Schankwirtschaft St. Pauli

Zwölf neue Hähne für den Kiez: In der Kneipe trifft Rauchbier auf Tamarinden-Pork-Ribs statt Astra auf Salzstangen

Es ist schummrig in der Schankwirtschaft, wie es sich für eine Bierkneipe auf dem Kiez gehört. Doch spätestens, wenn Rauchbier und Tamarinden-Pork-Ribs statt Astra und Salzstangen aufgetischt werden, wird klar, dass die Dinge hier anders laufen. Die Schankwirtschaft ist der neueste Streich des Teams um Maximilian Marner, der nach dem Brausturm Bierverlag und dem Fachgeschäft Beyond Beer ein drittes Standbein rund um sein Lieblingsgetränk aufgebaut hat.

An zwölf Zapfhähnen werden stets wechselnde Biere aus aller Welt ausgeschenkt, vom fränkischen Kellerbier über amerikanische IPAs bis zur im Holzfass gereiften Spezialität aus Belgien. Moderate Einstiegspreise ab 2,90 Euro pro Drittelliter sorgen dafür, dass nicht nur Biersnobs angezogen werden, doch für ein paar Euro mehr bekommt auch diese Zielgruppe auf ihre Dosis an hochalkoholischen Gourmetgebräuen.

Herausragend ist die Beratung am Tresen: Unentschlossene bekommen als Entscheidungshilfe geduldige Erklärungen zu jedem Bier, Kostprobe inklusive. Dazu gibt es asiatisch und lateinamerikanisch inspirierte Snacks aus der Küche, die einen aromatischen Gegenspieler zu den flüssigen Hopfenbomben bilden. Lediglich der verrauchte Kiez-Charme steht nicht auf der Karte, doch dafür gibt es ja genug Alternativen.

Text: Benedikt Ernst (hier links im Bild)
Foto: Philipp Jung

Schankwirtschaft
Detlev-Bremer-Straße 42 (St. Pauli)
Di-Sa ab 17 Uhr
Telefon 32 08 16 45

Feierabendküche aus der Tüte

Mit dem Lastenrad steht Chris wochentags an der Hoheluftbrücke und verkauft seine Kochtüte. Darin: ein Rezept + passende Zutaten

Das Dilemma beginnt meist kurz nach Feierabend auf dem Nachhauseweg: Der Hunger ist groß, der Appetit noch größer – aber: kein Bock, einkaufen zu gehen, geschweige denn, sich etwas Inspirierendes einfallen zu lassen. Also wieder Spaghetti mit Ketchup. Für einige Menschen, die rund um den U-Bahnhof Hoheluftbrücke wohnen oder arbeiten, hat das Dilemma nun ein Happy End: Seit April steht dort Christoph Zettler mit seinem Lastenrad, wochentags ab 16.30 Uhr und bietet „Chris’ Kochtüte“ an.

Darin täglich ein neues Rezept mit den passenden Zutaten. Zum Beispiel Feldsalat mit Pfifferlingen und Walnüssen; oder Couscous mit Feta, Tomaten und Minze. Auf seiner Facebook-Seite kündigt der 32-Jährige, der zuvor in einem Hamburger Start-up gearbeitet hat, jeden Morgen das Tagesgericht an, sorgt mit leichter und auch mal deftiger Küche für Abwechslung. Die Tüten für eine Person kosten ab 4,90 Euro, für zwei Personen ab 7,90 Euro.

Text: Julia Braune

„Hey, lass uns Popstars werden!“

Frederike und Daniela haben klassische Musik in Frakfurt studiert. In Hamburg wollen sie “groß rauskommen”, als Schnipo Schranke mit Indie-Pop

SZENE HAMBURG: Friederike und Daniela, erst kürzlich habt ihr erklärt: „Wir wollen jetzt groß rauskommen!“ Wie macht man das als junge Indie-Band im Hamburger Musikdschungel?

Daniela Reis: Mit intuitivem, naivem Handeln. Den Gedanken, groß rauszukommen und berühmt zu werden, hatten wir schon, bevor auch nur ein Song fertig war.

Warum eigentlich berühmt werden? Was versprecht ihr euch davon?

