Meet the Resident – Levente

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Levente (PAL, OGay, Fruits, Acid Tears, Heal Yourself and Move) – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

 

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Levente: Über die Jahre habe ich viel Musik gehört und gesammelt, jedoch fällt es mir schwer, mich auf eine Richtung festzulegen. Ich habe das Gefühl, die Zeiten des Genredenkens sind over. DJs sind alle Mittel gegeben, aus unterschiedlichen Systemen zu schöpfen und dadurch intensive Momente entstehen zu lassen.

Was war dein größter Moment als DJ?

Es gab sehr viele, der emotionalste war auf jeden Fall das Kraniche Closing. Der Club war für mich eine wichtige Plattform, mit tollen Menschen zusammen zu sein und mich musikalisch völlig frei zu entfalten. Never ever forget! Der weirdeste war im Cocoon Frankfurt, als ich vor ewigen Jahren noch Resident im Luna Club Kiel war, lange Geschichte.

Wo gehst du in Hamburg hin um Spaß zu haben?

Ins Thier, safe place!

Welchen DJ würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Definitiv David Vunk. Ich hoffe, wir bekommen das dieses Jahr noch hin.

 

„Wir müssen uns für mehr Freiräume einsetzen“

 

Was sind für dich Hamburgs stärken?

Menschen in Hamburg, gerade aus der aktiven Musikszene, sind sehr supportive. Es gibt eine irre Qualität an Kreativen, die sich alle gegenseitig wahrnehmen und wertschätzen. Das ist wichtig in einer Stadt, die der Kreativität nur begrenzten Raum lässt.

Und die Schwächen?

Wir müssen uns für mehr Freiräume einsetzen. Diese Orte Hamburg sind begrenzt und die Stadt macht es uns nicht gerade leicht, Neues zu schaffen und zu etablieren.

Dein Lieblingsort in Hamburg?

Die Fähre nach Finkenwerder.

Deine Platte des Monats?

L.F.T. – Fresh Through The Flesh.

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?

Unbedingt Schulverweis und MANON. Ansonsten gibt es gerade sehr viel interessanten Output. Da will ich niemanden bevorzugen.

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?

Ich genieße die Abende mit Bobbie*, ob bei unserer Residency im PAL oder bei unserer Veranstaltungsreihe ACID TEARS im Pudel sehr.

Deine schrecklichste Gast-Frage?

Machst du mir Jackie Cola und ein Weizen, Bruder?

Wo kann man dich als nächstes hören?

Auf dem Kometa Festival in Riga, mit einem Teil der PAL Family Bobbie* und OSKAR. Ab dem 27.07. Und den Donnerstag drauf auf dem Garbicz Festival. Und auf den kommenden PAL Open Airs.

 

Ein aktuelles Set von Levente hört ihr hier


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Top 10 – Das sind die schönsten Grillplätze in Hamburg

Zu einem gelungenen Sommertag gehört grillen einfach dazu. Welche Orte in Hamburg sich perfekt für einen Grillausflug eignen, erfahrt ihr in unserer Top-10-Liste

Text: Anne Guttmann
Foto (o.): Samuel Zeller via Unsplash, Symbolbild

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung – zuletzt aktualisiert 7/2019

 

1) Alsterwiese Schwanenwik

An der Schwanenwikwiese direkt an der Außenalster treffen sich viele Grillbegeisterte, denn sie bietet ein Stückchen Natur mitten in der Stadt. Von hier aus sieht man nicht nur Segler und Ruderer über Alster schippern, sondern hat auch einen wunderbaren Panoramablick auf Hamburg. Die Schwanenwik ist eine zwischen St. Georg und der Uhlenhorst gelegene Straße, die zum Alstervorland gehört. Ihren Namen hat sie von den sich dort tummelnden Schwänen, aber auch viele andere Wasservögel fühlen sich dort wohl.

Alsterwiese Schwanenwik

 

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2) Altonaer Volkspark

Dieser Park ist stolze 105 Jahre alt und Hamburgs größte öffentliche Grünfläche. Weil er so groß ist, ist der Volkspark auch an Wochenenden ein beliebtes und ruhiges Ausflugsziel. Sein Zentrum, die große Wiese, bietet viel Platz zum Grillen sowie einen Biergarten. Erkunden lassen sich hier außerdem der an der Stadionstraße gelegene Dahliengarten mit über 11.000 einzelnen Blumen. Bei Spaziergängen finden Besucher hier auch einen Waldlehrpfad, einen Kletterturm, einen Kinderspielplatz mit Seilbahn, einen Bolz- und Minigolfplatz. Der Volkspark Altona lohnt sich also nicht nur für Grillausflüge, sondern ist auch ein Ort, der einfach entdeckt werden will.

Altonaer Volkspark


3) Elbpark Entenwerder

Der Elbpark Entenwerder ist nicht weit von der Stadt entfernt, doch für viele noch ein Geheimtipp. Die ehemalige Zollstation für Binnenschiffe ist seit 1997 eine naturbelassene Parkanlage direkt an der Elbe, die unter anderem von der S-Bahn Rothenburgsort gut zu erreichen ist. Auch ein kleiner Fahrradausflug durch die HafenCity führt schnell ins Grün des Parks. Direkt am Elbufer schwimmt außerdem das Café Entenwerder 1 auf einem Ponton. Schon von weitem fällt der goldene Pavillon aus gelochtem Messing auf: ein zu einem Restaurant umgebautes Kunstwerk mit drei Ebenen, das 16 Meter in die Höhe ragt.

Elbpark Entenwerder

 

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4) Elbstrand Övelgönne

Bei heißen Temperaturen verspricht der Elbstrand in Övelgönne angenehme Abkühlung – und auch das Grillen ist in ausgewiesenen Bereichen erlaubt. Dafür kann man mit der Fährlinie 62 in Richtung Neumühlen direkt von den Landungsbrücken an den Strand fahren, und nach ein paar entspannten Stunden erholt in die Stadt zurück. Zugegeben: Der Elbstrand ist so beliebt, dass hier gerade an Wochenenden einiges los ist. Damit sich wirklich ein Urlaubsgefühl einstellt, bieten sich Ausflüge unter der Woche an oder früher am Tag.

Elbstrand Övelgönne

 

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5) Hammer Park

Mitten im dicht besiedelten Wohngebiet Hamm-Nord liegt der Hammer Park. Auf den weitläufigen Rasenflächen ist für alle genug Platz, um beim Grillen oder anderen Aktivitäten vom Stadtstress abzuschalten, zum Beispiel auf den großen Liegewiesen. Besucher können sich die Zeit beim Tischtennis, Minigolf und Schach vertreiben oder dem Kräuter- und Heckengarten einen Besuch abstatten.

Hammer Park

 

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6) Haynspark

Direkt am Alsterufer in Eppendorf befindet sich der Haynspark, in dem Besucher auf den ausgewiesenen Plätzen grillen dürfen. Im Bootshaus direkt im Park können sie sich aber auch Ruder- und Tretboote ausleihen oder im Kajak eine Alsterrunde drehen. Für die Erfrischung der Kinder sorgt ein Planschbecken. Ein besonderer Ort im Park ist der Monopteros, ein Steinpavillon nach antikem griechischem Vorbild, in dem manchmal sogar ein Streichquartett spielt.

Haynspark


7) Michelwiese

Wer in Hamburg Ruhe sucht, ist in der Neustadt eigentlich nicht richtig – doch die Wiese unterhalb der Kirche St. Michaelis verspricht überraschend viel Erholung, direkt zwischen der Kirche und dem Verlagshaus Gruner + Jahr. Das Beste: Es ist ausdrücklich erwünscht, hier zu grillen. Dafür hat die Stadt eigene Grillstationen eingerichtet. Für einen Euro können Hungrige einen Elektrogrill zehn Minuten lang benutzen. Wer Glück hat, kann sein Essen genießen, wenn der Sonnenuntergang den Hafen in rotgoldenes Licht taucht.

Michelwiese

 

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8) Öjendorfer Park

Im Osten Hamburgs befindet sich der drittgrößte Park der Stadt. In seinem Zentrum liegt der Öjendorfer See, der mit einem Sandstrand und zwei Badestellen immer einen Ausflug wert ist – und sogar doppelt so groß ist wie die Binnenalster. Am See finden Besucher einen Kiosk, Grillplätze und einen Spielplatz sowie Toiletten, Duschen und kostenlose Parkplätze. Mit Kindern kann man hier zum Beispiel Zeit beim Ponyreiten oder Minigolfspielen verbringen.

Öjendorfer Park


9) Rissener Kuhle

Früher wurde in der hier Kies abgebaut – heute bietet die Rissener Kuhle viel Platz für Grillfeste mit der Familie oder mit Freunden. Besucher grillen entweder mit mitgebrachten Utensilien, vor Ort gibt es aber auch vier eingemauerte Grills und Feuerstellen, die jedem zur Verfügung stehen. Mitten im Wald erstreckt sich eine riesige Spiellandschaft für die Kleinen, und die Größeren spielen auf dem Bolzplatz oder den weitläufigen Rasenflächen. Toiletten sind ebenso vorhanden wie Müllbehälter.

