Resonanzraum Festival: Das besondere Club-Fest startet

Von romantischen Waldgesprächen, Liebesbriefen ins Ungewisse über elektronische Libellen zu analogem Techno: Das Resonanzraum Festival wird auch 2019 ein besonderes Club-Happening

Text: Friedrich Reip
Foto: Gerhard Kuehne

Mit fantastischen Bookings außerhalb von Konventionen in Klang, Struktur und Vermittlung hat sich der Resonanzraum als die womöglich spannendste Location im Konzert- wie Club-Kontext etabliert. Die zweite Ausgabe des hauseigenen Festivals darf daher auch als Feier des Umstands gelten, dass man nach wie vor in so sperriger, mutiger Weise programmieren darf und kann.

Die Auftaktveranstaltung am Donnerstag (20. Juni) führt das Ensemble Resonanz mit der Sopranistin Christina Landshamer unter dem Titel „Waldgespräch“ zusammen, im Anschluss wird ein von Tausendsassa Felix Kubin neu vertonter Naturfilm von Wolfgang Lehmann gezeigt. Am Freitag (21. Juni) diskutiert Jan Plewka mit Sebastian Reier über Platten, ehe er für die Juliet Letters als Sänger hinters Mikro tritt. Ein DJ-Set mit Horatiu Serbanescu führt danach bis tief in die Nacht.

Am Samstag (22. Juni) findet ein romantischer Matinée-Salon statt, bevor mit Live-Electronica „Wider die Entzauberung“ aus dem Festival herausgetanzt wird.

Fotokunst ist derweil auch zu sehen: Eine Ausstellung versammelt Aufnahmen von Gerhard Kühne, Florian Schmuck und Hausfotograf Jann Wilken, die dem Ensemble Resonanz über die Jahre hinweg gefolgt sind.

Resonanzraum Festival: 20.-22.6., Resonanzraum, Feldstraße 66 (Bunker St. Pauli)


Szene-Hamburg-juni-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juni 2019. Titelthema: Was ist los, Altona?
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Gesundheitskiosk: Wofür der Arzt keine Zeit hat

In Horn und Billstedt erfahren Patienten im Gesundheitskiosk, wie sie ihre Gesundheit in den Griff kriegen können – und zwar gratis

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Klaus Balzer

Kein Termin nötig, keine Kosten, dafür immer ein offenes Ohr vom Fachpersonal: Klingt nach einer Traumvorstellung von medizinischer Versorgung, ist in Billstedt und Horn aber absolut real. Seit September 2017 können Menschen aus den beiden Stadtteilen in zwei Gesundheitskiosken ergänzen, was in Arztpraxen aus Zeitgründen nicht geschafft wird. „Wir wollen die niedrigschwellige ambulante Versorgung vor Ort qualitativ stärken, und zwar mit einem pflegerischen Ansatz“, sagt Geschäftsführer Alexander Fischer.

Vier Vollzeitmitarbeiter, alle akademisierte Pflegekräfte, versuchen einerseits chronisch kranken Patienten eine Stütze zu sein und Vor- sowie Nachbereitungen von Arztbesuchen zu leisten. Andererseits ist jeder in den Kiosken willkommen, der z. B. Anregungen und Tipps rund um seine Ernährung wünscht. Dass die beiden Standorte in Billstedt und Horn gewählt wurden, liegt nicht zuletzt am Druck, unter dem viele Ärzte in diesen Stadtteilen stehen, und den sie öffentlich geäußert haben. Es gab und gibt einen enormen Bedarf an medizinischer Beratung, und dem wollen die Gesundheitskioske entgegenwirken – mit Erfolg.

 

Förderung nur bis Jahresende

 

Fischer: „Im vergangenen Jahr kamen fast 4.000 Patienten zu uns und waren sehr dankbar für das Angebot. Wir konnten den Kiosk-Besuchern veranschaulichen, wie sie das Gesundheitssystem sinnvoll nutzen.“ Dass eben dieses Angebot auf finanzieller Förderung basiert – eh klar. Aktuell kommt das Geld vom Innovationsfonds, bis zum Ende des Jahres sind die Gesundheitskioske gesichert. „Danach müssen wir auf eigenen Beinen stehen“, so Fischer, „wir verhandeln gerade mit den Krankenkassen, und je nachdem, wie hoch das Budget ist, das uns zur Verfügung gestellt wird, können wir auch in die zukünftige Personalsituation investieren.“

Gesundheitskiosk: Billstedt, Möllner Landstraße 18, Mo-Fr, 8-18 Uhr; Mümmelmannsberg, Oskar- Schlemmer-Straße 9-15, Di+Do, 8.30-17 Uhr


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Top 10 – Hier schleckt ihr das beste Eis der Stadt

Eis geht immer! Unsere zehn Lieblings-Eisdielen überzeugen mit cremigen, fruchtigen und kreativen Sorten – für die selbst nach dem größten Essen noch Platz sein muss

Foto (o.): Thomas Neteland via Unsplash

 

1) Delzepich Eis – Unendlich cremig

Bei Delzepich wird Eis nach einem traditionellen Rezept hergestellt. Hier kommen weder Aromen noch Farbstoffe in die Eistüte, dafür aber frische Vollmilch von glücklichen Kühen. Uns haben besonders die klassischen Sorten mit ihren natürlichen Zutaten und einem ebensolchen Geschmack wie auch mit ihrer cremigen Sahnigkeit begeistert.

Delzepich Eis: Winterhuder Weg 67 (Uhlenhorst)

 

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2) Eis & Innig – Liebe bei der ersten Kugel

Vor der Eröffnung ließ sich Eibe Schuette von einem Konditor zeigen, wie gutes Eis gemacht wird. Dabei hat ihn die Menge an Fertigmischungen ziemlich erschreckt. Bei ihm kommt deshalb so etwas nicht in die Eismaschine! Stattdessen experimentiert
er mit natürlichen Zutaten vom nahen Isemarkt, zum Beispiel mit frischer Minze, Mango oder Gurke.

