Frisch im Oberhafen: Die Hobenköök ist eröffnet!

Gutes Zeug Kartoffel, Möhren und Co. vom Bauern aus der Region landen direkt in den Körben der Markthalle – eine bis spätabends geöffnete Alternative zu den Wochenmärkten.

Seit dem 10. August 2018 hat die Hobenköök Tür und Tor für Genießer geöffnet. In der zu Plattdeutsch „Hafenküche“ gibt es neben zahlreichen Produkten aus Manufakturen und von Höfen aus der Region, besondere Gemüse der Saison, die es nur selten in einen normalen Supermarkt schaffen. „Gelbe Karotten, weiße Bete, Zitronengurken – ich koche damit bereits seit Jahren und alle haben mich ständig gefragt, wo es die zu kaufen gibt. Meine Antwort war immer die gleiche: auf dem Wochenmarkt“, so Thomas Sampl.

Doch die meisten, mit denen er darüber sprach, sagten ihm, dass sie zu den typischen Marktzeiten bei der Arbeit seien. Der Spitzenkoch und Initiator der Markthalle sah ein Problem, für das in Hamburg bisher noch niemand eine Lösung gefunden hatte. Unterstützt von seinen Partnern und Gastronomen Neele Grünberg und Frank Chemnitz entwickelte er deshalb das neuartige Konzept der Hobenköök. Die bietet ab jetzt ein typisches Wochenmarktsortiment mit Produkten aus der Region – bis abends und am Wochenende. So können auch Hamburger, die erst um 20 Uhr aus dem Büro kommen noch gute und außergewöhnliche Lebensmittel einkaufen.

Doch Fans von regionaler Küche können hier nicht nur shoppen, sondern im Restaurant der Markthalle auch speisen. Damit wurde ein schöner Ort zum Genießen und die Lösung für ein weiteres Problem geschaffen: Denn wo Lebensmittel verkauft werden, werden sie in der Regel auch weggeschmissen.

Thomas Sampl und sein Team wollen genau das vermeiden. So werden köstliche Menüs aus den Sachen gekocht, die woanders wohl ein paar Tage später im Müll landen würden. Ein Konzept, das schmeckt.

Text und Foto: Jennifer Meyer, Jupiter Union

www.hobenkoeoek.de, Stockmeyerstraße 43, Mo-Sa 10–20 Uhr.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

Das könnte dich auch interessieren:

 

Auf den Geschmack gekommen? Für mehr Stories aus Hamburgs #foodszene folge uns auf Facebook und Instagram.

SZENE HAMBURG Redaktionskonzert … mit Frøkedal & John Winston

Hip Hip Hooray! Wir veranstalten wieder ein Redaktionskonzert, exklusiv für euch! Diesmal mit lupenreinem Folk von der norwegischen Sängerin Frøkedal. Los geht’s am 11. September 2018, 19.30 Uhr. Tickets für das Konzert bei der SZENE in Ottensen gibt es nur zu gewinnen!

Lupenreiner Folk, sagen die einen. Dream-Pop aus der Zukunft, meinen die anderen. So oder so: Die Musik von Frøkedal aus Norwegen ist extrem erlebenswert – vor allem in einem so intimen Rahmen wie bei unserem nächsten Redaktionskonzert. Support: John Winston.

 Wir verlosen 20×2 Gästelistenplätze!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

  • Mail senden an verlosung@vkfmi.de
  • Betreff: Redaktionskonzert
  • Einsendeschluss: 7.9.18, 10 Uhr

Los geht’s am Donnerstag, 9. September 2018, um 19:30 Uhr in der Gaußstraße 190c.

Mehr von Frøkedal:

Und John Winston:

So war’s beim ersten Redaktionskonzert bei der SZENE in Ottensen:

Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

 

SZENE HAMBURG September 2018 – Überall nur Sex!

Nicht drüber schnacken, einfach machen – das scheint das Motto der Hamburger zu sein. Das haben wir jedenfalls festgestellt, als wir Leute nach ihren sexuellen Vorlieben befragt haben, denn redewillig waren die wenigstens.

Für einen offeneren Umgang mit Sex plädieren auch die Gründer des ers­ten feministischen Sexshops „Fuck Yeah“ im Gängeviertel. Mit Toys für alle Geschlechteridentitäten und der Aufforderung sich mehr zu trauen, wollen sie Sex ins Posi­tive drehen. Was kaum jemand weiß, wie sie sagen, Gleitgel kann den sexuellen Horizont erweitern.

Wie unterschiedliche Vorlieben aussehen können, hält der Fotograf Christian Geisler fest. Er knipst Fetische, Sexkinos und Bordelle. Prostitution hat für ihn sowohl etwas Faszinierendes als auch Trostloses. Denn oft findet diese in miefigen Zimmern statt und nicht im Hochglanzpuff.

Wie sich die Schattenseiten der käuflichen Liebe auf Betroffene aus­wirken, erzählt eine Sozialarbeiterin von Sperrgebiet auf St. Georg, eine Beratungs- und Auffangstation für Hamburger Prostituierte. Die Anzahl der Menschen, die in Hamburg anschaffen gehen, ist nicht genau belegt. Schätzungsweise sind es zwischen 2.200 und 6.000. Eine große Grauzone.

Wie auch die Schmuckstraße ­ auf St. Pauli. Dass transsexuelle Prostitution noch immer ein Tabu ist, sieht man auch an den vermeintlichen Freiern, die sich ­ auf der anliegenden Hundewiese herumdrücken. Unser Autor war dort und hat eine unnahbare und beeindruckende Szene vorgefunden.

So zeigen die Geschichten aus unserer Stadt: Sex ist mehr als nur eine schnelle Nummer.  

