N Klub – die Show: So leicht geht Nachhaltigkeit

Seit 2008 gibt es den N Klub, um das Thema Nachhaltigkeit neu zu denken und weiter voranzubringen. N Klub – die Show bringt diese neuen Gedanken auf die heimischen Bildschirme

Text: Felix Willeke

 

Die Initiatoren des N Klubs, Autor und Fernsehmodera­tor Tobias Schlegl und Lars Meier von der Gute Leude Fa­brik, laden vier Mal im Jahr ein. Der N Klub will Ideen, Projek­te, Initiativen und Menschen unter dem Thema Nachhaltig­keit zusammenbringen und dabei helfen, anzuschieben und umzusetzen. Darüber hinaus will das Netzwerk dem Thema Nachhaltigkeit mehr öffent­liche Aufmerksamkeit ver­schaffen und zeigen, dass Nach­haltigkeit nicht nur Spaß macht, sondern auch absolut notwendig ist.

 

Die Show

 

Damit diese Botschaft aber auch die Menschen zu Hause er­ reicht, gibt es N Klub – die Show. Hier geben sich gute Musik und spannende Gespräche die Klinke in die Hand. Gerade ist die vierte Ausgabe auf nklub.de erschie­nen. Hier spricht nicht nur Roman Hottgenroth, Betriebs­leiter von Stilbruch in Hamburg, darüber, welche Rolle Nachhal­tigkeit heute spielt und wie Themen wie Kreislaufwirtschaft in der Gesellschaft Platz finden. Auch Lars Meier ist mit dem Format „Der N Klub fragt nach“ wieder mit dabei und diskutiert mit Katharina Beck (Spitzen­kandidatin der Grünen Ham­burg für die Bundestagswahl) und Marcus Weinberg von der CDU über die ihre politischen Ziele im Bereich Nachhaltigkeit.

 

Nachhaltige Initiativen

 

Zudem wird der mit 2.500 Euro dotierte PSD Bank Nord Förder­preis vergeben. In diesem Fall geht er an besser zuhause e. V., die sich für ein altersgerechtes Zuhause einsetzen. Im Format „100 Sekunden“ stellen sich bei N Klub – die Show wieder vier Initiativen vor: Neben dem HVV und seinem Kulturticket ist unter anderem oclean dabei. Die Initiative hat sich Müll zum Thema gemacht. Mit öffentli­chen Müllsammelaktionen, Workshops und anderen Aktio­nen wollen sie darauf aufmerk­sam machen, wie viel Müll pro­duziert wird und schlussendlich auch in die Weltmeere gelangt. Ziel ist es, dass möglichst kein Müll von Hamburg aus über Elbe und Alster in die Meere ge­langt. oclean ist ein Beispiel für die vielen Initiativen, die sich beim N Klub versammeln, ver­netzen und zeigen, wie einfach nachhaltiges Handeln ist und dass schon das Engagement im Kleinen viel bewirken kann.

nklub.de


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André: „In Hamburg habe ich mich direkt schockverliebt“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir André begegnet.

Protokoll: Kevin Goonewardena

 

„Ich komme vom kleinen Dorf aus Mittelhessen, 80 Kilometer südlich von Kassel und 100 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main, im Niemandsland also. Dort war ich immer der Paradiesvogel, der, der es schwer hatte, das hat mich in die Weite getrieben. München ist eine schöne Stadt, aber nicht mein Schlag Leute, Köln ist noch ganz okay gewesen, da bin ich eine zeitlang auch hin, aber das hatte sich dann schnell für mich gedreht, sag ich mal. Aber in Hamburg habe ich mich direkt schockverliebt.

Ich bin mit meiner heutigen Verlobten hier her gezogen, die kommt aus Schleswig-Holstein, aber Kennengelernt haben wir uns in Hessen, sie musste nach dem Studium wieder in den Norden, da musste ich nicht lange überlegen, denn ich hatte eh den Plan nach Hamburg zu gehen, bin sicher schon vierzig mal vorher zum Feiern hier gewesen, habe aber meinen Arsch nicht hochbekommen hierhin zu ziehen. Die Frage war kaum gestellt, da hatte ich schon ja gesagt.

