Bedrohte Räume #33 – Die Generation Y

Maybe Revolution oder eine Generation ohne Raum.

Gestern komme ich inspiriert von einer Tagung zurück, die einen schwer bedrohten Raum diskutierte, der mir vorher als solcher gar nicht bewusst war: der Raum der Generation Y. Ich wusste nicht, dass die armen Gürkchen nicht ausreichend Platz zur Selbstverwirklichung haben. Sie suchen Glück, Freiheit und Sicherheit und sie fühlen sich von uns ausgebremst. Sie wollen nach oben, doch wir lassen sie nicht ran. Wussten Sie das? Ich war scheint’s mit meiner Birne im Nebelwald der Multioptionsgesellschaft verloren gegangen! Hatte ja keine Ahnung!

Ich fordere sofort, dass die Gen Y endlich loslegt, denn wir Ollen werden weder Global Warming, digitale Transformation noch Wettrüsten ohne sie beenden. Mehr Scheiße als wir angerichtet haben, schaffen die Generationen Y und Z nicht mal im Tandem. Sie sagen, die Ypsilons sind die relaxtere Generation X und fordern den Generationswechsel now! Gen Y ist die weniger leistungsorientierte und mehr Work-Life-Balance draufhabende Generation, vor allem im Vergleich zur stressigen Generation Babyboomer. Die Neuen haben mehr Spaß, arbeiten wertvoll, founden Familys und chillen auch noch dabei. Und sie sind revolutionärer als die 68er, denn sie machen nicht so einen Radau. Sie hören keinen Hendrix und nehmen auch keine Drogen, es sei denn vielleicht mal ein Portiönchen MDMA auf ’ner Party. Die Generation Y vollzieht ihre Revolution eben leise, partizipativ, global, hat viel Spaß und kuschelt gern, anstatt die Zähne zu zeigen. Da legt sie sich nicht fest, die Maybe-Generation, denn sie muss flexibel und mobil bleiben.

„Ich bin begeistert! Leute, go, go, go!“ schmettere ich zum Schluss vom harten Tagungsstuhl Richtung Mindmap, „legt los!“ „Würden wir ja gerne“, antworten sie, „aber die Generation Schulterzucken kriegt ja keinen Space! Die Babyboomer sind nervige Berufsjugendliche, die ihre Führungspositionen nicht aufgeben. Sie sind es, die nur durch Leistung an die Werkbank kamen und so krass ihre Hacke in den Teer gerammt haben, dass sie auch mit dem Stemmeisen nicht vor die Tür zu bugsieren sind.“ „Und die 68er?“ „Noch schlimmer! Die sitzen in Politik, Konzernen und Institutionen ganz oben und trauen keinem unter 40! Die wissen nun wirklich alles besser, finden sich saucool, ziehen auf dem Stones-Konzert immer noch die Lederkutte drüber und schieben ihre Protestschilder durch jeden Türschlitz.“ Du liebe Güte, das klingt furchtbar! Generationswechsel Tschaui! Generation Y – im Netz ganz groß und doch außen vor?

Die Alten sind toxisch, Leute, um mal die Generalmetapher der Gegenwart zu zücken! Das war immer so. Neu ist aber, dass wir der Generation Y Raum GEBEN müssen, denn die grabscht sich den nicht so einfach wie wir früher. Sie ist höflich. Die Maybes brauchen Pop-up-Stores zum Ausprobieren, partizipative Festivals, flache Hierarchien und dezentrale Planungen – und am besten alles auf Englisch! Sie wollen involviert sein, agieren selbstverwirklichend, wollen materiellen Verzicht, globales Handeln, Leben im Hier und Jetzt, Crewlove und das auf Versuchsfeldern, die sie ganz eigenständig beackern. Ich liebe das und bin sofort Fan!

Doch wie, fragte ich mich im Tagungsdunkel, wie kriegt die Generation Konjunktiv II fluide, virtuelle und temporäre Räume, wenn sie doch so ungern öffentlich Haltung zeigt? Nicht, dass sich jemand defriendet! Und woher kommt der Space, wenn die Bereitschaft dafür, dicke Bretter zu bohren, so tief im Kurs liegt? Liegt das Geheimnis wirklich im Verzicht? Na, darüber können wir dann ja in den neuen mixed Teams sprechen. Ich sage, die Gen Y hat ein Recht auf jeden Raum und fordere deshalb fluide Teams, Dabeisein-to-go, shared leaderships, Home-Office, dritte Orte und 24/7 Digitalität, denn nur so können wir die Revolution anzetteln.

Das Team von RockCity hat OPERATION TON 2019 übrigens genau deshalb mit agilen Strukturen und flachen Hierarchien zum ersten kollektiv gebuchten Festival umgebaut. Es hat eine META-Plattform geschaffen, die Mitmachen, Produzieren, Interaktion und Sinn bietet, und das fast 24/7. Ihr müsst nur noch die Tickets kaufen – social ticket or pay what you can? Ich find’s geil!

Eure Raumsonde

Andrea


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahren Sie unter www.andrearothaug.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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FOODSzene – ZEIK mir deine Welt

Generationenwechsel – Was braucht es, um junge Menschen für den Beruf des Kochs zu begeistern? Zeik-Chef Maurizio Oster ist sich sicher: Perspektiven und Raum für persönliche Entfaltung.

Protokoll und Fotos: Jasmin Shamsi

Maurizio Oster, Inhaber und Küchenchef im Zeik, hat schon in den bekanntesten Hamburger Restaurants gekocht: im Vlet an der Alster und in der Speicherstadt, in der Meatery, im Ono, im Jahreszeiten Grill und im Haerlin. Der Wunsch nach einem eigenen Restaurant war von Anfang an groß, der Weg dorthin allerdings kein einfacher. 2018 ist er in die Fußstapfen von Spitzenkoch Axel Henkel getreten und hat dem Zeik einen kompletten Neuanstrich verpasst. An seiner Seite kocht Robin Bender, der zuletzt im Se7en Oceans tätig war. Der 30-jährige Küchenchef erzählt über seine Lehrzeit und den Wunsch, diese in Zukunft fortschrittlicher zu gestalten.


