Die Fotos des Friseurs

Oliver Giemza dokumentiert aus dem Schaufenster seines Salons heraus die Marktstraße. Seit acht Jahren und immer aus derselben Perspektive. Neun Alben mit je 250 Bildern hat er schon zusammen

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Wer bei Oliver Giemza auf dem Frisierstuhl sitzt, guckt statt in den Spiegel durch eine große Fensterscheibe. Der Blickwinkel ist leicht angeschrägt, weil der Salon im Souterrain liegt; auf Kopfhöhe spazieren die Leute am Schaufenster vorbei, schieben Kinderwagen oder Rollatoren vor sich her, tragen Kaffeebecher in den Händen oder Schulranzen auf dem Rücken. Manche winken dabei extra in Richtung Friseur, andere werfen nur einen verstohlenen Blick ins Schaufenster und betrachten sich kurz im Spiegelbild. In solchen unverfälschten Momenten lässt Oliver Giemza kurz die Schere sinken und tritt mit dem Fuß auf den Fernauslöser seiner Fotokamera.

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Seit acht Jahren schießt Oliver Giemza mit seiner 26 Jahre alten Ricoh Fotos. Sie steht auf einem Stativ in der Ecke des Salons. Fast jeden Tag macht der 50-Jährige Bilder – bei sonnigem Wetter auch mal 20 Stück –, immer aus derselben Perspektive, den Fokus auf den Gehweg gerichtet. „Ich hatte schon immer das Bedürfnis, den Verlauf der Dinge festzuhalten“, erzählt Giemza.

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Und so dokumentiert er mit seinen Momentaufnahmen den Wandel der Zeit, des Karoviertels mitsamt seinen Bewohnern. Wie die Nachbarskinder erwachsen werden und manche Alte irgendwann wegbleiben; wie an der Ecke zur Turnerstraße ein schönes altes Haus nachts im Flutlicht abgerissen wurde. „Auch das hab ich fotografiert“, erinnert sich Giemza. Jedes Mal, wenn er dann die Umschläge mit den entwickelten Bildern bei Foto Dose abholt, ist er gespannt: „Ich vergesse ja auch viel davon, was ich fotografiert habe.“

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Seit 1999 betreibt er seinen Salon „Ein Friseur“ in der Marktstraße, 2002 bezog Giemza neue Räume, in denen er heute noch arbeitet. Er liebt die dörfliche Struktur des Viertels, den Multikulti-Charme und die vielen inhabergeführten Geschäfte. Der Blick aus Giemzas Schaufenster führt entlang der Turnerstraße direkt auf den Bunker. Der versperrt die Sicht hinaus aus dem kleinen Dorf und wirkt gleichzeitig wie ein „schützendes Bollwerk, das je nach Licht und Wetter immer anders aussieht“, sagt Giemza fast liebevoll, „mal mürrisch, mal freundlich.“

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Oliver Giemza, hier selbst im Bild, will im März 2017 nach zehn Jahren sein Fotoprojekt beenden

Text: Julia Braune

Ein paar Fotoalben liegen bei Oliver Giemza immer im Salon zum Durchgucken bereit. Wer darin blättern will, braucht nur einen Friseurtermin!

Tarterie St. Pauli

“Die Sterne”-Frontmann Frank Spilker kam in diesem Lokal mit Geduld zum kulinarischen Höhepunkt und schrieb darüber

So etwas könnte mein Lieblingsrestaurant sein. Ein kleines Ladenlokal (ehemals Dönerbude oder Waschmaschinenhöker), nicht mehr als sechs Tische, eine kleine, täglich wechselnde Karte, die ja an sich schon ein Garant für Frische und Abwechslung ist, mitten an einer belebten Straßenecke des sich gerade verjüngenden (aka gentrifizierenden) St.-Pauli-Kiezes gelegen. Die Preise sind nicht niedrig, aber so gestaffelt, dass man auch mit wenig Einsatz zu seinem kulinarischen Höhepunkt kommen kann, wenn es nicht gerade ums Sattessen geht. Hauptgerichte kosten heute zwischen 18 und 22 Euro.

