Marie: „Hier zu leben, hat seinen Preis“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Marie begegnet

Protokoll: Katharina Stertzenbach

„Ich arbeite als Journalistin im Nachrichtenbereich und habe in Osnabrück volontiert.
Während der Pandemie bin ich hierhergezogen und konnte die Wohnung von einer Freundin übernehmen – Gott sei Dank. Mir war auch gar nicht klar, dass Eimsbüttel die coolste Gegend überhaupt ist. Zunächst dachte ich: ‚Okay gut, wenn hier die Wohnung frei ist, dann kann ich ja hier einziehen.‘ Es hätte aber auch Barmbek oder so werden können.

Schönes, teueres Großstadtleben

Aber jetzt denke ich mir jedes Mal, wenn ich nach Hause komme ‚Wow! Ich wohne einfach hier in Eimsbüttel, guck’s dir an.‘ Schon während des Lockdowns habe ich mich hier wohlgefühlt. Aber seitdem die Stadt wieder belebter ist und man wieder viel unternehmen kann, gefällt es mir hier extrem gut. Ich habe schon in mehreren Städten gewohnt, aber hier ist es das erste Mal, dass ich so denke: ‚Geil.‘ Es ist hier alles so stressfrei und trotzdem lebt man in einer Großstadt. Hier zu leben, hat allerdings auch seinen Preis.

Hamburg ist auf jeden Fall teuer. Das merke ich mittlerweile aber erst, wenn mich Freunde, die nicht hier leben, besuchen. Ich war letztens mit einer Freundin, die noch studiert, einen Wein trinken und der hat acht Euro gekostet. Ich fand das zunächst nicht zu teuer, weil ich mich an die Hamburger Preise gewöhnt habe.  Sie hat mich aber dann darauf aufmerksam gemacht, dass das doch ganz schön viel Geld für ein Glas Wein ist. Wie ignorant von mir zu denken: ‚Ach klar, lass uns hier mal für acht Euro Wein trinken.‘ Das ist halt auch super teuer – das hätte ich im Studium für einen Wein auch nicht bezahlt.

Urlaubsreif

Ich übernehme regelmäßig Schichtdienste und fange um sechs Uhr morgens an. Dann kümmere ich mich um die aktuellen Nachrichten des Tages. Das frühe Aufstehen liegt mir gar nicht, außerdem sind die Nachrichten oft wirklich frustrierend. Wenigstens kann ich am Nachmittag noch was unternehmen, wenn ich nicht verschlafe.

Im August verabschiede ich mich allerdings von dem schnellen Nachrichtengeschäft und übernehme eine neue Stelle. Da habe ich mehr Zeit für meine eigenen Themen und muss auch nicht mehr so früh aufstehen.

Vorher fahre ich aber noch in den Urlaub nach Italien. Ich werde mit meinem Freund wandern und zelten gehen. Darauf freue ich mich schon sehr.“


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Meet the Resident – ATAVEM

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: ATAVEM von Front Left Records – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

SZENE HAMBURG : Wie würdest du deinen Sound beschreiben? 
Viel Ambient und experimentelle Musik. Das Ganze paare ich mit schnellen Rhythmen und hypnotischen Sphären. Das Wichtige für mich ist es, musikalische Grenzen zu überschreiten. 

Wie war es für dich wieder im Club zu spielen?
Das war am 7. Geburtstag des PAL. Ein sehr tolles Gefühl die Leute langsam in die Nacht zu begleiten und zu sehen wie sich der Club füllt.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?
Sehr viele nette und herzliche Menschen, tolle Bars und einige schöne Clubs wie PAL, Pudel oder Südpol.

… und die Schwächen?

Schlechtes Wetter und teilweise schlimmer Sound der immer schneller und härter wird.

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben? 

Piano Riffs, Lenard Klein, Space Drum Meditation und Stute für high quality Produktionen. Außerhalb von Hamburg: Assumption, Bidoben und Ikari.

Platte des Monats?
Arthur Robert – Metamorphosis Part 1 (Fav. Track: Mastermind).

Nachtleben Tipp im Juli?

Am 23.7. spielt FJAAK im PAL – hingehen! Und natürlich die Kinky Sundays.

Hört hier ein aktuelles Set von ATAVEM:

Instagram ATAVEM | Instagram hamburg elektronisch


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Hilfe für Obdachlose: Snack-Tüten Challenge

Ein kühles Wasser, Shampoo um die Haare zu waschen und Kleidung für den Sommer. Das ist für Menschen auf der Straße keine Selbstverständlichkeit. Mit der „Snack-Tüten Sommer-Challenge“ soll Obdachlosen und Bedürftigen geholfen werden. Gebraucht werden jetzt Spenden und helfende Hände.

Text: Henry Lührs

Wer schon immer etwas für obdachlose und bedürftige Menschen tun wollte, aber nicht so richtig wusste wie, bekommt jetzt die Gelegenheit, unkompliziert mitzuhelfen. Die Bürgerinitiative „Hilfe für Hamburger Obdachlose” verteilt im zweiwöchigen Takt wieder die beliebten „Snack-Tüten“ am Hamburger Hauptbahnhof.

Unterstützt wird die Initiative von der Aktion Mensch, der Hamburger Tafel und prominenten Helfer:innen wie der Schauspielerin Yasmina Filali. Trotzdem werden ehrenamtliche Menschen vor Ort und verschiedenste Spenden wieder dringend gebraucht.

Spenden, bitte!

Gern gesehen sind zum Beispiel Spenden wie Wasserflaschen, Kuchen, Sandwiches, etwas Obst oder Hygiene-Artikel wie Feuchttücher oder Duschgel. Vor allem Lebensmittel, die sich auch ohne Kühlschrank etwas länger halten, werden darüber hinaus immer benötigt. Auch Kleiderspenden sind willkommen, allerdings in Hinblick auf die hohen Temperaturen vor allem Sommerkleidung wie T-Shirts oder Sandalen. Vor Ort können sich Menschen dann eine Tüte von den Helfenden nach Wunsch zusammenstellen lassen.

Foto: Max Bryan

Wer Lust und Zeit hat, ist herzlich eingeladen bei der Verteilung mitzuhelfen. Aufgebaut ist ein Kleiderspendentisch, ein Kaffeestand und ein Tisch zum Befüllen der Snacktüten. Wer es nicht schafft, vor Ort dabei zu sein, kann auch einfach ein Carepaket packen und verschicken. Hierzu wird um eine kurze E-Mail an post@hamburgerobdachlose.de gebeten. Die Verteilung der Snacktüten beginnt immer um 13 Uhr am Heidi-Kabel-Platz 1. Die nächsten Termine sind am 24. Juli, 7. und 21. August – jeweils von 13 bis 15 Uhr.  

Alle Infos gibt es unter hamburger-obdachlose.de


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Hamburger Ferienprogramm: SalutDeluxe Summercamp

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Von den Besten lernen: HipHop meets Klassik beim SalutDeluxe Summercamp

Klassik trifft auf Rap, Etüden auf Freestyle und Konzertsaal auf Clubkultur. Vom 10. bis 17. August 2022 erwartet Kinder und Jugendliche bei SalutDeluxe ein spannendes Summercamp zum krönenden Abschluss der Hamburger Schulferien.

