Delphi Showpalast

Serie: Eimsbüttel. Der Delphi Showpalast

Früher Glitzer-Partys, heute Familien-Revues und Firmenfeiern: Wie aus dem Trinity der Delphi Showpalast wurde

Samstagabend war Diskozeit. Vor dem Trinity an der Eimsbütteler Chaussee glitzerte es, hell bis grell bekleidete Menschen stiegen aus Limousinen direkt ins Scheinwerferlicht, das wie ein Heiligenschein über dem Club-Eingang lag. Wer hier her kam, dem war Glamour garantiert, ach was: ein ganzer Glamour-Palast.

Als eine Art Hamburger „Studio 54“ war das Trinity geplant. Auch in Eimsbüttel sollten ausschweifende Promi-Partys mit Nebel- und Lasershows stattfinden, selbst wenn 1978, als der Trinity-Startschuss fiel, die Hansestadt alles andere als eine Disko-Metropole, sondern vielmehr für Rockmusik bekannt war. Es passierte also etwas, und die erhofften Stars und Sternchen kamen, ob Grace Jones (der Legende nach nackt auf einem Schimmel einreitend) oder Madonna (angeblich mit einer Schampus-Bestellung, für die auch noch die benachbarten Bars leergekauft werden mussten). Sogar Depeche Mode traten 1982 im Trinity auf, Eintrittspreis: 15 Mark an der Abendkasse.

Soweit, so die große Zeit des Trinity. Womit die Betreiber nämlich nicht gerechnet hatten: mit den 90ern. Menschen wie Michael Ammer hatten es vom Trinity-Türsteher bis zu ungekrönten Feierkönigen der Stadt gebracht. Ausgeh- und Musikvorlieben änderten sich. Drogen wurden der neue Pop. Und die Geschäftemacher der 54-Kopie waren sich immer uneiniger. 1992 wurde der einst so schimmernde Club endgültig dicht gemacht.

Delphi Showpalast

Einst floss hier der Champagner in Strömen: der Delphie Showpalast. Foto: Philipp Jung

Wenn der Vorhang fällt

Der letzte Trinity-Vorhang war gefallen – nicht aber der finale für die Räumlichkeiten. Das Trinity – vor der Disko-Ära bereits Kino und Tanzsaal – wurde umgebaut, ja geradezu runderneuert und heißt seit nunmehr 17 Jahren Delphi Showpalast. Das Ehepaar Angela und Horst Altlinger hatte übernommen und aus dem Dancefloor ein Bankett gemacht, mit Tischen und Stühlen für rund 300 Besucher sowie 140 weiteren oben auf den Rängen. Das groß angelegte DJ-Pult war einer noch größeren Bühne gewichen, auf der fortan eine Musikrevue stattfand. Die momentane Produktion: „Forever Young“, mit Ensemble-Mitgliedern wie Ex-„Deutschland sucht den Superstar“-Sieger Mehrzad Marashi und der ebenfalls ehemaligen TV-Castingshow-Teilnehmerin Silvia Amarú. Auch zu sehen auf der Delphi-Showbühne ist Sohn Aron Altlinger (Foto). „Ich bin hier aufgewachsen“, erzählt der 24-Jährige mit Stolz in den Augen, „war schon zu Schulzeiten jeden Abend in den Shows. Mit 13 stand ich zum ersten Mal selbst auf der Bühne, spiele bis heute auch bei den Vorstellungen mit, genau wie meine Eltern.“

Mit „Wie krass bist du denn“ gibt seit einigen Wochen auch noch eine regelmäßig stattfindende Talentsuche im Delphi.

Comeback als Mini-Las-Vegas

Neben den Auftritten plant Aron alles, was im Delphi-Gastrobereich passiert, hilft am Tresen und an den Tischen, ist im Ticketverkauf involviert. Die Jahre im Showpalast empfindet er als enorm bereichernd, wenn auch nicht als derart spannend, wie es sich Außenstehende womöglich vorstellen: „Klar habe ich hier die ein oder andere Privatparty gefeiert. Es ist schon cool, wenn man zu seinen Freunden sagen kann, ‚komm, wir gehen noch zu mir!’, und dann ist da eine eigene Bar mit Tanzmöglichkeit. Allerdings konnte und kann ich hier nie nur ans Feiern denken, dazu ist das alles in meinem Kopf zu sehr mit Arbeit verknüpft.“ Und die wurde zuletzt nicht weniger. Mit „Wie krass bist du denn“ gibt seit einigen Wochen auch noch eine regelmäßig stattfindende Talentsuche im Delphi. Sänger, Tänzer, Comedians, Clowns – hier können sich angehende Bühnenstars erstmals vor Publikum und einer Jury beweisen, in der einer natürlich nicht fehlen darf: „DSDS“-Marashi. Außerdem können Firmen den Laden für ihre Feiern nutzen und einen Abend lang im Mini-Las-Vegas von Eimsbüttel bespaßt werden. Spätestens dann kommt er wieder ein wenig auf, der alte Disko-Charme. „Neulich haben wir eine Party für eine polnische Gruppe veranstaltet. Es gab sieben Stunden Live-Musik, der Wodka floss in Strömen, eine wirklich wilde Nacht“, sagt Aron.

Ob er das alles für immer machen und Delphi ganz übernehmen möchte, weiß er noch nicht. Derzeit studiert er nebenher noch BWL. Keine schlechte Basis, um die Show-Geschäfte auch in Zukunft am Laufen zu halten.

Text: Erik Brandt-Höge / Fotos: Philipp Jung

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