Es gibt ein Stubenküken mit karamellisiertem Romanasalat und Rauchcreme als Vorspeise, Jakobsmuscheln an mutig unterschiedlichen Tomaten (Koriander, honigsüß) und gebratenem Radiccio sowie einen perfekten Kaiserschmarrn zum Dessert zum Menüpreis von 35 Euro. Der durchweg gute Weißwein liegt zwischen 4,50 und 7 Euro und ist jeweils jeden davon Wert, der Rotwein wird selbstbewusst gut gekühlt serviert. Solche Empfehlungen bedeuten mir mehr als perfekte deutsche Ingenieurskunst am Herd. Etwas Geduld muss man allerdings mitbringen. Oder eben einfach Zeit.

Text: Frank Spilker
Foto: Jakob Börner

Tarterie St.Pauli
Paul-Roosen-Straße 31 (St. Pauli)
Telefon 0178 / 407 25 93
Mi-Fr 18–23, Sa 10–23 Uhr

Für den Gastroguide SZENE HAMBURG ESSEN + TRINKEN testete Frank Spilker einige Restaurants der Kategorie “Szenopolis”. Warum? Darum:

Die in früher Jugend entdeckte Vorliebe für Krustentiere ließ den Autor eines Buches und Sänger etwa eines Dutzends Schallplatten, unter anderem seiner Band Die Sterne, bereits früh verarmen. Immerhin schaffte er es, sich bis nach Hamburg an das Objekt seiner Begierde heranzufressen. Alkoholexzesse, Koks und Nutten machten im weiteren Verlauf seine prekäre Lage nicht einfacher. Immerhin darf Frank Spilker (49) heute gelegentlich im Auftrag des Goethe-Instituts die internationale Weltküche wie zuletzt die von China und Japan begutachten. Aber auch Gerichte aus Mexiko, den USA, Frankreich und Kroatien standen schon auf der Karte. Der seit mehr als 20 Jahren bereiste deutschsprachige Raum erscheint ihm in kulinarischer Hinsicht als leckerer alter Hut.

Pauls Smith And The Intimations (19.9.)

Der Frontmann der Band Maxïmo Park ist abseits der Bühne ein ganz ruhiger – und diese nachdenkliche Version des Briten spielt im Molotow

Pauls Smith ist der ruhigste Mann im britischen Rockgeschäft – zumindest abseits der Bühne. Der Mann aus Newcastle mit dem harten nordöstlichen Akzent fällt fern der großen Show, für die er mit seiner Band Maxïmo Park seit deren bahnbrechendem Debütalbum „A Certain Trigger“ (2005) steht, kaum auf, ist extrem zurückhaltend, geradezu schüchtern. Er liebt es, weit weg von allem Trubel in seine Bücher einzutauchen, die Werke der größten Schriftsteller, Aktivisten und Philosophen der Welt.

Aktuell besonders beliebt bei Smith: Maxim Gorki, von dem er sich für die Arbeit an „Contradictions“ inspirieren ließ, Smiths neuem zweiten Soloalbum, dass er zusammen mit The Intimations aufgenommen hat. Wenn er mit denen zusammen ist, klingt er wie eine nachdenkliche Version von Maxïmo Park, melancholisch auch, wobei nicht weniger melodiös und wunderbar britisch wie immer. Und ist die Zeit gekommen, da Smith zurück auf die Bühne geht, ist er natürlich wieder ein anderer. Ein Entertainer durch und durch: quirlig, ausgeflippt, eben das Gegenteil von Ruhe.

Er ist ein Typ der zwei Extreme. Und kann beide extrem gut.