Auf dem Programm stehen Workshops wie Breakdance & HipHop, Graffiti oder Drum&Rhythm. Bei allen Workshops steht ein Übersetzer-Team bereit, um die Teilnahme auch für ukrainische Kinder und Jugendliche zu ermöglichen.

Musikpädagogisches Angebot

Der Verein SalutDeluxe wurde 2020 mit Unterstützung der Haspa Musik Stiftung gegründet. Initiatoren und Gründer sind der Rapper Samy Deluxe und die Frontfrau und Geigerin Angelika Bachmann von dem Klassik-Quartett Salut Salon. Ziel des Vereins ist es, in einem geschützten Raum Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Welten zusammenzubringen und sie unabhängig von ihrem sozialen Background und ihrer musikalischen Vorprägung anzuregen und zu inspirieren.

„Wer verschiedene Milieus kennenlernt und diverse Einflüsse zulässt, ist weniger anfällig für ausgrenzendes Verhalten‟, erläutert Samy Deluxe. „Samy und ich haben unabhängig voneinander immer wieder festgestellt, wie groß das Thema Rassismus auch in der Musik ist. Warum zum Beispiel sind People of Color so extrem unterrepräsentiert in den Orchestern? Warum wird Afrodeutschen eher Hip-Hop als Klassik zugetraut? Das ist absurd. Damit wollen wir aufräumen“, ergänzt Angelika Bachmann.

SalutDeluxe richtet sich an Kinder und Jugendliche ab dem Schulalter. Besonderes Augenmerk liegt darauf, dass sich Coaches, Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Augenhöhe begegnen. Nach dem Prinzip „each one teach one‟ sollen sich die Kinder und Jugendlichen auch untereinander Wissen und Fähigkeiten vermitteln.

Weiteres Highlight im Sommerprogramm von SalutDeluxe: das Kinderkonzert „Mozart“ auf ukrainisch und russisch. Hier spielen die Pianistinnen Olga Shkrygunova (Salut Salon) und
Oksana Poleshook zwei- und vierhändig auf dem Klavier und erzählen über Mozart, einen der berühmtesten Komponisten der Welt. Zu hören sind seine allerersten Werke mit dem Cembalo-Klang, und es gibt ein Treffen mit der Königin der Nacht und der Zauberflöte. Für Bewegung sorgt ein Stopp-Tanz während des Konzertes.

Mehr Infos und Anmeldung unter: salutdeluxe.hamburg


SalutDeluxe e.V.
Volkmannstraße 6
22083 Hamburg

Eingang: Biedermannplatz 19, 22083 Hamburg


Talente an die Waterkant – das ist das Motto der Haspa Musik Stiftung. Seit 2008 unterstützt die Stiftung den Nachwuchs auf seinem musikalischen Weg und fördert vielfältige Musikprojekte.

Hamburg mit dem Rad: 10 Ausflugsziele

Hamburg und das Fahrrad, das wächst immer mehr zusammen und jetzt in den Sommerferien ist Zeit für einen Ausflug mit dem Drahtesel. Hier kommen zehn Orte, die das perfekte Ziel sind für einen Ausflug mit dem Rad

Text: Felix Willeke

Klövensteen

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Mitten im Klövensteen liegt das wunderschön verwunschene Schnaakenmoor (Foto: Hedda Bültmann)

Nur eine knappe Stunde dauert es aus der Innenstadt raus bis in den Klövensteen. Kürzer geht es mit der S-Bahn nach Rissen, wo man gemütlich das Rad mitnehmen kann. Rissen ist der westlichste Hamburger Stadtteil direkt an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Und direkt auf dieser Grenze liegt der Klövensteen. Über 513 Hektar erstreckt sich das Waldgebiet bis ins benachbarte Bundesland. Ein Mischwald, wie er im Buche steht. Wer hier entlang radelt, sieht neben Moos auch viel Sand – aufpassen mit dünnen Reifen. Dazu kommen kleine, dicht bewachsene Pfade, die sich durchs Gehölz schlängeln und die auch häufig besser zum Spazieren als zum Radeln geeignet sind. Aber auch die Schnellen kommen im Klövensteen auf ihre Kosten. Kaum befahrene und gut geteerte Forststraßen bieten sich perfekt fürs Rennradtraining an.

Für die besonders Naturinteressierten gibt es im Südwesten des Klövensteen einen kleinen Geheimtipp: das Schnaakenmoor. Hier treffen Binnendünen auf Feuchtwiesen und Heidegräser, Kanäle ziehen sich durch das Hochmoor und in den unterschiedlichen Gräsern und Pflanzen hocken der Moorfrosch, die Kreuzkröte und die Sumpfschrecke. Ein rund 100 Hektar großes Naturschutzgebiet, bei dem besonders Radler:innen Rücksicht auf die Natur nehmen sollten. Dann lässt sich auch bei einer Pause auf der Picknickdecke gut durchatmen und den Rest der Welt vergessen.

Mit dem Rad durch die Stadt

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Die Veloroute 4 führt über die Fahrradstraße an der Außenalster(Foto: Mediaserver Hamburg/Doublevision/K. Beck)

Hamburg will Fahrradstadt werden und dafür passiert einiges. Die Stadt bemüht sich, das Radeln in der Stadt einfacher, sicherer und angenehmer zu machen. Und natürlich wollen im Sommer viele mit dem Rad in die Stadt, ins Restaurant oder zum Date fahren. Am besten und schnellsten geht das, wenn man dafür Wege nutzt, auf denen das Rad bevorzugt wird. Genau dafür hat die Stadt Fahrradstraßen eingerichtet. So soll man in Zukunft zum Beispiel die komplette Außenalster auf breiten Wegen schnell umrunden können. Hinzu kommen etliche weitere Fahrradstraßen, die abseits der Hauptverkehrsachsen ein Vorankommen auf zwei Rädern erleichtern, so zum Beispiel auf dem Horner Weg, mit 1,4 Kilometern aktuell Hamburgs zweitlängste Fahrradstraße.

Der Horner Weg ist dabei nicht nur Fahrradstraße, sondern auch Teil der Veloroute 8 von der Innenstadt nach Bergedorf. Die Velorouten sollen Pendler:innen mit dem Rad den Weg in die Stadt erleichtern, sie sind aber auch perfekt für Ausflüge. Insgesamt hat Hamburg 14 Velorouten, von denen viele schon befahrbar sind und einige, an denen auch noch fleißig gebaut wird. Also, egal ob ein Essen in Rahlstedt, ein Date in Heimfeld oder der Weg aus Sasel in die Stadt, im Sommer ist maximal schlechtes Wetter eine Ausrede, um das Rad nicht zu nutzen.

