Steckbriefe: Hamburger Medienmacher im Interview

Hamburger Medienmenschen über ihren Werdegang, ihre Stärken und ihre Vorstellung von gutem Journalismus

Steckbriefe: Erik Brandt-Höge

 

Maik Koltermann von der Hamburger Morgenpost

Maik Koltermann, 45, Journalist/ Chefredakteur Hamburger Morgenpost

Werdegang: Als Teenager dem Grunge verfallen. Auch weil Journalisten Frei­tickets und Rezensionsexemplare bekamen, bei Musikmagazin beworben. Spä­ter als Volontär die Pop­-Seite der MOPO betreut. Dann: Lokales, CvD, Ressort­leiter, Stellv. Chefredakteur. Nach neun­monatiger Auszeit jetzt zurück als Chef.

Mein Job in einem Satz: Täglich raus­finden, was Hamburg bewegt und bewe­gen sollte, manchmal Löwenbändiger sein und manchmal Küchenpsychologe.

Meine größte Stärke: Ich mache einen exzellenten Schweinebraten und habe hin und wieder eine gute Idee.

Außer unserem konsumiere ich regelmäßig folgende Medien: Ach. Abend­blatt, Spiegel, Süddeutsche, Facebook, Instagram, ARD, Arte, Netflix und vieles mehr … zu viel, zu lang.

Zuletzt fand ich diese Veröffentlichung herausragend: Herausragend ist ein großes Wort, aber “Er will’s wirklich wissen” von Peter Unfried in der taz habe ich sehr gern gelesen. Liegt vielleicht auch daran, dass ich kurz zuvor fest­gestellt hatte, dass mein bisheriges Urteil über Markus Lanz überar­beitungswürdig ist.

Ganz allgemein ist für mich guter Journalismus: Ein hartes Stück Arbeit, die beste aller Aufga­ben.

 

Lars Haider vom Hamburger Abendblatt (Bild: Mark Sandten)

Lars Haider, 50, Journalist/ Chefredakteur Hamburger Abendblatt

Werdegang: Ich wollte immer Re­dakteur beim Hamburger Abendblatt werden, weil ich diese Zeitung und diese Stadt so liebe.

Mein Job in einem Satz: Für gute Laune und sehr gute Geschichten sorgen.

Meine größte Stärke: Verrückte Ideen.

Außer unserem konsumiere ich regelmäßig folgende Medien: Zu vie­le, um sie hier aufzuzählen.

Zuletzt fand ich diese Veröffentlichung herausragend: Markus Felden­kirchen: “Die Schulz­-Story”.

Ganz allgemein ist für mich guter Journalismus: systemrelevant

 

Carla Rosorius von der GEO

Carla Rosorius, 32, Bildredakteurin GEO Wissen/ GEO kompakt/ Wohllebens Welt

Werdegang: Meine Begeisterung für Fotografie und letztendlich das Jahr an der Ostkreuzschule für Fotografie haben in mir die Entscheidung gefestigt, den Berufsweg der Bild­redakteurin einzuschla­gen. Es folgten Stationen beim Magazin der Süddeutschen Zeitung, dem Spiegel, der Zeit und mittler­weile bin ich seit gut fünf Jahren Teil der großen GEO­-Familie.

Mein Job in einem Satz: Ich verstehe mich als Bildredakteurin als Schnittstelle zwischen den Fotografen und Illustratoren draußen sowie der Textredaktion und der Grafik innerhalb der Redaktion – in der Bildredaktion läuft alles zusammen.

Meine größte Stärke: Ich kommuni­ziere gerne, habe ein gutes Gedächtnis und behalte auch bei parallel laufenden Projekten den Überblick.

Außer unserem konsumiere ich regelmäßig folgende Medien: Als Angestellte bei Gruner + Jahr landen zig Magazine auf meinem Tisch, meine Top 3 aus an­ deren Häusern: Spiegel, British Journal of Photography, Bon appétit.

Zuletzt fand ich diese Veröffentlichung herausragend: Ich kann mich nicht auf eine Veröffentlichung festlegen und diese als herausragend bezeichnen. Mich können unterschiedlichste Themen und Ansätze begeistern, wenn sie überraschen und mir eine Welt zeigen, die ich so bislang nicht kannte.

Ganz allgemein ist für mich guter Journalismus: Journalismus ist für mich gut, wenn er sowohl optisch als auch textlich überrascht und ein mir bislang unbekanntes Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet, erklärt und dabei gerne auch provokante Thesen aufstellt, die mich neugierig machen, mehr zu erfahren.

 

Jan Hildebrandt von den Eimsbütteler Nachrichten (Bild: Eimsbütteler Nachrichten)

Jan Hildebrandt, 40, Verleger Eimsbütteler Nachrichten

Werdegang: Ich habe während des Studiums abgeordnetenwatch.de gegründet. Anschlie­ßend habe ich an der TU Harburg in einem So­zionik­-Projekt ge­arbeitet und er­forscht, wie sich neue Kommunikations­medien auf gesell­schaftliche Strukturen auswirken. 2013 gründe­te ich die Eimsbütteler Nachrichten, um dabei ein tragfähiges Geschäftsmodell zur Finanzierung von unabhängigem lokalen Qualitätsjournalismus zu entwickeln.

Mein Job in einem Satz: Ich bin zu­ständig für die Geschäftsführung, Or­ganisationsentwicklung, Marketing, Kooperationen, Sales und Personal.

Meine größte Stärke: Eine gesunde Mischung aus Panik, Resilienz, Hek­tik und Geduld.

Außer unserem konsumiere ich regelmäßig folgende Medien: Über­medien, Die Zeit, Der Spiegel, Katapult, NDR, taz, Hamburger Morgenpost, Hamburger Abendblatt, Was­hington Post, New York Times, Horizont, MEEDIA, Der Postillon, Titanic.

Zuletzt fand ich diese Veröffentlichung herausragend: “Tausend Zeilen Lüge: Das System Relotius und der deutsche Journalismus”, Juan Moreno, Rowohlt Berlin. Für mich ist Moreno der Retter des deutschen Journalis­mus. Er hat persönlich Unglaubliches auf sich genommen und erduldet, um die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche wiederherzustellen.

