Chantal: „Ich will einen Unterschied machen“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Chantal begegnet

Protokoll: Rosa Krohn

„Ich mache gerade meine Facharztausbildung zur Kinderärztin auf einer Neugeborenen-Station. Für die Kindermedizin habe ich mich entschieden, weil die Patienten ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Neugeborene sind nicht in Behandlung, weil sie sich falsch ernähren, rauchen oder trinken, sondern aus Gründen, für die sie nichts können. Jemanden im höheren Alter zu behandeln, der danach sofort wieder zu McDonald’s rennt und Bier trinkt, würde mich auf Dauer frustrieren.

Prävention als Schlüssel

Für mich spielt Prävention in der Medizin eine entscheidende Rolle. Wenn man zum Beispiel bei der Ernährung ansetzt, kann man viel bewegen. Es gibt sogenannte Blue Zones. Das sind Regionen auf der Welt, in denen Menschen signifikant länger leben als der Durchschnitt. Warum? Weil sie sich überwiegend pflanzlich ernähren, sich täglich bewegen und weil sie sozial eingebunden sind. Das sind Schlüsselfaktoren für die Gesundheit, die im Gesundheitssystem und auch in der medizinischen Ausbildung stärker mit einbezogen werden müssten. Ärzte haben meist keine Ahnung von Ernährung – sofern sie sich das Wissen nicht zusätzlich angeeignet haben – weil das Studium den Bereich kaum abdeckt.

Ich habe während meines Studiums ein Praktikum in einem präventiven Zentrum für Erwachsene in den USA, in Washington D.C., gemacht. Der Fokus lag dabei auf Prävention durch Ernährung. In Folge der Behandlung konnten viele Patienten ihre Medikamente absetzen. Doch diese präventive Arbeit wird vom Gesundheitssystem häufig nicht unterstützt, weil Krankheit und Medikamente Geld bringen – jemanden auf anderen Wegen gesund zu machen nicht. 

Erfolg durch Ernährungsumstellung

In Washington habe ich damals direkt über einem Fitnessstudio gearbeitet. Eines Tages bin ich mit einem Mann um die 60 ins Gespräch gekommen. Er erzählte mir von seiner Diabeteserkrankung. Ich empfahl ihm, das präventive Zentrum zu besuchen, woraufhin er sofort protestierte: ‚Wie, kein Fleisch, kein Käse? Das geht auf keinen Fall!‘ Mit der Zeit konnte ich ihn überzeugen, mal zu einem der Kochkurse vorbeizuschauen. Jahre später bekam ich dann eine Mail von ihm, in der er mir berichtete, wie glücklich er sei. Dank der Ernährungsumstellung konnte er sein Insulin reduzieren. Das hat mir das Gefühl gegeben, wirklich einen Unterschied machen zu können. Wenn ich das immer machen könnte – das wär’s!“


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Shopping-Tipp: Das perfekte Sofa in Hamburg finden

Anzeige

SOFACOMPANY ist der perfekte Ort für Menschen, die in Hamburg ein Sofa suchen: Eine riesige Auswahl, eigene Designer:innen, eine eigene Produktionsstätte und schöne Showrooms sind das Geheimnis

Wer kennt es nicht? Eine Jeans zu finden, die perfekt passt, gefällt und im Budget liegt, ist oft eine Aufgabe, die sich über mehrere Wochen hinzieht, in denen man von Geschäft zu Geschäft tingelt, um am Ende dann doch genervt aufzugeben. So oder so ähnlich geht es vielen auch bei der Suche nach dem perfekten Sofa. Zu groß, zu teuer, zu hässlich.

Es gibt viele Sofas auf dem Markt, aber DAS Traumöbelstück zu finden, ist eine große Herausforderung. Okay, zugegeben, eine Couch wechselt man nicht so oft wie eine Jeans, aber umso besser sollte sie dann auch passen. Eine Marke, die sich mit ihrer gesamten Leidenschaft diesem Herzstück jeder Wohnung widmet, ist SOFACOMPANY.

Oh lala! Das Traumsofa EMMA im Textil Mark Cobalt Blue (1.499 EUR) ist in jeder Wohnung ein Hingucker!

Skandinavisches Design für alle

Als sich Cathrine und Christian Rudolph vor 10 Jahren das Ziel setzen skandinavisches Design für alle zugänglich zu machen, ahnen sie nicht, wie erfolgreich diese Idee sein wird und wie viele Personen auf hochwertige Design-Polstermöbel zu fairen Preisen gewartet haben.

Um ihre Vision zu verwirklichen, verzichtet die dänische Marke bei der gesamten Wertschöpfungskette von Anfang an vom Design über die Produktion bis hin zum Vertrieb auf unnötige, kostspielige Zwischenhändler:innen oder Lagerkosten. Eigene Designer:innen, eigene Produktionsstätte, eigene Showrooms und eigener Webshop sind bis heute das Geheimnis hinter den fairen Preisen, der hohen Qualität und dem nachhaltigen Erfolg der Marke.

Alles im grünen Bereich? Bei Sessel JUDI (499 EUR) und 3-Sitzer Sofa ABBY (1.399 EUR) im neuen Samtstoff Moss Grass Green ganz sicher!

Showroom in Hamburg

Mittlerweile ist SOFACOMPANY nicht mehr nur in Dänemark erhältlich, sondern in mehr als zehn Ländern – so auch in den fünf Showrooms in Deutschland. Der SOFACOMPANY Showroom Hamburg ist erst kürzlich in die Nähe vom Fischmarkt in Altona gezogen, um auf einer noch größeren Fläche noch mehr Produkte zeigen zu können. Vom 2-Sitzer bis zum großen 4-Sitzer, vom Ecksofa bis zum Modul- oder Schlafsofa findet ihr hier eine riesige Auswahl an Modellen, die euch die Suche nach eurem Traumsofa sehr erleichtern wird. 

SOFACOMPANY_2-Sitzer-Sofa-Astha_sorrento_steel_blue
Ideal für kleine Wohnungen ist das platzsparende 2-Sitzer Sofa ASTHA (899 EUR).

Der besondere Clou ist, dass ihr zusätzlich zu den regulär erhältlichen Standardvarianten und -stoffen über einen Sofa Konfigurator aus unterschiedlichen Farben sowie Stoffen euer ganz individuell passendes Traumpolstermöbel kreieren könnt. Das individualisierte Möbel wird anschließend speziell nach eurem Wunsch von Hand gefertigt und zu euch nach Hause geliefert. Vorbeischauen oder Durchklicken lohnt sich also!

Um die Suche noch weiter zu erleichtern, könnt ihr euch vor Ort individuell bei einem Kaffee beraten lassen, in Ruhe probesitzen und kostenlose Stoffproben mit nach Hause nehmen, um sie dort zu testen und mit eurer Einrichtung abzugleichen. Wer übrigens kein Sofa sucht – Sessel, Stühle, Tische, Teppiche, Kissen und Decken bietet SOFACOMPANY ebenfalls an!

Happy Birthday, SOFACOMPANY!

Wer bei der Sofa-Suche etwas mutiger ist und genug von Grau, Beige oder Weiß hat: Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums hat SOFACOMPANY eine einzigartige Geburtstagskollektion lanciert, die mit knalligen Farbtönen wie ein bunter Blumenstrauß der guten Laune für ordentlich Stimmung auf dem sonst oft viel zu grauen Sofamarkt sorgt!

Die zehn beliebtesten Produkte der dänischen Marke werden dabei als Hommage an die vergangenen 10 Jahre in strahlende Farbnuancen getaucht, um die Liebe von SOFACOMPANY zu mutigen Farbkreationen, dänischen Designs, hoher Qualität und fairen Preisen ausgiebig zu zelebrieren. Wir fühlen uns dabei wie in einem Farbenrausch gefangen und sind begeistert wie cool die einzigartigen Stücke wie das preisgekrönte Sofa PAULA oder das gemütliche Chesterfiel Sofa ABBY in Knallpink, Hellgelb, Grasgrün, Kobaltblau und Lavendel wirken!

SOFACOMPANY_Modulsofa-Ellis_agnes_brown
Mehr Flexibilität geht nicht: Modulsofas wie ELLIS lassen sich flexibel anordnen sowie erweitern und passen sich daher jeder Raumgröße und Anforderung an.

