The Greek Innenaufnahme

The Greek. Von Göttern gekocht

Wenn jemand mit den Göttern spielen darf, dann die Griechen. Da klingt der Slogan „Wine & Food Created By Gods“ auch nicht anmaßend

Die Einladung zum Griechen stieß zugegebenermaßen zunächst auf wenig Vorfreude. Wir überlegten bereits, wie wir viel Fleisch und fettige Pommes an diesem Abend freundlich ablehnen könnten. Doch die Laune besserte sich, als wir am Hafen vor dem nagelneuen Restaurant Greek mit den riesigen Fenstern standen und die warme und stilvolle Einrichtung geradezu ungläubig betrachteten: Keine muschelverzierten Fischernetze, keine blau-weißen Tischdecken, keine Gipssäulen.

The Greek

Michalis Josing (M) mit seinen Küchenchefs Sergio (l.) und Dimitris (r.)

Stattdessen: Ein sechs Meter hoher Eingangsbereich, der mit einer großzügig ausgestatteten Bar lockt, ein Restaurant auf drei Ebenen und eine offene Küche, die den Blick freigibt auf glänzendes Chrom und Köche, die konzentriert arbeiten. Fast ist es, als würden sie tanzen, während sie die Gerichte auf weißen Tellern kunstvoll arrangieren.

„Giros und Souvlaki? So etwas kommt uns nicht in die Küche“, sagt Greek-Chef Michalis Josing. „Das ist Fastfood!“

Der Mann mit der Skibrille ist in Hamburg kein Unbekannter: Seit 16 Jahren führt er auch das von seiner Mutter vor 45 Jahren gegründete Dionysos am Eppendorfer Weg in Eimsbüttel. Auch dort setzt er auf eine etwas andere Ostmittelmeerküche und verzichtet auf riesige Fleischplatten.

Jetzt also ein gehobenes Restaurant an der Elbe, unweit der Elbphilharmonie. In die Räume, in denen einst das portugiesische Restaurant Sagres zu Hause war, hat Michaelis in den vergangenen neun Monaten sein ganzes Herzblut gesteckt, Wände, Decken und Fußböden herausgerissen, alte Schwarzweiß-Fotografien aus einem Griechenland längst vergangener Jahrzehnte statt kitschiger Sonnenuntergänge aufgehängt und ein Stück modernes Griechenland geschaffen. Sogar das edle Eichenholz für die Einrichtung ließ der Greek-Chef vom Olymp an die Elbe bringen. 2.000 Flaschen Wein aus Griechenland liegen im zweietagigen Separee im Regal (über dieses dürften sich vor allem die Raucher freuen, denn im Separee darf man sich auch eine anstecken), auch Kaffee (Mikel), Schokolade und Kekse kommen direkt aus der alten Heimat.

The Greek

Aufgetischt wird Griechen-Food vom Feinsten. Wie sich die Küche nennt? Michalis fragt den Sternekoch Evangelo, der in Athen Chefkoch im Grande Bretagne war und extra eingeflogen wurde, um das Küchenteam um Chefkoch Sergio und dessen rechte Hand Dimitris auf Linie zu bringen. Was auf griechisch unfassbar lang und wunderbar nach Urlaub klingt, ist auf deutsch mit einem Wort zu umschreiben: kreativ.

Das heißt: „Wir machen nicht das, was üblich ist. Wir bringen die griechische Küche zum Explodieren“, sagt Michalis und tischt nach einem ersten Ouzo auf Eis die Vorspeisen auf.

Das Lachstatar mit Limette, Chili, Karotten-Relish und Limettenschaum (14 Euro) und die Jouverlakia (kleine Fischbällchen, 19 Euro) schmecken auch vor Weihnachten nach Sommer und machen gute Laune. Als Hauptgerichte locken neben Pasta und Risotto zum Beispiel der Wolfsbarsch mit Trikalinos Bottagra, Roter Bete und Kumquat-Chutney mit Sternanis (27 Euro), Lammkarree mit Auberginenkaviar (32 Euro) oder in Naoussa-Glasso geschmorte Kalbsbäckchen (23 Euro). Wer einen echten Coup landen will, wählt Moraitiko Hilopitaki, traditionell griechische Pasta mit Hummer. Das hat allerdings seinen Preis und bringt gleich 42 Euro auf die Rechnung. Sollte es einen am Ende noch nach Süßem gelüsten, gibt’s natürlich auch noch Desserts wie die Namelaka-Schokoladenkugeln (12 Euro) oder den Galaktompoureko, einen traditionellen griechischen Kuchen.

Wir lehnen uns zurück und trinken noch einen zweiten Ouzo auf Eis. Auch der kommt direkt aus Griechenland und fließt sanft die Kehle hinunter. So muss es im Himmel schmecken. Göttlich. / Ilona Lütje 

The Greek: Vorsetzen 53 (Neustadt), Telefon 31 80 73 70, Mo-So 10–24 Uhr; www.thegreek.hamburg


Ilona LuetjeIlona Lütje leitet die Redaktionsgeschicke der SZENE in nahezu göttlicher Qualität und darf deshalb den überirdischen Vergleich wagen.

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