Text: Erik Brandt-Höge

Molotow
Nobistor 14 (St. Pauli)
19.9., 19 Uhr

Hamburgs Festivalherbst

Jetzt wird’s wild! Hier feiert Hamburg in den nächsten Wochen Kunst, Musik, Filme, Comics und gutes Design

Musik und urbane Subkultur sind der Himmel auf Erden? Besucht das Reeperbahnfestival! Hier netzwerkt die Musikszene. Ein Bändchen am Handgelenk wird zum Türöffner für 400 Konzerte in 70 Clubs, den Kiez rauf und runter. Line-up checken unter www.reeperbahnfestival.com
23.–26.9., Clubs entlang der Reeperbahn

Jung, kreativ, stellt aus: Die P/ART ist eine Produzentenkunstmesse und Plattform für aufstrebende Künstler, Händler und Interessierte. Vor allem die Location begeistert: ein riesiges stillgelegtes Industrieareal ist temporäre Heimat für die Kunst.
24.–27.9., ehemaliges Kraftwerk Bille, Anton-Ree-Weg 50 (Hammerbrook)

Wilhelmsburg

Gemeinsam gegen Leerstand: Popup Lädenfestival in Wilhelmsburg

Beim Pop-up Lädenfestival in Wilhelmsburg wird kreativ gegen Leerstand gekämpft. Ungenutzte Kioske und Kneipen werden zu Comicläden, Cocktailbars und Leihpflanzengeschäften. Ein Flohmarkt, eine FuckUp Night und Tresensport füllen sechs bunte Wochen.
bis 4.10., Reiherstiegviertel (Wilhelmsburg), Do+Fr 14–20, Sa+So12–18 Uhr

Im Herbst pilgern Schauspieler, Regisseure und Cineasten zum Filmfest Hamburg. Tagelang flimmert dann ein fein kuratiertes Programm in den Kinos – exotische Perlen und große Produktionen. Es gibt auch eine umfangreiche Sparte für Kinder.
1.–10.10., Hamburger Kinos

Rund um die Comic-Messe zeigen nationale und internationale Zeichner ihre Werke in Hamburgs gut sortierten Comicläden – das Comicfestival Hamburg ein Mekka für Freunde von Graphic Novels.
8.–11.10., diverse Orte

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Bei der P/ART kaufbar: Timur Yüksel, Take A Closer Look #33, 2013

„Hamburger KünstlerInnen aus aller Welt präsentieren ihre aktuellen Produktionen“, so lautet das Leitmotiv des interkulturellen Festivals Eigenarten. Tanz, Kunst, Literatur – da findet jeder etwas Passendes.
29.10.–8.11., diverse Orte

Das internationale Queer-Film-Festival findet zum 26. Mal statt und ist damit das älteste in Deutschland. Neben gesellschaftlich engagierten Filmen gibt es bei den Lesbisch-schwulen Filmtagen ein Rahmenprogramm mit Partys und Workshops.
20.–25.10., verschiedene Orte

Bei der internationalen Designmesse blickfang in den Deichtorhallen besteht akute Rundum-verlieb-Gefahr. Hier präsentieren Designer ihre Entwürfe – alles ist kaufbar, egal ob Möbel, Mode oder Schmuck.
13.–15.11., Deichtorhallen, Deichtorstraße 1 (Altstadt)

Im November zündet die DIY-Rakete, da finden wieder kuschelige Märkte für Selbstgemachtes und Trödel statt – und man ist versucht erste Weihnachtsgeschenke zu shoppen. Zum Beispiel hier:
Hello Handmade: 8.11., 10–18 Uhr, Kampnagel, Jarrestraße 20 (Winterhude)
Schellack meets Vinyl: Design-, Antik- und Sammlermarkt 14./15.11., 10–17 Uhr, Kampnagel, Jarrestraße 20 (Winterhude)
altonale DesignGift: 28./29.11., Cruise Center Altona, Fischmarkt Altona

1.000 Zeichen (12.9.)

Lena Steeg gründete den Blog www.1000zeichen.de, Hier veröffentlichen Menschen kurzweilige Lektüre für Bushaltestellen. Der 1.000. Text wird im Gruenspan gefeiert

SZENE HAMBURG: Wie lange brauchst du, um einen Text auf exakt 1.000 Zeichen zu bringen?