Ob euer Traumsofa klein oder groß, statisch oder flexibel, in weißes Bouclé oder leuchtenden Samt gehüllt sein sollte – bei SOFACOMPANY könnte die Suche nach eurem Traumsofa nun enden. Schaut also vorbei und hüpft mit einem Kaffee in der Hand von Sofa zu Sofa (keine Sorge: Polsterreiniger gibt‘s hier ebenfalls)!

SOFACOMPANY – Hamburg
Große Elbstraße 86
22767 Hamburg

Öffnungszeiten
Montag bis Samstag 10:00-20:00 Uhr

sofacompany.com

Veranda Music: Von Herzen melancholisch

Nicolai von Schweder-Schreiner ist Gitarrist und Sänger der Hamburger Kult-Band Veranda Music. Mit ihrem neusten Album „Unter Einfluss“ ist die Gruppe auf Kurz-Tour in Hamburg und Berlin unterwegs. Im Interview spricht er über das erste deutsche Album, prominente Fans und sein Verhältnis zur Musik.

Interview: Henry Lührs

Nicolai, du hast dich neben „Veranda Music”auch als erfolgreicher Übersetzer und Theatermusiker etabliert. Möchtest du lieber mit Literatur oder lieber mit Musik assoziiert werden? 

Das wechselt. Ich bin tatsächlich ganz froh, beides machen zu können. Auf einem bestimmten Erfolgslevel würde ich wahrscheinlich Musik sagen. Die war auch als erstes da. Bis vor kurzem wollte ich das immer vollkommen getrennt halten, also so, dass das eine nichts vom anderen weiß, inzwischen hat sich das aber irgendwie aufgelöst. 

In den frühen 2000ern hat sich für euch als Band eine vielversprechende Musikkarriere angekündigt. Ihr wart beispielsweise auf Tour mit Legenden wie Marianne Faithfull und Jonathan Richman. Warum seid ihr heute keine Popstars? 

Wir haben nicht aktiv dagegen angearbeitet, muss ich zugeben, im Gegenteil. Also, keine Ahnung, wir machen weiter, die Welt fängt jeden Tag von Neuem an. Hauptsächlich wollen wir natürlich mit dem, was wir für richtig und stark halten, Leute fesseln und ihnen einen Gewinn bringen. 

„So wie wenn Andy Warhol Beethoven seine Bilder zeigt“

Trotzdem genießt ihr in der Hamburger Kulturlandschaft Kult-Status. Geht man auf eure Konzerte trifft man jede Menge anderer Hamburger Künstlerinnen und Kulturschaffende. Woran liegt das?

Ich habe immer erst im Nachhinein gehört, wer offenbar Fan ist. Es sind sicher auch gemeinsame, ähnliche soziale Kreise und wir laden auch mal gezielt Leute ein. Auf jeden Fall freut es mich natürlich immer, wenn Menschen, die ich selbst schätze, das mitkriegen und gut finden. So wie wenn Andy Warhol Beethoven seine Bilder zeigt.

Das neuste Album „Unter Einfluss“ ist das erste deutschsprachige Album von „Veranda Music“. Durch Americana-Einflüsse habt ihr euch immer von der Musikbewegung der Hamburger Schule abgehoben. Wie kam es zu diesem Stilwechsel?

In diesem Fall war es ja nur die Sprache. Angefangen mit zwei, drei Stücken, die wir live gespielt und dann aufgenommen haben. Daraus ist dann irgendwann ein ganzes deutsches Album geworden. Das war aber nicht gleich klar und im Endeffekt auch ein wilder, roher Kampf. Ich schätze mal, ab jetzt geht es wieder auf Englisch weiter.

Es fallen oft Namen wie John Lennon, Tindersticks oder Eels. Der Americana-Begriff war mir allerdings immer eher fremd. Das liegt zumindest bei mir daran, dass ich die Zugehörigkeit zu einer Bewegung oder Musikrichtung nie hatte. Es bezieht sich vielleicht mehr auf das Selbstverständnis, als darauf, wie die Musik klingt.


Welche Rolle spielt Musik- und Undergroundkultur für dich heute?

Beschränkt sich für mich auf das konkrete Hören und Ansehen einzelner Interpretinnen und Interpreten ohne einen besonderen sozialen Zusammenhang, das war glaube ich schon immer so. 

Das Album ist auch eine Hommage an den früh verstorbenen Hamburger Underground-Musiker Tobias Gruben. Darüber, ob ihr das auch nach Außen kommuniziert gab es in der Band zunächst Uneinigkeit, oder? 

Total, wobei, innerhalb der Band nicht, nur mit dem Label und anderen. Ich würde es auch nach wie vor nicht so nennen. Es ist nicht wirklich so gemeint, außerdem hatte ich Angst, dass es dann wieder nur um dieses Thema geht, so wie damals nach seinem Tod, und nicht um die Genialität und Massentauglichkeit der Stücke. 

„Ich empfinde Musik, die als traurig bezeichnet wird, oft auch gar nicht so“

Auch wenn ihr euch musikalisch nicht so leicht verorten lasst, was euch ausmacht ist eine konstante Melancholie. Woher kommt die? 

Aus dem Herzen? Ich bin nicht sicher, wie viel das mit Mentalität zu tun hat und wie viel mit Musik. Ich empfinde Musik, die als traurig bezeichnet wird, oft auch gar nicht so. Sei es jetzt Cat Power, Tom Jobim oder Nick Cave. In der Schweiz kam mal nach dem Konzert jemand auf uns zu, der sich bei der Ankündigung verhört hatte und dachte, wir heißen ‘Fun Band‘. Fand er total passend, den Namen. Ich habe auch schon gelesen, wir würden “die Welt musikalisch von ihrer gebräunten Seite aufrollen”.

Der Sänger Olli Schulz hat sich vor einer Weile in seinem Podcast mit Jan Böhmermann  „Fest und Flauschig” als großer Veranda Music Fan bekannt. Wusstest du das vorher schon? 

Nein, das war eine Überraschung, da riefen mich danach ein paar Leute an. Das hat immerhin für sechsstellige Spotify-Zahlen gesorgt. Ich kannte das vorher nicht, seitdem bin ich aber auch sein Fan, echt. 

Am 17.06 tretet ihr im Knust auf. Angekündigt sind auch zwei oder drei Gäste. Welche? 

Das ist vor allem eine generelle Ansage zu unseren Konzerten. Wir spielen gern und oft nicht nur zu viert als Band, sondern wie ein Ensemble erweitert zu fünft bis acht. In den letzten Jahren hat das immer variiert. Diesmal wird auf jeden Fall ein Percussionist dabei sein, der schon beim letzten Mal eine große Bereicherung war. 

Am 17. Juni treten Veranda Music im Knust in Hamburg auf. Tickets gibt es bei Ticketmaster.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Der Film-Pate

In einem Keller in St. Georg befindet sich ein filmhistorischer Schatz in Form von 35mm- und 16mm-Kopien. Thomas Pfeiffer vom Metropolis Kino hegt und pflegt die Filmrollen seit knapp 30 Jahren

Text: Marco Arellano Gomes

Es gibt Menschen, die können mit ihrem Wissen ganze Archive füllen. Thomas Pfeiffer ist ein solcher Mensch. Seit 30 Jahren hütet er das Filmarchiv der Kinemathek Hamburg, versteckt in einer Seitenstraße, mitten im quirligen St. Georg. Lediglich ein Klingelschild weist darauf hin, dass sich hinter einer gläsernen Tür, im Untergeschoss, das Archiv des Metropolis Kinos befindet. „Kinemathek Hamburg e. V.“ steht drauf.

Als Pfeiffer als Archivar begann, stand dort bloß ein M für Metropolis. „Damals sollte niemand wissen, dass sich hier Filmkopien befinden“, so Pfeiffer. Heute sehe er das nicht mehr so eng: „Kaum jemand verfügt heute überhaupt noch über das Equipment, um die Filme abzuspielen.“ Wertvoll sind die Filme noch immer, wenngleich aus nostalgischen Gründen. Cineasten schätzen und lieben das echte Filmerlebnis. Nichts kommt dem originalen Kinofeeling näher als historische Filmkopien – und davon gibt es im Archiv der Kinemathek jede Menge.

Wer die Treppen hinuntersteigt, steht zunächst direkt in einer Küche. Eine holzvertäfelte Schiebetür führt zu einem Vorraum, in dem sich mehrere Arbeitstische, Regale, Filmkartons, Filmrollen und Spezialreiniger befinden. Gebogene Tischlampen hängen über den Schneidetischen der Hamburger Marke Steenbeck, mit ihren charakteristischen blauen Arbeitsflächen.