Daniela Reis: Es ist die pure Existenz-angst, die uns antreibt. Wir wollen einfach unseren Lebensunterhalt sichern. Als Band gibt es letztlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder total groß werden und von der Musik leben können, oder in einer Indie-Nische hängenbleiben und Nebenjobs machen müssen. Wir dachten eben: „Hey, lass uns Popstars werden!“

Friederike Ernst: Wir haben Musik studiert und wussten: Wenn wir damit Geld verdienen wollen, müssen wir Lehrerinnen werden. Das ging gar nicht klar.

Ihr habt in Frankfurt klassische Musik studiert, genauer: Cello und Blockflöte. Wie kam es denn dazu?

Friederike Ernst: Wir sind da so reingeraten. Wir stammen aus einem Umfeld, in dem es normal ist, Musik zu machen und auch zu studieren. Und wir haben eben Klassik gewählt und leider erst spät gemerkt, dass das nichts für uns ist.

Daniela Reis: Ich glaube allerdings, dass das Studium nötig war, um zu merken, was wir wirklich wollen. Vielleicht mussten wir diese absurde Klassikwelt einmal erlebt haben, um ins andere Extrem wechseln zu können.

Musik Haupt Schnipo Credit Jenny Schäfer 300dpi

Als ihr nach Hamburg kamt, hattet ihr schnell Förderer, etwa Frank Spilker und Ted Gaier haben euch vorangebracht. War es leicht, Fans zu finden?

Friederike Ernst: Als wir nach Hamburg kamen, fand man uns hier längst gut. Das wussten wir, und das hat uns Mut gemacht, etwas aufzubauen.

Daniela Reis: Nicht wir haben die Förderer gefunden, sondern sie uns.

War ja auch nicht schwer: Ihr seid aufgefallen, vor allem textlich. Angeblich aber unabsichtlich. Ihr habt sogar mal gesagt, ihr haltet gar nichts davon, bewusst schräge Sachen zu machen.

Daniela Reis: Vor allem wollen wir nicht bewusst provozieren. Aber natürlich haben wir uns überlegt, wie wir auffallen können. Und wir haben uns etwas ausgesucht, das uns wirklich am Herzen liegt und authentisch ist.

Zählt dazu auch das nach Urin riechende Untenrum, von dem euer erster kleiner Hit „Pisse“ handelt?

Daniela Reis (lacht): Ach, es ist doch so: Privat unterhält sich jeder in einer ähnlichen Sprache, wie wir sie für unsere Songtexte benutzen – und es findet niemand seltsam. Wenn wir Liebeslieder schreiben, wie „Pisse“ eines ist, wollen wir unsere Gefühle einfach genauso ausdrücken, wie wir es außerhalb der Musik auch tun. Wir brauchen dafür nicht unbedingt die schönsten Worte.

Friederike Ernst: Mit unserer Sprache treffen wir anscheinend auch gerade einen Nerv – warum auch immer. Schließlich haben wir 2015! Es sollte längst keine Überraschung mehr sein, wenn Frauen über „Pisse“ singen.

Interview: Erik Brandt-Höge
Fotos: Jenny Schaefer

Schnipo Schrankes Album „Satt“ erscheint am 4.9. Am 4.12. ist das Duo im Uebel & Gefährlich zu sehen, präsentiert von SZENE HAMBURG. Ticketverlosung im November

Twelve Monkeys

In ihrem „Vegankrams“-Laden bietet Sandra Neumeier das tierfreie Komplettpaket – von Kleidung bis zur Infoecke

Die Holzregale sind mit großen Schraubgläsern und hohen Röhren bestückt, die mit Linsen, Nudeln, Nüssen und Gewürzen gefüllt wurden. Ein bisschen wirkt der kleine Supermarkt am Gebrüder-Wolf-Platz wie ein Tante-Emma-Laden. Und tatsächlich ist das Konzept, das dahintersteckt alt und neu zugleich: Es ist ausdrücklich erwünscht mit eigenen Behältnissen, Einmachgläsern und Brotboxen im Twelve Monkeys aufzuschlagen, um sich die Lebensmittel direkt abzufüllen. Ein Großteil des Sortiments gibt’s verpackungsfrei, es soll möglichst ökologisch und fair produziert, in jedem Fall aber vegan sein.