Friedhof Ohlsdorf

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Auf dem Friedhof Ohlsdorf herrscht immer eine besondere Atmosphäre. Für Radler:innen gilt: Bitte die Totenruhe beachten (Foto: Hamburger Friedhöfe – AöR)

Der Ohlsdorfer Friedhof kann ruhig mal ein bisschen angeben: Er ist nicht nur beliebte letzte Ruhestätte der Hamburger Prominenz und Hamburgs größte Grünanlage, sondern mit rund 390 Hektar Fläche auch der größte Parkfriedhof der Welt. Früher nutzten viele Pendler:innen den Friedhof jedoch als Abkürzung zwischen Ohlsdorf und Bramfeld, das ist heute anders. Seit ein paar Jahren machen Schranken den Friedhof ruhiger und verkehrsärmer. Für Radler:innen sind die Straßen aber immer noch ein ideal, um den neuen Drahtesel zu testen und schneller in den Osten der Stadt zu kommen.

Wenn man jedoch mehr Zeit hat, ist der Friedhof die perfekte Grünfläche zum Durchatmen. Geschichtsexpert:innen können die vielen historischen Gräber und Mausoleen bestaunen, Hobbybotaniker sich der Rhododendren erfreuen und kleine Entdecker:innen den Naturlehrpfad erforschen. Kerzengerade Alleen und verschlungene Pfade führen vorbei an Blumengärten, Waldstücken, Tümpeln und Seen. Ein besonders Highlight ist der Garten der Frauen. Hier wurde den berühmten Hamburger Frauen wie Domenica Niehoff ein Gedenkort gewidmet und auf den gusseisernen Platten lässt sich noch viel über das weibliche Hamburg lernen.

Die Wandse

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Viel Grün und ein Paradies zum Radfahren: der Höltigbaum kurz hinter der Wandse-Quelle (Foto: Felix Willeke)

Fast jeder weiß: Hamburg hat mehr Brücken als Venedig, Amsterdam und London zusammen. An den dazugehörigen kleinen Flüssen gibt es außerdem häufig schöne Radwege. Hier fühlt man sich nicht wie in der Stadt, sondern hat den Eindruck, mitten durch die Natur zu radeln. Ein Beispiel dafür ist die Wandse. Der rund 20 Kilometer lange Fluss entspringt bei Siek in Schleswig-Holstein und schlängelt sich auf seinem Weg bis zur Mündung entlang einiger Highlights. Erster Halt ist das Naturschutzgebiet Höltigbaum, ein ehemaliger Militärübungsplatz, der heute nicht nur eine große Vielfalt an Fauna und Flora beherbergt, sondern auch flauschige Galloway- und Highland-Rinder.

Hamburg begrüßt die Wandse in Rahlstedt mit viel Grün. Hier verschwindet sie zwar kurz auch unterm Einkaufszentrum, taucht aber sogleich wieder auf und spätestens ab dem Liliencronteich kann man an ihr entlang radeln. Durch den Botanischen Sondergarten Wandsbek und den Eichtalpark geht es dann bis zur S-Bahn-Station Friedrichsberg. Hier, im Eilbek Park, wird die Wandse zum Eilbekkanal und fließt durch den Kuhmühlenteich schließlich in die Außenalster. Insgesamt ist die Tour 25 Kilometer lang und die letzten 15 Kilometer ziehen sich wie ein grüner Streifen durch Hamburg. 

Boberger Dünen

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Sand in der Stadt: die Boberger Dünen (Foto: Marco Arellano Gomes)

Schon lange kein Geheimtipp mehr, aber bei vielen noch immer nicht auf dem Radar: die Boberger Dünen. Das Naturschutzgebiet Boberger Niederung im Hamburger Südosten ist weitläufig, sehenswert und an Wochenenden durchaus ein beliebtes Zeil. Mit dem Rad fährt man einfach die Veloroute 8 entlang, biegt Höhe Mümmelmannsberg rechts ab und schon ist man mitten im Grünen. Die Boberger Dünen sind 350 Hektar groß und von vielen kleinen Wegen durchzogen, aber Obacht! Es heißt nicht umsonst Boberger Dünen, denn eine Dünenlandschaft gibt es hier tatsächlich noch – wenn auch längst nicht in dem Ausmaß einstiger Zeiten.

Einige Wege sind deswegen durchaus sandig und schwer zu befahren. Doch auch schieben lohnt sich. Wer den Sand an den Füßen entlang rinnen spürt, bei dem stellt sich schnell eine Prise Strand-Feeling ein. Jetzt einfach das Rad abstellen und rücklings in den Sand fallen lassen, den mitgebrachten Apfelsaft aus dem Rucksack ziehen und die Sonne genießen. Neben Sand, Natur und Dünen gibt es im Naturschutzgebiet auch einen See. Die Badestelle ist am nordöstlichen Ufer. Wer die Badeklamotte vergessen hat, kann den See aber auch umrunden und dabei den Anblick des funkelnden Wassers genießen. Auch darüber hinaus gibt es hier viel zu entdecken – auch ein Blick gen Himmel kann sich lohnen.

Vier- und Marschlande

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Entlang der Vier- und Marschlande fließt die Dove Elbe und lädt bei einer Pause zum Sonnenbaden oder Sprung ins Wasser ein (Foto: Mediaserver Hamburg)

Über 10.000 Hektar groß und zwölf Stadtteile – was andernorts eine ganze Stadt ist, ist in in Hamburg die größte landwirtschaftlich genutzte Fläche. Die Vier- und Marschlande liegen im Südosten der Stadt und sind im Sommer nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern auch die wohl größte Trainingsstrecke für Hamburgs Rennrad-Community. Mit Start in der HafenCity fahren die meisten über die Elbinsel Entenwerder und den Kaltehofe-Hauptdeich bis zur Tatenberger Schleuse, dem Tor zu den Vier- und Marschlanden. Hier trennen sich dann aber auch die Wege von Rennradfahrer:innen und Hobby-Bikern.

Für die Ambitionierten geht es am Deich entlang in Richtung Oortkatensee oder sogar bis zur Grenze nach Schleswig-Holstein kurz vor Geesthacht. Unterdessen fahren die Gemütlichen mit dem Rad nach der Schleuse links in Richtung des Marschbahndamm. Dieser rund 30 Kilometer lange und nahezu komplett autofreie Weg war früher die Hamburger Marschbahn. Eine Kleinbahn, die 1921 eröffnet wurde und während der Nazizeit als Transportverbindung für Waren und Häftlinge des KZ Neuengamme diente – dessen Gedenkstätte immer einen Besuch wert ist. Heute sind die Gleisanlagen längst abgebaut und der Marschbahndamm ist einer der schönsten Radwege der Stadt. 

Die Elbe runter

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Das Falkensteiner Ufer ist perfekt für eine Pause und nur wenige Kilometer weiter in Wedel locken leckere Fischbrötchen (Foto: Felix Willeke)

Doch nicht nur in Richtung gibt es rund um die Elbe viel zu entdecken: Vom Fischmarkt aus Richtung Westen kann man zum Großteil direkt an der Elbe entlang radeln. Wasser, Sonne und Ausblick! Über den Altonaer Balkon und vorbei an der Strandperle geht es bis nach Teufelsbrück. Zwischen Övelgönne und dem Alten Schweden ist jedoch Schieben angesagt, außer man weicht auf die Elbchaussee aus. Nach sechs Kilometern erreicht man dann Teufelsbrück. Hier hat man die Wahl: Entweder noch rund zehn Kilometer weiterfahren über Blankenese, das wunderschöne Falkensteiner Ufer bis Wedel in Schleswig-Holstein. Oder auf die südliche Elbseite übersetzen.

