Hamburger des Monats – Anne de Wolff

Die Musikerin Anne de Wolff spielte schon mit Popgrößen wie Bosse, Elif oder BAP zusammen. Eines ihrer Herzensprojekte neben der Musik ist das Benefizkonzert der Stiftung „Initiative Courage“

Interview: Hedda Bültmann
Foto: Rene van der Voorden

SZENE HAMBURG: Anne, du hast ja einen traumhaften Wintergarten hier bei dir zu Hause …

Anne de Wolff: Danke. Ja, hier haben wir auch schon oft geprobt. Zum Beispiel mit Bosse die „Leise Landung“. Oder mit Mark Forster das zdf@bauhaus. Mit Elif, mit Tokunbo, Stoppok und sogar mit BAP. Natürlich alles nicht in voller Lautstärke. Aber dennoch: Wir haben sehr freundliche Nachbarn, die das geduldig aushalten.

Erzähl doch mal, was du als Musikerin genau machst.

Ich bin Multi-Instrumentalistin. Angefangen hat alles mit der Geige, doch da fühlte ich mich später musikalisch zu sehr eingeschränkt. Nicht jede Band braucht in jedem Song ein Geigengeräusch, deshalb hatte ich schnell Lust, meine klangliche Bandbreite zu erweitern und es kamen unter anderem Bratsche, Akkordeon, Percussion, Cello, ein bisschen Gitarre, Mandoline und Posaune dazu.

Du spielst nicht nur auf der Bühne, sondern arbeitest auch im Studio, das praktischerweise auch hier im Hause ist …

Genau. Vieles nehme ich hier zusammen mit meinem Mann Ulle (Gitarrist Ulrich Rode, Anm. d. Red.) auf. Es kommen oft Musiker zu uns, die noch Farben für ihr Album suchen, so wie letzte Woche zum Beispiel Fayzen. Für Niels Frevert und Johannes Oerding haben wir gerade ein paar Streicher aufgenommen. Momentan bereiten wir das neue BAP-Album vor.

 

Hdm-Anna-de-Wolff

In ihrem Wintergarten hat Anne de Wolff (48) schon mit Bosse geprobt

 

Hast du dir schon einmal gewünscht, du hättest einen anderen Beruf?

Nein, Musik spielte schon in meiner Kindheit eine wichtige Rolle und ließ mich seitdem nie los. Dazu kam noch ein bisschen Glück. Eigentlich hätte ich nie gedacht, dass ich von Musik leben kann – erst recht nicht so lange. Ich dachte früher, Popmusik wäre eher etwas für junge Frauen, da ich quasi keine Instrumentalistinnen jenseits der 40 kannte.

Leider gibt es aber generell einfach ziemlich wenige „Sidefrauen“ – ich frage mich immer, warum? Mittlerweile spiele ich mit vielen unglaublich tollen, zum Teil auch erheblich jüngeren Musikern und Musikerinnen und empfinde dies als sehr bereichernd. Man kann sich gegenseitig inspirieren und voneinander lernen.

Ein anderes Thema. Du bist Schirmherrin der Stiftung Initiative Courage. Wie kam es dazu?

Ich habe die Initiatorin dieser Stiftung, Karin Schmedt, kennengelernt. Und als wir uns unterhalten haben, sprach sie mir so aus der Seele: Ich finde es schlimm, dass Leute sich die ganze Zeit über Missstände beschweren, ohne selbst initiativ zu sein. Dieses passive Gemecker strengt mich an. Ich habe lange nach etwas gesucht, wo ich mich engagieren kann.

Was macht die Stiftung?

Sie schenkt Kindern, denen das nicht möglich ist, schöne Momente. Momente, in denen sie respektiert und wertgeschätzt und dadurch gestärkt werden. Karin macht das beispielsweise für Kinder in Kinderheimen und für Flüchtlingskinder. Aber auch für Kinder, die es offensichtlich zuhause schwerer haben. Damit sie merken, dass es auch Gutes gibt.

 

Fußball-Camps und Reisen ins Wunderland

 

Welche Momente sind das?

Sie betreut mehrere kleinere Initiativen, für die sie Geld sammelt. Es gibt zum Beispiel ein Fußballcamp und die „Wunderlandreisen“, bei denen die Kinder aus schwierigen Verhältnissen mit ihren Familien eine Woche in den Urlaub fahren können. Es gibt Trommelgruppen und auch eine Zusammenarbeit mit der HipHop Academy. Diese Aktionen unterstützen wir mit dem Geld, das wir unter anderem bei dem jährlichen Benefizkonzert einnehmen.

Und die Organisation des Konzertes ist dein Part …

Genau. Ich kümmere mich um die Bands und stelle das Programm auf. Und natürlich wickle ich die Koordination im Vorfeld ab. Woher kommt der Flügel, wer sponsert den, wie bekommen wir ihn in unsere Location, die Markthalle? Ist der Fahrstuhl groß genug? Es ist übrigens ganz wundervoll, wie schnell alle Musiker immer Lust hatten, dabei zu sein. Das waren in den letzten Jahren unter anderem Aino Löwenmark, Jon Flemming Olsen, das Tingvall Trio, von Brücken, Johannes Oerding, Fayzen, Tokunbo, Diane Weigmann, Phil Siemers …

Die Markthalle steht ja unter anderem auch für soziale Nachhaltigkeit. Eine perfekte Partner-Location …

Die Markthalle ist so großartig und unterstützt uns seit Anfang an – jetzt schon das fünfte Jahr. Bis 2018 war das Konzert eher eine Veranstaltung für Sponsoren, in diesem Jahr wollten wir das Ganze öffnen, um auch andere Menschen für das Thema zu sensibilisieren und weitere Spenden zu generieren. Wir hatten Spendenboxen aufgestellt, und die Eintrittsgelder gingen komplett an die Stiftung. Es war toll, mit den Leuten von der Markthalle zusammenzuarbeiten. Die haben uns den kompletten Tag alles für einen sehr geringen Unkostenbeitrag für Personal zur Verfügung gestellt.

Zurück zum passiven Meckern: Woran liegt es, dass viele Menschen zwar ständig nörgeln, aber nicht aktiv werden?

Gefühlt prasseln auf uns täglich Unmengen von Geschichten ein über Gewalttaten, Umweltsünden, Kriege und Menschen, die betrügen oder schlecht zueinander sind. Zudem fällt es immer schwerer, Dinge in Gut oder Böse einordnen zu können, da alles unheimlich komplex ist in diesen Zeiten der Globalisierung und des Internets. Angesichts dessen fühlt man sich oft überfordert und neigt dazu, immer misstrauischer zu werden. Daraus entstehen dann oft diese Wut und Hilflosigkeit, die unser Leben eigentlich traurig macht, weil das Geschimpfe am Ende nur uns selbst schadet.

Hast du einen Vorschlag, wie es besser gehen kann?

Ich halte es für ganz wichtig, trotz allem davon auszugehen, dass die meisten Menschen gut sind. Dabei hilft ungemein, selbst die Initiative zu ergreifen, sich im Kleinen irgendwie zu engagieren. An jeder Ecke gibt es Gruppierungen, man kann sich etwas aussuchen, das einem liegt. Das könnte das Einkaufen für eine Oma sein und Gespräche mit ihr. Man verbessert so nicht nur das soziale Miteinander, sondern auch das eigene Leben. Man lernt andere tolle, liebevoll engagierte Menschen kennen und spürt die Dankbarkeit und Freude der Menschen, die man unterstützt. Diese kleinen Dinge machen am Ende das große Ganze aus und damit unsere Welt besser.