„Die Ausbildung zum Koch ist meiner Meinung nach häufig nicht mehr zeitgemäß.“

Robin Bender und Maurizio Oster kochen im ZEIK Restaurant in Hamburg Gut Ding will auch im Zeik Restaurant in Hamburg © Jasmin Shamsi

Robin Bender und Maurizio Oster © Jasmin Shamsi

 

Die Ausbildung zum Koch ist meiner Meinung nach häufig nicht mehr zeitgemäß. Ich war ein paar Mal als Gast bei Prüfungen dabei. Wenn da ein Lehrling vom Prüfer eine Standpauke kriegt, weil er die Fleischsauce nicht mit Mehl abgestäubt hat, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Gerade mit Blick auf Unverträglichkeiten und Intoleranzen muss man umdenken und Alternativen anbieten können – obwohl eine klassische Mehlschwitze schon was Feines ist. Als Inhaber eines eigenen Restaurants spreche ich da aus Erfahrung, ich muss tagtäglich möglichst flexibel auf die unterschiedlichsten Wünsche eingehen. Diese Erfahrungswerte sollten auch Gegenstand der Ausbildung sein, nur so bleibt man auf der Höhe der Zeit.

Ich habe in einem relativ einfachen Hotel in Neumünster gelernt und musste mir viel selbst beibringen. Gleich im ersten Lehrjahr habe ich mir ein Buch von Sternekoch Christian Jürgens gekauft. Dieses Buch hat mir Welten eröffnet! In der Realität habe ich allerdings nur Rumpsteaks mit Bratkartoffeln rausgeschickt. Da wusste ich, dass ich mehr will. Abends nach getaner Arbeit habe ich Rezepte aus dem Buch nachgekocht und mich ausprobiert. Ich war froh, als ich nach zweieinhalb Jahren mit der Ausbildung fertig war.

 

„Erst wenn du ein Produkt verstanden hast, kannst du es richtig zubereiten.“

 

Meine Beobachtung ist, dass Berufsschülern oft das nötige Wissen über die einzelnen Produkte fehlt. Ein Beispiel: Für die meisten ist eine Kartoffel eine Kartoffel, dabei gibt es etliche Kartoffelsorten! Erst wenn du ein Produkt verstanden hast, kannst du es richtig zubereiten. Als ich noch im Vlet in der Speicherstadt tätig war, hatte ich einen sehr lehrreichen Moment mit Thomas Sampl, dem damaligen Küchenchef. Er bat ein paar Berufsschüler, sich fünf verschiedenen Kartoffelsorten genauer zu widmen. Sie sollten aus jeder Sorte einmal Püree, Rösti, eine Suppe etc. zubereiten, um deren spezielle Eigenschaften in Augenschein zu nehmen. Den meisten war bis dahin nur die Jumbo-Kartoffel geläufig. Die muss wenig geschält werden und sie lässt sich gut zu Pommes oder Püree verarbeiten. Heute geht vieles über die Optik. Aber Kochen ist nicht nur Optik und auch nicht nur Geschmack. Dieser spezielle Duft, wenn man eine Sauce ansetzt, das Geräusch, wenn man etwas anbrät, die Wärme, die beim Kochen entsteht – da werden alle Sinne beansprucht.

 

„Manchmal gehört auch Verzicht dazu“

 

Wer in der Ausbildung wertgeschätzt und gefördert werden möchte, muss die entsprechende Leistung bringen. Manchmal gehört auch Verzicht dazu. Ich habe zum Beispiel bei einer Beförderung auf einen Teil meines Gehalts verzichtet und meinen Arbeitgeber stattdessen darum gebeten, die Kosten für meinen Ausbilderschein zu übernehmen. So konnte ich mich weiterqualifizieren und habe in meine Zukunft investiert. Ich warte auf den richtigen Moment, um bei uns ausbilden zu können. Das ist mir wichtig, auch aufgrund des akuten Fachmangels. Da gerade überall Not am Mann ist, werden Leute in Positionen eingesetzt, für die sie noch gar nicht bereit sind. Darunter leidet die Qualität der Betriebe – vor allem im Service. Es hat eben doch einen Grund, warum es Rangfolgen gibt. Erfahrung kommt durch Zeit.

www.zeik.de


Who the fuck is…

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.


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EQ:booking: Gleichheit Feiern mit Queeren Acts

Stay Queer: Donna Stark (35) und Hark Empen (29) wollen Hamburgs Musikszene bunter machen. Deshalb starten sie nun mit ihrer Agentur EQ:booking voll durch.

Interview: Mirko Schneider
Foto: Carsten Rabe

SZENE HAMBURG: Donna und Hark, fehlt es in der Hamburger Musikszene an Gleichberechtigung und Emotionaler Intelligenz?

Hark: Wir kennen einige Leute, die Bookings für unterschiedliche Partys und Veranstaltungen machen und eigentlich eine coole Einstellung haben. Leider hörten wir von ihnen oft Ausreden. Sie sagen, es gäbe ja gar nicht so viele weiblich gelesene Personen, die coole Musik machen. Wir wollen eine Sichtbarkeit für diese Artists schaffen.

Donna: Die Hamburger Szene ist insgesamt offen. Trotzdem fehlt es aus unserer Sicht auf den Bühnen und hinter den DJ- und Mischpults an Diversität. Deshalb haben wir mit EQ:booking eine Agentur für Musik-Acts und Performance- Künstlerinnen gegründet.

Auf Facebook schreibt ihr: „EQ:booking stands for enthusiastic artists who got their own sound and style. Focuses on community building, we promote diversity in the music industry.“ Also steht das „Q“ in EQ: für „Queer“?