Einfach in Teufelsbrück auf die Fähre, eine Station fahren und direkt hinter Finkenwerder und dem Airbus-Gelände eröffnet sich mit dem Alten Land ein riesiges Gebiet, in dem es sich wunderbar radeln lässt. Besonders schön ist es im Alten Land zur Apfelblüte im Frühling oder zu Ernte im Herbst. Wer im Norden bleibt, legt vom Fischmarkt bis Wedel rund 20 Kilometer zurück. Zur Belohnung gibt es am Willkomm-Höft – der Schiffsbegrüßungsanlage in Wedel – ein Fischbrötchen oder man läutet im Strandbad Wedel die Afterhour ein. Zum Glück ist man mit der S-Bahn ab Wedel auch schnell und ohne Anstrengung wieder in der Stadt.

Loop Wilhelmsburg

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Auf dem Loop in Wilhelmsburg kommt man einmal durch den ganzen Stadtteil (Foto: Bezirk Hamburg-Mitte)

Los geht es an den Landungsbrücken: Ab in den Aufzug des Alten Elbtunnels und einmal unter der Elbe hindurch. Auf der anderen Seite radelt man vorbei an Blohm+Voss, über die Argentinienbrücke und entlang der Klütjenfelder Straße nach Wilhelmsburg. Hier erreicht man nach wenigen Metern den Loop. Die fast zehn Kilometer lange Strecke ist dank guter Beschilderung und ebenem Belag sehr angenehm zu fahren, außerdem erreicht man sowohl die imposanten Industrieanlagen wie auch das Dockville-Gelände bestens.

Nach einer Pause im Wilhelmsburger Inselpark kann man entlang der Velororute 11 entweder noch weiter bis nach Harburg fahren oder sich von der S-Bahn ab Wilhelmsburg bequem zurück auf die andere Seite der Elbe bringen lassen. Wer noch einen Blick über die Stadt werfen will, für den geht es weiter zum Energieberg Georgswerder. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über den Hafen, die Elbphilharmonie bis zum Michel. Zurück nach Hamburg geht es dann über die Veddel und die Elbbrücken.

Die Alster bis nach Schleswig-Holstein

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Links die Alster und rundherum Grün: das Alstertal (Foto: Felix Willeke)

Hamburg kann Wasser, das dürfte mittlerweile allen klar sein. Der berühmteste Fluss neben der Elbe ist die Alster. Sie ist nicht nur die blaue Mitte der Stadt, sondern fließt auch über 20 Kilometer durch Hamburg. Dabei ist fast der gesamte Verlauf von Rad- und Wanderwegen gesäumt. Startet man in der Nähe von Dammtorbahnhof und Kennedybrücke, geht es entlang der Außenalster bis zum südlichen Ende des Alsterlaufs. Diesem folgt man über den Hayns Park, wo die Tarpenbek in die Alster mündet bis nach Ohlsdorf. Vorbei an der Fuhlsbütteler Schleuse beginnt hier der Teil des Alsterlaufs, der auch als Alstertal bezeichnet wird.

Durch eher wohlhabende Teile der Stadt führt der Weg durch pures Grün, vorbei an großen Gärten und riesigen Villen. Hat man die Burg Henneberg links liegen gelassen, geht es vorbei an der Alten Mühle Bergstedt – wunderschön gelegen und perfekt für eine kleine Pause – ins Rodenbeker Quellental. Kurz vor der Stadtgrenze werden die Wege dann auch ein bisschen anspruchsvoller für das Rad. Aber eh man sich versieht, ist man schon in Duvenstedt, direkt an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Und wer nach fast 30 Kilometern noch nicht genug hat, kann hier dem Fluss noch weiter bis zur Quelle in Henstedt-Ulzburg folgen, Wander- oder Radwege gibt es aber außerhalb der Stadt am Fluss nur noch wenige.

Der 2. Grüne Ring

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Der 2. Grüne Ring führt auch durch den Altonaer Volkspark (Foto: Thomas Krenz)

Jetzt wird’s richtig sportlich. Waren die Strecken bisher nicht länger als 30 Kilometer in eine Richtung, verdreifacht der Grüne Ring dies glatt. Über 100 Kilometer zieht sich der 2. Grüne Ring durch und um Hamburg – ein grünes Band und ein Paradies für Wanderlustige und Radler:innen. Von den 100 Kilometern verlaufen 60 nördlich und 40 Kilometer südlich der Elbe. Im Norden beginnt die Route an der Elbe bei Teufelsbrück und verbindet zunächst die großen Park- und Grünanlagen bis zum Altonaer Volkspark und seinem berühmten Dahliengarten. Weiter geht es durch das Niendorfer Gehege, die Kleingärten in Groß Borstel und den Friedhof Ohlsdorf.

Direkt dahinter führt der Weg durch den Osten der Stadt. Nach der ehemaligen Trabrennbahn Farmsen geht es durch den Jenfelder Moorpark und den Öjendorfer Park bis in die Boberger Dünen. Nach einem Abstecher in die Vier- und Marschlande führt der Grüne Ring über die Elbbrücken in den Süden der Stadt. Fährt man nun durch den Wilhelmsburger Inselpark, ist nach einiger Zeit die Süderelbe erreicht. In Harburg angekommen führt der Grüne Ring am Neuländer See vorbei durch den Harburger Stadtpark und das Göhlbachtal an den Rand der Harburger Berge, in denen sich besonders gerne die Mountainbiker:innen austoben. Angekommen in der Süderelbmarsch, die Hafenanlagen in der Ferne im Blick, geht es durch die Obstanbaugebiete in Francop weiter bis nach Finkenwerder. Hier geht es dann mit mit dem Rad auf die Fähre zurück auf die Nordseite der Elbe zum Ausgangspunkt nach Teufelsbrück.

Hilfe, wo bin ich?!

Um sich bei der nächsten Radtour besser orientieren zu können, setzen viele Hobbyradler:innen auf GoogleMaps. Dabei gibt es für die Tour auf zwei Rädern deutlich bessere und zum Teil auch kostenlose alternativen. Zwei Beispiele sind die Apps von Bike Citizens (zum Teil kostenpflichtig)und komoot (ideal auch für Spaziergänger:innen und in der Pro-version kostenpflichtig). Bei Letzterer gibt es viele dieser Routen und mehr zum nachfahren: Einfach bei komoot.de anmelden, unter „Freunde finden“ nach der Stadt Hamburg suchen, folgen und die Strecken selbst entdecken.


