Top 12 – Die besten Arbeitsplätze für Freelancer

Als Freelancer fehlt es manchmal an Freiräumen und Austausch. Dafür gibt es eine Lösung: Raus aus den einsamen vier Wänden und mit dem Laptop unter dem Arm ab ins kollektive Arbeitsleben. Wer weiß wohin, ist klar im Vorteil.

Texte: Nadine Eder
Foto: Kathrine Uldbæk Nielsen

 

Coworking Spaces

 

1) Betahaus

Trotz der hippen Schanzenlage ist das Beta haus ohne viel Schnickschnack (Beitragsfoto). Es bietet rund um die Uhr ein Zuhause für Hamburgs Kreativ- und Digitalszene. Über 450 Menschen kommen hier zusammen, um Kontakte zu knüpfen und sich zu vernetzen. Zusätzlich finden regelmäßig Events statt, die online einsehbar sind. Wer kurzfristig und flexibel einen Arbeitsort sucht, wird hier fündig. Mit einem Tagesticket für 17 Euro ist man dabei. Zudem ist auch ein fester Arbeitsplatz ab 250 Euro pro Monat mietbar. Angeboten werden außerdem eine Coworking-Flatrate sowie Meeting- und Konferenzräume.

Eifflerstraße 43 (Sternschanze); hamburg.betahaus.de


2) Beehive

Für alle, die die Abwechslung suchen, stellt das Beehive gleich drei Standorte bereit: in der Neustadt, Altstadt und in Bahrenfeld. Was alle drei eint: die einladende Umgebung. So ist zum Beispiel der Coworking Space in der Neustadt in einem alten Kontorhaus untergebracht. Unentschlossene können das Beehive drei Tage lang kostenlos testen. Ob Einzeloder Teamraum – alle Angebote können vorab online oder über die App gebucht werden und starten ab einem Preis von vier Euro pro Tag.

Steinstr. 5-7 (Altstadt), Kaiser-Wilhelm-Str. 83 (Neustadt), Gasstr. 18 (Bahrenfeld); www.beehive.work

 

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3) Shhared Hamburg

Ausgefallenes Design oder durchgestylte Räume haben bei Shhared Hamburg keinen hohen Stellenwert. Es soll stattdessen eine Infrastruktur zum Verwirklichen von Ideen bereitgestellt werden, denn diese brauchen ein Netzwerk. Dafür stehen Spaces zu unterschiedlichen Zeiträumen zur Verfügung – für einen Preis ab 10 Euro. Daneben sind auch komplette Büro- und Konferenzräume mietbar.

Daimlerstraße 71 (Bahrenfeld); www.shhared.de

 

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4) Coworking Airport

Der Coworking Aiport besticht durch seine Lage, die sich, wie der Name schon sagt, in unmittelbarer Nähe zum Hamburger Flughafen befindet. Ideal für alle, die zur Zeitüberbrückung einen Ort zum Arbeiten suchen und ihren Kurzaufenthalt sinnvoll nutzen möchten. Ob Schreibtisch, ein ganzes Büro oder ein Konferenzraum – wie der Arbeitsplatz beschaffen sein soll, ist frei wählbar. Ab 200 Euro pro Monat gibt es einen festen Arbeitsplatz und ab 180 Euro pro Tag einen vollständigen Konferenzraum.

Suhrenkamp 59 (Ohlsdorf); www.coworking-airport.com


5) Mindspace Hamburg

Wer eine Schwäche für stilvolles Design hat und über das nötige Budget verfügt, ist im Mindspace gut aufgehoben. Mit seinen rund 4.000 Quadratmetern Fläche werden auf mehreren Etagen eine Mischung aus Büro- und Gemeinschaftsflächen in angenehmer Wohlfühlatmosphäre angeboten. Auch Meetings oder Workshops können hier veranstaltet werden. Daneben finden hier diverse Events statt wie der Crowdfunding Club. Diese Ausstattung hat natürlich ihren Preis: Für einen „Open Space Desk“ muss man im Monat 400 Euro hinblättern und ein privates Büro gibt es ab 1.000 Euro.

Rödingsmarkt 9 (Altstadt); www.mindspace.me

 

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 6) Wittkielhof (SPONSORED)

Wer im Alltag mal eine ordentliche Brise Meeresluft braucht, hat die Möglichkeit, seinen Arbeitsplatz an die Ostsee zu verlegen. Der Wittkielhof in Schleswig-Holstein bietet beides: temporär mietbare Arbeitsplätze in idyllischer Atmosphäre und Natur pur. Der am Ortsrand von Wittkiel gelegene Wittkielhof ist ein originaler Angeliter Dreiseithof nahe der Ostsee, der im Jahre 850 errichtet und ursprünglich landwirtschaftlich genutzt wurde. Die ehemalige Kornscheune wurde 2003 mit viel Liebe zum Detail zu einem individuellen Veranstaltungsort umgebaut ohne den ursprünglichen Charme zu tangieren. In der sogenannten „Eventscheune“ finden regelmäßig Hochzeiten, Tagungen sowie diverse Feiern statt. Allerdings wird dort nicht nur gefeiert.

Auch stehen hier je nach Bedarf rund 30 Arbeitsplätze zur Verfügung mit Anbindung an die Infrastruktur des Hauptgebäudes. Die Preise pro Tag und Zimmer liegen zwischen 120 und 150 Euro und unter der Telefonnumer 04642/92 05 35 können sich Interessierte anmelden. Wer Erholung mit Arbeiten verbinden möchte, sollte diesen Ort unbedingt ausprobieren.

