SZENE Hamburg E+T – die Focacceria-Jungs aus Ottensen

In Ottensen kennt man sie als mobiles Küchenkommando Kitchen Guerilla. Nun eröffnen die Brüder Koral und Onur Elci Hamburgs erste Focacceria „Bonassola“. Ein Beitrag aus dem wichtigsten Gastro-Guide dieser Stadt –  SZENE Hamburg Essen+Trinken

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„Wir lieben Teig!“ (Koral Elci)

Koral Elci kocht mit Leidenschaft. Uns klärt er über seine Liebe zu Teig auf. Und warum diese seine Ehe befeuert hat.

Was ist eine Focacceria?

Mehr Bäckerei als Pizzeria. Focaccia ist aber ein ähnliches Produkt wie Pizza, etwas dicker und fluffiger. Es gibt in Italien verschiedene Sorten von Sizilien bis Ligurien, dort werden sie auch als Brot verkauft. Man kann Focaccia aufschneiden und belegen oder füllen.

 

„Meine Frau meinte: ‘Koral, vergiss Pizza. Wenn du das hier nachmachst, dann heirate ich dich.‘”

Woher stammen eure Rezepte?

Aus Genua. Hier ist die Focaccia knuspriger und flacher als anderswo. Sie ist nicht so heftig, sehr saftig und hat eine Olivenöl-Note. Diese ganze Focaccia-Idee stammt von meiner Frau. Seit sie klein ist, macht sie Urlaub in einem Dorf namens Bonassola. Wir waren frisch verliebt und sie brachte mir ein Stückchen Focaccia mit. Ich habe mich sofort in das Produkt verknallt: nur Teig, in den eine besondere Art von Frischkäse eingebacken wird. Ganz pur, keine Tomatensauce. Bamm! Meine Frau meinte: „Koral, vergiss Pizza. Wenn du das hier nachmachst, dann heirate ich dich.“

Wie ging es weiter?

Mein Bruder und ich dachten bereits lange Zeit über ein Konzept nach, um unabhängig von Kitchen Guerilla 
einen Laden aufzumachen, der auch an weiteren Standorten funktionieren könnte. Nach der Focaccia-Erfahrung haben wir uns für diese Form der italienischen Bäckerei entschieden. Wir lieben Teig! Das Produkt ist vielseitig. Man kann damit alle Mahlzeiten gestalten. Als es konkret wurde, habe ich mich im letzten Sommer mit dem besten Bäcker Bonassolas getroffen. Antonio backt in der dritten Generation. Er betreibt zusammen mit seinem Sohn drei Läden in zwei Städten. Mit meinem Mittelstufen-Italienisch habe ich ihn überzeugen können, sich als Bäcker an unserem Laden zu beteiligen. Er und sein Sohn sind nun teilweise in Italien und teilweise hier, um unser Personal auszubilden.

Wie wird das „Teig zu 
allen Tageszeiten“-Konzept in Ottensen umgesetzt?

Morgens gibt es kleine belegte Focaccia, süße Sachen und Brot zum Mitnehmen. Mittags kann man sich verschiedene Stücke Focaccia und Tartes aussuchen. Die Tartes erinnern an Quiche sind fast alle vegetarisch, mit viel Ei und Parmesan zubereitet und mit Mangold, Zwiebeln, Reis, Zucchini oder Artischocken gefüllt. Sehr geile Sachen. Die Stücke legen wir auf die Waage, nach dem Gewicht berechnet sich der Preis. Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen und abends fördern wir die Aperitivo-Kultur.

Was bedeutet das?

Was ich in Italien liebe und hier vermisse, nach Feier-
abend einen Americano, Negroni oder Gin Tonic zu bestellen und dazu Kleinigkeiten serviert zu bekommen. In Deutschland geht man riesig essen und danach in die Kneipe saufen. Das ist nicht meins, das habe ich sieben Jahre lang als Betreiber des Familieneck in Ottensen erlebt. In unserem Laden kann man einen Cocktail trinken, später einen Wein und dazu Focaccia essen. So verbringt man einen gemütlichen Abend, der nicht so lange geht. Um 22 oder 23 Uhr gehen wir dann alle nach Hause.

/ Lena Frommeyer

Bonassola, Große Rainstraße 20 (Ottensen), Mo-S0 von  8–22 Uhr


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