Altonale Straßenfest (3.-5.7.)

Am Wochenende ist Halligalli in den Straßen Altonas: Food Swap, Konzerte, Floh- & Kunstmarkt und vieles mehr

In keinem anderen Stadtteil sind die Straßen so belebt wie in Altona und Ottensen. Drum kommt hier auch schneller als sonstwo in der Hansestadt südliches Flair auf. Beim Altonale-Straßenfest setzen die Macher der Altonale dem Ganzen noch eins drauf. Rund um den Ottenser Marktplatz, die Große Bergstraße und das Altonaer Rathaus stellen Anwohner, Aktivisten, Vereine und Organisationen ihre Projekte vor.

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Es gibt einen Kunstmarkt und den DESIGNgift-Markt, eine Kinder-Meile und einen Kids-Park, eine Modenschau und einen Food Swap, das ist eine Tausch-Community für selbstgemachte Speisen. Nicht zu vergessen die große Kostümversteigerung des Thalia Theaters statt, deren Erlöse der Hamburger Tafel zugutekommen. An welchen Tagen welche Programmpunkte anstehen, kann man auf der Homepape der Altonale herausfinden.

Text: Alessa Pieroth
Fotos: Thomas Panzau

Altonale Straßenfest
Ottensen und rund um die Große Bergstraße
3. bis 5.7.

Lautes Töchterchen

Das Daughterville Festival wird drei: Die Freiluftsause geht am 4.7. mit sattem Programm auf dem Dockville-Gelände an den Start

Wenn 30 junge Hamburger zwischen 14 und 18 Jahren ein Open Air auf die Beine stellen, wird’s laut und bunt. So geschehen bei den ersten beiden Ausgaben des Daughterville Festivals. Und auch bei Runde drei der eintägigen Sause auf dem Dockville-Gelände lässt das Programm Großes erwarten. Musik und Kunst sind auch in diesem Jahr die Hauptdarsteller.

Erstere beispielsweise in Form von Say Yes Dog mit Elektro-Pop aus Berlin, die Schwestern JOCO aus Hamburg mit zweistimmigen Gesängen und Klavier, Tom Thaler & Basil aus Mannheim, die mit Rap und Elektro-Beats dabei sind, oder Max Quintenzirkus, der mit Electro-Swing und “Trötentechno” gute Laune in jedes Gesicht und jedes Bein zaubert.

Kunstvoll wird’s dann, wenn beim U20-Poetry-Slam die besten Jungschreiber aus Hamburg, Reinbek und Berlin mit ihren Wortergüssen gegeneinander antreten oder Nachwuchsartisten der Hamburger Zirkusschule TriBühne ihr Können zeigen. Bunt scheint es also diesmal allemal wieder zu werden. Ob’s auch laut wird? Hingehen und herausfinden.

Text: Theresa Huth

Dockville-Gelände
Alte Schleuse 23 (Wilhelmsburg)
4.7., 13 Uhr

Reisen mit Xavier Rudd

Wer Musik auf der Reise seines Lebens entdeckt, für den ist sie auf immer positiv besetzt. So ist das bei mir und Xavier Rudd

Text: Lena Frommeyer

Nach dem Studium sind mein Freund und ich eine gefühlte Ewigkeit gereist. In Thailand lernten wir ein Pärchen kennen. Sie: Australierin. Er: Neuseeländer. Beide “laid back”, mit Hippie-Klamotten und Sinn für die Natur. Vor unserer Hütte am Strand ließen sie Xavier Rudd aus einer verbeulten Lautsprecherbox singen. Er sang darüber, dass alle Menschen gleich sind und dass man der Sonne folgen soll. Das hört sich freaky an, wenn man diese Zeilen im Kreativbüro in der Sternschanze schreibt. Damals verzauberte uns die Weltmusik.

Wir fuhren mit dem Bulli durch Australien und Neuseeland, besuchten unsere neuen Freunde und ließen dabei oft Xavier Rudd für uns singen und Didgeridoo spielen. Und auch heute, in Hamburg, beim Irgendwas-mit-Medien-Job, brauche ich nur meine Spotify-Playlist mit “Spirit Bird”, Footprint” oder “Come Let Go” anklicken und ich fühle wieder den Fahrtwind im Gesicht und das Gewicht meines Rucksackes auf den Schultern.

Gestern, am 30.6., spielte Xavier Rudd mit seiner Band The United Nations in der Fabrik. Natürlich waren wird dort. Und wir hatten Angst davor entzaubert zu werden, wenn wir den Musiker live sehen. Auch, weil uns das neue Album ehrlicher Weise nicht so liegt, auf dem der Reggae dominiert.