Annedewolff.de

Sic-stiftung.de


Szene-Hamburg-juni-2019 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Top 10 – Hier esst ihr euch auch nach 23 Uhr satt

Hungrig durch die Nacht: Egal ob Pizza, Schnitzel oder Fine Dining – unsere Top 10-Liste zeigt euch, wo ihr in Hamburg auch nach 23 Uhr noch satt werdet

Text: Denise Wachter

1) Erikas Eck – Zu Gast bei der Schnitzelkönigin

Wer durchzechte Nächte und Schnitzel liebt, der ist im Erika’s Eck richtig. Eine Institution in Ham­burg. Das Ambiente ist hier noch genauso wie vor 40 Jahren: Rustikal, als wäre die Zeit einfach ste­hengeblieben. Heute ist das Erika’s Eck eine der letzten Schlachterknei­pen, die es früher rund um den Fleischgroßmarkt zuhauf gab. Wer also auf Schnitzel steht, kann aus neun (!) verschiedenen Varianten wählen: vom Jäger­schnitzel XL mit Champignonsauce (11,90 Euro) über Schnitzel „Hawaii“ mit Currysauce, Ananas und Käse (12,50 Euro) bis zum Schnitzel à la Hol­stein mit Spiegelei (12,50 Euro).

Erikas Eck: Sternstraße 98 (Sternschanze)

 

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2) Falafelstern – Shabby, aber super!

Um es kurz zu machen: Der Falafelstern sieht zwar „shabby“ von außen aus, hier sollte man sich aber ausnahmsweise nicht von der Optik beeinflussen lassen. Denn sogar schwer zu überzeugende Lands­frauen und Landsmänner sind von den libanesi­schen Kichererbsen­-Bällchen im Brot begeistert, die hier über den Tresen wandern. Und wer so­wieso von der S­-Bahn­-Station Sternschanze kommt, sollte sich hier einen Mitternachtssnack nicht ent­gehen lassen. Die gibt es entweder auf dem Teller mit verschiedenen Mezze oder klassisch im Fla­denbrot. Die komplette Palette von Mezze wie Babaganoush (Auberginenmus), Hummus, Weißkohl, Taboulé, und vieles mehr wird alles ins Brot gestopft. Kos­tenpunkt: schlappe 3,50 Euro. Die ideale Stärkung für eine Hamburger Nacht.

Falafelstern: Schanzenstraße 11 (Sternschanze)

 

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3) Fischmarkt – Ultimatives Hamburg-Programm

Der letzte Bissen aus der Kleinen Pause ist schon ein paar Stunden her, die aufgehende Sonne färbt den Himmel über dem Hafen kitschig rosarot. Es ist Sonntag, fünf Uhr morgens. Nach Hause gehen? Auf gar keinen Fall. Denn jetzt beginnt der Tag erst einmal mit einem herzhaften Fischbrötchen. Und wo könnte man dies besser verzehren als auf dem Hamburger Fischmarkt? Hier finden Hungrige aber nicht nur Fisch, sondern auch Eimer mit frischem Obst, die zum Brunch einen guten Obstsalat hermachen. In der Fischauk­tionshalle nebenan gibt es übrigens nachts schon heiße Bratkartoffeln, Bier und Livemusik. Jeder Hamburgtourist sollte das einmal erlebt haben …

Fischmarkt: Große Elbstraße (Altona-Altstadt)

 

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4)  Heldenplatz – Hier essen nachts die Köche

OMG! Hier gibt es wirklich nichts zu meckern. Markus und Julia Hampp wissen, wie sie die Hamburger begeistern können. Und zwar mit Casual Fine Dining – und das bis spät nach Mitternacht. Hier gibt es unkomplizierte, sai­sonale und handwerklich gut zubereitete Lecker­bissen. Köstlichkeiten wie Entenleber­-Terrine, Rindertatar, Weißweinrisotto und Jakobsmuscheln, kreativ angerichtet, verzü­cken hier. Zum Abschluss gibt es Blaubeer­-Küch­lein oder Allgäuer Bergkäse. Das Besondere? Die Öffnungszeiten. Endlich gibt es eine Fine­Dining­ Adresse, die nicht nur sonntags geöffnet hat, son­dern auch bis zwei Uhr nachts die Küche warm hält.

Heldenplatz: Brandstwiete 46 (HafenCity)

 

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5) Jim Burrito’s – Scharfe Soße als Wachmacher

Der Imbiss mit den rustikalen Tischen am Schul­terblatt hat sich auf mexikanisches Essen spezia­lisiert, das des Nachts die Seele extrem glücklich macht: Die Quesadilla mit frischen Pilzen und Tomaten ist saftig, der Käse läuft an den Seiten he­runter. Genau das Richtige bei ein paar Promille. Die Guacamole ist natürlich selbstgemacht und die Pico de Gallo, die legendäre scharfe Toma­tensauce mit Koriander, Zwiebeln, einem Spritzer Zitrone und viel Chili von Jann Bövers und Ri­carda Rowald, sind im Nu verspeist. Das Beson­dere? Bei Jim Burrito’s wird alles in Eigenproduk­tion gemacht, von den Saucen bis zu den Tortil­las. Und das macht uns nachts für kleines Geld extrem froh. Die Steak­-Enchilada wird übrigens mit einer feurig­scharfen Schokosauce gereicht.

Jim Burrito’s: Schulterblatt 12 (Sternschanze)

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6) Kleine Pause – Heißer Scheiß

Eigentlich wollte ich Burger und Pommes bestel­len. Doch dann rät mir die freundliche Bedienung zum hausgemachten Labskaus. Ein Fehler – denn die Kleine Pause ist seit 1986 unter Nachteulen für Burger, Pommes und Curry­wurst bekannt. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich schon so satt bin, aber die Matsche aus gepökeltem Rindfleisch, Roter Bete, Salzgurken, Zwiebeln, Matjes und Kartoffeln geht einfach in dieser Nacht nicht mehr rein. Das Labskaus fin­det am Ende aber doch noch eine Abnehmerin. Eine junge Frau schmiert es sich verzückt auf den Burger. Solche Dinge erlebt man halt nur nachts… Ansonsten im Verpflegungsangebot der Kleinen Pause: Sämtliche nur denkbare Burgervarianten, aber auch Fischfrikadellen und sogar Fischstäb­chen. Dazu gibt es sehr günstige Caipis oder ein Bier vom Fass.

Kleine Pause: Wohlwillstraße 37 (St. Pauli)

 

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7) Pizza Pazza – Pizza am laufenden Meter

Schon vor der Tür des Pizza Pazza riecht es nach frisch gebackenem Teig, Tomatensauce und einer leichten Note von verbrannten Pizzarändern.  Apu em­pfiehlt mir die „Speziale“ mit Pilzen, Schinken, Salami und Frühlingszwiebeln. Ich bestelle die XXL­-Variante und staune: Die Pizza misst fast ei­nen Meter! Allein schaffe ich diese Meterware auf keinen Fall. Aber keine Sorge. Dankbare Abneh­mer finden sich ganz in der Nähe. Wir befin­den gemeinsam: Der Boden ist dünn, die Toma­tensauce cremig, dazu ein knuspriger Rand. Nur etwas mehr Käse dürfte es sein … Die Kreationen von Pizza Pazza sind nicht teuer und durchaus originell. Den Abend weiter ankurbeln kann man zum Beispiel mit interessanten Longdrinks mit Rosmarin oder frischer Orange.

Pizza Pazza: Schulterblatt 69 (Sternschanze)

 

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8) Köz Urfa – Wie nachts in Istanbul

Wer schon einmal nachts in einer türkischen Groß­stadt unterwegs war, weiß: Gutes Essen gibt es rund um die Uhr. Der Holzkohlegrill kühlt nie ab, auch weit nach Mitternacht herrscht eine ausgelassene Futter­atmosphäre. Hamburg liegt vielleicht ein paar Kilometer außerhalb der Türkei – doch im Köz Urfa am Altonaer Bahnhof fühlt man sich di­rekt wie im pulsierenden Herzen Istanbuls. Die Portionen sind üppig, die Fleischspieße aus Lamm oder Hack kross gebraten, die Atmosphäre authen­tisch. Und das beste: Die Küche schließt erst um drei Uhr nachts. Zeit also, um sich während einer wilden Nacht mit Lammkotelett mit Joghurtsoße, frischem Salat oder Gemüsespießvaria­tionen zu stärken.