Eis & Innig: Klosterallee 102 (Hoheluft-Ost)


3) Eis Schmidt – Eine in die Waffel bitte

Echte Handwerkskunst zergeht bei Eis Schmidt auf der Zunge. Bis zur kleinsten Zutat wird hier nämlich alles – von Karamell über Kompott bis hin zum Keksteig – in der eigenen Manufaktur hergestellt. Neben vielen außergewöhnlichen Sorten gibt es eine schöne Auswahl veganer und glutenfreier Eiskreationen sowie leckere Waffeln.

Eis Schmidt: Ottenser Hauptstrasse 37 (Ottensen)

 

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4) Eisbande – Rein pflanzlich

Klingt kriminell, ist aber nur gefährlich lecker: Die Sorten der Eisbande überzeugen Veganer wie Nicht-Veganer gleichermaßen. Während erstere sonst häufig mit Fruchteis vorliebnehmen müssen, gibt es hier auch Soja- Eis mit Geschmacksrichtungen wie „Sniggers“ oder „Strawberry Cheesecake“ , bei denen die fehlenden Milchprodukte kein bisschen auffallen.

Eisbande: Bartelsstraße 1 (Sternschanze)


5) Eiscremerei – Ganz natürlich

Vom Flughafen in den eigenen Eisladen: Inhaberin Anne-Katrin Riebe hat sich mit der Eiscremerei einen Traum erfüllt und kreiert hier ausschließlich gefrorene Köstlichkeiten aus komplett natürlichen Zutaten. Egal ob bekannte oder ausgefallene Sorten wie Himbeer-Rote-Bete – hier schmeckt einfach jede Kugel klasse.

Eiscremerei: Gertigstraße 63 (Winterhude)

 

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6) Eiskantine – Zum verweilen

Konzentration aufs Wesentliche wird in der Eiskantine großgeschrieben. Hier gibt es ganz bewusst nur neun unterschiedliche Sorten, dafür sind alle davon fantastisch. Neben den hausgemachten Eiskreationen gibt es in dem gemütlichen Retro-Ambiente fair gehandelten Kaffee und sehr gute selbst gebackene Kuchen.

Eiskantine: Kohlhöfen 10 (Neustadt)

 

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7) Eisliebe – Ungewöhnlich überzeugt

Die Schlange vor dem Laden sagt schon alles: Hier gibt es eindeutig sehr gutes Eis und das wissen die Hamburger. Die leckeren Kreationen sind das Warten auf jeden Fall wert, denn die Kugeln sind schön groß, cremig und je nach Sorte süß-aromatisch oder fruchtig-frisch. Wir empfehlen besonders die ungewöhnlichen Kreationen wie Ananas-Basilikum.

Eisliebe: Bei der Reitbahn 2 (Ottensen)

 

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8) Joschi – Selbstständiger Durchstarter

Eisfans sollten sich nicht von der Größe des Ladens täuschen lassen. So klein das Joschi auch aussieht, die Geschmackserlebnisse hier sind groß. Jede der Eissorten wird nämlich vom gleichnamigen Besitzer mit viel Liebe aus saisonalen Biozutaten selbst zubereitet. Übrigens ist auch der Kaffee definitiv den Besuch wert.

Joschi: Neuer Kamp 19 (Sternschanze)


9) Luicella’s – Geht immer

Mit ihren leckeren Kreationen überzeugen Markus und Luisa, die beiden Inhaber von Luicella’s, seit ein paar Jahren nicht nur Eisfans, sondern auch die Juroren von „Die Höhle der Löwen“. Seitdem gibt es die besonders harmonisch abgeschmeckten Sorten der beiden nicht nur in ihren Eisdielen, sondern auch für zu Hause bei Edeka, Rewe und Co.

Luicella’s: Detlev-Bremer-Straße 46 (St. Pauli)

 

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10) Schlecks – Eigene Kreationen probieren

Wer genug von „normalem“ Eis hat, sollte mal im Schlecks vorbeischauen. Statt schon fertig zubereiteter Sorten werden hier die individuellen Kreationen jedes Besuchers auf einem Cold Stone – einer auf -20 Grad runter gekühlten Marmorplatte – zubereitet. Dabei stehen zahllose Zutaten, auch für Veganer, zur Auswahl. Im wahrsten Sinne des Wortes: Total cool!

Schlecks: Fischers Allee 78 (Ottensen)

 

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Pinkstinks: Aktivisten gegen Sexismus in der Werbung

Die Aktivisten von Pinkstinks sind im Einsatz gegen sexistische Werbung – denn an Sex sells glauben noch viele: Wer, warum, und was sich verändert hat, erzählt Pinkstinks-Redakteur Marcel Wicker

Interview: Markus Gölzer
Foto (o.): Mauricio Bustamante – Pinkstinks

SZENE HAMBURG: Marcel, das fängt ja gut an: Zwei Männer unterhalten sich über eine feministische Protest- und Bildungsorganisation. Wie bist du zu Pinkstinks gekommen und was macht ihr?

Marcel: Ich kenne Pinkstinks schon sehr lange und war auch vorher feministisch aktiv. Als ich gehört habe, dass Pinkstinks einen Redakteur sucht, habe ich mich einfach beworben. Ich bin ausgebildeter Journalist, habe vorher PR gemacht und empfinde es als irres Privileg, mit Aktivismus Geld verdienen zu können. Bei Pinkstinks geht es hauptsächlich darum, feministische Diskurse, die im linken Spektrum geführt werden, aufzugreifen und zu übersetzen. Sie sozusagen in den Mainstream zu holen. Damit es nicht eine elitäre Diskussion zwischen wenigen Leuten bleibt, sondern dass daraus ein gesamtgesellschaftlicher Protest werden kann.

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So könnte Bikini-Werbung
auch aussehen / Foto: Markus Abele – Pinkstinks

Was war für die Gründung von Pinkstinks ausschlaggebend?