Wittkielhof, 24409 Wittkiel; www.wittkiel-events.de

Wir verlosen einen Arbeitsplatz für 5 Tage inklusive Übernachtungen!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

  • Mail senden an verlosung@vkfmi.de
  • Betreff: Wittkielhof
  • Einsendeschluss: 24.02.19, 10 Uhr

Bitte gebt für den Versand des Gewinns Euren vollständigen Namen und Adresse an. 


7) Hellomonday.de

Keine Ahnung, wohin zum Arbeiten? Hellomonday schafft Abhilfe und ist die erste Vermittlung für Büroflächen und Coworking Spaces. Ob Eigentümer oder privater Vermieter: Hellomonday arbeitet mit diversen Partnern zusammen, bietet ein umfangreiches Netzwerk und übernimmt die Abwicklung. Die Auswahl erfolgt zunächst online. Falls das nicht ausreicht, stehen Experten gerne für ein persönliches Gespräch zur Verfügung. Das Ziel ist es, Menschen Orte zum Arbeiten zu geben, die zu ihnen passen und die dazu beitragen sollen, gerne ins Büro zu fahren. Vor allem montags – daher auch der Name.

www.hellomonday.de

 

Bibliotheken

 

8) Bibliothek im Museum der Arbeit

Wer sich für die Sozialgeschichte Hamburgs von 1800 bis heute interessiert, sollte der Bibliothek im Museum der Arbeit, der wissenschaftlichen Spezialbibliothek für dieses Gebiet, einen Besuch abstatten. Die Präsenzbestände dienen der wissenschaftlichen Arbeit im Museum und sind für alle Interessierten frei zugänglich. Zudem bieten sie ein umfassendes Archiv – darunter 100 aktuelle Zeitschriften im Abonnement. Die Schwerpunkte sind u. a. Alltags- und Sozialgeschichte, soziale und politische Bewegungen und Stadtkultur. Um eine Anmeldung wird gebeten.

Wiesendamm 3 (Barmbek-Nord); www.shmh.de


9) Bibliothek der Hamburger Kunsthalle

Wieso nicht mal einen Ausstellungsbesuch mit Arbeit kombinieren: Die Bibliothek der Hamburger Kunsthalle liefert Informationen zu 800 Jahren Kunstgeschichte – darunter circa 200.000 Bücher, Kataloge, Zeitschriften zu Künstlern und Themen der Kunstgeschichte. Vordergründig werden die Sammlungsgebiete und Forschungsaktivitäten der Hamburger Kunsthalle abgedeckt, jedoch sammelt die Bibliothek ebenso Ausstellungs- und Sammlungskataloge von Museen und Galerien weltweit. Sie ist die wichtigste kunstwissenschaftliche Fachbibliothek im norddeutschen Raum.

Glockengießerwall 5 (Hamburg-Altstadt); www.hamburger-kunsthalle.de

 

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10) Zentrale Bibliothek Frauenforschung

Die Hamburger Frauenbibliothek umfasst über 18.000 Medien und spiegelt interdisziplinär die Schwerpunkte feministischer Diskussionen wider. Dazu gehören Gender Studies, Queer Theory, Migration, feministische Theorie und kritische Männerforschung. In den Räumen der Bibliothek finden gelegentlich auch Veranstaltungen wie das „Fem*Quiz“ statt. Die Ausleihe erfolgt für alle Interessierten kostenlos.

Monetastraße 4 (Rotherbaum); www.hamburger-frauenbibliothek.de

 

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11) Bibliothek der Forschungsstelle für Zeitgeschichte

Thematisch werden hier die Schwerpunkte der Zeitgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte des Nationalsozialismus und der Arbeiterbewegung in Hamburg und Norddeutschland abgedeckt. Geführt werden außerdem die Bereiche der frühen Geschichte der Bundesrepublik, insbesondere Mediengeschichte, Sozial- und Kommunalgeschichte des 20. Jahrhunderts sowie völkische und nationale Verbände und Organisationen. Mit einem Bestand von gegenwärtig circa 92.000 Bänden verfügt die „FHZ“ über eine öffentlich zugängliche wissenschaftliche Präsenzbibliothek.

Beim Schlump 83 (Rotherbaum); www.zeitgeschichte-hamburg.de

 

Alternativen & WLAN

 

12) Public Coffee Roasters

Der Goldbekplatz in Winterhude ist einer der drei Standorte, an dem das Public Coffee Roasters ansässig ist. Enge Tische und böse Blicke sind nicht zu befürchten, denn das Café in der alten Stahlfabrik bietet optimale Bedingungen zum Arbeiten: ausreichend Platz, reichlich Steckdosen und kostenloses WLAN. Lichtdurchflutete Räume schaffen eine wohlige Atmosphäre – hilfreich beim kreativen Nachdenken. Und: Wer ein paar Stunden im Roasters arbeitet, hat jederzeit Zugriff auf frischen Kaffee-Nachschub und Snacks.

Goldbekplatz 1 (Winterhude); www.publiccoffeeroasters.com


13) Strandkiosk Ahoi

Zugegeben, der Strandkiosk Ahoi ist nicht der erste Ort, den man mit Arbeiten verbindet. Und er ist vielleicht auch nicht der beste Ort, um den Laptop auszupacken. Solange man sich nicht zu sehr von den Schiffen ablenken lässt, bietet er jedoch bei feinem Ausblick eine Möglichkeit, nachzudenken und zu reflektieren. Falls man doch mal seine Notizen aus der Tasche holt und einen Blick auf das Tablet oder Handy wirft: Für WLAN wird gesorgt. Und für Pizza auch.