Lena Steeg: Manchmal geht es ganz schnell, aber oft scheitert es an zwei Zeichen und man sitzt ewig daran. Das kann einen zur Weißglut bringen.

Man könnte mit der Interpunktion tricksen.

An Gedankenstrichen, die keinen Sinn machen, merkt man, wenn jemand gekämpft hat. Wenn ich so etwas zu oft mache, höre ich schnell: „Lena, reiß dich zusammen!“

Warum hast du mit dem Blog 1.000 Zeichen angefangen?

Sebastian Dalkowski und ich kamen 2012 auf das Format. Wir haben bei der Rheinischen Post gearbeitet und suchten nach etwas, wo wir schreiben können, wie wir wollen. Ich habe Kim Frank (Ex-Frontman der Band Echt, Anm. der Red.) davon erzählt, er ist ein Freund von mir. Er hatte Lust und sagte: „Ihr müsst jeden Tag posten, sonst interessiert das niemanden.“ 1.000 Zeichen, einmal am Tag, das ist bis heute die einzige Regel. Alles andere ist völlig frei.

Wer steckt noch dahinter?

Wir haben sieben feste Autoren, darunter Clara Ott und Nilz Bokelberg, und jeder kann etwas schicken. Gastbeiträge erscheinen immer sonntags.

Wie oft wird der Blog geklickt?

Wir haben 36.000 Follower bei Tumblr. Bei Facebook nur so 1.500. Wir arbeiten nur mit Text, deshalb wird es relativ wenig geteilt. Vielleicht sollten wir in Zukunft auch über Podcasts oder Bilder nachdenken.

Viele schreiben in der Ich-Perspektive, über Beziehungen oder Alltagserlebnisse …

Wir greifen auch aktuelle Themen auf. Aber viele von uns sind Journalisten und fragen bei der Arbeit schon immer nach Relevanz. Hier soll man einfach schreiben, worauf man Lust hat. Und das sind oft Alltagsbeobachtungen. Man schreibt doch immer über etwas Persönliches. „Wie der alte Popliteratur-Spruch sagt: Über was denn bitte sonst?“ Das muss nicht originell sein: Dann hast du halt Liebeskummer und schreibst etwas darüber. Ich schreibe auch oft Botschaften, die sich an bestimmte Personen richten. Ich habe zum Beispiel mal ein Interview mit Roger Willemsen gemacht und hatte gerade ganz schrecklich Liebeskummer. Wir mussten uns jobbedingt aber über Jazz unterhalten. Also habe ich 1.000 Zeichen darüber geschrieben, wie gerne ich mit ihm über Liebe gesprochen hätte.
Er hat das gelesen und in 1.000 Zeichen geantwortet. Das ist eins meiner schönsten Ereignisse auf diesem Blog.

Ein anderes Mal hast du geschrieben, dass Freunde dich nicht anrufen sollen, weil du Telefonate hasst.

Ja (lacht). Die meisten ahnten das schon, weil ich meist nicht rangehe und auch nicht zurückrufe, sondern sofort per Whatsapp antworte. Ja, ich hoffe oft, wenn ich was schreibe, dass es diese eine Person liest.

Manchmal steckt in einem kleinen Text auch eine große Geschichte.

Auf jeden Fall. Wir hatten mal einen Text von Spiegel-Autor Cordt Schnibben. Er hatte herausgefunden, dass seine Mutter und sein Vater Nationalsozialisten waren. Darüber hat er für uns 1.000 Zeichen geschrieben und ein Jahr später kam die große Spiegel-Geschichte heraus: „Mein Vater, ein Werwolf“.

