(23.11.) Kunst, Anfachen II: Vernissage, Frappant, 19 Uhr

Sie wollen mit ihren künstlerischen, kulturellen und politischen Arbeiten die Menschen bewegen: Sieben international renommierte Künstler stellen ab heute im Frappant e.V. Poster zum Thema Toleranz aus, von denen einige im Zuge des Anfachen Award ausgezeichnet werden. Zu den Werken von Künstlern wie Suze Barrett, Mieke Gerritzen und Dennis Koot gesellen sich bis zum 4.12. außerdem Arbeiten der Grafikdesigner Tom Geismar aus New York und Klaus Staeck aus Heidelberg, die auch Schirmherren der Veranstaltung sind.

Nach einem Vortrag der Kunstprofessorin Bettina Uppenkamp gibt es den Film „Bazon-Ernste Scherze“ von Peter Sempel zu sehen, der die Geschichte des Kunst- und Gesellschaftskritikers Bazon Brock erzählt. Musikalische Kunst liefert am Abend der Vernissage Holger Steen mit dem Projekt Tulipanosolo.

/ MT / Foto: Peter Sempel, „Bazon-Ernste Scherze“

Frappant e.V.
23.11.17, 19 Uhr / Die Galerie ist am 25.11., 26.11., 2.12., 3.12., von 14 bis 19 Uhr geöffnet.

/ Weitere Details zum Programm gibt es hier

(22.11.) Film, „The Big Sick“, Abaton, 19:30 Uhr

Jede Woche besucht Kumail seine Eltern und seinen verheirateten Bruder zum Familienessen. Zu traditionellen pakistanischen Speisen meckern sie – nicht lieblos, eher besorgt – über sein bartloses Gesicht, er erzählt vom angeblich kurz bevorstehenden Jurastudium, auch wenn er in Wahrheit mit Herzblut an seiner Laufbahn als Comedian schraubt. Dann geht er in den Keller, rollt den Gebetsteppich aus, stellt den Timer auf fünf Minuten und daddelt so lange auf dem Handy herum, bevor er sich wieder zu Tisch begibt und auf das Unvermeidliche wartet: „Zufällig“ kommt eine attraktive junge Pakistanin vorbei, die nächste Kandidatin für eine von der Mutter arrangierte Heirat. Die Fotos der Frauen sammelt Kumail in einer alten Zigarrenschachtel. Vielleicht hätte er irgendwann eines davon herausgesucht, die Frau geheiratet, Jura studiert. Doch dann trifft er Emily.

Das Shakespeare’sche Thema des unglücklichen Liebespaares aus verfeindeten Familien wurde schon unzählige Male zitiert. Auch Regisseur Michael Showalter („Misery loves Comedy“, „Wet Hot American Summer“) bedient sich in seinem jüngsten Kinofilm „ The Big Sick“ dieses bekannten Motivs. Hier bekommt die Story allerdings angesichts von Flüchtlingskrise und Integrationsdebatten noch einen höchst aktuellen Dreh: Kumails Eltern, vor 15 Jahren in die USA (Chicago) eingewandert, halten an ihrer traditionellen Lebensweise fest und verlangen dies auch von ihrem Sohn – sollte er eine weiße Nicht-Muslimin heiraten, ist er für die Familie gestorben.

Verliebtheit, Lügen, Herzschmerz.

Die Handlung scheint zu Beginn zu vorhersehbar. Langweilig? Abwarten! Auch wenn die großen unerwarteten Wendungen ausbleiben, so saugt „The Big Sick“ den Zuschauer doch nach und nach mit viel Humor in einen emotionalen Strudel. Die liebevoll und präzise gezeichneten, teils skurrilen Charaktere werden von den Schauspielern herrlich überspitzt dargestellt (bemerkenswert sind vor allem die beiden überspannten Mütter, gespielt von Zenobia Shroff und Holly Hunter), kleine Sidestories geben dem Ganzen Farbe. Zoe Kazan als Emily ist umwerfend bezaubernd, Kumail Nanjiani spielt sich selber. Denn es ist eine wahre Geschichte: Das Drehbuch haben die beiden (echten) Liebenden selber geschrieben.

/ Steffi Horst / Foto: Sarah Shatz

Abaton
22.11.17, 19:30 Uhr

(22.11.) Theater, Rocky Horror Picture Show, Mehr! Theater, 22 Uhr

Endlich! Nach drei Jahren ist die wilde, schräge Truppe um Dr. Frank’n Furter zurück in Hamburg. Zwischen Strapsen und Stilettos wird es wieder heiß hergehen. Wenn das biedere Paar Brad und Janet wegen einer Autopanne beim „Sweet Transvestite“ und seinen skurilen Freunden landen und erleben, dass es weit mehr als keusche Küsse und Händchenhalten gibt. Mitmachen ist hier erwünscht, fast schon Pflicht: Hüftenschwingen, mitgrölen und Lichter schwenken – keine falsche Scheu, die ist hier völlig fehl am Platz. Das absurde Werk von Richard O’Brien, uraufgeführt 1973, beeinflusst bis heute Drag- und Burlesque-Shows.