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Buchtipps: Stoff für schöne Stunden

Sommerzeit ist Erholungszeit ist Lesezeit. Ob auf dem Balkon, im Freibad oder Café: Diese Bücher lesen SZENE HAMBURG-Autor:innen jetzt am liebsten

Egal ob Strand, Balkonien oder die Wiese im Park, gute Bücher wollen überall gelesen werden. Hier finden sich aktuelle und ältere Werke, die es im Sommer zu Lesen lohnt. Dabei gilt immer: Support your Local Bookstore. Natürlich gibt es alle vorgestellten Bücher online zu kaufen, warum aber nicht einfach beim Lieblingsbuchladen vorbei schauen, bestellen und noch ein bisschen stöbern.

„Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte“ von Kurt Tucholsky

Leichtigkeit einer Sommerliebe – ein Buchtipp von Anna Meinke

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„Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte“ von Kurt Tucholsky (Foto: Rowohlt)

Die 1931 veröffentlichte Erzählung des Berliner Autors ist wahrlich eine Sommergeschichte. Sie handelt von den Erlebnissen eines jungen Berliner Liebespaares während seines Sommerurlaubs in Schweden. Wenn sich Kurt, genannt Peter, und Lydia, die von ihrem Freund liebevoll „die Prinzessin“ gerufen wird, auf den Weg in ihr Sommerdomizil begeben, beginnt eine Reise voller melancholischer Heiterkeit, die den frisch Verliebten eigen ist. In der schwedischen Provinz erleben die zwei nicht viel – und dennoch macht die von Tucholsky liebevoll beschriebene Sommerfrische des Paares den Urlaub zu einem intimen Ereignis. Mit besonderem sprachlichem Feingefühl verwebt der Autor in den merkwürdig anmutenden Dialogen Berliner Dialekt mit plattdeutschen Wortspielen. Herauskommt ein unkonventionelles, oft lustiges Gerede. Gerade in der Figur und Ausdrucksweise der „Prinzessin“ zeigt sich die sommerlich-tänzelnde Leichtigkeit, die der Erzählung ihren Charme verleiht.

„Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte“ von Kurt Tucholsky, Rowohlt, 160 Seiten, Taschenbuch 8 Euro

„After the Fall“ von Ben Rhodes

Gedanken zur aktuellen politischen Weltlage – ein Buchtipp von Marco Arellano Gomes

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„After the Fall“ von Ben Rhodes (Foto: Random House)

Dieser Literaturtipp für den Sommer ist keine leichte Kost, aber eine lohnenswerte. Wer nach dem Urlaub mit gewichtigen politischen Argumenten an den Schreibtisch zurückkehren möchte, kommt an diesem Werk kaum vorbei. „After the Fall“ heißt es und stammt von Ben Rhodes, dem einstigen Redenschreiber von US-Präsident Barack Obama. Dieser stellt darin die Frage, wie der Westen in die heutige, missliche Lage geraten konnte. Es fehlte nicht viel und es säße Marine Le Pen statt Emmanuel Macron an der Spitze des französischen Staates; es fehlte nicht viel und ein tölpelhafter Narzisst namens Donald Trump hätte die amerikanische Demokratie mittels eines Putsches aus den Angeln gehoben; und es fehlte nichts, damit der russische Präsident Wladimir Putin einen Angriffskrieg gegen die Ukraine vom Zaun brach.

Wer hat Schuld an diesen Entwicklungen? Wieso gelang es nicht, die Pax Americana – jene für den Westen verheißungsvolle Weltordnung mit Freihandel, Demokratie und Rechtsstaat – als Exportschlager nach 1989 aufrechtzuerhalten? Wie konnte diese Entwicklung in ihr Gegenteil umschlagen? Und welche Rolle spielen hierfür China, Indien, die Türkei, Saudi-Arabien und die Golf-Staaten? Dies sind die Fragen, die sich Ben Rhodes stellt. Besonders lobenswert ist, dass hierbei nicht nur auf die vermeintlich bösen anderen geschaut wird, sondern eben auch auf die eigenen Versäumnisse, Untätigkeiten und Fehlentscheidungen.

„After the Fall“ von Ben Rhodes, Random House, 358 Seiten, 14 Euro. Hinweis: Das Buch ist bisher nur in englischer Sprache erschienen

„Tigermilch“ von Stefanie de Velasco

Teenies auf der Überholspur – ein Buchtipp von Erik Brandt-Höge

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„Tigermilch“ von Stefanie de Velasco (Foto: Kiepenheuer&Witsch)

Als 2010 Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ erschien, war ich überzeugt: So was Schnelles, Fesselndes, sprachlich Fantastisches würde sich so bald nicht wieder lesen. Ich lag völlig falsch. Denn 2013 veröffentlichte die Wahl-Berlinerin Stefanie de Velasco ihren Debütroman „Tigermilch“ – und der hat mindestens genauso sehr in sich. Auch bei de Velasco sind es zwei Teenager, die einen wilden Sommer erleben, allerdings zwei Mädchen, die noch mehr Flausen im Kopf haben als die „Tschick“-Jungs.

Nini (Ich-Erzählerin) und Jameelah sind engste Freundinnen und machen sich Berlin zum Abenteuerspielplatz. Sie haben ihren eigenen Drink (aus Milch, Maracujasaft und Mariacron mixen sie „Tigermilch“) und ihre eigene Sprache (aus „mit Filter drehen“ machen sie „mit Folter drohen“). Allerdings haben sie auch ganz eigene Probleme. Ninis Mutter ist depressiv, ihr Vater meldet sich nicht bei ihr. Und Jameelah droht die Abschiebung in den Irak. Als die beiden dann auch noch Zeuginnen eines Mordes werden, wird ihr Leben vollends auf den Kopf gestellt. De Velasco bietet mit „Tigermilch“ vom ersten bis zum letzten Wort einen Coming-of-Age-Roman, der mich alles andere vergessen ließ: Es zählten nur noch Nini und Jameelah. Großartige Unterhaltung, berührend und beängstigend nah an so vielen Großstadtjugenden unserer Zeit.

„Tigermilch“ von Stefanie de Velasco, Kiepenheuer & Witsch, 288 Seiten, 10 Euro.

„Kafka am Strand“ von Haruki Murakami

Absurd, surreal und einfach schön – ein Buchtipp von Alice von der Laden

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„Kafka am Strand“ von Haruki Murakami (Foto: Dumont)

Ja, zugegeben „Kafka am Strand“ ist schon 2004 erscheinen. Aber Haruki Murakami ist einer der bekanntesten Autoren und stand schon oft in der Diskussion um den Literaturnobelpreis. Grund genug, eines seiner älteren Werke zu empfehlen, warum? Weil es großartig ist. „Kafka am Strand“ ist dabei drei Erzählsprünge in einem Buch: Ein bisschen Entwicklungsroman, ein bisschen fantastisch und ein Hauch von griechischer Tragödie. Im Laufe der Erzählung finden die Stränge zusammen. Die eine Hauptfigur ist Kafka Tamura. Ein Junge, der mit 15 Jahren von Zuhause wegläuft und in eine einsame Bibliothek flüchtet. Als zweite Hauptfigur etablier Murakami Nakama, einen 60-jährigen Mann, der weder Lesen noch Schreiben, aber mit Katzen reden kann.

