Sozialer Joghurt aus Hamburg

Hamburg hat nun seinen eigenen veganen Frozen Yoghurt. Die Idee landete aus den USA in Bahrenfeld. Jeder gekaufte Becher unterstützt die Welthungerhilfe

Svens Arbeitsplatz ist ein aus drei Europaletten zusammengezimmerter Schreibtisch. Hier, in einem kleinen Bahrenfelder Büro, hat er zusammen mit zwei ehemaligen Kommilitonen das Start-up Purefood gegründet. Es steht für Frozen Joghurt aus natürlichen Zutaten – einige Sorten sind vegan und werden mit Bio-Soja aus Österreich hergestellt.

Startup Hamburg LyckaGenau wie seine Mitgründer Johannes und Felix hat Sven BWL studiert und parallel bei einem Großkonzern gearbeitet. „Wir hatten alle das gleiche Gefühl: das von einem kleinen Zahnrad in einem undurchsichtigen Gefüge.“ Sie wollten sich selbstständig machen. Im Auslandssemester in den USA entdeckten sie Frozen Joghurt. Nach ihrer Rückkehr fingen sie an, das Produkt in Coffeeshops zu verkaufen. „Das hat sich nicht wirklich anders angefühlt, als unsere Jobs im Konzern. Wir haben uns gefragt: Was wollen wir wirklich?“

Der Truppe war es wichtig, ein gesundes und nachhaltiges Produkt herzustellen, schließlich ist einer von ihnen passionierter Koch, der andere Leistungssportler und auch Sven wuchs mit sozialen Werten auf. „Als Sohn zweier Yogalehrer habe ich mich in der Wirtschaft nie so richtig wohl gefühlt. In den USA habe ich soziale Unternehmen kennengelernt und wollte selbst etwas Gutes mit meinen BWL-Kenntnissen machen.“ Je mehr die drei sich mit der weltweiten Kluft zwischen Reichtum und Armut beschäftigten, desto mehr waren auch Felix und Johannes von der Idee überzeugt, mehr als nur gute Lebensmittel zu verkaufen.

Mittlerweile arbeiten sieben Leute bei Purefood und stellen Frozen Joghurt namens Lycka her, was auf Schwedisch „Glück“ bedeutet. Von jedem Becher gehen 11 Cent an die Welthungerhilfe und bezahlen eine Schulmahlzeit. „2015 haben unsere Käufer 88 612 Schulmahlzeiten in Mali ermöglicht. In diesem Jahr wollen wir über 500 000 Schulmahlzeiten in Burundi finanzieren.“ Die Unternehmer wollen zeigen, dass Kaufentscheidungen einen echten Unterschied machen können. „Immer mehr Menschen zahlen gerne vernünftige Preise für gute Lebensmittel.“

Sie hoffen, dass nachhaltig und wirtschaftlich produzieren in der Zukunft besser vereinbar sein wird, zum Beispiel durch Besteuerung von hohem CO2-Verbrauch oder der Verwendung von Pestiziden. „Natürliche Zutaten verwenden und einen Teil spenden macht unsere Produktion zwar teurer, aber nicht-nachhaltig produzieren wird für die Gesellschaft langfristig mehr kosten.“

Lycka kann man online bestellen oder in ausgewählten Hamburger Supermärkten kaufen

Text: Natalia Sadovnik