Ganz allgemein ist für mich guter Journalismus: Guter Journalismus verliert nie den Bezug zu seinen Lesern. Eine Redaktion sollte sich im Dauerdiskurs mit ihren Lesern befinden.

 

Gabriele Fischer von brand eins (Bild: Andre Hemstedt & Tine Reimer)

Gabriele Fischer, 67, Journalistin/ Chefredakteurin brand eins

Werdegang: Studium: Politische Wis­senschaften, Soziologie und Germanistik, nach dem Magister zwei Jahre Autos vermietet, Einstieg in den Journalismus bei der Rotenburger Kreiszeitung, von dort zur G+J -Journalistenschule (hieß damals noch so, es war der erste Jahr­gang), von dort zurück in die Provinz, fünf Jahre Osterholzer Kreisblatt und Delmenhorster Kurier. Danach zehn Jahre Manager Magazin, Entwicklung des Tochtermagazins Econy, das nach zwei Ausgaben eingestellt wurde. Seit­ dem Unternehmerin zunächst mit Econy, nach dessen Verkauf Mitgründung von brand eins, das heute in der brand eins Medien AG erscheint.

Mein Job in einem Satz: Dafür zu sor­gen, dass die Kollegen dort gern und gut arbeiten können.

Meine größte Stärke: Weitgehend angstfrei, Menschen liebend und frustrationstolerant. Und ich erkenne ziemlich zielsicher, was eine Geschichte ist und was nicht.

Außer unserem konsumiere ich regelmäßig folgende Medien: Zeit, Spiegel, SZ und immer wieder Independents wie Zenith oder Katapult.

Zuletzt fand ich diese Veröffentlichung herausragend: Die Zeit: “Würden Sie diesen Mann entlassen?” von Noemi Harnickel und Anna­-Sophie Barbutev, Begründung: Weil man nach dem Foto schon alles zu wissen glaubt – und dann eine ganz andere Geschichte liest.

Ganz allgemein ist für mich guter Journalismus: Wenn Journalisten nach Antworten suchen, auch wenn sie ihnen nicht gefallen – und nicht nur eigene Vor­urteile bestätigen wollen.

 

Wolf-Hendrik Müllenberg vom NDR (Bild: NDR/ Christian Spielmann)

Wolf-Hendrik Müllenberg, 37, Cross-medialer Redakteur NDR Info

Werdegang: Nach dem Volo auf der Evangelischen Journalistenschule, Einsatz als trimedialer Reporter im NDR Studio Braunschweig. Danach Wechsel nach Hamburg als Autor im Aktuell­-Team von NDR.de sowie als Berater im Social Media Team des NDR. Heute: Redakteur für Online, Social Media, Hörfunk und Fernse­hen.

Mein Job in einem Satz: Was bewegt den Norden heute?

Meine größte Stärke: Gespür für Themen, crossmedial denken, Team­fähigkeit.

Außer unserem konsumiere ich regelmäßig folgende Medien: SZ, taz, FAS, Bild und Bildblog, Social Me­dia Watchblog, Dummy, „Tracks“ von Arte und die Podcasts „Hotel Matze“ sowie „ZEIT Verbrechen“.

Zuletzt fand ich diese Veröffentlichung herausragend: “Leonora – Wie ein Vater seine Tochter an den IS verlor” (Volkmar Kabisch, Britta von der Heide, Amir Musawy, ARD). Ein Film, der mit außergewöhnlicher Nähe er­zählt wird und zudem auch als spannen­der Podcast umgesetzt wurde.

Ganz allgemein ist für mich guter Journalismus: … der den Menschen auf Augenhöhe begegnet, an seinem Publikum orientiert und nicht von Eitelkeit getrieben ist.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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foodlab: Hamburgs neues Gastro-Kreativlabor

Hamburger Gastronomen und Food-Unternehmen haben ein neues Tüftel-Zuhause im foodlab

Text: Michelle Kastrop

 

Das Waterkant-Gebäude in der HafenCity: Hier ist kürzlich das foodlab mit einem weltweit neuen Konzept eröffnet worden. Auf 1.200 Quadratmetern umfasst es ein von Hanseatic Coffee Roasters betriebenes Café mit Mini­-Shop, ein Pop­-up­-Restaurant, in dem alle vier Wochen wechselnde Restaurants ihre Konzepte und Gerichte vorstellen, einen Co­working­-Space mit Arbeitsplätzen für allerhand Unternehmen aus der Food­-Szene, mehrere Testküchen und ein Media-­ und Eventstudio für Shootings.

Das foodlab-­Konzept stammt von Christin Siegemund. Die Marketingexpertin begann 2013 mit ihrem Blog „Hambur­ger Deern“, sich mehr und mehr ihrer Leidenschaft für gutes Es­sen und die Hamburger Food­-Szene zu widmen. Bald habe sie gemerkt, dass viele Betriebe sich mit ähnlichen Fragen und Problemen konfrontiert sehen, speziell im Bereich Infrastruktur und Netzwerk: „So entstand die Idee von foodlab.“

 

Das foodlab als Begegnungsstätte

 

Die Unternehmen, die Sie­gemund ansprechen will, sollen das foodlab „als Begegnungsstätte“ verstehen. Ihr Mietobjekt, das Waterkant­-Gebäude mit seiner großzügigen Fensterfront, die besten Blick auf die Elbe erlaubt, sei dafür der perfekte Ort.

Eines der Start­ups, dass bereits im foodlab zu Hause ist, ist Newbaked. Seit der Gründung Ende Juni produziert es gemeinsam mit der Bäckerei Bah­de Feinschmecker-­Brote für die gehobene Gastronomie, Hotellerie und in Feinkostläden. Mit seinem Konzept kam Newba­ked-­Chef Wodz zu Siegemund – und profitiert seitdem sehr vom foodlab-­Netzwerk. „Es war genau der richtige Schritt, ins foodlab einzuziehen und dort mitzumischen“, schwärmt er von den neuen Möglichkeiten.