Bilderrahmen mit Filmstars wie Shirley MacLaine, Jean Simmons, Audrey Hepburn, Montgomery Clift, Cary Grant und Gregory Peck zieren die Wand. Auf der gegenüberliegenden Seite steht ein Kasten mit Karteikarten. Darin sind alle Filme auf gelben DIN-A5-Karten notiert, erklärt Pfeiffer. Filmtitel, Filmformat, Regisseur, Archiv-Nr., Fassung, Land, Jahr, Bildseitenverhältnis, Ton, Akte, Länge, Material, Prüfungsdatum, Prüfer, Zustand – alles wird erfasst und penibel aufgelistet.

Der Hüter des Filmarchivs

Thomas Pfeiffer trägt Brille, schwarzen Rollpulli, dunkelblaue Jeans und kurze, grau melierte Haare. Optisch erinnert er ein wenig an den legendären Apple-Gründer Steve Jobs. Auch Pfeiffer ist technikbegeistert, perfektionistisch und ein guter Redner. Zum Metropolis stieß er 1989 als Filmvorführer, als Student der Elektrotechnik. Die Aufgabe, das Archiv zu hüten, folgte knapp zwei Jahre später. „1991 wurde die Stelle im Archiv frei“, erinnert er sich. „In versammelter Runde wurde gefragt, wer die Stelle übernehmen mag. Keiner meldete sich, aber alle Augen fielen auf mich.“ Pfeiffer nahm sich der Aufgabe an.

Das Archiv umfasste damals etwa 2000 Kopien. Seither gelang es Pfeiffer und seinen Kollegen und Kolleginnen, den Bestand auf das Dreifache zu erhöhen. Mittlerweile liegen hier 5900 Filme, in 35mm und in 16mm. Der kürzeste Film ist eine Minute lang, der längste umfasst 250 Minuten. Alle Filmrollen sind einzeln verpackt, gestapelt, beschriftet und katalogisiert. Sie liegen in metallenen Regalen, die etwa sieben Meter quer durch den Raum verlaufen, den gesamten Kellerraum durchziehen und durch drei Gänge erreichbar sind. „Das ist schon ziemlich umfangreich“, sagt Pfeiffer.

In Hamburg sind nur noch das Metropolis, das B-Movie, das Lichtmess und das Savoy (70mm) in der Lage, Filmrollen abzuspielen. „Angeblich haben das 3001 und das Alabama auch noch Projektoren. Aber einen Projektor haben und einen benutzen, sind zwei Paar Schuhe. Vorführen braucht Routine – und die geht wahnsinnig schnell verloren.“ Pfeiffer führt im Metropolis noch immer selbst vor. Er brauche die Praxis und das Gefühl, mit dem Film verbunden zu sein. Immer wieder präpariert er Filmklassiker aus dem eigenen Archiv – für das eigene Programm, aber auch wenn andere Kinos und Filmfeste sich einen Film leihen wollen.

Die Prüfung der alten Filmrollen erfordert präzise Handarbeit und Erfahrung; (Foto: Marco Arellano Gomes)

Eine Frage der Rechte

„Moment!“, korrigiert er sich selbst. „Filme werden nicht verliehen, sie werden zur Nutzung zur Verfügung gestellt“. Das sei ein wichtiger Unterschied. „Filme verleihen“ könne man nur, wenn man die „Rechte am Film besitzt“. Dies sei bei der Sammlung der Kinemathek aber so gut wie nie der Fall. „Jeder, der unsere Filme abspielen möchte, muss also vorab die Rechte dafür einholen“, so Pfeiffer.

Auch das Metropolis klärt, ehe es sich im eigenen Archiv bedient, die Rechte vorher ab. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. In der Regel wenden sich die Kinos hierzu an Park Circus, einen internationalen Händler, der für 25.000 Titel die Rechte mit den Studios – von MGM, Warner Bros., Universal über Paramount, Sony Pictures bis hin zu Walt Disney und vielen mittelgroßen Studios abwickelt. Die Major-Studios seien längst dazu übergegangen, die Abwicklung auszusourcen.„Warner ist einer der letzten Verleiher, der noch analoge Kopien zur Verfügung stellt“, erklärt Metropolis-Kurator Nils Daniel Peiler, der gerade zu seinem wöchentlichen Besuch im Archiv ist. Für ihn sei dies „das Highlight der Woche“, weil er direkt am Material arbeiten könne: „Ich greife immer gern einen Film aus den Regalen und lasse mich überraschen.“

Das Filmmaterial …

Thomas Pfeiffer öffnet eine metallene Tür, auf der ein Filmplakat von „Frühstück bei Tiffany“ hängt. Direkt dahinter lagern kühl und trocken die Filme und warten darauf, entdeckt zu werden. „Zwei Drittel der Filme bestehen aus Triacetat, ein Drittel aus Polyester“, erklärt Pfeiffer. Nitrofilm, besser bekannt als Zelluloid, gäbe es hier nicht, da dieses aufgrund der hohen Entflammbarkeit nicht gelagert werden darf. „Das Zeug ist hochgefährlich, weil es nicht löschbar ist!“ Seit dem Sicherheitsfilmgesetz von 1957 dürfe Nitrofilm nicht mehr eingesetzt werden. Zunächst wurde es durch Triacetat, später in den 90ern durch Polyester ersetzt. Beide Materialien seien wesentlich schwerer zu entflammen und vor allem auch löschbar. Letzteres sei zudem extrem robust und könne recycelt werden.

Pfeiffer holt zwei kurze Streifen Film und fordert zum Reißen auf: Der erste Streifen aus Triacetat zischt und ist direkt kaputt, der zweite Streifen aus Polyester biegt sich, hält aber stand. „Mit Polyester-Film kann man ein Auto abschleppen“, erklärt Pfeiffer und schiebt einen Scholz’schen Satz hinterher: „Es reißt nicht, da es sehr sehr stabil ist.“ Verkratzen kann aber auch ein Polyester-Streifen: „Wenn ein erfahrener Filmvorführer am Werk ist, kann ein Film etwa 1000-mal gezeigt werden und man sieht so gut wie gar nichts. Wenn jemand keine Ahnung hat, reicht schon ein Durchlauf.“ Vor 30 Jahren sei er diesbezüglich entspannter gewesen: „Es gab damals zwar auch schwarze Schafe, aber grundsätzlich wussten alle, wie Filme vorgeführt werden. Heute fehlt vielen einfach die Erfahrung und Praxis.“

… und sein Zerfall

Kürzlich habe das Locarno Film Festival nach einem Film gefragt. Die Kinemathek Hamburg scheint die einzige verfügbare Kopie zu besitzen. „Das Material ist laut Katalogeintrag nicht mehr im einwandfreien Zustand, weshalb ich das noch prüfen muss“, sagt Pfeiffer. Der erste Schritt der Prüfung überrascht: Pfeiffer greift eine Filmdose, öffnet diese und hält seine Nase drüber. Zwei Dinge setzen Triacetat-Filmkopien zu: Der Zerfall der Farben, das sogenannte Fading, das wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß bei allen Trägermaterialien auftritt und durch eine optische Überprüfung am Schneidetisch ermittelt wird, und der chemische Zerfall, auch als „Essigsyndrom“ bekannt, der durch simples Riechen festgestellt wird.

Das Essigsyndrom ist ein großes Problem bei der Lagerung von Filmen: Die drei („Tri“) Essigsäuregruppen, aus dem die Filme bestehen, lösen sich mit der Zeit aus dem Molekülverband. Das Material riecht nach Essig, schrumpft, wird wellig und klebrig. Irgendwann ist der Film nicht mehr vorführbar: „Im Endzustand wird jeder Triacetat-Film zu einer schleimigen Masse“, sagt Pfeiffer. Stoppen könne man diesen Prozess nur durch Kühlung auf 17 Grad unter null. Das sei allerdings teuer, energieintensiv und wenig praktikabel.

Alle paar Monate fischt Pfeiffer eine Kopie heraus, die nach Essig riecht. Seine Nase ist geschult. Er rieche den Essig bereits beim Vorbeigehen. „Wir hatten hier eine Kopie von ‚Der gewöhnliche Faschismus‘. Die stank bestialisch.“ Am liebsten würde er Louis, den Hund einer Kollegin, darauf abrichten, die sauren Filme aufzuspüren, sagt er scherzhaft, „aber, ich befürchte, dass ich dann die Hälfte rausschmeißen müsste“.