Text: Hedda Bültmann, Redaktionsleitung SZENE HAMBURG
Beitragsbild: Katja Anna Krug (Unsplash)


Foto: Sophia Herzog

Hedda Bültmann, unsere Redaktionsleiterin, hat den Kopf voller Ideen und seit Mai 2018 bei der SZENE HAMBURG das Ruder in der Hand. Vielleicht ist euch schon die ein oder andere Veränderung im Magazin aufgefallen? Die ist dem Spirit von Hedda zu verdanken. Lust auf Austausch? Ihr erreicht sie unter hedda.bueltmann@vkfmi.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

Lust auf mehr Stories aus Hamburg?

Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Protest in Hamburg – Die Merkel-muss-weg-Demos

SZENE HAMBURG vor Ort! Von Rechtspopulisten hinter bürgerlichen Fassaden und einer immer stärkeren Gegenbewegung – zu Besuch bei der Initiatorin Uta Ogilvie im Landkreis Harburg, bei der Merkel-muss-weg-Demo am Gänsemarkt und beim Bündnis gegen Rechts.

Zu Besuch bei der Initiatorin

Die zertrümmerte Fensterscheibe ist provisorisch mit einem Holzbrett vernagelt. Sonst ist alles makellos an diesem ersten warmen Frühlingstag im Landkreis Harburg: die sauberen Gehwege, die aufblühenden Vorgärten, die braven Familienhäuser. „Ziemlich spießig“, sagt Uta Ogilvie und lacht, als ich zur Begrüßung anmerke, wie idyllisch die Gegend ist. Sie habe vorher in der Stadt gewohnt, sei dann aber der Kinder wegen aufs Land gezogen. Für die Umgewöhnung habe sie viel Zeit gebraucht.

Fensterscheide-der-Initiatorin

Nach der zweiten Demo klirrten Scheiben. Foto: Ulrich Thiele

Das kaputte Fenster im ers­ten Stock ihres Wohnhauses ist das Resultat einer Fehde zwischen der Antifa und ihr, der zierlichen Hausfrau, die gerne pinke Kleidung trägt – ihre Lieblingsfarbe, wie sie sagt, die den Nebeneffekt habe, dass sie „Gender-Fanatiker so schön auf die Palme bringt“. Was ist passiert?

Ogilvie hat sich im kalten Januar – laut Angaben spontan – alleine mit einem pinken „Merkel muss weg“-Schild auf den Jungfernstieg gestellt. Als sie ein Selfie von sich vor Ort bei ­Facebook postete, ging dieses viral. Die Resonanz war groß, nur eine Woche später schlossen sich 60 Menschen an, Tendenz steigend. Auch die linke Szene wurde auf die Demonstranten aufmerksam. Sie befürchteten einen westlichen Pegida-Ableger. Zudem hieß es, Teile der Türsteherszene seien an der Organisation beteiligt. Ogilvie bestreitet das. Sie stehe ganz alleine hinter den Demos.

Der ehemalige Türsteher Thomas Gardlo, dem eine Vergangenheit in der rechtsextremen Szene nachgesagt wird, habe ihr direkt nach ihrem ersten Abend seinen Schutz angeboten. Den nahm sie dankend an. Zu der Zeit erhielt Ogilvie schon die ers­ten Drohnachrichten. In der Nacht von Sonntag auf Montag vor der dritten Kundgebung dann die Geschichte mit dem Fenster. In der Nacht hatte, so berichtet Ogilvie, ihr Mann einen lauten Knall gehört. Erst am nächsten Morgen stellten sie fest, dass die Reifen ihres Autos aufgeschlitzt waren, die Hauswand mit dem Schriftzug „Heute knallts“ beschmiert und ein Glas mit Farbe durch die Scheibe ins Kinderzimmer geworfen worden war.

Trotz des Einschüchterungsversuchs ging sie am Abend erneut zur Demo, diesmal mit ihrem Vater. Am Jungfernstieg ­hätte ihr eine Horde junge Männer das Schild brutal entrissen und versucht, die beiden zu attackieren – „eine Frau und einen Senioren, das muss man sich mal vorstellen!“. Die Polizei sei jedoch eingeschritten. Danach gab Ogilvie die Leitung der Demo ab und zog sich zurück. Seitdem laufen die Montags­demos ohne sie – und sind stark umstritten.

Kritiker sehen darin eine Versammlung rechtsradikalen Gedankenguts. Laut Verfassungsschutz sind unter den Demonstranten sogenannte Reichsbürger, die den Bestand der Bundesrepublik Deutschland ablehnen. Insgesamt soll es in Hamburg rund 120 Reichsbürger geben. Außerdem sollen der frühere Hamburger NPD-Chef Torben Klebe und Mitglieder der „Blood & Honour“-Gruppierung gesichtet worden sein. Wer ist diese Frau, der Kritiker Rechtspopulismus, Rassismus oder Faschismus hinter bürgerlicher Fassade vorwerfen? Und warum fährt Deutschland mit Merkel „vor die Wand“, wie sie sagt?

Wer ist diese Frau, der Kritiker Rechtspopulismus, Rassismus oder Faschismus hinter bürgerlicher Fassade vorwerfen?