Rissener Kuhle


10) Stadtpark

Der Stadtpark gehört einfach zu den Klassikern unter den Grillorten in Hamburg. Auf den weitläufigen Flächen des Parks findet man fürs Familiengrillen, die große Geburtstagsfete oder das aufregende Date das passende Plätzchen, um seine Picknickdecke auszubreiten. Die zwei ausgewiesenen Grillzonen, Festwiese und Liegewiese, sind nicht unbedingt ein Geheimtipp, aber gehören mit den vielen gut gelaunten Menschen im Sommer einfach zu Hamburg.

Stadtpark

 

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Wichtig beim Grillen in Hamburg:

Nicht überall in Hamburg ist Grillen erlaubt. Um die Natur zu erhalten, gibt es ausgewiesene Zonen, in denen das Grillen erlaubt ist. Der Grill muss mindestens 50 Zentimeter über dem Boden und weit genug entfernt von Bäumen und Sträuchern stehen. Offene Grill- und Feuerstellen sind verboten. Wichtig ist auch, die abgekühlte Kohle nach dem Grillen in dafür vorgesehene Behältnisse zu geben oder mit Wasser komplett zu löschen und dann zu entsorgen.


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Bedrohte Räume #37 – Freie und Abrissstadt Hamburg

Ein Hoch auf den Fightclub Denkmalverein

Foto (o.): Kristina Sassenscheidt

Sie mögen Investoren, Maklerinnen und Oberbaudirektoren, diese ganz leckeren Leute mit den geilen Ideen für unsere gemeinsame Zukunft? Sie finden, dass Wirtschaftlichkeit vor Denkmalschutz geht, weil billig gut ist und Wachstum the best? Sie meinen, die CO2-Bilanz der Abrissbirne spielt keine Rolle, weil erst, wenn Sie persönlich spüren, dass das Klima einen Wandel vollzieht, die Sache für Sie auch wahr ist? Na, dann hoffen Sie sicher auch auf eine App, die Ihnen Luft zum Atmen spenden wird und glauben noch an den Weihnachtsmann.

Zur Rettung der Menschheit vor Ihren zerschundenen Ideen schlage ich vor: Hauen Sie sich eine Axt ins Bein, übergeben Sie ihre goldene Kreditkarte der nächsten „Hinz und Kunzt“-Verkäuferin und verlassen Sie bitte den Planeten ohne über Los zu gehen. Ziehen Sie keine 2.000 Euro ein und gewinnen Sie bitte auch keinen weiteren Architektenwettbewerb.

Sollten Sie allerdings, wie ich, auch auf Denkmalschützende, Stadtaktivistas und kluge Widerständlers stehen, weil Sie gebildet, umsichtig und politisch einwandfrei informiert sind, dann gehen Sie mit mir den nächsten Schritt: Lesen Sie weiter und werden Sie Teil einer Empörung, die mich die letzten Monate umtreibt.

Sie fragen sich, um welches arme Gebäude es heute wieder geht? Tja, ich kann mich leider nicht entscheiden und zitiere den jüdischen Maler Max Liebermann: „Ick kann janich so viel fressen, wie ick kotzen möchte!“

Frühjahr bis Frühsommer der unbarmherzigen Abriss City Hamburg zeigen nämlich einmal mehr: Ihre und meine Kindheitserinnerungen interessieren hier genauso wenig wie der Klimawandel. Wir haben vielmehr einen gigantischen Eintopf von gefährdeten Gebäuden vor der Nase. Ob Allianz-Gebäude an der St. Nikolai-Kirche, auf dessen Grundsteinlegungsparty ich mit drei Jahren meinen ersten Luftballon bekam oder das Haus der Kirche an der Neuen Burg 1, das die Quest Investment in ein grandioses Scheusal verwandelte. Ob mein Kreuz-Ornamenten-Lieblingszaun am Wohlerspark, der so sehr vor sich hin rottet, dass die Kids daran ihre Messer schärfen oder das historische Forschungszentrum der Beiersdorf AG, in dem mein Vater einst seine kargen Piepen verdiente. Ob das Commerzbank-Hochhaus am Nikolaifleet, zu dem meine Oma immer sagte: „Einen besseren Namen für ’ne schlimme Bank gibt es gar nicht, doch das Hochhaus ist sehr schön!“ oder das megageile Parkhaus am Rödingsmarkt, in dem ich als Kind mit meinem Vater die Akustik bestaunte. Alles soll weg! Unser Hamburg verändert sich rasend schnell. Jede Baulücke wird erst gerissen, dann zacki zacki mit Glasbauoptik geschlossen. Gerade die Denkmäler der 60er Jahre springen dabei eines nach dem anderen quasi so lautlos über die Klinge.

Deshalb, meine lieben Hamburgers, sortieren Sie Ihre Gräten, greifen Sie mit mir in den städtischen Abrissdebakel-Eintopf und ziehen Sie ein besonders schönes Exemplar aus dem Pott: Die Parkhäuser in der City. Gute Wahl! Ja, echt, Sie und ich, wir setzen uns diesen Monat für die Parkhäuser der Stadt ein. Betrachten Sie die Schmuckstücke! Pilgern Sie mit Tofu-Bockwurst und Senf in der einen und ’ner Haschkola in der anderen Hand zum Beispiel einfach mal zum Parkhaus am Rödingsmarkt und checken Sie die Lage: Sie werden sehen, das Parkhaus am Rödingsmarkt ist wegen seiner ausgezeichneten Überlieferung, seiner Vollständigkeit (Parkhaus, Tankstelle, Werkstatt, Waschanlage) und seiner Gestaltung ein Juwel. Das Parkhaus an der Gröninger Straße wurde offenbar inzwischen von der Stadt aufgegeben, Ihnen bietet sich hier die Möglichkeit, das letzte Baudenkmal am Rödingsmarkt zu bestaunen, zu schützen und zu retten. Werfen Sie doch einfach mal einen Blick auf die Seite des Denkmalvereins – Sie werden sehen, hier entstehen in Parkhäusern beachtliche Projekte!

Der Denkmalverein plädiert nämlich ebenso dringend wie Sie und ich dafür, das „Parkhaus nicht nur zeitnah unter Schutz zu stellen, sondern auch zu prüfen, inwiefern das Gebäude z. B. durch Aufstockungen ,weitergebaut‘ werden kann sowie im Falle eines möglichen Funktionsverlustes eine zeitgemäße Form der Nutzung zu suchen. Eine aktuelle Studie zu Umnutzungen von Gewerbebauten zu Wohnungen zeigt, wie sinnvoll das Weiternutzen von Parkhäusern ist, und auch die Architektenschaft hat die städtebaulichen und ökologischen Potentiale bereits erkannt.“ Inspirierend!

Deshalb, ihr Investoren, Maklerinnen und Oberbaudirektoren, merkt es euch: Nein, Wirtschaftlichkeit geht nicht vor Denkmalschutz und ja, alle Denkmäler sind vor dem Gesetz gleich! Ihr haut momentan so viel um, wie seit den Wirtschaftswunderzeiten nicht mehr! Hamburgs Moderne wird durch euren Abriss, eure Ignoranz, euer bewusstes Vergessen so durchgreifend wie sie damals kam, einfach wieder ausgelöscht. Und das wider besseren Wissens! Stoppt das und überdenkt eure Haltung. Alternativ erfinden wir Denkmalschützende und Lesende sonst recht baldigst eine App, die Abrissbirnen auf den Mars beamt und Investmentfirmen in Kuhwiesen verwandelt, auf die wir dann eine Wurst machen. Long live the Fightclub Denkmalverein! Love it!

Eure Raumsonde

Andrea


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahrt ihr unter www.andrearothaug.de


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
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Open-Air-Küche: Festivalfood kann mehr als Dosenravioli

Kochbuchautor Stevan Paul beweist, dass Essen auf Festivals mehr sein kann als Dosenravioli und ruft zur Rettung der Camping-Kochkultur auf. Eine Ode an die Draußen-Küche

Text: Stevan Paul
Fotos: Daniela Haug

Dieser Moment: die Nacht noch kühl in Königsblau, am Ende der Straße kündet ein Streifen in Rot und Orange vom kommenden Sommertag, die letzten Taschen, Kisten und Boxen sind im Bus verstaut, alle da und Türen zu, die Musik geht an und los! Rauf auf die Straße, raus aus dem Alltag und rein ins Abenteuer. Unterwegs sein, auf Reisen.

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Stevan Paul kocht gegen die kulinarische Verwahrlosung unter freiem Himmel

Der Weg ist das Ziel und das Ziel ist die Freiheit für ein paar Tage ein anderes Leben zu leben, ein Leben unter freiem Himmel, draußen feiern, kochen, entspannen, mit Zelt und Rucksack, mit dem Bulli, dem Camper. Die Ruhe am See genießen, in den Bergen, am Strand – oder die Musik, den Lärm und die Lebensfreude auf einem Musikfestival. Egal wo und wie, einfach mal: rauskommen.