Die Lagerbedingungen der Kinemathek seien mit knapp 19 Grad Celsius und 55 Prozent Luftfeuchtigkeit okay. „Ideal wäre eine konstante Temperatur um 15 bis 16 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 50 Prozent“, sagt Pfeiffer. Degenerierende Filme werden umgehend isoliert, da sie andere befallen könnten. Eine gewisse Zeit lang könne man diese noch abspielen. Die Projektoren müssten danach allerdings aufwendig gereinigt werden, da es zu einem minimalen Abrieb kommen kann. Irgendwann hilft nichts mehr: Der Film kann dann nur noch vernichtet werden.

Der finale Test

Nach dem Schnuppertest erfolgt die mechanische Prüfung am Umroller: Pfeiffer greift eine Filmrolle und geht in den Vorraum zurück. Behutsam wickelt er den Film um die einzelnen Rollen und wirft den Motor an. Pfeiffer lässt den Film zwischen Daumen und Zeigefinger hindurchlaufen. So könne er am besten fühlen, ob es eine Einkerbung gebe, die den Film reißen lassen könnte. Im Anschluss lässt er den Film durch den Schneidetisch laufen.

Es brummt, rattert und knarzt. Während der Film über die Rollen rauscht, schaut er auf den mit Sichtschutz versehenen Monitor: „Ein sattes Schwarz zu Beginn ist immer ein gutes Zeichen“, sagt Pfeiffer. „Wenn alle Farben stimmen und der Ton vernehmbar ist, ist alles prima.“ Pfeiffer schaut sich stets den gesamten Film an. Gibt es Klebestellen oder Verschmutzungen komme ein Spezialreiniger zum Einsatz. Kratzer, Laufstellen und Verregnungen sowie Beeinträchtigungen der Farbe werden vermerkt.

Mag er nach über 30 Jahren noch immer gern Filme sehen? Er bejahrt die Frage ohne zu zögern. Wobei er zugibt, Filme anders zu sehen: Mit einem prüfenden, technisch geschulten Blick. Dennoch betritt er gerne den Kinosaal und nimmt als Gast darin Platz: „Ich hatte kürzlich einen richtig schönen Moment, als ich einen Film in unserer Programmreihe ‚Blick ins Archiv‘ zeigte. Der Film heißt ‚The Big Circus‘ („Die Welt der Sensationen“). Kein Meisterwerk. Ich hatte ihn vorher am Schneidetisch gesehen, um zu prüfen, wie verkratzt er war. Bereits dort wurde mir klar, dass er unfassbar schöne Farben hat.

Aber auf der Leinwand hat er dann so richtig gestrahlt! Das war … das war geil, einfach nur geil!“ Nils Daniel Peiler sitzt in dem Moment am Nebentisch, unterbricht seine Arbeit am Laptop, schaut herüber: „Ich empfinde das nach wie vor wie Zauberei. Man hat diesen Streifen und auf einmal sieht und hört man was.“ Pfeiffer entgegnet: „Ja, ja, das ist Physik und die Trägheit des Gehirns. Aber das reicht schon aus.“

metropoliskino.de


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Das Edelfettwerk: Im Wandel

Seit bald 20 Jahren wird in einer umgebauten Fabrikanlage in Eidelstedt gefeiert. Über die Veränderung von der Eventlocation zum Musikclub, Corona-Auswirkungen und das aktuelle Programm berichtet Alexander Müller, neuer Booker im Edelfettwerk

Interview: Ole Masch

SZENE HAMBURG: Alexander, wie wird man Booker im Edelfettwerk?

Alexander Müller: Ich habe bereits 2018 nach einer legalen Open-Air-Location in Hamburg gesucht und bin im Edelfettwerk gelandet. Das Besondere hier: Das Edelfettwerk befindet sich in einem Industriegebiet und man hat somit die Möglichkeit, etwas lauter zu sein als in anderen Locations. Dazu gibt es noch eine perfekte Anbindung durch die S-Bahn in Eidelstedt. Ich habe das Potenzial gesehen und bin zu Beginn der Pandemie, als alle Termine frei wurden, auf das Edelfettwerk zugegangen und habe angeboten, der erste Booker zu werden.

Was hast du vorher gemacht?

Im musikalischen Bereich bin ich seit 2016 als Veranstalter aktiv. In den vergangenen Jahren konnte ich durch eine Vielzahl von Veranstaltungen in über 20 Clubs und Locations eine Menge Erfahrungen sammeln. Außerdem lege ich selbst hin und wieder auf, deshalb weiß ich, was es bedeutet auf der Bühne zu stehen und was gegeben sein muss, damit man sich als Artist wohlfühlt.

Wo gehst du in Hamburg sonst feiern?

Ich persönlich hatte immer schöne Nächte im Südpol, aber bin auch hin und wieder überall dort anzutreffen, wo es sich Menschen zur Aufgabe gemacht haben, schöne Partys zu veranstalten.

„Es geht uns im Großen und Ganzen gut“

Dein Highlight seitdem du im Edelfettwerk bist?

Nachtleben Edelfettwerk Haupt Juni 2022 klein credit Anri Coza-klein
Macht das Booking im Edelfettwerk: Alexander Müller (Foto: Anri Coza)

Dass viele, die im Hamburger Nachtleben im Bereich der elektronischen Musik unterwegs oder aktiv sind, wahrnehmen, dass sich etwas Neues entwickelt und dem Laden eine Chance geben. Danke an dieser Stelle. Für Kritik, Fragen oder Verbesserungsvorschläge sind wir immer aufnahmebereit, schickt einfach eine Mail an: booking@edelfettwerk.de.

Wie seid ihr durch die Pandemie gekommen?

Durch die umfangreichen Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene geht es uns im Großen und Ganzen gut. Hätte es diese nicht gegeben, würde das Edelfettwerk mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr existieren. Auf der anderen Seite haben wir über die Pandemie eine Menge Personal verloren, was uns heute sehr zu schaffen macht. Parallel erbringt das Kernteam derzeit Höchstleistungen, das muss man an dieser Stelle einfach sagen. Ich denke alles in allem können wir uns glücklich schätzen, dass wir zwei Open-Air-Flächen haben und trotz Auflagen einige Veranstaltungen durchführen konnten.

Fokus elektronische Musik

Gab es bauliche Veränderungen?

Die gibt es. Zuallererst möchte ich erwähnen, dass wir unseren Parkplatz (Backyard) mit einer Bühne ausgestattet haben und damit eine weitere Fläche für Open-Air-Events in Hamburg erschlossen haben. Die Kapazität dieser Fläche liegt bei etwa 1000 Personen, somit können hier auch etwas größere Events stattfinden. Unser Strand hat neben einer neuen Funktion-One-Anlage in diesem Jahr eine Überdachung bekommen, somit haben alle Beteiligten Planungssicherheit bei schlechtem Wetter. In den Innenbereichen haben wir neue Soundsysteme von BetaOne installiert, die WCs erneuert und jede Menge dunkle Farbe verbraucht. Derzeit bauen wir in unserem Nebengebäude einen dritten Dancefloor für etwa 300 Personen aus, dieser kann separat betrieben, oder bei größeren Indoor-Events als dritte Stage genutzt werden.

Und am Programm?

Es gibt eine neue Grundregel im Edelfettwerk: Öffentliche Veranstaltungs-Slots werden bis auf wenige Ausnahmen nur noch an Veranstalter aus dem Bereich der elektronischen Musik vergeben. Ansonsten sind wir derzeit mit einem Konzertveranstalter im Gespräch, der 2023 unter der Woche eine Vielzahl von Open-Air-Konzerten veranstalten möchte. Dazu kann ich leider noch nicht mehr sagen. Wir sind offen für Veranstalter, die sich entwickeln wollen und Visionen verfolgen, Veranstalter, für die eine schöne Party genauso wichtig ist, wie eine professionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Wie lockt man Leute an einem Donnerstag nach Eidelstedt?

Gute Frage: Wir bespielen die Donnerstage bis auf Weiteres nur noch mit unserem hauseigenen Open-Air-Konzept [Secret Garden]. Das bedeutet, dass wir eine Kontinuität für die Besucher:innen an diesem Tag schaffen möchten. Außerdem präsentieren wir im Rahmen dieser Reihe in diesem Jahr, an 14 ausgewählten Terminen, sehr interessante Künstler:innen wie Madmotormiquel, Marco Resmann oder die Power Suff Girls, die nicht wöchentlich im Hamburger Nachtleben anzutreffen sind.

