„Wir sind ja auch alle nur Musikfans“

Müssen alle mit: Festival-Comeback für Schrottgrenze am 11.7.! Sänger Alex Tsitsigias lässt sich in die Tasche gucken

Nada Surf, Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, Rhonda, Antilopen Gang, Oliver Gottwald, Egotronic: Sie alle treten beim „Müssen alle mit“-Festival 2015 in Stade auf. Genau wie die Hamburger Gruppe Schrottgrenze. Sie fand erst kürzlich wieder zusammen und steht zum ersten Mal seit acht Jahren auf einer Festivalbühne. Ein Gespräch mit Sänger Alex Tsitsigias über die Vorzüge von Festivals im Hier und Jetzt und frühere Schlammschlachten.

Schrottgrenze Hamburg

Schrottgrenze-Sänger Alex Tsitsigias

SZENE HAMBURG: Alex, starten wir mit der Festivalvorbereitung: dem Taschepacken. Was nimmst du persönlich unbedingt mit, wenn du nach Stade fährst?

Alex Tsitsigias: Auf jeden Fall nehme ich eine Flasche etwas teureren Whiskey aus meinem Privatbestand mit. Außerdem noch meine Gitarre und Ohrstöpsel … das war’s. Damit komme ich erst mal über die Runden.

Zahnbürste und frische Unterwäsche werden deiner Meinung nach überschätzt?

(lacht) Geh mal davon aus, dass solche Dinge sowieso in meiner Tasche sind.

Und vor Ort? Was brauchst du dort?

Ich und wir als Band brauchen an sich nichts außer einem guten Line-up, damit wir selbst vor und nach unserem Konzert auch ein wenig Spaß haben können.

Bist du auf Festivals grundsätzlich eher der Wiesensitzer, oder willst du tanzen und zwischen Tausenden in die Luft springen?

Zumindest tanze ich keinen Pogo mehr (lacht). Im Ernst: Wir sind zwar alle noch jung, gehen es nach weit über Tausend besuchten Konzerten aber schon etwas ruhiger an, natürlich auch auf Festivals.

Keine Lust mehr auf Wildheit?

Früher war jede After-Show-Party von uns wild – egal wo. Heute müssen wir uns nicht mehr um jeden Preis wegballern. Wir legen jetzt ein bisschen mehr Wert auf andere Dinge.

Was zum Beispiel?

Zum Beispiel, andere Bands zu beobachten und auch mal wieder mit Leuten zu sprechen, die wir lange nicht gesehen haben.

Und früher? Was waren deine wildesten und deshalb vielleicht auch schönsten Festivalmomente?

Mit Schrottgrenze waren wir 2005 beim „Rocco del Schlacko“-Festival. In dem Jahr war das komplette Gelände verschlammt, alle Bands sind mit ihren Sachen früher oder später stecken geblieben. Und irgendwann haben alle nur noch darüber gelacht. Das hat eine ziemlich gute Stimmung ergeben. Und von den Auftritten anderer Musiker, die ich bisher auf Festivals erlebt habe, fand ich David Bowies „Hurricane“-Festival-Show 2004 absolut unvergesslich. Die war unfassbar gut! Genauso unfassbar: Bowie hatte am Ende eine Herzattacke, und keiner hat’s gemerkt.

Bei „Müssen alle mit“ treffen nun einige ziemlich unterschiedliche Bands aufeinander. Muss man trotzdem davon ausgehen, dass Schrottgrenze, Käptn Peng und ihr gut zusammenpasst?

Zumindest gehe ich davon aus, dass sich diejenigen, die sich noch nicht kennen, dort schnell zusammentun und eine gute Zeit haben werden. Bei uns ist es so, dass wir viele verschiedene Musikrichtungen mögen, und ich weiß, dass es bei der einen oder anderen Fraktion, die beim Festival dabei sein wird, genauso ist. Das vereinfacht natürlich einiges in Sachen gutes Miteinander. Es ist glücklicherweise nicht mehr wie in den 90ern, als sich nichts überschneiden durfte.

Auf wen freust du dich persönlich?

Auf Doug Gillard, Gitarrist bei Nada Surf, der auch einst bei Guided By Voices spielte, einer unserer absoluten Lieblingsbands. Mit ihm werden wir versuchen, ein Bier zu trinken und ein Selfie zu machen. Wir sind ja auch alle nur Musikfans.

Und nach „Müssen alle mit“? Schrottgrenze haben erst vor Kurzem wieder zusammengefunden. Werdet ihr als Band weitermachen?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben jetzt erstmal noch einige Shows vor uns und arbeiten im Moment ganz vorsichtig an neuem Material.

Klingt nach einem neuen Album in ein bis zwei Jahren.

Wenn wir dann von den Songs überzeugt sind, wird es bestimmt ein Album geben.

Interview: Erik Brandt-Höge
Fotos: Henning Angerer (oben), Doreen Reichmann

„Müssen alle mit“
Bürgerpark Stade
Am Bahnhof
11.7., 13 Uhr (Einlass 12 Uhr)