Übrigens: Im foodlab kön­nen sich Food-­Start­ups auch für ein Accelerator­-Programm bewerben. Daran teilneh­menden Unternehmen wird ein halbes Jahr lang ein Arbeitsplatz gestellt und ein individuelles Training geboten. Siegemund: „In unserem Accelerator­ Programm, holen wir sie quasi an dem Punkt ab, wo sie gerade in ihrem Prozess sind und stellen dann die passenden Coaches zur Verfügung.“ Vo­raussetzung, um dabei zu sein: Es müsse „ein Bu­sinessplan und am bes­ten schon ein erstes Produkt vorhanden sein“.

foodlab 
Überseeallee 10 (HafenCity)


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Hamburger Nachwuchs: „Jugend debattiert“-Landessiegerin Jessica Bonn

Jessica Bonn ist 19 Jahre alt, hat gerade ihr Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,0 bestanden und war 2019 Landessiegerin des Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Ein Gespräch rund um das Thema Debattenkultur

Interview: Ulrich Thiele

 

SZENE HAMBURG: Jessica, warst du schon vor deinem „Jugend debattiert“-Engagement jemand, der gern debattiert?

Jessica Bonn: Ja, sehr gerne, meine Familie kann ein Lied davon singen (lacht). Ich wollte immer beim Abendessen debattieren, aber meine Familie war davon nie so richtig begeistert. Deswegen war es gut, dass ich Leute gefunden habe, mit denen ich mich so richtig ausdiskutieren kann.

Was macht denn eine gute Debatte bei „Jugend debattiert“ aus? 

Eine gute Debatte ist nicht einseitig. Das Ziel bei „Jugend debattiert“ ist, eine Kontroverse möglichst konkret auszudiskutieren. Das heißt: Beide Seiten müssen beleuchtet werden und zu Wort kommen dürfen. Es wäre keine gute Debatte, wenn eine Person die ganze Zeit dominiert und die anderen nicht zu Wort kommen lässt oder sie unterbricht.

Im Idealfall kann sich das Publikum im Anschluss eine eigene, informierte Meinung bilden. Dafür ist es wichtig, dass die Debattierenden als Team arbeiten – auch wenn es ein Wettbewerb ist. Denn primär geht es darum, gemeinsam eine gute Debatte zu schaffen und dabei die eigenen Argumente bestenfalls am überzeugendsten vorzutragen.

Welche Debatte war für dich bisher am besten?

Im Landesfinale 2019 ging es um die Streitfrage, ob eine Frauenquote für die Landesliste bei der Wahl zur hamburgischen Bürgerschaft eingeführt werden sollte. Ich wurde dem Team zugeteilt, das dafür argumentieren sollte – obwohl ich persönlich tendenziell eher dagegen bin.

Ich musste mich also umstellen und meine private Meinung ein bisschen außen vor lassen. Das war eine ziemliche Herausforderung. Während dieser Debatte hatte ich dann das unfassbar schöne Gefühl, dass wir alle richtig stark waren. Bei jedem Argument, das die anderen vorgetragen haben, dachte ich nur: „Ja, richtig stark argumentiert! So muss eine Debatte aussehen!“ Ich hätte hinterher nicht sagen können, wer am besten war.

Die Jury fand dich am besten und lobte dich für deine „hohe Sachkenntnis und Argumentationskraft“. Wie hast du argumentiert?

Ganz knapp wiedergegeben: Ich habe der Kontra-Seite zwar in dem Punkt zugestimmt, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollten und eine Quote dementsprechend nicht ideal ist.

Meine Hauptargumentationslinie war dann aber, dass wir momentan in einer Situation sind, in der Frauen strukturell benachteiligt werden. Es gehe bei dieser Quote also nicht darum, Frauen zu bevorzugen, sondern sie auf den gleichen Stand wie Männer zu bringen. Deswegen sei die Quote momentan notwendig, um die noch vorhandene Ungleichheit zu überwinden.

 

„Eine ziemlich langweilige Debatte“

 

Im Februar hast du im Rahmen einer „Jugend debattiert“-Veranstaltung in der Bürgerschaft mit Peter Tschentscher debattiert. Wie war das?

Es war natürlich spannend, im Rathaus zu stehen und mit dem Ersten Bürgermeister zu debattieren – das macht man nicht alle Tage. Peter Tschentscher hat das Thema ausgewählt, es ging darum, ob Hamburg zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine klimaneutrale Stadt werden sollte.

Das ist eine ziemlich langweilige Debatte, wenn wir ehrlich sind. Denn es gibt kaum jemanden, der ernsthaft dagegen ist, dass Hamburg klimaneutral wird. Deswegen habe ich mich darauf konzentriert, genauer hinzusehen, wie Herr Tschentscher das erreichen will. Er ist allerdings kaum auf meine Punkte eingegangen.

Er hat mich während der Debatte auch ein paar Mal unterbrochen – was ich nicht gewohnt war. Deswegen war das eher eine der schlechteren Debatten, die ich erlebt habe. Zwischendurch hat er mir vorgeworfen, dass ich gar keine richtige Kontra-Position vertrete. Aber eine Debatte muss nicht zwangsläufig aus konträren Positionen bestehen, sondern kann auch bedeuten, eine Maßnahme ganz genau zu überprüfen und zu hinterfragen.

Hast du ein Beispiel?

Ich habe Herrn Tschentscher gefragt, wie er neben der Emissionsreduktion einen Emissionsausgleich schaffen möchte, der für Klimaneutralität notwendig ist. Ich habe ihm gesagt, dass Hamburg als Stadtstaat nicht genug Bäume pflanzen kann. Wie genau er den Ausgleich bewerkstelligen will, hat er aber nicht gesagt. Ich fand das schade, denn so kurz vor der Bürgerschaftswahl wäre eine konkrete Antwort für mich auch insofern interessant gewesen, als ich mehr Klarheit darüber bekommen hätte, ob die SPD für mich wählbar ist.