Spontane Verlegung? Kein Problem!

Habt ihr bei den Open Airs kein Lärmproblem?

Es gibt bestimmte Gesetze für Immissionsorte außerhalb von Gebäuden. Diese Gesetze sind Grundlage für unsere Arbeit vor Ort. Hin und wieder erhalten wir trotzdem Anrufe, auch an Tagen wo gar keine Veranstaltungen stattfinden.

„Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub“

Alexander Müller, Booker im Edelfettwerk

Geht es nachts indoor weiter?

Das ist immer abhängig von der jeweiligen Veranstaltung, wobei eigentlich alle Open Airs, die am Freitag oder Samstag stattfinden, auch eine After-Show-Party zur Folge haben. Manchmal sind die Partys auch nur indoor.

Könnt ihr auch bei Regen dahin switchen?

Ja. Das ist einer der Punkte, die ich persönlich als Veranstalter am meisten am Edelfettwerk zu schätzen weiß. Stell dir vor, wie praktisch es ist, wenn du ein Event nicht absagen musst, weil es spontan rein verlegt werden kann. Super gut!

Ein Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum

Stehen in diesem Jahr noch weitere Veränderungen an?

Das Edelfettwerk ist derzeit im Wandel, von Eventlocation zum Musikclub. Die damit verbundenen konzeptionellen Änderungen sind genauso wichtig wie die Umsetzung vor Ort. Daran arbeiten wir gerade. Außerdem wird derzeit unser Brandschutzkonzept überarbeitet, der normale Gast wird im Nachhinein nichts merken, aber es handelt sich dabei um ein Projekt mit immensem Aufwand. So etwas zum Beispiel läuft im Hintergrund, kostet die Beteiligten jedoch enorm viel Energie und bindet derzeit Ressourcen.

Wie geht ihr mit dem Spagat zwischen Mietlocation und Club mit Stammpublikum um?

Neben der Praxis findet dieser aus meiner Sicht im Bereich der Kommunikation statt. Klar haben wir hin und wieder ein Firmenevent bei uns, allerdings muss man sich auch vor Augen führen, dass diese Events das Überleben und die Weiterentwicklung des Edelfettwerks als Kulturstandort sichern.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Tauchen: Die Welt steht still

Aquanautic Taucher Hamburg ist einer der ältesten Tauchclubs in Norddeutschland – und hat viel zu bieten

Text: Mirko Schneider

Was ihn am Tauchen am meisten fasziniert, kann Elmar Klemm (49) in einem Satz beantworten. „Unten im Wasser ist die Welt endlich mal still“, preist der stellvertretende Vorsitzende des Aquanautic Taucher Hamburg (ATH) einen Vorzug seiner Lieblingsbeschäftigung.

Andere Sportarten punkten mit Action, Tauchen mit der sinnlichen Betrachtung einer dem Menschen fremden Welt. Noch etwas mag Klemm am Tauchen: „Eine Einstiegsschwelle existiert nicht. Ob Kind oder Rentner – Tauchen kann jeder lernen.“

„Wir sind gar nicht so wettkampforientiert“

Dieser Mission, das Tauchen möglichst vielen Menschen nahezubringen, haben sich Klemm und seine Mitstreiter verschrieben. Ihr ATH (circa 100 Mitglieder) ist mit seiner knapp 40-jährigen Geschichte einer der ältesten Tauchclubs in Norddeutschland.

Obwohl der Verein in verschiedenen Disziplinen vor allem in den Jugendabteilungen viele Titel abgeräumt hat, stehen die Medaillen im Vereinsleben nicht im Vordergrund. „Wir sind gar nicht so wettkampforientiert. Uns geht es darum, unseren Mitgliedern eine möglichst vielfältige Palette an Tauchaktivitäten anzubieten.“

„Wer dann daran Spaß hat, den packt das Tauchfieber ganz schnell.“

Elmar Klemm

Was Klemm damit meint, wird bei einem Blick auf die Vereinsaktivitäten deutlich. Da finden sich Ausfahrten zu etlichen Tauchspots vom Oortkartener See in Hamburg über die Mole in Eckernförde bis hin zum Schweriner See. Zusätzlich finden Trainingseinheiten in der Bartholomäus-Therme und im Bille-Bad statt. Disziplinen wie Konditions- oder Langstreckenschwimmen stehen hier beispielsweise auf dem Programm, auch Tauchscheine können erworben werden.

Der Verein arbeitet mit Tauchlehrern zusammen. Für fast alle Facetten des Tauchsports wie wissenschaftliches oder technisches Tauchen oder Apnoe-Tauchen (Tauchen ohne Gerät) steht mindestens ein Ansprechpartner zur Verfügung oder kann im Verbund mit Verband und anderen Vereinen vermittelt werden. Für das wissenschaftliche Tauchen ist dies übrigens Klemm selbst. Er ist ausgebildeter Unterwasserarchäologe und ein Fan von alten Wracks. Historische Schätze wie Tauchgänge an einer echten Hanse-Kogge in der Ostsee faszinieren ihn.

Vereinsarbeit fußt auf dem Ehrenamt

Die Stimmung im Verein (Mitgliedsbeitrag 16 Euro, Ausrüstung wird bis auf Maske, Schnorchel und Flossen gestellt) beschreibt Klemm als „sehr relaxed“. Es gibt ja auch viel gemeinsam zu erleben. Naturliebhaber können Krebse, Aalmuttern, beachtlich große Flundern, Schwebegarnelen, Seestichlinge und etliches mehr unter Wasser sichten und genießen.

Klemm liebt vor allem die orangenen Seehasen. Was Klemm sehr wichtig ist: Der ATH sei nicht zu verwechseln mit den kommerziellen Angeboten der Tauchschulen. „Wir als Verein leben von einer guten Gemeinschaft, die durch das ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder entsteht. Wer bei uns eintritt, sollte bereit sein, auch etwas zu geben. Er sollte wirklich in unserer Gemeinschaft mitmachen wollen. Wer das nicht möchte, ist bei den Tauchschulen besser aufgehoben.“

Neue Perspektiven

Die schwierigste Einstiegshürde für Neulinge sei stets eine physische. „Der Mensch ist ja kein Unterwasserwesen. Sobald wir unseren Kopf unter Wasser stecken, schaltet sich bei uns ein körperliches Programm an, welches diesen Zustand sofort beenden möchte“, sagt Klemm. Doch: „Dieses Programm kann man ändern. Das kann man gut trainieren.“ Und werde dafür nicht nur mit wunderbaren Erlebnissen belohnt. „Die ganze Klima- und Naturdebatte ist im Tauchen schon seit vielen Jahrzehnten präsent. Schon lange, bevor sie im Mainstream angekommen war“, so Klemm. „Das Tauchen bietet die Möglichkeit, Themen wie die Erhaltung der Meere noch einmal aus einer viel intensiveren Perspektive zu betrachten.“

Wer dazu Lust hat, so Klemm, könne ganz unkompliziert einmal bei einem Tauchtraining des ATH vorbeischauen. Klemm: „Wer dann daran Spaß hat, den packt das Tauchfieber ganz schnell.“

ath-ev.de


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Altonale: Kulturelle Vielfalt

Nach zwei Jahren Abstinenz findet das beliebte Stadtteilfest in Altona wieder statt und bietet jede Menge Musik, Kunst, Literatur, Theater und Filme, unter dem Motto Freiheit

Text: Marco Arellano Gomes

Die altonale ist wieder da und meldet sich mit einem enthusiastischen „Hurra“. Nach zwei Jahren pandemiebedingtem Ausfall bietet das Festival der kulturellen Vielfalt vom 17. Juni bis zum 3. Juli jede Menge kulturelle Erlebnisse. Der Platz der Republik wird wieder zum Ort der Begegnungen, Ausstellungen, MusikActs und Open-Air-Filmvorstellungen. Die altonale möchte gemeinschaftlich Zukunftsbilder gestalten. Ziel sei es, Handlungsräume zu öffnen und gemeinsam zu reflektieren, heißt es vonseiten der Veranstalter. Vor allem geht es aber auch darum, vergnügliche Tage zu verbringen, spannende Veranstaltungen zu erleben und – bei aller gebotenen Vorsicht – einfach mal die Freiheit zu genießen, wieder in der Stadt zusammenzukommen. Zu sehen und zu hören gibt es in allen Bereichen allerhand … 

musik altonale

Kajsa Vala_PR_Square_Foto_©Søren Lynggaard (1)-klein
Das große Opening mit Kajsa Vala am 17. Juni auf Bühne am Festivalzentrum, Platz der Republik (Foto: Søren Lynggaard)

Den musikalischen Auftakt auf der Bühne am Festivalzentrum macht die dänisch-isländische Folk-Roots-Künstlerin Kajsa Vala aus dem dänischen Aarhus (17. Juni, 19 Uhr, Bühne am Festivalzentrum). Ihre Musik ist eine Mischung aus Pop, Folk, Roots und Americana – im Sinne ihrer musikalischen Vorbilder Sheryl Crow und Patty Griffin.