Donna: Das ist eine der Bedeutungen. Equality und Equalizer haben wir auch noch im Angebot.

Hark: Und Emotional Quotient.

Arbeitet ihr ausschließlich mit Künstlerinnen zusammen?

Hark: Nein. Uns geht es um die Einstellung, nicht um das Geschlecht. Wir haben halt beide auch ganz bestimmte Erfahrungen gemacht.

 

„Bin ich mit meinem Freund unterwegs, kommen blöde Kommentare“

 

Erzählt doch mal bitte.

Hark: Ich habe mich in meinem Soziologie-Studium lange theoretisch mit der Materie befasst. Und ich gehe seit vielen Jahren gerne auf Techno und House-Partys. Da fiel mir auf, wie krass maskulin dort einige unterwegs sind. Bin ich mit meinem Freund unterwegs, kommen blöde Kommentare vor. Und zwar grundsätzlich von Männern. Von Frauen bin ich noch nie blöd angemacht worden, wenn ich mit meinem Freund rumknutsche.

Mein Ziel ist es, aus Veranstaltungen und Partys Räume zu machen, in denen sich alle wohlfühlen. Das fängt mit der Repräsentation verschiedener soziodemografischer Merkmale bei den Musiker und Musikerinnen an. Deshalb wollte ich hier etwas tun und fand die Idee der Gründung der Agentur total gut. Wir wollen mit Leuten zusammenarbeiten, die ein gewisses Bewusstsein für verschiedene Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung haben und diese auch intersektional betrachten. Das betrifft sowohl die Agentur als auch unsere Künstler und Künstlerinnen.

Donna: Genau. Das Geschlecht spielt da keine große Rolle. Wir wollen mit Menschen zusammen sein, die für Equality und feministische Grundsätze einstehen. So ist auch die Agentur gestrickt. Mit Gwen Wayne und Willing Witness, zwei unserer starken Künstlerinnen aus der Techno-Ecke, haben wir genau solche Mitstreiterinnen gefunden, mit denen wir gemeinsam die Agentur betreiben. Wir wollen uns für Menschen starkmachen, die nicht dem üblichen Raster entsprechen und somit einfach weniger Chancen haben.

Das merke ich ja auch als Frau. Seit fast 20 Jahren mache ich Veranstaltungen im subkulturellen Bereich, arbeite zudem als Türsteherin. Im Hamburger Nachtleben kenne ich mich also aus. Und von Sexismus oder Diskriminierung bin ich einfach öfter betroffen als weiße deutsche Männer. Ich umgebe mich daher gerne mit Menschen, die solche Zusammenhänge begreifen. Begreifen kann sie aber jeder – und ich will keinesfalls das Verhalten aller Männer über einen Kamm scheren. Das wäre ungerecht.

 

Hört hier ein Set von Willing Witness im EQ:Podcast

Was könnt ihr besonders empfehlen und welche Bandbreite habt ihr zu bieten?

Donna: Wir machen aktuell für 13 Artists das Booking und empfehlen können wir wirklich alle! (schmunzelt) Und die Bandbreite ist schon sehr groß. Es ist keine Musik von der Stange. Wir sagen oft: Gibt es einen dritten Floor, liefern wir die Live-Acts dazu. Mit Gwen Waynes Shitstormtechno, dem Concrete Techno von Willing Witness, dem Raw Techno von Esshar und natürlich Lucinee gibt’s eine Menge Techno auf die Ohren. Ghetto Tek ist das Härteste, was wir haben. Von Terrorrythmus, er ist als DJ und Producer aktiv. Die Raverinnen von MyBadSister habe ich, als ich mit der MS Stubnitz in London war, kennengelernt. Ebenfalls sehr guter Stoff.

Hark: Dann natürlich noch Franz Albers und Käpt’n Kruse. Sie interpretieren Schlagermusik völlig neu. Ich höre nie Schlager. Bei diesem weiblichen Duo mache ich eine Ausnahme. Ist sehr cool. Und Gaff E, sie macht Psychedelic Cave Pop. Bei Ihr müssen die Promoter ein bisschen mutiger sein.

 

Hier könnt ihr Franz Albers und Käpt’n Kruse hören

Wieso?

Donna: Weil sie gerne mal das eine oder andere Teil auf der Bühne auszieht, wenn sie in Stimmung dazu ist. Sie setzt das aber nicht sexy ein, sondern schockiert gerne damit.

Gibt es für eure Agentur schon besondere Erfolge zu verzeichnen?

Donna: Kommt drauf an, wie man Erfolg definiert. Ein Highlight ist für uns sicher, dass unsere Ostberliner Rapper Ostberlin Androgyn jetzt ein Tape rausgebracht haben. Wenn deren Platte Ende April erscheint, werden wir im Hafenklang eine Release-Party schmeißen. Da freuen wir uns sehr drauf.

Hark: Ein gelungener Live-Act in einem coolen Club kann genauso geil sein wie ein Soli-Gig in der Flora, für den wir dann natürlich keine Booking Fee nehmen.

Donna: Grundsätzlich gehen wir nicht rein ökonomisch an die Sache ran. Uns ist die Netzwerkstruktur wichtig. Wir wollen Leute zusammenbringen, die sich untereinander stärken, die wie wir Lust auf eine solidarische Herangehensweise haben und gemeinsam Spaß haben wollen. Wir wollen in unserer schwierigen Position in der Mitte zwischen Promotern und Artists für alle das Beste aushandeln, sodass nachher alle zufrieden sind. Wir laufen allerdings keinem Promoter hinterher, der nicht mit uns arbeiten mag. Wir konzentrieren uns auf die, die Bock auf uns haben.

Und wie sind die Rückmeldungen aus der Szene bisher?

Donna: Sehr positiv.