Stevie Schmiedel ist 2011 aktiv geworden. Die Stadt Hamburg hatte dem Außenwerber Ströer 2.500 Werbeleuchtflächen zur Verfügung gestellt. Dadurch wurde Werbung im öffentlichen Raum in Hamburg viel sichtbarer – und eben auch der Sexismus. Stevie hat eine Petition gestartet, sexistische Werbung bundesweit verbieten zu lassen, Demos organisiert, ist mit der Politik in Kontakt getreten. So ist Pinkstinks entstanden. 2016 hat sich die SPD dafür ausgesprochen, sexistische Werbung kontrollieren zu wollen, was dann erst mal in einem Monitoring mündete, das wir seit zwei Jahren durchführen.

Auf der Plattform „Werbemelder*in“ sammeln wir sexistische Werbung, um das Sexismusproblem in Deutschland mit konkreten Daten belegen zu können. Jeder kann über Werbemelder* in Werbung bei uns einreichen und wir prüfen sie nach unseren Kriterien.

Wo hört Nacktheit auf und fängt Sexismus an?

Wenn wir über Sexismus in der Werbung sprechen, was unser Hauptaugenmerk ist, dann hat Sexismus nicht zwangsläufig mit Nacktheit zu tun. Es gibt Produkte, die man mit viel Haut präsentieren muss, wie einen Bikini. Der wird natürlich auf der nackten Haut präsentiert. Das ist Sexualität, die eine Gesellschaft aushalten muss.

Sexismus sehen wir dann, wenn eine Diskriminierung aufgrund von Geschlecht vorliegt. Wir haben zusammen mit der Juristin Dr. Berit Völzmann konkrete Kriterien entwickelt, mit denen wir unterscheiden, wann etwas sexistisch ist und wann nicht. Wenn eine Frau zum Beispiel nur als sexualisierter Blickfang eingesetzt wird, wenn sexuelle Verfügbarkeit suggeriert wird oder bestimmte Eigenschaften oder Fähigkeiten ausschließlich einem Geschlecht zugeordnet werden, dann sprechen wir von Sexismus.

Gibt es Branchen, die sexistischer sind als andere?

Im Moment zeigt sich schon sehr deutlich, dass Sexismus oft im Mittelständischen vorkommt, weniger bei großen Unternehmen. Ganz viel im Handwerk, auf Lkw und Pkw.

Gibt es es auch Unterschiede, ob Stadt oder dem ländlichen Bereich?

Ja, es kommt eher im Ländlichen vor. Es sind oft die Rohrverleger, die mit Wurfsendungen, an Baugerüsten und auf Fahrzeugen werben. Die ihre Werbung aus Kostengründen selber machen und dafür Ursel von nebenan bitten, sich mal für ein Foto über die Autoreifen zu legen. Wir können sagen, dass die großen Werbeagenturen nicht mehr das Hauptproblem sind, auch wenn sie häufig noch sehr stereotyp werben, was wiederum Sexismus befeuern kann. Das ist aber nichts, wogegen man rechtlich vorgehen könnte. Die Frage für uns ist: Wo ist die konkrete Diskriminierung?

Also funktioniert es nicht mehr so, dass Aufmerksamkeit immer gut ist, egal ob positiv oder negativ.

Es gibt immer noch Unternehmen, die das so sehen und die es drauf ankommen lassen. Aber sexistische Ausrutscher der wirklich großen Player können wir an einer Hand abzählen. Trotzdem leiden auch die unter dem schlechten Image, das sexistische Werbung schafft. Deshalb haben wir im letzten Jahr vermehrt mit Agenturen zusammengearbeitet.

 

Pinkstinks-Pinker-Pudel-Logo

Pinkstinks-Preis: Für faire Werbung gibt’s den „Pinken Pudel“

 

Inwiefern?

Wir haben den „Pinken Pudel“ gegründet, einen Positivpreis, mit dem wir Werbung auszeichnen, die mit Stereotypen bricht. Damit wollen wir stärken, was wir gut finden. Außerdem haben wir mit fünf der größten Werbeagenturen eine Kampagne gestartet, die „Herz fürs Handwerk“ heißt. Wir haben uns mit Kreativen zusammengesetzt und ihnen ein „Worst of Werbemelder*n“ gezeigt, also eine Auswahl der schlimmsten Werbemotive, die wir eingesendet bekommen haben. Und wir haben sie gebeten, für die Produkte eine neue, diskriminierungsfreie Werbeidee zu entwickeln. Das Ziel war, den Handwerksbetrieben zu zeigen: Man kann auch aus langweiligen Produkten wie einer Heizdecke coole Werbung machen, ohne zu diskriminieren. Auch mit geringen Mitteln.

Was war das schlimmste Motiv?

Was ich gern als Beispiel bringe ist ein Schlagbohrer mit einer halbnackten, breitbeinigen Frau daneben und dem Slogan: „Wie rammst du ihn rein?“. Das grenzt schon an sexualisierte Gewalt. Solche Motive sind zwar nicht die Regel, aber auch nicht so selten, wie man meinen mag.

Eigentlich müsste euren Job doch der Werberat machen.

Der Werberat ist selbstregulativ und besteht aus Leuten aus der Werbeindustrie. Er spricht Rügen aus und arbeitet ausschließlich reaktiv. Mit Pinkstinks wollen wir proaktiv, durch Sensibilisierung und Kampagnen, gegen Sexismus vorgehen.

Wie viel Einsendungen bekommt ihr? Wie viel der Werberat?

Wir haben über Werbemelder*in 2018 doppelt so viel Einsendungen bekommen wie der Werberat. Und das nur zum Thema Sexismus. Der Werberat sammelt ja Beschwerden zu allen möglichen Themen. Generell kann man sagen, dass durch die #MeToo-Debatte ein Umdenken eingesetzt hat. Leute sind sensibler für das Thema und es gibt sehr viel schneller den Shitstorm aus der Gesellschaft, ohne dass wir ihn mit unserer großen Online-Präsenz anführen müssen. Interessant ist auch, dass wir seit #MeToo wahnsinnig viel Unterstützung auch von Männern bekommen.