Övelgönne 57 (Othmarschen); www.strandkiosk-hamburg.de

 

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 Diese Topliste stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Auf einen Song mit … Sepalot

Der einstige Blumentopf-DJ Sepalot führt mit dem Sepalot Quartet Beats und Jazz zusammen und gibt Empfehlungen aus beiden musikalischen Lagern.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Nico Reger

SZENE HAMBURG: Sepalot, wir brauchen Beats und Bässe! Welche drei Tracks hauen uns von jetzt auf gleich vom Hocker?

Son Lux: „Easy“. Ich liebe den arty und verspulten Ansatz von Son Lux. Ist einfach eine super interessante Band. Von „Easy“ gibt es auch eine gute Orchesterversion, zusammen mit Woodkid.

Uffe: „My Love Was Real“. Das ganze Album „Radio Days“ ist sehr fein. Ich mag die Mischung aus BoomBap-Sample-Ästhetik und UK Dance Music.

World’s Fair: „Elvis’ Flowers (On My Grave)“. Das ist der Rap-Song, der mich 2018 am meisten umgehauen hat. So schön durchgeknallt. Wie ein Update von „ The Pharcyde“.

 

„HipHop hat sich schon immer viel beim Jazz ausgeborgt.“

 

Okay, und jetzt wieder runterkommen – am liebsten mit Jazz! Hast du hierfür auch drei Stücke parat?

Web Web: „Land Of Arum Flower“. Web Web ist das Jazz-Projekt meines geschätzten Kollegen Roberto Di Gioia aus München. Roberto ist ein begnadeter Pianist. Diese Platte im Stil des Spiritual Jazz der 70er Jahre ist einfach fantastisch.

Fazer: „White Sedan“. Das Münchner Quintett um Martin Brugger (a. k. a. Occupanther) ist New Generation Jazz. Die Jungs sind sowohl mit Clubmusik als auch mit dem Jazz bestens vertraut.

Matthias Lindermayr: „Massave“. Schon wieder ein Münchner! Ja, es tut sich gerade was in der Stadt. Matthias hat nicht nur den schönsten Trompetensound, er ist auch ein Teil des Sepalot Quartets und hat 2018 sein zweites Soloalbum „New Born“ über Enja Records veröffentlicht.

Du mixt nun auf der Bühne die Vom-Hocker-Hauer-Beats mit Jazz. Warum gehören diese musikalischen Puzzleteile zusammen?

Ich war viele Jahre im HipHop zu Hause. Ein Genre, dass sich schon immer viel beim Jazz ausgeborgt hat. Und jetzt, da ich nach meiner Zeit bei Blumentopf ohne Rapper auf der Bühne stehe, ist wieder Platz in meiner Musik. Der Jazz schließt die Lücke, und es fühlt sich ganz natürlich an.

Sepalot: 15.2.19, Birdland, 20 Uhr

 

Hört hier „Rainbows“ von Sepalot


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FoodSZENE – „Blutleere Gastronomie braucht kein Mensch“

Jasmin unterwegs – Schanzen-Gastronom Gerrit Lerch hat Anfang November 2018 sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Interview: Jasmin Shamsi

SZENE HAMBURG: Galopper des Jahres, Jolly Jumper und seit Neuestem das Chambre Basse – das alles gehört zu deinem Imperium und zum Haus 73. Wie hängen die Bars zusammen?

Im Galopper des Jahres gibt es mittlerweile 16 Hähne mit unterschiedlichen Bieren, regelmäßige Bier-Degustationen und öffentliche Brauerstammtische. Der Jolly Jumper bietet freitags und samstags Clubfeeling mit guter Musik und gut gelaunten Gästen und das Chambre Basse, das ich seit Anfang 2018 zusammen mit David Struck und Felix Piechotta betreibe, ist eine schicke Cocktailbar, in die man sich zurückziehen kann, wenn man den Trubel vom Schulterblatt abschütteln möchte.

Die beiden Kultkneipen BP1 und Bedford, mit denen du ab 1998 eine neue Ära in der Schanze eingeläutet hast, musstest du 2014 schließen. Was hat sich seitdem getan?

Diese beiden Läden abgeben zu müssen, war tragisch und auch ein wenig sinnbildlich für die Entwicklung im Viertel. Subkultur hat es schwer, sich im ständigen Profitstreben zu behaupten. Mit Herzblut betriebene Bars geben einem Viertel Identität, Farbe und Charakter. Blutleere Gastronomien braucht kein Mensch.

 

„Das Hier und Jetzt bei lauter Gitarrenmusik feiern“

 

An welchem Punkt würdest du die Uhr noch mal zurückdrehen, wenn du könntest?

Ich vermisse einen Laden, in dem man zu jeder Nachtzeit gleichgesinnte und spannende Menschen trifft, die in selbstzerstörerischer Art das Hier und Jetzt bei lauter Gitarrenmusik feiern. Am besten auf dem Tresen! So war es halt im BP1. Trotzdem: Ich will überhaupt nichts rückgängig machen. In der Schanze fühle ich mich immer noch zu Hause.

Wo siehst du schwarz für die Schanze?

Gäste, die sich nicht benehmen können, haben schon immer genervt. Belanglose Gastronomien genauso. Geldgeile Vermieter, die durch überhöhte Mieten der Subkultur die Tür vor der Nase zuschlagen sind ein absolutes Ärgernis. Und von Kiosken, die ohne jede Infrastruktur unsere Gäste abgreifen und mit billigen Longdrinks abfüllen, halte ich auch nicht viel.

 

„Eine faire Bezahlung ist das Fundament für ein nettes Miteinander“

 

Überall heißt es, der Gastrobranche gehe der Nachwuchs aus. Bist du davon betroffen?