Zu Gast ist auch die temperamentvolle New Yorkerin Bridget Fogle (17. Juni., 21 Uhr, Bühne am Festivalzentrum), die in Europa als eines der Soulgirls in der Tourneeproduktion des Musicals „Litte Shop of Horrors“ bekannt ist und das Publikum unter anderem durch ihre Performance in „Aretha-Queen of Soul“ begeisterte.

film altonale

GOLDEN 80s_©Fondation_Chantal_Akerman (1)-klein
„Golden Eighties“, am 21. Juni im altonale pop.up im Mercado (Foto: Fondation Chantal Akerman)

Auch filmisch wird auf der altonale einiges geboten. Highlight sind der 35-minütige Super 8-Stummfilm „Titanic – Die einzig wahre Geschichte“ (19. Juni, 11 Uhr, Hörsaal im Altonaer Museum) und „Golden Eighties“, (21. Juni, 19 Uhr, altonale pop.up im Mercado), der den Konsum in einer belgischen Einkaufspassage thematisiert.

literatur altonale

Collage_book.beat_©UZS Marlena Waldthausen, Daniel Dittus, Rosc (1)-klein
Mit dabei bei „Book.Beat“ auf der altonale 2022: Laura Cwiertnia (o.l.), David Friedrich (o.r.), Jasmin Schreiber (u.l.) und den Soundtrack des Abends liefert Liza Ohm (u.r.) (Fotos: UZS Marlena, Waldthausen, Daniel Dittus, Ruscha Naleppa, Lorenz Adlung)

Auch für Bücherwürmer ist gesorgt: Bei der „Read Parade“ wird die Literatur gefeiert (25. Juni, 17 Uhr, Start: August-Lütgens-Park, beim HausDrei). Die Literatur ist bedroht. Sie verschwindet aus den IKEA-Regalen und den Feuilletons, weil die Leisen und Klugen noch nie den Ton angaben. Was dabei verloren geht, wird hier thematisiert, unter anderem mit einer Love Parade für Poesie, die die Wirkmacht der Worte wieder ins Gedächtnis ruft. Mit dabei sind bekannte Autoren und Autorinnen wie Rasha Khyat, Tom Müller, Monique Schwitter, Leona Stahlmann und David Wagner.

Beim „Book.Beat“ wird wiederum Literatur und Musik miteinander verschmolzen (30. Juni, 19.30 Uhr, Thalia Gauß). Im Rampenlicht stehen hier die Journalistin Laura Cwiertnia und die Schriftstellerin Jasmin Schreiber. Den Soundtrack zum Abend liefert das Soloprojekt der Singer-Songwriterin Liza Ohm.

theater altonale

Performing Female B._©Svenya Fritzsche_DSC_5567-Edit (1)-klein
„Performing Female B“ im Hotel Hamburg Altona (Foto: Svenya Fritzsche)

Mit dem weiblichen Körper beschäftigt sich „Performing Female B“ (24. Juni, 19 Uhr, 25. Juni, 20 Uhr, 26. Juni, 19 Uhr, Hotel Hamburg Altona). Female B. ist weiblicher Körper und Kunstfigur zugleich. Ein Sammelsurium von Klischees, Urteilen und Bewertungen, denen der weibliche Körper ausgesetzt war. Sechs Performerinnen setzen sich pointiert mit dem Thema auseinander. Bereits zum vierten Mal setzt sich „Interventions“ mit Fragen des 21. Jahrhunderts tagesaktuell und multiperspektivisch auseinander (25. und 26. Juni, 17 Uhr).

Schwerpunkt ist das Thema Freiheit. Wessen Freiheit? Freiheit von was? Wo sind die Grenzen der Freiheit? Was bedeutet das für die anderen? MischPULK versucht mittels eines performativen Spaziergangs durch den Stadtraum diesen Fragen nachzugehen. 

Liberty Day

Das Thema „Freiheit“ durchzieht die diesjährige altonale. Am sogenannten „Liberty Day“ ist dies besonders der Fall. Drei Veranstaltungen ragen hier heraus: Ein Tanzprojekt mit dem Titel „Stuhl allein“, bei dem sich Jugendliche tänzerisch mit dem Thema Freiheit und dem Objekt Stuhl auseinandersetzen (25. Juni, 15 Uhr, Wiese am Festivalzentrum), ein Gespräch über den Zusammenhang von Freiheit, Kunst und Gewalt mit den beiden Philosophinnen Dr. phil. Heidi Salaverría und Dr. Anna Katsman (25. Juni, 16 Uhr, Bühne am Festivalzentrum).

Den Abschluss des Liberty Day stellt eine von 24 Künstlerinnen aus Brasilien vorgetragene Protestperformance mit dem Titel „Ein Schrei liegt in der Luft 2“ dar (25. Juni, 22.15 Uhr, Platz der Republik), die sich gegen Machismus und Rassismus richtet. Freiheit ist und bleibt ein schillernder Begriff, so viel verdeutlicht auch die diesjährige altonale. Zur Freiheit gehört neben der „Freiheit von“ aber auch die „Freiheit zum“ – zum Beispiel, die Freiheit zur Maske zu greifen, wenn es doch mal etwas eng wird auf den belebten Straßen Altonas.

kunst altonale

Schaufenster-Führungen _©Chrisdian Wittenburg (1)-klein
Beliebt: Die Schaufenster-Führungen bei der altonale (Foto: Chrisdian Wittenburg)

Auch für Kunstbegeisterte gibt es bei der altonale allerhand zu sehen. Besonders sehenswert sind die im Mercado ausgestellten „Riesenkinder“ von Simone Henneken (8. Juni und 25. Juni jeweils 19 Uhr). Die auf großformatigen Bannern präsentierten Illustrationen zeigen geheime Orte und Sehnsüchte Jugendlicher, die den Wunsch nach Freiheit zum Ausdruck bringen. Begleitet werden diese von Audio- und Videoinstallationen der Regiegruppe Schöne Gegend, die mit Live-Acts im altonale pop.up im 1. OG des Mercado stattfinden. Ein Cross-over von Kunst und Theater.

In „Laubenland“ stellt die Gartenkolonie Heimgartenbund Altona bereits zum fünften Mal einen Diskurs von Kunst und (Klein-)garten und zeigt dabei, dass Kleingärtner alles andere als kleingeistig sind (25. und 26. Juni, 10– 18 Uhr, Heimgartenbund Altona e.V., Kolonie 202). Dass auch halb Altona eine Galerie sein kann, zeigt die Aktion „Kunst im Schaufenster“, die die anliegenden Geschäfte der Einzelhändler in Ottensen und Große Bergstraße in neuem Licht erstrahlen lassen (17. Juni – 3. Juli).


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

„How to Beam“: Die erste Residenz bei THEHOST.IS

Anzeige

Mit THEHOST.IS haben Kampnagel und die Deichtorhallen ein Residenzprogramm aufgelegt. Mit „How to Beam“ geht die erste dieser Residenzen jetzt in sein Abschlussprogramm

Mit THEHOST.IS gibt es seit dem 15. März von Kampnagel und den Deichtorhallen eine neue Reihe von Residenzen für Kunst und Digitalität. Bis Ende 2023 sind insgesamt fünf thematische Programme geplant, die jeweils von einem Host thematisch geprägt werden. Sie laden sich jeweils drei internationale Resident:innen ein, diskursiv-experimentell an der Schnittstelle zwischen Kunst und Digitalisierung an eigenen Projekten zu forschen – zum Teil vor Ort, zum Teil online. Die Residenzen werden von einem Vernetzungsprogramm begleitet. Dies möchte mit verschiedenen und zum Teil regelmäßigen Veranstaltungen und Formaten lokal und online Akteur:innen der Hamburger und internationalen Szene miteinander vernetzten, Austausch und Kooperationen ermöglichen und stärken. Das erste Residenzprogramm wurde von der kanadischen Künstlerin Darsha Hewitt geleitet. Sie beschäftigte sich unter dem Titel „How to Beam“ mit experimentellen künstlerischen Wegen der Telekommunikation.