Ich bin süchtig danach. Ich liebe Kochen und am liebsten koche ich draußen. Schon als Kind war ich mit den Eltern und Geschwistern auf großer Fahrt mit unserem Campingbus, ein orangefarbener Dehler Profi, T3 Baujahr 1979. Es ist der Geschmack meiner Kindheit, auf französischen Campingplätzen: sonnenwarme Tomaten mit Olivenöl, ein knusprig splitterndes Baguette, dick bestrichen mit La vache qui rit-Frischkäse, „die Kuh die lacht“, wir Kinder haben es geliebt.

Und Abends, sonnenwarm-saftige Pfirsiche, fettschwitzende korsische Wildschweinwürste vom Grill (hat uns keiner gesagt, dass das Wildschwein war!), Mama und Papa in Rotweinseligkeit knutschend (schlimmer als Wildschwein-Bratwurst!). Und schon damals die Erkenntnis: Wie einfach Draußen-Küche ist, es braucht nicht viel.

 

Ins Gespräch kommen, teilen und probieren

 

Irgendwann hab ich das alles mal kurz vergessen, ich bin nach Berlin gezogen, weil man das damals so gemacht hat, weil das früher mal zum gelungenen Lebenslauf gehörte, in Berlin gewohnt zu haben. Zumindest wenn man, wie ich, aus einer kleinen Kreisstadt kam. Alles war wichtiger in Berlin, der Job, der Look, die Nacht … Ich habe es in vier Jahren kein einziges Mal an den Wannsee geschafft, die brandenburgische Seenplatte und den Spreewald erst entdeckt, als ich endlich in Hamburg lebte.

Wissen Sie eigentlich wie schön der Sommer im Norden ist? Campen am Stocksee, Ausflug an den Hohwachter Strand, Picknick im Jenisch-Park, sandige Sandwiches vor der Strandperle mümmeln, Grillparty am Falkensteiner Ufer.

Und gern auch mit Musik: Früh entdeckte ich Open-Air-Festivals als ideale Auszeit zwischen Arbeitsalltag und Urlaub, kleine Fluchten, mit Lieblingsmenschen, Zelt und Campingkocher. Nur ein Umstand trübte anfangs die gute Stimmung: das schlechte Essen.

Ich habs nicht verstanden: Wir arbeiten alle so viel und verbringen dann aber die knappe Freizeit mit Freunden bei zumindest diskutabler Grundversorgung: Dosenfutter, Tütensuppen, verbrannte Würstchen vom Einweggrill.

Aus Notwehr, ich bin schließlich gelernter Koch, entwickelte ich im Laufe der Jahre eine Festival- und Campingküche, die bewies, dass es gerade auch unterwegs, nicht zur kulinarischen Komplettverwahrlosung kommen muss. Bis heute glaube ich, dass ich der Erfinder der trinkbaren Kühlelemente bin, ich entwickelte ein Drei-Tage-Festival-Grill-Programm, schrieb detailreiche Pack- und Einkaufslisten.

 

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Mit dem Campingkocher gekocht: Quesadillas und Salsiccia Bohneneintopf

 

Ich ließ mich auslachen, wenn ich zum frisch gebrühten Kaffee, Milchschaum aufschlug – am nächsten Tag standen auch die Zeltnachbarn Schlange. Auch darum geht es beim Draußen-Kochen: Mit anderen ins Gespräch kommen, teilen und probieren, sich überraschen lassen! Essen verbindet und bringt die Leute zusammen, gerade auch unterwegs. Unvergessen: der „Rolling Stone“-Redakteur, dem ich auf dem Melt-Festival ein Steak mitgrillte, worauf der in sein Zelt griff und für uns eine mitgebrachte Flasche Châteauneuf-du-Pape entkorkte. Haben wir dann aus den offiziellen Festivalpfandbechern getrunken – schmeckte himmlisch!

Dabei ist es nicht entscheidend, was man einpackt, auspackt, kocht oder grillt, keep it simple, zumindest am Anfang: ein Stück guter Käse, reife Tomaten, Salz und Olivenöl sind ein wunderbares Essen und die Welt ist schön.

Es ist wie so oft im Leben, es macht Spaß mit seinen Aufgaben zu wachsen. Und mit etwas Vorbereitung, einfachen Rezepten, Tricks und Kniffen, ist Open-Air-Küche ein müheloses Vergnügen. Feiern wir doch diesen Sommer miteinander und mit ein paar köstlichen Kleinigkeiten! Einfach loslegen und dann: alle mal raus jetzt!

 

Festival-Food zum Nachkochen

 

In seinem Kochbuch „Open Air“ präsentiert Stevan Paul über 100 Outdoor-Rezepte jenseits von Dosenravioli und Tütensuppe und gibt Tipps zu Ausstattung, Transport und dem richtigen Umgang mit Gaskocher und Grill.

 

Tomaten-Avocado-Quesadilla

 

Stevan-Paul-Open-Air-Küche-c-Daniela-Haug

  • Für 4 bis 6 Quesadillas:
  • 1 bis 2 Tomaten
  • Salz, 1 Prise Zucker
  • 1 Avocado
  • etwas Zitronensaft
  • 8 bis 12 Tortilla-Fladen (16 cm ø)
  • 150 bis 200 g geriebener Cheddar
  • (wahlweise Bergkäse oder Gouda)
  • Pfeffer und Olivenöl

 

Zubereitung

Tomaten in Scheiben schneiden und mit Salz und Zucker würzen. Avocado halbieren, Stein entfernen, Fruchtfleisch aus der Schale lösen und in Streifen schneiden. Mit Salz würzen, mit Zitronensaft beträufeln.

Die Hälfte der Tortilla-Fladen mit der Hälfte des Käses bestreuen. Tomaten und Avocado drauf verteilen, pfeffern. Mit dem übrigen Käse bestreuen, mit den übrigen Tortilla-Fladen deckeln, leicht andrücken.

Die Quesadillas nacheinander in einer dünn mit Olivenöl ausgestrichenen Pfanne auf dem Gaskocher bei milder Hitze von jeder Seite 4 bis 6 Minuten „braten“. Dabei ab und zu leicht rütteln, damit nichts ansetzt. Zum Wenden Quesadilla auf einen Teller stürzen und auf der ungebräunten Seite wieder in die Pfanne gleiten lassen. Vierteln und sofort servieren.


OpenAir-kochbuchStevan Paul ist Kochbuchautor und freier Foodjournalist. „Open Air – das Festival- & Camping-Kochbuch“ ist im Brandstätter Verlag erschienen. Sein Online-Magazin NutriCulinary gehört zu den meistgelesenen im Netz.


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
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Top 5 – Charmante Stadtoasen für den Sommer in Hamburg

Hamburgs grüne Seite kommt mal prominent daher, mal ganz unverhofft vor den Toren der Stadt. Diese Stadtoasen versüßen euch den Sommer in der Metropole

Text: Frank Berno Timm
Fotos: Massimo Tealdi

 

1) Kletterwald Hamburg – In den Kronen der Bäume

Wer die Augen schweifen lässt, sieht Seile und Podeste an den Bäumen befestigt, alles in atemberaubender Höhe. Die „Flying fox zones“ (Seilbahnstrecken) sind sorgfältig abgesperrt. Am Eingang liest der am Boden Gebliebene, dass es sieben Routen quer durch die Bäume gibt, die sich im Schwierigkeitsgrad unterscheiden. Zudem sind sie den Bedürfnissen unterschiedlicher Körpergrößen angepasst, erklärt Wiebke Unger vom Klettergarten. An der Kasse hängen Gurte und jeder kriegt einen Helm – auch zum Schutz gegen herunterfallende Äste.  Vorletztes Jahr, berichtet Wiebke Unger, sei sogar ein 85-Jähriger im Kletterwald unterwegs gewesen. Ach ja: Wer unten bleiben will, für den bleibt nicht nur der Spielplatz, sondern auch eine eigene Entdeckungsreise.

Kletterwald Hamburg: Meiendorfer Weg 122-128 (Volksdorf)

Kletterpark-c-MASSIMO TEALDI


2) Elbpark Entenwerder – Natur und Industriecharme

Da ist er! Schon beim Aussteigen aus dem Bus am Rothenburgsorter Marktplatz sieht man das Bauwerk: Alexis de Chateauneuf machte die Pläne für den Rothenburgsorter Wasserturm. Der Reiz liegt in seiner Naturnähe: herrliche Bäume, Wiesen und Wasser – ohne Schnickschnack, einfach puristische Natur. An der Bootsrampe liegt das Café Entenwerder 1. Hier gibt es guten Kuchen und Kaffee, dazu bei gutem Wetter Sonne satt. Es ist diese Mischung aus Alt und Neu, aus Industrie und Natur: Betagte Stühle und Tische bevölkern den alten Ponton mit seinem schicken goldenen Aufbau aus einem früheren Münsteraner Ausstellungsprojekt. Ab und an murmelt ein Flussschiff vorbei. Wer es traditioneller mag, ist im Entenwerder Fährhaus am Eingang der Insel genauso gut aufgehoben.