Zum Glück finden wir immer wieder neue Leute, die Lust haben, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen. Den Speisegastronomien geht es da anders. Grundsätzlich gilt: Für die Branche muss man gemacht sein. Ich erinnere mich an ein Bewerbungsgespräch für einen Ausbildungsplatz zum Hotelfachmann. Die Frage meines damaligen Personalchefs ist mir bis heute im Kopf hängengeblieben: „Sie wissen schon, dass Sie jetzt immer dann arbeiten, wenn andere Leute feiern?“ Unter ständigem Stress nachts an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten und dafür nur ein mäßiges Gehalt zu bekommen, darauf haben viele keinen Bock mehr. Die Arbeitszeiten sind leider nicht zu ändern. Der Stress ist auch da, aber in einem funktionierenden Team ganz gut erträglich. Eine faire Bezahlung ist aber definitiv das Fundament für ein nettes Miteinander!

Schulterblatt 73 (Sternschanze); www.dreiundsiebzig.de


Who the fuck is…

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.


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Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Kurz vorgestellt: Nachwuchs-Regisseur Mate Ugrin

Drei Fragen an den Nachwuchsfilmemacher Mate Ugrin, der mit dem „First Steps Award“ 2018 ausgezeichnet wurde.

Interview: Maike Schade

Wieder hat ein Studierender der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK) den wichtigsten deutschen und mit 10.000 Euro dotierten Nachwuchspreis für Filmemacher gewonnen: Mate Ugrin. Der in Kroatien geborene 32-Jährige überzeugte die Jury des „First Steps Awards“ mit seinem Kurzfilm „In der Zwischenzeit / Meanwhile“, besonders lobten sie die „klare Bildsprache und Erzählökonomie“. Es war die zweite Auszeichnung für Ugrin in 2018: Beim Filmfest Dresden erhielt er den „Goldenen Reiter“ der Jugendjury.

SZENE HAMBURG: Was machst du mit den 10.000 Euro?

Mate Ugrin: Diese zusätzliche finanzielle Sicherheit hilft mir, dass ich mich auf verschiedene laufende Projekte konzentrieren kann. Außerdem liebäugele ich mit einer Reise nach Asien …

Wie sieht dein nächstes Projekt aus?

Ich arbeitete gerade an zwei Projekten: „ The Dormitory“, eine Kurzdoku, die die Freizeit eines Hafenarbeiters in einer kroatischen Küstenstadt porträtiert. Und dann „Brank“, ein fiktionaler Kurzfilm über eine junge Krankenschwester aus Zentralkroatien, die auf eine Adria-Insel gezogen ist, um sich um eine wohlhabende ältere Dame zu kümmern. Beide Filme beschäftigen sich also mit dem Zustand der Trennung und Isolation, die der aktuelle Arbeitsmarkt oft mit sich bringt.

Was ist dein Lieblingsfilm?

Das ist definitiv ein Film von Robert Bresson, „Au Hasard Balthazar“.

Seht hier den Kurzfilm „MJESTA U BLIZINI“ von Mate Ugrin


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Community Cola – 9 Zutaten, 1 Projekt

Die berühmte braune Brause wird zum Helfer: Zwei Hamburger fördern mit ihrem Getränke-Unternehmen soziale und kulturelle Projekte.

Interview: Erik Brandt-Höge
Beitragsfoto: Ronja Schwer

Jan van Schwamen und Hanns J. Röhl haben alles selbst zusammengerührt. Ein Jahr lang hat die Entwicklung ihrer Community Cola gedauert, bis der gewünschte Cola-Geschmacksmix aus neun zentralen Zutaten gefunden war. Einmal mit und einmal ohne Zucker gibt es ihre Limo nun, beide Varianten helfen. Mit dem Kauf einer Community Cola geht ein Fixbetrag an ein soziales oder kulturelles Projekt. Im Gespräch erklärt Jan, wie genau das funktioniert.

SZENE HAMBURG: Jan, inwiefern kann eine Cola-Marke für ein sozialeres Hamburg sorgen?

Jan van Schwamen: In dem ein fixer Betrag von jeder verkauften Flasche in ein bestimmtes Projekt fließt. Das ist unser Konzept: Jeder Konsument ist ein Unterstützer und Teil einer Community, die entscheidet, welches Projekt gefördert wird.

Wobei es nicht zwingend ein Getränk sein müsste, dass ihr für eure Idee nutzt, es könnte auch Schokolade, Seife oder Holzspielzeug sein, oder?

Klar. Die Cola ist nur ein Vehikel zum Community-Prinzip. Ich habe Lebensmittelwissenschaften studiert, und Cola war einfach schon sehr lange eine Herzensangelegenheit von mir. Daher diese Wahl.

 

„Es ranken sich viele Mythen um das Rezept von Coca-Cola“

 

Wie macht man denn eine eigene Cola?

Es ranken sich ja viele Mythen allein um das Rezept von Coca-Cola. Angeblich wissen das nur zwei Menschen auf der Welt, weshalb sie auch niemals im selben Flugzeug sitzen dürfen, denn bei einem Absturz wäre alles futsch. Das ist natürlich Schwachsinn, aber die Cola-Geschichten fand ich trotzdem immer spannend und wollte es irgendwann selbst mit einer Cola-Herstellung probieren.

Mit fair gehandelten Zutaten?

Genau. Der Zucker, den wir verwenden, ist beispielsweise Fairtrade-zertifiziert. Die Bauern und Gemeinschaften aus der Region, wo er herkommt, werden also von uns unterstützt. Ansonsten ist die wichtigste Komponente für eine Cola die Mischung aus Aromen, die den Geschmack geben. Sie besteht aus neun verschiedenen Früchten und Gewürzen, darunter Zitrus, Vanille, Zimt und Colanuss. Sie ist sozusagen das Herzstück unserer Cola, das wir über ein Jahr selber entwickelt haben.

