„These Girls“: Unbeschreiblich weiblich

„These Girls“ ist ein Streifzug durch die feministische Musikgeschichte. Ein Gespräch mit der Herausgeberin Juliane Streich vor ihrem Auftritt im Rahmen des Kultursommers im Garten des Golden Pudel Clubs.

Text & Interview: Kevin Goonewardena

 

In der ersten deutschsprachigen Anthologie über Popmusikerinnen trifft Schauspielerin und Chansonsängerin Hildegard Knef auf Soul-Legende Aretha Franklin und Techno-Pionierin Marusha. Die Auswahl an besprochenen Musikerinnen in „These Girls“ umfasst jedoch nicht nur die üblichen Protagonistinnen, die sich durch feministisches Engagement auszeichnen, sondern auch die, deren Tun der Autor:innen als ein solches verstanden wird.

Das Buch verzichtet auf dröge, oftmals abschreckende Theorie – stattdessen öffnet es andere Blickwinkel durch die sehr persönlichen Geschichten der Autor:innen mit bekannten und weniger bekannten weiblichen Musiker:innen.

 

SZENE HAMBURG: Auf dem Markt gibt es zahlreiche Bücher, die sich mit verschiedenen Aspekten und Fragestellungen des Feminismus beschäftigen. Auch in deinem Verlag (Ventil, Anm. des Verfassers) sind bereits mehrere Werke zu dieser Thematik verlegt worden – etwa “Riot Grrrl Revisited!” oder “Rebel Girl – Popkultur und Feminismus”. Was hat dir an der existierenden Literatur gefehlt, wo hast du eine Lücke gesehen, die du schließen wolltest?

Juliane Streich: Lücken gibt es natürlich viele zu schließen, ganz konkret war der Anlass für dieses Buch, dass mir aufgefallen ist, dass es fast immer nur um Frauen in Punkbands, um die Riot Grrrl-Bewegung und diese Dinge geht. Oder zumindest immer nur um Frauen in einem Genre.

Zuletzt bin ich über eine Liste in einem englischsprachigen Online Magazin gestoßen, in der es um die 30 wichtigsten Punkbands für Frauen ging – die fand ich super, aber dachte mir, das könnte man doch ausbauen.

Wieso spielt das Geschlecht denn offenbar überhaupt eine große Rolle? 

Ich glaube, dass es lange dauert bis man überhaupt merkt, dass man eigentlich nur Musik von Männern hört. So war es jedenfalls in meiner Jugend. Ich habe lauter Jungsbands gehört. Indie- und Britpop-Zeug, ein bisschen Punk, ein bisschen Hiphop. Das waren fast alles Typen und eine Ausnahme, wenn dann mal eine Frau dabei war. 

Jungs machen natürlich auch tolle Musik, von Frauen wird man als Frau aber noch mal ganz anders angesprochen. Bei Bands wie Schnipo Schranke oder in den 90ern den Lassie Singers, habe ich als Frau mehr Berührungspunkte, weil die Sachen erzählen die ich selbst erlebt habe oder die ich besser mitfühlen kann, als beispielsweise bei Tocotronic, die ich aber auch sehr liebe. Fast alle Musikerinnen erzählen auch, dass sie erst angefangen haben Musik zu machen nachdem sie eine Frau auf der Bühne gesehen haben. Daher ist es wichtig, Frauen eine Bühne zu geben.

 

„Jede:r kann Feminist:in sein“

 

Du hast diesen klassischen Punk- / Riot Grrrl-Rahmen, wie schon angesprochen, nicht nur verlassen, neben wenig überraschend vertretenen Künstlerinnen wie Patti Smith, Madonna oder Kim Gordon, kommen in dem Buch auch viele Frauen vor, die nicht explizit durch feministisches Engagement auffallen. Welche, die sich vielleicht nicht mal als Feministin bezeichnen. Was musste eine Künstlerin mitbringen, um in „These Girls“ behandelt zu werden? Was ist für dich Feminismus?

Ich bin da sehr offen und weniger dogmatisch. Für mich reicht es schon, wenn man bewusst oder unbewusst fördert, dass Frauen die gleichen Rechte, die gleichen Möglichkeiten haben wie Männer. Jede:r kann Feminist:in sein.

Das heißt auch, dass man nicht explizit Feminismus propagieren muss, um feministisch zu handeln?

Das ist eine spannende Frage. Nehmen wir die Spice Girls, die auch in dem Buch vorkommen. Die haben in ihrer Karriere sicher nicht bewusst feministisch gehandelt. – manchmal sich, zum Beispiel in Interviews, gar eher gegenteilig geäußert.

