What’s up? Junge Fotografie in den Deichtorhallen

Von Überwachung, Aussteigern und dem Golfstaat Katar erzählen die Gewinner des Wettbewerbs „Gute Aussichten“. Eröffnung der Ausstellung ist am 3.3.

An kaum einem Ort ist die Kunst aktueller und näher dran an dem, was bewegt und was zur Diskussion steht als an einer guten Hochschule. Das zeigt der Wettbewerb „Gute Aussichten – Junge deutsche Fotografie“ seit 2004. Jedes Jahr werden dabei Professoren deutscher Hochschulen und Akademien aus dem Studiengang Fotografie gebeten, maximal fünf Abschlussarbeiten ihrer Studierenden einzureichen.

104 Einsendungen aus 36 Institutionen waren es für den Wettbewerb 2015/2016 – und neun Gewinner wurden von einer Jury gekürt, deren Mitglieder vom Leiter des Museums für Fotografie in Berlin bis zu dem provokanten österreichischen Filmemacher Ulrich Seidl reichen.

Foto: Aras Goekten

Foto: Aras Goekten

Gibt es schon länger eine Diskussion darüber, ob Wettbewerbe noch zeitgemäß sind, ob es reicht, jemandem einen Preis in die Hand zu drücken und ihn dann wieder seinem Schicksal zu überlassen, und ob es nicht viel sinnvoller ist, Come-Together und Patenschaften für hoffnungsvollen Nachwuchs zu organisieren, macht der „Gute Aussichten“-Wettbewerb vor allem die Gewinner sichtbar und das schon von Beginn an in den Deichtorhallen.

Deichtorhallen Jewgeni Roppel

Foto: Jewgeni Roppel

Während sich Jewgeni Roppel von der Fachhochschule Bielefeld nach Sibirien aufmachte, in dessen Weite sich verschiedene Glaubensgemeinschaften angesiedelt haben, die alle ihre eigene Vision von einem anderen Leben verfolgen, geht sein Studienkollege Felix Hüffelmann den Themen Überwachung und Privatsphäre nach, und zog es Gregor Schmidt von der HTW Berlin ins umstrittene Katar, Austragungsort der Fußball-WM 2022 und im Verdacht, islamische Terrorkommandos zu finanzieren.

Foto: Kyung-Nyu Hyun

Foto: Kyung-Nyu Hyun

Kolja Linowitzki von der UDK Berlin hingegen entwickelte einen eigenen Bilderzeugungsapparat, der digitales Licht auf analogem Fotopapier einfängt – und Kyung-Nyu Hyun von der Kunsthochschule für Medien Köln blickte auf ihren eigenen Teller. Ein Jahr lang und insgesamt 812 Mal fotografierte sie, was sie aß und zeigt dabei weit mehr als nur Essen.

Unter dem Motto „Wie geht es weiter, Welt?“ fasste das „Gute Aussichten“-Team die Arbeiten zusammen. Doch es ist gerade ihre Verschiedenheit, die so spannend ist.

Text: Sabine Danek

Deichtorhallen / Haus der Photographie
Deichtorstraße 1 (Hammerbrook)
Eröffnung: 3.3.,19 Uhr, Ausstellung bis 17.4.
Öffnungszeiten: Di-So 11–18 Uhr
Jeden 1. Do: 11–21 Uhr (außer an Feiertagen)
Führungen (öffentlich und ohne Anmeldung): Sa & So 15 Uhr, jeden 1. Do um 18 Uhr
Eintritt: 5 bis 10 Euro