Du hast mal geschrieben, dass du Abgeschlossenheit magst. Wäre dann ein Roman nicht das Richtige?

Ich kriege oft zu hören: Schreib endlich ein Buch, aber bitte nicht über deine Generation und nicht als Ich-Protagonist. Dieses Thema muss ich wohl noch finden (lacht). Aber ja, ich finde offene Enden schrecklich unbefriedigend. Ich bin Beamtentochter, ich mag klare Verhältnisse.

Im September feiert ihr den 1.000. Text auf eurem Blog.

Wir feiern sozusagen in den 1000. Text rein. Die Lesung ist am Samstag und der Beitrag erscheint am Sonntag. Die Clubkinder organisieren das und spenden das Eintrittsgeld an Flüchtlinge.

Was passiert sonst an diesem Abend?

Wir haben unsere besten Texte zusammengestellt, die werden wir da verkaufen. Miu Graf wird singen. Ich glaube, das wird recht kurzweilig. Keine dreistündige Bachmann-Lesung (lacht).

Interview: Natalia Sadovnik
Foto: Eva-Marlene Etzel

Gruenspan
Große Freiheit 58
12.9., 20.15 Uhr

Zu Gast im The Table

Unser Abend bei Kevin Fehling: Wir haben (unter anderem) Dashi-Sud aus dem Seeigel gelöffelt…

Sofort haben wir zugesagt, als Glenfiddich uns in das neue Restaurant des Meisterkochs zu einer Whisky-Verkostung einlud. Wir haben nichts bereut, weder das großartige Essen von Kevin Fehling und Onur Elci (kitchen guerilla), noch die irren Drinks kreiert von Markus Heinze und schon gar nicht die Whisky Rarität aus der schottischen Distillery. Ein Blick zurück auf einen wundervollen Abend.

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Der mit Spannung erwartete Gastraum im The Table von oben. Küche (siehe unten) und Restaurant gehen ineinander über. Modernes geschmackvolles Ambiente, aber über die einarmigen Schürzen lässt sich streiten.

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In der Küche wird Fehlings Hummer „Thermidor“ vorbereitet, kann man nicht beschreiben, muss man schmecken.

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Auch Kevin Fehling, Markus Heinze und Onur Elci (v.l.n.r.) genießen den Abend.

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Der von Onur kreierte köstliche Burger, ein 15 Jahre alter Glenfiddich und ein komplizierter Tannen-Apfel-Cordial-Whisky-Drink. War das gut!

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Am Ende wurde noch dieses 36 Jahre alte Eichfass – amerikanische Eiche, nicht europäische – reingerollt. Eine 0,7 Liter Flasche mit diesem Stoff kostet 2.700 Euro – und sie ist jeden Cent wert! Danke Glenfiddich, dass wir so etwas kosten durften.

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Ein 100 Euro Schluck Rare Collection Cask, 1979 in Schottland ins Fass eingelagert. Ich sach nur: 51,8 Prozentvolumen.

Text und Fotos: Lisa Scheide

Konzert: Boy (10.9.)

„Es gab kein Konzept. Wir wollten einfach den nächsten Schritt gehen.“ Die Hamburg-Zürich-Connection präsentiert ihr zweites Album

Musterhaft, die Erfolgsgeschichte von Boy: Erst tapferes Tingeln durch die Clubs, dann das große Los in Form eines Plattenvertrags bei Herbert Grönemeyers Grönland-Label, schließlich das niedliche Album „Mutual Friends“, auf das sich unfassbar viele Menschen einigen konnten. Sonja Glass aus Hamburg und Valeska Steiner aus Zürich klangen zusammen unbeschwert, entspannt, niedlich.

