mit Schnittlauch und zwei leckeren Tupfern: Avocadocreme und Sesam-Mayonnaise mit asiatischem Touch. Der schwächste aller sechs Gänge sind die marinierten Artischocken. Sie sind nachlässig geputzt, daher stellenweise leicht holzig und die lauwarme Vinaigrette ist einfach zu zahm, um aus diesem Gericht noch etwas Aufregenderes zu machen. Die Rote-Bete-Ravioli mit zitroniger Meerrettich-Buttersauce sind schon ein kleiner Schritt nach oben.

Man kann sich zu zweit einen netten Abend machen, allzu tiefgründige Themen dürften es angesichts der Lautstärke aber nicht leicht haben.

Ein richtiger Volltreffer ist dann aber das kross gebratene Wolfsbarschfilet. Mit der leichten Säure einer karamellisierten Limettenscheibe, crunchig gebratenen Bröseln und einem intensiv-fruchtigen Tomatenragout ist das Ganze ein schöner kleiner Ausflug raus aus dem Hamburger Regen in mediterrane Gefilde. Der kräftige „Klosterberg“-Riesling (0,1 Liter 5 Euro) passt gut dazu, insgesamt jeweils vier beziehungsweise fünf offene rote und weiße Weine stehen auf der Karte.

Basil & Mars

Im Wein liegt die Wahrheit. Hier lagert sie…Foto: Basil & Mars

Bei Gang Nr. 5 ist das Kartoffelpüree zu den Entrecôte-Streifen zwar eher unauffällig, dafür ist das Fleisch exzellent. Durch kräftiges, perfekt dosiertes Braten bei hoher Hitze hat sich eine dünne Kruste gebildet, die fast so knusprig wie die eines guten Brathähnchens ist. Der Cheesecake zum Abschluss ist so, wie er sein muss: oben cremig, unten knusprig. Dem dazugehörigen Kirschkompott eine Spur Ingwer zu verpassen, ist eine sehr schöne Idee.

Der Service bleibt (fast zu) locker: „alles Roger?“, lautet die etwas lapidare Frage nach jedem Gang. So lange man sie aber wie hier in den meisten Fällen mit „ja“ beantworten kann, geht das in Ordnung.

Das Publikum scheint dem Preisniveau gewachsen zu sein, Style spielt eine unübersehbare Rolle. Das macht es aber keineswegs unangenehm, so gibt es eben nicht nur auf den Tellern etwas Schönes zu sehen.

Basil & Mars

Nachlässig geputzt und enttäuschend: die Artischocken. 

Man kann sich zu zweit einen netten Abend machen, allzu tiefgründige Themen dürften es angesichts der Lautstärke aber nicht leicht haben. Viel besser eignet sich der Laden für einen schönen Abend mit Freunden. Dafür sind die Voraussetzungen bestens.

 / getestet von Benjamin Cordes / Fotos: Basil & Mars

Basil & Mars: Alsterufer 1 (Rotherbaum), Mo-Fr 9-24, Sa 12-24 Uhr, Telefon 41 35 35 35; www.basilundmars.com

SZENE testet: Bona’me. Systemgastronomie auf Türkisch

Der Abend beginnt mit Warten. Es dauert 20 Minuten, bis wir einen Platz bekommen, reservieren ist nicht möglich. 

Ein wenig scheint es, als seien wir in einem Vapiano gelandet – nur eben auf türkisch-kurdisch.

Denn auch das Bona’me ist Systemgastronomie. Man bekommt eine Chipkarte in die Hand gedrückt, bestellt sich an jeder Station das Gericht seiner Wahl, für das man einen Empfänger bekommt, der anfängt zu brummen, wenn das Gericht fertig ist.

Wer sich einen Salat, eine weitere Vorspeise und einen Hauptgang bestellt, muss also mit drei Summern jonglieren.

Weiterer Nachteil: beim gemeinsamen Essen ist es reine Glückssache, dass alle ihre Gerichte gleichzeitig bekommen. Trotz des großen Raumes (500 Quadratmeter) sitzt man aber gemütlich an hohen Tischen, die vielen tropfenförmigen Lampen an der Decke sehen hübsch aus und schaffen warmes Licht.

Bona Me - The Fish and The knife

Systemgastronomie auf Türkisch. SZENE-Restaurant-Tester Benjamin Cordes fremdelt.

