Basil & Mars

SZENE testet: Basil & Mars in Hamburg Rotherbaum

Das „Alsterufer 1“ ist als Adresse ja schon mal ’ne Hausnummer, der man erst mal gerecht werden muss. Martin Lohr und Joachim Mars (Betreiber der populären Marsbar in Eppendorf) sind das Wagnis in dem verglasten Neubau eingegangen – und es scheint aufzugehen

Basil & Mars

Tüchtig in der Küche. Foto: Basil & Mars

Wir sitzen in dem großen und hohen Raum etwas abseits an Bistro-Tischen, alle anderen an normalen tiefen Tischen. Aber ein Platz hat echten Highlight-Charakter: der lange Tresen unter Kupferleuchten mit Blick in die offene Küche. Hätten wir das vorher gewusst, wir hätten uns diesen Tisch gewünscht.

Basil & Mars

Tresenplatz in der gehobenen Klasse. Die Bar. Foto: Basil & Mars

Die Preise sind eine ziemliche Ansage, die meisten Hauptgerichte tummeln sich um die 30 Euro. Da scheint die „Chefs Selection“ ein guter Deal zu sein: sechs Gerichte von der Karte als kleinere Portion für 38 Euro. Eine schöne Möglichkeit, die Küche kennenzulernen. Es wird so ziemlich alles aufgetischt, was gerade angesagt ist: unter anderem Asiatisches (Sashimi), Mediterranes (geröstete Garnelen) oder Deutsches (Geschmortes vom Weideochsen). Das klingt vielleicht etwas beliebig, ist aber gut umgesetzt, wie der Abend zeigen wird.

Basil & Mars

Ohlala. Der Blick in die Cocktailkarte lohnt sich. Foto: Basil & Mars

Bis zum ersten Gang dauert es leider mehr als 45 Minuten, danach aber stimmt das Timing. Den Beginn macht ein sehr gut abgeschmecktes Thunfischtatar mit Schnittlauch und zwei leckeren Tupfern: Avocadocreme und Sesam-Mayonnaise mit asiatischem Touch. Der schwächste aller sechs Gänge sind die marinierten Artischocken. Sie sind nachlässig geputzt, daher stellenweise leicht holzig und die lauwarme Vinaigrette ist einfach zu zahm, um aus diesem Gericht noch etwas Aufregenderes zu machen. Die Rote-Bete-Ravioli mit zitroniger Meerrettich-Buttersauce sind schon ein kleiner Schritt nach oben.

Man kann sich zu zweit einen netten Abend machen, allzu tiefgründige Themen dürften es angesichts der Lautstärke aber nicht leicht haben.

Ein richtiger Volltreffer ist dann aber das kross gebratene Wolfsbarschfilet. Mit der leichten Säure einer karamellisierten Limettenscheibe, crunchig gebratenen Bröseln und einem intensiv-fruchtigen Tomatenragout ist das Ganze ein schöner kleiner Ausflug raus aus dem Hamburger Regen in mediterrane Gefilde. Der kräftige „Klosterberg“-Riesling (0,1 Liter 5 Euro) passt gut dazu, insgesamt jeweils vier beziehungsweise fünf offene rote und weiße Weine stehen auf der Karte.

Basil & Mars

Im Wein liegt die Wahrheit. Hier lagert sie…Foto: Basil & Mars

Bei Gang Nr. 5 ist das Kartoffelpüree zu den Entrecôte-Streifen zwar eher unauffällig, dafür ist das Fleisch exzellent. Durch kräftiges, perfekt dosiertes Braten bei hoher Hitze hat sich eine dünne Kruste gebildet, die fast so knusprig wie die eines guten Brathähnchens ist. Der Cheesecake zum Abschluss ist so, wie er sein muss: oben cremig, unten knusprig. Dem dazugehörigen Kirschkompott eine Spur Ingwer zu verpassen, ist eine sehr schöne Idee.

Der Service bleibt (fast zu) locker: „alles Roger?“, lautet die etwas lapidare Frage nach jedem Gang. So lange man sie aber wie hier in den meisten Fällen mit „ja“ beantworten kann, geht das in Ordnung.

Das Publikum scheint dem Preisniveau gewachsen zu sein, Style spielt eine unübersehbare Rolle. Das macht es aber keineswegs unangenehm, so gibt es eben nicht nur auf den Tellern etwas Schönes zu sehen.

Basil & Mars

Nachlässig geputzt und enttäuschend: die Artischocken. 

Man kann sich zu zweit einen netten Abend machen, allzu tiefgründige Themen dürften es angesichts der Lautstärke aber nicht leicht haben. Viel besser eignet sich der Laden für einen schönen Abend mit Freunden. Dafür sind die Voraussetzungen bestens.

 / getestet von Benjamin Cordes / Fotos: Basil & Mars

Basil & Mars: Alsterufer 1 (Rotherbaum), Mo-Fr 9-24, Sa 12-24 Uhr, Telefon 41 35 35 35; www.basilundmars.com

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