Elbpark Entenwerder: Entenwerder 8 (Rothenburgsort)

Elbpark-Entenwerder-c-MASSIMO TEALDI


3) Burg Henneberg – Das Dornröschenschloss

Die Burg Henneberg, oberhalb der Alster und abseits des Straßenkrachs gelegen, wo sich nur Vogelgezwitscher und fernes Flugzeugraunen ins Geschehen mischen. Nach zwei weiteren Besitzerwechseln wird 2014 eine Stiftung gegründet, die die Burg „erlebbar“ machen will: Jazz, Pop und Soul, Zauberei und Vorträge sind im Programm, mit 20 bis 120 Gästen kann man sich einmieten. Egal wie: Allzu schnell wird man hier nicht wegwollen, allein schon wegen Dornröschen, die irgendwo im Turm von ihrem Prinzen träumt.

Burg Henneberg: Marienhof 8 (Poppenbüttel)

Burg-Henneberg-c-Massimo Tealdi


4) Der Loki-Schmidt-Garten: Botanische Wildnis

Der Botanische Garten gliedert sich in drei Überschriften: Pflanze und Mensch, Pflanzensystematik und Pflanzengeographie. Es werden Länder und ganze Kontinente behandelt, es gibt einzelne, thematische Gärten: Giftpflanzen sehen zum Beispiel eher harmlos aus. Ein Duft- und Tastgarten ist zu finden und ein Bibelgarten. Unweit davon liegen die Nutzpflanzen- und Gräsergärten. Im Café Palme gibt’s zum fairen Preis die für den botanischen Wanderer obligatorische Portion Kartoffelsalat mit Bockwurst oder einen stärkenden Kaffee. Mit dem Rad darf man hier nicht umherfahren, Schlenderer und Sonnenanbeter sind aber willkommen, sie bevölkern den Rasen oder lassen sich donnerstags von 13 bis 15 Uhr (außer feiertags) zu ihren Pflanzen beraten.

Loki-Schmidt-Garten: Ohnhorststraße (Flottbek)

Der Loki-Schmidt-Garten-c-MASSIMO TEALDI


5) Naturschutzgebiet Höltigbaum – Urwald am Stadtrand

Das NSG Höltigbaum hat insgesamt 556 Hektar, das NSG Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal kommt noch einmal mit 220 Hektar dazu – Meiendorf liegt im Norden, Stapelfeld im Süden. Zunächst spaziert man auf Asphalt am Infohaus der Wilden Weiden und einem Waldkindergarten vorbei, dann auf Sandwegen. Die ersten Siedler, es waren nomadisierende Rentierjäger, kamen vor 12.000 Jahren her.  Heute leben hier Weidetiere – Galloways, Schafe und Ziegen. Die Regeln sind streng: Wege dürfen nicht verlassen werden, Hunde nur auf dem Freilaufplatz ohne Leine toben. Schön sind die Lehrelemente: Da ist zum Beispiel ein großer Metallteller, auf dem Steine ausgebreitet sind und erläutert wird, welche Schlussfolgerungen die Wissenschaft aus ihrer Herkunft ziehen kann. Man sollte viel Zeit mitbringen. Oder ein Fahrrad.

Naturschutzgebiet Höltigbaum: Eichberg 63 (Rahlstedt)

Naturschutzgebiet-Hoeltigbaum-c-Massimo-Tealdi


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
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Einwohnerverein St. Georg: Gegen die Verdrängung

St. Georg ist ein vielfältiger und chaotischer Stadtteil. Während der Ruf nach Ordnung bei vielen lauter wird, kämpft Michael Joho, Vorsitzender des Einwohnervereins, gegen die Verdrängung

Interview und Fotos: Sophia Herzog

 

SZENE HAMBURG: Michael, wie ticken die Menschen in St. Georg?

Michael Joho: Lan­ge Zeit galt St. Georg als besonders bunter und toleranter Stadtteil, bedingt durch die Lage direkt am Hauptbahnhof und der Auseinandersetzung mit den sozialen Problemen hier vor Ort. Letzteres ist immer noch der Fall, allerdings hat durch den Bevölkerungswandel im Viertel auch der Druck zugenommen, St. Georg umzumodeln.

Wie zeigt sich der Wandel im Viertel?

Das Einkommen und die Mietpreise lagen hier jahrelang unter dem Hamburger Durchschnitt. Das ist schon lange nicht mehr so, es sind in den letzten Jahren viele besserverdienende Menschen hergezogen. Mit einem mittleren Einkommen von rund 45.000 Euro im Jahr verdienen die Menschen in St. Georg inzwischen deutlich mehr als der Hamburger Durchschnitt.

Der Mietpreis ist hier so hoch wie in Hoheluft. St. Georg ist dadurch ein Stadtteil geworden, der für viele unbezahlbar ist. Hier am Hansaplatz sind inzwischen rund ein Drittel des Wohnraums Eigentumswohnungen, die vor Jahren günstig erworben wurden und im Wert zwischenzeitig massiv zugelegt haben.

 

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Michael Joho vor seinem Büro

 

Und deren Bewohner wollen in Ruhe ihren Wohnsitz genießen?

Genau. Aber, von den ursprünglichen günstigen Eigentumspreisen mal abgesehen, warum zieht man denn überhaupt in ein Viertel, von dem man weiß, dass es mit den typischen Problemen eines Bahnhofsviertels zu kämpfen hat, und will dann, dass alle Störer sofort verschwinden? Das halte ich allein moralisch für daneben.

Welche Bedeutung hat der Hauptbahnhof denn für St. Georg?

Wenn Menschen in einer Stadt stranden, dann erst mal am Hauptbahnhof. Für Obdachlose oder Drogenabhängige, Menschen, die entwurzelt sind, die einsam sind, ist St. Georg seit Jahrzehnten Heimstatt. Auch Prostitution hat im Hauptbahnhofumfeld natürlich eine lange Tradition.

Der Hauptbahnhof ist nun mal Lebensmittelpunkt für Hunderte, wenn nicht einige Tausend Menschen. Das müssen Stadt- und Bahnhofsmanagement endlich anerkennen – und durch geeignete Maßnahmen flankieren. Und damit meine ich nicht die Verdrängung der Szenen ins benachbarte Wohnquartier St. Georg.

 

Die Welt direkt vor der Haustür

 

Ist das Viertel Abbild einer Zweiklassengesellschaft?

Die hat es hier schon immer gegeben. Aber die Widersprüche und Gegensätze sind größer geworden. Einkommensdurchschnitt und Mieten steigen, aber auch die Armut wird hier größer – und sichtbarer. Was wiederum manches bürgerliche Näschen stört.

Was macht St. Georg für dich trotzdem lebenswert?

Die Vielfalt, die Unterschiedlichkeit. Hier leben viele verschiedene Nationen und Religionen nebeneinander. Ich muss das Viertel nicht verlassen, sondern nur vor meine Haustür treten, um die Welt kennenzulernen oder die Probleme der Welt zu erkennen. Aber ich kann auch Lösungen mitgestalten, um diese Probleme anzugehen. Ganz zentral sind für mich auch die Menschen, die sich im Viertel engagieren und nicht verdrängen lassen.

Und davon gibt es in St. Georg einige …

Ja, es gibt hier schon überdurchschnittlich viele Menschen, die sich engagieren. Das kommt mir entgegen, ich habe hier sozusagen Brüder und Schwestern im Geiste gefunden. Im Kreis der Menschen, die sich sehr für das Viertel einsetzen, gibt es ein ungeschriebenes Gesetz. Wenn einer wegziehen muss, weil er mehr Platz braucht oder die Miete nicht mehr stemmen kann, dann gibt es viel gegenseitige Unterstützung, auch dahin, vielleicht doch noch eine bedarfsgerechte, bezahlbare Wohnung zu bekommen.

Wenn nichts hilft, muss eben der Umzug mitorganisiert werden. Diese Art von Zusammenhalt ist ein wichtiges Motiv, das Leben im Bahnhofsviertel nicht nur zu ertragen und zu erdulden, sondern es auch menschengerecht zu beeinflussen und zu gestalten.

 

„Wir sind gegen die Verdrängung“

 

Setzt sich dafür auch der Einwohnerverein ein?

Seit der Gründung 1987 stehen wir dafür ein, das Neben­- und Miteinander zu organisieren. Das ist aber mit der Aufwertung des Viertels zunehmend schwerer geworden. In den 90er Jahren fuhr die Politik ein Konzept, nachdem der Hauptbahnhof aufgeräumt und zur „Visitenkarte Hamburgs“ gemacht werden sollte.

Das heißt was?

Hier kommen täglich Hunderttausende Leute an und stolpern dann hier und da erst mal über Bettler oder drogenabhängige Menschen. Der Begriff der Visitenkarte wird zwar nicht mehr so häufig verwendet, das Prinzip wird aber immer noch verfolgt.