In Hamburg haben mich die Leute sofort gut aufgenommen. Bei uns hieß es immer die „Hamburger sind kühle Menschen, die lassen dich nicht an sich ran“, da habe ich genau das Gegenteil kennengelernt. Genauso auf das Wetter bezogen, deswegen habe ich unten auf meinem Bein „No Rain, no flowers“ tätowiert, weil es mir auf den Sack geht, dass die Leute immer mit ihrem Wetter kommen. In der Anfangszeit habe ich Niemanden gekannt, war viel alleine unterwegs. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Kneipenbesuch – da hieß es von den Stammgästen nach fünf Minuten „Was sitzt du da so alleine? Komm’ an Tresen“, ich wurde sofort aufgenommen. Das war im Astra Stübchen, eine ganz kleine Eckkneipe in der Straße Ophagen in Altona-Nord, da steht mittlerweile mein Fahrrad. Ich fahre gerne Rennrad, wollte mir ein vernünftiges kaufen, sag ich mal, hatte aber keinen Platz das unterzustellen, da hat der Wirt gesagt, hier der Schlüssel für meine Garage, ich vertraue dir, kannst das Rad da unterstellen und seitdem steht mein Fahrrad da drinnen. 

 

Die Mentalität

 

Früher wie heute bin ich auf der Schanze unterwegs, auf St. Pauli, in Nebenstraßen der Reeperbahn, Hein-Hoyer und so. Am Anfang habe ich mich oft treiben lassen. Ich war im Gun Club, dem Menschenzoo, mag das Molotow, Uebel & Gefährlich und den Waagenbau. Heute findet man mich eher in Kneipen. Ich kann durchaus auch Samstags mal auf der Couch chillen, aber mein Kopf braucht die Wahl. Ich muss mir sagen können „Wenn du jetzt Bock hättest, könntest du aufstehen, rausgehen, alles machen.“

Ich komme ja vom Dorf, da war das nicht der Fall. Das trifft auf jede Großstadt zu, den Unterscheid macht hier für mich die Mentalität der Leute. Habe regelmäßig das Oktoberfest in München besucht, da war die erste Frage immer „Was bist du?“, das kann ich nicht ab.


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Ever Ace: Dickster Pott der Welt in Hamburg

Mit der Ever Ace ist das zur Zeit größte Containerschiff der Welt am 8. September 2021 zu Gast im Hamburger Hafen

Text: Felix Willeke

 

23.992 Container passen auf die Ever Ace, so viel wie auf kein anderes Schiff auf der Welt. Das knapp 400 Meter lange Schiff der taiwanesischen Evergreen Marine Corporation Limited ist damit das größte Containerschiff der Welt. Vom 8. bis 11. September 2021 ist die Ever Ace zu Gast im Hamburger Hafen. In dieser Zeit werden in der Hansestadt ungefähr 6.000 Container umgeschlagen.

 

Eine kurze Ehre und die berühmte Schwester

 

Den Titel größtes Containerschiff der Welt wird die Ende Juli 2021 fertiggestellte Ever Ace aber voraussichtlich nicht lange behalten. Schon im nächsten Jahr sollen Schiffe mit über 24.000 Container Kapazität fertiggestellt werden. Während die noch etwas unbekannte Ever Ace in Hamburg gastiert, werden viele die kleine Schwester noch in Erinnerung haben. Die Ever Ace ist das Schwesterschiff der im März im Suezkanal stecken gebliebenen Ever Given. Dieser Zwischenfall hatte damals Schlagzeilen gemacht und zu lange Wartezeiten im weltweiten Schiffs- und Warenverkehr geführt.


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Schnell auf dem Wasser: Die Weltmeisterbesieger

Zu Gast beim ältesten Drachenbootclub Deutschlands, dem 1. Hamburger Drachenboot Club e.V.

Text: Mirko Schneider

 

Es ist ein unauffälliger Weg, der zum Bootshaus des USC Paloma am Barmbeker Stichkanal an der Saarlandstraße 38 führt. Hier ist eine echte Traditionsmannschaft dieser Stadt daheim, die Paddler des 1. Hamburger Drachenboot Club e. V. „Unser Verein war tatsächlich der erste Drachenboot-Club in Deutschland“, sagt Vorstandsmitglied Ulf Verboom, 49, bei der Begrüßung.