Wenn sie aber darüber gesungen haben, dass ein Mann, der auf sie steht, auch ihre Freundinnen mögen müsse und er für die Frau nicht das Wichtigste sei und sie im Video zum Song „Wannabe“ selbstbewusst eine Party crashen, dann hatte das schon feministische Ansätze. Oder konnte zumindest so gesehen werden.

Es geht in dem Buch auch ein Stück weit drum, was die betreffenden Künstlerin der Person, die über sie geschrieben hat, gab oder gibt.

Verfasst haben die rund 140 Texte über Frauen auch Männer. Maurice Summen, Chef des Labels Staatsakt etwa, die Journalisten Klaus Walter und Julian Weber, Linus Volkmann oder Musiker Andreas Spechtl. Gibt es nicht genug Texte von Männern über Frauen?

Ich finde es wichtig, dass Männer über Frauen schreiben. Warum sollten sie das auch nicht tun? Männer können schließlich auch Feministen sein und dabei helfen, Frauen, deren Geschichte und Anliegen weiterzubringen. 

Es war auch gar nicht mein Anliegen, ein Buch über Frauen nur zusammen mit Frauen zu machen, denn ich wollte bestimmte Leute nicht von vorneherein ausschließen. Aber das Verhältnis musste stimmen. Wären mehr als die Hälfte männliche Autoren gewesen, hätte ich das nicht gemacht.

 

„ … wie wichtig Musik für das persönliche Leben ist“

 

Hast du eine Lieblingsgeschichte?

Da gibt es natürlich viele, die von Maurice Summen beispielsweise. Er erzählt von einer Begebenheit, bei der er und befreundete Männer aus der Musikbranche in abendlicher Runde selbstsicher ein gehörtes Stück einem männlichen Produzenten zuschreiben, um dann festzustellen, dass die Produktion von einer Frau, Anne Dudley stammt, von der die Super Experten der Popmusik, wie Summen ironisch schreibt, bis dahin noch nie etwas gehört hatten. Das zeigt, wie man noch etwas dazu lernen kann, wenn man offen dafür ist. Und: Sich mal zu irren und zu korrigieren ist auch gar nicht schlimm.

Besonders schön finde ich auch die persönlichen Geschichten. Lea Matika schreibt über Brode Dalle, beziehungsweise ein Konzert deren Band The Distillers, das sie als Jugendliche Mitte der 2000er in Hamburg besuchte. Sie erzählt, wie sie und ihre Begleiter:innen die Nacht nach dem Konzert im Bahnhof Altona durchmachen mussten und dabei zuerst versucht haben im Aufzug zu schlafen, dessen Türen sie alle 10 Sekunden wieder schließen mussten, damit die Kälte draußen bleibt. Viele Geschichten zeigen, wie wichtig Musik für das persönliche Leben ist.

these_girlsWas möchtest du mit dem Buch erreichen?

Ein Ziel ist natürlich  – gerade was die weniger bekannten Künstlerin angeht – diese sichtbar zu machen. Auf längere Sicht würde ich mir wünschen, dass die Sichtbarkeit und Anerkennung der Arbeit von weiblichen Künstlern normal ist. So normal, dass diese nicht extra erwähnt werden muss. Dass beispielsweise in den 500 Beste-Alben-Listen des Rolling Stone mehr und selbstverständlich Werke von weiblichen Künstlerinnen auftauchen. Dass der ganze Musikkanon grundsätzlich weiblicher wird.

„These Girls – Ein Streifzug durch die feministische Musikgeschichte“, Ventil Verlag 2020, 344 Seiten


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Theater Open Air: Start auf dem Rathausmarkt

Klassisches Theater, Performance, Oper, Improvisation – das bunte Programm des Theater Open Air hält für jedes Alters und jeden Geschmack die richtige Inszenierung bereit

Text: Kevin Goonewardena

 

Klassisches Theater, Performance, Oper, Improvisation: Das bunte Programm des Theater Open Air hält für jedes Alter und jeden Geschmack die richtige Inszenierung bereit.

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Zum Start gab’s einen echten Pionier bühnenfüllender Lach- und Krach-Geschichten hierzulande: Mit dem „Quatsch Comedy Club“ brachte Thomas Herrmanns einst das in den USA beliebte Stand Up-Comedy-Format nach Deutschland. In den folgenden zehn Tagen können sich die Zuschauer:innen auf ein Programm freuen, das so bunt ist wie die Welt des Theaters.