St. Georg soll heute und in Zukunft schickisiert werden. Wir sind gegen die Verdrängung, und möchten auch den Menschen, denen es schlecht geht, die ausgegrenzt und benachteiligt sind, einen Anlaufpunkt und Aufenthaltsort bieten. Auch im Hauptbahnhofviertel.

Das Stichwort Verdrängung fällt häufig bei der Diskussion um den Hansaplatz, der als besondere Problemzone im Viertel gilt. Jetzt installiert die Polizei dort 22 Kameras. Ist das der richtige Ansatz?

Nein, natürlich nicht. In der Politik und unter einigen Anwohnern herrscht der Glaube, dass mit den Kameras die Probleme vor Ort einfach verschwinden. Das ist Quatsch. Ein Drogenabhängiger verzichtet nicht auf seinen Schuss, nur weil auf dem Hansaplatz jetzt Kameras installiert sind. Der geht dann einfach ein, zwei Straßen weiter. Probleme wie Prostitution, Drogen und Ruhestörung lösen sich dadurch nicht, die werden, wenn überhaupt, nur verlagert.

 

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Kameras sollen neuerdings auf dem Hansaplatz für Ordnung sorgen

 

Videodatenspeicherung ist bei vielen Hamburgern sowieso ein wunder Punkt, seitdem sich Politik und Polizei weigern, den biometrische Datenabgleich mit dem G20-Material zu unterlassen …

Ja, Datenschutz ist auch ein großer Kritikpunkt. Niemand weiß, wo die Daten landen. Bei einigen Anwohnern steht der Pfosten mit der Kamera außerdem direkt vor den Wohnungsfenstern. Die Bilder in Richtung der Wohnhäuser sollen zwar verpixelt werden, ein mulmiges Gefühl hinterlässt das trotzdem.

Statt Überwachung und Verdrängung wären soziale Maßnahmen, das Schaffen einer Anlaufstelle für junge Geflüchtete zum Beispiel, viel sinnvoller. Klar, das braucht Geld. Aber die Kameras und ihr Betreibung kosten auch eine Million.

Die Polizei fährt hier stündlich Streife und ist auch zu Fuß unterwegs. Was macht diese Präsenz mit dem Stadtteil?

Schaut man nach St. Pauli oder in die Schanze, gibt es dort eine sehr polizeikritische Grundhaltung. Das ist in St. Georg in größeren Teilen der Bevölkerung anders. Den meisten gibt die Polizeipräsenz ein subjektives Sicherheitsgefühl. Doch eine erhöhte Kontrolle wie der Einsatz von noch mehr Beamten, oder erst recht durch eine Videoobservierung, ist höchst fragwürdig.

Wir haben hier in St. Georg bereits die höchste Polizistendichte Europas, und das schon seit den 90er Jahren. Statt diese noch weiter zu erhöhen, ist Ursachenbekämpfung, also zum Beispiel das Schaffen von Wohnraum für Obdachlose, viel nötiger und nachhaltiger. Um die sozialen Probleme zu lösen, brauchen wir alternative Konzepte.

Lässt sich das an einem Beispiel vertiefen?

Wir vom Einwohnerverein fordern zum Beispiel schon seit Jahr und Tag eine Anlaufstelle für junge Geflüchtete, um sie aufzufangen und ihnen Beschäftigungsmöglichkeiten zu geben. Sie halten sich am Hansaplatz und am Hauptbahnhof vermehrt auf, weil sie hier ihre Leute treffen. Was sollen sie auch sonst mit ihrer Zeit anfangen? Sie leben teilweise in unzureichenden Unterkünften, dürfen nicht arbeiten.

Anlaufstellen wie diese brauchen wir für jede an den Rand gedrängte Gruppe. Dinge, die wir hier anpacken können, lösen zwar nicht die großen Probleme unserer Zeit, aber sie tragen zur Entschärfung bei.

Einwohnerverein St. Georg: Hansaplatz 9


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Glauben im Urbanen – Die katholische Gemeinde in St. Georg

Sinkende Mitgliederzahlen, Kritik am Umgang mit den Missbrauchsskandalen und an der Einstellung zum Thema Sexualität – der katholischen Kirche droht der Bedeutungsverlust. Wie geht die Gemeinde in St. Georg mit den Herausforderungen um?

Text: Ulrich Thiele
Foto (0.): Sophia Herzog

Die Statistiken sind ernüchternd. Die Zahl der Austritte ist in Hamburg in den beiden großen christlichen Kirchen im vergangenen Jahr um 16 Prozent gestiegen – auf 13.525. Dem Erzbistum Hamburg der römisch-katholischen Kirche droht laut einer Mitgliederstudie der Universität Freiburg bis zum Jahr 2060 ein Rückgang seiner Kirchenmitglieder um 40 Prozent.

Zudem verschärft das hoch verschuldete Erzbistum seinen Sparkurs: Sechs der insgesamt 21 katholischen Schulen in Hamburg sollen sukzessive geschlossen werden – darunter auch die Domschule St. Marien in St. Georg zum 31. Juli 2023. Für drei katholische Kliniken in der Hansestadt und in Lübeck sucht das Erzbistum einen neuen Mehrheitseigner.

Klar: Religion und säkulare Großstadt, das ist ein Thema für sich. Doch auch in Hamburg dürfte zumindest indirekt der selbst verschuldete Verlust der moralischen Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche zu spüren sein – angesichts der weltweiten Missbrauchsfälle und der Kritik am Umgang des Vatikans mit diesen und den strukturellen Vertuschungspraktiken. Nicht zu vergessen, die Einstellung zum Thema Homosexualität.

 

„Es darf keine Tabus geben“

 

In Frankfurt am Main wurde letztes Jahr einem Jesuitenpater eine weitere Amtszeit als Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen vom Vatikan verwehrt, weil er sich positiv über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare äußerte. Hamburgs Erzbischof Stefan Heße scheint diesbezüglich eine Öffnung anzustreben. Letztes Jahr hat er sich auf einer Podiumsdiskussion dafür ausgesprochen, Missbrauchsopfer in die Aufarbeitung der Fälle stärker mit einzubeziehen.

Zudem forderte er einen offeneren Umgang in der katholischen Kirche mit dem Thema Sexualität, insbesondere das Thema Homosexualität müsse theologisch neu eingeordnet werden. „Es darf keine Tabuthemen geben. In den Priesterseminaren sollte offen über Sexualität gesprochen werden“, sagte er.

Herausfordernde Zeiten für Peter Mies. Der gebürtige Hamburger war über 20 Jahre Pfarrer der Gemeinde Maria Grün in Blankenese, dazu Verwaltungsratsvorsitzender des katholischen Schulverbands. Seit 2013 ist er Dompfarrer in St. Georg. Ein Umstieg, raus aus dem wohlhabenden Blankenese mit familiären Gemeindestrukturen, rein ins fluktuierende, anonymere St. Georg.

Der St.-Marien-Dom ist die Kathedralkirche des Erzbistums Hamburg und das Zentrum für Katholiken in Hamburg. Das Gemeindeleben hier ist weniger klassisch. Zum einen, weil die meisten Kirchgänger aus anderen Stadtteilen kommen. Zum anderen, weil die Zahl der Umzüge in St. Georg jährlich steigt und eine weniger feste Einwohnerstruktur als in anderen Stadtteilen besteht.

 

Offen sein, ohne beliebig zu werden

 

Daneben spielt ein überall erkennbare Umwälzung eine zentrale Rolle für das katholische Leben auch in St. Georg: die veränderte Gesellschaftsstruktur im Allgemeinen. Neue Vorstellungen von Ehe und Familie, veränderte weltanschauliche Zusammenhänge, die Auflösung der Volksparteien und die Zersplitterung in Milieus – „da ist viel aufgebrochen seit den 60er Jahren“, sagt Mies.

Dass heute homosexuelle Paare in der Gemeinde aktiv sind, sei vor einem halben Jahrhundert undenkbar gewesen. Die Herausforderung bestehe darin, eine Offenheit zu finden, ohne beliebig zu werden: „Diese Offenheit muss mit dem christlichen Kern spirituell zusammengebracht werden“, so Mies. Er habe fünf Schlagworte erarbeitet, erzählt der Pfarrer, die das katholische Leben und die katholische Darstellungsform in St. Georg prägen sollen: Internationalität, offene Kirchen, situative Seelsorge, Vernetzung, ein besonderer Blick auf die Armut.

Drogen, Prostitution, prekäre Lebenslagen: St. Georg gilt seit jeher als Stadtteil der Armen und Verdrängten. Sein Name entspringt dem nach dem heiligen Georg benannten Lepra-Hospital, das um 1200 außerhalb von Hamburgs Stadtmauern entstand.