Beim Verkauf der fertigen Brause konzentriert ihr euch nun auf die Gastronomie und ausgewählte Supermärkte. Im Café kostet eine Community Cola durchschnittlich 2,50 Euro, im Einzelhandel 99 Cent. Wie viel davon geht an soziale und kulturelle Projekte?

Pro Kasten geht ein Euro an das von der Community ausgewählte Projekt. Runtergerechnet auf die Flasche sind das 4,2 Cent. Klingt erst mal wenig, aber wenn man bedenkt, dass diverse Großhändler dazwischen geschaltet sind, auch Gastronomen mitverdienen und natürlich eine Mehrwertsteuer berechnet wird, ist das eine ganze Menge.

 

„Lokaler Wirkungskreis und gesellschaftlicher Zusammenhang“

 

Welche Kriterien müssen Projekte erfüllen, um gefördert werden zu können?

Zum einen müssen sie einen lokalen Wirkungskreis haben und sich zum anderen um einen gesellschaftlichen Zusammenhang kümmern.

Und wer darf Teil der Community sein?

Jeder, der das Gefühl hat, sich engagieren zu wollen. Er oder sie kann einfach auf unsere Website gehen und dabei sein. In Zukunft wollen wir auch WhatsApp nutzen, um die Community mit Infos zu versorgen. Umgekehrt freuen wir uns immer sehr, wenn wir Projektvorschläge aus der Community bekommen.

www.communitycola.com


Förderung

Die Community hat derzeit die Wahl zwischen den Projekten Chickpeace und MUT Academy, von denen das mit den meisten Stimmen gefördert wird.

Chickpeace

Eine Catering-Idee der besonderen Art: Geflüchtete Frauen bereiten Lieblingsspeisen aus ihren Heimatländern zu und machen damit Besucher kleiner und großer Veranstaltungen in und um Hamburg glücklich. Am Ende ist es eine Win-win-Situation: Neu-Hamburgerinnen werden wirtschaftliche Perspektiven geboten und den Catering- Kunden spannende Spezialitäten. Chickpeace gibt es seit 2016. Mit der Community-Cola-Förderung soll eine zweite Kochstelle finanziert werden.

www.chickpeace.de

MUT Academy

Ein Schulabschluss ist der Schlüssel zum beruflichen Erfolg, nur fällt er nicht jedem Schüler leicht. Die MUT Academy hilft Hamburger Schülern aus herausforderndem Umfeld einerseits bei eben diesem wichtigen Abschluss und zudem beim Berufsanschluss. In Seminaren und einem Mentoringprogramm werden Jugendlichen Chancen aufgezeigt, wird Wissen vermittelt und Selbstbewusstsein aufgebaut. Auch MUT benötigt 500 Euro, um einen Jugendlichen im MUT Camp zum Hauptschulabschluss zu begleiten.

www.mutacademy.de


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Dendemann – Deutsch-Rap braucht den Schmutz

Nach dem „Neo Magazin Royale“ ist vor dem Solo-Comeback: Dendemann hat mit „da nich für!“ ein neues Album veröffentlicht und erklärt im Interview, wie sich seine Arbeitswelt seit dem TV-Engagement verändert hat.

Interview: Erik Brandt-Höge
Beitragsfoto: Nils Müller

SZENE HAMBURG: Dendemann, gleich im ersten Track deines neuen Albums, „Ich Dende also bin ich“, hälst du über dich fest: „Er stinkt nach Mythos.“ Wie ist dein Verhältnis zur eigenen Vergangenheit?

Dendemann: Was meine Zeit im Rap angeht, bin ich damit auf jeden Fall mehr im Reinen, als ich es eigentlich sein dürfte (lacht).

Wie meinst du das?

Ich empfinde auch für meine schwachen Momente so gut wie keine Scham. Mich stört fast nichts. Im Laufe meiner Karriere habe ich allerdings auch sehr darauf geachtet, dass ich das im Nachhinein sagen kann.

 

„Ich empfinde auch für meine schwachen Momente so gut wie keine Scham

 

Und das Genre Deutschrap an sich: Siehst du die Veränderungen, die es in den vergangenen 20 Jahren gab, ähnlich entspannt?

Wenn ich die heutige Gesamtsituation beschreiben sollte, würde ich sagen: Es gibt sowohl Sodom und Gomorrha als auch Milch und Honig. Was aber auch gut so ist. Früher war ich überzeugt, dass es am besten wäre, wenn es im Deutschrap nur Gutes geben würde. Das war aber eine ganz schwache Denke von mir.

Inwiefern?

Die Vielfalt bringt zwar auch alles Hässliche ans Tageslicht, aber dieses Genre braucht den Schmutz, damit Perlen daraus hervorgehen können.

Beide Extreme sind heute schnell verbreitet. Während du noch aus der Demo-Tapes-aus-dem-Kofferraum-verkaufen- Generation stammst, laden Kids heute fertig produzierte Tracks hoch und gelangen per Mausklick in jedes Jugendzimmer. Eine gute Entwicklung?

Letztendlich ist das doch sehr HipHop, weil es völlig frei ist und sich die Künstler niemandem gegenüber anbiedern müssen.

Hast du deine Arbeitsweise auch verändert?

Ja, und das ist vor allem durch mein Engagement beim Fernsehen passiert. Bis ich beim „Neo Magazin“ war, dachte ich, ich müsste nie etwas anders machen, müsste mich nicht von Projekt zu Projekt neu erfinden. Um den Slot in der Show aber zu erfüllen und dabei auch meinen Ansprüchen gerecht zu werden, musste ich umdenken.