Wir starten mit den Sigara Böregi (4,90 Euro), Teigröllchen gefüllt mit Weißkäse (also kein Schafskäse), die vor allem nach Teig schmecken. Imam bayildi (4,20 Euro) ist eine halbe, mit Tomate, Paprika, Zucchini und Zwiebeln gefüllte Aubergine. Auch sie ist geschmacklich leider zu zahm. Also widmen wir uns dem Sis Kebap (9,90 Euro) – Bulgur mit Spinat, Kräuterquark und Lammspieß.

Quark und Bulgur samt Spinat gehen in Ordnung, der Spieß ist zwar durchgebraten, aber dennoch aromatisch und nicht zäh.

Weiter geht’s mit der etwas überdimensionierten Pide (9,90 Euro). Die Quasi-Pizza in Schiffchenform wird reichlich belegt. Unsere Variante mit Huhn, Paprika, Zwiebeln und Käse schmeckt, doch auch hier fehlt mindestens Salz. Und wer sein Gericht auf Instagram posten möchte, sollte auf zwei Hashtags lieber verzichten: #lowcarb und #lowfat. Von beidem ist im Essen nämlich reichlich. Was dagegen oftmals fehlt, ist leider die Würze.

Fast alle Gerichte waren lasch gewürzt (oder soll man massentauglich sagen?), keine Schärfe oder andere anatolischen Aromen waren zu schmecken.

Zum Abschluss probieren wir noch die Schichtdesserts, die es auch als kleine, günstigere Variante gibt. Zwei Gläschen kosten dann 4,50 Euro. Die Zitronencreme schmeckt leider nach Aroma, die Mandarinencreme mit Sahne auf Kuchenbröseln, der Joghurt mit Honig und die Feigen-Walnuss-Creme sind gut aber mächtig.

Der Service ist durchweg freundlich, aber durch das SB-System zu bloßen Tellerwegbringern degradiert. Schade!

Bei aller Kritik: die Preise sind fair kalkuliert, nach Feierabend kann man durchaus mit Kollegen einkehren. Besonders, weil sich die Gerichte gut zum Teilen eignen. Wenn man sie irgendwann alle beisammen hat. 

/ Benjamin Cordes

Bona’me: Burchardstraße 17 (Altstadt), Telefon 32 87 01 70, Mo-So 10–24 Uhr; www.bona-me.de


Watch out: Am 11. Mai 2017 erscheint SZENE Hamburg Essen + Trinken 2017 /18, der größte Gastro Guide für diese Stadt!

Szene testet. Cantina Popular im Schulterblatt

Geil geschmortes Fleisch, gegrillte Herzen und richtig guter Fisch – in der Cantina Popular wird lateinamerikanische Küche neu interpretiert. Wer hätte gedacht, dass ein Autor und ein Ex-RAF Terrorist so viel Ahnung von gutem Essen haben?

Reservieren ist laut der Facebook-Infoseite der Cantina Popular (Lesen! Geschrieben von Heinz Strunk himself.) „nur was für Trottel“.

Um gut eine Woche nach der Eröffnung trotzdem einen Platz zu ergattern, betreten wir zur besten Rentner-Abendbrotzeit den neuen „Place to be“ am Schulterblatt. Betrieben wird das neue Restaurant vom „Who is Who der Hamburger Opinion Leader und Influencer:“ Cristián Orellanus (Küchenchef. Foto oben), Heinz Strunk (Autor) Karl Heinz Dellwo (Verleger, Dokumentarfilmer, Ex-RAF-Terrorist), Alvaro Pina und Maria Endrich (beide Bistro Carmagnole). Als wir hereinkommen, steht Orellanus am Herd. Von den anderen steht oder sitzt niemand herum. 

Das fein abgeschmeckte Ceviche aus Adlerfisch (10,50 Euro) besticht durch Leichtigkeit und säuerliche Frische und wird durch die cremig-runden Pürees aus Süßkartoffel, Erbse und Mais wunderbar ergänzt; das beste Ceviche, das ich bisher in Hamburg gegessen habe.