In den Berichten der Evangelien wird bekanntlich immer wieder Jesu Hinwendung zu den Armen, Schwachen und Ausgestoßenen betont. Eine von vielen Umsetzungen dieser Botschaft im konkreten Alltag ist das Krankenmobil des Caritas-Verbandes, das auf Hamburgs Straßen armen und wohnungslosen Menschen medizinische und pflegerische Versorgung anbietet.

 

Krankenmobil (c) Caritasverband

Zuverlässig: Annette Antkowiak ist bei jedem Wetter im Einsatz / Foto: Caritas Hamburg

 

So auch an diesem Mittwoch um 11 Uhr. Das Krankenmobil steht an der Steinstraße vor dem Eingang des Hinz & Kunzt-Verlages. Der Verkehr tobt, die Sonne glüht. Pavel ist unzufrieden. Er will eine Schmerztablette. „Sonst muss ich Wodka trinken“, sagt er trotzig. Das lässt Annette Antkowiak nicht durchgehen: „Jetzt soll ich auch noch schuld daran sein, dass du deine Termine nicht wahrnimmst?“, entgegnet die Krankenschwester.

Pavel ist Alkoholiker. Neulich hat er sich mit zitternden Händen die Fußnägel geschnitten und dabei verletzt. Annette Antkowiak empfahl ihm deswegen schon mehrmals, am Donnerstag zur medizinischen Fußpflege der Caritas zu kommen. Doch Pavel ist nie aufgetaucht, ihm sei jedes Mal etwas dazwischengekommen, sagt er. „Komm morgen zur Fußwäsche“, sagt Antkowiak mahnend.

Gerade bei diesem Wetter ist mangelnde Hygiene ein Infektionsbeschleuniger, eine Schmerztablette würde daran nichts ändern. „Ich kann nur Empfehlungen aussprechen“, sagt Antkowiak gelassen. Die gelernte Kinderkrankenschwester fing ihre Arbeit im Krankenmobil vor bald 20 Jahren an, seit 2014 ist sie die Leiterin.

Das Team besteht neben ihr aus zwei weiteren Krankenschwestern, die für eine Aufwandsentschädigung arbeiten, und rund 20 ehrenamtlichen Ärzten. Die mobile Arztpraxis fährt wochentags nach einem festen Tourenplan zu Treffpunkten der Obdachlosenhilfe. Am heutigen Mittwoch ist Antkowiak mit der Ärztin Golda Gebauer im Duo unterwegs.

Um 10 Uhr waren sie bereits am Haus Betlehem in der Budapester Straße. Um Viertel vor zwölf fahren sie die wenigen hundert Meter von der Steinstraße bis zur Bahnhofsmission, ihrem letzten Halt für heute. „Man muss sich unsere Arbeit wie eine hausärztliche Sprechstunde vorstellen“, sagt Antkowiak, die während einer gewöhnlichen Tour 20 bis 30 Patienten versorgt.

Medikamente verteilen, Ratschläge geben, oder vermitteln, wenn ein Krankheitsfall außerhalb ihrer Behandlungsmöglichkeiten liegt. Vorhin, erzählt die Frau mit dem Kurzhaarschnitt, sei ein Mann mit akuten Bauchschmerzen zu ihnen gekommen. Sie haben ihn direkt ins Krankenhaus weitergeleitet.

 

„Vertrauen ist ein wichtiger Grundstein“

 

Viele der Patienten kommen schon seit Jahren zum Krankenmobil. Pavel zum Beispiel: Annette Antkowiak kennt ihn seit über 15 Jahren. „Vertrauen ist ein wichtiger Grundstein für unsere Arbeit“, sagt die Krankenmobil-Leiterin. Beide Seiten sollen einhalten, was sie sagen. Die Patienten müssen sich darauf verlassen können, dass die mobile Arztpraxis zur festgelegten Zeit vor Ort ist. Dass es andersherum nicht immer so gut klappt, sei kein Grund für Frustration. „Ich nehme es den Patienten nicht mehr übel, wenn sie Vorschläge nicht mehr annehmen“, sagt Antkowiak. „Das wäre der falsche Ansatz.“

Die größte Veränderung, die sie in den letzten 20 Jahren hier in St. Georg wahrgenommen hat, ist das Verhältnis von Armut und Migration. Lag der Ausländeranteil zu Beginn ihrer Tätigkeit noch bei 30 Prozent, liegt er mittlerweile bei 70 Prozent, zu einem Großteil osteuropäischer Herkunft. Die damit verbundenen Sprachhindernisse überwinden sie mit Piktogrammen, Wortfetzen, Händen und Füßen oder dem „Triaphon“, einer in diversen Sprachen verfügbaren telefonischen Soforthilfe.

Auch Pfarrer Peter Mies sagt über seine Gemeinde: „Die Internationalität ist ein spezifisches Merkmal für die katholische Welt in der Hamburger Innenstadt.“ Um die 80 Sprachgruppen zähle die Gemeinde, es gibt Gottesdienste auf Kroatisch und Portugiesisch. „Wir fassen die Internationalität als Chance auf “, sagt er.

Auch wenn es nicht einfach sei, die unterschiedlichen Glaubensverständnisse zusammenzuführen. „Wenn man nur ein bisschen Folklore macht, ist das einfach. Aber sobald es um Konkretes geht wie eine Heirat, wenn einer der Partner aus der Kirche ausgetreten ist, dann merkt man schnell, dass das eine Riesenaufgabe ist“, so Mies.

 

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Die portugiesische Messe ist besucherstark und leidenschaftlich / Foto: Ulrich Thiele

 

Am Sonntag um 12 Uhr versammelt sich die portugiesische Gemeinde zur Heiligen Messe im Mariendom. Die portugiesischsprachige Mission wurde 1974 von Pater Dr. Enrico José de Azevedo gegründet. Rund 10.000 Portugiesen in Hamburg gehören der Gemeinde von Padre Sérgio Santos Reis an.

Hunderte Gläubige kommen an diesem Sonntag. Im zum Großteil weiß gehaltenen Inneren liegt noch der Weihrauchgeruch vom letzten Gottesdienst, als Senioren, Jugendliche und Familien mit kleinen Kindern eintreten, ihre Finger in die Weihwasserbehälter tunken, sich zur Tauferneuerung bekreuzigen und vor dem gekreuzigten Jesus Christus, der vor dem goldverzierten Altar hängt, niederknien. Die meisten Plätze sind schnell besetzt, manche verfolgen den Gottesdienst im Stehen.

Wer kein Portugiesisch spricht, versteht bis auf einzelne Wörter nichts. Doch die Rituale, die Liturgie, all das ist bekannt: Glaubenskenntnis, Fürbitten, Kyrie, Gloria, Tagesgebet, Lesung, Eucharistie-Feier, nach der die Gläubigen nach vorne strömen, um Oblaten und Wein – im katholischen Glauben Leib und Blut Christi – zu sich zu nehmen.

 

Ein lebendiger Gottesdienst

 

Eine Frau mittleren Alters mit rötlichem Haar tritt für die Lobgesänge nach vorne, singt mit hoher, glasklarer Stimme, die Gläubigen antworten zwischendurch im Chor, dass es durch den hohen Raum bis zur Kuppel und zurück hallt.

Der Gottesdienst ist lebendig, zumindest herrscht ein buntes Durcheinander: Manche sind versunken, singen inbrünstig, ein älterer Mann mit weißem Haar hat Tränen in den Augen, Kinder mit Schuhen, die beim Auftreten an den Seiten rot aufblinken, spielen hinter den Bänken, von ihren Eltern angemahnt, ruhiger zu sein. Andere wirken fast gelangweilt, tippen auf ihren Smartphones.

Nachdem der Pastor den Segen ausgesprochen hat, schallt Orgelspiel durch den Raum, die Masse löst sich auf und zerstreut sich, es wird wieder miteinander gesprochen, die Stimmung ist ausgelöst und freudig, als wäre eine Last von den Leuten gefallen.

Beim Rausgehen berühren manche noch andächtig die Madonna-Figur am Seiteneingang. Ein alter Mann hält sich an eine Bank fest und versucht, vor dem Altar niederzuknien, einmal, zweimal, doch seine Beine zittern und er kommt nicht auf den Boden, also verbeugt er sich. Dann geht er auf wackeligen Beinen zum von Kerzen beleuchteten Madonnengemälde, versucht wieder, niederzuknien, einmal, zweimal, wieder will es ihm nicht gelingen, also verbeugt er sich noch mal, fast entschuldigend, bekreuzigt sich und geht hinaus in die Mittagssonne.

St. Marien-Dom Hamburg: Am Mariendom 4 (St. Georg)


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Off The Radar: Das gemeinnützige DIY-Festival

Vier Tage lang wird beim Festival Off The Radar auf einem alten Hof in der Nähe des Dorfes Negenharrie wieder getanzt, gestaunt, relaxed und geravt

Text: Ole Masch
Foto: Benzin

Wenn am letzten Juli-Wochenende die Sonne hinter den Maisfeldern der schleswigholsteinischen Pampa untergeht, erleuchtet der alte Gutshof Ovendorf nördlich von Hamburg in prächtigen Farben. Zu diesem Zeitpunkt findet bereits zum dritten Mal das alternative Off The Radar Festival statt und damit der Höhepunkt eines Veranstaltungsmarathons, den der gleichnamige Verein in diesem Sommer durchführt. Off The Radar ist seit ein paar Jahren auch für die Tube Box auf der Fusion zuständig und veranstaltet zudem Ende August auf dem Schröderstift-Gelände ein großes Sommerfest.