Köz Urfa: Paul-Nevermann-Platz 2-4 (Altona-Nord)

 

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9) Schmitt Foxy Food – Einmal Currywurst, bio bitte!

Für Veganer gibt es hier in der Susannenstraße eine fleischlose Currywurst, die schmeckt aber eher ein wenig nach Pappkarton mit Kümmel. Also, deshalb lieber zur echten Currywurst greifen. Die hausgemachte Sauce prickelt vor Schärfe ein wenig auf der Zunge, die Bratwurst ist saftig und herzhaft. Die Jungs von Schmitt Foxy Food kommen ohne Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker wie Glutamat aus, außerdem beziehen sie ihr Fleisch vom Biobauern in der Nähe von Hamburg. Das schmeckt man auch nach einigen Bieren noch als Qualitätsbonus heraus. Auch nett: Saisonal gibt es verschiedene Schmankerl, im Winter wärmt die Wildschweinbratwurst, im Sommer gibt es Thai-Griller im Angebot.

Schmitt Foxy Food: Susannenstraße 1 (Sternschanze)

 

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Lecker Currywurst mit Pommes! Das geht einfach immer! #currywurst #pommes #food #wurst #sausage #fries #frenchfries #delicious #Hamburg #schulterblatt

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10) Schweinske St. Pauli – Das echte Leben auf St. Pauli

Die Filiale auf der Reeperbahn ist wirklich unterhaltsam. Neben lustig benannten Riesenportionen mit Schnitzel und Pommes ist hier allein die Dekoration – vor allem mit höherem Promillestand – bemerkenswert: Schweine baumeln von der Decke, auch in Lederkluft, und neben Partygängern mischen sich die Polizisten von der Davidwache unter die Hungrigen. Um es kurz zu machen: Hier kann man das echte Leben beobachten. Am Freitag und am Samstag hat die Filiale bis zwei Uhr nachts geöffnet. Es gibt eine offene Show-Küche, so dass man das eigene Essen immer im Blick behalten kann. Vom Holzfällersteak bis zu kleinen Schweinereien wie Burger oder Currywurst gibt es hier alles, was man braucht, um eine Grundlage zu schaffen. Übrigens: Das Schweinske ist auch bekannt für ein ordentliches Frühstück.

Schweinske St. Pauli: Reeperbahn 157 (St. Pauli)

Schweinske-St.Pauli


SZENE-HAMBURG-Essen+Trinken-To-Go Diese Topliste stammt aus dem Gastro Guide: Essen + Trinken to go, 2018/2019 – der Guide ist zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!


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Der Gewerbehof Hagen ist bedroht von einem Rechtsstreit

Ein Poller in der Einfahrt zum Ottenser Gewerbehof Hagen ist zum Symbol eines jahrelangen Rechtsstreites zwischen zwei Vermietern geworden. In der Schusslinie: 80 ansässige Künstler, Handwerker und Kleingewerbetreibende

Text & Fotos: Sophia Herzog

An einem Backsteingebäude in der Ottenser Straße Hohenesch flackert ein Banner im Wind: „Gewerbehof Hagen bleibt!“. Seit den 30er Jahren ist das Gelände im Besitz der Familie Hagen, die heute als Hagen Verwaltung GbR agiert, und seitdem einer der wenigen Ottenser Hinterhöfe, in denen Kleingewerbe ohne Angst vor Verdrängung existieren konnte, denn die Mieten sind seither bezahlbar.

Das führte dazu, dass sich hier eine vielfältige Mischung der Mieter eingefunden hat: Neben einigen Handwerkerbetrieben wie zwei Lampenherstellern und einer Siebdruckwerkstatt sitzen hier auch Landschaftsarchitekten, Designer, Schulen für Kunst, Tanz und Musik, ein Gitarrenbauer, ein Tonstudio, mehrere Künstler und die Suppenküche „La Cantina“, in der Menschen mit geringem Einkommen jeden Tag warmes Essen bekommen.

Rund 80 Gewerbetreibende sind insgesamt auf dem Hof beschäftigt, viele wohnen im Viertel und wissen die Nähe zum Arbeitsplatz sowie die günstigen Mieten zu schätzen. „Einen Hof wie unseren, in dem so eine vielfältige Mischung an Menschen zusammenarbeitet, gibt es in Ottensen kaum noch“, so Jan Hempel, der auf dem Hof eine Lampenmanufaktur betreibt. Doch seitdem die einzige Hofeinfahrt Ende Februar gesperrt wurde, droht die Hinterhofidylle, die hier viele Jahre herrschte, zu kippen.

 

 

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Einige Mieter müssen jetzt direkt auf der Straße statt im Hinterhof verladen, andere haben noch größere Sorgen: „Gewerbe wie der Getriebedienst, die hier hinten an Pkws arbeiten, machen erhebliche Verluste, seit niemand mehr auf den Hof fahren kann“, so Jan Hempel. „Lange ist dieser Zustand für uns nicht tragbar.“

Grund für die Sperrung der Hofeinfahrt ist ein langwieriger Rechtsstreit zwischen der Hagen Verwaltung GbR, der der Gewerbehof gehört, und den Eigentümern des Nachbargrundstücks – ein Streit, in dem sich die Aussagen beider Parteien oft widersprechen. Das Problem: Die Einfahrt liegt nicht etwa auf dem Grundstück des Gewerbehofs Hagen mit den Hausnummern 66-68, sondern auf dem benachbarten Grundstück Hohenesch 70-72.

Eine sogenannte Grunddienstbarkeit, die das Wegerecht für die Hagen Verwaltung GbR sichern würde, gibt es nicht – lange war im Grundbuch eine „Vormerkung der Grunddienstbarkeit“ eingetragen, bestätigt Jan Hempel. „Diese Vormerkung wurde in den 90er Jahren, aus nicht mehr rekonstruierbaren Gründen, ebenfalls gelöscht.“

Im zivilrechtlichen Verfahren, das zwischen den beiden Parteien läuft, pocht die Hagen Verwaltung GbR also auf ihr Gewohnheitsrecht: Schon seit Jahrzehnten nutzen die Mieter des Gewerbehofs sowie ihre Kunden diese Einfahrt, Probleme hätte es mit dieser Regelung nie gegeben, so Hempel – bis vor fünf Jahren ein Ehepaar das Nachbargrundstück erwarb. Schon damals wäre klar gewesen, dass die Kellerdecke und Stahlträger, die unter der Einfahrt liegen, durchgerostet und nicht dafür geeignet wären, darüber zu fahren, behaupten die Eigentümer.

Von besagter Einsturzgefahr hätten sie der Hagen Verwaltung GbR schon vor Jahren berichtet, diese hätte ihre Mieter aber nicht darüber informiert und die Nutzung mit Pkw weiterhin zugelassen, so das Ehepaar.

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Autos müssen draußen bleiben: Seit Februar ist die Einfahrt gesperrt

„Da wir in einem Schadensfall haften, sahen wir uns gezwungen, gegen die Hagen Verwaltung GbR zu klagen, um das Befahren unseres Grundstückes zu unterlassen.“ Dass die Eigentümer des Nachbargrundstücks von Anfang an gesagt hätten, dass die Einfahrt einsturzgefährdet ist, bestätigt auch die Hagen Verwaltung GbR.

Ein Gutachten, das die Einsturzgefahr belegt, wäre ihnen aber nie vorgelegt worden. „Da die Eigentümer des Nachbargebäudes die Einfahrt immer selbst genutzt haben und ihre Hofstellplätze für Fahrzeuge vermietet haben, sind wir davon ausgegangen, dass der Zustand der Kellerdecke als Druckmittel genutzt wird“, so die Hagen Verwaltung GbR.