Es kam ganz anders. Es war der Wahnsinn. Die Energie zwischen Band und Publikum war von der ersten Sekunde an enorm. Alte und neue Stücke wechselten sich ab. Xavier segnete und beschwörte seine Zuschauer. Er ließ sich ein Arsenal an Gitarren reichen, spielte Didgeridoo und hüpfte barfuß über die Bühne. Die Background-Sängerinnen rührten zu Tränen. Der Bassist stohl ihnen wiederum mit seinem Hüftschwung die Show. In der ersten Reihe tanzten junge Menschen mit Federschmuck in den Haaren, auf dem oberen Rang silberhaarige Herren mit ungelenken aber begeisterten Bewegungen.

Verschwitzt standen wir danach in einer Traube an Konzertbesuchern an der S-Bahn. Zurück ins urbane, schnelle Leben. Das ist schon ok, wenn man zwischendurch so Luft holen kann.

Betrunkene Briten

Dougie Wallace fotografiert Junggesellenabschiede im englischen Blackpool. Seine Bilder hängen in der Freelens Galerie

Und da denkt man, es sei schon auf der Reeperbahn schlimm mit den Junggesellenabschieden, den betrunkenen Kerlen und aufgedonnerten Mädels mit Heide-Zöpfen, Hasenkostümen oder griechischen Togas. Nix allerdings gegen die englische Küstenstadt Blackpool. Das wird einem bei den Bildern des Schotten Dougie Wallace klar, der gern die Kamera auf das hält, was die widerspenstigsten Gefühle auslöst. Und in Blackpool, der Hochburg der Stags and Hens-Parties, wird er mit Motiven reich beschenkt.

Blockpool Freelens Hamburg

Dougie Wallace: “Stags, Hens and Shoreditch Wildlife”

Soll man sich fremdschämen bei den Ladys, die in der Satin-Toga wackelig Fahrrad fahren? Fassungslos den Kopf schütteln bei dem Nackten, der mit Klarsichtfolie um einen Laternenpfahl gewickelt ist? Oder melancholisch werden bei den schnarchenden Pärchen im Pub, die sich so schick für diesen Abend gemacht haben und jetzt so tragisch abgerockt sind? Wochenende für Wochenende und mit soziologischer Ausdauer ist Dougie Wallace in das Städtchen gereist. Pubs haben an den Wochenenden rund um die Uhr geöffnet, die Drinks sind billig – und das Drama groß sowie großartig unterhaltsam.

Wallaces Bilderserie “Stags, Hens and Shoreditch Wildlife” sind um die Welt gegangen, wurden in der New York Times veröffentlicht, in Büchern herausgebracht und feiern in der Freelens Galerie jetzt ihre Deutschlandpremiere. Sie ist noch bis zum 4. September zu sehen.

Text: Sabine Danek

Freelens Galerie
Steinhöft 5 (Neustadt)
bis 4.9.

Like A Rolling Stone

ByteFM Audio-Kolumne: Einer der wichtigsten Rocksongs aller Zeiten wird 50. Diviam Hoffmann blickt zurück.

Audio Datei

Muddy Waters half, den Stein ins Rollen zu bringen: Sein Song „Rollin’ Stone“ aus dem Jahr 1950 wird nicht nur Vorbild für die Namensfindung einer der erfolgreichsten Rock-Bands der Geschichte: die Rolling Stones, er manifiestiert auch die Figur eines Womanizers, eines Herumtreibers im Rock und Blues.

Fast zur selben Zeit eignet sich auch Bob Dylan das Thema an und schreibt einen seiner wichtigsten Songs, der später zum besten Rocksong aller Zeiten gekürt werden soll: „Like A Rolling Stone“. Der Song entsteht in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni 1965, also dieser Tage vor genau 50 Jahren.

Audio & Text: Diviam Hoffmann
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Wer sind ByteFM & Diviam Hoffmann?diviam_hoffmann

ByteFM ist moderiertes Internetradio mit handverlesener Musikauswahl, Sammelbecken für Musiknerds und Auffanglager für Kulturjunkies. Hier leben Journalisten, Musiker, Kenner und Liebhaber gemeinsam ihre Liebe zur Musikkultur jenseits der Mainstream-Hitgarantie. Diviam Hoffmann ist Teil dieses Geklüngels. Sie versuchte sich als Literaturwissenschaftlerin und kollidierte dabei regelmäßig mit dem Studium anderer Fachrichtungen und der Liebe zur Musik. Heute kümmert sie sich nun um das Berliner ByteFM Studio.