Sandra Neumeier eröffnete ihren „Vegankrams“-Ladens im Mai. Das Angebot, das von Obst und Fleischersatz bis hin zu Kosmetika, Tiernahrung und Kleidung reicht, deckt seitdem alles für den alltäglichen Bedarf ab. Bücher und Zeitschriften zur veganen Lebensweise und Sticker mit thematisch passenden Slogans gibt’s außerdem. In einer kleinen Probierecke können verschiedene Lebensmittel und Getränke gekostet werden. Auch für Informationen zu anstehenden Veranstaltungen, politischen Themen und andere Neuigkeiten ist ein kleiner Bereich eingerichtet.

Wer das Bedürfnis hat, über seinen ohnehin schon nachhaltigen Einkauf bei Twelve Monkeys hinaus etwas Gutes zu tun, sollte am Montag vorbeischauen. Bei einem Einkaufswert über 100 Euro gehen 10 Prozent an wechselnde Tierschutz-, Menschenrechts- und Umweltorganisationen. Um welche Organisation es sich genau handelt, wird auf der Homepage und auf Facebook im Voraus bekannt gegeben.

Text: Jannis Hartmann

Hopfenstraße 15b (St. Pauli)
Telefon 31 99 31 88
Mo-Sa 10–20 Uhr

Ausge-SNAKt

Festival-Absage: Der Testballon darf auf dem neuen Open-Air-Gelände Parkland nicht steigen. Alternative: „Snak mal Dirty“ in den Sternbrücken-Clubs (5.9.)

Es hätte so toll werden können: Mehrere Clubveranstalter Hamburgs vereinen sich und feiern zusammen fern von Genregrenzen unter freiem Himmel. Ohne Lärmprobleme, in wunderschöner Umgebung und mit direkter Bahnanbindung. Das SNAK! Hamburg Festival war als erste Testveranstaltung für die neue Open-Air-Konzertlocation Parkland auf dem Verkehrsübungsplatz in Rothenburgsort groß angekündigt.

Zahlreiche große Acts verschiedener Szenen wollten zwei Tage mit Techno, HipHop und Drum & Bass für ausgelassene Stimmung sorgen. Alle Genehmigungen lagen vor, bis kurzfristig eine weitere Auflage erteilt wurde. In einem Störfallgutachten sollte bewiesen werden, dass bei einer möglichen Havarie der angrenzenden Müllverbrennungsanlagen keine Gäste in Gefahr geraten. Die verständliche Forderung hätte laut Veranstalter mit längerem Vorlauf erstellt werden können, sei aufgrund des Umfangs bis zum Festival aber zeitlich nicht mehr zu erfüllen.

Als Trost für alle potentiellen Gäste wird jetzt zum gleichen Datum unter dem Motto „Snak mal Dirty“ in den Sternbrücken-Clubs Waagenbau, Fundbureau und Central Park mit über einem Dutzend Artists  – Marcus Intalex (Foto), DJ Stylewarz, Jay Pauli, Marc Deal, Mixwell, Slim Charles und anderen – gefeiert. Und im nächsten Jahr dann hoffentlich auch im Parkland!

Text: Ole Masch

Sternbrücken-Clubs
Stresemannstraße Ecke Max-Brauer-Allee (Altona-Nord)
Central Park: Warm-up, 16 Uhr
Waagenbau und Fundbureau: ab 23 Uhr

STAMP! (ab 4.9.)

Alles leuchtet, strahlt und glüht beim internationalen Festival für Straßenkünste in Altona

Glühwürmchenfeste sähen wahrscheinlich genauso aus wie die Night Parade von Stamp: Ein bunter Haufen extravagant kostümierter Gestalten, die durch die Straßen tanzen und vor allem eines tun: leuchten, strahlen, glühen! Die nächtliche Parade ist eines der Highlights des internationalen Festivals für Straßenkünste, über zwanzig Gruppen aus mehr als zehn Nationen werden die Große Bergstraße am Samstagabend (5. September) illuminieren, dabei Feuer spucken, bunt blinkende Reifen um die Hüften kreisen und Leuchtobjekte durch die Luft schweben lassen.

