WobWob Bass! (12.12.)

Footwork, Trap, Grime … Nie gehört? Eine Entdeckungsreise in die Bassmusik-Welt des Hafenklang, Häkken, Volt und Central Park

Der Sound in Hamburg ist zu eingefahren. Entweder Techno, Techno, Techno oder ein alteingesessener HipHop-DJ, der ein bisschen Trap einstreut.“ Diese zugespitzte Meinung eines jungen Veranstalters und DJs, hört man zurzeit häufiger im Hamburger Nachtleben. Dabei passiert genug zwischen Techno und HipHop.

Hamburg kann nicht nur „utz utz“

Bestes Beispiel Bassmusik – ein Genre, das in den letzten Jahren differenzierter wurde und auch in der Hansestadt immer mehr Anhänger findet. Vor allem Musik aus UK wie Dubstep, Jungle, Drum ’n’ Bass, Grime oder Garage – im weiteren Sinne auch Footwork, Trap oder Future Bass – zählen dazu. Hamburg kann nicht nur „utz utz“ und sich einen auf die goldenen Deutschrap-Tage runterholen. Hamburg kann auch anders.

Wir drehen die Zeit gut zehn Jahre zurück: Da gab es Bassmusik in Form von Dubstep nur in der Astra-Stube bei nxt.lvl. 2007 schmiss die Crew zusammen mit Deneh und Marcus Maack aka Der Vinylizer eine größere Party namens Dubstep Garden. DJ N-Type aus London brachte den Laden zum Brennen und die Kollektive wussten, es ist Zeit für Größeres. Das Ergebnis: WobWob! Das Prinzip: internationale Größen buchen.

„Wir wollten die Leute, die den Sound machen, nach Hamburg holen, weil es sonst keiner tut“, so Markus. „Am Anfang haben viele gefragt, welcher Sound ist das. Jetzt fragt keiner mehr.“

Die Party im Hafenklang ist eine Art Cliquentreff

Neben Dubstep erforschen WobWob! auch die Grenzen des Genres. 2012 bucht Markus Maack den mittlerweile verstorbenen DJ Rashad und DJ Spinn, die Footwork-Legenden aus Chicago. Und zum achten Geburtstag im Dezember gratuliert kein geringerer als Thelem aus London. Die monatliche Party im Hafenklang ist zu einer Art Cliquentreff geworden. Übersetzt in Hamburger DJs heißt das unter anderen Phokus, Der Vinylizer, Phonkycool Martina, B-Ju, Bandulera, Phace oder Giacomo.

Die treiben sich auch bei anderen Formaten rum: Hoch10, Drumbule, 160+ und das Funky Kartell haben sich längst etabliert, der Pudel bucht immer wieder basslastige DJs (zum Beispiel Kode9 am 4. Dezember), und das 2011 gegründete Label Clap Your Feet haut mit Candy Crush und der neuen Wavvy-Reihe im Uebel & Gefährlich gerade ein Event nach dem anderen raus.

Neuestes Mitglied der Clique: das Häkken. Trotz Sitz im kommerziellen Klubhaus und stinklangweiligem Interior wagen sie ein progressives Nischen-Line-up samt 160bpm-schnellen Grundsound.

Die spinnen, die Füchse!

Und dann sind da noch John Known und DJ Highterkite. Seit anderthalb Jahren laden sie in die Fantasiewelt Fuchsbau. UK Bass und House – und „what the Fuchs“ aka Trap oder Future Bass schallen hier durch die Boxen. John erzählt, dass alles ganz easy laufen sollte: Im Keller des Good Old Days ohne hohe Ausgaben, ohne Eintritt. „Dann haben uns die Leute die Flyer aus der Hand gerissen.“ Mittlerweile bringen sie das Fuchsbau-Rudel-Feeling ins Volt, nehmen 7 Euro und haben ihr Stammpublikum.

„Der Name Fuchsbau hat sich etabliert und die Leute können etwas damit anfangen.“ Auch im letzten Monat des Jahres kann man sie wieder erleben – diesmal Open Air im Central Park. Im Winter? Die spinnen, die Füchse! Aber das macht sie aus und die basswütigen Gäste kommen nicht wegen „DJ XY“. „Nein, die Leute kommen wegen der Musik. Das ist es, was sie brauchen“.

Text: Andra Wöllert
Foto: Jakob Börner

Selbst den Bass spüren:

12.12. – WobWob!, Hafenklang, 23 Uhr
18.12. – Füchse im Busch, Central Park, 18 Uhr