Gegründet wurde der Club (circa 80 Mitglieder) 1988, als Hamburger Kaufleute fasziniert von einer Drachenboot-Regatta in Taipeh zurückkamen, zu der sie eingeladen waren. Seitdem gab es Siege bei vielen Regatten. Die beeindruckende Pokalsammlung im Umkleidehaus erzählt davon.

„Wir haben ein Damenteam, ein Herrenteam und ein Mixed-Team. Trainiert wird aber fast nur noch im Mixed-Team“, erklärt Verboom. Heute mit 14 Paddlern plus Steuermann. Aber, aufgrund der Lärmschutzbestimmungen auf der Alster, ohne Trommler. Für eine Regatta benötigt man inklusive Ersatzleuten 26 Paddler, davon 20 im Boot.

 

Viel Erfahrung

 

Vor dem Start legen alle ihre wasserfeste Weste an. „Es kann schon mal passieren, dass Wasser ins Boot spritzt“, sagt Verboom. Er ist seit 1991 dabei, wurde mehr als ein Dutzend Mal Deutscher Meister, außerdem Europa- und Weltmeister. Vor über zehn Jahren hat er mit dem Team des 1. Hamburger Drachenboot Club sogar das deutsche Weltmeisterteam auf der Hamburger Binnenalster geschlagen. „In Anlehnung an den FC St. Pauli haben wir uns dann Weltmeisterbesieger-T-Shirts drucken lassen“, sagt St. Pauli-Fan Verboom.

Eine der Paddlerinnen ist Christin Müller, 38. Auch sie hat internationale Erfahrung, nahm sogar schon an einer Regatta auf der Londoner Themse teil. Zum Drachenbootfahren fand sie durch eine Zeitungsannonce in Holland. Danach ließ sie die Sportart nicht mehr los. „Ich habe hier sofort tolle Leute kennengelernt – und die Stadt Hamburg von der Wasserseite“, sagt sie. So wie ihr geht es vielen Teammitgliedern des Clubs, der sich 2017 auf der Suche nach einem neuen Zuhause befand und eine Kooperation mit dem USC Paloma einging. Der USC unterstützte den Club finanziell, dieser renovierte in Eigenarbeit das Bootshausgelände und alle Paddler wurden Mitglieder bei Paloma. Ein guter Deal für beide.

Dann geht’s los. Das 12,50 Meter lange und 250 Kilo schwere Kunststoffboot zum Start ins Wasser zu lassen, ist schwierig. Holzäste, Blätter und Dreck haben die Wassertiefe des Kanals an der Anlegestelle auf 40 Zentimeter sinken lassen. Eigentlich liegt die Säuberung in der Verantwortung der Stadt.

 

Kraft und viel Tempo

 

„Fertigmachen für zehn Dicke!“, ruft Steuermann Andre Busch schließlich. „Und ab.“ Dann flitzen wir los. Erst zehn kräftige Schläge, dann Schlagzahl 60, dann 50. Wie beim Kanufahren tauchen die Paddler das Paddel vorne ins Wasser ein, drücken es nach hinten seitlich weg. Die zweiköpfige Schlagbank vorne gibt die Schlagzahl vor. Alle Paddler drehen bei jedem Schlag ihren Körper ein, schauen sich dabei aus angestrengt-glücklich wirkenden Gesichtern an. Das Gewicht ist zwecks optimaler Wasserlage gleichmäßig im Boot verteilt „Der Zug und die Kraft beim Paddeln kommen vor allem aus dem Rumpf “, erklärt Verboom in einer Pause. Die Stimmung ist sportlich-freundlich. Es wird geackert und gescherzt.

Bewundernswert, wie viel Kondition hier alle haben – und wie schnell wir mitten auf der Außenalster sind. Als Spitzengeschwindigkeit erreichen wir in unseren Drei-Minuten-Terms 14 Stundenkilometer. Schwäne weichen uns aus, Kinder schauen vom Ufer aus mit großen Augen zu, der Blick über die weite Außenalster ist ein Traum. „Wenn wir sonntagmorgens trainieren, sehen wir oft Eisvögel. Ein echtes Schauspiel“, sagt Verboom.