STAMP Nightparade Hamburg

Aber auch tagsüber rückt das Festival das Areal rund um den Altonaer Bahnhof in ein ganz besonderes Licht. Veranstaltet von der Altonale, unter Mithilfe unseres Titelmodels Inga-Lisa Doll, zeigen Straßenkünstler an insgesamt acht Spielorten innerhalb Altonas ihr Können. Sie kommen aus Deutschland, Belgien, England, Australien, Brasilien, Frankreich, Italien und verwandeln die Straßen in einen Schmelztiegel der Künste: mit Urban Art, HipHop-Kursen, Breakdance- und Beatbox-Battles, Livemusik und Theater.

Text: Julia Braune

4.–6.9., an verschiedenen Orten in Altona

Hier das Programmheft downloaden (PDF)

Hamburg am Wochenende

Wir waren im Wasser, auf Festivals und unter Spinnen – unser amüsantes Wochenende in Bildern

Ach August, jetzt bist du fast vorbei. Wir haben deine letzten Tage genossen und uns herumgetrieben. Beispielsweise hier:

Popup Band

Stimmungsfolk von The OIC Band auf dem Stübenplatz beim Pop-Up-Lädenfestival in Wilhelmsburg

Volker Popup Wilhelmsburg Kaffeeklappe

Volker sorgte mit seinem Kaffeeklappe-Team bei Wilhelmsburgs erstem Straßenesstag für Coffein-Nachschub

PopUp Blumen

Einer der Pop-up-Läden: Möwe – Pflanzen & schöne Kleinigkeiten von Esther Daenschel und Arndt Fricke

Labbi

Badedate: Yuta und Labrador Eddie lesen die September-SZENE am Baumwall

DJ Mad

DJ Mad trägt auch beim Festival Soul im Hafen stilecht Roller-Skate-Jam-Kutte

Soul 1

Draußen chillaxen, drinnen feiern – das Soul-Festival am Großmarkt war gut besucht

John Butler

Legten los, als wären sie jahrelang weggesperrt gewesen – das John Butler Trio peitschte einen Folk-Rock-Orkan durch das Mehr! Theater

Food Truck

Burger-Hunger: Der freundliche Foodtruck-Herr von Grün-und-gut freut sich auf den Festival-Feierabend

Spinnen

SZENE-Lena lernte nach dem Soul im Hafen für’s Leben: “Merke: Beim nächtlichen Gang durch Tunnel nie (!) nach oben gucken”

Essen

Im Tapas-Himmel: Die Restaurantkritik zu El Chiringuito in der Weidenallee gibt’s dann in der Oktober-Ausgabe

Kunst-Collage

SZENE-Lisa widmete sich den Künsten: “Großer Auflauf bei der Veranstaltung  ’08/15 – Eine Stadt sucht den Anschluss’ in der Galerie Genscher auf dem Millerntorplatz. Herrlich böse Installationen und Auftritte haben die neunstündige ‘Over the top’-Musikalrevue flankiert. Witzig, provozierend, auf den Punkt. Ein Höhepunkt: die Künstler und Initiatoren Filomeno Fusco, Hartmut Gerbsch und Björn Salzer gaben in Drag-Queen-Outfits Barry Manilows ‘Copacabana’ auf den Containern zum Besten. Ein ‘Supereventgesamtkunstwerk’ und ‘soziale Skulptur’ in einem.”

craft beer days hamburg

Fröhliche, kulturell-wertvolle Zecherei: die Craft Beer Days in den Schanzenhöfen (Danke für das Foto, Julia Schwendner)

Messehallen

Hilfe in den Messehallen: Hamburger ordnen Spenden für die hier und in anderen Stadtteilen untergebrachten Flüchtlinge

Critical Mass

Mit der Critical Mass durch die Stadt gepedalt und nicht/kaum nass geworden

Der Freundeskreis

Musik ist Hamburg ist Musik – weil Menschen wie Malek Scharifi, Junior-Produktmanager beim Label Grand Hotel van Cleef, ständig daran arbeiten

Ich bin in Neumünster aufgewachsen, habe später in Göttingen studiert – aber eigentlich wollte ich immer nur nach Hamburg. 2007 habe ich dort endlich einen Platz für Medizin bekommen, hatte zwei Jahre eine gute Zeit. Kurz vor dem Physikum habe ich allerdings gemerkt, dass meine Leidenschaft neben dem Studium zu kurz kommt. Meine Leidenschaft: Musik und Fußball.

