6×2 Tickets für Volbeat in der Barclaycard Arena (28.10.)

Wir verlosen Logen-Tickets für das Konzert von Volbeat in der Barclaycard Arena in Hamburg inklusive Freigetränken und bestem Bühnenblick

Die Band Volbeat ist der dänische Exportschlager schlechthin. Die Jungs wissen, wie Rock geht und vereinen von klassischen Rock’n’Roll, Heavy Metal und Rockabilly zu einem originären Sound. Unterschiedliche musikalische Einflüsse von Elvis Presley bis Metallica sind unüberhörbar. Diese Mischung begeistert Fans wie Kritiker gleichermaßen. Auch live sind Volbeat überzeugend. Ihr Sound hat Druck. Die Band stellt ihr aktuelles Album „Seal The Deal & Let’s Boogie“ in einer europaweiten Tour vor. Am 28.10 machen sie in Hamburg in der Barclaycard Arena Halt. Das Konzert ist ausverkauft. Aber wir haben noch ein paar Tickets für euch gebunkert!

Foto: Ross Halfin

Barclaycard Arena
Sylvesterallee 10 (Eidelstedt)
Einlass 17.30 Uhr
Beginn 19.30 Uhr

Barclaycard und SZENE HAMBURG verlosen 6×2 Logentickets inklusive Freigetränken für das Konzert von Volbeat am 28.10.2016 in der Barclaycard Arena. E-Mail mit dem Stichwort „Volbeat“, dem Vor- und Nachnamen beider Gäste (inklusive Geburtsdatum) bis zum 21.10.2016 (10 Uhr) an online@vkfmi.de.

Mitarbeiter von Barclaycard sind vom Gewinnspiel ausgenommen

LesBar. Die Vegetarierin von Han Kang

Literatur-Ressortleiterin Jenny V. Wirschky weiß, was unsere Leser lesen wollen. Oder sollten. Hier gibt sie euch ihre persönlichen Lese-Empfehlungen

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Ich bin Vegetarierin, seit ich 14 bin. Die seitdem vergangenen 18 Jahre sind gespickt von Phasen des straighten Veganismus und des zögerlichen Fischessens, von ideologischen Anfeindungen und liebevollen Missionierungsversuchen. Doch eines war beständig: Ich hatte immer die Wahl. Ich konnte selbst entscheiden, ob ich Tiere esse, oder nur das, was keinen Schatten wirft. Es war stets eine Frage meiner ethischen Überzeugungen, meiner Freiheit und meines Selbstbildes. Nur möglich dadurch, dass ich in einer Familie und einer Gesellschaft groß wurde, die all das unterstützt oder zumindest toleriert hat.

Ganz anders das Leben der Protagonistin Yong-Hye in der Erzählung Die Vegetarierin. Autorin Han Kang lässt ihre Hauptfigur nur im Traum zu Wort kommen, die eigentliche Geschichte ist die innerfamiliäre Perspektive auf Yong-Hye. Mit diesem Stilmittel gelingt hier etwas, das andere Romane über gewaltvolle Gesellschaftsformen sonst schnell ins Plakative treiben lässt: Die Erzählerin zeigt durch das Nichtbenannte wie vollkommen unterdrückt ihre Heldin ist. Und wie autoritär diese südkoreanische Familienbande auf ein Individuum wirkt, das versucht auszubrechen – einzig durch die Wahl dessen, was es essen will und was nicht.

Doch es geht hier weder der Heldin Yong-Hye noch ihrer Umwelt um die Nahrung als solche. Es geht um Befreiung, Loslösung – und letztlich um die Auslöschung des Selbst als einzigen Ausweg aus einer allgemein akzeptierten Unterdrückung des Menschen. Han Kang erzeugt ihre Charaktere mit Bestimmtheit, ohne je trivial zu werden und bei aller Düsterheit glänzt die Varianz ihrer Sprache ganz erstaunlich. So wechselt sie souverän zwischen flacher Rede ohne Tiefsinn und Komplexität und einer kunstreichen Perspektive auf Nebenschauplätze, zwischen interessanten Reflexionen mit voraussetzungsvollen Begriffen und einer gekonnt schlichten Sprache. Schlicht besonders.

