Segler, sag mal „Piep!“

E-Mail vom 12. November: Endlich, ein Lebenszeichen von Axel. Er hat diverse Waschgänge hinter sich, kreuzte ohne Licht den englischen Kanal und hatte einen vomierenden Mitfahrer an Bord

12. November

Lieber Axel,

Langsam mache ich mir Sorgen um dich. Wir hören nichts von dir und du reagierst nicht auf meine Mails. Wolltest du zu dieser Zeit nicht bereits in Lissabon sein? Hat das zweite Ruder etwa nicht gehalten? Ich möchte es mir gar nicht ausmalen… Oder hängst du – Gott in Frankreich gleich – in Bordeaux ab?

Bitte melde dich!

Bis dahin, Mast- und Schotbruch

Lisa

12. November

Moin Lisa,

ich habe letzten Freitag endlich das Ruder bekommen. Die Versicherung bezahlt wohl den Schaden. Dann habe ich alles selbst gestrichen (5 Schichten) und eingebaut (ohne das Boot aus dem Wasser zu kranen, das Ruder wiegt gute 50 kg). Ich bin noch Samstagnacht um 1 Uhr losgesegelt.

Mein Mitsegler hat sich, nachdem wir uns in der ersten Nacht bei Flaute noch mit der Wache abgewechselt haben, ab dem nächsten Tag darum gekümmert, dass die Fische groß und stark werden … Es war heftig: Im Sturm gegenan, zu viel Segelfläche im Wind, viel Wasser im Boot, Wellen die immer wieder das Deck überspülten.

In der zweiten Nacht war auch ich mit meiner Konzentration am Limit. Es kam bei schlechter Sicht auch noch hinzu, dass die ganz neue Frontlaterne (die alte hat mir der Seenotkreuzer abgefahren) nicht wasserdicht ist und die LED Birne nicht mehr ging. Ich konnte sie noch mit ordentlichem Waschgang auf dem Vorschiff wechseln, aber dann ist sie kurz bevor wir die zwei Fahrrinnen des englischen Kanals kreuzen wollten, auch ausgefallen…

Wie das Abenteuer von da an weiter geht, erzähle ich in einer weiteren E-Mail. Ebenso gibt’s dann neue Fotos. Gleich bin ich nämlich schon auf den Iles de Glenan angekommen und möchte noch die letzten Sonnenstrahlen genießen, gegebenfalls bei einer Kitesession. Aber es war wirklich nicht viel Zeit für irgendwas, geschweige denn E-Mails oder Whatsapp-Nachrichten zu beantworten… Noch viele Baustellen an Bord, die erledigt werden müssen.

Liebe Grüße von der Zest auch von meinem Mitsegler Kevin, dem es mittlerweile richtig gut geht.

Ahoi, Axel

Weitere spannende Seefahrer-Geschichte aus Axels Logbuch gibt es hier

Such den Axel

Wo der Hamburger gerade über den Atlantik segelt, kann man auf dieser Karte verfolgen:

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Was zuvor geschah:


Axel HackbarthEin Hamburger allein auf dem Atlantik
E-Mail vom 15. Oktober: Jetzt geht’s los! Axel ist kurz vor der holländischen Küste angekommen und hat die erste Nacht Nüsse knabbernd an Deck verbracht

 

ContainerSchiffeTurbulenzen zwischen Containerschiffen
E-Mail vom 21. Oktober: Großes Malheur vor Dover! Im Englischen Kanal bricht das Ruderblatt der Zest. Axel baut aus einem Brett seiner Koje fix ein neues, wird dann aber doch von Seenotrettern geborgen