 

„In politischen Debatten bilden sich sehr schnell Lager heraus“

 

Stichwort Umweltschutz: Du hast auch bei Fridays for Future teilgenommen – und in einem Interview vor zu viel Selbstgerechtigkeit gewarnt. Was meintest du damit genau?

Meiner Meinung nach sind die Forderungen von Fridays for Future (FFF) genau richtig. Ich habe aber die Wahrnehmung, dass viele Leute dadurch abgeschreckt werden, dass sie sich verurteilt fühlen. Manche bei FFF agieren nach dem Motto: Wir sind die Guten und ihr seid die Bösen, die alles kaputtmachen. Eine solche Einstellung schließt eine richtige Diskussion von vornherein aus. Davor warne ich auch weiterhin.

Ich muss dazu aber sagen, dass das sehr personenabhängig ist und nicht alle so sind. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass FFF einen richtig guten Job macht.

Ganz allgemein gefragt: Findest du, dass die Debattenkultur in Deutschland gut ist?

Nee. Es ist natürlich schwierig, die Debattenkultur so allgemein zu beurteilen. Ich habe aber zumindest den Eindruck, dass sich in politischen Debatten sehr schnell Lager herausbilden, die nicht wirklich über die Position der anderen Seite nachdenken, sondern nur ihre feststehende Meinung bestätigen wollen.

Wenn ich in meinem privaten Umfeld diskutiere, finde ich es wichtig, die andere Seite anzuhören und in Erwägung zu ziehen, dass sie gute Argumente haben könnte. Das sehe ich in der Politik und auch in meinem privaten Umfeld leider selten. Ich würde mir wünschen, dass mehr junge Menschen sich bei Wettbewerben wie „Jugend debattiert“ engagieren und lernen, dass es immer zwei Seiten gibt, über die man nachgedacht haben sollte.

jugend-debattiert.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Meet The Resident – Stromschienen Syndikat

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Stromschienen Syndikat (Ok 21 records) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

 Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

 

SZENE HAMBURG: Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?

Stromschienen Syndikat: Miami Bass vs. Detroit Elektro.

Was war die bisher schrecklichste Gastfrage?

„Habt ihr auch Goa?“

Welcher war euer größter Moment als DJ?

Wahrscheinlich ein Rave in einer stillgelegten Panzergarage: 600 Leute, 14 Kilowatt-Anlage und die Honks vom Ordnungsamt haben sogar die Miete gezahlt, ohne dass sie es wussten (lachen).

Welche ist für euch die Platte des Monats?

Scheissegal (von uns).

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Ok 21 records, Erotic Toy, Raw Suppliers und Produzenten wie Lobi, En Rie und Lord Sesshomaru. Es gibt viel, was gerade an die Oberfläche kommt!

Hamburgs Stärken?

Schöne U-Bahnen, tolle und atmosphärische Spots und viele ambitionierte Leute – in welcher Hinsicht auch immer.

Und Schwächen?

Überambitionierte und fehlorganisierte Hochbahnwache, die Nichts auf die Reihe bekommen. Das alles kann aber natürlich auch als Stärke gesehen werden – danke Hochbahn!

 

Hört hier ein aktuelles Set von Stromschienen Syndikat


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Top 6: Orte zum Paddeln und Schwimmen in Hamburg

Egal, ob auf dem Wasser, daneben oder mittendrin. Hauptsache umgeben vom kühlen Nass! Hamburg bietet einige Möglichkeiten – nicht nur Elbe und Alster

 

Paddeln

Zum Anleger

Wilhelmsburger Idylle. Direkt am Kanal befindet sich der Biergarten Zum Anleger. Mitten im Grünen mit einem frisch gezapften kühlen Bier in der Hand ist dieses Plätzchen ausgezeichnet, um die Seele baumeln zu lassen. Doch nicht nur am Wasser: auch auf dem Wasser. Denn Zum Anleger vermietet auch Kanus und Tretboote. Oder man schnappt sich ein Stand Up Paddling Board, um Wilhelmsburg auf dem Wasserweg zu erkunden. Vom Biergarten geht’s dann ab zu der Willi Villa, einer kleinen, vom Wasser umringten Oase im Inselpark. Hier gibt es Snacks und Getränke zur Stärkung für den Rückweg. Wieder angekommen im Zum Anleger kann der Tag bei Gegrilltem und dem ein oder anderem Bier zu Ende gehen.

Zum Anleger: Vogelhüttendeich 123 (Wilhelmsburg)

Bodos Bootsteg

Direkt an der Außenalster im Stadtteil Harvestehude wird auf Bodos Bootssteg gerne ein Kaffee getrunken oder der Ausleihservice beansprucht. In dem rustikalen Café gibt es Snacks und Erfrischungen für den kleinen Hunger und Durst. Kein empfehlenswerter Stop für alle, die sich ein feines Essen wünschen, aber ein klasse Platz, um sich den Blick auf die Außenalster mit einem Bier noch zu versüßen. Dann geht es los für eine Runde auf der Alster mit dem Kanu oder Tretboot. Auf dem See im Herzen Hamburgs gibt es immer viel zu sehen: Jogger, die im Park ihre Strecken ablaufen, Sänger, die am Alsterufer ein Liedchen trellern oder die Seebewohner wie Schwäne und Enten, die der Alster das Leben einhauchen.

Bodos Bootsteg: Harvestehuder Weg 1b (Harvestehude)

Bootsvermietung am Stadtparksee

Direkt auf der Liebesinsel im Stadtparksee ist auch die kleine Bootsvermietung. Das rote Ausleihhäuschen hat mit dem See vor der Tür einen romantischen Charme. Besonders für einen kürzeren Seeausflug ist der Stadtpark die richtige Anlaufstelle. Es ist der perfekte Ort, um sich einfach treiben zu lassen. Vom Stadtpark aus werden allerdings auch weitere Touren unternommen! Unter der Brücke durch, geht es auf den Goldbekkanal. Von dort aus führt der Wasserweg zur Außenalster oder durch die weiteren Kanäle in Hamburg. Und nicht zu vergessen, der Stadtpark bietet sich für einen anschließenden Spaziergang an. Der Rosengarten oder der Pinguinbrunnen in direkter Seenähe sind dafür ideale Zielorte.