Während wir uns über das Mais-Jalapeño-Brot mit Tomatensalsa hermachen und dabei überlegen, wie das nur mit der Resozialisierung von Karl-Heinz Dellwo jemals etwas werden soll, wenn er nicht zur Arbeit erscheint (das Hamburger Abendblatt berichtete), erklärt uns unser Kellner, wie das mit dem Essen in der Cantina so läuft: Die Portionsgrößen seien dem Tapas-Prinzip angepasst: Pro Person also einfach zwei bis drei Gerichte bestellen und alles in die Mitte des Tisches stellen, dann kann das fröhliche Teilen beginnen. Grundsätzlich versteht man hier, wie Service funktioniert. Unser Kellner ist ein flinker und kompetenter Kerl, der geduldig all unsere Fragen zu unbekannten Zutaten beantwortet.

Ceviche Vegetariano

Ceviche Vegetariano

Aus der offenen Küche kommt schon nach kurzer Zeit eine Vielfalt ästhetisch angerichteter Speisen an unseren Tisch. Das fein abgeschmeckte Ceviche aus Adlerfisch (10,50 Euro) besticht durch Leichtigkeit und säuerliche Frische und wird durch die cremig-runden Pürees aus Süßkartoffel, Erbse und Mais wunderbar ergänzt; das beste Ceviche, das ich bisher in Hamburg gegessen habe. Dass sich in der Küche der Cantina jemand mit Fischqualität auskennt, schmeckt man auch beim Biolachs mit Wakamesalat (12,50 Euro) sowie beim in weißer Misopaste mariniertem und anschließend gebratenem Pulpo (10,50 Euro). Doch auch an der Fleischfront sieht es gut aus: Die geschmorte Querrippe vom Biorind (8 Euro) ist mega gewürzt und butterweich – aber auch rustikal, wie es im Buche steht. Soll heißen: Wer nicht mit Fett und Knochen an seinem Fleisch umgehen kann, sollte lieber etwas anderes bestellen. Kühn und beschwipst vom süffig-leichten Sauvignon Blanc (5 Euro pro Glas) wagen wir uns sonst so filetverwöhnten Kinder an die Grillspieße mit Bio-Rinderherzen (8 Euro).

Cantina Popular

Ceviche Mixto Caliente a la Chalaca

Unser Mut wird belohnt: Das Muskelfleisch ist schön kross und außergewöhnlich gut gewürzt. Dass man Innereien isst, schmeckt man erst im Abgang. Eine Erfahrung, die einem beim nächsten Metzgerbesuch hoffentlich experimentierfreudiger werden lässt. Meine Begleitung und ich sind begeistert.

Ein Essen soll man aber ja bekanntlich nicht vor dem Nachtisch loben. Leider kommt der in Form eines kühlschrankkalten Tiramisu de Bacuri daher. Ein sabschiges Stück Dessert, bei dem sich von oben klümpchenweise Kakaopulver in die weiße Creme frisst, während sich unten – der Bacuri-Frucht sei dank – die Sahne zu einem weißen See auf dem Teller verflüchtigt. Muttis, die chefkoch.de für den heiligen Gral des Internets halten, hätten vermutlich ein ansehnlicheres Tiramisu auf den Teller gebracht. Auf Nachfrage verheimlichen wir unsere Abneigung gegen den letzten Gang nicht. Dass wir das Tiramisu deshalb nicht zu zahlen brauchen, ist fair.

Cantina Popular

Kantinengefühl hat bei Deckenschmuck wie diesem keine Chance

Kantinengefühle kommen in der Cantina Popular übrigens nicht auf. Im Gegenteil: Bunte Farben und Fliesen sowie gedämmtes Licht sorgen für eine warme Stimmung. Ein paar Polstermöbel statt Holzstühle hätten dem Restaurant in puncto Gemütlichkeit trotzdem nicht geschadet. Das schwarz-goldene Besteck hat aber so viel Stil, dass man das zwischenzeitlich vergisst und einfach ganz und gar entzückt ist von dieser kulinarischen Schanzenperle. / Jennifer Meyer / Foto: www.seren-dal.com)

Cantina Popular: Schulterblatt 16 (Sternschanze), Telefon 65 06 52 55, Mo-Do 17–22.30, Fr-Sa 17–23.30 Uhr


Jenny Meyer Essen + TrinkenSteckt gerade mitten im Kulinarik-Wahn: Jennifer Meyer bereitet gemeinsam mit Kollegin Sybille Fischer die Szene Hamburg Essen + Trinken vor.