Oberhafen Hamburg

Serie: Hamburger Hafen. Das Oberhafenquartier Teil I

Hoffnungsträger oder Sorgenkind: Das Oberhafen-Quartier. In unserer Serie über den Hamburger Hafen stellen wir hier die Akteure vor, die das Oberhafenquartier zum Künstlerviertel machen könnten. Teil I: bauer + planer, Living Art & Halle und die Initiativen des Gängeviertels

Oberhafen Hamburg

Marcel P. Hahn und Till Richter (rechts) setzen mit bauer + planer auf eine offene, unkomplizierte Nutzergemeinschaft. Foto: Philipp Jung

bauer + planer

Darum geht’s:

bauer + planer ist ein Kollektiv von Handwerkern und Tischlern, das in Halle 4 sowohl eine umfangreich ausgestattete Werkstatt als auch einen Coworking Space zu günstigen Konditionen bereitstellt.

Die ganzen Vorzüge einer WG in einer Werkstatt vereinen, so die Devise von Marcel P. Hahn und Till Richter von bauer + planer. Interessant vor allem für Kreative und Start-ups, die sich keine eigene Werkstatt leisten können beziehungsweise aufgrund der hohen laufenden Kosten nicht ständig dazu gezwungen sein möchten, Aufträge anzunehmen. Die Idee der offenen Werkstatt entstand vor ca. fünfJahren und wurde auf die zweite Ausschreibung hin konkretisiert.

Haben während dieser Zeit eine weitere Werkstatt in Wilhelmsburg als Produktions-Hub und mein Büro im Gängeviertel mit kleiner Modellbauwerkstatt genutzt – beides soll im Sommer 2017 in den neuen Räumlichkeiten final zusammengeführt werden. Durften seit letztem Sommer übergangsweise ein großes Hallensegment gegenüber der Hanseatischen Materialverwaltung nutzen, müssen aber in Zukunft wieder kleiner denken – räumlich gesehen.

Größte Herausforderung:

Warten und sich in Geduld üben. Im Winterschlaf-Modus darauf hoffen, dass es endlich weitergeht. Zusehen, wie Kollektive mit ähnlichen Konzepten in Deutschland weiterkommen, während man selbst auf der Stelle tritt. Irgendwann einsehen, dass man das anfangs mobilisierte Netzwerk nicht mehr bei Laune halten kann.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Klappt super. Leute, die gemeinsame Interessen haben, arbeiten längst zusammen – oder behalten sich zumindest gegenseitig im Kopf. Till hatte damals von den Plänen des Oberhafenquartiers durch Petra Sommer von der Hanseatischen Materialverwaltung erfahren und anfangs noch überlegt, sich dort mit einer Werkstatt einzurichten. Doch dann kam alles anders und jetzt ist er froh darüber, noch mehr Austauschmöglichkeiten zu haben. Geplant sind beispielsweise gemeinsame Workshop-Angebote.

Oberhafen Hamburg

Der Fotograf Jürgen Carstensen ist ein alter Hase im Quartier: Mit Living Art ist er seit 17 Jahren Mieter. Foto: Heide Benser

Living Art & Halle 424

Darum geht’s:

Der Fotograf Jürgen Carstensen hatte vor 17 Jahren von einem Ort wie diesem geträumt – und ihn im Oberhafen gefunden. Das Schauspielhaus, Videofilmer, Fotografen, Kulissenbauer, sie alle haben ihn und sein Film- und Fotostudio LivingArt über die Jahre begleitet und an der gemeinsamen Erarbeitung eines kreativwirtschaftlichen Konzepts im Oberhafen mitgewirkt.

Die neueren Entwicklungen im Areal, die Suche nach Förderern und Vernetzung, die Einwerbung von Drittmitteln und die Präsentation nach außen, das alles haben er und andere langjährige Mieter – Buchverleger, Pin-up-Fotograf, Schuhhersteller, Videofilmer, Malerin – bereits hinter sich.