„How to Beam“

Bei „How to Beam“ untersuchte Darsha Hewitt die veränderte Bedeutung von persönlicher Präsenz in digital mediatisierter Zeit. Die Künstler:innen Olsen, Dasha Ilina und Nadja Buttendorf kombinieren dabei neue Technologien und Low- Tech-Strategien und experimentieren mit Teleportation als praktisches Mittel zur Wiederaneignung und Neuerfindung von Individualität, Autonomie und sozialer Bindung in unserer zusehends hybriden Welt.

Das Abschlussprogramm

Die Eröffnung des Abschlussprogramms am 9. Juni 2022 von 18 bis 22 Uhr auf Kampnagel beinhaltet ein umfangreiches Programm indem die Residenzkünstler:innen ihre Arbeiten und Projekte, an denen sie während der Season „How To Beam: Do It Yourself Teleportation for Hybrid Times“ gearbeitet haben, vorstellen. Vom 10. bis 26. Juni ist die Öffentlichkeit eingeladen, Kunstwerke, Happenings und eine Reihe von Talks zu erleben, die das sich wandelnde Konzept der Präsenz in der digital vermittelten Zeit erkunden.

kampnagel.de/thehostis

#StandWithUkraine – Aktuelles aus Hamburg

Die Ukraine wird von Russland angegriffen und in ganz Deutschland ist die Solidarität groß, auch in Hamburg. Seien es Spendenaktionen, Demonstrationen oder Links zu Portalen, die informieren. SZENE HAMBURG fasst die aktuellen Informationen für die Stadt in diesem Ticker zusammen

Spendenaktionen

Die aktuellen größeren Spendenaktionen in Hamburg:

Hanseatic Help ist eine der zentralen Anlaufstellen für Spenden für die Ukraine in Hamburg. Spendenannahme ist Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr. Auch beim Sichten und Sortieren der Bestände wird fast immer Hilfe gebraucht.

Eine Liste mit Sammelstellen und Informationen, was gebraucht wird, findet sich auch beim Ukrainischen Hilfsstab

Listen mit geprüften Organisationen, die Spenden-Aktionen organisieren finden sich beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen.

Wer Geld spenden möchte kann sich auch an den Hamburger Hilfskonvoi e.V., die Aktion Deutschland Hilft, Ärzte ohne Grenzen oder #LeaveNoOneBehind wenden

Grundsätzlich empfiehlt die Menschenrechtsorganisation medico International, vor allem Geld zu spenden. Hintergrund: Sach- und Materialspenden verursachen zum Teil hohe Kosten. Hinzu kommen zeitaufwendige Prozesse wie die Sortierung und die Zollabfertigung. Mit Geldspenden können notwendige Produkte im Land selbst gekauft werden, sofern das möglich ist. Außerdem empfiehlt der Hamburger Senat keine privaten Transporter an die Grenze der Ukraine zu organisieren, da laut den Hilfsorganisationen vor Ort diese Fahrten die humanitäre Arbeit vor Ort erheblich behindern. Diese Hilfsorganisationen beraten im Einzelfall auch Menschen, die dies trotzdem planen.

Es gibt mehr? Dann sag uns gerne via Instagram oder Facebook Bescheid!

Demonstrationen

Es gibt mehr? Dann sag uns gerne via Instagram oder Facebook Bescheid!

Aktionen in Hamburg

Ein Überblick über aktuelle (Benefiz-)Veranstaltungen:

„Where have all the flowers gone“ auf Kampnagel ist ein kompositorischer Abend aus den drei Choreografien „Requiem“ von Anna Laudere, erste Solistin des Hamburg Ballett, „Um Mitternacht“, ein Auszug aus dem Mahler-Abend von John Neumeier und „Quatro“ von Edward Clug zur Musik von Milko Lazareine, getanzt von Tänzer:innen des ukrainischen Nationalballetts und vom Hamburg Ballett. Die Vorstellungen am 27. und 28. Juni (jeweils um 19.30 Uhr) sind die Fortsetzung des im April entstandenen Projekts „For the air that we breathe“, welches vor allem zum Ziel hatte, die Tänzer:innen des Ukrainischen Nationalballetts in Hamburg arbeiten zu lassen und für die Künstler:innen fern der Heimat ein neues, temporäres Zuhause zu finden.

Noch bis zum 30. Juni 2022 läuft die Filmreihe „Perspectives of Ukrainian Cinema“ der Deutschen Kinemathek im Abaton Kino. Die Reihe zeigt aktuelle Filme aus der Ukraine. Zu jeder Filmvorführung sind ukrainische Moderator:innen anwesend, die im Anschluss an den Film Gespräche mit den Filmschaffenden führen. Der Eintritt zu allen Filmen der Reihe ist kostenfrei.

„Eule findet den Beat“ ist ein Theater-Konzert auf Ukrainisch. Gemeinsam mit ukrainischen Künstler:innen wurde eine Version der erfolgreichen Kinder-Theater-Konzerts entwickelt. Premiere ist am 26. Juni um 15.30 Uhr in der Fabrik in Altona. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter fabrik.de ist allerdings erforderlich.
Ab Juli 2022 geht die ukrainische Version von „Eule findet den Beat“ dann auch auf große Deutschland-Tour.

Es gibt mehr? Dann sag uns gerne via Instagram oder Facebook Bescheid!

Quellen für aktuelle Berichterstattung

Wer sich über die aktuelle Lage in der Ukraine informieren will, der findet hier Ticker, Hintergrundberichte und aktuelle Einschätzungen:

Noch mehr und ausführlichere Einordnungen und Hintergrundinformationen gibt es beim Podcast „das Politikteil“ der Zeit, beim Podcast „Acht Milliarden“ des Spiegel und vielen anderen Formaten.

Grundsätzlich gilt: Bei Informationen zur Ukraine den oben genannten Medien und anderen großen Leitmedien vertrauen. Diese Informationen sind eingeordnet und überprüft. Bei Informationen via Social media gilt:

  • Möglichst Inhalte von glaubwürdigen und unabhängigen Medien konsumieren.
  • Fotos und Videos von Quellen, die man nicht einschätzen kann, sind mit Skepsis zu betrachten.
  • Man sollte sich sehr gut überlegen, was, von wem und ob man etwas selbst verbreitet.

Nachrichten aus Hamburg

Hamburg und Kyjiw haben eine strategische Städtepartnerschaft vereinbart. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko haben dazu einen „Pakt für Solidarität und Zukunft“ unterzeichnet. Der Pakt soll dabei nicht nur im Lichte des Angriffskrieges auf die Ukraine ein Zeichen setzen, er soll auch die Unterstützung für den Wiederaufbau sichern. Während die humanitäre Hilfe zusammen mit Handelskammer Hamburg und in Kooperation mit der Initiative #WeAreAllUkrainians sowie dem Verein Hanseatic Help umgesetzt wird, sollen in der zweiten Phase besonders wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Beziehungen gestärkt werden. „Diese Vereinbarung ist sehr wichtig für die Stadt Kyjiw. Ich bin der Stadt Hamburg dankbar, die für mich persönlich sehr viel bedeutet, für die weitere Bestätigung echter Freundschaft, Unterstützung und die Bereitschaft, der Stadt Kyjiw und der Ukraine zu helfen“, sagt Vitali Klitschko. „Mit dem Städtepakt schaffen wir jetzt ein offizielles und starkes Band zwischen Kyjiw und Hamburg, das zielgerichtet Hilfe leistet, aber auch ein Versprechen für die Zukunft ist“, ergänzt Peter Tschentscher.

Weitere Infos aus der Stadt

Für Ukrainer:innen die in Hamburg ankommen ist die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung im Bargkoppelweg 66a die erste Anlaufstelle. Hier wird die Registrierung vorgenommen und sich um Versorgung und Unterbringung der Geflüchteten gekümmert. Des Weiteren können sich Ukrainer:innen beim Call-Center des Ukrainisches Hilfsstabs melden. Die Nummer lautet: 0800 504 562 (und für Anrufe aus der EU: 00800 38 38 38 00). Helfer:innen können sich unter 00800 38 38 38 00 melden.