Nach 70 Minuten sind wir wieder an der Anlegestelle. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied“, sagt Verboom noch zum Abschied. „Man muss am Anfang nicht viel können. Wer mag, soll einfach vorbeikommen.“

uscpaloma.de/drachenboot


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Grüner Bauen: Nachhaltig in die Zukunft

Für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung gewinnt ökologisches Bauen zunehmend an Bedeutung. Jan Frank Dühlmeyer hat sich genau darauf spezialisiert. Der Architekt über Chancen und Vorbehalte

Interview: Ilona Lütje

 

SZENE HAMBURG: Herr Dühlmeyer, warum haben Sie sich auf „Grünes Bauen“ spezialisiert?

Jan Frank Dühlmeyer und Marrett Rebecca Dubbels sind das Team von Grünwärts Bauen; Foto: Grünwärts

Jan Frank Dühlmeyer und Marrett Rebecca Dubbels sind das Team von Grünwärts Bauen; Foto: Grünwärts

Jan Frank Dühlmeyer: Der Weg konventionell zu bauen, wäre für uns sicherlich der deutlich einfachere und zunächst auch wirtschaftlichere gewesen. Wir lieben unseren Beruf und uns ist es sehr wichtig, dass wir in unserer Arbeit einen Sinn sehen und nachhaltige, gesunde und gute Gebäude für die Menschen und unsere Umwelt bauen. Durch unser Studium und unsere Kindheit haben wir gelernt, wie wichtig der nachhaltige Umgang mit unseren Ressourcen und unserer Umwelt ist. Wir sind überzeugt, dass der Weg des nachhaltigen und ökologischen Bauens der Weg der Zukunft ist.

Welche Rolle spielt das Thema denn überhaupt aktuell in der Baubranche?

Zunehmend eine bedeutendere Rolle. Dabei geht es in erster Linie um Gebäude mit einem sehr niedrigen Energiebedarf. Doch auch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe sollte deutlich mehr gefordert und gefördert werden. Hamburg hat hier durch die Einführung der Holzbauförderung bereits einen sehr guten Anreiz geschaffen. Zum Thema Nachhaltigkeit gehört darüber hinaus außerdem auch die langfristige Nutzbarkeit von Gebäuden. Ein Gebäude sollte zeitlos gestaltet und entweder so klein sein, dass es von seinen Bewohnern lange genutzt werden kann oder teilbar sein, wenn sich beispielsweise die Familienkonstellation verändert, also wenn Kinder das Haus verlassen.

 

Grün bauen, wie geht das?

 

Wie lässt sich grün bauen?

Grün zu bauen, ist heute mit zahlreichen ökologischen Baustoffen, die industriell hergestellt werden, eine echte Alternative zum konventionellen Bauen. Unsere Gebäude bestehen zum Beispiel aus 30 Zentimeter starken leimfreien Massivholzwänden, einer außen liegenden Holzfaserdämmung und einer Holzfassade, Holzfenster und Holztüren sowie Massivholzdecken, die von unten sichtbar gelassen wurden. Als Trittschall­ dämmung verwenden wir Holzfaserdämmung auf den Decken und Massivholzdielen als Bodenbelag. Unsere Dächer dämmen wir mit Zellulosefasern, die aus alten Zeitungen hergestellt werden. Auf unseren Dächern befindet sich eine PV­-Anlage, die Strom für das eigene Gebäude produziert, im Gebäude speichert und verbraucht. Überschüssiger Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Dadurch, dass unsere Gebäude als KfW­-40 PLUS­-Gebäude gebaut sind, benötigen sie so gut wie keine Wärmeenergie, sodass wir die wenige Wärme über Infrarotheizkörper zuführen.

Bedeutet grüner bauen auch teurer bauen?

Grüner bauen ist in der Tat etwas teurer als konventionelles Bauen. Mit unseren Gebäuden können wir jedoch, insbesondere durch sehr effiziente Grundrisse (sehr wenig Flurfläche und den Verzicht auf die Aufstellfläche einer Heizungsanalage), als echte Alternative gegenüber den Mitbewerbern bestehen. Wenn man bedenkt, dass ein Quadratmeter Wohn­fläche in Hamburg zwischen 4.500 und 8.000 Euro liegt, kann man durch diese Einsparung sehr viel erreichen.

Ist die Lebensdauer eines grünen Hauses ver- gleichbar mit der eines konventionellen Hauses?