Hark: Mittlerweile werden wir bekannter und auch schon angesprochen. Wir kriegen Rückenwind. Das fühlt sich gut an.

EQ:booking


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Ladies – Artists – Friends: Konzert des Monats

Miu, Sarajane, Debby Smith, Kathrin Ost, Linda Kauffeld und Joscheba Schnetter geben gemeinsam ein Konzert. Ein Gespräch über die Vorteile für die Musik und das Geschäft.

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Miu und Sarajane, mit Ladies-Artists-Friends habt ihr einen Schulterschluss mehrerer Hamburger Musikerinnen geschafft. War es leicht, alle an einen Tisch zu bekommen und gemeinsame Sache zu machen?

Sarajane: Ja, denn viele Hamburger Musikerinnen kennen sich schon lange, haben teils zusammen studiert und sind freundschaftlich miteinander verbunden.

Miu: Wir haben viel Kontakt. Auch weil alle ähnliche alltägliche Probleme und Wehwehchen haben.

 

Ladies-Artists-Friends-c-ELENA ZAUKE

Die Initiatorinnen von Ladies-Artists-Friends mit Miu (M.) und Sarajane (3. v. l.) Foto: Elena Zauke.

 

Zum Beispiel?

Sarajane: Man muss es sich so vorstellen, dass wir alle jeden Tag in unseren Büros sitzen und versuchen, unsere Karrieren zu pushen. Wir sind gleichzeitig Künstlerinnen, Label, Management, Booker.

Miu: Es ergeben sich immer Situationen, in denen wir die Unterstützung der anderen gut gebrauchen können. Zum Beispiel, wenn wir mal eine Vertretung für einen Gig suchen oder einen bestimmten Booking-Kontakt. Auch Dinge wie das Playlist-Marketing für Spotify und Co. sind nicht so einfach, da ist es gut zu wissen, dass wir jemanden anrufen können, der vielleicht schon mehr Erfahrung hat.

 

Hier könnt „Bullets Out Of Love“ von Sarajane hören

 

Wie verlief denn das erste Treffen von Ladies-Artists-Friends? Ging es dabei nur um Musikgeschäftsfragen?

Sarajane: Erst mal wollten wir unser Wissen gegenüber den anderen Künstlerinnen offenlegen, damit alle etwas davon haben. Wenn wir immer nur als Einzelkämpferinnen unterwegs wären, würden wir womöglich ständig in die gleichen Fallen tappen. Zum Beispiel, was Auftritte in Clubs angeht, in denen wir noch nicht waren, andere aber schon. Dann können wir diejenigen einfach kurz fragen, ob u. a. die Konditionen dort okay sind.

Miu: Unsere Herzen schlagen aber weniger fürs Geschäft, als für die Musik an sich. Deshalb kamen wir ziemlich schnell auf den Gedanken, mal etwas zusammen auf der Bühne zu machen.

Wettbewerbsgedanken gab es bei all dem nicht untereinander?

Miu: Nein. Wettbewerbsgedanken kann ich in der Musik aus Sicht von Plattenfirmen zwar grundsätzlich verstehen, die wollen schließlich ihren Gewinn maximieren. Aus Musiker- und Musikrezipientensicht sind solche Gedanken aber total unangebracht. Musik entsteht schließlich durch gemeinsames Musizieren, und dafür macht es Sinn, dass man sich alles, was einem Labels über Wettbewerb vielleicht schon eingeimpft haben, schnellstmöglich wieder abtrainiert.

Also keine Wettbewerbsgedanken – aber sicher verschiedene musikalische Geschmäcker. Seid ihr schnell auf einen Nenner gekommen, was euer Live-Programm betrifft?

Miu: Ja. Wir haben eine Band, die uns bei Auftritten begleitet, jede Künstlerin spielt drei oder vier Songs mit ihr und kann ihre Ideen so umsetzen, wie sie möchte. Für Singer/Songwriterinnen, die normalerweise nur mit der Gitarre auf der Bühne stehen, bietet diese Konstellation auch ganz neue Möglichkeiten, weil sie ihre Stücke größer arrangieren können, zum Beispiel mit Percussion-Parts und Chören.

 

Hört hier „Ohana“ von Miu

 

Ist der Kreis der Ladies-Artists-Friends eigentlich begrenzt?

Miu: Es gibt zwar einen harten Kern, aber wir sind kein abgeschlossener Club. Vielmehr geht es uns darum, dass diejenigen, die richtig Bock haben, sich auch einbringen können.

Sarajane: Miu und ich übernehmen normalerweise viel von der Organisation, machen aber gerade beide Solo-Alben und sind sehr eingespannt. In dieser Phase freuen wir uns, dass etwa Kathrin Ost von der Band August August, die neu im Orga-Team ist, bei der Ladies-Artists-Friends-Planung oft mit anpackt und auch große Lust darauf hat. Wir haben auch offene Stammtische mit allen Künstlerinnen, die wir am liebsten noch regelmäßiger veranstalten würden.

 

Hier könnt „Shape of You“ als Cover von Debby Smith hören

 

Euer nächstes gemeinsames Konzert veranstaltet ihr am 8. März im Knust. Ist es Zufall, dass es auf den internationalen Frauentag fällt?

Sarajane: Nein, das ist pure Absicht. Die Leute vom Knust haben uns dieses Datum für Ladies-Artists-Friends vorgeschlagen – und wir waren natürlich sofort Feuer und Flamme.

Wird es danach womöglich auch ein Ladies-Artists-Friends-Album geben?

Miu: Wir haben mal über einen Sampler nachgedacht. Dafür müssen wir aber auch die Zeit und das Geld haben. Ladies-Artists-Friends ist im Moment noch ein teurer Spaß für uns, auch weil wir die Band stellen und uns als Ziel gesetzt haben, dass jede auftretende Künstlerin ein Honorar bekommt. Aber: Es gibt schon eine Spotify-Liste mit Songs von vielen, die bei uns sind.