2017 startete ein Mediationsverfahren zwischen den beiden Parteien. Einigung versprach eine neue Einfahrt, die durch das Vorderhaus des Gewerbehofs gebaut werden sollte. „Vertrauend auf den vor Gericht beschlossenen Kompromiss mit der Hagen Verwaltung GbR, eine eigene Zufahrt auf dem Grundstück Hohenesch 66-68 errichten zu wollen, haben wir die Überfahrt während der dreijährigen Mediationsgespräche nicht gesperrt“, sagen die Eigentümer des Nachbargrundstücks.

Die Hagen Verwaltung GbR reichte einen Bauantrag ein. Anfang Februar dieses Jahres stimmte dann das Bezirksamt dem Vorhaben zwar zu, der Bauausschuss lehnte den Antrag jedoch einstimmig ab – weil die Bausubstanz alt und die Kosten für eine neue Einfahrt unkalkulierbar wären, so Jan Hempel. „Unser Anliegen war es, den Gewerbehof ökonomisch nicht zu gefährden“, betont auch Christian Trede von der Bezirksfraktion der Grünen, der im Bauausschuss sitzt.

Wenige Wochen nach diesem Beschluss tauchte dann der Poller in der Einfahrt auf – nach einer Ortsbesichtigung habe das Bauamt die Durchfahrt aufgrund der einsturzgefährdeten Kellerdecke gesperrt, sagen die Eigentümer der Hausnummern 70-72. „Dem Bauamt liegen dazu zwei statische Berechnungen vor, die belegen, dass die Hofkellerdecke bei Befahren mit Kraftfahrzeugen einsturzgefährdet ist.“ Die Mieter der Hagen Verwaltung GbR dürften die Durchfahrt weiterhin zu Fuß, mit Fahr- oder Motorrädern überqueren.

„Wir bemühen uns seit Jahren, eine tragfähige Lösung für die Gewerbemieter zu erreichen.“ Deshalb hätten sie im Zuge der Mediation auch zugesagt, die Kostendifferenz zu übernehmen, falls die Herstellung der neuen Tordurchfahrt 100.000 Euro übersteigen sollte. „Auch für eine Zwischenlösung bis zur Herstellung der Tordurchfahrt sind wir weiterhin offen.“

Laut Jan Hempel hätte die Hagen Verwaltung GbR angeboten, die Kellerdecke für die Pkw-Nutzung auf eigene Kosten zu sanieren, damit die Mieter die Einfahrt wenigstens bis zu einer Entscheidung im zivilrechtlichen Prozess nutzen könnten. Diesen Vorschlag hätten die Eigentümer des Nachbargrundstücks aber abgelehnt.

 

Gewerbehof-Hagen-2-c-Sophia-Herzog

In diesem Hinterhof arbeiten Künstler und Handwerker

 

Erst einmal bleibt der Poller – ob die Mieter des Gewerbehofs die Einfahrt irgendwann wieder dauerhaft befahren dürfen, klärt sich im laufenden Rechtsstreit zwischen den beiden Parteien. „Aber das kann noch Jahre dauern“, sagt Jan Hempel. Ein Gewerbehof ohne Zufahrt könne sich so lange nicht halten, „die Sperrung bedroht jetzt unsere Existenz“. Das bestätigt auch Robin König, der auf dem Hof eine Gitarrenwerkstatt führt.

„Wenn die Einfahrt nicht frei wird, dann werden hier einige gehen müssen“, fürchtet er, „und bezahlbare Mieten in so einer Lage, wie sie die Hagen Verwaltung GbR anbietet, findet man kaum noch.“

Mit einer Petition wollen die Mieter des Gewerbehofs jetzt öffentliches Aufsehen auf den Konflikt lenken. „Wir kriegen unheimlich viel Zuspruch aus dem Viertel“, erzählt Jan Hempel. „Es schauen immer wieder Nachbarn vorbei und bieten ihre Unterstützung an.“ Um die laufenden Kosten für den Rechtsstreit zu decken, hätte die Hagen Verwaltung GbR auch die Miete etwas erhöht. „Es ist schon ungewöhnlich, dass wir einen Vermieter haben, der sich so für uns einsetzt“, so Hempel.

Denn die Hagen Verwaltung GbR hätte den Hof längst schon verkaufen können. „Deshalb ist es für uns auch selbstverständlich, ihr mit etwas mehr Mieteinkommen den Rücken zu stärken.“

Auch die Lokalpolitik, insbesondere die Abgeordneten aus dem Bauausschuss, versuchen inzwischen zu vermitteln, um so doch noch einen Kompromiss zu finden. „Wir kümmern uns seit Jahren darum, Gewerbeflächen wie auf dem Hof der Familie Hagen zu schützen“, betont der Grünen-Politiker Christian Trede. „Die Mischung aus Wohnen und Gewerbe in einem bunten Viertel wie Ottensen müssen wir unbedingt erhalten.“

 

„Wir lassen uns nicht alles gefallen“

 

Sven Hielscher, der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion in Altona und Vorsitzender des Bauausschusses, ist ähnlicher Meinung: „Kleine Gewerbe stehen durch den Bauboom in Hamburg natürlich unter Druck“, so Hielscher. „Sie sollen aber nicht aufgrund von teurem Wohnungsbau an den Stadtrand verdrängt werden.“

Egal, welcher Seite das Gericht letztendlich Recht geben wird: „Das Ziel ist völlig eindeutig, das Gewerbe im Hof zu schützen“, so Hielscher. Denn die Mieter seien im Streit zwischen den Eigentümern des Nachbargrundstücks und der Hagen Verwaltung GbR nur die Dritten im Spiel, die wenig Einfluss auf ihre Situation nehmen könnten.

Kommt keine Einigung zustande, würde der Bauausschuss auch in Betracht ziehen, dem Bauantrag für die neue Durchfahrt doch noch stattzugeben, so Hielscher. Eine Zufahrt muss in jedem Falle her: „Die Hagen Verwaltung GbR hat auch eine mietrechtliche Verpflichtung, einen Zugang zum Hof zu gewährleisten.“

Die Stimmung unter den Mietern des Gewerbehofs bleibt derweil angespannt, aufgeben wollen sie trotzdem nicht. „Durch diesen Konflikt sind wir noch enger zusammengewachsen“, fügt Jan Hempel hinzu. „Wir lassen uns nicht alles gefallen.“

Gewerbehof Hagen: Hohenesch 64-68 (Ottensen)


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Tribe Yoga Base: Hamburgs erstes Yoga-Café

Neueröffnung in Eimsbüttel: Die Tribe Yoga Base im Weidenstieg serviert als erstes Yoga-Café in Hamburg Kaffee, Kuchen und kleine Gerichte nach dem Sonnengruß

Text & Fotos: Laura Lück

TribeYogaBase_Hamburg_SmoothieBowl

Die Berry Boost Smoothie Bowl

„Do you have to, do you have to let it lingeeeer“ säuselt eine poppige Männerstimme, während vier Frauen an diesem Donnerstagmittag versuchen eine Position zu halten, die sich Halbmond nennt. Noch drei Atemzüge lang – also: linger on. Bewusstes Atmen ist Übungssache. Währenddessen auf einem Bein stehend Hüften und Schultern in einer Art Standwaage zu öffnen, ohne dabei den Halt zu verlieren, macht die Sache nicht leichter.

Hilfestellung in Sachen Atmen, Schwitzen und Halbmond bietet nun die frisch eröffnete Tribe Yoga Base in Eimsbüttel mit einem in Hamburg bisher einzigartigen Konzept: dem Yoga Café. Die leckeren Smoothie-Bowls, Brote oder Kaffee und Kuchen muss man sich erst verdienen. Sie werden zum Beispiel nach dem Lunch Flow, der montags bis freitags von 12:30 bis 13:30 Uhr stattfindet, frisch zubereitet. Es gibt aber auch Morgen- und Feierabend-Angebote – je nachdem, wann die Atempause sich am besten in den eigenen Alltag einbauen lässt.