Han Kang, Die Vegetarierin, Aufbau Verlag 2016, 190 Seiten, 18,95 Euro


Jenny V. WirschkyWho the fuck is… Jenny?

Name: Jenny V. Wirschky

Alter: 32

Ressort: Literatur

Buch für eine einsame Insel: Gustav Schwabs “Sagen des Klassischen Altertums”

Muss ich endlich mal lesen: Das Alte Testament und Marx’ Kapital

Was wir alle lesen müssten: 

Prosa: Der Meister und Margarita (Michael Bulgakow)

Lyrik: Liebe Anarchie (Axel Reitel)

Philosophie: Dialektik der Aufklärung (Max Horkheimer und Theodor W. Adorno)

 


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Fucking Berlin – ein Film tourt durch die Clubs

Aktuell tourt der Film Fucking Berlin durch die Clubs vier deutscher Großstädte. In Hamburg läuft der Film im Terrace Hill. Wir verlosen Tickets.

Mathestudentin Sonja (Svenja Jung) ist neu in Berlin. Die Stadt ist für sie ein Rhythmus in Endlosschleife, dem sie sich hingibt. Als sie sich in Ladja verliebt, scheint alles möglich. Beide spüren den gleichen Beat und tanzen sich durch die Nächte.

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Bis sie pleite sind und Sonja neugierig ist, wie weit sie für Geld gehen würde. Als ‘Mascha’ steigt sie als Web-Stripperin ein. Sie testet ihre Grenzen aus und macht bald alles mit. Ein Doppelleben beginnt … Happy End?

Das ist die Frage, die nur ein Besuch der Vorstellung im Terrace Hill klären kann. Am 13. Oktober macht die Mobile Kino Tour zum Film Fucking Berlin dort Halt und präsentiert dieses Liebesdrama. 

Wir sagen: Hot. Und verlosen Tickets. 

Terrace Hill
Feldstraße 66
13. Oktober, 20 Uhr

 

Wir verlosen 3×2 Tickets für die Vorstellung von Fucking Berlin am 13. Oktober ab 20 Uhr. Sendet eine Mail mit dem Betreff Berlin an Online@vkfmi.de. Einsendeschluss ist der 13. Oktober, 10 Uhr. 

Fotos: Euro Video

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“Das Gnosa bleibt sich treu!”

St. Georg. Mathias Hoffman, 46, ist Inhaber von Pet Shop Boyz, einem Wunderladen für Zwei- und Vierbeiner zwischen Alster und der Langen Reihe. Und er ist regelmäßiger Gast im Café Gnosa

“Das Café Gnosa ist etwas Besonderes. Ich komme seit 15 Jahren her und bin froh, dass es sich treu geblieben ist. Obwohl in der Langen Reihe viel passiert, sieht es hier noch aus wie früher. Draußen kann man wunderschön sitzen, aber ich liebe es, drinnen in der Ecke an dem schön gerundeten Fenster zu sitzen und in der Mittagspause meinen täglichen Kaffee mit Frischmilch zu genießen. Eigentlich ist das Café mein zweites Wohnzimmer. Hier kennt man meine Marotten und weiß sie zu schätzen. Und das ausgedehnte Sonntagsfrühstück ist fantastisch, am liebsten mag ich das italienische oder nordische mit Fischspezialitäten. Aber erst mal muss die Schlange hungriger Mäuler mit legendärem Kuchen gestopft werden – es ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, wie sensationell die hauseigene Konditorei ist. Wenn ich mich in eine Leckerei des Gnosa verwandeln könnte, wäre ich die Stachelbeer-Baiser-Torte.