„Früher habe ich Merkel sogar sehr gemocht“, erinnert sich Ogilvie. Sie zählt sich zu jenem Kreis ehemaliger CDU-Wähler, die der Kanzlerin einen Linksruck vorwerfen und in der Union keine Heimat mehr für Konservative und Wirtschaftsliberale sehen. „Der Lieblingsspruch in unserer Familie lautet: Wer nach allen Seiten hin offen ist, kann nicht ganz dicht sein“, sagt Ogilvie zur Flüchtlingskrise. Für sie sei die zeitweise unkontrollierte Grenz­öffnung eine Zumutung für den demokratischen Zusammenhalt. Als weltoffen sieht sie sich trotzdem. Sie habe unter anderem Sinologie studiert und viel Zeit im Ausland verbracht. Deshalb wisse sie aber auch, was Heimweh und Verwurzelung bedeuten. Sie sei konvertierte Buddhistin und schätze das Judentum sehr, sagt sie. Dank zweier jüdischer Ex-Freunde habe sie sich intensiv mit der jüdischen Kultur befasst. Ihre Nachbarschaft sei multikulturell – Afrikaner, Türken und Deutsche würden hier freundschaftlich miteinander leben.

Ogilvie hat Interviews für Zeitungen gegeben, von denen manche als rechtspopulistisch oder sogar als rechtsextrem gelten. „Politically Incorrect“ etwa oder das Magazin „Compact“, das letztes Jahr in der Ausgabe „NSU: Die Geheimakten“ unverblümt Freiheit für das NSU-Mitglied Beate Zschäpe gefordert hat. „Ich rede ohne Ausnahme mit jedem, der auf mich zukommt“, entgegnet sie. Mit dem Hamburger Abendblatt und der ZEIT habe sie auch schon geredet.

Ihr wird auch vorgeworfen, dass sie auf Einladung der Hamburger AfD-Fraktion im Rathaus vor 250 Zuhörern über ihre Kritik an Merkel geredet hat. Die Leute von der AfD seien ganz reizend zu ihr gewesen, sagt sie. Sie hätte aber eher mit einer Einladung der FDP gerechnet, weil sie so wirtschaftsliberale Ansichten vertritt. Es ärgert sie, dass man versucht, sie über ihre Gesprächspartner zu denunzieren.

Ogilvie spricht ruhig und gelassen. Aber sie wird gerne polemisch. Zum Beispiel, wenn sie Hamburg als „Zeckenhochburg“ bezeichnet und von den Medien, die ihr wohlgesinnt sind, als „Wahrheitspresse“ spricht. Und sie schießt weit übers Ziel hinaus, wenn sie sagt, sie wisse nun, wie sich die Juden 1933 gefühlt haben müssen. Wenig geschmackssicher sind aber auch die Nachrichten, die sie noch immer tagtäglich von Unbekannten erhält. Sie kramt ihr Handy hervor und zeigt mir eine WhatsApp: „Ey Ute? Wählst du AfD? Du bist ja eigentlich ganz geil und ich würde dich gerne ficken, aber ich ficke keine AfD-Schlampen.“

Der Angriff auf ihr Haus war nicht der einzige physische Übergriff von mutmaßlich Linksextremen. Zu Auseinandersetzungen kam es immer wieder, besonders schlimm aber am 19. März, als nach einer Demo ein 37 Jahre alter Mann krankenhausreif geprügelt wurde. Zwei Männer hatten dem Merkel-Gegner am U-Bahnhof Stephanplatz aufgelauert, sich laut Zeugenberichten ihre Kapuzen übergezogen und auf den Mann eingeschlagen und -getreten. Einer der Täter trat dem Mann mit voller Wucht ins Gesicht, wodurch dieser bewusstlos liegen blieb. Nach einem weiteren Tritt auf den schon Bewusstlosen flüchteten die Täter.

Als einen Tag später die ­Linke-Politikerin Christiane Schneider via Twitter der Antifa für ihren Einsatz dankte, kochte die Empörung in den sozialen Netzwerken – die Antifa wurde als „SS-Schlägertruppe“ der „Diktatorin Merkel“ angeprangert. Neben den Linken rufen auch die SPD und die Grünen zur Unterstützung der Gegendemos auf. Die CDU will der kleinen Veranstaltung nicht so viel Aufmerksamkeit schenken.

Kolonialismus – Spuren der Ausbeutung

Hamburg als Hafenstadt gilt als „Tor zur Welt“. Früher war es das Tor zur Unmenschlichkeit. Die der Stadt viel Reichtum brachte. Ein düsteres Kapitel, das gerne vergessen wird.

Die Donnerstraße im schicken Ottensen, das Straßenschild um­geben von Altbaufassaden. Da­runter das Hinweisschild: „Fa­milie D. (18. bis 20. Jh.) – För­derer gemeinnütziger Einrich­tungen“. Das klingt erst einmal gut. Nach einer Familie, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht hat. Und in der Tat: Die wohlhabende Kaufmannsfami­lie um Conrad Hinrich Donner (1774–1854) ging großzügig mit ihrem Vermögen um und un­terstützte unter anderem die Altonaer Sonntagsschule zur fachlichen Weiterbildung von Handwerkern und Künstlern, ließ für das Kirchspiel Othmarschen die Christuskirche errich­ten und das Erholungsheim in Döse an der Nordsee erbauen und anschließend dem Altonaer Kinderhospital übereignen. Was nicht auf dem Schild steht: Die Familie erwirtschaftete ihren Reichtum zum Teil mit fragwür­digen Mitteln. Die Firma C.H. Donner handelte intensiv mit Waren wie Tabak, Zucker und Kaffee, die unter Ausbeutung der einheimischen Bevölke­rungen aus fernen Ländern nach Hamburg gebracht wurden. 1899 gründete Conrad Hinrich Donners gleichnamiger Enkel in La Paz die Vereinigung zur Aus­beutung der Gummivorkom­men in Bolivien.