Die erste Yoga-Erfahrung machte Inhaberin Laura mit einer Ursula-Karven-Videokassette ihrer Mutter, deren Übungen sie als Teenager auf dem Wohnzimmerteppich nachturnte. Den spirituellen Zugang fand sie einige Jahre später in einem Hamburger Yogastudio. Ihren 9to5-Job als Gesundheitswissenschaftlerin bei einer Versicherung hing sie nach der Yogalehrer-Ausbildung an den Nagel und erfüllte sich den Traum vom eigenen Studio mit Gastro-Konzept.

 

Schmieröl für Gelenke und Seele

 

TribeYogaBase_Hamburg_Café

Eine Lunchbar im Yoga Studio

Lauras Lunchflow ist nicht nur wie Schmieröl für Gelenke, Muskeln und Sehnen, sondern auch für die Seele. Das liegt nicht zuletzt am phänomenalen Interieur der Eck-Location mit den hohen Decken. Die ewige Weidenstieg-Baustelle rund ums Yoga Café nimmt man zwischen skandinavisch reduziertem Design, XL-Kronleuchter und frischen Blumen kaum wahr. In jedem Winkel steckt viel Liebe zum Detail: Es gibt nachhaltige Yoga-Leihmatten aus recycelbarem Material, dänisches Design-Geschirr und selbst die Toilette ist so schön, dass man fast einziehen möchte.

Die sprichwörtliche Kirsche auf der Torte ist hier übrigens eine Karotte. Der Carrot Cake wird zuckerfrei, vegan und ohne Gluten von der Smells Good Vegan Bakery auf St. Pauli gebacken  und ist so saftig und lecker, dass er notfalls to go mit ins Büro muss, wenn nach dem Hummusbrot kein Platz mehr im Magen bleibt.

Natürlich sind auch Nicht-Yogis eingeladen, das vegane Café zu besuchen. Aber Vorsicht: Wer einmal vorbeikommt, den treibt die Wärme und Schönheit dieses Ortes sicherlich zurück – oder direkt auf die Yogamatte. Neugierig? Perfektes Timing! Am 22. Juni gibt’s in der Tribe Yoga Base nämlich einen zweistündigen Workshop für Neu- und Wiedereinsteiger. Zur Anmeldung geht’s hier – jetzt oder nie!

Tribe Yoga Base: Weidenstieg 17 (Eimsbüttel)


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Das schräge Herz: Altona-Nord im Film-Porträt

Der Regisseur Christian Hornung porträtiert in „Das schräge Herz“ mit viel Charme die Einwohner und ehrenamtlichen Initiativen aus Altona-Nord. Ein Gespräch über den Blick hinter die Fassade eines zerfaserten Stadtteils

Text und Interview: Ulrich Thiele
Foto (o.): Christian Hornung

Während des Interviews wird deutlich, was sich auch im Film bemerkbar macht: Regisseur Christian Hornung ist eine zurückhaltende Person, niemand, der sich selbst gerne in den Vordergrund stellt, sondern lieber seine Bilder und Protagonisten sprechen lässt. Die „taz“ schrieb einmal über ihn, er könnte der Chronist Hamburgs werden. Darauf angesprochen, lacht er verlegen. Sicher, schmeichelhaft sei das, doch er wolle sich nicht auf Hamburg beschränken, sagt er – und im Subton schwingt mit, wie wenig er mit solchen Titeln anfangen kann. Wir treffen uns zum Gespräch in der Cantina im Gebäude der Genossenschaft Fux, die die Viktoriakaserne zu einem Künstlerhaus umgemodelt und in denen Hornung seine Arbeitsräume hat.

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Hatte bei der Produktion alles in der Hand: Christian Hornung / Foto: Nele Gülck

Christian, freust du dich schon auf die Altonale?

Klar, ich freue mich, dass der Film nochmal groß und Open Air gezeigt wird. Ursprünglich dachte ich, der Film würde einige Male bei Stadtteil-Veranstaltungen des Bürgertreffs Altona-Nord gezeigt werden. Die Altonale-Vorführung wird abends und unter der Woche sein – ich hoffe auf gutes Wetter und bin gespannt, wie viele Leute kommen.

Der Bürgertreff Altona-Nord hat den Film in Auftrag gegeben …

Genau, Doris Foitzik, die Geschäftsführerin des Bürgertreffs hatte die Idee für ein Stadtteilportrait, damit der Stadtteil für die Bewohner greifbarer wird. Altona-Nord ist sehr zerfranst und diffus. Mir ist beim Drehen aufgefallen, dass viele Anwohner gar nicht wussten, dass ihre Wohnung zu Altona-Nord gehört. Der Film sollte identitätsstiftend und vernetzend wirken, damit sie wissen, was hier passiert und was für Menschen, Einrichtungen und ehrenamtliche Initiativen es gibt.

Musstest du lange überlegen, ob du den Auftrag annimmst?

Nein, ich fand das Angebot sofort interessant. Es gibt Aufträge mit sehr strikten Vorgaben, aber hier wurde mir bei der Umsetzung freie Hand gelassen – was ich immer gut finde.

Du hattest offensichtlich viele Ideen, das Projekt ist größer geworden als geplant. Was ist passiert?

Der Plan war, einen halbstündigen Film über ca. zehn Menschen bzw. Einrichtungen zu machen. Ich habe aber dann selber mehr Protagonisten und Orte eingebaut, so dass aus den geplanten zehn Drehtagen am Ende 25 wurden – was bei einem gedeckelten Budget natürlich ökonomisch nicht sehr schlau von mir war … Der Zeitaufwand für den Schnitt hat sich entsprechend verlängert und der Film wurde letztendlich 70 Minuten lang.

Eigentlich wollte ich den Film in einem halben Jahr nebenbei fertigstellen, so habe ich aber deutlich länger daran gearbeitet. Immerhin mit dem Vorteil, dass es ein abendfüllender Film wurde, der Anfang des Jahres auch im Lichtmess-Kino und eben jetzt auf der Altonale läuft.

Es ist ein Film für den zweiten Blick geworden. Warum interessieren dich die zunächst unscheinbaren Orte und Personen?

Das reizt mich grundsätzlich und zieht sich als Motiv auch durch meine anderen Filme. Ich möchte nicht prominente Personen und Orte zeigen, sondern hinter die Fassaden blicken. Ich bin überzeugt, dass man in jeder Straße in jeder Stadt Geschichten für einen Film entdecken kann, wenn man genau hinguckt und sich darauf einlässt.

Warum war es dir und dem Bürgertreff wichtig, auch die negativen Seiten des Stadtteils zu zeigen?

Es war nie beabsichtigt, nur die schönen Seiten zu zeigen, sondern auch die Probleme und Sorgen des Stadtteils zu beleuchten: Der laute Verkehr, die Angst vor der Mietentwicklung. Bei Robert, dem Inhaber des englischen Buchladens an der Stresemannstraße (Foto o.), wussten wir schon vorher, dass er eine kritische Stimme ist. Der Bürgertreff Altona-Nord als Auftraggeber wollte eine Momentaufnahme des Stadtteils und keinen Werbefilm.

Das Identitätsstiftende kann ja auch über das gemeinsame Wiedererkennen von Problemen stattfinden, wenn zum Beispiel über den Verkehr geklagt wird. Denn natürlich wäre es den Anwohnern lieber, dass der Stadtteil verkehrsberuhigter ist.

Wie würdest du die Identität des Stadtteils beschreiben?