Hofmann

Ich weiß zu schätzen, wie liberal der Stadtteil ist und das Café Gnosa war von Anfang an ein Treffpunkt für Schwule und Lesben. Ich habe hier meine erste große Liebe kennengelernt. Es ist also, wenn man will, auch eine Kontaktbörse. Mittlerweile wird der Stadtteil immer moderner und das Publikum gemischter. Es ziehen viele junge Familien her, aber auch die Touristen prägen das tägliche Treiben. Dadurch entstehen natürlich auch Streitigkeiten, weil man sich über die Prostituierten und Trinker aufregt. Probleme im Viertel müssen aber anders gelöst werden, als durch die Vertreibung sozial Schwacher, denn so verlagert man es nur auf ein anderes Stadtteil. Egal, was in Zukunft passiert, Hauptsache das Gnosa bleibt sich treu; und ich bin mir sicher, das wird es.”

/ Protokoll und Foto: Lukas Schepers

Café Gnosa
Lange Reihe 93

Glaube, Liebe Straßenkampf. St. Georg ist ein Stadtteil der Gegensätze. Mehr über dieses Viertel erfahrt Ihr in unserer aktuellen Ausgabe. Jetzt am Kiosk und im Handel erhältlich.

Schanzenkind Jill hat mächtig leckere Pizza!

Sternschanze. Gentrifizierung im Viertel – damit muss Schluss sein. Doch im Jills trifft der Protest die Falsche

Klassische Salami-Pizza sucht man hier vergeblich. Im Jill ist weniger mehr. Schließlich hat sich Inhaberin Jill Bittner der original neapolitanischen Pizza verschrieben und dafür die Räume des ehemaligen Schanzensterns gemietet. Das kommt nicht bei jedem gut an. Schon zur Eröffnung musste die Polizei anrücken, auch heute noch fliegen hin und wieder Farbbeutel, sind die Schlüssellöcher zugeklebt. Die Autonomen fragen nicht lang. Was neu ist, gehört plattgemacht. „Es hat sich aber ein wenig beruhigt“, sagt die 32-Jährige auf Nachfrage. „Alle zwei Wochen gibt es eine kleine Mini-Bambule gegen die neuen Mieter der Schanzenhöfe. Aber die Aggression lässt nach.“

Pizzeria Jill wünschen wir Durchhaltevermögen. Und dass sich schnell rumspricht: Inhaberin Jill ist ein echtes Kind der Schanze – und sie hat mächtig leckere Pizza! Die kommt aus dem Herzen des Ladens: In dem schweren Ofen mitten im Restaurant wird sie bei 480 Grad C innerhalb von 60 bis 90 Sekunden gebacken. Klingt zwar nicht nach Slowfood, ist es aber: Schließlich muss der Teig fast drei Tage gären, bevor er verarbeitet werden kann. Belegt wird die Pizza dann mit frischen und vor allem ausgewählten Zutaten, möglichst nachhaltig und bio.

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Wir genießen den Abend im gemütlichen Innenhof und teilen uns als Vorspeise eine Caprese mit Mozzarella di bufala – mit frischen Tomaten von den
Tomatenrettern. Die Pizza-Wahl ist nicht leicht und fällt schließlich auf die Tartufo mit Sommertrüffel und eine Spinat-Pizza. Der Name ist verdient, denn statt
Spinat-Käse-Pampe wird uns eine dünne und unfettige Pizza mit frischem Babyspinat serviert. Die Preise zwischen 7 und 13 Euro sind verglichen mit den gewohnten Lieferpizzen mehr als günstig. Nach den neapolitanischen Pizzen, die weder Magen noch Gewissen belasten, ist sogar noch Platz für eine Käseplatte zum Naschen hinterher. Auch die Getränkekarte kann sich sehen lassen: Es gibt eine umfangreiche Auswahl an Weinen und Softgetränken und eine große Palette von Gin & Tonic.