Pink-Stinks-Werbemelder

Auf der Plattform „Werbemelder*in“ lässt sich sexistische Außenwerbung markieren

Gibt es auch Sexismus gegen Männer?

Ob es Sexismus gegen Männer gibt, ist im Feminismus eine heikle Diskussion. Sicher ist, dass eine sexistische Gesellschaft immer auch Auswirkungen auf Männer hat. Wenn Männern erzählt wird, dass sie keine Gefühle haben dürfen, außer vielleicht Wut, dann führt das dazu, dass sich Männer eher das Leben nehmen, dass sie eher an einer Sucht erkranken, dass sie eher Straftaten begehen.

Ob man das „Sexismus“ nennt oder nicht, ist eine Definitionsfrage. Ihn abzuschaffen ist aber ein Gewinn für alle.

Neben Werbung kümmert ihr euch auch um Bildung …

Für uns ist Sensibilisierung auf möglichst vielen Ebenen wichtig. Wir machen Theaterarbeit an Schulen mit dem Stück „David und sein rosa Pony“. Im Stück wird ein Junge wegen seines rosa Kuscheltiers in der Schule gemobbt und am Ende von seinem coolen Fußballkumpel davon überzeugt, dass Rosa für alle da ist und auch Jungs zart sein dürfen. Damit versuchen wir, das Rosa-Blau-Gefälle in der Grundschule infrage zu stellen. Wir haben auch eine sehr umfangreiche Broschüre für Kitas und Eltern herausgebracht, in der es um gendersensible Erziehung geht. Für jugendliche Mädchen haben wir den YouTube-Kanal „Lu Likes“, in dem unsere Moderatorin Lara Themen wie Essstörungen oder „Germanys Next Topmodel“ aufgreift und bespricht. Und natürlich sind wir sehr stark in sozialen Medien aktiv.

Seid ihr Anfeindungen ausgesetzt?

Täglich. Wir bekommen ständig E-Mails, Kommentare und Nachrichten über Facebook oder Instagram, in denen wir angefeindet werden. Wenn wir eine neue Kampagne launchen oder ein neues Video online geht, kann man den Hatern dabei zusehen, wie sie sich zusammenrotten und organisiert trollen. Das kennen alle Organisationen und Personen, die sich im Netz für Vielfalt und Diversität einsetzen. Mich persönlich können die gerne beschimpfen und kacke finden, damit können wir als Team gut umgehen. Aber sie sollen unsere Community in Ruhe lassen. Da fühlen wir eine große Verantwortung. Pinkstinks-Kanäle sollen Orte für alle sein.

Pinkstinks.de


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Bedrohte Räume #36 – AK Altona

Do the right thing, Hamburg Ciddy!

Foto (o.): GeorgHH

Wer heute schon für morgen spart, hat übermorgen Knete, heißt es. Das wusste Omi, dass weiß heute jedes Kindi. Neu aber ist, wer früher schon mit Bauklötzchen spielte, ist heute klar im Vorteil, denn bereits Kinderhänden wird im klotzigen Bauvorhaben die Bedeutung und Funktion von Architektur deutlich.

Nun sind wir heute alle erwachsen, und all diejenigen, die nicht mit Bauklötzchen rummachten, krakeelen: „Dieser unansehnliche alte Bauklotz von einem Altonaer Krankenhaus stört mein Stadtbild! Mein armes Othmarschen, von Pein gezeichnet durch einen schmucklosen Kasten! Wir wollen was Neues!“

Sie ahnen es schon, ich bin anderer Meinung als die da oben. Das hier gemeinte 21-geschossige AK Altona mit seinen umliegenden Funktionsbauten, ist nämlich ein echter Knüller! In den 60er Jahren von Star-Architekt Werner Kallmorgen als Wonneproppen der Gesundheit erbaut, wollen die Damen und Herren Investoren dem 30 Hektar großen Areal nun an den Kragen. Klar ist, das AK Altona soll in den kommenden Jahren einen fetten Neubau erhalten, doch es gibt bis dato noch keinerlei Pläne für das denkmalgeschützte Bestands-Ensemble des Geländes. Was passiert mit der alten Klinik? Diese schönen Funktionsbauten, die als herausragende Dokumente der in Hamburg immer seltener werdenden Nachkriegsarchitektur und Kulturdenkmal gelten, sind in Gefahr.

Eingebettet in Parkanlagen stehen hier auf dem Gelände des AK Altona der Wirtschaftshof mit Küchen- und Werkstattgebäuden, das Kesselhaus, das Pathologiegebäude und das Versuchstierhaus. Wie beim Hauptgebäude handelt es sich bei den umliegenden Gebäuden um ganz individuelle Architekturen. Hammerdinger! Und obwohl es kontinuierlich Erweiterungen und Modernisierungsmaßnahmen gab, bleibt das AK Altona ein bedeutendes Beispiel eines Großklinikums der 60er Jahre, das auch über Hamburg hinaus seinesgleichen sucht. Und das große Entwicklungsareal bietet heute ein Monsterpotenzial! Doch ohne Nachnutzungskonzept, wie es korrekt heißt, wird es kommen, wie es in Hamburg so oft kommt: erst verballert, dann abgeknallert. Denn ist der Klinikneubau erst einmal beschlossene Sache, wird später wegen angeblich unwirtschaftlicher Unzumutbarkeit abgerissen. Denkmalschutz hin oder her. Aufwachen, Leute! Erinnert euch an eure Bauklotzzeiten: Die notwendigen Umbaumaßnahmen und die Nachnutzung müssen im Vorhinein im Finanzierungsplan berücksichtigt werden. Nicht nachher, sonst sind die Piepen ein für alle Mal weg!