So waren damals eben die Verhältnisse und kein Mensch ist moralisch vollkommen, wen­det so mancher ein. Deswegen die Straßennamen zu ändern, sei der überzogene Versuch, die Geschichte moralisch zu reini­gen, sagen Kritiker. Die immer noch stattfindende Reduzierung kolonialer Eroberer und Aus­beuter auf ihre positiven Seiten sei eine nostalgische Verklärung der Kolonialzeit, wenden Post­kolonialismus­-Forscher ein. So viel ist sicher: Deutsch­lands Rolle in der Kolonial­zeit fand in der Vergangenheit kaum ein öffentliches Bewusst­sein, die von Deutschen began­genen Verbrechen wurden bis heute nur ungenügend aufge­arbeitet. Dazu gehört beson­ders der Völkermord an den Herero und Nama in der Kolonie Deutsch­Südwestafrika (heute Namibia) von 1904 bis 1908, in Folge dessen schät zungsweise 70.000 bis 80.000 Herero und ungefähr 10.000 Nama umgebracht wurden.

Der Historiker und Afrikawissenschaftler Jürgen Zim­merer verfolgt den mühseligen und von der deutschen Bun­desregierung halbherzig be­gegneten Versuch der Nach­fahren um Anerkennung und Entschädigung. Für ihn ist der Völkermord „der erste deut­sche Genozid“ des 20. Jahr­hunderts. In seinen Büchern arbeitet Zimmerer gegen das falsche Bild an, deutsche Ero­berer seien gute und harmlose Missionare gewesen. Seit 2014 ist er der Leiter der Forschungsstel­le „Hamburgs (post­)koloniales Erbe /Hamburg und die frühe Globalisierung“ an der Univer­sität Hamburg, wo er und seine Mitarbeiter die Rolle der Hafen­stadt Hamburg in der Koloni­alisierung und die heute noch sichtbaren Folgen erforscht.

Jürgen Zimmerer im Interview über den Kolonialismus in Hamburg

Prof. Dr. Jürgen Zimmerer beschäftigt sich als Historiker mit dem Kolonialismus in Hamburg. Foto: UHH/Dingler

SZENE HAMBURG: Herr Zimmerer, welche Bedeutung hatte Hamburg für den Kolonialismus?

Prof. Dr. Jürgen Zim­merer: Die spannendere Frage ist… welche Rolle hatte der Kolonialismus für Hamburg? Dazu muss man sagen: Hamburg, das sich gerne als Tor zur Welt preist, war Deutsch­lands Tor zur kolonialen Welt. Das betrifft nicht nur den Umgang mit den deutschen Kolonien – also die Jahre 1884 bis 1918, denn auch die übrige Welt, mit der man als Hafen­ stadt Handel trieb, war eine koloniale Welt. Ökonomisch ist Hamburg also eng mit dem Kolonialismus verbunden. Auch kulturell. Denken Sie etwa an das Völkerkundemu­seum, das jetzt umbenannt wird. Völkerkundemuseen stellten damals fremde „Kulturen“ aus. Das Bürgertum wollte Exotik sehen, und diese Exotik wurde ausgestellt. Die zur Schau gestellte „Primiti­vität“ und die Andersartig­keit verstärkten wieder das Überlegenheitsgefühl der Europäer und dienten auch als Rechtfertigung kolonialen Ausgreifens; es herrschte ein symbiotisches Verhältnis zum Kolonialismus.

Welche Spuren sind heute noch sichtbar?

Nehmen Sie Hagenbecks Tierpark. Hagenbeck wird ge­feiert für die Erfindung des Freigeheges für Tiere. Um die Jahrhundertwende perfek­tionierte er aber auch die Völ­kerschauen, also die Menschenzoos. Darüber wurde er weltbekannt. Man stellte Menschen in ihrem „natür­lichen“ Umfeld aus – was bis heute nicht wirklich aufgear­beitet ist.

Was noch?

Zum Beispiel die Spei­cherstadt, ein Weltkulturerbe. Was wurde da eigentlich ge­speichert? Da sind wir auch wieder bei den Kolonialwa­ren. Oder ein anderes Bei­spiel: Ein Vorläufer der Uni­versität Hamburg wurde 1908 als Kolonialinstitut gegrün­det. Lange Zeit hat sich auch die junge Universität über die Kolonialwissenschaften de­finiert. Im Dritten Reich gab es sogar den Plan, ein zweites Kolonialinstitut zu schaffen.

Durch die 68er gab es dann den ikonischen Sturz des Wissmann­-Denkmals, das vor dem Hauptgebäude der Uni­versität stand – eine erste Auf­lehnung gegen die kollektive Amnesie. Da zeichnete sich der Wandel vom Kolonial­institut zu einer Institution der Dekolonisierung ab – ein Prozess, der 2014 durch die Einrichtung der Forschungs­ stelle „Hamburgs (post­)kolo­niales Erbe /Hamburg und die frühe Globalisierung“ in ge­wisser Weise fortgesetzt wird.

“Hamburg ist tief mit dem Kolonialismus verbunden”

Sie kritisieren die Bundesrepublik häufig für ihre Trägheit in der Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit; besonders im Umgang mit dem Genozid an den Herero und Nama im heutigen Namibia. Wie sieht es mit der Aufarbeitung in Hamburg aus? Die Einrich- tung der Forschungsstelle ist doch ein positives Beispiel.