Wir sind verliebt. In diese fluffig-leichte, authentische Pizza. Und in das Jill. Das geht offenbar auch vielen Italienern so: Eine große Gruppe bringt Urlaubsgefühl in die Schanzenhöfe. „Ich habe viele italienische Stammgäste, sie sind mein persönlich größter Erfolg – denn das muss ja etwas heißen“, sagt Jill. Übrigens: Frühstücken lässt sich auch ganz gut – selbst verkatert. Denn dann gibt’s statt Kaffee ein kleines Bier dazu. / Ilona Lütje

Jill
Bartelsstraße 12
Mo-Fr 7.30–23,  Sa-So 8.30–24 Uhr 

Foto: Anja Paap

Jannes Wochenrückblick Vol. 72

Hallo Hamburg! Jannes ist wieder da und meldet sich erholt aus dem Urlaub zurück – mit einer neuen Ausgabe seiner Kolumne.

Da bin ich wieder. In alter Frische und mit neuen Ansprechpartnern auf Seiten von Szene Online. Regine betreut jetzt meine Kolumnen technisch und inhaltlich, falls mir mal im Brausebrand ein Fehlerchen passieren sollte. Ihr findet Sie hier.

Ich werde Euch nach wie vor Woche für Woche von meiner vergangenen Woche berichten und Euch etwas mitnehmen auf die Reise, die wir im Fruchtbureau zwischen unserer Polycore Werbeagentur und dem clubkinder Spendenverein so bestreiten.

Da ist ja auch immer genug los. Diese Woche zum Beispiel ein Benefiz-Kick mit Prominenz und eine wilde Trap-Party in unserem Spendenclub Unterm Strich. Fun Fact: Ich berichte seit 2001 in diversen Stadtmagazinen und Tageszeitungen aus Hamburgs Nachtleben. Premiere: Diese Party, ausgerechnet in unserem eigenen Club, musste ich mir von unserem Junior erklären lassen. Der auch das grandiose Booking gestemmt hat.

Man wird nicht jünger, aber wichtig ist, dass man seine Sachen mit Leidenschaft macht. Wie wir alle. Weiter so!

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns nächsten Sonntag wieder.

Jannes

Foto: Julia Schwendner

 

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

LesBar: Neuland von Eshkol Nevo

Literatur-Ressortleiterin Jenny V. Wirschky weiß, was unsere Leser lesen wollen. Oder sollten. Hier gibt sie euch ihre persönlichen Lese-Empfehlungen

Passend zu meiner Momentlektüre “Neuland” von Eshkol Nevo verbringe ich die Sommerferien in Israel. Mit Blick aufs Meer zu lesen, eine Geschichte über ein sonst so weit entferntes Land, jetzt gerade Teil davon zu sein, ist nahezu mythisch.

Es ist September und deshalb noch unglaublich warm hier. So erkunden wir halbnackt die wunderschöne Gegend: die Küste von Tel Aviv, die hängenden Gärten von Haifa,  den Hafen von Ashdod, die Altstadt von Jerusalem. Hier lebt auch der Protagonist aus Nevos Roman über Familie, Aufbruch und die Sehnsucht nach dem eigenen Leben. Dori lebt mit Frau und Kind in der israelischen Hauptstadt, ist irgendwie glücklich, irgendwie nicht – und stürzt sich nach dem Verschwinden seines Vaters wohlwollend aber voller Zweifel in die Suche nach ihm. Sie treibt ihn nach Südamerika, zu Menschen, mit denen er in skeptische Beziehung tritt, die ihn zwingen, sich zu erinnern oder in die er sich, weit weg von allem, fremdverliebt. Nevos Sprache ist epenhaft, nicht kompliziert. Sie verweist auf das echte Leben, ohne dabei allzu Bekanntes zu wiederholen. Mit weiten Spannungsbögen und realistischen Figuren erzählt der israelische Autor in “Neuland” nicht nur die Geschichte seiner Generation, sondern zeichnet auch ein intimes Bild seines Landes.