Stadtparksee: Südring A5 (Winterhude)

 

Schwimmen

Boberger See

In dem Naturschutzgebiet Boberger Niederung befindet sich auch der circa 7,9 Hektar große See. Es gibt zwei Möglichkeiten, um sein Auto abzustellen: der Parkplatz am Flugplatz des Hamburger Aero-Clubs oder der am Friedhof Billwerder. Die nächste Station der öffentlichen Verkehrsmittel ist die Bushaltestelle Billwerder Kirche. Der See wird durch das Grundwasser gespeist und verfügt dadurch über ausgezeichnete Wasserqualität. Am nordöstlichen Ufer befindet sich der 16 Meter lange Strand. Aufgepasst: Wer nicht von nackten Personen überrascht werden möchte, der läuft besser nicht am Südufer entlang. Wichtig: sich selbst Verpflegung mitzubringen, denn in der naturbelassenen Landschaft gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten.

Boberger Niederung (Billwerder)

Sommerfreibad Aschberg

In diesem Freibad tobt das Leben! In Hamm an der Bushaltestelle Braune Brücke liegt wohl das spaßigste Freibad der Hansestadt. Das Herzstück dieser Poolanlage ist eine 111 Meter lange Rutsche. Die flach absteigende Rutsche ist nicht nur für große Kids, sondern auch für die kleineren geeignet. Wer sich traut, springt von einem der Sprungtürme ins Wasser. Das ist aber noch nicht alles! Zudem gibt es ein 50-Meter-Mehrzweckbecken und für alle Sportbegeisterten ein Volleyball- und Basketballfeld. Die kleinen Planscher können sich in einem großzügigen Nichtschwimmerbereich und auf einem Spielplatz austoben. Nach so viel Toben ein Eis in die Hand und ab auf die Liegewiese. So lässt es sich aushalten!

Sommerfreibad Aschberg: Rückersweg (Hamm)

Bäderland Finkenwerder

Dieses Freibadparadies hat ganz klar einen Vorteil: der direkte Ausblick auf die Elbe. Auf die andere Elbseite geht es am einfachsten mit der Fähre – kleine Hafenrundfahrt inklusive. Das Freibad bietet alles, was ein entspannter Tag mit der Familie braucht. Wer es sportlich mag, kann im 50-Meter-Becken seine Bahnen ziehen. Für noch mehr Action gibt es eine Fußballwiese, eine Tischtennisplatte, ein Beachvolleyballfeld und einen Basketballkorb. Nicht zu vergessen: der Sprungturm und der Wasserspielplatz. Bei so viel Bewegung darf man auch hinterher auf der Liegewiese faulenzen. Für eine kleine Stärkung sorgt der Kiosk mit leckeren Pommes rot/weiß – im Freibad schmecken sie eh am besten.

Bäderland Finkenwerder: Finksweg 82 (Finkenwerder)


 SZENE HAMBURG Stadt, Land, Sommer 2020/2021. Das Magazin ist seit dem 4. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Viva con Agua: „Die Delle ist spürbar“

Händewaschen als Corona-Prävention: Für uns Alltag, für viele nicht machbar. Über 579 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Und gerade jetzt brechen „Viva con Agua“ durch das bisherige Veranstaltungsverbot hohe Spendensummen weg. Wie die Hamburger NGO umdenkt, wo sie stehen und warum sie dennoch gesegnet sind, erzählt Mitgründer und Vorstand Tobias Rau

Interview: Hedda Bültmann

 

SZENE HAMBURG: Tobias, wie sieht’s bei euch aus?

Tobias Rau: Das Büro in Hamburg läuft seit März auf Minimalbetrieb. Aber damit geht es uns den Umständen entsprechend gut, weil wir schon vor Corona über die ganze Welt verteilt im Homeoffice gearbeitet haben, war die technische Infrastruktur bereits vorhanden. Wir haben uns schon vor langer Zeit flexibel aufgestellt, um auf äußere Einflüsse maximal schnell und agil reagieren zu können. Das kommt uns jetzt zugute. Aber wir haben auch ernsthafte Probleme, einen deutlichen Einbruch merken wir zum Beispiel bei den Spenden.

Spenden in Millionenhöhe, die ihr sonst auf Festivals und Veranstaltungen generiert habt. Auf der einen Seite fehlen Gelder, auf der anderen ist es gerade jetzt wichtig, den Zugang zu Hygieneeinrichtungen und Wasser zu schaffen. Wie geht ihr damit um?

Wir sind direkt im März mit unseren Partnern in den Projekt-Ländern in den Austausch getreten und haben besprochen, welche Projekte wirklich wichtig sind und welche auf das nächste Jahr geschoben werden können. Wir haben auch geschaut, wie sich unsere Budgets umverteilen lassen. Dennoch fehlen die bereits eingeplanten Gelder spürbar. Und da grundsätzlich alle Projekte weiterlaufen, sind wir darauf angewiesen, dass Spenden reinkommen, um diese auch weiterhin zu fördern und zu finanzieren.

Wie habt ihr die Projekte priorisiert?

Jetzt noch wichtiger: sauberes Wasser (Bild: Henrik Wiards)

Natürlich haben aktuell Wasserprojekte und die Bereitstellung von Handwaschmöglichkeiten einen höheren Stellenwert als zum Beispiel Education-Training, was sonst auch ein wichtiger Teil unserer Projekte ist. Unsere regionalen Schwerpunkte liegen generell auf Südasien sowie Süd- und Ostafrika. Jetzt liegt ein besonderer Fokus auf Südafrika, da das Land sehr schlimm betroffen ist und Corona dort so richtig um sich greift, was es natürlich auch vor Ort schwieriger macht, die Projekte fortzuführen.

Wie sieht es aus vor Ort?