Ladies – Artists – Friends: 8.3., Knust, 21 Uhr.


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Sexed Power: Ausstellung Sexed Power im Gängeviertel

Am Weltfrauentag eröffnet im MOM art space im Gängeviertel die Ausstellung „Sexed Power“.

Text: Sabine Danek
Abbildung (o.): Dagmar Rauwald: Selfgendered Identity, 2018

In den letzten zwei Jahren gab es in linken Hamburger Netzwerken reichlich Streit um frauenpolitische Positionen, der feministische Raum im Gängeviertel wurde geschlossen.

Diese Auseinandersetzungen wollen die Künstlerinnen der Ausstellung „Sexed Power“ nicht aufwärmen. Sie treten lieber in Aktion. Mit einer Schau, die am Weltfrauentag Solidarität zeigt, die ein Zeichen ist und auch eine Positionierung. Gegen die „Pimmelsuppe“, die in der Kunst immer noch gekocht wird. Ob mit der Absage der Retrospektiven von Adrian Piper und Joan Jones im Münchner Haus der Kunst, die durch eine Schau von Markus Lüpertz ersetzt werden. Oder auch in der großen Ausstellung „Baselitz – Richter – Polke – Kiefer“, die im Herbst aus der Staatsgalerie Stuttgart in die Deichtorhallen wandert.

 

„MeToo konnte die Gesellschaft bis heute nicht nachhaltig verändern“

 

Für Dagmar Rauwald, Künstlerin und „Sexed Power“-Initiatorin sind das: „Malerfürsten, die in einer Zeit schnell Karriere machten, in der es für Künstlerinnen noch schwerer als heute war, sich durchzusetzen und deren fataler Machismo mit Großschauen wie dieser immer wieder bestätigt wird“. Dagegen lehnt „Sexed Power“ sich auf, will nicht zulassen, dass die ungleichen Verhältnisse einfach totgeschwiegen werden und auch zeigen, „dass MeToo die Gesellschaft bis heute nicht nachhaltig verändern konnte“.

„Sexualisierte Gewalt und sexualisierte Macht sind zwei unterschiedliche Dinge“, sagt Dagmar Rauwald, „aber sie bedingen sich auch. Sexualisierte Macht kann zu sexueller Gewalt führen.“

Johanna Bruckner: Molekulare Geister in der Liebe, 2018

Im Mittelpunkt steht trotz aller politischer Positionierung bei „Sexed Power“ aber die Kunst. Die Körper-Arbeiten der österreichischen Biennale-Teilnehmerin Johanna Bruckner, die herrlich umstürzlerischen Videos, Installation und Malereien von Cordula Ditz. Die Skulpturen von Ida Lennartson, die mit Kunsthaaren, Prothesen oder Fragmenten aus Arbeitsprozessen, von Körpern erzählt und sie auseinandernimmt. Die Abformungen und Bronzegüsse von Julia Frankenberg und Anna Lena Grau, Performances von Louise Vind Nielsen, die Malerei von Dagmar Rauwald und die Arbeiten von Emma Howes, die sich als „Übersetzerin zwischen Bewegung und Form“ versteht.

Gemeinsam haben die Künstlerinnen, dass sie „ Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Prozesse sehen, kritisch reflektieren und jede auf ihre Weise für authentische und starke Kunst stehen.“

Es ist bereits die zweite „Sexed Power“-Schau und perfekt wäre es, wenn sich daraus ein fortlaufendes Projekt entwickelt, die Ausstellung eine Keimzelle wird, die sich vergrößert und in eine Plattform Hamburger Künstlerinnen verwandelt.

Sexed Power 2019, Mom Art Space, 8.–16.3.


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Meet the Resident – Lifka

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Lifka ( Vinka Katt, Lucid, Ohne kommerziellen Wert) – präsentiert von hamburg elektronisch.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

Szene Hamburg: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Lifka: Vitalisierend für Körper und Geist.

Was war dein Favorit-Gig in Hamburg?

2018 habe ich im Südpol gespielt – mit viel Nebel, spannendem Licht – das hat Spaß gemacht! Sonst sind es oft die kleineren Partys, die wir mit unserem DJ-Kollektiv Vinka Katt veranstalten, früher in den Kranichen, mittlerweile im Gängeviertel. Bei diesen unkommerziellen Partys bekommt man für den Aufwand zwar kein Geld, dafür aber unbeschreibliche Nächte – viel zwischenmenschliche Wertschätzung und Echtheit.

Welche ist deine Platte des Monats?

Black Moon EP (Snork Enterpises) und OHNE002 (Ohne kommerziellen Wert)

 

Hört hier in Lifkas Platten des Monats

 

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Die Technoszene ist im Kern zwar relativ klein, aber es gibt einen unglaublich guten Zusammenhalt zwischen einzelnen Crews, der sich durch Kombipartys, gegenseitige Bookings und Labelprojekte stärkt. Dazu gehört auch gemeinsames Abhängen, Planen, Musizieren. Es gibt einfach viel Austausch. Das finde ich sehr schön und wird Früchte tragen!

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Lucinee, Strathy, Stute, die Vinka Katt-Crew, aitch P. Hackster, Vuuduu & Valura!

Wo kann man dich als Nächstes hören?

Am 2. März bei NACKT, der neuen Partyreihe im PAL und am 22.3. bei Druck! im Fundbureau

 

Hört hier das aktuelle Set von Lifka im Podcast von hamburg elektronisch


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Moderne Flüsterkneipe – Rendez-Vu im Speakeasy

Zwei Läden, eine Hausnummer – Nach dem Essen im VU2 hält die Speakeasy Bar passende Absacker bereit und bringt moderne Flüsterkneipenkultur in die Karolinenstraße.