Ich habe mir kurzerhand ein Urlaubssemester genommen und ein Praktikum bei Grand Hotel van Cleef begonnen. Das Geschehen des Labels hatte ich schon seit Jahren verfolgt, war thematisch voll drin. Und die Arbeit hat mir gut gefallen – die wollte ich weitermachen. Nach dem Praktikum durfte ich beim Grand Hotel eine Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien machen, wonach ich letztlich als Junior-Produktmanager fest eingestellt wurde.

Das Beste daran: Wir arbeiten nicht nur miteinander, wir sind auch befreundet. Wir gehen zusammen zum Fußball, trinken Bier oder hängen einfach nur vorm Knust ab. Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich die wenige Freizeit, die ich neben diesem Job habe, auch noch mit den Kollegen verbringe. In manchen Jobs mag das nicht sonderlich gesund sein, in unserem fühlt es sich aber einfach nur gut an.

Die Verbundenheit der Mitarbeiter liegt wohl auch daran, dass wir alle ähnlich angefangen haben. Wir stammen alle aus dem DIY-Umfeld, hatten selbst Bands im Punk- und Hardcore-Bereich, kannten uns mit der Zeit immer besser mit dem Plattenmachen und mit Konzertbuchungen aus. Irgendwann wurde es dann professionell.

Was ich an meinem Label-Job auch noch extrem reizvoll finde: Ich arbeite nicht nur mit Musikern wie Herrenmagazin, Kettcar und Thees Uhlmann, die ich persönlich sehr mag. Ich bin neben dem Aufbau von Kampagnen zu deren Alben auch bei der Herstellung von Schallplatten dabei – für mich als Vinyl-Nerd immer wieder ein Highlight.

Im Team versuchen wir außerdem, uns immer wieder neue Extras für die Gestaltung von Covern und Hüllen einfallen zu lassen. Ein gutes Beispiel ist der Siebdruck auf Thees’ Seven Inch „Das hier ist Fußball“.

Und wenn man wie ich bei dem kompletten Prozess rund um eine Neuveröffentlichung dabei ist, vom ersten Künstlerkontakt bis zum Erscheinen, fühlt es sich auch irgendwie an, als wäre man selbst Teil der Band. Das ist schon ganz schön stark …

Protokoll: Erik Brandt-Höge
Foto: Andreas Hornoff

The Table

Drei-Sterne-Koch Kevin Fehling eröffnete in der HafenCity ein Restaurant, in dem es nur einen Tisch gibt

SZENE HAMBURG: Ihr Konzept einer weltoffenen Küche bleibt bestehen. Das Restaurant aber wird etwas ganz Neues: Es soll nur einen Tisch geben. Heißt das, Ihr Restaurant ist nichts für Pärchen oder Geschäftsleute, die unter sich bleiben wollen?

Kevin Fehling: Doch. Die Gäste schauen von einer Seite direkt in die Küche, und ihnen gegenüber sitzt niemand. Als Pärchen ist man genauso weit von seinen Nachbarn entfernt wie in einem anderen Restaurant, weil der Tisch unglaublich lang ist. Ein Geschäftsessen ist selbstverständlich auch möglich. Insgesamt wird die Atmosphäre ein bisschen lauter sein, auch werden Gast, Service und Küche miteinander verschmelzen. Die Köche werden vor den Gästen bestimmte Sachen anrichten und vielleicht auch etwas zeigen, etwa wie eine Ente tranchiert wird. Es soll halt, das finde ich sehr wichtig, alles ein bisschen lockerer werden.

Wirklich wohl fühlen sich im Sternerestaurant nur wenige Gäste. Vielmehr wird in der Branche von Schwellenangst gesprochen, die den Gästen genommen werden soll. Wie stellen Sie sich die Wohlfühlatmosphäre vor, die Sie schaffen wollen?