Altona-Nord ist ein zerfaserter Stadtteil, der durch wenig zusammengehalten wird, allein wegen der großen Straßen, die den Stadtteil durchschneiden. Es gibt nicht diese Identität wie in St. Pauli oder Ottensen. Was die Leute verbindet, ist das Gefühl, dass man nicht in so einem super angesagten Stadtteil lebt, aber das oft auch gerne tut. Viele finden es gut, dass sie nicht mitten in Ottensen oder der Schanze wohnen und dass sie so ein bisschen in ihrer Nische sind.

 

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Für die Außenaufnahmen von Altona-Nord ließ sich Christian Hornung auf dem Fahrrad kutschieren / Foto: privat

 

Manche deiner Protagonisten ziehen daraus regelrecht ihren Stolz. Woran liegt das?

Franz-Josef, der im Hochhaus am Alsenplatz wohnt, mag beispielsweise einfach diese Vielfalt, auch die soziale Vielfalt. Denn natürlich ist es, wenn man nicht viel Geld hat, angenehmer, in einem Stadtteil zu leben, in dem man sich nicht dauernd ausgegrenzt fühlt.

Überhaupt scheint das Zusammenleben gut zu funktionieren, sowohl die sozialen als auch die kulturellen Unterschiede betreffend, oder?

Das denke ich auch. Natürlich gibt es unterschwellige Abgrenzungen, aber im Prinzip ist Altona-Nord ein Stadtteil, in dem alle gut zusammenleben. Der Stadtteil ist in vielen Bereichen sehr gut durchmischt, da leben Menschen mit über 100 Nationalitäten und das funktioniert. Die AfD hat für die Bezirkswahlen keinen eigenen Stadtteil-Kandidaten für Altona-Nord aufstellen können – das finde ich bezeichnend. Es ist ein kulturell toleranter Stadtteil. Die Grenzen verlaufen hier eher über das Einkommen.

Zurück zur Entstehung des Films: Warum hast du eigentlich vom Ton über die Kamera bis zum Schnitt alles selbst gemacht?

Ganz klar aus Budgetgründen. Ich arbeite sonst lieber mit einem Team, denn es ist eine Herausforderung, gleichzeitig das Bild zu gestalten, den Ton zu pegeln und die Gespräche zu führen. Das hat auch dazu geführt, dass mal ein Bild unscharf oder der Ton in manchen Szenen nicht perfekt ist. Aber es hatte den Vorteil, dass ich sehr flexibel war und schneller das Vertrauen der Leute gewinnen konnte, als wenn ich mit einem ganzen Team angerückt wäre.

Die Reaktionen sind überwiegend positiv. Hat dich das überrascht?

Ich kenne es von anderen Filmen schon, dass die Zuschauer viel schneller andocken und mehr Begeisterung für einen Film zeigen, wenn er ihre Nachbarschaft oder ihr Lebensumfeld berührt.

Sind sie dadurch nicht aber auch umso kritischer, weil sie den Gegenstand des Films bestens kennen?

Absolut. Es gab auch Kritik nach den Vorführungen, weil die Menschen Einrichtungen oder Personen im Film vermisst haben oder bestimmte Probleme gerne thematisiert gesehen hätten. Ich sage dann ganz klar: Der Film kann nicht repräsentativ für alles in Altona-Nord sein und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, er kann nur Ausschnitte zeigen.

Was wurde zum Beispiel vermisst?

Es gibt zum Beispiel eine sogenannte „Trinkerszene“ rund um den S-Bahnhof Holstenstraße, wo auch Menschen mit Drogenproblemen den Tag verbringen. Ich wurde gefragt, warum die nicht Teil des Films wurden. In diesem Fall lag es daran, dass die Leute nicht gefilmt werden wollten.

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Mit etwas Fantasie sehen die Umrisse von Altona-Nord aus wie ein schräges Herz

Gab es Kritikpunkte, die dich ins Grübeln gebracht haben, dass du dachtest: „Ja, das wäre wirklich interessant für den Film gewesen“?

Da gibt es einige Sachen. Hier neben der Viktoria-Kaserne gibt es eine Kirche der Stille, und es gibt ein Hospiz – darauf wurde ich öfter angesprochen. Und so gibt es noch viele Einrichtungen und unzählige Menschen in Altona-Nord, die interessant sind und die ich hätte zeigen können. Aber irgendwann musste ich einen Cut setzten und sagen: Das ist jetzt der Film, und der kann eben nur ein Ausschnitt sein.

Ich verstehe mich übrigens auch nicht als Journalist, sondern ich bin Filmemacher. Mir geht es nicht um das Wiedergeben von Fakten, sondern darum, Geschichten und Charaktere herauszuarbeiten, eine Atmosphäre einzufangen.

Hast du Lieblinge unter deinen Protagonisten und Institutionen?

Dass hier im Fux und im frappant in der Viktoria-Kaserne viel passiert, wusste ich ja schon. Aber ich wusste vorher nicht, was alles im „FLAKS“, dem Zentrum für Frauen in der Alsenstraße, angeboten wird. Wie viele Frauen da tagsüber Kurse besuchen oder essen gehen! Als Person hat mich Robert, der Buchhändler, beeindruckt. Ich bin an diesem Schild „English Books & British Foods“ die letzten 20 Jahre vorbeigefahren, durch den Film jetzt aber erst reingegangen und habe den Inhaber kennengelernt – was sinnbildlich für den Film ist. Robert ist eine echte Persönlichkeit, und so etwas sieht man nicht von außen.

„Das schräge Herz“: 4.6., 22 Uhr, Platz der Republik (Eintritt frei)


Szene-Hamburg-juni-2019 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Top 10 – Kurzfilm Festival Hamburg: Das erwartet euch

Das Kurzfilm Festival Hamburg zeigt auch 2019 die große weite Welt im kurzen Format. Auf diese zehn Filme und Veranstaltungen dürfen Gäste sich besonders freuen

 

1) toons ’n’ tunes

Schon als die Brüder Lumière Ende des 19. Jahrhunderts ihre ersten Kurzfilme vorführten, spielte ein Pianist im Kino die Musik zu den ansonsten stummen Filmen. Mit „toons ’n’ tunes“ lässt das Kurzfilmfestival für Kinder, Mo&Friese, diese vergessene Kunstform wiederaufleben. Musiker erwecken Cartoons aus den 20er-Jahren und eigens produzierte Clips zum Leben.

Festivalzentrum Lampenlager: 5.6., 19 Uhr

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2) Das Licht der Welt

In der Kategorie „Internationaler Wettbewerb 2“ sind fantastische Dinge zu sehen: Zum Beispiel „Dialogue“, ein filmisches Gedicht für die Stadt in Farben und Mustern. Der Film „The White Elephant“ gibt Einblicke in das von Techno geprägte Tel Aviv der 90er-Jahre, und in „III werden Eingriffe in den Körper zu Blumen auf der Leinwand.

Zeise Kinos: 5.6., 21:15 Uhr – Internationaler Wettbewerb 2


3) A Glimpse of XConfessions und Awakening Visions

Sex ist mehr als die Reeperbahn – und für viele weit davon entfernt. Die Filmemacherin Erika Lust stellt Filme vor, die sie produziert hat und einige, die sie inspiriert haben. Was sie verfilmt, sind ihr zugesandte Geschichten und auch ihre eigenen. Dabei hat Erika Lust vor allem ein Ziel: mit den Stereotypen zu brechen.

Metropolis Kino: 6.6., 19 Uhr und 21 Uhr

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4) Framing the Beast

Im „Deutschen Wettbewerb 4“ erscheinen viele Biester, die eher menschlich als tierisch sind. Beispielsweise ein Stierkämpfer, der in „Tourneur einem Schaumbad entsteigt. Oder die „Nachbarn“ von Flüchtlingsheimen, die Molotowcocktails werfen – angeblich, weil sie sich selbst bedroht fühlen. Und die mythische Kreatur in Paul Spengemanns „Whoa, Hoo-ah, Huh! kann wahrlich Mauern einreißen.