Vier Jahre später melden sich Boy nun mit einem neuen Album zurück. „We Were Here“. Viele der Songs darauf drehen sich um Bewegungen und Begegnungen. Rund anderthalb Jahre haben die beiden daran gearbeitet, probierten vieles, verwarfen einige Ideen wieder – und entdeckten so mehr oder weniger zufällig einen Sound, der den sorglosen Tagtraum des Debüts in die Dämmerung entführt. Glass: „Es gab kein Konzept. Wir wollten einfach den nächsten Schritt gehen.“

In der Tat: Bei Instrumentierung und Songwriting bleiben Boy zwar vertrauten Wegen weitestgehend treu, gestalten ihre Songs aber doch weiträumiger, ruhiger. Eine spannende zweite Etappe.

Text: Freidrich Reip
Foto: Debora Mittelstaedt

Mojo Club
Reeperbahn 1 (St. Pauli)
10.9., 20 Uhr

Jannes Wochenvorschau Vol. 21

Kolumne: Unterm Strich – machen wir einen Spendenclub auf der Reeperbahn auf

Viele reden darüber, die einzigen Infos haben Joko und ich bisher allerdings dem Streetart-Blog Urbanshit gegeben. Und jetzt euch.

Unterm Strich füllen wir den ersten Spendenclub der Welt mit Leben. Zumindest kennen wir keinen zweiten und wir haben schon viel gesehen im Nachtleben: Veranstalter ist der clubkinder Verein um Joko und mich, Booker “Jeudi”-Erfinder Davidé, Hausherr das Kollektiv um’s moondoo, eine etablierte Adresse in Sachen Freestyle. Allen voran Thomas, Alex und Al, denen der gute Zweck immer wichtig war.

Unterm Strich also ein Sankt Paulianer-Party-Dream-Team – und bei Sankt Pauli wären wir beim nächsten Stichwort: Wir feiern mitten auf der Reeperbahn. Unter der Reeperbahn, um genau zu sein. Im Keller der altehrwürdigen 136. Mit dem Eingang neben der Ritze. Hier können wir uns freitags und samstags austoben und wenn wir Lust haben, auch mal unter der Woche.

Und wir haben Lust. Auf Electronica, HipHop, Doom Metal oder Freestyle. Und auf Spenden: Den Eintritt und alle Überschüsse geben wir an ausgewählte gemeinnützige Vereine, die damit soziale Probleme in der Stadt lösen. Gestartet wird mit der GWA auf Sankt Pauli. Unterm Strich Ehrensache.

Unsere erste öffentliche Party steigt am 11. September um Mitternacht, unsere 461 Helfer haben wir diesen Freitag schon mal probetanzen lassen, als Belohnung. Und jetzt kommt die eigentliche Info mit News-Charakter: Morgen geht unser Programm auf der Website online und als 1. Newsletter an alle Interessierten raus – und das sind jetzt schon unzählige.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes

Foto: Julia Schwendner

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Die schönsten Einkaufsstraßen

Neu in der Stadt? Nur mal so hier? In diesen Hamburger Straßen kann man herrlich shoppen!

Es gibt ja unterschiedliche Einkaufs-Typen: Einige wollen nur bummeln, andere zielstrebig den Kleiderschrank auffüllen. Einige lieben Bling-Bling, für andere soll’s ökologisch wertvoll sein. Hamburg hat für jeden Geschmack die passende Straße parat — Inspiration für alle Besucher.

Karolinenviertel
Im schnuckelig-bunten Dorf auf St. Pauli haben es sich hiesige Designer und Einzelhändler gemütlich gemacht und verkaufen in urbanen Ateliers und kleinen Lädchen ihre Waren. Wer will, kehrt hier abends in gute Bars ein, für entspannten Klönschnack und eine Partie Billard.

Lange Reihe
In Hamburgs Multikulti- und Schwulenviertel St. Georg findet man vegane Bistros, indische Mode, Accessoireläden und Buchhandlungen mit Geschichte.

Lehmweg
Hochwertige Einrichtungsläden und exklusive Mode für Mamis und Kids fallen einem in Eppendorf ins Auge. Wer im Lehmweg kauft, dem gefällt auch der Eppendorfer Baum und die Osterstraße.