Die Lebensdauer eines grünen Gebäudes unter­ scheidet sich in keiner Wiese von der konventio­nell gebauter Gebäude. Grüne Gebäude bieten darüber hinaus ein sehr gesundes Wohnklima, was insbesondere für heranwachsende Kinder von großer Bedeutung ist. Wenn man an den Gesamtlebenszyklus der Gebäude denkt, so ist die Entsorgung grüner Gebäude (insbesondere Massivholzgebäude) zuletzt deutlich einfacher. Die einzelnen Bauteilschichten lassen sich sehr gut voneinander trennen und als Rohstoffe weites­ gehend sortenrein wiederverwenden.

 

Der ökologische Fußabdruck

 

Die Häuser werden in massiver Holzbauweise errichtet; Foto: Grünwärts

Die Häuser werden in massiver Holzbauweise errichtet; Foto: Grünwärts

Wie wirkt sich ein grünes Haus auf meinen ökologischen Fußabdruck aus?

Zunächst erzeugt jeder Bau eines neuen Gebäudes einen Fußabdruck. Doch Wohnraum wird gebraucht, also muss gebaut werden. Wir raten unseren Kunden stets so groß wie nötig und so klein wie möglich zu bauen – damit fängt der Gedanke an! In unserem zuletzt gebauten Gebäude lebt eine fünfköpfige Familie auf 107 Quadrat­meter Wohnfläche!

Das Bauen mit Holz ist eine wunderbare Möglich­keit, beim Bauen den ökologische Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Holz bindet CO2 und dieses gebundene CO2 im Holz über einen langen Zeitraum zu lagern, ist die ökologischste und nachhaltigste Nutzung des Rohstoffs Holz.

Wie haben sich die Ansprüche der Bauherren in den letzten Jahren geändert?

Gerade im städtischen Raum und in unserer Generation steigt das Interesse an grünem Bauen. Unser Ansatz zugunsten von mehr Baustoff­ und Wohnqualität auf Fläche zu verzichten, findet immer mehr Anklang, dennoch liegen die Vorstellungen bei der zu bewohnenden Fläche bei vielen unserer Bauherren erst mal sehr hoch.

Was tun Sie persönlich für Ihren CO2-Abdruck?

Einen wesentlichen Beitrag für unseren eigenen ökologischen Fußabdruck sehen wir zunächst einmal in unserer eigenen Arbeit. Darüber hinaus leben und arbeiten wir selbst in einem Holzhaus. Wir ernähren uns biologisch und bauen im Sommer Gemüse im eigenen Garten an. Unsere Urlaube verbringen wir immer auf unserem alten Segelboot auf Nord­ und Ostsee. Seit vielen Jahren verzichten wir bewusst auf Flugreisen und nutzen für lange Strecken die Bahn.


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Recap: 4 Wochen Kultursommer Hamburg

Vom 15. Juli bis 16. August 2021 ist die Kultur beim Kultursommer Hamburg eindrucksvoll zurück auf die festen und freien Bühnen der Stadt gekehrt. So war das Spektakel:

Foto: Andreas Hornoff

 

In Hamburg ist die Kultur vielfältig und bunt zurückgekehrt: Der am 16. August 2021 zu Ende gegangene Kulturmarathon beim Kultursommer Hamburg zieht eine beeindruckende Bilanz: Über vier Wochen wurden 1.800 Veranstaltungen von 185.000 Besucher:innen besucht. Es haben insgesamt 110 Kulturveranstalter:innen ihre Projekte realisiert und dabei 200 Veranstaltungsorte mit Kultur aller Sparten bespielt, verteilt auf 55 Stadtteile und meistens open air. Daran waren mehr als 5.700 Künstler:innen beteiligt, von denen 75 Prozent aus der Metropolregion Hamburg kamen.