Das Buch ist und bleibt dabei ein vielleicht typischer Murakami. Es verliert sich oft in Phantasmen – zum Beispiel wenn es auf einmal Makrelen und Blutegel regnet –, die sich einem nicht sofort erschließen. Aber das ist auch die Stärke des Buches: Es ist ideal, um im Sommer in eine Fantasiewelt abzugleiten und sich zusammen mit Kafka Tamura und Nakama auf die Reise zu machen. Die taz schrieb einst über das Buch, es gehöre zu denen, die man möglichst langsam lesen solle, „vor lauter Angst, dass sie zu schnell zu Ende gehen und dann lange keins wie dieses mehr kommt“.

„Kafka am Strand“ von Haruki Murakami, Dumont, 640 Seiten, 28 Euro.

„Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ von Petra Hülsmann

Immer was los – ein Buchtipp von Josefine Touihri

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„Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ von Petra Hülsmann (Foto: Lübbe)

Der Roman „Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ handelt von der 27-jährigen Lehrerin Annika Paulsen, die an eine absolute Albtraumschule abgeordnet wird. Dort machen die Schüler alles lieber als Unterricht. Erst nach und nach findet sich Annika mit der neuen Herausforderung ab. Doch da ist noch was. Privat steht eine Entscheidung an zwischen Tristan, ihrer ersten großen Liebe, die Annika schon einmal das Herz gebrochen hat, und Sebastian, dem süßen Handwerker von nebenan, der in Annikas WG regelmäßig zu Gast ist. Autorin Petra Hülsmann beschreibt eindrucksvoll, dass das Leben nicht immer vorgeschrieben laufen muss. Auch wenn es kleine ungeahnte Abzweigungen nimmt, müssen diese nicht zwingend schlecht sein. Annikas Weg jedenfalls ist deshalb so spannend, weil nicht alles nach Plan läuft. Ein wirklich kurzweiliges Lesevergnügen und ein echter Sommer-Buchtipp.

„Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ von Petra Hülsmann, Lübbe, 575 Seiten, 11 Euro

„Born a Crime“ von Trevor Noah

Vom Aufwachsen in Zeiten der Apartheid – ein Buchtipp von Felix Willeke

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„Born a Crime“ (zu deutsch „Farbenblind“) von Trevor Noah (Foto: Blessing)

Trevor Noah ist in Südafrika geboren, im Township aufgewachsen und mittlerweile ein weltweiter Comedy-Superstar. Seit 2015 moderiert er die US-Late-Night-Show „The Daily Show“ und könnte mit Leichtigkeit eine Story nach dem Motto „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ erzählen, doch das tut er nicht. Sein Aufstieg und die Karriere in den USA wird in „Born a Crime“ mit keiner Silbe erwähnt.

Das Buch beginnt mit dem „Immoraliy Act“ (das Unsittlichkeitsgesetz) aus dem Jahr 1927. Er verbot in Südafrika den „außerehelichen Geschlechtsverkehr“ zwischen „einem europäischen Mann“ und einer „eingeborenen Frau“. Als Noah 1984 in Johannesburg geboren wird, ist das Gesetz noch in Kraft, es herrscht Apartheid. Als Sohn einer Xhosa und eines Schweizers ist er das Ergebnis eines Verbrechens – Born a Crime eben. Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend in den Townships, von Armut, Hunger und vor allem von der unbändigen Liebe und Stärke seiner Mutter. „Born a Crime“ rührt zu Tränen vor Lachen, vor Trauer und vor Schock.

Es ist keine typische Comedy-Lektüre, wenn Noah von der Frage nach Zugehörigkeit schreibt: Als „mixed“ gehörte er nie zu 100 Prozent zur Black-Community, war kein Asiate und auch kein Weißer. Daher auch der deutsche Titel des Buches „Farbenblind“. Doch bei aller Ernsthaftigkeit, bleiben die komischen Momente nicht aus. Wenn er sich zum Beispiel über gefälschte Sneakers beschwert, bei denen am Adidas-Logo ein Streifen zu viel ist und seine Mutter antwortet: „Lucky you, you got one extra.“ Es ist genau dieser Humor, der „Born a Crime“ so klug, traurig und lustig macht.

„Born a Crime“ (zu deutsch „Farbenblind“) von Trevor Noah, Blessing, 336 Seiten, 20 Euro. Hinweis vom Tippgeber: „Born a Crime“ sollte man unbedingt auf Englisch lesen.

„Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ von Rocko Schamoni

Über das Leben als Wartender und Suchender – ein Buchtipp von Anarhea Stoffel

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„Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ von Rocko Schamoni (Foto: Dumont)

Für Sonntag gibt es keinen Platz mehr. Weder in seinem mittlerweile stillgelegten Kunststudium, noch im Wartezimmer seines Psychologen. Jeglicher Aufwand ist ihm bereits zu viel, wofür denn auch? Es gibt ja nicht so viel, wofür es sich zu träumen lohnt. Umso einfacher ist es da, sich treiben zu lassen auf den Straßen St. Paulis, zwischen all den Menschen, die genauso überflüssig sind wie er. Wie schnell man sich da verlieren kann, rasch vergeht mal ein ganzer Tag. Erst abends verlässt Sonntag dann wieder das Haus, schlendert rüber zur nächsten Kneipe, um dort dann die Nacht zu verbringen. Und morgen alles wieder von vorn. Wenn Sonntag die Straßen Hamburgs entlangläuft, beschreibt Schamoni auf tragisch komische Weise genau das Lebensgefühl, das Hamburg mit sich bringt. In keinem anderen Buch kann man sich so sehr zu Hause fühlen wie in diesem. 

„Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ von Rocko Schamoni, Dumont, 256 Seiten, 10 Euro

„Normale Menschen“ von Sally Rooney

Einfach mal träumen – ein Buchtipp von Katharina Stertzenbach

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„Normale Menschen“ von Sally Rooney (Foto: Penguin Random House)

Wer von der britischen Sunday Times als junge Autorin des Jahres ausgezeichnet wird, der muss es drauf haben. Bei Sally Rooney ist das der Fall. Die mittlerweile 31-jährige Irin bekam den Preis 2017 verliehen, genau ein Jahr bevor ihr zweiter Roman „Normale Menschen“ erschien. Das Buch beschreibt die Liebe zwischen Cornell und Marianne. Ein ungleiches Paar aus einer irischen Kleinstadt. Cornell ist der Sport-Star und Marianne die Merkwürdige. Eine Liebe die beide bis in Ihre College-Zeit verbindet und so einige Höhen und Tiefen durchleben lässt.

„Normale Menschen“ ist die perfekte Lektüre für den Sommer. Denn Rooney verliert sich in ihrer Erzählung nicht in tiefen verkopften psychischen Analysen, sondern lässt die Dinge einfach geschehen. Die Figuren werden dabei auch nicht fertig visualisiert, sodass viel Raum für die eigene Fantasie bleibt. Die Stärke des Buches ist es, die Dinge unvorhersehbar und die vielleicht etwas klischeehaft wirkende Liebesgeschichte einfach passieren zu lassen. Genau diese Unverbindlichkeit macht das Buch so stark und lädt zum Träumen ein.