Text: Laura Lück
Fotos: Simone Rudloff

Eine Szene aus „Der große Gatsby“ zeigt hinter der Preisliste eines New Yorker Friseursalons eine geheime Schiebetür. Ein Codewort gibt Leonardo DiCaprio und seinen Kompagnons den Weg frei an einen Ort, der zu Zeiten der amerikanischen Prohibition nicht sein darf: eine sogenannte Speakeasy Bar. Vor allem Gauner und Mafiosi betreiben zu dieser Zeit die illegalen Kneipen. Die Regeln: Speak easy, damit die Polizei nichts hört. Und zweitens: Zutritt nur für Eingeweihte – durch Klingeln oder Klopfzeichen. Die Cocktail Hour in mafiöser Manier zu zelebrieren, ist aber auch 2019 noch möglich. Zum Beispiel im VU Speakeasy an den Messehallen. Sein Nachbar, das VU2, tischt vorweg die perfekte Grundlage auf.

vietnamesisch-israelische Crossover-Küche

Zwei Läden, eine Hausnummer: In der Karolinenstraße 18 ragen zwei gläserne Pavillons symmetrisch aus der Altbaufassade. Außen leuchten zwei stilisierte rote Neon-Buchstaben: VU. Da klingelt was: In der kleinen Freiheit serviert das VU seit 2017 vietnamesische Snacks und – so flüstert man sich auf St. Pauli zu – die beste Pho in Hamburg. Im VU2 vereint sich nun das Beste aus zwei Esskulturen. Die Brüder Vu und Koch Lior bringen vietnamesisch-israelische Crossover-Küche auf den Speiseplan. „Eggplant for days“, „Mama’s Pho“ oder „Shrimp Bacon is the Life“ stehen auf der Tafel.

Als Bao Vu, der eher nach hippem Berliner Design-Kollektiv als nach Restaurantküche aussieht, unseren ratlosen Blicken begegnet, setzt er sich auf einen der pistaziengrünen Samthocker neben uns. Er hat zwei Rotweine im Gepäck, über die er alles weiß, lässt uns probieren und erklärt die Gerichte. Drei empfiehlt er für die angenehme Sättigung zweier Mägen.

Teilen gehört zum Konzept. Für eigene Teller wäre ohnehin kein Platz auf den kleinen Marmortischen. Das sorgt für herrliche Anarchie beim Essen: Wir dippen, spießen und schneiden drauf los. Der „Pork Belly“ (17 Euro) wird mit karamellisierter Ananas serviert und zerfällt zart und saftig im Mund. Den oft unterschätzten Blumenkohl (12 Euro) befreit Lior aus seiner Belanglosigkeit: Im Ofen geröstet kommt er im Ganzen auf den Teller und schmeckt wie von einem israelischen Streetfood-Imbiss. Die Schale der Aubergine (11 Euro) hat der Koch über dem Feuer abgebrannt. Daraus entsteht eine leicht scharfe, würzige Sauce, von der wir keinen Tropfen übriglassen.

Verdauungszigarette. Der Plan: Wir möchten uns jetzt dem linken Glasvorbau widmen. Neugierige Blicke lässt der nicht durch – die Scheiben sind von innen mit vietnamesischen Zeitungen zugeklebt. Kein Schild, keine Leuchtschrift, kein Hinweis auf Leben.

Speakeasy/VU in der Karolinenstraße Hamburg © Kai Knoernzer

Die durchgestylte Bar im Artdéco Look sorgt für Schnappatmung bei jedem Design-Liebhaber.

Nur die Klingel führt ins VU Speakeasy. Drücken müssen wir die nicht, denn Bao kommt mit Fluppe im Mundwinkel nach draußen und bringt den Schlüssel mit. Die durchgestylte Bar im Artdéco Look sorgt für Schnappatmung bei jedem Design-Liebhaber. Dreizehn lederne Barhocker und ein edler Holztresen – mehr passt nicht rein. Eine verspiegelte Wand verleiht dem winzigen Raum optisch ein wenig mehr Tiefe. Aus den Boxen wummert poppiger Jazz. Die Getränkekarte? Verwahrt der Barkeeper im Kopf. „Was habt ihr denn so?“ – „Kommt drauf an, was ihr so mögt“. „Gin?“ Langweilig und typisch deutsch findet der Barkeeper unsere Antwort und schlägt grobe Geschmacksrichtungen vor: „Eher süß-sauer oder bitter-sauer?“ Bitter klingt gut. „So bitter wie Campari oder Cointreau?“. Cointreau. Wir kommen der Sache näher.

Drei Minuten später stellt er uns zwei maßgeschneiderte Kunstwerke vor die Nase – stilecht serviert in Coupettes mit Goldrand. Die genauen Zutaten bleiben bis zum Schluss sein Geheimnis. Unwichtig, denn es schmeckt fantastisch! Wir probieren außerdem einen Rum in hübschen Keramikschälchen, stoßen mit den anderen drei Besuchern an und geben dem Barkeeper die Carte blanche für je zwei weitere Drinks. Alles Volltreffer. Nach knapp vier Stunden VU-Erlebnis verabschieden wir uns leicht angeduselt in die kalte Nacht und sind sicher: Es werden weitere Besuche folgen – definitiv!

Karolinenstraße 18 (St. Pauli), Reservierung via Instagram @vuspeakeasy


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Konfetti im Bier – Roman über die Ultras von St. Pauli

Im März erscheint der erste Ultras-Roman aus dem deutschsprachigen Raum. Aus Hamburg, aus St. Pauli, mitten aus dem Viertel!

Text: Ole Masch
Foto: Melanie Hendtke

Wer den Roar am Millerntor oder einem anderem Fußballstadion vor dem Spiel einmal mitgemacht hat, weiß mit dem Titel des Romans von Toni Gottschalk sofort etwas anzufangen. „Konfetti im Bier“ ist eine Beschreibung der St. Pauli Ultra-Szene von innen und damit einzigartig. Doch er ist noch viel mehr. Er ist Hamburg-Roman, Antifa, Viertelliebe, Fußball und immer wieder St. Pauli Nachtleben. Gespickt von Insiderwissen und Wortwitz, der durch seine Protagonisten auf die Spitze getrieben wird.

