LesBar: Neuland von Eshkol Nevo

Literatur-Ressortleiterin Jenny V. Wirschky weiß, was unsere Leser lesen wollen. Oder sollten. Hier gibt sie euch ihre persönlichen Lese-Empfehlungen

Passend zu meiner Momentlektüre „Neuland“ von Eshkol Nevo verbringe ich die Sommerferien in Israel. Mit Blick aufs Meer zu lesen, eine Geschichte über ein sonst so weit entferntes Land, jetzt gerade Teil davon zu sein, ist nahezu mythisch.

Es ist September und deshalb noch unglaublich warm hier. So erkunden wir halbnackt die wunderschöne Gegend: die Küste von Tel Aviv, die hängenden Gärten von Haifa,  den Hafen von Ashdod, die Altstadt von Jerusalem. Hier lebt auch der Protagonist aus Nevos Roman über Familie, Aufbruch und die Sehnsucht nach dem eigenen Leben. Dori lebt mit Frau und Kind in der israelischen Hauptstadt, ist irgendwie glücklich, irgendwie nicht – und stürzt sich nach dem Verschwinden seines Vaters wohlwollend aber voller Zweifel in die Suche nach ihm. Sie treibt ihn nach Südamerika, zu Menschen, mit denen er in skeptische Beziehung tritt, die ihn zwingen, sich zu erinnern oder in die er sich, weit weg von allem, fremdverliebt. Nevos Sprache ist epenhaft, nicht kompliziert. Sie verweist auf das echte Leben, ohne dabei allzu Bekanntes zu wiederholen. Mit weiten Spannungsbögen und realistischen Figuren erzählt der israelische Autor in „Neuland“ nicht nur die Geschichte seiner Generation, sondern zeichnet auch ein intimes Bild seines Landes.

Eshkol Nevo, Neuland, 637 Seiten, dtv Verlag, 12,90 Euro


Who the fuck is… Jenny?


Jenny V. Wirschky Jenny V. Wirschky

Alter: 32

Ressort: Literatur

Buch für eine einsame Insel: Gustav Schwabs „Sagen des Klassischen Altertums“

Muss ich endlich mal lesen: Das Alte Testament und Marx‘ Kapital

Was wir alle lesen müssten: 

Prosa: Der Meister und Margarita (Michael Bulgakow)

Lyrik: Liebe Anarchie (Axel Reitel)

Philosophie: Dialektik der Aufklärung (Max Horkheimer und Theodor W. Adorno)