„Normale Menschen“ von Sally Rooney, Penguin Random House, 320 Seiten, 11 Euro

„Just Kids“ von Patti Smith

Von einer Seelenverwandtschaft und dem unbedingten Willen zur Kunst – ein Buchtipp von Karoline Gebhardt

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„Just Kids“ von Patti Smith (Foto: Kiepenheuer&Witsch)

Sie wird oft als „Godmother of Punk“ bezeichnet, doch ist Patti Smith viel mehr. Wenn man Wikipedia fragt, wird sie als Singer-Songwriterin, Lyrikerin, Künstlerin, Autorin und Fotografin beschrieben. Doch das, was sie zu der macht, was sie ist, ist ihre Geschichte. Sie wuchs in einem sehr religiösen Umfeld in einem Township im US-Bundesstaat New Jersey auf und zog mit Anfang 20 Jahren nach New York und genau hier beginnt die Erzählung von „Just Kids“. In dem im Jahr 2010 erschienenen Buch beschreibt Smith ihre ersten Jahre in New York und ihre Beziehung zu dem später weltberühmt Fotografen Robert Mapplethorpe. Beide sind gleichauf, als sie in den 1960er-Jahren in New York aufeinandertreffen. Sie führen eine Liebesbeziehung, aus der später eine tiefe Freundschaft wird. Zuerst leben beide in Brooklyn und ziehen später ins Chelsea Hotel. Hier lernen sie Größen wie Janis Joplin kennen.

„Just Kids“ ist ein Buch, das von einer Zeit erzählt, die die Musik von heute geprägt hat, wie kaum eine andere. Und nur wenige vermögen es, so davon zu erzählen wie Patti Smith. Doch dabei ist dieser Buchtipp keine Rockmusikerinnen-Biographie. Gespickt von Bildern, Gedichten und Geschichten erzählt es von der tiefen Verbundenheit zweier Menschen, dem unbedingten Willen zur Kunst. Das Buch endet mit dem Tod Mapplethorpes im Jahr 1989. Nur zwei Jahre zuvor protokolliert Smith ein Gespräch zwischen den beiden: „‚Wir hatten nie Kinder‘, sagte er wehmütig. ‚Unsere Arbeit waren unsere Kinder.‘“

„Just Kids“ von Patti Smith, Kiepenheuer & Witsch, 352 Seiten, 20 Euro

„To Shake the Sleeping Self“ von Jedidiah Jenkins

Eine Reise von Oregon nach Patagonien – ein Buchtipp von Noemi Smethurst

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„To Shake the Sleeping Self“ von Jedidiah Jenkins (Foto: Random House)

Es ist Sommer, DIE Zeit für Fernweh. Man bekommt Lust auf Reisen, neue Menschen und neue Erfahrungen. Wie wäre es also, wenn man einfach mal Jedidiah Jenkins kennenlernt? Der US-Amerikaner hat das gemacht, was in der aktuellen Vanlife-Selbstfindungs-Freiheits-Blase so viele propagieren: Er hat es einfach gemacht. Kurz vor seinem 30. Geburtstag kündigt Jenkins seinen Traumjob, schnappt sich sein Fahrrad und fährt los. Vom US-Bundesstaat Oregon bis nach Patagonien. Ein Trip über mehr als 10.000 Kilometer und fast zwei Jahre.

In seinem Buch lässt er kein Thema aus. Er schreibt über Menschen, Grenzen und Glauben. Beim Lesen kommen einem selbst Fragen in den Kopf, die man mit sich ausmachen muss. Jenkins ist ein Wanderer, dem wir bei seiner Reise zum eigenen Ich zuschauen dürfen. Dabei kommt neben den tiefen Fragen auch die Sehnsucht nach Neuem auf und sicherlich erwischt sich der oder die ein oder andere Leser:in dabei, das Buch kurz wegzulegen und nach Flügen in Richtung der Orte zu suchen, die Jenkins beschreibt.

„To Shake the Sleeping Self“ von Jedidiah Jenkins, Random House, 336 Seiten, ab 13 Euro. Hinweis: Das Buch ist bisher nur in englischer Sprache erschienen


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Verlosung: Dauerkarten für das LOTTO Hamburg SchanzenKino

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Das kultige Freiluftkino im Sternschanzenpark startet am 30. Juli wieder in die Open-Air-Kinosaison! Wir verlosen 1×2 Dauerkarten für das komplette Programm 2022!

Über fünf Wochen gibt es auf der 128 m² großen Leinwand täglich neue Kinofilme zu entdecken. An der frischen Luft kann man es sich auf selbstmitgebrachten Decken oder in einem der gemütlichen Beach Chairs gemütlich machen. Für alle hungrigen Besucher bereitet der kinoeigene Smiley’s Service leckere Pizzen direkt vor Ort zu.

Neben Filmen wie Monsieur Claude und sein großes Fest oder James Bond – Keine Zeit zu sterben, wird es auch einige Filmpremieren mit Gästen vor Ort geben. Außerdem hält das Programm Highlights wie die Moving Adventures Filmtour bereit. Alle Kinder kommen beim täglich stattfindenden KIDS-KINO umsonst ins Kino.

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Wie ihr mitmachen könnt? Na so:

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Urban Art: What the fucktus??

Der Urban Artist Mats Matthée liebt Wortspiele und schafft kleine Kunstwerke, die mit eben diesen spielen

Text: Marco Arellano Gomes

„Alles weird gut“ ist das insgeheime Motte des Künstlers Mats Matthée (Foto: Mats Matthée)

Lockiges Haar, gute Laune und viele Ideen: Mats Matthée ist ein Straßenkünstler, oder, wie er sich selbst bezeichnet, ein „Urban Artist“. Vor knapp einem Jahr machte er sich selbstständig, um der Welt mit charmanten Wortspielen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Das erfordert Mut – angesichts der seit zweieinhalb Jahren andauernden Pandemie und den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen. „Alles weird gut“ heißt es folglich auf seiner Website. Das Stadtmagazin „Elbblick“ schrieb über ihn: „Seine Bilder sind gemalte Wortspiele. Witzig, einprägsam und künstlerisch auf hohem Niveau.“ Und in der Tat sorgen seine Werke stets für ein kurzes Schmunzeln. Mats liebt Wortspiele.

„Seine Bilder sind gemalte Wortspiele. Witzig, einprägsam und künstlerisch auf hohem Niveau.“

Elbblick Magazin

Stößt er auf ein kurioses Wort mit doppelter Bedeutung, macht er sich so gleich daran, dieses künstlerisch auszudrücken. Beispiele gefällig? Ein stark an eine Hand samt ausgefahrenem Mittelfinger erinnernder Kaktus trägt den Titel „Fucktus“. Sein Werk „Zahnpasta“ besteht aus einer Zahnbürste, auf deren Borsten eine einzelne Pasta (Fusilli) liegt. Preis: 124 Euro. Das „Centwich“ wiederum (Preis: 920 Euro), gemalt mit Acryl auf Leinwand, besteht aus mehreren, aufeinandergestapelten Cent-Stücken. Die Bilderrahmen baut Mats selbst.