Ja! Die Einrichtung die­ser Forschungsstelle ist ein deutliches Signal und wirk­lich avantgardistisch – und die Politik hat dafür die Rah­menbedingungen geschaf­fen. Eine Forschungsstelle als Grundlagenforschung, die für die Kolonialgeschichte Ham­burgs die Faktenlage erarbei­tet, auf deren Grundlage dann gesamtgesellschaftlich ein Erinnerungskonzept disku­tiert werden kann – das ist der richtige Weg. Es ist die einzige Forschungsstelle dieser Art in Europa, sie ist also ein veri­tables Alleinstellungsmerkmal und findet trotz geringer Mittel internationale Beach­tung. Hamburg ist als Ort da­ für auch richtig, eben weil es als Hafenstadt so tief mit dem Kolonialismus verbunden ist. Mittlerweile, ist nicht zu­ letzt auf Drängen Hamburgs das Thema Kolonialismus auch mit in den Koalitions­vertrag der Großen Koalition in Berlin aufgenommen wor­den. Da bewegt sich langsam etwas, aber die Bundespoli­tik ist nun einmal träge. Wenn Berlin klug ist, nutzt es, was in Hamburg schon da ist.

Welchen Fragen gehen Sie in der Forschungsstelle nach?

Dem Kolonialismus und seinen Folgen in seiner gan­zen Bandbreite, und zwar wo immer möglich in Kollabo­ration mit Kollegen und Kol­leginnen aus den ehemaligen Kolonien. So haben wir dieses Jahr etwa drei Künstler aus Namibia hier, die an einem Projekt über historische Fotos aus der Zeit des Genozids an den Herero und Nama arbei­ten.

Ein anderer Kollege aus Dar es Salaam, der Partner­stadt Hamburgs, sitzt an einer Studie über die Erinnerung an den deutschen Kolonialismus in Tansania. Ein großes Pro­jekt befasst sich mit der Insze­nierung des Kolonialismus in Hamburg, in der Gesellschaft, ebenso wie in den Theater­ und Opernhäusern in Ham­burg. So konnten wir bereits zeigen, dass eben auch das Thalia Theater wie auch alle anderen Bühnen genauso pro­ kolonial waren wie etwa Ha­genbeck. Es gibt auch ein Aus­stellungsprojekt über Hagen­beck, aber leider nicht mit den Vertretern von Hagenbecks Tierpark. Sie konnten bisher nicht für eine Zusammenar­beit gewonnen werden.

“Die Handelskammer hatte einen Anteil daran, dass Deutschland zur Kolonialmacht wurde”

Welche zukünftigen Projekte sind geplant?

Wir wollen uns vor allem der kolonialen Wirtschaft widmen, sowohl den koloni­alen Warenketten als auch der Beteiligung von Hamburge­rinnen und Hamburgern am transatlantischen Sklavenhan­del. Damit wollen wir auch unseren Beitrag zum Deutschen Hafenmuseum leisten, das ja in Hamburg gebaut wird. Derzeit sind wir auch in Gesprächen mit der Handelskammer, weil sie historisch einen ganz konkreten Anteil daran hatte, dass Deutschland zur Kolonialmacht wurde. Es gibt ein Schreiben an Bis­marck von 1883, in dem steht, Deutschland möge doch bitte Kolonien gründen. Es wäre wichtig, wenn wir sie als Part­ner gewinnen könnten.

Beim 2. Transnationalen Herero- und Nama-Kongress im April hat sich Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda für den Genozid in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika bei den Nachfahren der Opfer entschuldigt. Sie haben die Situation anschließend als „bewegenden Moment“ bezeichnet.

Das war auch ein bewe­gender Moment. Als jemand, der sich sein Berufsleben lang der Erforschung dieses Genozids widmet und auch des Rassenstaates, der dort errich­tet wurde, hat mich Brosdas Rede beeindruckt. Und dann auch noch hier im Rathaus, ausgerechnet im Kaisersaal, der nach dem Kaiser benannt ist, der den Genozid mitzu­verantworten hat. Dass ein Politiker in diesem Rahmen den Nachfahren gegenüber die richtigen Worte findet, ist begrüßenswert, gerade auch weil sich die Bundesregierung hiermit so schwertut. Und für die Nachfahren der Opfer war es ungeheuer wichtig. Sonst wären sie wieder mit diesem Gefühl abgefahren, dass sich in Deutschland kein Mensch darum kümmert, wie es ihren Vorfahren erging.

Wussten die Hamburger damals eigentlich vom Genozid an den Herero und Nama?

Ja! Wir konnten etwa nachweisen, dass Hamburg als Hafenstadt im Herero­krieg eine zentrale Rolle ge­spielt hat. Die Woermann­ Linie besaß ein Monopol für Truppentransporte nach Süd­westafrika und folglich lief der gesamte Truppen­ und Nachschubtransport über Hamburg. Es wurden regel­rechte Abschiedsfeiern für die abfahrenden Truppen geschmissen. Dieser Krieg war also auch im städtischen Bewusstsein.

“Es gab kaum ein Unrechtsbewusstsein”

Gab es ein Unrechtsbewusstsein?

Ganz generell kann man sagen: Es gab kaum ein Un­rechtsbewusstsein. Man war allgemein der Meinung, dass die Verdrängung der einhei­mischen Bevölkerung durch die Weltgeschichte gerechtfertigt sei, weil die „zivilisa­torische Überlegenheit“ dazu berechtige. Eine Haltung, die sich als Muster durch die gan­ze Kolonialgeschichte zieht.

Das heißt, die Hamburger Bürger wussten konkret, dass Tausende Menschen ausgebeutet oder sogar umgebracht wurden?

Sie konnten es wissen. Auch wenn das im Einzelnen schwer zu messen ist. Aber Kolonialismus war präsent, und auch die damit verbun­denen Menschenrechts­verletzungen. Ich denke, es ist wie im Dritten Reich: Die Leute wussten viel mehr oder konnten zumindest viel mehr wissen.

Ein anderes Thema, das für viel Diskussionsstoff sorgt, sind die Straßennamen, die nach Personen aus der Kolonialzeit benannt sind oder auf die Kolonialzeit verweisen. Etwa in der HafenCity.