Theater Open Air: 30. Juli – 8. August 2021


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Stoff fürs Großhirn: Hippocampus Festival am Billhafen

Auf der Grünfläche der Rudervereinigung Bille findet vom 22. Juli bis 15. August das interdisziplinäre Kunstfestival Hippocampus statt

Text: Isabel Rauhut

 

Eingebettet zwischen der ruhigen Bille und dem Industriegebiet in Rothenburgsort, befindet sich das Hippocampus Festival. Ein volles Programm aus Bildender Kunst, Live-Musik und Workshops wird hier im Rahmen des Kultursommer Hamburgs noch bis zum 15. August geboten.

Um eine original Datsche aus DDR-Zeiten, das „Haus Seepferdchen“, die an der Ostseeküste vor über 50 Jahren gebaut wurde, ist eine grüne Bühne und Fläche für Kultur entstanden. Das Festival wird von der Galerie Oel-Früh kuratiert, die seit 2005 ihr Ausstellungs- und Atelierhaus in Rothenburgsort hat.

Studio C.A.R.E. und die Galerie Oel-Früh haben zusammen ein Highlight auf dem Gelände geschaffen: Den „Bunker Spa“. In einem alten, ehemals vermoderten Bunker, können Besucher:innen jetzt mit dem Geruch ätherischen Öle in der Nase, Brunnengeplätscher und seichter Musik auf den Ohren und einem angenehmen Fußbad kurz dem Alltag entfliehen.

Der Eintritt ist frei und auf hundert Pesonen limitiert. Der Zutritt ist nur mit tagesaktuellem Schnelltest möglich.

Hippocampus Festival: 22. Juli bis 15. August 2021


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ART OFF Hamburg: Rundgang OST

Der ART OFF Kultursommer beginnt mit Kunst-Spaziergängen im Hamburger Osten. Kunstwege verbinden zahlreiche Veranstaltungen, die im Umfeld der teilnehmenden Kunsträume und im Freien stattfinden. Sie führen durch Wandsbek, St. Georg, Rothenburgsort und Hammerbrook

Text: Isabel Rauhut
Fotos: Andreas Hornoff

 

Kunstaktionen in Eilbek, St. Georg, Münzviertel, Hammerbrook und Rothenburgsort bilden den Inhalt eines Kunstweges, den man sich selbst zusammenstellen kann. Der Kunstweg OST, der vom 30. Juli bis 1. August abzuspazieren ist, führt zum Schimmelmann-Mausoleum und zu mehr als 40 Ausstellungen, Aktionen und Schaufensterperformances. Von künstlerischen Spurensicherungen wird zu Art & Crime-Führungen flankiert.

In der Akademie der Künste wird der Einstellungsraum aus Wandsbek sein 20-jähriges Jubiläum feiern, in der Fabrik der Künste ist der Berufsverband Bildender Künstler mit seinen „Positionen“ zu Gast. Und wer sich beim Gehen begleiten lassen möchte, kann dies mit dem gleichnamigen Podcast der noroomgallery tun.

 

Hier ein paar Impressionen des Walks:

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Das Norden Festival: Top-Musik vor Top-Kulisse

Vom 26. August bis zum 12. September gibt es Live-Kultur an einem Ort der Idylle, beim Norden – The Nordic Arts Festival

Text: Andreas Daebeler

 

Es muss nicht immer der große Star von der Insel sein. Jedenfalls nicht von der britischen, Erhebungen im Meer haben wir ja auch. Das Norden – The Nordic Arts Festival bietet traditionell Künstlern aus Hamburg, Schleswig-Holstein und den skandinavischen Nachbarländern eine Bühne. Und das ist in diesem Jahr, in dem die Pandemie das Kulturleben und die Live-Musikszene noch immer lähmt, nötiger denn je. Darum haben die Veranstalter zusammen mit der Stadt Schleswig ein ausgeklügeltes Konzept erarbeitet, die Besucherzahl begrenzt und entschieden, das Gelände weitläufiger zu gestalten. Funktioniert.

Das Ambiente des Norden sucht fraglos seinesgleichen. Schließlich wird am idyllischen Strand des Ostseefjords Schlei gefeiert. Und zwar mit einem genreübergreifenden, aktuellen Programm, einer familiären und nachhaltigen Ausrichtung sowie günstigen Tagestickets für 9,50 Euro. Das Gelände ist in die Parklandschaft der Königswiesen eingebettet. Das Festival bietet bei kleinen Preisen einen Querschnitt aus aktueller Popmusik, Straßentheater, Literatur, DIY-Kursen, Film und sportlichen Aktivitäten. Dabei sind diesmal unter anderem die dänische Band Hvalfugl mit ihrem skandinavischen Folk und Nordic Jazz und das norwegische Theaterensemble Studium Actoris. Ganz aus Litauen reisen The Schwings an.