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Urban Artist Mats Matthée bezog im Frühjahr ein Atelier in der „Qvartr Gallery“ in Altona (Foto: Mats Matthée)

Gemeinsam mit elf weiteren Künstlern und Künstlerinnen hat Mats Matthée im Februar ein Atelier in der „Qvartr Gallery“ in Altona bezogen. Besonders gefreut habe er sich über den Verkauf seines Werks „Rocktopus“ in einer Ausstellung im Mai. Der darauf rockende Oktopus zieht nun nach München zu seinem neuen Besitzer. Gegenwärtig arbeitet Mats an seiner ersten Solo-Show, die im September an den Start gehen soll. Bis dahin gibt er fleißig Workshops, in denen er Interessierten seine Vorgehensweise, von der Idee bis zum Aufspannen der Leinwand zeigt.

Mehr Kunstwerke von Mats Matthée gibt’s auf moinmats.de


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Hamburgs Kultur – einfach magisch

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Ein neuer Film stellt die Vielfalt der Kulturstadt Hamburg vor

Unter dem Titel „Unsere Kultur – einfach magisch“ präsentiert die Hansestadt in einem magischen Video die Vielfalt der Kulturstadt Hamburg. Ausgehend vom Theatererlebnis „Harry Potter und das verwunschene Kind“ und dem berühmten Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich aus der Hamburger Kunsthalle, gibt es im Film die Kulturhighlights der Stadt zu sehen: Von Theater über Kunst bis zur Elbphilharmonie und der musikalischen Clubkultur auf St. Pauli. 

Dabei reisen drei Jungdarsteller:innen des frisch in Hamburg angelaufenen Theatererlebnisses „Harry Potter und das verwunschene Kind“ auf magische Art und Weise zu den Orten kultureller Vielfalt in der Stadt. Auf ihrer Rundreise dient das berühmte, in der Kunsthalle Hamburg ausgestellte, Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich als zauberhafter Treiber der Reise. Mit einem „Fingerschnippsen“ werden die Protagonisten in einem rasenden Tempo durch Hamburgs Kulturwelt teleportiert.

Neugierig? Hier gibt es den Einblick in Hamburgs magische Kulturwelt:

Hamburg European Open: Aufschlag am Rothenbaum

Vom 16. bis 24. Juli 2022 ist wieder Zeit für Tennis. Bei den Hamburg European Open trifft sich das Who is Who des Weltklasse-Tennis am Hamburger Rothenbaum

Text: Felix Willeke

Das Tennisstadion am Hamburger Rothenbaum ist das zweitgrößte Tennisstadion in Deutschland. Vom 16. bis 24. Juli 2022 fliegt die gelbe Filzkugel wieder über den Center Court und bis zu 10.000 Zuschauer:innen sehen Weltklasse-Tennis bei den Hamburg European Open. Seit über 40 Jahren spielen dabei erstmals wieder Männer und Frauen gleichzeitig in Hamburg.

Players to watch

Bei den Herren ist das Turnier in die dritthöchste Kategorie eingeordnet und bei den Frauen in die vierthöchste Kategorie. Dementsprechend viele Top-Spieler:innen sind am Rothenbaum mit dabei. Ging vor Kurzem mit Wimbledon erst der dritte Grand Slam des Jahres auf Rasen zu Ende, geht es beim Turnier in Hamburg traditionell auf Sand zur Sache.

Damen

Bei den Damen freut sich Turnierdirektorin Sandra Reichel über die Zusage von Danielle Collins. Die aktuelle Nummer acht der Welt stand noch im Januar im Finale der Australian Open und geht voraussichtlich als top-gesetzte Spielerin in Hamburg an den Start. Außerdem ist neben Vorjahressiegerin Elena-Gabriela Ruse, mit Barbora Krejčíková die French-Open-Siegerin von 2021 am Start. Aus deutscher Sicht sind neben Andrea Petkovic und Jule Niemeier, die in Wimbeldon überraschend das Viertelfinale erreichte, auch Nastasja Schunk und die Hamburgerin Eva Lys mit dabei, die beide eine Wildcard für das Hauptfeld bekommen haben. Letztere gilt dabei als eines der größten Tennis-Talente in Deutschland. Außerdem erhält unter anderem die Hamburgerin Ella Seidel eine Wildcard für die Qualifikation, wenn sie diese übersteht, wäre das die erste Hauptfeld-Teilnahme in einem so hoch dotierten Profi-Turnier für die 17-Jährige.

Herren

Bei den Männern fehlt der verletzte Deutsche Superstar Alexander Zverev – der hofft, vom 14. bis 18. September in der Hansestadt mit dem deutschen Davis Cup Team gegen Frankreich spielen zu können. Bei den Hamburg European Open sind hingegen neben dem Vorjahressieger Pablo Carreno Busta mit der Nummer sieben der Welt, Carlos Alcaraz und Andrey Rublev, der Nummer acht der Welt, zwei Top-Ten Spieler am Start. Aus deutscher Sicht ist der Kölner Oscar Otte direkt für das Hauptfeld qualifiziert. Rudi Molleker und Nicola Kuhn freuen sich über die zwei Wildcards für das Turnier. Spannend wird es bei den Herren außerdem in der Doppelkonkurrenz. Hier trifft das deutsche Weltklasse-Doppel Krawietz/Mies unter anderem auf Mektic/Pavic, die gerade noch in Wimbeldon im Finale standen und auf die Vorjahressieger Pütz/Venus.

Spitzentennis am Rothenbaum

Das Turnier beginnt am 16. Juli um 10 Uhr mit der Qualifikation bei den Damen und Herren. Ab dem 17. Juli geht es dann ab 11 Uhr mit dem Turnier der Damen weiter, bevor am 18. Juli ebenfalls ab 11 Uhr auch das Turnier für das Hauptfeld der Herren beginnt. Die Finals der Damen im Einzel wie im Doppel gibt es dann am 23. Juli ab 10.30 Uhr und bei den Herren geht es am 24. Juli ab 12.30 Uhr um den Sieg bei den Hamburg European Open. Tickets gibt es von 20 bis 145 Euro.

Eine ungewisse Zukunft

Wie es mit dem Turnier am Rothenbaum weitergehen wird, ist allerdings unklar. Wie der NDR berichtet, sollen erste Gespräche nach dem diesjährigen Turnier geführt werden. Die Hauptprobleme sind dabei unterschiedliche Interessen von Seiten der Ausrichter und von Seiten des Deutschen Tennis Bundes. Außerdem wird in Hamburg traditionell auf Sand gespielt. Die meisten Spieler:innen sind jedoch nach dem Grand Salm in Wimbledon noch auf Rasen oder schon wieder auf Hartplatz unterwegs, damit passt ein Sandplatztunier im Juli einigen Spitzenspieler:innen oft auch nicht in den Plan. Trotz aller Widrigkeiten äußerte der DTB-Präsident schon im Mai gegenüber dem Abendblatt die Absicht, das Turnier in Hamburg erhalten zu wollen. Bisher scheint nur eines klar: Für das Traditionsturnier am Rothenbaum stehen Veränderungen an.


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