Gleichzeitig sieht er sich als Auslöser der Wandlung im Oberhafen. Dass hier außerPaletten einzulagern auch anderes möglich ist, beweist er nicht zuletzt seit 2014 mit seiner Halle 424, einem Veranstaltungsort für Klassik- und Jazzkonzerte. Gemeinsam mit Ulrich Bildstein vom Hamburger Kammerkunstverein veranstaltet Jürgen Carstensen einmal im Monat die Feierabendkonzerte.

Größte Herausforderung:

Keine nennenswerten. Hat den Oberhafen immer als kreativen und freizügigen Ort erlebt.

Nimmt allerdings wahr, dass sich der Ort allmählich verändert. Die grenzenlose Freiheit hat ein Ende – etwa durch Vorschriften oder Vorgaben von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen sowie der HafenCity GmbH.

Von wirklichen Problemen könne da aber nicht die Rede sein, man müsse allenfalls an der Kommunikation arbeiten.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Er kennt sie alle. Freut sich für die Alteingesessenen wie Designer Christoph Schmidt oder Kulissen- und Setbauer Stefan Münich, dass sie die bald fertig sanierten Flächen im vorderen Bereich der Halle 4 beziehen dürfen. Hat die Entwicklung von Parkour Creation e. V. mitverfolgt und hofft, dass der Bedarf nach einem solchen Ort weiter anhält.

Oberhafen Hamburg

Die Initiativen aus dem Gängeviertel mussten der Sanierung weichen. Und fanden im Oberhafen ein neues Zuhause. Foto: Philipp Jung

Initiativen des Gängeviertel e. V.

Darum geht’s:

Nora und Christian betreiben „Das Dinger“, den Pausenraum und Schmelztiegel des Quartiers. Christian hatte ursprünglich beim Aufbau des Molochs geholfen, woraus sich wiederum die Idee für die kleine Küche entwickelte. Zuvor hatte er bereits in der Gängeviertel  VoKü und auf dem Dockville-Festival gekocht.

Im Oberhafen bereiten Christian und Nora nun täglich ein Gericht für Freunde und Nachbarn. Da die Nachfrage immer größer wird, bemühen sie sich aktuell darum, die restlichen Auflagen zu erfüllen und eine offizielle Gastronomie zu werden. Im Zuge der Sanierungsarbeiten im Gängeviertel fand Johannes Schüller vom Moloch mit seinen Kollegen Ende Juli 2014 Zuflucht im Oberhafen.

Mittlerweile ist das Moloch über sich hinausgewachsen und lässt sich nicht mehr ins Gängeviertel „zurückquetschen“. Lukas Scheper, Mitbegründer des Coworking Space FilmFabrique, gehört ebenfalls zu denjenigen, die den Sanierungsarbeiten weichen mussten. Ist immer noch an zahlreichen Veranstaltungen im Gängeviertel beteiligt. Nico Krüger, Betreiber von Pfund & Dollar, einer Prototypen-Werkstatt mit Tischlerei und Schlosserei, kam in den Oberhafen, um beim Aufbau des Moloch mitzuhelfen.

Tat sich anschließend mit der Schlosserei Gunsenheimer und ApostrophZ zusammen. ApostrophZ, eine ursprünglich aus dem Dockville-Kontext entstandene Gemeinschaft, hat die Bar im Moloch mitgebaut und betreibt im Gängeviertel das Ladenlokal La Döns.

Größte Herausforderungen:

Das Geld reicht nicht, die Zukunft ist ungewiss, das Einholen von Genehmigungen nervenaufreibend. Für das Moloch steht eventuell sogar der Abriss ihres Biergartens bevor. Die dunkelste Stunde in der Geschichte des Clubs – entsprechend mies ist die Stimmung.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Klappt vor allem innerhalb, der Gängeviertel-Strukturen hervorragend. Der Klüngel pflegt aber auch gute Kontakte zur Hanseatischen Materialverwaltung, zu bauer + planer und Parkour Creation e. V. – allein schon durch das gemeinsame Mittagessen im „Dinger“.

/Texte: Jasmin Shamsi

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