NORDEN Festival - Konzert auf Schlei-Bühne; Foto: Nora Berries, Norden Festival

NORDEN Festival – Konzert auf der Schlei-Bühne; Foto: Nora Berries, Norden Festival

Das Norden beginnt am 26. August, es steigt an zwölf Tagen. Und es bietet ein Festival im Festival, das sich Nordpop nennt. Die Idee ist, am Wochenende vom 26. bis 29. August bekannte Musiker mit Newcomern zusammenzubringen. Alle Bands und Solokünstler kommen aus Hamburg und Schleswig-Holstein. Auf zwei Bühnen können Besucher die ganze Bandbreite aktueller Popmusik aus dem Norden erleben. Mit dabei: Tonbandgerät, Lina Maly, Helgen, Bernd Begemann, Catt und viele andere. „Der Headliner für den Samstagabend bleibt vorerst eine Überraschung und wird erst zwei Wochen vor dem Festival verkündet“, berichten die Festivalmacher Manfred Pakusius und Marno Happ.

The Nordic Arts Festival: 26. August – 12. September 2021


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Kulturelle Erweckung: Das Easterfield Festival

Unter dem Motto „Eine Stadt wacht wieder auf. Aber wie? Und wohin?“ bietet der Kunstverein Hamburg beim Easterfield Festival in der Osterfeldstraße in Eppendorf vom 30. Juli bis zum 15. August 2021 eine bunte Mischung aus Open-Air-Kino, Performances, Musik, Kunst und Talks

Text: Marco Arellano Gomes

 

Nein, das christliche Fest der Wiederauferstehung Christi wird nicht nachgeholt. Mit einer gewissen Wieder­auferstehung hat das Eas­terfield Festival hingegen schon zu tun: der Wiederauferstehung der Kul­tur – und zwar in all ihren schillernden Facetten. Die Kultur ist wieder da. Der Hamburger Kul­tursommer wurde ausgerufen – und der soll in der ganzen Stadt stattfinden. Das heißt eben auch in der Osterfeldstraße (nicht zu verwechseln mir der Osterstraße) – jener Verlängerung des Lok­stedter Weges, die nördlich von Eppendorf ver­läuft und den noblen Stadtteil mit dem etwas pragmatischeren Lokstedt verbindet.

Der Auftritt der Hamburger Erfolgssängerin Miu ist einer der Top Acts auf dem Festiva; Foto: Elena Zaucke

Die Hamburger Erfolgssängerin Miu tritt am 5. August auf dem Festival auf; Foto: Elena Zaucke

Von diesem Straßennamen leitet sich auch schon der Titel des Festivals ab, das sechs Tage lang – vom 30. Juli bis zum 15. August – in den Gärten der Osterfeldstraße 6 stattfindet. Auf dem ehemali­ gen Gelände der Galerie Levy gibt es somit nach dem pandemischen Winterschlaf ein kulturelles Erweckungserlebnis – ganz unreligiös, aber kul­turell wertvoll und abwechslungsreich. „Es geht darum, die Künste der Stadt Hamburg zu zele­brieren und ihre Vielfalt nach über einem Jahr Lockdown als gemeinsame Anstrengung zu feiern und wieder an die breite Öffentlichkeit zu bringen“, sagt die verantwortliche Intendantin Bettina Steinbrügge vom Kunstverein in Ham­burg.

Steinbrügge hat in Kooperation mit Donkey Products und &MYLK ein buntes Programm vorbereitet. „Aus Hamburg für Hamburg. Aus Liebe zur Kultur“, wie es im Programmheft heißt. Dass das nicht nur ein Spruch ist, erkennt man allein schon daran, dass alle Überschüsse „zurück in die Ham­burger Kultur“ fließen sollen.

 

Fünf Schwerpunkte

 

Eröffnung ist am 30. Juli, um 18 Uhr. Weitere Ver­anstaltungstermine sind am 1., 5., 6., 11. und 12. August, jeweils ab 18 Uhr. Das Festival hat fünf kulturthemati­sche Schwerpunkte: Kino, , Performance, Musik, Skulp­tur und Gespräch. Jede der Kulturdisziplinen wird von Kuratoren und Team verantwortet. Eingeladen werden vorrangig Hamburger Künstler und Künstlerinnen. Die Hamburger Kulturszenen sollen so zusammenfinden und sich gegenseitig befruchten. Das sollte bei einer Fläche im Freien von etwa 6.660 Quadratmetern auch pandemiekonform gelingen.

