(14.2.) Film, „The Shape of Water“, Savoy Kino, 20:30 Uhr

Als Säugling wurde Elisa am Rande eines Flusses gefunden, im Wasser liegend, mit seltsamen Schnitten an beiden Seiten des Halses. Offenbar wurden ihr die Stimmbänder durchtrennt: Sie ist stumm.

Viele Jahre später, 1962, ist sie erwachsen, lebt in einer heruntergekommenen, düsteren Wohnung über einem Lichtspielhaus, das seine besten Zeiten definitiv auch schon hinter sich hat. Wenn der Wecker klingelt, steht sie auf, kocht Eier, masturbiert in der Badewanne, zieht sich an und bringt ihrem Nachbarn, dem schwulen, alternden Maler Giles (Richard Jenkins), ein Frühstück vorbei. Er ist ihr einziger Freund – neben Zelda (Octavia Spencer), mit der sie tagtäglich in einer streng geheimen Forschungseinrichtung der US-Regierung putzt. Es ist ein kleines, isoliertes, streng umrissenes Leben – bis der karrieregeile Agent Strickland einen Wassermenschen ins Labor bringt, um ihn zu untersuchen. Er soll ins All geschossen werden, um den Wettlauf mit den Russen um die Vorherrschaft im Weltraum zu gewinnen. Der Kalte Krieg tobt.

Eine märchenhaft-gruselige Liebes-Hommage

Märchen meets Monsterfilm, dazu eine Prise Agententhriller und Musical, alles getaucht in eine düstere Film- Noir-Atmosphäre. Genial, wie virtuos der mexikanische Regisseur und Drehbuchautor Guillermo del Toro die Stile mixt! „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ ist eine äußerst vielschichtige, märchenhaft gruselige Hommage an die Liebe. Eine kompromisslose Liebe, die ungeheuerliche Grenzen sprengt.

Hier erblüht sie zwischen der Außenseiterin Elisa und einem Amphibienmann aus dem brasilianischen Sumpf. Die erste Begegnung: ein Schock. Doch bald schon ist Elisa fasziniert vom fremden, irisierend gepanzerten, fischäugigen Wesen (einfach nur großartig, mit Motion-Capture-Technik: Doug Jones), das für Agent Strickland nicht nur eine seelenlose Kreatur, sondern vor allem das Ticket zur Beförderung ist. Elisa jedoch erkennt in dem gleichfalls stummen Wasserwesen eine verwandte Seele, die sie so akzeptiert, wie sie ist. Sie bringt ihm gekochte Eier, spielt ihm Jazz vor, tanzt für ihn, kommuniziert über Gestensprache – und entführt ihn schließlich, als die Agenten seine Hinrichtung planen.

Die Hoffnung trotz den Abgründen

Sally Hawkins als Elisa ist unglaublich gut. Die Rolle hat ihr del Toro auf den Leib geschneidert, sie interpretiert sie – wortlos! – mit einer Tiefe, die begeistert. Nicht nur die mit einem Golden Globe ausgezeichnete, magisch beschwingte Musik von Alexandre Desplat (einen weiteren gab es für die Beste Regie) verleiht dem Film einen Hauch der „Fabelhaften Welt der Amélie“ (freilich in frischer Kombi mit „Der Schrecken vom Amazonas“). Auch Hawkins’ Elisa hat diesen gewissen zauberhaften Charme, den ganz eigenen Blick auf die Dinge.

Ebenfalls superb: Michael Shannon. Sein Agent Strickland ist nicht nur der brutale Karrierist. Auch er zweifelt, zunehmend paranoid und unberechenbar jagt er der eigenen Perfektion hinterher. Die er früher vollkommen glaubte: Wer, wenn nicht er, wurde nach Gottes Ebenbild geschaffen? Gewiss nicht die schwarze Putzfrau Zelda, schon gar nicht die Kreatur aus den Sümpfen, auch wenn die Einheimischen sie als Gott verehrten. Ganz nebenbei flicht del Toro, der sich selbst schon als „bibliophil“ bezeichnete, PhilosophischReligiöses in sein Monstermärchen ein. Das trotz aller Abgründe und Ungeheuerlichkeiten, die sich hier auftun, auch Hoffnung gibt: Es gibt sie, die Freundschaft, die Gerechtigkeit und die Liebe. Auch für diejenigen, die nicht ins Raster passen.

/ Maike Schade / Foto: 2017 Twentieth Century Fox

Savoy Kino
14.2.18, 20:30 Uhr / Preview vor dem Kinostart am 15.2.