Toni Gottschalk, selbst seit vielen Jahren Teil der St. Pauli Ultras und ab 2006 Comiczeichner für verschiedene Fanzines, gelingt ein Debütroman, der nicht von außen draufschaut, sondern mitten drinsteckt. Er erzählt von Merks, Subbe, Jette und all den anderen, für die der FC St. Pauli und die eigene Gruppe viel mehr bedeuten, als nur jedes Wochenende gemeinsam zum Spiel zu gehen. Während sich Walter durch so ziemlich jede Kaschemme St. Paulis trinkt, beschäftigt sich der Rest mit politischer Viertelverteidigung.

 

Ultras, Nachtleben und ganz viel Hamburg

 

Das klingt dann so: „Na, ihr Pimmelköppe, was gibt’s zu lachen“, begrüßte Torre die vier Leute. Einer der Skins, der manchmal halb verächtlich, halb bewundernd „die Axt im Walde“ genannt wurde, konnte kaum an sich halten. „Wir so noch mit einer Handvoll Leuten im Jolly, kommt der Schwan rein und erzählt, dass er eine Gruppe Nasen auf der Budapester gesehen hat. Wir also mit ein paar hin und, was soll ich sagen, war gut. Backenfutter und dann Reste frühstücken …“

„Konfetti im Bier“ ist ein Subkultur-Roman. Ein Buch für Fußballfans und für Leute, die immer schon mal mehr über die Mechanismen von Ultra- Gruppierungen wissen wollten. Für Hamburger. Für Nachtlebenkenner und für jene, die es immer wieder dort hinzieht.

„Konfetti im Bier“ erscheint am 2.3. im Liesmich Verlag


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Top 10 – Die besten Hamburger Restaurants bei Unverträglichkeiten

Unverträglichkeiten – Man kann darüber denken, was man will. Wenn es drauf ankommt, haben wir die verheißungsvollsten Adressen für einen gluten- und laktosefreien Restaurantbesuch in petto.

Text: Christin Siegemund
Beitragsfoto: Philipp Schmidt

1. Vietnamesisches Streetfood – Ban Canteen

Etwas versteckt, zwischen Schanze und Rindermarkthalle, liegt dieses vietnamesische Streetfood- Restaurant: die Ban Canteen. Ein großer, luftiger Raum wirkt mit seinen meterlangen Metalltischen sehr einladend. An heißen Tagen sitzt man hier sehr nett bei geöffneten Fenstern. Und wenn man das rege Treiben am Pferdemarkt beobachtet, könnte man meinen, irgendwo im Gewusel einer asiatischen Kleinstadt zu sein. Die authentische Asiaküche ist beliebt, besonders um die Mittagszeit. Kein Wunder: Vietnamesisches Streetfood, wie die unaussprechliche Pho Bo, die leichten und veganen Summer Rolls, Glasnudelsalate oder Bao Burger sind derzeit absolutes Trendfood.

Obwohl Läden wie dieser wie Pilze aus dem Boden schießen, ist die Ban Canteen irgendwie anders, irgendwie besonders echt, besonders frisch und besonders lecker. Und damit eine Empfehlung. Die Portionen sind reichlich, der Eistee selbst gemacht und ohne Zucker. Auch die Speisen kommen ohne Zusätze und Geschmacksverstärker aus.

Bitte unbedingt probieren: die Deep Fried Squids vorweg, die Frühlingsrollen- Bowl danach und hinterher einen vietnamesischen Kaffee, wahlweise warm oder auf Eis. Dieser kommt aber nicht etwa aus Vietnam, sondern aus dem Elbgold um die Ecke und ist eine besondere Röstung extra für die Ban Canteen. Nicht nur die Zubereitung am Tisch sieht spektakulär aus, er schmeckt wahnsinnig lecker und ist mit seiner Süße ein toller Nachtischersatz. Den sollten Sie aber natürlich trotzdem essen, denn es wäre einfach zu schade, die Ban-Bao-Bällchen zu verpassen. Die sind zwar ziemlich süß, dafür aber echt gesund und ein Snack fürs Gewissen.

Beim Grünen Jäger 1 (St. Pauli); www.bancanteen.com

 

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2. Glutenfreier Italiener – Das Rudolph’s

Bitte erwarten Sie hier nicht den kleinen Italiener um die Ecke. Obwohl ein Eckrestaurant, sollte man bei einem Besuch im Rudolph’s in der HafenCity sein Bild vom klassischen Italiener überdenken. Groß ist der Raum, über zwei Etagen, sehr modern und schlicht. Rot-weiß karierte Tischdecken gibt es hier nicht, dafür große, rote Lampen und eine Terrasse mit Blick auf den Lohsepark. Ob Sie für einen schnellen Businesslunch herkommen, gerade zu Besuch in Hamburg sind oder abends einen Tisch reservieren: Die Karte liest sich abwechslungsreich und edel. Die Speisenauswahl ist groß, aber übersichtlich, und macht sowohl Veganer als auch Gäste mit Unverträglichkeiten glücklich. Das Menü unterteilt sich in Rudolph’s „Specials“ mit Sepia Fettuccine und „Classics“, bei denen die Klassiker Bruschetta und Saltimbocca zu finden sind – alles frisch und in Marktqualität.

Für alle, die wegen der Pizza herkommen: Die gibt es wahlweise glutenfrei und mit laktosefreiem Mozzarella oder komplett ohne tierische Zusätze. Der Service ist typisch italienisch freundlich und gelassen. Bringen Sie ein wenig mehr Zeit mit, bei vollem Haus könnte es sein, dass Sie auf Ihr Essen länger warten müssen. Aber wie heißt es? In der Ruhe liegt die Kraft und in Italien trifft man sich, um zusammen zu sein!