Carlos Santana (2.7.)

Der Mexikaner ist eine Legende, das darf man ungestraft behaupten. Für sein Konzert im Stadtpark verlosen wir Tickets

Roter Anzug, goldene Kette und der obligatorische Filzhut, unter dem die schwarzen Locken bis über die Schultern reichen – so stand Carlos Santana bei den Billboard Latin Music Awards 2015 auf der Bühne. Der Mexikaner ist eine Legende, das darf man ungestraft behaupten. Zwischen seinem historischen Auftritt bei Woodstock und dem neuesten Album „Corazón“ (2014) liegen 45 Jahre. Viel Zeit, um die Techniken des Rock’n’Roll mit afro-kubanischen Rhythmen zu verheiraten und dabei eine Botschaft in die Welt hinauszutragen: Es gibt Unterschiede und doch sind wir alle gleich, weil wir eins sind.

Seit seiner Superplatte „Supernatural“ (1999), die eine Flut an Grammys in sein Wohnzimmer spülte, holt Santana sich regelmäßig prominente musikalische Verstärkung ins Tonstudio. Man kann das mögen oder nicht, „Vielfalt“ oder „Featurewahn“ nennen. Auf „Corazón“ sind unter anderem Pitbull, Gloria Estefan und Jazz-Legende Wayne Shorter zu hören. Der Open-Air-Auftritt im Hamburger Stadtpark ist eines von nur drei Deutschland-Konzerten.

Text: Lena Frommeyer
Foto: Rubén Martín

SZENE HAMBURG verlost 2×2 Plätze auf der Gästeliste für das ausverkaufte (!) Konzert auf der Freilichtbühne im Stadtpark Hamburg. E-Mail mit Vor- und Nachname sowie dem Stichwort „Santana“ bis zum 1.7. (11 Uhr) an online-verlosung@vkfmi.de

Freilichtbühne im Stadtpark
Saarlandstraße / Ecke Jahnring (Barmbek-Nord)
2.7., 19 Uhr

Y’Akoto im Stadtpark (3.7.)

Die gebürtige Hamburgerin vollführt den Spagat zwischen Gute-Laune-Knallern und nachdenklichen Songs. Wir verlosen Tickets

Nach dem ausverkauften Abschlusskonzert ihrer Moody Blues-Tour im Dezember in der Fabrik kehrt Y’Akoto zurück in die Hansestadt, die sie neben Paris und Togos Hauptstadt Lomé ihre Heimat nennt. Und macht hier gleich das ganz große Fass auf. Denn Schauplatz ist dieses Mal die Freilichtbühne im Stadtpark. Zweifelsohne lassen sich ihre Hits wie Without You oder Perfect Timing am besten unter freiem Himmel mit einer gehörigen Portion Sommersonne genießen.

Jedoch geht die Sängerin auf ihrem neuen Album auch auf die ernsten Dinge des Lebens ein. So erzählt sie im Stück Off The Boat vom Tod eines jungen Mannes, der auf einem afrikanischen Flüchtlingsschiff unterwegs ist und nie sein Ziel erreicht. Und in Come Down To The River nähert sie sich leise dem Thema Selbstmord.

Wie die gebürtige Hamburgerin die Schere zwischen Gute-Laune-Knallern und nachdenklichen Stücken hinbekommt, wird sich zeigen. In jedem Fall wird sie auch jetzt das Publikum mit ihrer außergewöhnlichen Stimme, ihrer sympathischen Bühnenpräsenz und ihrer zuckersüßen Art einfangen. Wenn der Groove auch bei den Zuschauern stimmt, steht einer tollen Nacht unterm Sternenhimmel nichts im Weg.

Text: Theresa Huth
Foto: Bob Pixel

SZENE HAMBURG verlost 2×2 Plätze auf der Gästeliste für das Konzert auf der Freilichtbühne im Stadtpark Hamburg. E-Mail mit Vor- und Nachname sowie dem Stichwort „Y’Akoto“ bis zum 2.7. (10 Uhr) an online-verlosung@vkfmi.de

Freilichtbühne im Stadtpark
Saarlandstraße / Ecke Jahnring (Barmbek-Nord)
3.7., 19 Uhr

Die Stimme vom Kiez

Sich einmischen, für Nachbarn da sein: Seit 40 Jahren kämpft die GWA St. Pauli für ihren Kiez

Es muss witzig gewesen sein, damals in den Anfangsjahren. Als sie bei Spaghetti im Raum saßen und neorealistische Bertolucci-Filme durch ein Loch in der Wand guckten, weil der Projektor im Nebenraum so laut ratterte. Die Gemeinwesenarbeit (GWA) St. Pauli wurde 1975 von einer Obdachloseninitiative in der Eggerstedtstraße gegründet. Eine bunte Truppe Studenten waren sie. Heute sitzen die aktuellen Mitglieder am Hein-Köllisch-Platz, zwischen Reeperbahn und Fischmarkt.