Zeise Kinos: 7.6., 19 Uhr – Deutscher Wettbewerb 4


5) Cut it out! Von Avantgarden und Zensur

Zensur von Filmen beschränkt sich nicht nur auf Länder ohne Meinungsfreiheit – auch liberale Gesellschaften sind davon bedroht.

Ein Gespräch mit Dr. Wolf Iro, Leiter des Goethe-Instituts Tel Aviv und Initiator des Filmprojekts „Cut it out“, dem chinesischen Filmemacher im Exil Popo Fan sowie Vladimir Nadein, Direktor des Moscow International Experimental Film Festival. Namenhafte Regisseure haben Kurzfilme gegen Zensur gedreht, die das Gespräch begleiten.

Festivalzentrum Post: 7.6., 19 Uhr – Forum

Kurzfilm-Festival-2019-Forum_Cut it out


6) A Wall is a Screen: Diebsteich

Auch Wände aus Stein können zu Leinwänden werden. Die Kurzfilmwanderungen bringen Filme und Besucher an stimmungsvolle Orte in der Stadt. Das Publikum wandert mit der Technik von Wand zu Wand und damit von Film zu Film. In diesem Jahr wird rund um die S-Bahn-Station Diebsteich viel passieren. Dafür sorgt das Team von A Wall is a Screen – und das bereits seit 17 Jahren.

Start: Kleine Bahnstraße: 7.6., 22:15 Uhr


7) Sitting on the Earth of Tomorrow’s Sunrise

In einer exklusiven Installation im Open Space bespielt das brasilianische Künstlerpaar Barbara Wagner und Benjamin de Burca das Festivalgelände. Die beiden zeigen drei Videoarbeiten, die drei Musikstile und Länder porträtieren. Investigative Recherchen sorgen für Einblicke in diese Mikrokosmen – an der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation.

Barbara Wagner und Benjamin de Burca sind die diesjährigen Repräsentanten Brasiliens bei der 58. Biennale in Venedig

Festivalzentrum Post: 8.6., 13 Uhr – Einführung im Open Space


8) Changemakers oder von der Lust am Wandel

Oft erstickt die Welt in Konformität – dabei wäre etwas Neues angebracht. Die Kulturjournalistin Natascha Geier spricht mit Helene Hegemann, Erika Lust und Ula Stöckl über die Lust am Verändern und ihre Arbeit jenseits ausgetretener Pfade.

Denn diese Frauen sind Expertinnen, wenn es um originelle Filme geht: Erika Lust ist eine Pionierin feministischer Pornografie, Helene Hegemann hatte schon vor ihrem 20. Lebensjahr einen Film gedreht, ein Theaterstück sowie einen Roman geschrieben. Und Ula Stöckl setzte sich 1969 in einer Filmserie mit den gesellschaftlichen Spielregeln auseinander – und damit, wie sie sich brechen lassen.

Festivalzentrum Post: 8.6., 15 Uhr


9) Stars on 35 – Analog ist besser

Früher normal, heute ziemlich ungewöhnlich: Das Kurzfilm Festival holt 35mm-Filme aus dem Archiv und erweckt sie mit einem analogen Projektor aus dem Schlaf. Zu sehen sind: ins Material gekratzte Traumwelten und klassische Kulissen vergangener Zeiten.

Festivalzentrum Open-Air: 8.6., 22:15 Uhr


10) Post Nights – Open-Air: Preisrolle 2019

Alle Preisträger des 35. Kurzfilm Festivals sind am 9.6. um 22:15 Uhr beim Open-Air im Festivalzentrum zu sehen.

Festivalzentrum Post: 9.6., 22:15 Uhr

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Kurzfilm Festival Hamburg 2019: 4.-10.6., versch. Kinos und Orte


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Altonale21: Kultur im Überfluss auf Altonas Straßen

Altonale21: Hamburgs legendäres Kulturfestival befasst sich in diesem Jahr mit dem Thema „Reichtum“ – und zwar so unterhaltsam wie nachdenklich stimmend.

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Nino Herrlich

Arm und Reich driften in unserer Gesellschaft immer weiter auseinander – soweit, so bekannt. Nur: Wer genau ist dafür verantwortlich? Die Politik? Die Spekulanten? Die Reichen? Die Armen? Alle? Eine fundierte, weil informative und dabei niemals langweilige Hilfestellung bei der Antwortfindung bietet das 21. Altonale-Festival. Zig Veranstaltungen stehen auf dem Programm von Hamburgs legendärem Kulturfestival. Etwa die Fotoausstellung „Rich & Richer!?“, bei der es darum geht, was es eigentlich bedeutet, unfassbar viel Geld zu besitzen (31.5.-16.6., Festivalzentrum/ Platz der Republik, ganztags). Schließlich gibt es weltweit ca. 2.000 Milliardäre und 27.000.000 Millionäre.

Auch die „Kunst im Schaufenster“ ist voll auf „Reichtum“ ausgerichtet, mehr als 50 Künstler zeigen ihre Arbeiten zum Oberthema (31.5.- 16.6., anliegende Geschäfte in Ottensen und rund um die Große Bergstraße, ganztags). Im „altonale Salon“ findet ein offener Austausch darüber statt, wie es im Quartier aktuell reichtumsmäßig aussschaut, anschließend wird der Dokumentarfilm „Nichts ist besser als gar nichts“ von Jan Peters gezeigt (8.6., Thalia in der Gaußstraße, ab 13 Uhr, Film ab 18 Uhr). Der ist sicherlich ebenso sehenswert wie die fünf Heimat-Kurzfilme über „Fremden Reichtum“ (12.6., Chistianskirche, 20.30 Uhr).

 

„Mach es möglich“

 

Ein besonderes Projekt zu extremem Konsumverhalten und dem Leben im Überfluss verspricht „Kulturfutter“ zu werden. Mit Unterstützung des Vereins Foodsharing e. V., der Hamburger Tafel und Hinz & Kunzt sind Anwohner, Besucher und Künstler dazu eingeladen, gemeinsam an einem langen Tisch Platz zu nehmen und unter freiem Himmel ein Essen aus überschüssigen Lebensmitteln zu genießen (2.6., Park am Platz der Republik, 19 Uhr). Überflüssig zu erwähnen, dass die Altonale auch auf ein wenig „Reichtum“ angewiesen ist. Alle Veranstaltungen, ebenso wie STAMP, das Internationale Straßenkunstfestival (14.-16.6.), sind kostenlos, deshalb gibt es die Kampagne „Mach es möglich“. Altonale-Teilnehmer, die einen roten Vogel an den Festivalspielorten sehen, können für die erlebte Kultur zahlen, was sie für angemessen halten.

Altonale21: 31.5.-16.6.2019


Szene-Hamburg-juni-2019 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Rindchen schlemmt – im Restaurant Ashoka

Zu Recht eine Institution in St. Pauli: Das Ashoka ist seit Jahren geschmack­lich wie preislich ein Highlight.

Text: Gerd Rindchen
Foto: Stefan Malzkorn

Für die beliebte Reihe „Auf den Spuren besonderer Sieger“ haben wir uns in die Budapester Straße begeben, um Ashoka, Testsieger Orient & Indien aus der aktuellen SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN zu schnabulieren. Dies mit großer Freude, denn die Koch- und Servierkunst des bezaubernden Inhaberpaars Maria Manuela Santos Martins und Jaspal Singh im Ashoka begeistert uns schon seit vielen Jahren. Uns stellte sich die bange Frage: Ist den Inhabern der Ruhm nun zu Kopfe gestiegen? Schießen die Preise in den Himmel und die Qualitäten in den Keller?