Nach dem Kultursommer geht es kulturell berauschend weiter: In Hamburg starten die Theater und Konzerthäuser in die neue Saison und die großen Festivals wie das Reeperbahn Festival oder das Filmfest Hamburg stehen an. Nach dem Motto: Runter von den Screens, rein in den Raum, rauf auf die Bühnen. Zurück in die Stadt, zurück zum Publikum, zurück in die Zukunft markierte der Kultursommer Hamburg den Anfang des Neustarts der Kultur in Hamburg nach dem langen Lockdown im Winter und Frühling und wurde durch ein umfangreiches Förderprogramm der Stadt Hamburg ermöglicht. Letztendlich verwandelten 1.800 oft auch kurzfristig geplante Musik- und Kunstfestivals, Ausstellungen, Performances, Open-Air Kinos und Lesungen die gesamte Elbmetropole für einen Monat in eine Bühne für 5.700 Hamburger Künstler. Nach dem Kultursommer geht Hamburg einen weiteren Schritt in Richtung neue kulturelle Normalität.


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„Sexismus ist etwas, was wir alle internalisiert haben“

Hamburger Nachwuchs: Hamburg Music Award Krach+Getöse für Nachwuchsmusiker, Show bei „Fast ein Festival“ von MS Dockville, frisch gesignt bei Europas erstem Female-MC-Label – die Rapperin Mariybu, 27, startet durch. Mit queerfeministischen Texten, starker Stimme und DIY-Producing

Interview: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Mariybu, wie lange gibst du dem Patriarchat noch?

Mariybu: Ouh. In meinem Traum gebe ich dem Ganzen noch ein paar Tage. In der Realität ist das unrealistisch. Aber man darf ja träumen, nä?

Deine Texte verhandeln männliche Machtstrukturen auf verschiedenen Ebenen. Sexuell, emotional, geschäftlich. Du klingst dabei stark und verletzlich zugleich. Wie viel eigene Erfahrungen schwingen da mit?

Nur. Meine Texte sind alle eigene Erfahrungen. Songtexte schreiben ist wie Tagebuchschreiben für mich. Es ist nicht so, dass ich denke, ich will über das schreiben, dann schreibe ich darüber. Es ist das, was mich gerade beschäftigt. Dann wird daraus ein Song. Dass es politisch wird, ist nicht beabsichtigt. Das Persönliche wird dann politisch.

Wann und wie bist du zum Rap gekommen?

2018. Als Kind hab ich Tic Tac Toe und so gehört, dann aber lange keinen Rap mehr. Ich kannte nur noch frauenverachtende Texte, wie von Bushido und Sido. Ich habe nicht gecheckt, warum ich mir Texte geben soll, die mich beleidigen. Ich habe spät meinen Weg zurückgefunden. Das hat angefangen mit einem Konzert von Finna, eine queerfeministische Rapperin und Aktivistin aus Hamburg. Das hat mich super berührt. Ich habe angefangen, Texte zu schreiben, habe mich mit Finna getroffen. Dann kam der 365Female*MCs-Blog von Mona Lina. Der startete Ende 2018. Lina Burghausen hat ganz, ganz viele gepostet, die ich mir als Vorbilder nehmen konnte. Das hat mich empowered, selber weiterzumachen. Dann habe ich vor zweieinhalb Jahren angefangen, zu produzieren.

 

Gegen strukturelle Benachteiligung

 

Du bist auch auf dem Label 365XX von Lina „Mona Lina“ Burghausen gesignt.

Das Label ist einfach geil. Es signt nur FLINTA*s: Frauen, Lesben, Inter-, Nicht-binäre-, Trans-, Agender-Personen – also Menschen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität patriarchal diskriminiert werden. 365XX sagt nicht: Wir wollen Cis-Männer, also Männer, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurden, ausschließen. Aber wir sehen, dass FLINTA*s strukturell benachteiligt sind. Deshalb supporten wir sie. Das finde ich einfach krass, weil es so ein Label bisher noch nicht gab. Ich finde es super-beeindruckend, dass sie das machen, wie sie das machen und dass sie sich das trauen.

Welche Vorbilder hast du neben Finna?

Ebow war und ist für mich ein Riesenvorbild. Die ist unglaublich. Sie steht als queere Person in der Öffentlichkeit, macht voll ihr eigenes Ding, ohne sich was vorschreiben zu lassen. Auch ein ganz großes Vorbild: KeKe aus Wien. Was ich auch bei ihr krass finde: Sie ist stark und verletzlich zugleich.

Gibt’s auch sexistische Rapperinnen? Cardi B und Megan Thee Stallion waren in der Diskussion mit ihrem Wet-Ass-Pussy Song.