Deshalb, Bürgers der Hansestadt, entert die Barricados und klemmt euch an die Guten, an die Leute vom Denkmalverein und an die Interessierten, die sich für den Prachtklotz AK Altona starkmachen! Hier könnten preiswerte Kleinwohnungen für Pflegepersonal und Studierende entstehen oder das Hochhaus zu günstigen Mietkonditionen an Hamburger Kultureinrichtungen für Proberäume, Ateliers, Begegnungsstätten für uns tolle Piepels bereit gestellt werden und auf diese Weise etwas wirklich Modernes entstehen. Stellt euch vor, es würde gelingen, dann hätten wir einen architektonisch und inhaltlich wegweisenden Ort, über den ihr später erzählen könntet: „Ja, Sohnemädchen, du Eierloch, spiel ruhig weiter mit deinen Klötzen, und besuch mal Othmarschen, da wirst du Bauklötzchen staunen!“

Eure Raumsonde

Andrea


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahrt ihr unter www.andrearothaug.de


Szene-Hamburg-juni-2019

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Kochbuch-Tipp: „Meine Aromenküche“ von Ali Güngörmüs

Sterne- und TV-Koch Ali Güngörmüs verrät in seinem Buch „Meine Aromenküche“, welche Zutaten sich gut verstehen – und wie jeder auch zuhause Gourmet-Gerichte kocht

Text: Laura Lück

Ali_Güngörmüs_Meine_Aromenküche_Cover

„Meine Aromenküche“ von Ali Güngörmüs ist erhältlich beim Dorling Kindersley Verlag

Manchmal braucht es nur eine Zutat, um gewöhnliche Speisen in besondere zu verwandeln. Ein kleines bisschen Sauerampfer in der Avocadocreme zum Beispiel. Man muss nur drauf kommen – oder nachschlagen. In Ali Güngörmüs‘ Kochbuch „Meine Aromenküche“ zum Beispiel. Das zeigt auf zugängliche Weise, welche Kräuter, Gewürze, Früchte und Käsesorten wie schmecken, auf welche Art man sie kombiniert und wie sie ein Gericht auf einfache Weise perfektionieren.

Seine Theorie findet außerdem Anwendung in 100 Rezepten. Von simpel bis anspruchsvoll orientieren sie sich alle an der gehobenen mediterranen Küche mit orientalischem Einschlag. Genau wie das Lunch-Menü, das der Fernsehkoch, der dem Hamburger Restuarant Le Canard Nouveau einst den Stern bescherte, heute in seinem Restaurant Pageou serviert.

Gehobene Küche für zuhause

 

So entstehen Leckerbissen wie gefüllte Zucchini mit Bulgur, Feta und Vadouvan-Zwiebel-Confit oder auf der Haut gebratener Wolfsbarsch mit Auberginenkompott. Heimische Kräuter, edle Gewürze und exotische Zutaten werden dabei gezielt eingesetzt und geben den Rezepten das gewisse Etwas, ohne die Gerichte zu überfrachten. Ein Muss für Hobbyköche mit Vorliebe für orientalische Aromen!

Das folgende Gericht aus Alis Aromenküche ist eine super Variante für Spargel. Die Aromen von Burrata und Serrano kombiniert er gern miteinander. Gerade der hohe Fettanteil von Burrata harmoniert nämlich bestens mit dem mageren Spargel.

 

Aromatischer Gemüse-Spargel-Salat

 

Spargel_Ali_Güngörmüs (c) Sandra Eckhard

Foto: Sandra Eckhard

  • Zutaten für vier Personen:
  • 1 grüne Zucchini
  • 8 Stangen weißer Spargel
  • Spargelkochfond
  • 2 rote Paprikaschoten
  • 1 Knoblauchknolle
  • Einige Zweige Rosmarin und Thymian
  • 2 EL Olivenöl
  • Salz
  • 30 g Taggiasca-Oliven, entsteint
  • 4 EL Balsamico-Vinaigrette
  • Pfeffer
  • 10 Basilikumblättchen, fein gehackt
  • 2 Kugeln Burrata
  • 30 g Pinienkerne, geröstet
  • 8 hauchdünn geschnittene Scheiben Serrano

Die Zucchini waschen, längs vierteln und mit einem Messer die Kerne und das weiche Innere herausschneiden. Die Viertel mithilfe eines Sparschälers in lange Streifen schneiden. Den Spargel schälen, holzige Enden abschneiden. In etwa drei Minuten im Spargelfond bissfest kochen. Die Stangen aus dem Wasser nehmen, abkühlen lassen und dann schräg in ca. 1 cm lange Stücke schneiden.

Den Backofen auf 220°C vorheizen, falls möglich die Grillfunktion zuschalten. Die Paprika vierteln und vom Kerngehäuse befreien. Die Knoblauchzehen ungeschält andrücken und mit Rosmarin und Thymian auf ein Backblech legen. Die Paprikastücke mit der Haut nach oben darüber verteilen, mit dem Olivenöl benetzen und salzen.

Die Paprikastücke im Ofen richtig dunkel werden lassen. Ist die gesamte Haut schwarz, die Paprika in eine Frischhaltedose geben und diese mit dem Deckel verschließen. So lässt sich die Haut später besonders gut abziehen. Nach 10 Minuten aus der Dose nehmen und die Haut abziehen. Die Paprika in längliche Streifen schneiden und mit den Oliven, dem Spargel und der Zucchini mischen.

Den Salat mit der Vinaigrette marinieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Basilikum dazugeben. Den Gemüse-Spargel-Salat locker auf Tellern anrichten. Den Burrata mit den Fingern in kleine Stücke zerreißen und darauf verteilen. Ebenso die gerösteten Pinienkerne draufgeben und mit dem Serranoschinken servieren.