 

„Ich habe schnell gelernt, dass jedes Thema ein Songthema ist“

 

Erzähl mal!

Ich sollte ja jede Woche ein kleines Lied abliefern, und das sollte auch noch immer zu einem bestimmten Thema passen. Ich habe also schnell gelernt, dass jedes Thema ein Songthema ist, aber auch, dass wenn das Thema brisant ist, also z. B. politisch aufgeladen, es gefühlt gleich doppelt so viel Arbeit macht.

Wie hast du dich also auf eine Sendung vorbereitet?

Immer dienstagsnachmittags kam eine Mail aus der Redaktion mit den neuen Themen. Dazu habe ich mir dann ein brauchbares fremdes Stück Musik aus den Neuheiten gepickt und bis zum Abend an die Band geschickt. Und mittwochs, auf dem Flug nach Köln, habe ich angefangen, den Songtext zu schreiben.

Klingt nach Stress. Wie gut kannst du unter Druck arbeiten?

Ich bin relativ druckresistent bei Sachen, die viele andere Leute unter Druck setzen – nicht aber bei der Bringschuld, die ich in der Show und gegenüber dem Gebührenzahler hatte. Anfänglich habe ich mich bei der Arbeit echt ein bisschen gequält.

 

„Ich hab mich bisher definitiv nicht kaputt gemacht “

 

Was hat es besser gemacht?

Ich habe einen Sinn und irgendwie auch eine Notwendigkeit in dem gesehen, was wir da auf die Beine gestellt haben. Und ich hatte den Rückhalt einer Satireshow mit dem Auftrag, den Zeigefinger voll auszufahren und dabei auch noch zynisch zu lachen. Das hat mir Sicherheit für bestimmte Themen gegeben, genau wie die Gewissheit, dass wir immer wieder etwas bewirken können.

Apropos Arbeit: Auf dem Album sticht jetzt ein weiterer Song heraus, nämlich „Menschine“. Darin geht es um ein Nur-noch-Arbeiten und ein Sich-selbst- Ausbeuten. Geschrieben aus eigener Erfahrung?

Nee, dieses Gefühl von zu viel Arbeit habe ich eigentlich schon immer und konstant verhindert, schon bevor ich etwas mit Rap gemacht habe. Ich habe mich bisher definitiv nicht kaputt gemacht und immer pausiert, wenn ich fand, dass es richtig war.

Liegt dir das saisonale Arbeiten, wie es in der Musikindustrie gepflegt wird, also besonders gut?

Genau. Die Seasons sind hier immer gleich: Promo-Rutsche, Veröffentlichung, Tour, Festivals. Wie diese Zahnräder ineinandergreifen, kann man sich gar nicht schöner ausdenken. Sie können eigentlich nur vom Burn-out angehalten werden. Deshalb ist es auch immer noch eine perfekt funktionierende Industrie. Ich kann nicht meckern (lacht).

26.+27.2.19, Mehr! Theater, 20 Uhr – SZENE HAMBURG verlost 2×2 Gästelistenplätze für den 27.2. E-Mail mit Betreff „Dende“ bis 15.2. an verlosung@vkfmi.de


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Auf einen Song mit … Jan Böhmermann

Denn Jan Böhmermann kennt einen gemeinen Ohrwurm und ein Lied zum Zufrieden-dazu-Schmunzeln.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Heavy German Shit GmbH & Co KG

SZENE HAMBURG: Jan, wir brauchen deutschsprachige Musik mit Wumms, textlich wie musikalisch, und wenn es geht, wollen wir beim Hören auch mal grinsen oder sogar lachen. Was sind deine drei Empfehlungen?

Jan Böhmermann: Empfehlung 1: „Nummer unterdrückt“ von 187 Straßenbande-Boss Bonez MC. Ist mir überraschend bei Spotify über den Weg gelaufen. Musikalisch so Zwei minus, aber humoristisch ist der Text dafür ganz weit vorne.

Empfehlung 2: „Murmel“ von Blumfeld-Boss Jochen Distelmeyer. Wunderbare Zufriedenheitslyrik für Väter auf Spielplätzen. Der Song hat absolut keinen Wumms, aber ich muss immer schmunzeln eigentlich. Eher so ein zufriedenes Schmunzeln.

Empfehlung 3: „Meine (Ex-)Plodierte Freundin“ von Die Ärzte. Blutig, gemein und auch noch ein Ohrwurm. Als ich das Lied als Teenager zum ersten Mal gehört habe, habe ich mir gar nicht vorstellen können, dass man so ein Lied machen darf. Darf man aber, weiß ich inzwischen.

Auf welchen von deinen eigenen, wummsigen Texten bist du besonders stolz?

Uff. Darüber habe ich mir noch nie so richtig Gedanken gemacht. „Stolz“ ist vielleicht der falsche Ausdruck, aber bei einigen „Pol1z1stens0hn“- Tracks freue ich mich auch im Nachhinein noch über gelungene Textzeilen. Das dritte „Pol1z1stens0hn“-Stück „Recht kommt“ ist textlich zum Beispiel ein kleines Suchspiel für Juristen. Da steckt schon viel drin.

 

Hört hier „Recht kommt“ von Pol1z1stens0hn Jan Böhmermann

 

Kann man textlichen Wumms eigentlich lernen? Oder anders gefragt: Ist die deutschsprachige Radiopopdudelei-Szene noch zu retten? Kannst du sie vielleicht retten?

Nein, ich bin zum Glück nur ein Spaßvogel und muss gar nix retten. Im Gegenteil, für mich ist es umso besser, je beschissener die Texte und Songs sind. Das ist ja alles Material dann zum Drüberlustig-machen. Hihi.