Eshkol Nevo, Neuland, 637 Seiten, dtv Verlag, 12,90 Euro


Who the fuck is… Jenny?


Jenny V. Wirschky Jenny V. Wirschky

Alter: 32

Ressort: Literatur

Buch für eine einsame Insel: Gustav Schwabs “Sagen des Klassischen Altertums”

Muss ich endlich mal lesen: Das Alte Testament und Marx’ Kapital

Was wir alle lesen müssten: 

Prosa: Der Meister und Margarita (Michael Bulgakow)

Lyrik: Liebe Anarchie (Axel Reitel)

Philosophie: Dialektik der Aufklärung (Max Horkheimer und Theodor W. Adorno)

27.10.-30.10.2016, Complete Music Camp, Hamburg School of Music

Vier Tage gemeinsam Musik machen unter der Anleitung fachkundiger Dozenten, Bandproben und zum Abschluss das Ganze im Knust live on stage präsentieren.

Das Complete Music Camp findet vom 27. bis zum 30. Oktober zum vierten Mal an der Hamburg School of Music statt. Im Kulturbunker können sich in diesem Zeitraum alle jungen Erwachsenen und  Kids 14 Jahren mit Grundkenntnissen und ersten Banderfahrungen von erfahrenen Profis coachen lassen. Auch Bands und Fortgeschrittene sind herzlich willkommen. Neben dem Coachen stehen Workshops rund um Musik und Performance auf dem Programm.

Die international erfahrenen Profimusiker Dirk Hoppe, Markus Braun, Daniel Schunn, Ingo Hassenstein und Stephan Emig sind seit vielen Jahren ein eingespieltes Team. Sie arbeiteten bereits mit Sarah Connor oder Nina Hagen zusammen. Als Dozenten sind sie unter anderem auch an der Hamburg School of Music tätig. Ihre Erfahrungen und ihr Wissen werden sie mit dem musikalischen Nachwuchs an diesen Tagen teilen.

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Die Patenschaft für den Event hat Sascha Pierro von der Gruppe Marquess übernommen. “Es geht um das Zusammenspiel in einer Band, deshalb übernehme ich gerne die Patenschaft”, sagt er. Er selber sei nur Musiker geblieben, weil ihn der Austausch mit anderen Künstlern so motiviert hätte.

Ab 14 Jahren können Kids an dem Camp teilnehmen

Ab 14 Jahren können Kids an dem Camp teilnehmen

Die Teilnahmegebühr beträgt für Jugendliche, Schüler, Studenten und Azubis bis 27 Jahre ermäßigt 135 Euro, der nicht ermäßigte Preis beträgt 235 Euro. Weitere Informationen finden sie hier.

COMPLETE MUSIC CAMP
Das Bandcamp in Hamburg
27.10.- 30.10.2016

Kuchen, Cocktails, Bier, Geschrammel

Sich die Hafenkante geben: Salon Stoer, neuer Treffpunkt am Hamburger Fischmarkt

Wie das so ist: „Menschen sitzen zusammen und denken sich lauter Quatsch aus“. Mitte August eröffnete am Fischmarkt in der ehemaligen Bar Cabana (davor Havanna Bar) der Salon Stoer. Doch Geschäftsleiterin Rebecca Raddatz beschreibt hier mitnichten das Konzept des Ladens, sondern antwortet auf die Frage zum Namen: „Stoer war am Anfang in der Auswahl, obwohl wir ursprünglich auf keinen Fall etwas mit Hafen oder Fisch machen wollten. Irgendwie sind wir immer wieder darauf zurückgekommen und Salon hat dann als Gegenpol zum etwas harschen Wort das Rennen der Synonyme gewonnen“.