Tipp: Ein pochiertes oder gebratenes Ei rundet das Gericht perfekt ab


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Meet the Resident – Günni Gatzen

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Günni Gatzen (Moloch / BassBotanik) – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Ich versuche in meinen Sets darauf zu achten, eine ähnliche Stimmung zu halten und mit treibenden Sound eine Art hypnotischen Zustand zu erreichen. Die Musikrichtung variiert dabei von Location, Stimmung, Zeit und Partner-DJ.

Was war dein größter Moment als DJ?

Viele Gigs waren auf ihre eigene Weise unvergesslich und einzigartig. Dabei hängt es auch nicht immer davon ab, wie beliebt der Club ist oder wie groß das Publikum war. Gerne denke ich zurück an den Gig mit Schense auf der Fusion in einer kleinen DJ-Booth am Roten Platz, mit Svn Stvr zum ersten Mal im Moloch in der Kuhle, solo unten im Südpol beim Warm-Up von Off the Radar oder den Auftritt mit meiner Twerkstatt-Gang letztes Jahr in einer ganz besonderen Bucht.

Wo gehst du in Hamburg hin, um Spaß zu haben?

Auf diese Frage gibt es für mich eigentlich nur 2 Antworten: Moloch und Südpol.

Welchen DJ würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Sehr gerne würde ich mal wieder Mihai Popoviciu oder Ida Daugaard in Hamburg sehen.

Was sind für dich Hamburgs stärken?

Die besten Menschen und der beste Club der Welt.

Und die Schwächen?

Das Wetter.

Dein Lieblingsort in Hamburg?

Münzviertel und Dove Elbe.

Deine Platte des Monats?

An dieser Stelle will ich einmal Promo für meine Brudis machen. Track: Metatext & Karhua – Turners Tales of Gravity auf Wayu Records. Geht zwar vom Sound her in eine andere Richtung als meiner, aber es ist ein supergeiler treibender Downtempo-Track geworden und die beiden sollte man absolut aufm Schirm haben.

 

Hört hier einen Track aus Günni Gatzens Platte des Monats

 

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?

Metatext & Karhua, Schense, Doe & Fils Rauscht sowie Linus & Svn Stvr.

Deine schrecklichste Gastfrage?

Da fallen mir gleich zwei ein: Die erste stellte mir jemand bei einem meiner ersten offiziellen Gigs 2012 in Damme, einem Dorf in Niedersachsen. Leider war Tech-House damals dort noch nicht angekommen und nach meinem ersten oder zweiten Übergang wurde ich gefragt, ob ich nicht bald mal was von Scooter spielen könnte.

Die zweite Situation war auf dem 30. Geburtstag meiner Stiefschwester. Da sie in der ländlichen Umgebung von Oldenburg wohnt, hatte ich mich schon darauf vorbereitet, dass ich irgendwann gefragt werde, ob ich noch etwas anderes spiele. Aber als ich nach zwei Stunden gebeten wurde, gegen eine Zahlung von 50€ meine Musik auszumachen und einen Schlagersender im Radio anzumachen, war ich platt.

Wo kann man dich als nächstes hören?

Artville Richtfest: 20. Juli 2019.

Habitat Festival: 24. Juli-28. Juli 2019.

 

Hier könnt ihr ein aktuelles Set von Günni Gatzen hören – im Podcast von hamburg elektronisch


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MS Stubnitz: Das Kulturschiff muss ins Dock

Das Kulturschiff MS Stubnitz muss ins Dock und unter hohen Kosten wieder flott gemacht werden – dabei können Paten einen großen Beitrag leisten. Ein Interview mit Urs „Blo“ Blaser, der das Projekt Stubnitz vor 27 Jahren anstieß

Text & Interview: Jan Paersch
Foto (o.): Phalque

Hinten, in der Ecke eines dunklen Ganges, hängt die „Crew List“ der MS Stubnitz. Darauf: ein gewisser „Blaser, Urs“. Dahinter das Kürzel „Rat/eng wk“. Es steht für den „rating engine watch keeper“. Urs Blaser mag Querflöte und Saxofon studiert haben, doch er ist auch ein hochseetauglicher Seemann, der befähigt ist, an Bord des Schiffes die Maschinenwache zu übernehmen. Der Schweizer ist Geschäftsführer und Tontechniker des denkmalgeschützten Kulturortes.

Wer auf abseitigere Konzerte, aber auch auf trippige Electro-Sets steht, kennt die MS Stubnitz. Unten im Laderaum spielten schon Rammstein, Marteria und Feine Sahne Fischfilet – als Newcomer. Das Schiff, am 1. Juni 1964 in Stralsund vom Stapel gelaufen, gehörte zur Hochsee-Fischfangflotte der DDR, ehe es 1992 von einer Gruppe von Künstlern übernommen wurde. Seit 2014 hat die Stubnitz ihren festen Liegeplatz in der Hamburger HafenCity. Im hinteren Teil des 80 Meter langen ehemaligen Kühlschiffes, dort, wo früher die Heringe lagerten, ist Platz für Konzerte, vorne finden zumeist DJ-Sets statt.

Im letzten Jahr spielten hier 340 Live-Acts aus Dutzenden Ländern. Doch die kulturelle Vielfalt ist bedroht: im Juli muss die Stubnitz ins Dock, um die sogenannte Klassenerneuerung vorzunehmen, die den Betrieb für die nächsten fünf Jahre sichert. Das Geld dafür kommt nur zum Teil von öffentlichen Geldgebern. Die Stubnitz sucht nun Paten, um gegenüber den öffentlichen Förderern zu zeigen, dass eine Öffentlichkeit hinter dem technischen Denkmal und dessen Nutzung steht. Für jeden Euro eines Spenders werden aus den Töpfen des Denkmalschutzes sieben bewegt – so werden aus jedem Patenschafts-Euro acht.