Jan Böhmermann und das Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld: 28.1.19, Sporthalle, 20 Uhr


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Astor Film Lounge – Satter Sound & Pinot Noir

Neueröffnung: Die Astor Film Lounge in der HafenCity verspricht eine gehobene Kinoerfahrung zu moderaten Preisen.

Text: Ulrich Thiele
Fotos: Astor Film Lounge

Ohne in falsche Nostalgie verfallen zu wollen: Es gab Zeiten, in denen das Kino mehr Wertschätzung erfahren hat als dieser Tage. Als der Gang ins Lichtspielhaus ein gesellschaftliches Ereignis war. Etwas, das den Alltag übersteigt und über den bloßen Konsumcharakter hinausgeht. Goldene Zeiten für Cineasten.

Die jüngst eröffnete Astor Film Lounge in der HafenCity ist angetreten, um die hervorgehobene Stellung des Kinos wiederzubeleben. Nach fast zehn Jahren der Standortsuche und der Verhandlungen hat der Hamburger Kinomacher Hans-Joachim Flebbe – der bereits Premiumkinos in Berlin, Köln, Essen und München eröffnet hat – nun auch eine Astor Film Lounge in seiner Heimatstadt eröffnet. „Wenn die Gäste ins Kino kommen, sollen sie sich entspannen und den Alltag vergessen“, sagt Flebbe, der 1994 als „Kinomanager des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Deswegen wird der Gast im Kinoeingang von einem Doorman begrüßt und zu einem Begrüßungscocktail eingeladen. Das Getränk ist – ebenso wie die Garderobe – im Ticketpreis enthalten.

Auch der mittlere Saal mit 118 Plätzen bietet besten Sound mit Dolby Atmos

Nach einem kurzen Aufenthalt im stilvoll eingerichteten Foyer kann es ab in einen der Kinosäle gehen. Eine Lichtshow überbrückt die Zeit bis zum Filmstart. Die Astor Film Lounge verfügt über drei Säle, die auch für Firmen events gemietet werden können. Der große Saal mit 235 und der mittlere Saal mit 118 Plätzen bestechen mit Ledersesseln, beweglichen Rückenlehnen und großem Reihenabstand. Im Logenbereich können sogar die Füße hochgelegt werden. Neben den Sesseln liegen Menükarten, denn – kein lästiges Anstellen! – der Gast wird an seinem Platz bedient.

Neben Cocktails, Softgetränken, Bier und Pinot Noir Rosé bietet das Menü auch Popcorn (keine Nachos, zu viel Gekrümel!) und Hamburg-spezifische Snacks mit Lachs. Am Nachmittag kann man Kuchen am Buffet bestellen, der mit dazu bestelltem Cappuccino am Platz serviert wird – natürlich nur, solange das Vorprogramm läuft, zum Filmstart wird der Service eingestellt.

Denn bei allem Drumherum soll der Filmgenuss natürlich der Kern bleiben. Die Projektion und die Tonanlagen sind dementsprechend mit 4K-Laserprojektion inklusive 3D-Technik sowie dem derzeit besten Tonsystem Dolby Atmos ausgerüstet. Ideal für einen Film wie das Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“, das bei der Premierenfeier präsentiert wurde – und somit den wuchtigen Sound des legendären Live-Aid-Konzerts im Wembley Stadion angemessen wiedergibt. Ein besonderes Schmuckstück ist das kleine Club-Kino im Bibliothekslook mit 75 Plätzen, dessen Regale François- Truffaut-Bildbände und Werke von Hermann Hesse zieren. So lässt sich die Zeit bis zum Filmstart mit Lektüre auf einem der Sofas bei warmem Licht vertreiben. Der kleinste Saal hat zwar kein Dolby Atmos Tonsystem zu bieten, hebt sich aber durch seine Wohnzimmeratmosphäre von den beiden großen Sälen ab.

Astor-Clubkino-c-Astor-Film-Lounge

Das kleine Club-Kino eignet sich für private Feiern

Das Filmprogramm ist laut Beschreibung der Betreiber zwischen Arthaus und gehobenem Mainstream angesiedelt. Nun lässt sich darüber streiten, ob Wellness-Komödien von Florian David Fitz das Attribut „gehoben“ verdienen. Festgehalten werden kann: Die Astor Film Lounge zeigt neben Arthausstreifen alle Filme, die normale Kinos auch zeigen – nur Action-Blockbuster wie etwa die Marvel-Comicverfilmung „Aquaman“ kommen nicht ins Programm. Hinzukommen regelmäßige Sonderprogramme: Opernübertragungen, Filmklassiker im Matinee-Programm, Premieren und Schauspielerbesuche.

Was luxuriös und elitär klingt, ist jedoch kein auf eine High Society ausgerichtetes Programm. Die Eintrittspreise liegen zwischen moderaten 11,50 und 15,50 Euro – wie gesagt inklusive Begrüßungscocktail und Garderobe. Plus: Hinter dem Kinogebäude stehen 240 kostenfreie Parkplätze zur Verfügung.

Astor Film Lounge: Am Sandtorkai 46a


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Bedrohte Räume #31 – Der gute Vorsatz …

… als Familienidyll oder lang lebe der SUV!

Happy New Year! Helau! Böllerregen! Kreischalarm! Und dann am ersten Januar: Die freshen Vorsätze machen Bock: weniger Stress, weniger Fremdgehen (vielleicht), weniger Fluppen, weniger CO2, mehr Sport, mehr Sex, mehr soziales Engagement, mehr Nächstenliebe … ach, all die schönen Ambitionen.