Die gibt es auch in Wands­bek und in anderen Vierteln. Der Dominikweg oder die Wissmannstraße zum Beispiel.

“Es wird nostalgisch verklärt”

Wie sollte man Ihrer Meinung damit umgehen?

Das ist eine ganz schwie­rige Frage. Man muss offen darüber diskutieren. Und an dieser Stelle kann auch die Forschungsstelle einen Bei­trag leisten, indem sie die Fakten zu den Personen lie­fert. Wir müssen ganz offen darlegen, wofür diese Na­men stehen. Denn meistens wird auch da noch nostal­gisch verklärt. Da wird in der Beschreibung des Straßen­ schildes schon mal aus einem Wissmann, der ein Eroberer und Kriegsverbrecher war, ein „Forschungsreisender“ oder „Afrikakenner“. Man kann sich auch nicht auf die Be­hauptung zurückziehen, dass es damals anders gemeint ge­wesen sei. Wenn Gruppen wie die „Initiative Schwarze Men­schen in Deutschland“ sich über die Namen beschweren und man sie trotzdem nicht umbenennt, dann ist das im Grunde ein Akt der Neuset­zung. Die Gesellschaft sagt: Nein, wir wollen den Kriegs­verbrecher ehren. Ob man das will, ist dann die Frage.

Ich finde, dass man einen Teil der Namen umbenennen kann. Wichtig ist nur, dass man sie in Übereinstimmung mit dem historischen Kontext umben­ ennt. Man sollte einen Wiss­mann nicht durch irgendje­manden ersetzen, sondern vielleicht durch jemandem, der im Widerstand gegen ihn oder gegen den deutschen Kolonialismus in Ostafrika war. So bliebe der historische Bezug, das historische Ge­dächtnis erhalten.

Aber Wissmann würde aus dem Bewusstsein verdrängt werden.

Man kann den Straßen­namen umbenennen und ein Schild hinzufügen: „Vormals Wissmannstraße“ und dann begründen, warum Wiss­manns Bild sich geändert hat und er kein Vorbild mehr für die deutsche Gesellschaft im 21. Jahrhundert sein kann. Vielleicht würde das mehr Aufmerksamkeit auf seine Taten lenken. Aber diese Ent­scheidung muss die Zivilge­sellschaft treffen, unter Ein­bindung der vom Kolonialis­mus und Rassismus am un­mittelbarsten Betroffenen.

Text und Interview: Ulrich Thiele
Beitragsfoto: Jérome Gerull

Online: Kolonialismus.Uni-Hamburg.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

 

 

 

 


Mehr Interviews mit Hamburger Köpfen:


Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Sophie Hunger im Interview: „Hamburg wäre schon mein Typ“

Deutsch, Schweizerdeutsch, Englisch, Französisch: Sophie Hungers Songs hatten viele Sprachen. Auf ihrem neuen Album „Molecules“ (VÖ 31.8.) gibt es nur noch eine, und auch sonst hat sich vieles verändert im Künstlerkosmos der Schweizerin. Ein Gespräch mit der 35-Jährigen über musikalische Versteckspiele, süchtig machende Technopartys und eine imaginäre eigene Bar.

SZENE HAMBURG: Sophie, auf deinem neuen Album „Molecules“ hältst du fest: „Today, hooray, I opened a bar!“ Den Namen des Lokals verrätst du allerdings nicht.

Sophie Hunger: (lacht) Stimmt, ich sage nur, dass es in der Bar für alles eine Lösung gibt.

Wie wäre es mit „Sophie Hunger’s Show Bar“?

Denkt man dann nicht schnell an Männer mit Jacketts, aus denen Hasen herauspoppen? Und an Zauberkugeln, in denen man die Zukunft sieht?

Woran sollen die Leute denn denken, wenn sie von deiner Bar hören?

An eine Bühne, gleich wenn man rein kommt. Die Bühne ist der erste Raum, und jeder muss einmal drüber, denn die Bar, also der Tresen, kommt erst dahinter. Einen dritten Raum gibt es auch noch, zum Sitzen und Reden.

Welche Berühmtheiten sollten bei der Eröffnungsfeier dabei sein?

Ich fände es gut, wenn David Shrigley kommen würde. Vielleicht könnte er auch das Plakat zur Party gestalten. Courtney Barnett würde Musik machen, und Eric Cantona würde die Drinks mixen. Gleichzeitig wäre er auch der Rausschmeißer.

Und mal weiter gedacht: Wäre der Soundtrack der Bar grundsätzlich elektronisch geprägt?

Es würde zumindest ab und an DJ-Sets geben. Das könnte mein Freund Bonaparte übernehmen.

 

„Techno hatte mich früher eher abgestoßen, und plötzlich zog er mich an.“

 

Es heißt, du hättest dich elektronischer Musik mit deinem Umzug nach Berlin immer mehr angenähert.

Es gibt ja in Berlin auch fast nichts anderes als elektronische Musik.

Zieht es dich regelmäßig zu Technopartys?

Ich hatte zumindest mal eine Phase, in der ich regelmäßig ins Berghain und in den KitKatClub gegangen bin. Das war sogar eine kleine Sucht. Techno hatte mich früher eher abgestoßen, und plötzlich zog er mich an.

Hat dich dabei nur das Klangästhetische gereizt oder auch die Illusion der Nacht, die in Berlin so zelebriert wird?

Beides, und hinzukam noch die Illusion der Körperlichkeit. Dieses Verlieren des eigenen Körpers. Es gab keine Geschlechter mehr, keine Identitäten. Alles wurde so molekular.