 

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Kapitän des Kulturschiffs: Urs Balser / Foto: Jan Paersch

 

Urs Blaser, genannt „Blo“, leitet seit 1994 die Stubnitz. Der 1960 in Bern geborene strahlt die Gelassenheit eines erfahrenen Seemanns aus. An diesem sonnigen Freitagnachmittag herrscht auf dem Schiff schon reges Treiben, später wird dort eine griechische Stoner-Rock-Band auftreten, während im Bug-Raum zwei Jungs ihren 18. Geburtstag feiern. Das Interview findet bei Filterkaffee in der alten Offiziersmesse statt. An der Wand hängt, gerahmt hinter Glas, die damalige Sitzordnung.

SZENE HAMBURG: „Blo“, bevor es die Stubnitz gab, warst du Teil des Medienkunst-Projekts „Radio Subcom“ und fuhrst quer durch Europa.

Urs „Blo“ Blaser: Wir waren ein mobiles Kollektiv und sind mit Lkws voller Equipment herumgefahren. Wir haben offen stehende Industrieräume annektiert, denn wir brauchten Platz. Für die optimale Akustik braucht man mindestens vier Meter Höhe und 200 Quadratmeter Grundfläche. Wir hatten Veranstaltungen mit 50 Leuten, dann 100 Leuten, dann 400 Leuten – und dann kam die Polizei. Wir haben überall gespielt, bis wir verjagt wurden, so in London, Wien und im Ruhrpott.

Du hast ja Saxofon und Querflöte studiert. Verstehst du dich als Musiker?

Ich war Musiker, und bin dann mehr und mehr in die Elektroakustik abgedriftet. Irgendwann habe ich begriffen, dass für mich die Lautsprecher die Instrumente sind. Also habe ich für die komponiert. Ich war immer mit zwei Tonnen Lautsprechern unterwegs. Aber auf Dauer war es ermüdend, ich war Lkw-Chauffeur, Roadie und Bühnenbauer in Personalunion. Ein festes Set-up kam uns also entgegen.

 

 

Die Stubnitz habt ihr 1992 von der Treuhand übernommen, die die Hochsee-Fischfangflotte der ehemaligen DDR auflöste.

Das Schiff wurde ja ausgemustert, es hatte keinen wirtschaftlichen Wert mehr. Es war damals schon 25 Jahre alt. Das war eine coole Zeit damals, es herrschte richtig Aufbruchsstimmung in den neuen Bundesländern. Schon damals war die Idee, einen mobilen Kulturort zu haben, mit Heimathafen Rostock, in die verschiedenen Regionen Europas fahren und dort Kooperationen aufbauen. Die allererste Anlaufstation war St. Petersburg. Die sind richtig darauf abgefahren, zumal es in der Stadt nicht viele Szeneclubs gab.

Aber finanziell war es nie leicht, oder? Ihr arbeitet zum Teil mit Ehrenamtlichen.

Als kommerzieller Veranstaltungsraum ist die Stubnitz zu klein, als Schiff, das es zu erhalten gilt, ist es zu groß. Das ist ein schwieriger Kompromiss. Wenn wir alle Räume gleichzeitig bespielen, können wir 700 Leute indoor an Bord holen, aber für eine Veranstaltung ist die Obergrenze 400 Personen. Das reicht kaum zum Überleben. In Rostock haben wir 1998 mit Ach und Krach eine Projektförderung durchgesetzt. Die Förderung, circa 80.000 Euro, ist aber 15 Jahre gleich geblieben, während unsere laufenden Kosten gestiegen sind. Wir sind also oft mit hohen Verbindlichkeiten in den skandinavischen Raum gefahren, weil es dort wirtschaftlich am besten lief.

Und nun muss die Stubnitz wieder ins Dock.

Ja, für zehn bis 14 Tage. Man macht dort nur so viel wie nötig, denn die Zeit ist teuer. Das kann uns über 200.000 Euro kosten, die wir aus Bundes-, Landes- und Eigenmitteln bestreiten müssen. Die Konservierung vom Unterwasserschiff und die Überholung der großen Aggregate, Ruder und Propeller, sind die größten Posten. Wir haben noch die Zulassung als Seeschiff.

 

Die MS Stubnitz: Zeugin der Zeit

 

Wäre ein dauerhafter Liegeplatz nicht günstiger, ohne die Möglichkeit zu fahren?

Ich halte den Funktionserhalt des technischen Denkmals für wichtig. Wenn wir den Status als Seeschiff aufgeben, brauchen wir eine baurechtliche Genehmigung. Dann müssten wir die Türen umbauen, und auch die Stolperkanten, die auf See Sinn machen. Dann würde das Schiff aber auch an Authentizität verlieren. Es gibt Denkmalschiffe, die von außen die Silhouette haben, aber innen ist es auswechselbar.

Was macht die Stubnitz so besonders?

Sie ist eines der wenigen noch erhaltenen Schiffe mit einer überragenden Aussagekraft. Als Zeitzeugin erzählt sie von deutscher Schiffbauleistung und von der großen Hochseefischerei. Und natürlich hat es mittlerweile eine Historie als Ort der tausend Subkulturen. Als Spielstätte hat sie die richtige Größe, und auch die Flexibilität, diese Genres abzubilden. Und einen richtig guten Konzertsaal. Für mich hat der Laderaum 4 die ultimative Akustik.

Deshalb muss die Stubnitz erhalten bleiben?

Es geht um das Schiff, aber auch um die Musik. Solange aus der ganzen Welt spannende Bands hierherkommen, wäre es schade, aufzugeben. Künstler, die nicht von der Wirtschaft vermarktet werden, spielen gerne bei uns. Sie können an Bord übernachten und bekommen eine warme Mahlzeit. Schließlich wird in Deutschland fast nur die Musikkultur gefördert, die schon lange Vergangenheit ist. Das musikalische Erbe wird gepflegt – aber die aktuelle Musik wird dem Kommerz überlassen.