Südafrika ist im Lockdown. In den Townships zum Beispiel ist „Social Distancing“ nicht möglich, wenn vielköpfige Familien auf wenigen Quadratmetern leben müssen. Viele sind auch Tagelöhner, die raus müssen, um Geld zu verdienen, damit sie überhaupt was zu essen haben. Die Maßnahmen sind einfach nicht so konsequent durchsetzbar wie in Deutschland oder anderen europäischen Ländern. Die Situation wird immer dramatischer. Und es darf nicht sein, dass aufgrund eines ausgefallenen Festival-Sommers die Leute darunter leiden, die Unterstützung jetzt am nötigsten brauchen. Um so wichtiger ist es jetzt, dass wir dort unsere WASH-Projekte (WASH steht für Water, Sanitation and Hygiene, Anm. d. Red.) weiterhin finanzieren können.

Gab es bisher Alternativen, das Spendenloch aufzufangen?

Mit Stream-Formaten haben wir versucht, einen Ausgleich zu schaffen. Zum Beispiel war das digitale 36-stündige Festival „stream4water“ sehr erfolgreich, im Juli wurde die Millerntor Gallery zu einer virtuell begehbaren Ausstellung und Ende Juli haben wir die Online-Kampagne „Water is human Right“ noch Mal neu aufgesetzt. Vor zehn Jahren, am 28. Juli 2010, wurde Wasser von den Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt. Die Kampagne beinhaltet drei Aspekte: eine Petition, die die Politik noch mal auffordert, das Ziel voranzutreiben. Mit „be part of the family“ rufen wir dazu auf, Fördermitglied von Viva con Agua zu werden. Und wir wollen gemeinschaftlich Spenden für unsere Projekte sammeln.

Bei euren Aktionen ist Spenden meist mit Begegnungen und ziemlich viel Spaß verbunden, auf Events wie der Millerntor Gallery, wo man unter anderem seinen Becherpfand Viva con Agua zukommen lassen kann. Momentan ist es nicht absehbar, ob und wann Veranstaltungen in dieser Form wieder machbar sind. Ist das ein Punkt, den ihr noch mal anders denken müsst?

Dieses Jahr digital: Die Millerntor Gallery

Da sind wir auf jeden Fall dran. Unsere Vision „Alle für Wasser, Wasser für alle“ beinhaltet auch Leute zu motivieren, sich mit Freude zu engagieren. In diesem Jahr ist das, für uns alle sehr unerwartet, leider ausgefallen, aber das heißt nicht, dass wir zukünftig darauf verzichten werden. Sollte auch im nächsten Jahr mit deutlichen Einschränkungen zu rechnen sein, was durchaus realistisch ist, müssen wir bis dahin Konzepte und Formate entwickeln, wie man dennoch persönlich zusammenkommen kann. Denn das analoge Leben, das uns allen so viel Spaß macht und die Freude am Engagement, der Community und dem Zusammensein, lässt sich nicht eins zu eins in den digitalen Raum übertragen.

Bis dahin brauchen wir alle vor allem eins: Geduld …

So doof das für Viva con Agua und für die Menschen ist, die in Deutschland oder Europa leben, sind wir trotzdem gesegnet mit stabilen Staaten, die Rettungsschirme spannen können, die Top-Gesundheitssysteme haben. Auf dem afrikanischen Kontinent und in vielen anderen Regionen ist es viel dramatischer, was das Gesundheitswesen und die fehlende Unterstützung vom Staat angeht. Und das war auch schon immer der Antrieb für Viva con Agua: Aus dieser Dankbarkeit heraus zu teilen.

Wirft die aktuelle Situation euch in der Entwicklung zurück?

Kampagnen-Foto mit Tobias Rau (Bild: Lars Jockumsen)

Das wird die Zeit zeigen, ich hoffe nicht. Aber diese Delle ist deutlich spürbar. Wir sind unverbesserliche Optimisten und versuchen, das Beste daraus zu machen. Im März haben wir sehr schnell beschlossen, dass alles, was wir jetzt machen, auf drei wichtige Ziele einzahlen muss: Verbesserung der digitalen Infrastruktur, Kommunikation, um in den Köpfen und Herzen der Menschen zu bleiben und Fundraising. Und hoffen, dass wir ein paar Samen auf fruchtbaren Boden werfen konnten.

Ihr habt mittlerweile verschiedene Standorte in Europa und Uganda, kürzlich ist Südafrika dazu gekommen. Wie wichtig ist Hamburg noch als Standort?

Sehr wichtig. Viva con Agua ist nicht aus Hamburg wegzudenken und die Stadt ist engst mit unserer Gründungsgeschichte verwoben. Hamburg wird auch zukünftig einen zentralen Stellenwert haben, hier ist unser Headquarter. Wir werden zwar immer mehr zur dezentralen, internationalen Organisation, aber Hamburg ist und bleibt unsere Base.

Infos und Spenden unter vivaconagua.org/spende 

 

Water is a human Right! Seit 15 Jahren verfolgt die Hamburger NGO „Viva con Agua“ ihre Vision „Alle für Wasser, Wasser für alle“. Vor zehn Jahren wurde das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser von den Vereinten Nation als Menschenrecht anerkannt. Und 2015 in der Sustainable Development Agenda als sechstes Ziel „Ensure acces to water and sanitation for all“ aufgenommen, die auf 15 Jahre angelegt ist. Dennoch haben weltweit über 579 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und über zwei Milliarden zu sanitärer Grundversorgung wie sicheren Toiletten. Der Mangel an sauberem Wasser und Hygiene gehört nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. „Wasser wurde völlig zu Recht vor zehn Jahren als Menschenrecht deklariert“, so Tobias Rau, „Wasser ist wie die Luft zum Atmen, Grundlage jeden Lebens und sollte daher jedem Menschen in ausreichender und guter Qualität zur Verfügung stehen.“

 

Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

 

Sommernachtskino im Museum für Hamburgische Geschichte

Ein Freilichtkino-Event der besonderen Art

 Text: Marco Arellano Gomes

 

Der Innenhof im Museum für Hamburgische Geschichte ist ein echter Hingucker. Hier trifft historische Bauweise auf moderne Architektur. Ein glä­sernes Dach schützt den denk­malgeschützten Innenhof vor Regen, ohne die Sonnenstrah­len daran zu hindern, den Raum zu durchfluten. Ideal also, für Filmprojektionen, direkt nach Sonnenuntergang, dachte sich das Museum – und tat sich mit den drei Programmkinos, Me­tropolis, 3001 und B­-Movie, zusammen, um hier erstmalig Filme zu zeigen.