Stimmt die Geschichte, dass du dir mal um vier Uhr morgens den Wecker gestellt hast, um pünktlich zum Auftritt von Paula Temple um fünf im Club zu sein?

Ja, die stimmt. Das war auch im KitKatClub. Der ist anders als das Berghain, ohne Drogen ist es dort nicht so lustig. Ich wollte aber eh vor allem das Set sehen.

In einem anderen Song auf „Molecules“, nämlich „The Actress“, sagst du dann: „I make a living with my songs.“ Das würde in Berlin wohl jeder Musiker gerne behaupten können, aber es schaffen nur wenige. Wie nimmst du die Musikszene wahr?

Berlin ist die europäische Anlaufstelle für alle Leute zwischen 20 und 30 Jahren, die auch nur wage etwas Künstlerisches machen wollen. Einerseits ist es sehr wichtig, dass es diesen Hafen gibt, und gleichzeitig ist er eine große Gefahr.

Inwiefern?

Weil man dort ganz gut ungestört scheitern kann. Viele Leute verpuffen irgendwann. Es gibt ja keinen Druck und keine Zwänge, und dann schmeißen sie ihr Talent einfach aus dem Fenster.

Hattest du immer nur Berlin im Sinn? Oder hast du auch mal über Hamburg nachgedacht?

Ja, schon. Ich dachte immer: Wenn Hamburg eine Person wäre, wäre sie schon mein Typ. Aber es war einfach unkompliziert, nach Berlin zu kommen, und ich habe ja auch noch eine Wohnung in Paris. Zusammen funktioniert das sehr gut.

Für etablierte Künstler wie dich ist Berlin wahrscheinlich auch eher eine Art Lebensbasis als ein dauerhafter Arbeitsplatz.

Genau. Ich arbeite meistens woanders, wohne aber in Berlin.

Wie wohnst du denn? Altbaubude in Prenzlauer Berg und Schrebergarten in Pankow zur Entspannung?

(lacht) Nein, alles falsch. Ich habe ein Wohnung in Kreuzberg an einer sehr befahrenen, lauten Straße. In der Küche habe ich ein Studio, ein Raum ist einfach leer, und in einem anderen schlafe ich. Es haben mehrere Leute Schlüssel zu dieser Wohnung. Wenn ich nicht da bin, wohnen die da und nehmen in der Küche Alben auf.

Ist „Molecules“ eigentlich komplett in Berlin entstanden?

Bis auf zwei Songs, ja. Aufgenommen habe ich dann alles in London.

Hattest du bestimmte Ziele im Entstehungsprozess der Stücke?

Nein, aber ich habe mir ein paar Regeln geschaffen, zum Beispiel dass es nur vier Elemente auf dem Album zu hören geben darf: Gesang, Synthesizer, Drumcomputer und Gitarre. Es sollte keine Band geben. Ich wollte mich einschränken und nur in den Computer hineinarbeiten, ohne eine Art von Dynamik. Und: Ich wollte nur englische Texte.

Du hast kürzlich erwähnt, du hättest das Gefühl gehabt, dich hinter deinen bisher mehrsprachigen Songs versteckt zu haben …

… um mich dem Vergleich zu entziehen. Die wahre Konfrontation wurde erst jetzt möglich, durch die einheitliche Sprache. Wenn man Popmusik macht, ist die englische Sprache eine Art Epizentrum, so was wie die Uhren in der Schweiz. Und ich wollte deshalb auch mal ein ausschließlich englischsprachiges Album machen.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Marikel Lahana

Sophie Hunger spielt an folgenden Terminen in Hamburg: 29.9., Mojo Club, 20 Uhr; 30.9., Uebel & Gefährlich, 20 Uhr; 2.10., Gruenspan, 20 Uhr.


Wir verlosen 2×2 Tickets für alle drei Konzerte von Sophie Hunger in Hamburg!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

  • Mail senden an verlosung@vkfmi.de
  • Betreff: Sophie Hunger
  • Einsendeschluss: 28.09.18, 10 Uhr

Bitte gebt für den Versand des Gewinns Euren vollständigen Namen und Adresse an. 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


Lust auf mehr Stories aus Hamburg?

Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Meet the Resident – Louis Kreye

Jeden Monat stellen wir in der SZENE HAMBURG präsentiert von Hamburg Elektronisch Resident DJs vor. Diesmal mit Louis Kreye, 23, seit sieben Jahren als DJ im Norden unterwegs.

SZENE HAMBURG: Louis, wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Louis Kreye: Techno und Breaks mit Einflüssen von Acid und Rave.

Deine schrecklichste Gast-Frage?

Die beste Antwort auf die dümmste aller Fragen „Ey, spielst du auch Goa?!“ ist: Die Plattenteller können sich nicht schneller drehen – klappt immer!

Was war dein größter Moment als DJ?

Plötzlich am Meer in Polen vor drei Jahren, da hatte ich den Freitagabend- Slot mit meinem Homie Planet Zwo. Ca. 3000 Leute in die erste Nacht eines Festivals zu führen ist auch emotional ein schönes Erlebnis.

Deine Platte des Monats?

Introversion’s Laika Release auf ARTS.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Die Stadt hat viele musikalische Facetten und alles bleibt in einem relativ familiären Umfeld, was aber auch zum Nachteil werden kann. Gleichzeitig ist Hamburg kein Mikrokosmos, in dem sich alles um sich selbst dreht wie beispielsweise Berlin. Einflüsse von überall werden gewählt, aber schnell aufgenommen, dadurch kommen immer neue interessante Sachen hoch.

Und die Schwächen?