Wet-Ass-Pussy finde ich gar nicht sexistisch. Das ist superempowernd. Die eigene Sexualität, den eigenen Körper feiern wie auch Shirin David, da seh ich keinen Sexismus. Natürlich gibt es auch sexistische Rapperinnen. Sexismus ist ja etwas, was wir alle internalisiert haben. Ich selber bin an bestimmten Punkten auch noch sexistisch und lerne dazu, weil wir einfach alle im Patriarchat aufgewachsen sind. Das ist ein ewig langer Lernprozess.

Du kämpfst nicht allein für Feminismus, sondern mit dem Rap-Kollektiv Fe*Male Treasure und im Duo mit Girrrlitas. Kämpft ihr ausschließlich musikalisch oder noch mit anderen Waffen?

Ich bin Feministin 24/7. Wenn ich auf der Straße bin und irgendwas mitbekomme, mische ich mich ein. Wenn mir irgendwas passiert, führe ich Diskussionen. Es ist jeden Tag politische Arbeit. Ich geh auf Demos, wir treten auf Demos auf, bei Soli-Veranstaltungen. Femrep ist auch eine ganz tolle Gruppe. Da war ich mal, bin aber leider nicht mehr aktiv. Es ist nicht nur die Musik. Ich betreibe neben ihr auch noch Lohnarbeit, und in dem Unter- nehmen, wo ich arbeite, sind leider öfter Situationen, die echt scheiße sind. Und die spreche ich dann an. Das betrachte ich auch als feministische Arbeit.

 

Sexismus

 

Was war die sexistischste Scheiße, die du dir je anhören musstest?

„Ich kann kein Sexist sein, ich mag doch Sex.“ Das war auf der Familienfeier von einem Ex-Freund. Da wusste ich nicht genau, wo ich ansetzen sollte. Da hab ich gemerkt: Gut, da fehlt viel Wissen (lacht).

Deine Generation treibt Veränderungen voran wie wenige vor ihr. #MeToo, Black Lives Matter, Fridays for Future. Gleichzeitig hält eine neue Strenge Einzug. Amanda Gorman, die junge Dichterin von Bidens Inauguration, darf nur von Schwarzen übersetzt werden. In den Amazon Studios sollen nur noch Homosexuelle Homosexuelle spielen.

Dass Schwarze nur von Schwarzen übersetzt werden dürfen, kann ich total nachvollziehen. Das ist ein Job. Wenn die sagen, es geht auch darum, uns untereinander zu supporten, dann finde ich das gut. Es ist superindividuell. Kann sein, dass ich ein Feature nur mit einer queeren Person machen will. Ich arbeite aber auch mit anderen Leuten. Allerdings nur, wenn die nicht gegen meine grundlegenden moralischen Werte sind. Ich würde nie mit einem sexistischen Rapper ein Feature machen. Ich arbeite aber auch mit Cis-Männern. Einige meiner Videos macht ein Cis Mann. Er supportet, wofür ich stehe, ist kein Arschloch. Deshalb mach ich das mit ihm. Aber wenn ich für einen Job eine queere und eine nichtqueere Person habe, die gleich gut sind, würde ich die queere Person nehmen. Einfach, weil sie strukturell benachteiligt ist, nicht die gleichen Chancen hat.

Der Kapitalismus ist auf den Bewusstseins-Zug aufgesprungen: Großbanken geben Kreditkarten in Regenbogenfarben aus, Werbung wird immer diverser. Ärgerlich oder halb so schlimm, weil die richtige Botschaft transportiert wird?

Ich steh superambivalent dazu. Einerseits finde ich es ätzend, dass einen Monat lang überall Regenbogenflaggen bei irgendwelchen Scheißunternehmen flattern, dann ist der Monat vorbei und es wieder aus den Köpfen weg. Die Diskriminierung innerhalb des Unternehmens ist aber noch da. Das finde ich scheiße. Cool wäre, wenn sie weiter darüber hinausdenken. Wenn es nicht nur um Geld geht. Wenn sie sagen, ok, wir hissen hier die Flagge, und im Teammeeting sprechen wir über die Diskriminierung von queeren Menschen und wie wir das verändern können. Dann finde ich das geil. Aber nur als kapitalistisches Verkaufsding ist es zu kurz. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich dadurch trotzdem was in den Köpfen. Ich hoffe es.