Neuer Wall
Krasser Szenenwechsel: Vom Jungernstieg aus biegt man in die Luxusmeile ein und spiegelt sich in den Schaufensterscheiben von Prada und Louis Vuitton. Vorsicht beim Überqueren der Straße, sonst gerät man unter die Räder der SUVs! In Laufweite liegt das Hanseviertel und die Colonnaden.

Ottensener Hauptstrasse
Ottensen erinnert an das Karolinenviertel, nur dass es hier mehr Läden für ökologische Produkte gibt und einen süßen Wochenmarkt. Vom Skateshop über Kinderschuhgeschäfte bis zur Weinbar reicht das Einkaufsangebot.

Paul-Roosen-Strasse
Die Parallelstraße zur Reeperbahn steht für die gemütliche Seite des Kiez – nette Gastronomie, der fantastische Plattenladen Freiheit & Roosen, Vintagebuden wie Hip Cats und eine Kunstgalerie.

Schulterblatt
Rund um die besetzte Rote Flora in der Sternschanze kann man prima seine Moneten in stylisch-hipsterigen Modeboutiquen verprassen – ausgewählt und mit alternativem Anstrich.

Überseeboulevard
Das größte innerstädtische Bauprojekt Europas, die HafenCity, ist noch nicht fertig, aber definitiv einen Besuch wert – auch weil sich interessanter Einzelhandel niedergelassen hat.

Wexstraße
Die Neustadt hat mit der Wexstraße eine echte Einkaufsperle in ihrem Innern verborgen. Hier kauft man japanische Accessoires bei Akiko, Designprodukte bei Kunst und Gemüse und isst mittags schwäbisch bei Zum Spätzle.

Foto: www.mediaserver.hamburg.de / Sven Schwarze

Schankwirtschaft St. Pauli

Zwölf neue Hähne für den Kiez: In der Kneipe trifft Rauchbier auf Tamarinden-Pork-Ribs statt Astra auf Salzstangen

Es ist schummrig in der Schankwirtschaft, wie es sich für eine Bierkneipe auf dem Kiez gehört. Doch spätestens, wenn Rauchbier und Tamarinden-Pork-Ribs statt Astra und Salzstangen aufgetischt werden, wird klar, dass die Dinge hier anders laufen. Die Schankwirtschaft ist der neueste Streich des Teams um Maximilian Marner, der nach dem Brausturm Bierverlag und dem Fachgeschäft Beyond Beer ein drittes Standbein rund um sein Lieblingsgetränk aufgebaut hat.

An zwölf Zapfhähnen werden stets wechselnde Biere aus aller Welt ausgeschenkt, vom fränkischen Kellerbier über amerikanische IPAs bis zur im Holzfass gereiften Spezialität aus Belgien. Moderate Einstiegspreise ab 2,90 Euro pro Drittelliter sorgen dafür, dass nicht nur Biersnobs angezogen werden, doch für ein paar Euro mehr bekommt auch diese Zielgruppe auf ihre Dosis an hochalkoholischen Gourmetgebräuen.

Herausragend ist die Beratung am Tresen: Unentschlossene bekommen als Entscheidungshilfe geduldige Erklärungen zu jedem Bier, Kostprobe inklusive. Dazu gibt es asiatisch und lateinamerikanisch inspirierte Snacks aus der Küche, die einen aromatischen Gegenspieler zu den flüssigen Hopfenbomben bilden. Lediglich der verrauchte Kiez-Charme steht nicht auf der Karte, doch dafür gibt es ja genug Alternativen.

Text: Benedikt Ernst (hier links im Bild)
Foto: Philipp Jung

Schankwirtschaft
Detlev-Bremer-Straße 42 (St. Pauli)
Di-Sa ab 17 Uhr
Telefon 32 08 16 45