Generell? Stadtpolitik, gewalttätige Cops auf Demos und was sollen Olaf & Andi bitte noch tun zum Rausfliegen? Ansonsten, die Vetternwirtschaft vieler Klubs, gerade wenn sie sich nicht durchs Booking füllen, spielen dann auch mal die Thekenkräfte, die sich vor ein paar Wochen Virtual DJ geladen haben und jetzt die Deep House Tracks von den Sticks ihrer Kumpels auflegen (nix gegen Thekenkräfte).

Wo findet dein nächster Hamburg-Gig statt?

Am 8. September 2018 unten in der Fabrique vom Gängeviertel!

Interview: Ole Masch & Jean Djaman

Das aktuelle Set von Louis Kreye im Podcast von Hamburg Elektronisch:

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

Das könnte dich auch interessieren:

 

Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Karibik in Ottensen – „Die Bäume des Paradieses“ von Nele Gülck

Fotoausstellung: Nele Gülck zeigt in „Die Bäume des Paradieses“ die Palmen-Objekte eines Hamburger Sammlers.

Auch Hamburg hat Palmen. Zeitweise stehen einige in Kübeln am Jungfernstieg. Und rauschen das ganze Jahr lang auf der Verkehrsinsel zwischen Deichtorhallen und Kunstverein im Fahrtwind der Autolawinen. Jedes Mal muss man sich die Augen reiben, wenn man sie sieht. Denn wo Palmen stehen, ist die Idylle normalerweise nicht weit, sanfte Wellen, die an den Sandstrand rollen, laue Nächte und Südseeklänge.

Palmen stehen für Sehnsucht, für die Ferne und das Island in the Sun. Auch für Alf Trojan, der am UKE das Institut für Medizin-Soziologie leitete und ansonsten am liebsten mit seiner Frau Tasch die Welt bereist – und Palmen sammelt. Nicht solche in Töpfen. Das haben sie öfters probiert. Aber irgendwie sind sie ihnen immer eingegangen. Die unkaputtbaren sind da besser. Aus Plastik, Metall oder Holz, gemalt, fotografiert, genäht, gestickt oder aufblasbar.

Mit einer Brosche fing alles an

Mehr als 1.500 Palmen-Objekte hat Alf Trojan in den letzten 40 Jahren gesammelt, in der Ottensener Wohnung waren sie überall. Palmenbilder im Flur, Palmen-Aschenbecher auf dem Tisch, Palmen-Wein daneben, Palmen-Geschirr im Küchenschrank, Palmen-Kissen auf der Couch oder Palmen-Sticker am Revers. Mehrere Hunderte hatte er davon. Denn mit einer Palmen-Brosche fing schließlich alles an, irgendwann in den 70er-Jahren. Öffnete man jetzt den Kleiderschrrank waren sie an langen Stoffbändern festgepinnt, Sticker neben Sticker. Öffnete man den Wäscheschrank, waren Bettbezüge mit Palmen darin, im Badezimmer standen Palmen-Miniaturen – und irgendwo auch der wunderbare 1980er-Jahre Raumduft Likuluft mit Palmen im Sonnenuntergang darauf. So riecht die Karibik!

Irgendwann aber reichte es Alf Trojan dann, der sich selbst nie als Sammler verstand, nie Objekten nachjagte. Sie kamen selbst zu ihm und er empfing sie mit offenen Armen. Aber alles was man besitzt, besitzt auch einen und um Blick und Kopf und auch die Wohnung freizukriegen, trennte er sich vor ein paar Monaten von dem Großteil seiner Sammlung und vermachte ihn der Hanseatischen Materialverwaltung im Hamburger Hafen. Eigentlich ist der Fundus auf wesentlich größere Gegenstände spezialisiert, die er verleiht oder verkauft. Doch dem Charme der Palmen konnte er nicht widerstehen.

Südseeträume aus der Lagerhalle

Und so entdeckte die Hamburger Fotografin Nele Gülck die Palmen-Objekte, kleine Südseeträume in den riesigen Lagerhallen und sie beschloss, die Sammlung festzuhalten.

Was einzelne Gegenstände beginnen zu erzählen, wenn man sie separiert und in das Zentrum einer Fotografie stellt, hatte sie zuvor in ihrer Bilderserie „Auf ewig“ erkundet. Als sie den Besitz eines Ehepaars, das 66 Jahre lang verheiratet war, festhielt – von der gehäkelten Haarklammer über die Aktenordner bis zu Urlaubspostkarten und dem Transistorradio.

Jetzt baute sie ein mobiles Fotostudio in der Materialverwaltung auf, in winterlicher Kälte, die so gar nichts mit Karibikträumen gemein hatte. Und bevor die Palmen-Sammlung durch Verkäufe auseinandergerissen wird, fotografierte sie Stück für Stück vor sandfarbenem Hintergrund, ordnete die Objekte neu an, schloss sie zu Gruppen zusammen. Sie wirft einen neuen Blick darauf, lässt Geschichten und Sehnsuchtsbilder aufkommen, unterstreicht Skurrilitäten und auch die Macken, die die Sehnsüchte an einigen Stellen haben, die Schrammen, geschmolzenen Kerzen und halb ausgetrockneten Schneekugeln.

Bevor „Die Bäume des Paradieses“ als Fotobuch im Kerber Verlag erscheinen, sind sie jetzt im Dear Photography Art Room in Altona zu sehen. Ein großartiger Ausflug in die Karibik, die Südsee und andere Paradiese wie man sie noch nicht gesehen hat.

Nele Gülck: Die Bäume des Paradieses, Dear Photography Art Room, bis 29.9.18; www.dearphotography.com

Text: Sabine Danek
Fotos: Nele Gülck


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

Lust auf mehr Stories aus Hamburg?

 

Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.