Geflüchtete die privat unterkommen, können sich auch zur Registrierung im Amt für Migration in Wandsbek (Hammer Straße 32-34) melden. Geöffnet ist es zu diesem zweck ab sofort täglich (auch am Wochenende) von 8 bis 17 Uhr.

Der Ethem Yilmaz Verlag hat zusammen mit tabmag und der niedersächsischen Lotto-Stiftung zur Zeit an einen Sprachguide für die geflüchteten Menschen aus der Ukraine entwickelt. Dieser ist unter wegbegleiter-ukraine.de zu finden.

Wer sich um Geflüchtete kümmern möchte oder private Unterkünfte anbieten will, kann sich beim Bündnis Hamburg Flüchtlingsinitiativen, der Aktion #LeaveNoOneBehind, der Initiative #Unterkunft für Menschen aus der Ukraine oder dem Verein Mission Lifeline melden.

Für Ehrenamtliches Engagement gibt es ebenfalls einige Anlaufstellen in der Stadt. Eine Liste mit Organisationen aus Hamburg und Norddeutschland, die immer ehrenamtliche Helfer:innen suchen, findet sich bei der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen Hamburg.

Während Geflüchtete aus der Ukraine schon seit ein paar Tagen mit der Bahn kostenlos nach Deutschland kommen können, können Schutzsuchende aus der Ukraine jetzt auch den gesamten hvv weiterhin bis mindestens Ende Mai kostenfrei nutzen.

Wer nicht direkt vom Krieg in der Ukraine betroffen ist, sich aber trotzdem Sorgen macht oder Ängste hat, kann sich an die Telefonseelsorge wenden. Unter 0800 / 111 01 11 oder 0800 / 111 02 22 ist diese 24 Stunden am Tag erreichbar.
Ein für Eltern, Kinder und Jugendliche spezialisiertes Anbot bietet die Nummer gegen Kummer. Kinder und Jugendliche können unter der Nummer 116 111 von montags bis Samstag von 14 bis 20 Uhr Hilfe in Anspruch nehmen. Für Eltern ist dies montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und dienstags und donnerstags bis 19 Uhr unter 0800 / 111 05 50 möglich.

Dieser Ticker erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer noch Tipps und Informationen zu Demos, Spendenaufrufen oder anderen Aktionen in der Stadt hat, kann sich gerne via Instagram oder Facebook an SZENE HAMBURG wenden.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Elbjazz 2022: Jazz für alle

Das Elbjazz 2022 ist Geschichte. Ein Festival mit Highlights für alle, Lowlights für Jazzer:innen und Luft nach oben

Text: Felix Willeke

Zwei Jahre hat es gedauert, doch zu Pfingsten war das Elbjazz wieder zurück und brachte Musik in die St. Katharinenkirche, in und vor die Elbphilharmonie und natürlich auf das Werftgelände von Blohm & Voss. Schon vorab versprach das Line-Up die gewohnte Starbesetzung. So hatten sich mit Melody Gardot, Myles Sanko, Max Herre und Nils Landgren echte Publikumsmagneten angesagt. Und die bis zu 13.000 Besucher:innen wurden nicht enttäuscht.

Die Großen überzeugen

Natürlich ließe sich an dieser Stelle viel über den grandiosen Myles Sanko, mit seiner Mischung aus Soul und Jazz schreiben oder über die sympathisch-divenhafte Melody Gardot, die spielerisch zwischen Französisch, Englisch und Portugiesisch changiert oder über das Jazz-Urgestein Nils Landgren, der mit seiner Funk Unit das Publikum zum Tanzen bringt. Doch dass die Stars beim Elbjazz 2022 die Massen anziehen, verwundert wenig. Schön sind die unerwarteten Momente, wie ein Max Herre, der bei seinem Auftritt mit Web Web in der Elbphilharmonie kaum rappt und stattdessen dem Sound und seinem grandiosen Arrangeur Roberto Di Gioia die Bühne überlässt.

Die „Kleinen“: Highlights

Ein Festival ist nunmal auch mehr als seine Stars. Festivals können vor allem eines: neugierig machen. Neugierig auf Musik, die noch und häufig zu unrecht vielen unbekannt ist. So zum Beispiel das Trio Bobby Rausch. Die drei Berliner waren am Festivalfreitag das zweite Konzert in der, meist überfüllten, Schiffbauhalle. Mit ihrer Mischung aus Baritonsaxophon (Oleg Hollmann), Bassklarinette (Lutz Streun) und Schlagzeug (Jürgen Meyer) sorgten sie schon früh am Abend für richtig dicke Beats. Bei ihrem Auftritt verzichteten die drei jedoch auf die sehr experimentellen elektronischen Klänge – zu denen sie durchaus in der Lage sind. Es war der Clubsound, der am Ende die Halle zum Tanzen brachte.

Matthew Whitaker-c-Jacob Blickenstaff-klein
Grandios und über alle Maßen talentiert: Matthew Whitaker (Foto: Jacob Blickenstaff)

Vielleicht die größte Entdeckung des Festivals war Matthew Whitaker. „Er ist ein Genie und wird es weit bringen, passt auf“, sagt der Grammy-Gewinner Jon Batiste über den 21-jährigen. Wie weit der US-Amerikaner schon heute ist und welches Show-Talent er hat, bewies er beim Elbjazz 2022. Mit einer Mischung aus Funk, Jazz und R&B erspielte er sich mit seiner Band schnell das Publikum. Und wer sich an das Zitat von Bill Evans erinnert: „Es nervt mich, wenn Leute versuchen, Jazz als intellektuelles Theorem zu analysieren. Das ist er nicht. Er ist ein Gefühl“, der wird spätestens nach diesem Auftritt wissen, wie viel Wahrheit darin steckt. Matthew Whitaker, ein Name, den man sich merken sollte.

Der Hamburger Jazzpreis für Silvan Strauss

Elbjazz2022_HamburgerJazzpreis-c-JazzbueroHH (4)-klein
Gewinner des Hamburger Jazzpreises Silvan Strauss (l.) mit Réka Csorba, Geschäftsführerin des Jazzbüro Hamburg (m.) sowie Sängerin und Jazzpreis-Laudatorin Maria João (r.) (Foto: Jazzbüro Hamburg)

Beim Elbjazz gibt es neben der Musik alle zwei Jahre auch noch etwas zu feiern: den Hamburger Jazzpreis. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird an in Hamburg wirkende Jazzer:innen vergeben. 2021 ging er an den Schlagzeuger Silvan Strauss, der ihn pandemie-bedingt in diesem Jahr überreicht bekam. Der 31-jährige Allgäuer hat in Hamburg Jazz studiert, spielt neben seiner Band ToyToy auch in der Combo der Bassistin Lisa Wulff (Jazzpreisträgerin 2019) und steht regelmäßig mit dem Pianisten Omer Klein auf der Bühne. Beim Elbjazz 2022 spielte er zusammen mit ToyToy, der NDR Big Band und Gästen wie Omer Klein und der Sängerin Maria João ein grandioses Set. Wer mehr von Silvan Strauss sehen und hören möchte: Am 9. Juli 2022 spielt er mit ToyToy Open Air am Schloß Agathenburg.

Das Elbjazz kann mehr

Elbjazz2022-c-NoemiSmethurst (4)-klein
Auf mehr Vielfalt beim Elbjazz 2023? (Foto: Noemi Smethurst)

Das Elbjazz: Hier treffen eingefleischte Jazzer:innen auf Familien, auf Teenager und auf mit Falthockern bewaffnete Übergangsjackenträger:innen. Es ist ein Festival für alle. Das ist eine Stärke und gleichzeitig ein Problem. Denn Jazz ist experimenteller, schräger und verrückter. Doch will das Festival-Publikum mehr als den massentauglichen Jazz? Ist es bereit, seine Hörgewohnheiten auf die Probe zu stellen? Wenn man das testen möchte, braucht es Mut, doch das Elbjazz sollte das Risiko eingehen. Jazz ist schließlich vielfältig und ein Festival sollte die Bühne für diese Vielfalt sein: Es kann Raum bieten und Lust auf Neues machen. Insbesondere für die junge Hamburger Jazzszene ist das Elbjazz eine Chance, wenn sie mehr Raum bekommt, als „nur“ auf der Young Talents Bühne an der Elbphilharmonie.
Vielleicht gelingt im nächsten Jahr die Mischung aus weniger großen Namen und mehr Neuem. Dass das Elbjazz das kann, hat es schon bewiesen.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?