Doch wir wissen es längst, der bedrohteste Raum unter den Räumen 2019 ist der gute Vorsatz aus dem Dezember. So flüchtig wie ein Furz auf dem Michel, so deep wie ein Bumms in der Herbertstraße. Silvestervorsätze, so DuckDuckGo, haben ein kurzes Gedächtnis – schon am Neujahrsabend ist alles verbömmelt. Und genau deshalb tausche ich jetzt für uns alle ein paar abgerauschte Vorsätze gegen erreichbare Ziele aus, die bis Dezember 2019 vom bedrohten Raum zur fetten Bastion geworden sein könnten und nicht mal von Hamburgs größten Raumvernichtern kleinzukriegen sind.

Stellen wir uns vor, unsere gemeinsamen Ziele wären klar und für alle da: Hamburg rettet den Cityhof bis 31.12.2019 und saniert die Schilleroper. Hamburg rettet den Werkshof Bernie 117 und den Musikbunker in der Otzenstraße bis 31.12.2019. Hamburg erhält ein Experimentierhaus für die Popkulturszene im Umfang der Elbphilharmonie und mit einer Gender & Diversity-Quote von 50:50 bis 31.12.2020. Hamburgs HVV ist kostenfrei für alle bis 31.12.2019 und Hamburg ist SUV-frei bis 31.12.2019. Wir schaffen das, Piepels, wenn nicht wir, wer dann!?

Kaum ausgesprochen, schlamasselt es bereits: Der SUV! Die Dreckschleuder im Panzerdesign, die sich dieser Tage eine Lobby beim Highpriest of Automafia ADAC erkauft hat, der tatsächlich größere Parkplätze fordert. Ist das zu fassen? In Zeiten des Ökozids mehr Platz für SUVs? In den letzten 30 Jahren seien die Autos laut Uni Duisburg-Essen um 22 Zentimeter breiter geworden, da müsse man doch handeln. Ach, echt jetzt? Einen Vierbeiner, der groß und breit ist wie ein Bär aus Alaska. Ein Moppelchen, das uns die überflüssigen Einkäufe für die Lieben transportiert, den Stollen für Oma, den Getrenntmüll oder die zwei Lümmel aus der 1b, die sich beim Bro um die Ecke zum Gamen treffen? Schon bald stehen Zahnarzt, Tanzunterricht und Wellness-Weekend an. Uff, wie gut, dass wir ihn haben: den SUV! Der Dickmops, der 5 kg CO2 rausballert, wenn er nur zum Supermarkt gurkt.

Bis Mitte dieses Sommers nahm ich noch an, dass die Tommy-Hilfiger-Jacke unter den Autos, der Umsichtigkeit der Politik, der User und des ADACs zum Opfer fallen würde. So viel Karre für so wenig Kind, so eine Art rollendes Kino für Blinde. Das würde sich bald selbst ’ne Axt ins Bein hauen. Weit gefehlt. Ich habe die Rechnung ohne den klimabewussten Klimasünder gemacht. Er ist es nämlich, der Fernreisen und seine Karre so sehr liebt, dass er die Monster aus seiner CO2-Bilanz einfach ausblendet. Er ist es, der nicht nur seine geräumige Altbauwohnung ungedämmt beheizt, sondern auch den SUV zum Wohlfühlen braucht. Und genau dieses Verhalten ist Teil der guten Vorsätze: Die Wahrheit sagen, während er lügt, so ist er der klimabewusste Klimasünder.

„Dieses Jahr stellen wir uns einen Bienenstock auf den Balkon und statt Alufolie benutzen wir nur noch Wachstücher, die kann man waschen. Und ich möchte 2019 auch viel weniger haben wollen, was brauchen wir mehr als ein paar Oliven und eine Flasche Wein …“ Kotzwürgkreisch … Das war dann auch bald der allerletzte Tropfen auf dem heißen Stein.

Deshalb, lieber SUV-User, wir verklagen dich, denn wir haben jetzt erreichbare Vorsätze: Menschen, die sich an der Luft anderer bedienen und damit lebensgefährliche Katastrophen in Kauf nehmen, dürfen ab 1.1.2019 wegen Ökozid verklagt werden. Damit wird der gute Vorsatz zum Familienidyll und der SUV watschelt auf den Schrotthaufen der Geschichte. Die Parkplätze werden zu Gartenparzellen und wir pflanzen magic mushrooms, um endlich bedrohte Räume zu Bastionen werden zu lassen: weniger Stress, weniger Fluppen, weniger CO2, weniger Fremdgehen, mehr Sport, mehr Sex, mehr soziales Engagement, mehr Nächstenliebe. Bleiben Sie politisch! Wir schaffen das!

Eure Raumsonde

Andrea


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahren Sie unter www.andrearothaug.de


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Mehr bedrohte Räume?

Jobs – Assistenz für Print-Magazin gesucht!

Für die kommenden SZENE HAMBURG Sondereditionen Summer Guide (März–Juni 2019), Living Guide (März–Juni 2019), Event Guide (Mai–September 2019) und Shopping Guide (September–Dezember 2019) suchen wir eine oder mehrere Projektassistenz(en) auf Basis einer freien Mitarbeit.

 

Erfahrungen in der redaktionellen/journalistischen Arbeit sowie im Bereich Projektmanagement werden vorausgesetzt. InDesign-Kenntnisse wünschenswert. Stressresistenz dringend zu empfehlen. Kreativität auch, genauso wie Schreibtalent und Lösungsorientiertheit. Geschlecht egal.

Bewerbungen an:

Jenny V. Wirschky
Redaktionsleitung Sondereditionen
jenny.wirschky@vkfmi.de

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