Ständig klingelt es dort an der Tür. Es sind Nachbarn, deren Wohnung geräumt werden soll, die in einer Krise stecken oder Rat brauchen: „Wir bieten Ämter-, Sozial- und Behördenberatung“, sagt Carola Plata, die seit 1987 bei der GWA ist, eine der Dienstältesten. Jeder lerne die GWA allerdings anders kennen. „Manche halten sie sogar für einen Kindergarten. Wegen der bunten Fenster.“ Vielleicht kann man die GWA als Wächter St. Paulis bezeichnen.

Eigentlich waren wir bei allem dabei, erzählt Plata beim Jubiläumsgespräch munter. Hafenstraßenhäuser? „Ja, da haben wir für die Besetzer Tee gekocht.“ Als Gruner + Jahr das Verlagshaus am Pinnasberg bauen wollte? „Da haben wir den Betriebsrat des Verlags agitiert“, lacht Plata zufrieden. Es ist eine gute Geschichte. Im Betriebsrat hatten sie bald Verbündete, die die Bebauung der Fläche am Hafen verhinderten. Heute steht dort Park Fiction, ein Zeichen der Selbstbestimmung auf St. Pauli. Sie erkämpften freien Elbblick für alle: „Nur wegen der GWA gibt es Park Fiction.“

Und jetzt, wo die Mieten im Kiez steigen? „Ein Riesenthema“, da mischen sie sich natürlich wieder in die Stadtteilpolitik ein. Mit den Filmen „Empire St. Pauli“ oder „Buy Buy St. Pauli“, damit bald nicht nur das St. Pauli der Tanzenden Türme, also das der Reichen existiert. Die GWA trat bei den Dokumentarfilmen als Produzent auf. Im Prinzip gab es die Vertreibungsproblematik aber schon früher, erzählt Plata, auch die Drogensorgen im Stadtteil existierten schon, als die Straßenbahn noch über den „Hein-Köllisch“ rumpelte.

40 Jahre sind lang. Stolz sind sie bei der GWA aktuell auf die „PlanBude“, die den Paulianern Mitbestimmung beim Neubau der Esso-Hochhäuser bringen soll. Damit nicht wieder so ein hochglänzender Fremdkörper wächst. Damit St. Pauli so speziell und eigen bleibt.

Ein anderer Stadtteil? Käme für Carola Plata nie infrage. Ein Projekt heißt „St. Pauli selber machen“. Was das bedeutet, darum ringen sie jeden Tag. Die Gemeinwesenarbeit will aufpassen, dass die Seele St. Paulis nicht verloren geht, dass jeder hier wohnen und mitgestalten kann.

Auch Kulturarbeit wird geboten. Eine Zeitlang, erzählt Plata, tauchten immer mehr Filmteams auf. Für Krimidrehs. „Wir aber wollten die Bewohner aus ihrer Statistenrolle befreien und zu Akteuren machen.“ Bei der GWA-Theaterproduktion „Pauli Passion“ spielten Nachbarn von 7 bis 87 Jahren: eine ältere Prostituierte, ein türkisches Ehepaar, mehrere Obdachlose. Drei bekamen im Lichthof später ein Engagement.

Gescheitert ist die Rettung der Bücherhalle St. Pauli 2005, aber daraus ergab sich dann „Kölibri“, die heutige Leseförderung im Kiez, die sogar Gruner + Jahr unterstützt – da schließt sich der Kreis. Das einzige, was Energie raubt: Der Goldtopf der Kulturbehörde ist stets zu klein für alle Projekte. Also müssen sie, wie die Koberer auf dem Kiez, jeden Tag um ihr Geld baggern. Es lohnt sich: Schließlich passieren die dollsten Geschichten auf St. Pauli.

Text: Stefanie Maeck
Foto: Zirkus-Aufführung 1989 bei der GWA St. Pauli

GWA-Jubiläumsfeier: 2.–5.7.