MS Stubnitz.com


Szene-Hamburg-juni-2019 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Texte: Jenny V. Wirschky + Natalia Sodovnik
Foto: Haley Phelps via Unsplash

1) Kaifu-Bad

Mit über 100 Jahren auf den Fliesen ist dies Hamburgs ältestes Bad! Den stadtweiten Kultstatus hat das Kaifu seinem vielfältigen Angebot zu verdanken: Schwimmbad, ganzjähriger Außenpool, Freibad mit 50-Meter-Pool und 10-Meter-Sprunganlage, Kleinkinderbereich, Sonnenwiese und Saunalandschaft. Letztere liegt in der Hohen Weide und erstreckt sich auf zwei Etagen über 600 Quadratmeter. Achtung: dienstags Damensauna! Besonders beliebt ist das Freibad nicht zuletzt wegen der zentralen Lage.

Kaifu-Bad: Hohe Weide 15 (Eimsbüttel)

 

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2) Freizeitbad Finkenwerder

Aus dem Badebecken schaut man ins Schiffsbecken – und danach gibt’s Ballsport vom Feinsten. In Finkenwerder kann man nicht nur mit Elbblick sporteln, tauchen und Delphinsprünge üben: Das Freibad in Hamburgs Süden hat alles, was man für ein Freundschaftsspiel im Tischtennis, Fuß-, Beachvolley- und Basketball braucht. Das große Mehrzweckbecken steht auch für professionelles Training, Frühschwimmen, Aqua-Fitness und Schwimmschulen zur Verfügung. Entspannen? Das geht auf bequemen Liegestühlen, während die Kleinen im Kinderplanschbecken mit Wasserspielzeug toben.

Freizeitbad Finkenwerder: Finksweg 82 (Finkenwerder)


3) Holthusenbad

Zwischen Winterhude und Harvestehude liegt die Therme im klassizistischen Stil mit Spa-, Sauna- und Badebereichen. Dazu gehören der beheizte Außenpool mit Unterwasserbeleuchtung, das Hallenwellenbad, bequeme Sprudelliegen und der Kinderspielplatz im Wasser. Für maritime Zweisamkeit verwandelt sich die Therme von Oktober bis April immer freitags ab 20 Uhr in einen Candlelight-Tempel.

Holthusenbad: Goernestraße 21 (Winterhude)

 

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4) Freizeitbad Billstedt

Arschbomben-Alarm! Vom Ein-, Drei- oder Fünf-Meter-Turm springen wir ins kühle Freibadwasser. Gediegenere Badegäste ziehen gesittet 50-Meter-Bahnen. Für Familien mit Kindern gibt es außerdem ein Nichtschwimmerbecken mit entspannten 32 Grad C und einen weiteren Nichtschwimmer-Pool. Den etwas größeren Kiddies dürften die Waterclimbing-Wand und eine Reifen- und Turborutsche gefallen.

Freizeitbad Billstedt: Archenholzstraße 50a (Billstedt)


5) Naturbad Stadtparksee

Ein Naturgewässer mitten in der Stadt – und das schon seit Jahrzehnten. Das große Mehrzweckbecken hat eine sportliche Temperatur von 20,5 Grad C – perfekt, um das hitzige Sommergemüt zu kühlen. Für die Kiddies gibt’s außerdem eine Plattform mit Rutsche und einen Spielplatz. Für urbane Entspannung sorgt die schwimmende Sonnenplattform.

Naturbad Stadtparksee: Südring 5b (Winterhude)

Naturbad-Stadtparksee


6) Freibad Bramfeld

Neben dem klassischen Programm aus Frühschwimmen und Badespaß legt man großen Wert auf die Gesundheit. Zum Standardprogramm des Bramfelder Freibades gehören Aqua-Fitness, Gesundheitskurse und eine Schwimmschule. Eine gigantische 80-Meter-Rutsche lässt trotzdem viel Raum für ausgelassene Wildwassernachmittage.

Freibad Bramfeld: Fabriciusstraße 223 (Bramfeld)


7) Sommerbad Volksdorf

Das einzige FKK-Bad Hamburgs liegt inmitten einer bildschönen Grünanlage mit einem eigenen Strand, einer Wasserrutsche, Sprungbrettern sowie Tischtennis- und Volleyballspielplätzen. Gäste in Badekleidung sind ebenfalls willkommen. Zudem ist das Sommerbad Anlaufpunkt für verschiedene Sportvereine. Während der Badesaison ist die Sauna für alle geöffnet.

Sommerbad Volksdorf: Morbekweg 100 (Volksdorf)

 

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8) Freibad Süderelbe

Für Spaßbader, Frühaufsteher, Fitness-Freaks und Schwimmschüler: Das barierrefreie Freibad an der Süderelbe hat sich sogar auf die Kleinsten eingestellt und stellt mit dem Wasserspielbereich „Krokoka“ Kids bis zwölf Jahren ein eigenes Becken zur Verfügung.

Freibad Süderelbe: Neugrabener Markt 9 (Neugraben-Fischbek)


9) Sommerbad Farmsen

Ein Naturbad, aus dem man das Wasser trinken könnte, ein langer Sandstrand und eine 50-Meter-lange Rutsche – alles Gründe genug für einen Abstecher nach Farmsen. Hier mangelt es einem an nichts: Es gibt ein Spielhaus für Kinder, Badeaufsicht, Toiletten, Duschen, Schließschränke,
kostenlose Parkplätze und einen Kiosk. Das Beste: Das Bad ist sehr ruhig gelegen, für eine gelegentliche Stadtflucht also bestens geeignet.

Sommerbad Farmsen: Neusurenland 67 (Farmsen-Berne)


10) Freibad Marienhöhe

Wiese so weit das Auge reicht – auf über 26 Hektar lässt es sich besonders chillig bräunen, lesen und toben. Für allzu bewegungsfreudige Badegäste bietet das Freibad Marienhöhe ein großes Beachvolleyball-Feld. Während Sportskanonen sich auf dem sandigen Platz verausgaben, tummeln sich die ganz Kleinen im Planschbecken.

Freibad Marienhöhe: Luzerneweg 1–3 (Sülldorf)

 

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