Während der gesamten Festivallaufzeit ist der Skulp­turenpark tagsüber für Besucher und Besucherinnen kostenlos zugänglich. Für die Abendveranstaltungen mit Performances, Filmen, Vorträgen und Konzerten wird hingegen ein Eintrittspreis erhoben, dessen Erlös wie bereits erwähnt der weiteren Unterstützung der Hamburger Kunstszene dient. Fürs Essen ist selbstver­ständlich gesorgt: Mehrere Foodtrucks werden vor Ort ihre Speisen anbieten. Und wer weiß, vielleicht ist ja auch das eine oder andere Osterei dabei.

 

Kino

 

Im Bereich Kino wird es fünf Filmabende geben. Lie­bevoll zusammengestellt von Felix Grassmann (Abaton Kino), Maike Mia Höhne (Kurzfilmfestival Hamburg) und Marlene Denningmann von Veto Film.

Der Kurzfilm „Riot not diet“ (2018) von Julia Fuhrmann; Foto: Julia Fuhrmann

Der Kurzfilm „Riot not diet“ (2018) von Julia Fuhrmann; Foto: Julia Fuhrmann

 

Performance

 

Im Bereich Performances haben sich Tobias Peper (Kunstverein Harburger Bahnhof), Gabriel Schim­meroth (MARKK) und Sam Gora (HfbK) zusammen­getan, um ein Programm auf die Beine zu stellen. Vier Performances warten darauf, betrachtet zu werden.

 

Musik

 

Für die fünf Musik-­Acts verantwortlich sind die Kura­toren Björn Beneditz (Deichkind), Lars Meier (Gute Leude Fabrik) und Sebastian Tim (Koralle Blau).

 

Skulptur

 

Die knapp 20 Skulpturen werden durchgehend zu se­hen sein. Kuratiert wurden diese von Florian Berger (Donkey Products / &MYLK), Dr. Esther Ruelfs (MK&G Hamburg), Arne Vogler (Millerntor Gallery), Katha­rina Bittel (Neue Kunst in Hamburg) und Nicholas Tam­mens (Kunstverein in Hamburg).

Die Kunst-Skulpturen im Park sind tagsüber kostenlos zu sehen; Foto: Iris Helena Hamers

Die Kunst-Skulpturen im Park sind tagsüber kostenlos zu sehen; Foto: Iris Helena Hamers

 

Gespräch

 

Debatten sind ebenfalls eine kulturelle Errungenschaft und wollen gepflegt werden. Fünf Gespräche sind ge­plant, kuratiert von Dilara Kubitzki (Kunstverein in Hamburg), Christoph Twickel (Journalist & Autor), Timm Weber (Kunstverein in Hamburg), Luísa Telles und Luzia Cruz (beide HfbK).

Easterfield Festival: 30. Juli – 15. August


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„Mord am Mikro“: Mitmach-Krimi vor Hamburgs einziger Burg

Ein abwechslungsreiches Kulturprogramm bietet die Bühne an der Burg Henneberg, einem ehemaligen gutbürgerlichen Familiensitz und Nachbau einer echten Ritterburg. Eines der Highlights vor märchenhafter Kulisse im Alstertal: Das Hörspiel „Mord am Mikro“ mit TV-Star Fabian Harloff

Text: Kevin Goonewardena
Fotos: Jérome Gerull

 

In wunderschöner, grüner Kulisse an der Poppenbütteler Alsterschleuse steht vor der einzigen Burg Hamburgs, der Burg Henneberg, eine kleine Open Air-Bühne. Das Surrounding aus dem Jahr 1804 prallt am Abend des 28. Juli auf eine Bühnengeschichte, die in den 1950er Jahren spielt: „Mord am Mikro“ heißt die Inszenierung eines gekonnt mit Slapstick und guten Gags gepickten Mitmachkrimi im Retro-Hörspielformat.

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Bibbern, zaudern, zetern – und natürlich mitraten: Ein Mörder versetzt das St. Pauli der 1950er Jahre in Angst und Schrecken. Gemeinsam mit den Zuschauer:innen begeben sich die Kommissare Hallig Stolz auf die Jagd nach dem mordenden Phantom. Vom Kiez, in noble Villen und städtische Behörden dringen sie dabei immer tiefer in eine Welt voller Gier, Hinterzimmer-Machenschaften, Lust und Rache vor.