Workshop Stadtteilaktivisten diskutieren: St. Pauli selber machen, aber wie?
3.7., 10–12 Uhr, Kölibri

Verdrängte Orte Für Gentrifizierungsgegner: Rundgang durch St. Pauli.
4.7., 13.30 Uhr, Treffpunkt Hein-Köllisch-Platz

Open-Air-Kino „Buy Buy St. Pauli“
4.7., ab 21.30 Uhr, Park Fiction

 

Millerntor Gallery #5

Das Streetartduo Herakut gestaltet für das Kunst-, Musik- und Kulturfestival (2.–5.7.) eine Außenwand des St.-Pauli-Stadions

Hoffnung, Liebe, Geborgenheit und Zuversicht. Manchmal auch Angst, Skepsis, Trauer und Wut. Herakuts Markenzeichen sind große Augen und märchenhafte Motive, die starke Gefühle ausdrücken. Chiffren, die jeder entschlüsseln kann.

Herakut, das sind Jasmin Siddiqui (Hera) und Falk Lehmann (Akut), ein Streetartduo aus Frankfurt und Schmalkalden. Mit ihren Arbeiten wollen sie vor allem den öffentlichen Raum verschönern und positive Gefühle auslösen. In Kathmandu, San Francisco, Manila, Berlin und Frankfurt haben sie mit ihren Werken schon dunkle Ecken aufgewertet.

Anlässlich der Millerntor Gallery #5 (2.–5.7.) gestalten sie eine Außenwand des St.-Pauli-Stadions und lösen die Projekte von JR und Rebelzer ab, die ein Jahr lang auf der Südtribüne zu sehen waren.

Das internationale Kunst-, Musik- und Kulturfestival für kreatives Engagement, das Viva con Agua und der FC St. Pauli in diesem Jahr zum fünften Mal veranstalten, steht diesmal unter dem Motto „Unfamiliar“.

„Unfamiliar, das kann etwas Irritierendes und auch Inspirierendes sein“, sagen die Veranstalter, die wieder fünf Tage lang im Millerntorstadion mit einem vielfältigen Programm aus den Sparten Kunst, Musik und Fußball Neugier wecken und soziale Themen ansprechen wollen.

Text: Alessa Pieroth

Millerntor Gallery #5
Millerntor-Stadion
Heiligengeistfeld 1 (St. Pauli)
2.–5.7.

Was passiert wann? Zum Vergrößern auf den Timetable klicken:

Timetable

 

So bekehrt man Innereien-Verächter!

Restaurantkritik: Oliver Trifics deutsch-mediterrane Kochkunst erlebt einen gelungenen Neustart

Für sein Stammpublikum war es ein Schock. Nach viereinhalb Jahren verkündete Oliver Trific das Aus für sein Restaurant am Eppendorfer Weg. Grund war offenbar die rasant gestiegene Miete. Danach musste der Koch, der früher lange als Foodstylist und Rezeptentwickler gearbeitet hatte, ein halbes Jahr renovieren, zittern und auf einen guten Start am neuen Standort hoffen – an der Holzbrücke 7, in direkter Nähe zur Speicherstadt.

Die Gäste sitzen jetzt im Trific auf zwei Ebenen, hell, aber trotzdem sehr gemütlich (schönster Platz: am Fenster im Souterrain, fast auf Wasserhöhe des Nikolaifleets). Auch im neuen Restaurant: zeitgemäße deutsch-mediterrane Küche, schnörkellos angerichtet und in lockerer Atmosphäre serviert. Und das Ganze jetzt auch mittags.

Zu Beginn bringt der fröhlich-unaufdringliche Service gebackene Kalbszunge mit Spargelsalat (11,50 Euro): butterzart mit lockerer Panade, der Salat säuerlich, knackig frisch. Auf gleichem Niveau: Lachs-Sashimi mit Soja-Zitrus-Marinade und knusprigem Spargeltempura (13 Euro). Die Kalbsnieren in Senfrahm (19 Euro) kommen etwas schmucklos mit Kartoffelpüree und Bohnen, sind dafür aber wunderbar mild und zart. So bekehrt man Innereien-Verächter! Nur die Sauce hätte etwas mehr Tiefe vertragen können.

Eine glatte Eins für die Dorade im Ganzen (21,50 Euro): knusprige Haut, saftiges Fleisch, perfekt ergänzt von kräftig-aromatischem Salat mit Sauerampfer, Tomaten und Taggiasca-Oliven. Die Topfenknödel (7 Euro) könnten ebenfalls glatt als Prototyp durchgehen: perfekt locker, mit leichter Zitronennote und duftender Butterbröselschmelze. Das Rhabarber-Kompott wäre mit etwas mehr frischer Säure eine noch bessere Ergänzung. (Neu-)Start geglückt!

Text: Benjamin Cordes

Trific
Holzbrücke 7 (Altstadt)
Telefon 41 91 90 46
Mo-Fr ab 11, Sa ab 18 Uhr