In den sommer­lichen Filmnächten am Hols­tenwall werden Klassiker der Filmgeschichte wie „Der dritte Mann“ (1949) mit Orson Welles oder die „Children of Men“ mit Clive Owen und Julianne Mo­ore gezeigt, aber auch Filme mit Hamburg­-Bezug wie „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin und „Die Carmen von St. Pauli“ von 1929.

Highlight ist das Stumm­filmkonzert „Roaring Twen­ties – Hamburg­-Filme aus den 1920er Jahren“. Bei Live­-Musik vom Gitarrenorchester Gilbert Couché werden drei Klassiker aus dem historischen Film­archiv im Landesinstitut (LI) Hamburg gezeigt – frisch digi­talisiert vom Metropolis Kino. Das Programm läuft vom 7. Au­gust bis 4. September und ist auf der Website des Museums auf­rufbar.

Sommernachtskino
07.08.2020 – 04.09.2020 


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Umsatteln: Fahrräder in Hamburg kaufen & leihen

Radfahren ist stark angesagt – nicht zuletzt seit der Corona-Pandemie. Viele satteln nun um, die Fahrradhändler kommen mit ihrem Angebot kaum nach. Doch wo erhält man das passende Fahrrad? Ein Überblick über Fahrradverleiher und -verkäufer in der Hansestadt

Text: Marco Arellano Gomes

 

Fahrrad leihen

StadtRAD Hamburg

Das rote StadtRAD ist aus dem Stadtbild kaum noch wegzudenken und denkbar einfach auszuleihen. Die ersten 30 Minuten pro Fahrt sind kostenlos. Das macht mobil und ist eine gute Alternative zu Bus und Bahn.

Swapfiets

Das Start-up Swapfiets ist auf Wachstumskurs. Die Bikes mit ihren charakteristischen blauen Vorderrädern erfreuen sich großer Beliebtheit in den Städten Europas und haben bereits Kultstatus. Vorteil: Die gemeinsam mit Premiumhersteller Gazelle hergestellten Räder werden im Abo für längere Zeiträume ausgeliehen und werden im Schadensfall umgehend repariert.

nextbike

Nextbike ist nach eigenen Angaben europäischer Marktführer im Bike Sharing. Seit 14 Jahren entwickelt das Leipziger Unternehmen nachhaltige Räder und bieten diese bereits in über 200 Städten an. Die Stiftung Warentest krönte das Unternehmen zum Testsieger 2019.

Zweiradperle

Zentral und nur wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, bietet die Zweiradperle nicht nur den Verleih von Fahrrädern an, sondern auch Touren für bis zu 8 Personen durch den Hafen, die Szene oder bis nach Wilhelmsburg. So bringt das Erkunden der Stadt Spaß.

Erfahre Hamburg

Der Anbieter Erfahre Hamburg hat sich auf E-Bikes spezialisiert. 70 Modelle sorgen für ein elektrisierendes Fahrerlebnis und ein entspanntes Ankommen. Wer Beratung benötigt, erhält diese samt Kartenmaterial und Geheimtipps vor Ort am Hafen.

 

Fahrrad kaufen

Bikefactory

In der Bikefactory wird das Fahrrad nicht als Fortbewegungsmittel, sondern als Lebenseinstellung betrachtet. Und so individuell wie der Mensch sollte auch dessen Fahrrad oder eBike sein. Ob im Alltag in der Stadt, zum Pendeln, oder auch als Dienstfahrzeug: Hier wird beraten, bis das passende Rad gefunden ist.

Altona (Stresemannstraße 130), Sternschanze (Rosenhofstraße 20)

Velo54

Diese Fahrrad-Manufaktur im Reiherstiegviertel in Wilhelmsburg ist ein echter Geheimtipp und steckt voller Überraschungen – unter anderem bietet er die für Kinder äußerst beliebten Räder der Marke Woom: der Porsche unter den Kinderfahrrädern.

Wilhelmsburg (Veringstraße 54)

Bergamont

In ihrem stylischen Flagshipstore in der Budapester Straße ist das Staunen vorprogrammiert. Nicht nur die Innenarchitektur ist überzeugend, auch die Bikes sind State of the Art. „Straight from St. Pauli“ nennen das die Inhaber. Hier sind ganz offensichtlich Menschen am Werk, die das, was sie tun, lieben, nämlich fantastische Bikes anbieten.

St Pauli (Budapester Straße 45)

Max Lange Zweiradfachgeschäft

Hier gibt es Qualität zu fairen Preisen, jede Menge Know-how und ein breites Angebot von 600 Rädern – mit oder ohne elektrische Unterstützung. Seit über 80 Jahren lebt dieses Familienunternehmen den Radsport und wird inzwischen in dritter Generation geführt.

Rahlstedt (Rahlstedter Str. 215)

Fahrrad.de Hamburg

Ob online oder in dem großzügigen Store in der Kieler Straße: fahrrad.de bietet eine unfassbar große Auswahl an Fahrrädern für Groß und Klein, für Spendable oder Sparsame. Wer hier nicht fündig wird, ist entweder zu wählerisch oder beratungsresistent.

Stellinger Höfe, Kieler Straße 561-573, 22525 Hamburg

B.O.C. Hamburg

Gleich an drei Standorten ist die Bike & Outdoor Company (kurz: B.O.C.) in Hamburg zu finden. Aus Begeisterung am Fahrrad wurde das Unternehmen 1999 in Hamburg gegründet und hat sich inzwischen deutschlandweit (36 Filialen) als auch online unter boc24.de breit aufgestellt.

