Soul Kitchen

Soul Kitchen

Ingo Putz’ brüllend komische Adaption von Fatih Akins Kultstreifen „Soul Kitchen“ am Ohnsorg – um Längen besser als das Original!

Der gleichnamige Film von Fatih Akin aus dem Jahre 2009 war ein Knaller und die Messlatte hoch für die Theateradaption im Ohnsorg. Doch die Inszenierung unter der Regie von Ingo Putz hat nicht enttäuscht: Ein Hamburg-Stück mit Soul Kitchen-Atmosphäre. Vor allem das hervorragende Ensemble verkörpert die eigenwilligen Figuren auf seine ganz eigene Weise und macht aus dem Stoff eine charmante Theaterversion des Kultfilms – mit einem blonden Sino und (fast) alles auf Plattdeutsch.

Sino (Holger Dexne) ist Besitzer des Restaurants Soul Kitchen – Ein Ort, an dem Freunde und Familie zusammenwachsen. Loyalität und Freundschaft ist das große Thema des Stücks. Denn Sinos Leben gleicht einer Berg- und Talfahrt: Seine Freundin Nadine geht nach Shanghai, er erleidet einen Bandscheibenvorfall und im Soul Kitchen herrscht Flaute, seit der „Vier Jahreszeiten“-Koch anstatt Pizza, Gerichte wie „De Divel sün Klöten“ auf die Speisekarte gesetzt hat.

Dafür nistet sich Love mit ihrer Band ein, gespielt von der Sängerin Love Newkirk, die stimmgewaltig den Soul ins Ohnsorg bringt. Und auch das Restaurant füllt sich wieder mit Kundschaft, die die Band hören will. Es läuft, aber nicht lange gut. Sinos Freundin verlässt ihn und die Beziehung zu seinem Bruder Linus (Tim Ehlert) wird auf die Probe gestellt, denn Liebe und Verrat liegen dicht beeinander. Doch als das Soul Kitchen in die Hände des Immobilienhais Neumann (Tobias Kilian) fällt, dreht der liebenswerte Haufen richtig auf, um sich sein Zuhause zurückzuholen.

Es ist ein Abend der Sinne über zweieinhalb Stunden – ganz ohne Längen. Im Gegenteil: das Stück ist frech, überzeugt durch Witz und scheut sich nicht vor pikanten Szenen. Im Spielplan des Ohnsorg Theaters die wohl ungewöhnlichste Inszenierung und eine gelungene Überraschung.

/ Kritik von Hedda Bültmann erschienen 04/2016 in SZENE HAMBURG

Ohnsorg Theater, Premiere: 18.3.2016

Foto: Sinje Hasheider