Wie findest du die Golden-Era-Rap-Generation? Biggie, Eminem, Wu-Tang und Kollegen? Die waren ja durchaus homophob und sexistisch in ihren Texten.

Die Dinge, wofür die gekämpft haben, sind ganz andere. Natürlich waren das Wegbereiter, die haben gute Sachen gemacht, für krasse Sachen gekämpft. Man muss es auch immer zeitlich einordnen. Trotzdem: Das ist keine Entschuldigung. Homophobe Scheiße geht auf keinen Fall. Das war damals auch schon scheiße.

Wann ist mit deinem ersten Album zu rechnen?

Meine erste EP erscheint am 3. September. Album, mal gucken. Es ist noch nichts in Planung direkt, aber es ist nicht auszuschließen, dass da noch ein Album kommt.

instagram.com/mariybu_


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Filmkritik: Curveball – Wir machen die Wahrheit

Der neue Film von „Curveball“ von Johannes Naber ist eine Gratwanderung zwischen Groteske und Politdrama, ab dem 9. September 2021 in den Kinos

Text: Anna Grillet

 

Im bayrischen Asylbewerberheim Zirndorf hat Agent Retzlaff (Michael Wittenborn) einen potenziellen irakischen Informanten namens Rafid Alwan (Dar Salim) angeworben. Die Nachricht löst helle Begeisterung beim BND aus, braucht man doch dringend Erfolge im Konkurrenzkampf mit CIA und MI6. Biowaffenexperte Dr. Arndt Wolf (exzellent: Sebastian Blomberg) glaubt noch immer unverdrossen, dass Saddam Hussein trotz UN-Kontrollen Anthrax-Viren herstellen lässt. Er selbst war drei Jahre vor Ort und hatte nach geheimen Produktionsstätten gesucht. Vergeblich. Vom Jagdfieber gepackt, drängt er nun darauf, den Informanten persönlich zu betreuen. Die Angaben von Rafid Alwan bleiben seltsam vage, seine Forderungen dagegen sind klar und unmissverständlich: ein deutscher Pass, eine eigene Wohnung. Er fühle sich verfolgt vom Geheimdienst seiner Heimat. Nach langem Zögern rückt Rafid mit der Sprache raus: mobile Labore. Eine Sensation, die für internationale Schlagzeilen sorgt und am Ende einen Krieg auslöst, auch wenn ein Satellitenfoto beweist, dass die Story frei erfunden ist. Wolf wird entlassen, während andere Karriere machen.

 

Wes Anderson lässt grüßen

 

Regisseur Johannes Naber und Drehbuchautor Oliver Keidel geht es in ihrer Politsatire vorrangig um die Instrumentalisierung von Geheiminformationen, aber auch um den absurden Umgang miteinander in der Maschinerie des Bundesnachrichtendienstes. Wer will sich schon mit der Wahrheit blamieren, die bleibt schließlich topsecret.

Erinnert an Wes Anderson Filme: Curveball; Foto: Filmwelt

Erinnert an Wes Anderson Filme: Curveball; Foto: Filmwelt

Wer das Schweigen bricht, dem droht Landesverrat. Es ist die Geburtsstunde der Fake News. Der skurrile Mix aus Fiktion und Realität ist brillant. Als Rafid nachts entführt wird, nimmt Wolf todesmutig als einsamer störrischer Don Quijote die Verfolgung auf. Die vermeintlichen Schergen entpuppen sich als CIA-Agenten, darunter die Ex-Geliebte des Protagonisten, die er aus der gemeinsamen Zeit im Irak kennt. Sie will ein Exklusiv-Interview fürs USFernsehen. Wenn der glücklose Held im blau gestreiften Pyjama auf einem kleinen Schlitten die schneebedeckten Hügel runterrast, fühlt man sich unweigerlich an Wes Anderson und das Grand Budapest Hotel erinnert.

Curveball – Wir machen die Wahrheit, Regie: Johannes Naber. Mit Sebastian Blomberg, Dar Salim, Thorsten Merten. 108 Min. Ab 9. September 2021 in den Kinos

Noch nicht Überzeugt? Hier gibts den Trailer zum Film:


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