Drei Monate, drei Festivals. Malte Struck, Gründungsmitglied des Kunstverein St. Pauli, ehemaliger Off The Radar-Vorsitzender und heute mit Kollegin Meike in der künstlerischen Leitung, erzählt: „Das ist schon krass, aber wir sind alle verrückt und haben kein Privatleben (lacht). Aber im letzten Jahr war es fast noch krasser, denn da hatten wir zudem noch die Ruhr Triennale mit Schorsch Kamerun und einem Theaterstück bespielt. Dagegen ist dieses Jahr fast entspannt.“

 

„Es gibt kein Sponsoring. Alles ist DIY“

 

Eine Zusammenarbeit, von der die Gäste in diesem Jahr profitieren. Schorsch Kamerun spielt mit seinen Goldenen Zitronen auf dem Festival, das sich von Beginn an durch seine Verbindung von elektronischer Tanzmusik, alternativen (Punk-)Bands, Kunst und politischem Engagement auszeichnet. „Normalerweise könnten wir uns die gar nicht leisten“, meint Malte.

„Viele Acts wissen aber, dass wir als eingetragener Verein keine Gewinnabsichten haben, es kein Sponsoring gibt und alles DIY und ausschließlich ehrenamtlich geplant wird und keiner angemessen Geld verdient.“ Trotzdem oder gerade deswegen sind im Line-up Frittenbude, das Hamburger Slowhouse Trio Sutsche, Knarf Rellöm und zig weitere bekannte und zu entdeckende Acts vertreten.

 

 

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Und das gute Feedback der letzten Jahre zeichnet sich langsam aus. Wer ein Ticket im Vorverkauf erwerben möchte, sollte sich ranhalten. Der Kartenverkauf läuft gut und damit kommt man einem weiteren Ziel näher, welches sich Off The Radar schon seit Gründung auf die Fahne schreibt. „Wir haben das Festival unter anderem dafür gemacht, um Gelder zu sammeln“, erklärt Malte. „Das hat finanziell in den ersten Jahren leider nicht geklappt.

Aber Off The Radar ist zu 50 Prozent auch wohltätige Arbeit. Wir arbeiten sehr eng mit der NGO Cadus zusammen. Teile unserer Crew waren in den letzten Jahren jeden Winter in Flüchtlingscamps oder auf der Balkanroute und haben dort gekocht und geholfen.“ Eine Crew, die sich aus Umfeld von Hafenklang, Kogge, Golden Pudel und Uebel & Gefährlich zusammensetzt und ebenso gute Verbindungen in die Schweiz hat.

„Wir sind sehr eng mit Leuten aus Basel und Zürich“, freut sich Malte. „Die machen in der Schweiz viele tolle Sachen und diese enge Freundschaft ist auch der Grund, warum es Rock & Wrestling seit letztem Jahr in Zürich gibt.“ Das Spaßcatchen im Hafenklang findet in diesem Jahr wieder am selben Wochenende statt, doch Malte verrät: „Diesmal wird es am Sonntag erstmals ein Rock & Wrestling Reste wresteln geben. Die Wrestler, die nach zwei Tagen Hafenklang noch leben, kommen zu uns und geben sich den Rest.“

Off the Radar: 25.-28.7, Ovendorf 4, Negenharrie


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Kogge: Das Rock ’n’ Roll-Hotel musste Abschied feiern

Die Kogge, Kneipe und Hotel, hat schon Bands wie The Mars Volta beherbergt und war in St. Pauli fest verankert – nun musste sie schließen. SZENE HAMBURG sprach mit Betreiberin Riikka Beust über die aktuelle Situation

Interview: Ole Masch
Foto (0.): Ole Masch

Mit einem großen Fest wurde Anfang Juni das beliebte Rock ’n’ Roll-Hotel Kogge verabschiedet. Über 16 Jahre war die Unterkunft samt angeschlossener Bar fester Bestandteil der Nachbarschaft St. Paulis und international bekannter Übernachtungsort für unzählige Bands. Ob die Stadt nach der Kündigung durch den Vermieter doch noch eingreift oder ein weiterer Meilenstein verfehlter Standortpolitik erreicht wird, bleibt abzuwarten.

Riikka, warum habt ihr kürzlich euren Abschied gefeiert?

Riikka Beust: Nachdem wir 2003 die Kogge eröffnet haben, wurde sie 2007 von den Besitzern zum Verkauf angeboten. Für einen Spottpreis. Inklusive der beiden dazugehörigen Mietshäuser im Hinterhof. Wir hatten das Vorkaufsrecht. Und haben es nicht genutzt. Wir waren dumm. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, welche Möglichkeiten zur langfristigen Erhaltung unseres, und anderer Lebensräume damit geboten wurden. Und wie nötig es werden würde, mit allen Mitteln für diese zu kämpfen.

Wir waren naiv. Und wohl nicht visionär. Und auch politisch nicht ausreichend vernetzt. Erst als ein neuer Vermieter erschien, und er begann, uns vor Gericht zu zerren, um uns loszuwerden, begriffen wir, dass wir Teil eines abgekarteten Abfucks geworden waren. Doch unser Mietvertrag war immerhin wasserdicht für die Laufzeit von 16 Jahren. Da ließ sich auch zum Unglück des neuen Vermieters nicht dran rütteln. So sehr er sich auch über die Jahre bemühte – zum Glück sahen die vorstehenden Richter das ähnlich wie wir – unser Vertrag behielt seine Gültigkeit.

 

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Dieser Negativ-Countdown zählte die Tage bis Mietsende / Foto: Sophia Herzog

 

So plötzlich kam der Abschied also nicht?

Wir wussten seitdem, dass unsere Tage gezählt sind. Und wir zählten sie. Auch mithilfe unseres Countdowns an der Wand. Hätten wir damals gewusst uns zu wehren, zu verbinden, Initiativen zu gründen oder eine Struktur zu vernetzen, die über den eigenen Bedürfnishorizont hinausgeht, wie es zum Beispiel von SOS-St.Pauli, St.Pauli Selbermachen, RechtAufStadt, Leerstand zu Wohnraum und vielen anderen mittlerweile getan wird, würde es die Kogge heute wohl noch geben.

Oder wenn die Stadt damals begriffen hätte, wie viel Leid der Verlust dieser kleinen Klitsche, und den damit gewachsenen Strukturen für einen Stadtteil bedeuten kann, – aus kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Sicht – es würde die Kogge heute wohl noch geben.

Was passiert jetzt mit dem Gebäude?

Wie vermutet, wurde vom Vermieter ein Bauantrag eingereicht, um die Kogge und seine erst 2012 fertiggestellte Aufstockung abzureißen. Laut Antrag soll ein siebenstöckiges Boarding-House errichtet werden. Was das bedeutet, beziehungsweise warum diese Gesetzeslücke allen potenziellen Investoren in Wohngebieten profitable Kurzzeitvermietung ermöglicht und Wohnraum vernichtet, sollte dringend gesondert öffentlich gemacht werden und liegt in der Verantwortung der Stadt.

Woher wisst ihr das so genau?

Da uns ein Verkaufsangebot zugespielt wurde, in dem die Liegenschaft inklusive der beiden Mietshäuser im Hinterhof zum Verkauf angeboten wurden. So wussten wir, was der eigentliche Plan von Anfang an war: Ein Objekt – zum Abriss frei, ohne laufende Verträge mit Gewerbemietern, inklusive einer lukrativen Baugenehmigung – zum Verkauf zu stellen. Denn unsere Bemühungen um eine Verlängerung des Mietverhältnisses mit einer Anpassung des Mietzinses wurden noch im Winter 2018/19 vom Vermieter kategorisch abgelehnt.

Wie habt ihr darauf reagiert?

Wir haben unsere Kooperationen gekündigt, unsere Mitarbeiter entlassen, das Booking eingestellt und alle Verträge beendet. Zwei Wochen vor Ablauf des Vertrages und Übergabe des Objektes wurde uns vermieterseits eine sechsmonatige Verlängerung des Mietverhältnisses angeboten. Mit knapp 1.000 Euro Mieterhöhung. Unabhängig davon, wie indiskutabel ein solches Angebot aus Sicht der wirtschaftlichen Planungssicherheit ist, wird hier mit den Bedürfnissen und Emotionen eines ganzen Viertels gespielt, das mit dem Verlust der Kogge auf vielen Ebenen noch lange zu kämpfen haben wird.

 

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Kogge: Leider kein Tresen für die Ewigkeit / Foto: Sophia Herzog

 

Was passiert nun mit den Menschen, die direkt mit der Kogge involviert sind?