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Je banaler die Namensgebung, desto interessanter der Inhalt. Mit Eike Wulf (Mutter/Kitty) und Thomas Unguraitys (Nachtasyl/Kitty) haben zwei erfahrene Gastronomen ihr Knowhow an die Hafenkante gebracht. Die neuen Besitzer präsentieren eine Mischung aus Kneipe, Bar und Café mit wechselndem Musikprogramm. Neben Kuchen und Eiscocktails am Nachmittag, lädt der Abend zum gepflegten Alkoholkonsum. Hohe Decken, dunkle Holzbar und der verkachelte Tresen erinnern ein wenig an ein Wiener Kaffeehaus. Das Publikum ist bunt gemischt. Zudem gibt es et- was, das in letzter Zeit gastronomisch vor allem Touristen vorbehalten war: Einen herrlichen Blick auf Elbe und Hafen!

„Momentan reicht das musikalische Programm von Shoegaze über Jazz, HipHop oder Elektro bis hin zu Mambo und Gitarrengeschrammel. Was es nie geben wird, ist Schlager und das Beste der 80er, 90er und von heute“, erklärt Raddatz, „genauso wenig wie politisch fragwürdigen Scheiß“.

Als Programmauszug für Oktober bedeutet dies Tim Boo Ba (8.10.), der Shoegaze Punk Rock ’n’ Roll-Abend „Satan Said Dance“ (15.10.) oder Elevate Ecky (21.10.). Immer sonntags ab 15 Uhr legen DJs auf.

Text: Ole Masch / Foto: HFR

Salon Stoer
Fischmarkt 6
Mo-Sa ab 14 Uhr, So ab 9.30 Uhr

 

Hamburger Start-ups, die man kennen sollte

Wo brodelt es gerade in der Hamburger Gründerszene? Ein Gespräch mit Wolfgang Wopperer-Beholz (betahaus) und May-Lena Bork (nextMedia.Hamburg)

Ende September fand das scoopcamp in der HafenCity statt. Bei der Innovationskonferenz für Medien treffen Journalisten auf Programmierer und Produktentwickler um über die Zukunft der Berichterstattung zu verhandeln. Auch die Start-ups der Digitalwirtschaft standen im Mittelpunkt. Wir haben uns in der Mittagspause mit Wolfgang Wopperer-Beholz, Mitgründer des betahaus Hamburg und May-Lena Bork, Leiterin nextMedia.Hamburg StartHub getroffen, um über die Hamburger Szene zu sprechen.

Kurz erklärt: Was macht das betahaus Hamburg?

Wolfgang Wopperer-Beholz: Das betahaus ist Hamburgs erster und bekanntester Coworking Space. Uns gibt es seit 2010. In dieser Zeit haben wir gezeigt, dass Höhen und Tiefen, Mut und auch ein bisschen Naivität zum Gründen dazugehören – wir haben klein angefangen, sind durch Pleite und Neustart gegangen, enorm gewachsen und inzwischen einer der wichtigsten Start-up-Hotspots Hamburgs. Demnächst veranstalten wir z. B. eine Fintech Week mit vielen bekannten Start-ups und Branchengrößen. Und das betahaus ist zu einem Sinnbild dafür geworden, was Tolles passieren kann, wenn Gründer sich vernetzen, wenn zum Beispiel Storyteller neben Technologie-Experten sitzen.

Und wofür steht der nextMedia StartHub?

May-Lena Bork: nextMedia.Hamburg ist die städtische Clusterinitiative und Hauptanlaufstelle für die Medien- und Digitalwirtschaft. Unser Fokus liegt auf der Verbindung von Content und Technologie. Wir sind überzeugt davon, dass in der Verbindung dieser beiden starken Branchen für den Standort besonders viel Musik drin ist. Den StartHub haben wir vor eineinhalb Jahren aufgebaut und wir betreuen Start-ups mit digitalen Geschäftsmodellen am Standort – wir bieten eine Orientierungsberatung und Vernetzung mit den relevanten öffentlichen und privaten Partnern in der Stadt.

Wie steht es um die Hamburger Gründerszene?