Altona, Nedderfeld, Wandbek


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hoch hinaus: Der Fernsehturm eröffnet wieder

Ab 2023 wird der Fernsehturm wieder zum Leben erweckt. Wir sprachen über die Pläne mit Philipp Westermeyer, Gründer der Online Marketing Rockstars (OMR) und einer der drei Betreiber

Text & Interview: Marco Arellano Gomes

 

Es ist derzeit eine beliebte und zugleich brisante Frage unter Freunden und Bekannten: Warst DU schon mal auf dem Fernsehturm? Meist erntet der Fragende betretenes Schweigen, gefolgt von einem „Nein“ und der obligatorischen Gegenfrage: „Du etwa?“

Es ist lange her, dass Einwohner und Besucher bei Kaffee und Kuchen die Hansestadt aus derart luftiger Höhe (knapp 120 Meter) bestaunen konnten. Seit 2001 ist der Fernsehturm für Gäste geschlossen. 19 Jahre lang fristete der Heinrich-Hertz-Turm ein Leben im Schatten des Michel und der Elbphilharmonie, die ihm den Rang als das Hamburger Wahrzeichen abliefen. Das könnte sich bald wieder ändern.

Der Turm soll wieder zugänglich werden. Möglich machen das die drei Betreiber, Hamburg Messe und Congress (HMC), Home United und die Online Marketing Rockstars, die das mit 280 Metern höchste Gebäude der Hansestadt zu einem attraktiven Anziehungspunkt und Publikumsmagneten machen möchten. Ihr Konzept sieht eine Kombination aus Aussichtsplattform, Gastronomie und Veranstaltungsfläche vor. Die Planungen für den Umbau sind in vollem Gange. Es folgen die obligatorischen Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren für die Baumaßnahmen. Dann beginnt der Umbau von Fahrstühlen, Innenräumen und Eingangsbereich. Die Eröffnung des Telemichel ist für Ende 2023 vorgesehen.

 

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Philipp Westermeyer (Foto: OMR)

SZENE HAMBURG: Philipp Westermeyer, zu Beginn gleich mal die Frage, die sich derzeit viele in Hamburg stellen: Warst du schon mal auf dem Fernsehturm?

Das erste Mal war ich erst vor einigen Wochen dort oben. Ich bin in Essen aufgewachsen und habe die erste Blüte des Fernsehturms und das Kuchenessen da oben leider verpasst.

Dass die Online Marketing Rockstars bei diesem Projekt mitmachen, war ja nicht unbedingt zu erwarten. Wie kam es überhaupt dazu?

Wir haben über das jährliche Festival, bei dem wir zahlreiche Hallen und Flächen mieten, eine enge und sehr vertrauensvolle Beziehung zur Messe Hamburg und den Machern rund um den Chef Bernd Aufderheide aufgebaut. Die Messe liegt ja in direkter Nachbarschaft des Turms und entsprechend eng an den Entwicklungen dran.

Als vergangenes Jahr klar wurde, dass die Suche nach einem Pächter weitergeht, hat Bernd Aufderheide mich angesprochen und das Thema mit uns und den Kollegen von Home United rund um Tomi Karajica gestartet.

Was erwartet die Besucher, wenn der Telemichel ab 2023 wieder zugänglich ist?

Die große Hoffnung ist, dass es uns gelingt, ein fast verlorenes Stück Hamburg wieder für jeden Interessierten zu erschließen. Unser Wunsch ist es, vielen die Chance zu geben, dort oben mehr zu tun als nur den Blick zu genießen, sondern selber spannende und vielfältige Veranstaltungen und Projekte umzusetzen.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Restauranttest: Das Restaurant Heemann

Sharing-Prinzip als Muss: Das Restaurant Heemann

 

Keine Reservierung also, erst ab sechs Personen, ganz entspannt. „Kommt einfach vorbei!“, steht auf der Homepage. Auch sonst betont das Restaurant Heemann am Eppendorfer Weg seine Unkompliziertheit: „Bei uns geht es nur um eins: Wir wollen, dass Sie in netter Atmosphäre gut essen. Wir sind klar und ohne Schnörkel. Wir lieben einfach leckeres, handwerklich gut zubereitetes Essen.“

Innen ist das Restaurant groß und, anders als die Ankündigung vermuten lässt, „classy“, zudem kann es mit einer ansehnlichen Bar dienen. Allerdings schaffen die hippen, jungen Kellner einen auflockernden Ausgleich. Das Wetter ist gut, also setzen wir uns an einen der Außenplätze.

Alle Gerichte auf der Karte können als kleine oder große Portion bestellt werden. Meine Begleitung entscheidet sich für die Keule vom walisischen Weidelamm sous vide gegart und Lauchstangen mit Tomaten und Bockshornklee-Kruste (groß: 19,80 Euro, klein: 8,30 Euro). Ich nehme die ausgelöste Perlhuhnkeule vom Grill mit Joghurt-Minz-Soße sowie die mit Rosinen und Kreuzkümmel gefüllten Kartoffelplätzchen (groß: 18,30 Euro, klein: 7,30 Euro).

Qualitativ gibt es nicht viel auszusetzen. Das Perlhuhn ist zart, die Kartoffelplätzchen haben eine leichte Würze und das Menü ist insgesamt angenehm unfettig. Dasselbe gilt für die Lammkeule, wobei die Lauchstangen etwas zu hart sind und in ihrer Konsistenz an nicht richtig gekochten Spargel erinnern. Beide Teller sind ästhetisch zubereitet.

Den Hinweis auf der Karte „Wir servieren unsere Gerichte als „Sharing“-Konzept, in kleinen oder großen Portionen, einfach in die Mitte Eures Tisches. Lasst uns wissen, wie groß Euer Hunger ist und wir empfehlen die richtige Menge an Gerichten.“ solltet ihr ernst nehmen, denn die große Portion ist dies nur im Vergleich zur kleinen. Auf meinem Teller liegen zwei kleine Kartoffelplätzchen und drei ebenfalls kleine Stückchen vom Huhn. / UT

Restaurant Heemann
Eppendorfer Weg 159 (Hoheluft-West), Telefon 040 88 35 70 97,
Täglich 12–21.30 Uhr 


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