Die wahrscheinlich wichtigste Säule war immer die Crew. Während in anderen gastronomischen Betrieben meist eine hohe Fluktuation an Mitarbeitern herrscht, ist die Kogge-Crew in 16 Jahren immer über lange Zeiträume konstant gewesen. Selbst wenn Menschen neue Lebenswege einschlugen, Eltern wurden, promovierten oder auch ihren eigenen Laden eröffneten, sind die meisten ein Teil der Kogge geblieben. Und das hat die Kogge ausgemacht. Die liebevolle Offenheit mit einem authentischen Selbstbewusstsein, für das die Kogge so geschätzt wurde, ließ schon immer auf den hohen Grad der Identifikation der Mitarbeiter mit der Kogge schließen.

Und auch für ihre Fähigkeiten wurde die Crew der Kogge geschätzt. Nicht selten wurde die Kogge „Kaderschmiede“ genannt. So war es zum Glück auch nicht schwer die Mitarbeiter, die der Gastronomie erhalten bleiben wollten, in neuen Arbeitsverhältnissen unterzubringen. Im Gegenteil. Es wurde sich nahezu um sie gerissen. Trotzdem stand die Crew loyal und felsenfest bis zur letzten Stunde gemeinsam an Bord.

Und was macht ihr als Betreiber?

Gernot Krainer, mein Geschäftspartner, muss sich auch erst mal sammeln und die Trümmer seiner Existenz verräumen, bevor er weiß, was als Nächstes kommt. Ich werde den Juli über nur für Off The Radar da sein. Ab August werde ich mit Fabi, einem langjährigem Mitarbeiter, im Karoviertel ein Stadtteil-Cafe eröffnen. Unser Wunsch ist es, einen offenen Raum zu bieten, in dem sich Menschen vernetzen und zum politischen Austausch treffen. Wo Initiativen sich vorstellen und engagierte Interessierte Informationen bekommen. Vom Viertel fürs Viertel.

Dazu mit Kicker und Kultur. Aber es wird nicht die Kogge sein. Ich muss nach vorne gucken. Sonst würden die Wehmut und die Wut über den Verlust zu groß. Aber ich könnte mir denken, dass manche Nachbarn und Hinterbliebene der Kogge weniger gemäßigt mit ihrer Wut umgehen … Nicht nur deshalb kann ich mir einen glücklichen Investor, oder einen Betreiber eines nicht mit dem Stadtteil kompatiblen Gewerbes an dieser Stelle schwerlich vorstellen.

 

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Riikka Beust: Kogge auf Öl und für ewig / Foto: Kogge

 

Und wie geht es mit dem Projekt Kogge weiter. Ihr wolltet doch auf das ehemalige Esso-Gelände ziehen?

Die Kogge wird es so nicht mehr geben. Sollte sich aber zum Beispiel die Stadt entscheiden, dem Vermieter ein Angebot zu machen, um die Liegenschaft vor Spekulanten zu schützen und die Strukturen der Nachbarschaft zu erhalten, solle man mir gerne Bescheid sagen. Für einen langfristigen Mietvertrag in der Bernhard-Nocht-Straße würde ich auch mit Überzeugung in eine notwendige Sanierung investieren.

Natürlich besteht auch immer noch die Möglichkeit, dass für die Kogge, dem Molotow und der Baugemeinschaft im Paloma-Viertel mit der Investorengruppe der Bayerisch Hausbau und der Stadt eine wirtschaftlich tragbare Lösung für einen Einzug auf dem Esso-Areal gefunden wird. Allerdings muss die Stadt sich dafür den Investoren gegenüber endlich gerade machen und auf die Einhaltung der Absprachen bestehen. Ansonsten wird das, was von den großen Plänen der Bürgerbeteiligung übrigbleibt, keine Erwähnung mehr wert sein.


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Kulturchoc: Diese Schokolade hilft bei der Integration

Mona Taghavi Fallahpour ist Gründerin und Geschäftsführerin des Food-Start-ups Kulturchoc, das Frauen nach Flucht oder Migration einen beruflichen Neueinstieg ermöglicht

Text und Interview: Erik Brandt-Höge
Fotos: Felix Valentin

Schokolade als Integrationshilfe? Klingt nach einer so süßen wie naiven Idee, ist aber ein bestens funktionierendes Sozialunternehmen. Kulturchoc heißt das Projekt, das Mona Taghavi Fallahpour vor einem Jahr gegründet hat. Ihr Konzept: Geflüchtete Frauen und Migrantinnen, die 35 Jahre oder älter sind, kreieren gemeinsam Köstlichkeiten und schaffen sich dadurch eine Zukunftsperspektive.

Korrekte Konfekte nennt die Kulturchoc-­Macherin das, was ihre Mitarbeiterinnen in einer Altonaer Küche aus u. a. Mandeln, Datteln und Safran zaubern. Alle Zutaten sind fair gehandelt, viele stammen aus den Herkunftsländern der Köchinnen.

Mona, die bereits seit elf Jahren für Vereine, Stiftungen und Organisationen an Bildungsprojekten arbeitet und sie umsetzt, wurde für Kulturchoc kürzlich für den Deutschen Integrationspreis ausgezeichnet – und das soll erst der Anfang sein, sagt sie …

SZENE HAMBURG: Mona, Kulturchoc wirkt wie ein Integrationsprojekt par excellence. Aber: Ist alles so einfach, wie es aussieht?

Mona Taghavi Fallahpour: Es hat schon eine gewisse Zeit gebraucht, unsere Vorhaben umzusetzen. Sozialunternehmen sind in Deutschland noch nicht so anerkannt wie in anderen Ländern, etwa in Amerika. Da ist man auch rechtlich schon weiter, was gemeinnützige Unternehmerarbeit angeht.

Woran liegt das?

Hier ist es einfach nicht üblich, etwas für soziale Projekte zu erwirtschaften. Es ist deshalb anfänglich gar nicht so leicht, die passenden Unterstützer für solche Unternehmen zu finden.

 

„Das Interesse ist riesig!“

 

Wie war es denn bei der Teamfindung für Kulturchoc: Haben sich schnell interessierte Frauen bei dir gemeldet?

Ich hatte und habe immer noch viel mehr Bewerbungen, als ich bewerkstelligen kann. Das Interesse ist riesig! Das habe ich schon zu Beginn gemerkt, als ich Kulturchoc noch ehrenamtlich als Workshop in einem Stadtteilzentrum in Altona angeboten habe.

Bei den Frauen kam das super an – genau wie bei den Kunden. Es lief so gut, dass ich im Oktober 2018 entschied, Kulturchoc hauptamtlich zu leiten.

Und nach welchen Kriterien suchst du die Mitarbeiterinnen aus?

Zunächst bekomme ich einen Lebenslauf von den Frauen, dann vereinbare ich einen Kennenlerntermin, bei dem wir auch gemeinsam in unsere Küche gehen. Dort können sich die Bewerberinnen mit den Frauen unterhalten und austauschen, die schon länger dabei sind und natürlich auch schon ein paar erste Konfekte rollen.

Danach setze ich mich mit allen zusammen, und wenn es passt, probieren wir es sechs bis acht Wochen aus und denken über eine längere Zusammenarbeit nach.

 

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Kulturchoc-Künstlerinnen bei der Handarbeit

 

Momentan sind sechs Frauen in unserer Küche, zwei von ihnen bereits festangestellt. Übrigens bietet Kulturchoc den Teilnehmerinnen auch neben der Arbeit einiges an, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ihre Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern, z. B. Fahrrad­- und Selbstverteidigungskurse, Stimm-­ und Präsentationstraining.

Das alles braucht eine Finanzierung. Wer unterstützt euch?

Im vergangenen Jahr haben wir eine Anschubförderung vom Bezirksamt Altona bekommen. Die Mitarbeiter dort haben sich dafür eingesetzt, dass Kulturchoc in Altona bleibt. Auch bei einem Crowdfunding haben wir erfolgreich mitgemacht und über 11.000 Euro an Spenden gesammelt. Und kürzlich sind wir von der Jury des Deutschen Integrationspreises auf den zweiten Platz gewählt worden, dafür gab es ein Preisgeld.

Die Weichen für weitere Erfolge sind also gestellt. Was ist das nächste Ziel?

Wir wollen wachsen. Wir wollen mehr Teilnehmerinnen aufnehmen und größere Maschinen anschaffen, um die Produktion zu verbessern. Und langfristig wollen wir uns natürlich selbst finanzieren.

Ich wünsche mir, dass wir irgendwann so weit sind, dass die Frauen den Laden selbst schmeißen können und ich mich Stück für Stück heraus­ziehen kann. Um das zu erreichen, haben wir u. a. vor, einen Webshop einzurichten, damit die Korrekten Konfekte auch bundesweit verschickt werden können. Momentan sind wir ja nur lokal unterwegs, z. B. auf Märkten in Hamburg. Der Webshop ist also der nächste große Schritt – und an neuen Produkten tüfteln die Frauen auch schon.

Kulturchoc.de


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