Unterstützt von Publikum und Live-Musik, acht mörderisch gute Songs von Michael Jackson über Falco, Hildegard Knef, Eric Clapton und Tom Jones bis hin zu „Bonnie & Clyde“ von den Toten Hosen, lässt die Retro-Inszenierung des interaktiven Musikkrimis die einzigartige Atmosphäre alter Krimihörspiele wieder aufleben.

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Vol. 3: Eine sommerliche Kulturwoche voller Ideen

Damit die Woche gut im Voraus geplant werden kann, gibt es hier eine Auflistung an Highlights, die diese Woche im Rahmen des Kultursommer Hamburgs stattfinden

Text: Henry Lührs

 

Der Kultursommer Hamburg bietet über vier Wochen mehr als 1300 Veranstaltungen in der ganzen Stadt verteilt an. Damit da nicht der Überblick verloren wird, haben wir uns durchs Programm gelesen und empfehlen hier tägliche Events in der Vorschau, damit die Woche mit Calls, Kindern und kleinen Katastrophen gut geplant, genossen und vieles mitgenommen werden kann!

 

02. August 2021

Die Sommerferien in Hamburg sind schon fast wieder vorbei. Aber für die Kleinen gibt es gute Neuigkeiten: Die Spielzeit des Kidskinos im Sternschanzenpark ist gerade erst angelaufen. Vom 01. bis zum 16. August gibt es hier täglich zwei Open-Air Filme für Kinder ab sechs Jahren. Mit einer tagestauglichen LED-Leinwand wird auch vor Sonnenuntergang der volle Kinogenuss erreicht. Guter aber kindgerechter Sound wird den Kids per Funk-Kopfhörer direkt auf die Ohren geschickt. Eltern können ihre Lieblinge entspannt vom Café Bereich aus im Blick behalten. Strandliegen stehen bereit.

Am Montag läuft um 15 Uhr „Tabaluga – Der Film“ und um 17 Uhr „Die Heinzel – Rückkehr der Heinzelmänner“Der Eintritt ist im Rahmen des Kultursommer Hamburg für Kinder und Erwachsene kostenlos.

03. August 2021

Am Dienstag und am Mittwoch sticht der historische Alsterdampfer „St.Georg“ für mehrere kleine Rundfahrten auf der Alster in See. An Bord sind Künstler, Autoren und die verschiedensten Geschichtenerzähler. Unter dem Motto „Auf Kurzreise mit..“  werden die Passagiere in den Sog von Kurzgeschichten und Romanen gezogen.

Das Literaturhaus holt am Dienstag die Schriftstellerin Simone Buchholz und den Hamburger Schule-Sänger Bernd Begemann an Bord. Die beiden kennen sich seit 23 Jahren und haben eine gemeinsame Geschichte mit im Gepäck. Mit Erzählung und Musik steuern die beiden auf große Emotionen und viel Pathos zu. Los geht es um 15 Uhr beim Anleger Jungfernstieg. Tickets gibt es ab acht Euro.

04. August 2021

Welche Figur oder welchen Charakter verkörpern Frauen auf der Bühne, wenn es keine literarische Vorgabe gibt? Dieser Frage ist die Tänzerin, Musikerin, Choreografin und Allroundkünstlerin Katharina Oberlink nachgegangen und hat geforscht: Im Rahmen ihres Rechercheprojekts etablierte sie einen künstlerischen und performativen Raum der weiblichen Vernetzung. Daraus hervorgegangen ist die Tanz- und Performancegruppe „Performing Females“. Tänzerinnen aus Hamburg, Burkina Faso und Indonesien erarbeiten künstlerisch neue Narrative und Darstellungsformen der Frau im Kontext der Kulturindustrie.

Solidarität und geballte female power kommt mit der Performing Females Wonder Show am Mittwoch auf die Open Air Bühne im Hinterhof der WIESE Genossenschaft. Katharina Oberlink selbst, sowie Viola Heuss und Lia Anahita werden für eine Stunde Einblicke in ihre Ideen, Utopien aber vor allem ihre Kunst geben. Los geht es um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

05. August 2021

In der „Elbphilharmonie der Herzen“, der Barboncino Zwölphi im Obergeschoss des Golden Pudel Clubs, gibt es im Rahmen des Kultursommers feinste Beats und spannende Lesungen auf die Ohren. Bis zum 22. Augst lädt die Bar im Hamburger Szene-Club für die FKK – Funkhörer Kopf Kultur an ihren sogenannten „Golden Pudel Beach“ ein.