May-Lena Bork: Es tut sich extrem viel. Was in den letzten zehn Jahren am Standort passiert ist, ist beeindruckend. Es gab immer spannende Start-ups in Hamburg – Parship ist hier groß geworden. Oder MyTaxi. Oder Jimdo. Aber die Szene war lange so klein, dass sich kein komplettes Ökosystem darum gebildet hat. Und Hamburg hat sich lange nicht als Start-up-Standort verkauft. In den letzten zwei Jahren hat sich nun ein richtiges Ökosystem aufgebaut. Es gibt jetzt viele digitale Gründer, Initiativen und Veranstaltungen drumherum – und Unternehmen aus der Privatwirtschaft, die sich einbringen. So ist eine lebendige und aktive Startup-Szene entstanden. Einen guten Überblick darüber bietet der Hamburg Startup

Hamburg Start-up Monitor
Hier können sich Start-ups ein Profil anlegen und man hat einen guten Überblick, was gerade in der Szene passiert. Im Moment sind hier 560 digitale Start-ups eingetragen. Aber es wird noch eine große Dunkelziffer geben.

An welchen Orten trifft sich diese Szene?

May-Lena Bork: Das sind vor allem Co-Working-Spaces wie das betahaus, die Pioniere in Hamburg. Aber es gibt mittlerweile noch viel mehr, auch außerhalb der Schanze und anderer Szeneviertel: Das Shhared in Bahrenfeld ist z.B. sehr international ausgerichtet. Rockzipfel richtet sich an Mütter mit kleinen Kindern. Und Mindspace, ein Unternehmen aus Israel, hat gerade am Rödingsmarkt ein riesiges Gebäude zum Coworking Space umgebaut. An diesen Orten finden viele Netzwerk- und Pitch-Events statt, auf denen Startups gute Kontakte knüpfen können.

Co-Working-Map

Gibt es so etwas wie die drei goldenen Regeln beim Gründen?

May-Lena Bork:

  1. Bau ein gutes Produkt! Du brauchst eine gute Idee dahinter.
  2. Such dir ein gutes Team. Versuch nicht alles alleine zu machen. Such dir Leute, denen du vertraust und mit denen du gemeinsam dein Projekt vorantreiben kannst. Es gibt so viele Einzelkämpfer, die sagen: das ist meine Idee. Aber das ist häufig schwierig.
  3. Rede drüber! Wenn du so weit bist, dass du etwas vorzeigen kannst, dann nutze das Netzwerk. Erzähle den Leuten was du machst, wen du suchst, was du brauchst.

Mit welchen Innovationen kann man in Zukunft am Gründungsstandort Hamburg rechnen?

Wolfgang Wopperer-Beholz: Im betahaus haben wir gerade viele extrem fitte und erfahrene Entwickler, die für Größen wie Apple arbeiten. An einem unserer Briefkasten prangt ein „Niantic“-Schild – die Firma, die Pokémon Go entwickelt hat. Ich bin gespannt, was sich aus dieser „Ursuppe“ entwickelt…

May-Lena Bork: Es gibt einige Branchen, in denen gerade viel passiert. Die Bereiche E-Commerce, Medien und Gaming sind traditionell stark in Hamburg. Dazu tut sich gerade extrem viel im Bereich Life-Science speziell im E-Health-Bereich. Stichwort: digitale Gesundheitsakte. Ein Start-up, das im Moment auch viel Beachtung bekommt, ist die Firma SpiceVR mit ihrer Virtual-Reality-Drohne Spherie. Die hatten wir im März auch mit beim SXSW in Austin, Texas und dort konnten sie gute Kontakte in den USA knüpfen. Innovative Ideen entstehen oft an der Hochschule. Mit dem Startup Dock, der Technischen Universität Hamburg und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften haben wir hier einige Einrichtungen, die ihre Studierenden auch sehr fördern bei der Gründung.

Eure jüngste digitale Start-up-Neuentdeckung?