/ HED / Foto: Jens Hauer

Mehr! Theater
22.11.17, 20 Uhr

(22.11.) Literatur, Pippi plündert den Weihnachtsbaum, Theater Zeppelin, 10 Uhr

Ende November kommen die ersten Weihnachtsgefühle hoch, man muckelt sich mit der Familie zusammen und da passt ein Vormittag mit Pippi Langstrumpf perfekt. Pippi plündert den Weihnachtsbaum ist eine szenische Lesung für Kinder und ein Klassiker von Astrid Lindgren, der sicher auch den Eltern noch in Erinnerung ist: „Alle Kinder sind herzlich Willkommen!“ steht auf dem Plakat, das Pippi in der Stadt aufgehängt. Wer das sommersprossige Mädchen kennt, weiß, dass das nur eine phänomenale Weihnachtsparty werden kann.

/ JVW

Theater Zeppelin
22.11.17, 10 Uhr

(21.11.) Kunst, Installation: „Between the Waves“, Kunsthaus Hamburg, 11-18 Uhr

Einsatz für Einhorn

Die anmutigen Mischwesen tragen ein großes weißes Horn auf dem Kopf und züchten im Boden eines Mangrovenwaldes kleine weiße Nachwuchs-Hörner. Später verschlägt ein Unglück sie in eine Megacity am Meer. Dort aber bringen sie auf einem Hochhausbalkon reife Granatäpfel zum Platzen und mischen deren blutroten Saft in das orgiastische Gerangel ihrer Körper, bei dem der Stirnauswuchs eines Einhornwesens als Dildo zum Einsatz kommt.

Es geht zeitweise recht locker – oder besser: postpornografisch – zu in der 5-Kanal-Videoinstallation von Tejal Shah (*1979). Zusammen mit Zeichnungen und Collagen der indischen Künstlerin verwandelt das filmische Epos „Between the Waves“ das Kunsthaus derzeit in eine atmosphärisch starke Bilder- und Klangkammer. Hier in Hamburg führen die erotischen Szenen lediglich zu einer am Eingang platzierten Warnung vor „expliziten“ Inhalten. Als die Arbeit aber 2013 in Indien gezeigt wurde, musste das an einem geheimen Ort geschehen.

Mit bemerkenswertem Mut treibt die Künstlerin, die lange in Goa lebte und jetzt in Mumbai arbeitet, ihre aus queeren, feministischen und buddhistischen Quellen gespeiste Arbeit voran, die sich der Auflösung der Grenzen zwischen Mann/Frau, Natur/Technik, Mensch/Tier widmet. Denn sie tut das in einem Land, das Sex bis heute stark tabuisiert, Gewalt gegen Frauen nur zaghaft verfolgt und gleichgeschlechtliche Liebe durch den zwar debattierten, aber immer noch bestehenden Paragraphen 377 kriminalisiert.

Eine epische Grenzüberschreitung

In einem zweiten Film der Installation bearbeiten Tänzerinnen im weißen Sixties-Spacelook eine gigantische Müllhalde mit der heilenden Kraft ritueller Choreografien. Und ein dritter Kanal zeigt eine silberne Mondsichel, die verbrennt, um sich im nächsten Moment aus Asche und Rauch wieder zusammenzufügen. Ein solches unablässiges „Stirb und Werde“, einen steten Wechsel von Verletzung und Regeneration scheinen auch die einhornähnlichen „Humanimals“ (Shah) immer neu zu durchlaufen. Und obendrein steckt in ihnen auch eine ewige Wiederkehr kultureller Bildundungen: Ihre Gestalt greift Darstellungen der Indus-Kultur ebenso auf wie Elemente von Rebecca Horns legendärer „Einhorn“-Performance und das Korsett von Frida Kahlos Selbstporträt „Die gebrochene Säule“.

Dabei folgt die Installation mit ihren fünf Kanälen einer durchaus kühl-analytischen Bildzerlegungsstrategie. Außerdem hat Shah ihr queer-ökologisches Grenzüberschreitungsepos mit wunderbar artifiziellen Naturlauten unterlegt. So erliegt dem Zauber von „Between the Waves“ am Ende auch, wer bei spirituell-ganzheitlichen Visionen sonst eher skeptisch bleibt.