Der Donnerstagabend beginnt elektronisch mit DJane Moira. Im Anschluss kommen zwei Hamburger Kultfiguren vorbei: Rocko Schamoni und Gereon Klug. Beide kennen sich und den Pudel Club ewig. Rocko Schamoni war Anfang der 90er sogar Mitbegründer des ersten Pudel Clubs, damals noch in einer leerstehenden Kneipe. Er ist außerdem Musiker, Schauspieler, Künstler und vieles mehr. Wem das immer noch nichts sagt, dem helfen vielleicht  die Bandnamen Studio Braun oder Fraktus auf die Sprünge. Gereon Klug ist Tourmanager  beider gewesen, hat den Hamburger Plattenladen Hanseplatte gegründet und ausserdem stammt der Deichkind-Hit „Leider Geil“ aus seiner Feder.

Zusammen nehmen Klug und Schamoni live und vor Ort eine Folge ihres gemeinsamen Podcasts „Auf der Bahn“ auf. Tickets zur Veranstaltung gibt es zwar kostenlos, allerdings begrenzt ab 16:30 Uhr vor Ort zu ergattern.

06. August 2021

Sprudelpop. So nennen sie ihren Sound selbst: Die Hamburger Band Schorl3 mixt die Genrekiste bunt durch. Rausgekommen ist eine ganze Reihe an Disco-fähigen Tracks. Dass die Mischung aus Funk, R&B und Indie-Pop auch in deutscher Sprache funktioniert, hat die Band mit Singles wie “Pia”, “Gegenverkehr” oder “Zu arm” bewiesen. Seit letztem Jahr machen die drei Jungs zusammen Mucke und haben bereits den diesjährigen Krach und Getöse Newcomerpreis abgeräumt.

Bühnenoutfits, Musikvideos und das “I dont care”-Auftreten der Band lassen nicht erahnen, dass das Projekt Schorl3 eigentlich noch in den Kinderschuhen steckt. Vielmehr klingen sie wie die Anwärter auf den nächsten großen Sommerhit.

Am Freitag spielt Schorl3 in der Zinnschmelze, dem ehemaligen Fabrikgebäude und Kulturzentrum in Barmbek. Los geht es um 20 Uhr. Tickets sind kostenlos, zur Anmeldung geht es hier.

07. August 2021

Es ist Pride in Hamburg. Das bedeutet normalerweise: Die großen bunten Paradetrucks fahren als krönender Abschluss der Pride Weeks wieder durch Hamburg Mitte, gefolgt von der feiernden Menge. Corona-bedingt wird die CSD-Demonstration am Samstag aber aufs Fahrrad verlegt. Um 12 Uhr geht es am Jungfernstieg los.

Das Gängeviertel möchte parallel zur offiziellen Demonstration einen Raum für Gegenentwürfe schaffen, der die queere Community in seiner Vielfalt repräsentiert. Beim Command Queer Spektakel wird es neben einer Kunstausstellung und einer Kundgebung auch jede Menge Open-Air-Veranstaltungen wie Vortrage, Konzerte und Dj-Sets geben.

Ab 14 Uhr wird das Gängeviertel am Samstag unter dem Motto „Command Queer – Escape the Binary“ mit einem vielfältigen Programm bespielt. Der Eintritt ist frei.

08. August 2021

Alles fing 1989 in der Evangelischen Stiftung Alsterdorf an: Der Musiker und Heilerzieher Kai Boysen wandelt seine Idee in die Tat um und nimmt ein Album gemeinsam mit den Bewohnern der Wohngruppe 17 auf. Das Projekt Station 17 ist geboren und wird mit den Jahren größer. Es folgen viele Auftritte und auch über die Landesgrenze hinweg macht sich Station 17 einen Namen.

Als Kollektiv wächst eine Band heran, die sich immer weiter entwickelt. Musiker mit Behinderung und Musiker ohne Behinderungen sprengen gemeinsam alle möglichen Genregrenzen und entwickeln immer wieder einen einzigartigen Sound. Mittlerweile sind es zwölf Alben, die vor allem von der immensen Kreativität der Band leben. Die leidenschaftlichen und euphorischen Live-Konzerte begeistern.