 

Raffinierter gewürzt als beim gewöhnlichen Inder

 

Die beruhigende Antwort lautet: Nein – alles ist so schön und gut wie vorher! Ganz großartig schon die vorab gereichten, knusprig-würzigen Papadam: Fladenbrote aus Linsenmehl, hier noch eine Spur raffinierter gewürzt als beim gewöhnlichen Inder und garniert von drei köstlichen Dips und Chutneys. Des Weiteren gehörten zu den Vorspeisen zwei köstliche Lammhackröllchen, aromatisches Tandoori-Chicken, knusprig gebackene Zwiebelpfannküchlein und Pakoras – mit Gemüse gefüllte Teigtaschen – sowie weitere Dips und Chutneys (18 Euro für zwei Personen).

 

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Als Hauptgang hatten wir zartes, subtil gewürztes Chicken Tikka (8,40 Euro) und, auf meinen besonderen Wunsch, eine aromensatte, sehr pikante Lammvariante (14,50 Euro) mit einer geschmacklich enorm facettenreichen tomatisierten Sauce. Große Klasse! Jaspal Singh und sein Küchenteam schaffen es, allen gereichten Speisen eine besondere Raffinesse zu verleihen. Darüber hinaus merkt man, dass in der Küche mit wirklich guten Zutaten hantiert und jede Würzvariante individuell abgestimmt wird.

 

Das „Thali-Menü“ gibt’s schon für 18 Euro

 

Daran preiswert partizipieren können auch die Besucher der nahe gelegenen Theater und Musical-Stätten am Spielbudenplatz: Ihnen offeriert das Ashoka ein abwechslungsreiches „Thali-Menü“ in zwei Akten: Den ersten Teil von 17 bis 18.30 Uhr, den Abschluss ab 21.30 bis 23 Uhr. Dabei werden verschiedene Köstlichkeiten zum Teilen in traditionellen Metallschalen auf Stövchen serviert. Kulanter Kostenpunkt für Kulturbeflissene: 18 Euro pro Person.

Überhaupt die Preise: Wir hatten für einen höchst gelungenen Abend mit Vorspeisen, Hauptgerichten, Mineralwasser und einer perfekt zum Essen harmonierenden Flasche Riesling am Ende irgendwie 79 Euro auf der Uhr – da kann man testsiegermäßig echt nicht meckern.

Restaurant Ashoka: Budapester Straße 25 (St. Pauli)


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FoodSZENE – Nachhaltig essen mit der Rebowl-Lunchbox

Nach Recup ist jetzt ein neues Pfandsystem an den Start gegangen: die wiederverwendbare Lunchbox Rebowl. Bisher nur in München – bald auch in Hamburg?

Text: Jasmin Shamsi

Seit seiner Gründung 2016 hat das Münchener Startup Recup sein Mehrweg-Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher in elf deutschen Städten etabliert. In Hamburg sind die hübschen Pfandbecher aus robustem, recycelbarem Kunststoff seit April 2018 im Umlauf. Unterstützt wird die Aktion im Übrigen von der Umweltbehörde.

Das Prinzip in Kürze: Die Becher sind gegen einen kleinen Pfand in den teilnehmenden Cafés erhältlich und können deutschlandweit bei allen Recup-Partnern abgegeben werden. Sie werden dann vor Ort gereinigt und dem Pfandsystem anschließend wieder zur Verfügung gestellt.

Nun hat das Münchener Unternehmen ein neues Projekt auf den Weg gebracht: die wiederverwendbare Lunchbox „Rebowl“. Die ist seit Mitte Mai in fünf Münchener Restaurants gegen eine Pfandgebühr von 5 Euro erhältlich. Man kann in ihr kalte wie warme Speisen transportieren und sie sogar – ohne Deckel – in die Mikrowelle stellen. Anschließend gibt man sie einfach wieder in einem der teilnehmenden Lokale ab.

 

Doggybags in hübsch und nachhaltig

 

Jetzt heißt es warten, dass die Testphase erfolgreich läuft. Dann könnte es die Rebowl vielleicht auch bald in Hamburg geben. Theoretisch wäre die Box in diversen Lokalitäten einsetzbar: in Restaurants, Cafés, Imbissen oder auch an Salatbars in Supermärkten. In Regensburg kooperiert das Münchener Unternehmen sogar mit dem verpackungsfreien Lieferdienst Vanilla Bean.

Nach einem Interview mit Tim Mälzer Anfang 2018, in dem wir unter anderem über die Themen Lebensmittelverschwendung und nachhaltige Doggybags sprachen, kommt das Pilotprojekt wie gerufen. Die Unterstützung der Stadt Hamburg ist auch hier wieder unabdingbar. Immer mehr Gastronomien und Großveranstaltungen in Hamburg setzen auf Müllvermeidung, etwa der Zero-Waste-Beachclub Karo Beach oder auch die neue Food Lane im Stadtpark. Ein positiver Trend, den es zu unterstützen lohnt!

 

 

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Rebowl.de


Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.


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Kurzfilm Festival Hamburg 2019: Weniger ist mehr

Das Kurzfilm Festival Hamburg hat eine neue Künstlerische Leiterin. Was bleibt: aufregende Filmkunst im extremen Destillat. Doch was ist neu?

Text: Maike Schade

Radikaler. Kontroverser. Streitbarer, ausschweifender und bunter. So soll das Kurzfilmfestival in diesem Jahr werden. Es weht frischer Wind durch die Filmrollen, denn Ex-„Berlinale Shorts“-Chefin Maike Mia Höhne hat in diesem Jahr das Zepter übernommen. Die Scheinwerfer aufgeblendet, das Konzept unter die Lupe genommen – und Bewährtes behalten, einiges entstaubt und manches auch umgestaltet. Das Motto: Weniger ist mehr. Das „International“ im Namen wurde gestrichen. Und es wird nur noch drei statt bisher fünf Wettbewerbe geben.

„Was wir brauchen, sind nicht mehr Preise, sondern mehr Diskurs“, erklärt die neue Künstlerische Leiterin. Und den gibt es nun, vor allem im neuen Format „Labor der Gegenwart“. Dahinter verbergen sich fünf Sonderprogramme; bei dreien wird im Anschluss an das Screening mit Gästen in einem Forum diskutiert.

 

„Wir müssen viel mehr feiern“

 

Der Hamburger Wettbewerb ging im Deutschen auf – was auch den Filmemachern zugutekommt, da ihre Arbeiten mehr Relevanz erhalten und zugleich auch in Relation zu den Produktionen des ganzen Landes betrachtet werden. Der Wettbewerb „Deframed“ wurde abgeschafft. Und so bleiben: Der Internationale sowie der Deutsche Wettbewerb und der Flotte Dreier, in dem Dreiminüter gegeneinander antreten. Das Thema in diesem Jahr: „Lost in Translation“.

Entscheidend für die Auswahl der gezeigten Filme ist für Maike Mia Höhne dabei nicht der Premierenstatus, sondern die Relevanz der Filme sowie die Haltung der Künstler. Erstmals wird es sogar einige Langfilme zu sehen geben, „denn da gibt es ja durchaus auch sehenswerte, die aber trotzdem bislang keinen Platz auf Festivals oder in den Kinos gefunden haben“, wie die Festivalchefin schmunzelnd sagt.

 

 

Insgesamt werden in acht Kinos mehr als 300 Kurzfilme aus 40 Ländern zu sehen sein. Das Herz schlägt dabei im Festivalzentrum in der Post Kaltenkircher Platz, das wie schon im vergangenen Jahr einen Infocounter, ein Extrakino, das Open Air und eine Videokunst-Installation des brasilianischen Künstlerpaares Bárbara Wagner und Benjamin de Burca beheimaten wird. Und den Festivalklub, in dem nachts Partys steigen. Denn auch hier will Höhne noch eine Schippe drauflegen: „Wir müssen viel mehr feiern.“

Kurzfilm Festival Hamburg 2019: 4.6.-10.6., versch. Orte


Szene-Hamburg-juni-2019 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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