May-Lena Bork: Ich versuche immer alles auszuprobieren. Als Medien-Startup finde ich Pocketstory  total spannend, das ist so ähnlich wie Blendle. Man kann einzelne Artikel kaufen, anstatt immer gleich die ganze Zeitung oder Zeitschrift. Und ich bin gespannt auf die Entwicklung von Baqend, die gerade den Startups@Reeperbahn Pitch gewonnen haben. Das Start-up kommt frisch von der Uni und will mit neuer Technologie die Ladezeiten von Websites verkürzen – insbesondere für E-Commerce-Unternehmen ein großes Thema.

Wolfgang Wopperer-Beholz: Wish Technologies aus dem betahaus. Die haben eine Infrastruktur dafür entwickelt, über Messanger-Apps Anbieter physischer Produkte mit deren Kunden zusammenzubringen. Das ist auf alle möglichen Bereiche anwendbar, getestet haben sie das Konzept mit „Veloyo“ – quasi ein Fahrrad-Reperatur-Service, den man über das Handy bestellt.

Wolfgang, du probierst dich selbst mit neuen Geschäftskonzepten aus, hast beispielsweise den Zweimeilenladen als Pop-up-Store am Grünen Jäger umgesetzt. Was sind deine Erfahrungen mit temporären Konzepten?

Start-ups sind systematische Experimente, um skalierbare Geschäftsmodelle zu finden. Aber nicht jedes Experiment muss das Ziel haben, dass etwas Skalierbares dabei herauskommt. Ich kann jedem nur raten, immer wieder kleine und temporäre Experimente zu machen, um zu lernen und auf neue Ideen zu kommen. Aber jeder, der ein echtes Startup gründet, muss sich bewusst sein: Es ist nicht mehr 2007, und es lauert nicht hinter jeder Ecke das nächste Twitter oder Facebook. Gründer müssen methodisch und auf hohem Niveau arbeiten, mit Dilettantismus kommt man heute nicht mehr so weit wie vielleicht noch vor zehn Jahren.

May-Lena Bork: Sehr spannend finde ich in dem Zusammenhang das Greenhouse Innovation Lab, das Gruner und Jahr in der Schanze aufgebaut hat. Die testen eine Idee systematisch drei Monate lang auf Herz und Nieren, bevor darüber entschieden wird, ob sie weiter verfolgt wird oder nicht.

Was kann Hamburg von anderen starken Gründungsstandorten wie Berlin lernen?

May-Lena Bork: Ich bin kein großer Fan vom Hamburg-Berlin-Vergleich. Ich bin der Meinung, dass Hamburg und Berlin so nah beieinander liegen, dass es kein Gegeneinander sondern Miteinander ist. Das sind nur 1,5 Zugstunden. Beide Orte haben Stärken und Schwächen. Berlin ist im VC-Bereich extrem gut aufgestellt. Hamburg hat dafür eine stark etablierte Wirtschaftsstruktur. Start-ups können beides gut gebrauchen, also warum sollen sie sich entscheiden?

Wolfgang, du bist gelernter Philosoph und ungelernter Unternehmer. Welche Erfahrungen hast du damit, als Quereinsteiger zu gründen?

Wolfgang Wopperer-Beholz: Ich habe Abitur gemacht in Geschichte, Altgriechisch, Physik und Katholischer Religionslehre. Es ging also um die „großen Fragen“. Deshalb habe ich anschließend auch Philosophie studiert. Dann kam das Internet um die Ecke. Das hatte zwar keine Antwort auf die großen Fragen, aber mir war schnell klar: Das wird das Medium, in dem wir künftig alle großen Fragen verhandeln werden. Und weil es gleichzeitig ein irres Spielfeld ist, wurde ich Unternehmer in diesem Feld. Meine Ausbildung im Denken kann ich dabei heute oft im Berufsalltag anwenden.

Interview: Lena Frommeyer
Foto: Johannes Arlt