/ Karin Schulze / Foto: Tejal Shah: Between the Waves, Video Installation, 2012

Kunsthaus Hamburg
21.11.17, 11-18 Uhr / Die Ausstellung ist noch bis zum 3.12. geöffnet.

(21.11.) Theater, „Hansa Varieté“, Hanse Theater, 19:30 Uhr

Eine unterhaltsame Mischung aus Zauberei, Akrobatik und Spaß macht das charmante „Hansa Varieté“ so erfolgreich. In der 10. Spielzeit steht unter anderem Frank Rossi, ein toller Bauchredner mit einem reizenden Kaninchen, auf dem Programm und Konstantin Mouraviev (Foto), der mittels eines Rönrades seinen dicken Bauch loswerden will – zum Totlachen. Beeindruckend ist die Show von Zauberer Marko Karvo, der aus dem Nichts Papageien herbeizaubert. Glänzender Varieté-Glamour aus alten Zeiten legt sich hier über den Abend.

/ HED / Foto: Stefan Malzkorn

Hanse Theater
21.11.17, 19:30 Uhr

(20.11.) Musik, Anna Ternheim, Kulturkirche Altona, 19 Uhr

Große Songs brauchen keine große Showeinlage. Eine, die das verstanden hat, ist Anna Ternheim. Die schwedische Singer-Songwriterin erschafft in ihren Indie-Folk-Stücken düster-romantische Gefühlswelten, die vor allem mit leisen Tönen ausgemalt werden. Wenn sie singt, zweifelt Ternheim am Leben, an der Zeit und oft auch an sich selbst. Das tut sie so überzeugend und mit ganzer Seele, dass sie sogar mit einer guten Portion Pathos „Show Me The Meaning Of Being Lonely“ von den Backstreet Boys covern kann – leise und nachdenklich, aber wirklich intensiv.

/ MT / Foto: Jerker Josefsson

Kulturkirche Altona
20.11.17, 19 Uhr

(20.11.) Musik, Public Service Broadcasting, Knust, 21 Uhr

Das Londoner Indie-Duo J. Willgoose Esq. und Wrigglesworth formt auf seinem dritten Album „Every Valley“ eine experimentelle Klangwelt aus Xylophon, Trompete und Akkordeon. Begleitet von elektronischen Sounds erschaffen die Multiinstrumentalisten eine bedächtige Wohnzimmer-Stimmung. Obendrauf packen die Universalkünstler noch eine politischen Message: Ihre aktuelle Single „They Gave Me A Lamp“ befasst sich auf behutsame Weise mit der britischen Steinkohleindustrie und der Notlage der Arbeiter.

/ CM

Knust
20.11.17, 21 Uhr

(20.11.) Film, „Plötzlich Santa“, UCI Wandsbek, 14:30 Uhr

Tischler Andersen glaubt fest an den Weihnachtsmann, seine Kinder aber nicht. Als er den echten Santa trifft, beschließen sie, gegenseitig ihre Familien (ja, auch der Bärtige hat Frau und Kinder!) zu besuchen. Terje Rangnes’ Weihnachtsmärchen verzaubert mit viel heimeligem Schweden-Charme nach Petterson-und-Findus-Bullerbü-Manier, doch das ist auch schon alles – die Geschichte ist mäßig spannend, wenig glaubwürdig und viel zu betulich inszeniert. Weihnachtsstimmung kommt da nicht wirklich auf.

/ MAS

UCI Wandsbek
20.11.17, 14:30 Uhr

(19.11.) Theater, „Auerhaus“, Thalia Gaußstraße, 19 Uhr

Das Auerhaus als Depressionsprophylaxe und jugendliche Selbsthilfe-WG: Weil Frieder versucht hat, sich das Leben zu nehmen, ziehen seine vier besten Freunde mitten in den Achtzigern mit ihm in das „Auerhaus“, ein leerstehendes Haus in der damals westdeutschen Provinz. Eine Gemeinschaft von Idealisten haust dort fortan, die von Freiheit, Liebe, Drogen und der nächsten Party träumt. Das Auerhaus wird bei freier Liebe, Redeexzessen und Tankstellen-Wein-Abenden zur Trutzburg vor einer ungewissen Zukunft, dem Abitur und dem Erwachsenwerden sowieso.

Nachwuchs-Regisseurin Franziska Autzen inszeniert die erfolgreiche Romanvorlage des Schrifstellers Bov Bjerg und legt mit dem Provinzstück „Auerhaus“ ihre dritte Premiere am Thalia in der Gaußstraße hin.

/ SM / Foto: Krafft Angerer

Thalia Gaußstraße
19.11.17, 19 Uhr