In neuen Privathäusern gibt es ja fast nur noch offene Küchen. In der Steinzeit war das Feuer auch in der Mitte der Höhle, und heutzutage finden die besten Gespräche und Partys in der Küche statt. Wenn man das aufs Gourmetkonzept spiegelt, sagen wir: Fühl’ dich wie zuhause. Wenn ich irgendwo eingeladen bin, dann frage ich auch nicht, was gibt es bei dir zu essen. Wir haben vor, bei der Reservierungsbestätigung auch das Menü zu versenden. Wenn dann jemand keine Gänseleber mag oder eine Krustentierallergie hat, dann werden wir eine Alternative anbieten.

Wir stellen uns vor, dass gegen 19 Uhr die ersten zehn Gäste kommen. Dann gibt es Champagner, Apéro-Gebäck, und wenn sich die Gäste dann gesammelt haben, beginnt es mit den Vorspeisen. Das bedeutet sechs Köche, zwölf Hände, zwölf Augen konzentrieren sich nur auf dieses eine Gericht; und der zweite Schub von Gästen kommt dann gegen 20 Uhr. Für diesen heißt das, er wird drei, dreieinhalb Stunden entertained, in denen wir 14, 15 kleinere und größere Gerichte servieren.

Eine neue Umgebung für Sie, eine offene Küche und mehr Lockerheit im Restaurant, werden die Gäste, die Sie bereits aus Travemünde kennen, einen neuen Kevin Fehling erleben?

Ein neuer Kevin Fehling? Vielleicht kannte man den Kevin Fehling bislang gar nicht, weil er in der Küche war. Vielleicht lernt man ihn jetzt einfach besser kennen. Ich habe da auch richtig Lust zu. Wir wollen Einzigartigkeit schaffen. Ich denke, die Zeit ist reif für solche offenen und kommunikativen Konzepte. In Deutschland haben wir so gute Köche, so viele Sterne, aber wir brauchen neue Konzepte.

Interview: Kersten Mügge

The Table
Shanghaiallee 15 (HafenCity)
August bis September: Mi-Sa 19 & 20, Sa+So 12.30 Uhr
Ab Oktober: Di-Sa 19 & 20 Uhr
www.thetable-hamburg.de

Jannes Wochenrückblick Vol. 20

Kolumne: Bier, Bier, Bier. Oder: Wie zwischen Clubplanung und Brauereifest immer noch ein Rum-Cola passt

Meine vergangene Woche stand ganz im Zeichen des Bieres. Ein Traum für viele, ich weiß, ich bin allerdings eher als Rum-Cola-Trinker bekannt. In diesem Fall macht das aber nichts, denn es ging fast ausschließlich um besondere Sorten.

Montag

Abends wurden wir in eine Unterkunft für Zuwanderer zum Sommerfest eingeladen. Die Religion respektierend: nur Malzbier.

Dienstag

Nachtschicht. Eventplanung. Verein. Buchhaltung. Kundenmagazin. Präsentation. Zur Abstimmung einer Werbekampagne um 19.30 Uhr gab es immerhin ein Pale Ale aus Hamburg. Danach noch eins, als ich mich mit einer DJ für unseren neuen Club getroffen habe.

Mittwoch

Sushiabend mit meiner Schwester: Asahi, Adventure Times und American Horror Story. Die Alliteration ist aus Versehen passiert.

Donnerstag

Bromance-Abend in der neuen Schankwirtschaft in der Detlev-Bremer-Straße. Fünf Summer Wheat Ale von and Union und die köstlichsten Pork Ribs der Welt verköstigt.

Freitag

Moderation der 15. clubkinder Tagebuchlesung im Gruenspan: endlich ein Rum-Cola. Ok, vier.

Samstag

Start ins große Finale: Auf den Summer Craft Beer Days präsentierten 20 Brauer aus Hamburg und aller Welt 107 Biere. 107. Circa 37 habe ich geschafft. Allerdings in 0,1 Liter Portionen. Bestes Wetter, beste Gäste, beste Sorten und vor allem meine Liebsten Patrick, Axel und Tina – so macht selbst mir Bier Freude!

Sonntag

Diese Kolumne ist unter Einfluss von 0,0 Promille entstanden. Aber mit 0,5 Liter Mate.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes

 

Foto: Julia Schwendner

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.