Am Sonntag kommt die Band zum Südkultursommer nach Harburg und spielt um 11 Uhr auf dem Schwarzenbergplatz ein Konzert. Tickets gibt es ab 6,25 Euro.


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ART OFF Walks: Wege zur Kunst

Im Hamburger Kultursommer – und darüber hinaus – führt die Initiative ART OFF mit „Wir sind hier“ zu spannenden Kunstorten, zu Ausstellungen, Performances und Aktionen

Text: Sabine Danek

 

Von Ost nach West, bis in die Nähe des Sachsenwalds, nach Bergedorf und über die Reeperbahn wieder zurück: Mit ART OFF, der Initiative von 20 unabhängigen Ausstellungsorten der Stadt, kann man durch den Hamburger Kultursommer flanieren. Und zwar zu Kunstorten, die abseits der etablierten Museen und Ausstellungshäuser liegen – und die seit Jahren gemeinsam für ihre Sichtbarkeit kämpfen.

Was OFF-Orte wie die Gängeviertel-Galerien, das Westwerk, Oel-Frueh, die noroomgallery, das Frappant und die ganzen anderen Hamburger Kunst-Places to be ausmacht, was sie zu bieten haben und auf was für eine vielfältige Weise sie miteinander vernetzt sind, das zeigen die ART OFF Rundgänge, die den Kultursommer bis in den September hinein feiern: Mit drei verschiedenen Art Walks und zwei Ausflügen an den Rand der Stadt, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, auf jeden Fall aber in Bewegung.

 

Ausstellungen und Aktionen


All das startet mit dem Kunstweg OST (30.7.–1.8.), der zum Schimmelmann-Mausoleum und zu mehr als 20 Ausstellungen, Aktionen und Schaufensterperformances führt und von künstlerischen Spurensicherungen und von Art & Crime-Führungen flankiert wird. In der Akademie der Künste wird der Einstellungsraum aus Wandsbek sein 20-jähriges Jubiläum feiern, in der Fabrik der Künste ist der Berufsverband Bildender Künstler mit seinen „Positionen“ zu Gast. Und wer sich beim Gehen begleiten lassen möchte, kann dies mit dem gleichnamigen Podcast der noroomgallery tun.

Auch beim MITTE WALK (13.–15.8.), der vom Karoviertel aus zu Performances und Konzerten in Planten und Blomen führt, ins Gängeviertel und zum Wasser an dem das Westwerk liegt.
Überall weisen leuchtende gelbe ART OFF-Flaggen den Weg, es gibt eine interaktive Karte, Flyer, geführte Touren und ein Infomobil und immer ist der legendäre Kunst-Imbiss dabei – und hält auch bei den beiden Ausflügen an den Rand der Stadt Kunst für unterwegs bereit.

 

„Wir sind hier“

 

Der erste Ausflug bringt einen in die Nähe des Sachsenwalds zum Künstlerhaus Bergedorf (21.–22.8.), der andere ins Künstlerhaus Sootbörn (28.–29.8.) in Niendorf. Anfang September schließlich klingt der ART OFF Kultursommer mit dem Art Walk WEST (4.–5.9.) aus, der durch St. Pauli, Altona, Bahrenfeld und Ottensen führt, zum 8. Salon, dem Frappant und der Frise, durch die Große Bergstraße und die Reeperbahn, zu Ausstellungen und Aktionen – und zum Finale dessen genaues Programm noch bekannt gegeben wird.

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„If you love for“ für die Wendenstraße

So mitreißend und spannend das alles ist, heißt das ART OFF-Programm nicht ohne Grund „Wir sind hier“. Denn natürlich ist es auch eine Reaktion der erzwungenen Unsichtbarkeit der Künstlerinnen und Künstler und ihrer Arbeit während der Pandemie, und ihrem ökonomischem Desaster, das Covid-19 noch verstärkt – und erneut ans Licht gebracht hat. Das reicht von den Schwierigkeiten in die Künstlersozialkasse aufgenommen zu werden, zu Kunstförderungen, die gerade an diese Mitgliedschaft gebunden sind, von den Corona-Hilfen von Land und Bund, die viele Künstlerinnen und Künstler gar nicht erreicht haben zu der fehlenden Honorierung künstlerischer Arbeit und das auch von renommierten Museen. Dem allen stemmen sich die mehr als 400 Kulturschaffenden, Künstlerinnen und Künstler mit dem umfassenden Programm von „Wir sind hier“ entgegen. Und wie immer bei ART OFF ist der Eintritt frei!

ART OFF Kultursommer „Wir sind hier“: 30. Juli – 5. September


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