(15.1.) Theater, „Bilder deiner großen Liebe“, Thalia Gaußstraße, 20 Uhr

Eine altmodische beigefarbene Bluse, schmale rote Hose, schwarze Stiefel und vor allem der auffällige, von einer Modistin extra angefertigte Hut. So ausgestattet wirkt Isa wie aus der Zeit gefallen. Mit ihrer ungewöhnlichen Kleidung erinnert sie an den Außenseiter Kaspar Hauser und vor allem an die Figur des Anton Reiser aus Karl Philipp Moritz’ gleichnamigen Entwicklungsroman. Wohl nicht zufällig gibt das Lieblingsbuch von Isa hier die Richtung vor für eine Reise zu sich selbst.

Birte Schnöinks und Maria Rosa Tietjens Bühnenfassung von Wolfgang Herrndorfs letztem, unvollendet gebliebenen Roman „Bilder deiner großen Liebe“ konzentriert sich ganz auf die Hauptfigur. Statt durch Wälder und Landschaften, wie in der Buchvorlage, wandert sie auf der Flucht aus der psychiatrischen Klinik über eine minimalistisch weiße Bühne – mit nur vier Scheinwerfern, einer Bohrmaschine und Gitarre als Requisiten hat die Schauspielerin Birte Schnöink viel Raum für ihr facettenreiches 70-minütiges Solo.

Zwischen Fantasie und Realität

Die Natur, die in Herrndorfs fragmentarischen Aufzeichnungen eine große und beruhigende Rolle spielt und Isa zwischendurch erdet, spielt im Theaterstück eine untergeordnete Rolle. Theaternebel, Windmaschine und Wasserpumpe liefern zwar ein paar schöne Bühneneinfälle, diese künstlichen Gerätschaften bieten aber Isa keinen Halt. Auch die Erzählungen über die Menschen, denen sie unterwegs begegnet, zeigen nur ihre Einsamkeit und Verlorenheit umso deutlicher.

Was aus den realen Erinnerungen von Isa stammt und was sie nur fantasiert, bleibt in der klug pointierten Inszenierung, in der Regie von Maria Rosa Tietjen, sehr der Imagination des Zuschauers überlassen. Birte Schnöink gelingt es durch ihr Spiel im Laufe des Abends immer stärker, in die Gedanken- und Gefühlswelt der rätselhaften Einzelgängerin Isa zu entführen und Herrndorfs Poesie auf die Bühne zu bringen.

/ Angela Kalenbach / Foto: Krafft Angerer

Thalia Gaußstraße
15.1.18, 20 Uhr