Poggenmühle 5 (HafenCity); www.rudolphs-hamburg.de

 

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3. Essen im Omakase-Style – Die gute Botschaft

Hier macht die Küche, was sie will – und das soll sie auch gerne tun. Und man kann den Köchen dank der offenen Küche genauestens bei der Arbeit zuschauen. Diese vollbringen Großartiges, genau wie der Service. Aber fangen wir von vorne an: Der Laden wirkt riesig, auch durch die Fensterfront. Dennoch ist es gemütlich, tags wie abends, und irgendwie kommt der bekannte Mälzer-Stil durch, obwohl die Einrichtung anders ist als in der Bullerei.

Wir werden sofort herzlich empfangen und die Bedienung weicht nicht mehr von unserer Seite. Außerdem weiß die Dame bestens Bescheid, informiert uns über alles, denn hier gibt es keine Speisekarte, höchstens eine Getränkekarte (die man aber auch nicht braucht, weil man einfach den Drink des Tages bestellt) und ein Omakase-Menü. Sprich: Ein japanisch inspiriertes Menü in fünf Gängen mit Fokus auf Fisch, wahlweise vegetarisch und auf Nachfrage glutenfrei. Es ist alles dabei, nur keine unnötigen Kohlenhydrate. Mälzer-Fans werden dieses Restaurant lieben. Die Gute Botschaft ist übrigens auch für Kaffee und Kuchen nach einem Alsterspaziergang ein perfekter Anlaufpunkt.

Alsterufer 3 (Rotherbaum); www.dgb.hamburg

 

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4. Frühstücken bis zum Mittagessen – Moki’s Goodies

Kennen Sie ein Lokal in Hamburg, das ausschließlich Frühstück serviert? Nein? Das könnte sich jetzt ändern. Im Moki’s goodies gibt es nichts anderes als Frühstück oder das, was sich zum Frühstück essen lässt. Von außen betrachtet denkt man, das Moki’s sei eines von vielen kleinen Cafés in Hoheluft. Ein Blick hinter die Türschwelle zeigt jedoch, dass dieses Café so klein gar nicht ist – und irgendwie auch ungewöhnlich erscheint.

Zum Beispiel gibt es hier keinen Kaffee und Kuchen im klassischen Sinne. Also, den gibt es auch, aber nicht ausschließlich. Und schon gar nicht zur Kaffeezeit. Allerspätestens zur (späten) Mittagsstunde ist hier nämlich Schluss. Und so werden die Türen unter der Woche um 14 Uhr und am Wochenende erst um 16 Uhr geschlossen. Langschläfer sind eingeladen, mit einem ausgiebigen Frühstück in den Tag zu starten. Von Acai-Bowl über Porridge, Pancake-Waffel (!), Rührei bis einem herzhaften Shakshuka gibt es hier alles, was das Herz begehrt. Und Kuchen, hausgemacht nach alten Familienrezepten.

Alternativ gibt es vegane Energy Balls sowie riesige und leckere Kekse, Bars, Granola und vieles mehr. Der Kaffee kommt von „um die Ecke“ aus der Elbgold-Rösterei und die Milch vom Hamburger Milchhof. Wer keine Kuhmilch mag oder verträgt, kann alternativ Hafermilch bestellen. Oder Tee. Allgemein wird hier aus dem ganzen Vegan-Hype gar kein großes Ding gemacht. Das ist sympathisch und entspannt. Das Angebot steht eben einfach auch auf der Karte. Entspannter lässt es sich nicht in den Tag starten.

P.S.: Hunde und Kinderwagen sollte man hier bitte Zuhause lassen.

Eppendorfer Weg 171 (Hoheluft-West); www.mokisgoodies.de

 

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5. Die beste Poké Bowl der Stadt mit Alsterblick – Monkey Beach

Der Hype um die Poké Bowl reißt nicht ab. Überall werden neue Poké Stores eröffnet. Das haben sich auch die Gründer von Kailua Poké zu Herzen genommen und dann mal eben das Monkey Beach eröffnet. Und siehe da – seit dem ersten Tag steppt im ehemaligen Fiedlers am Alsteranleger Mühlenkamp, in dem ein Gastrokonzept nach dem anderen scheiterte, der Bär – äh, Affe. Hier trifft sich, wer cool ist oder einfach nur frischen Fisch essen will.

Apropos cool: das ist auch die Location. Nachdem man die steile Treppe hinunter auf den Steg geschafft hat, ist man am Wasser und in einer anderen Welt. Chillige Beats wabern durch die Luft, Palmen, Loungemöbel, hübsche Menschen – alles Instagram-tauglich. Genau wie die Poké Bowls, die auf Reisbasis mit Toppings serviert werden. (Die Betonung liegt übrigens auf dem E.) Bitte probieren: die Thunfisch-Bowl mit Ananas, Möhren, Algen und Gurke. Sieht gut aus und schmeckt sogar spektakulärer, als sie aussieht. Wer nicht gerade mit seinem Schwimmeinhorn oder SUP-Board kommt, kann auch den Alsterdampfer zur Anreise nutzen. Für eine breite Auswahl an kühlen Drinks ist gesorgt.

Auf der Speisekarte stehen in Kailua-Manier lediglich fünf Bowls: mit Fisch, Fleisch oder Gemüse. Auf Anfrage gibt es auch eine glutenfreie Sojasauce. Wer Extrawünsche hat, kann selbst kombinieren. Hört sich nach einer Sommer- Location an? Im Winter geht’s dann hoch in den verglasten Schlauch.

Hofweg 103 (Uhlenhorst)

 

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6. Bestes Sushi der Stadt – Ono by Steffen Henssler

Wenn man an Essen mit Unverträglichkeiten denkt, hört sich das erst einmal sehr kompliziert an. Muss es aber nicht. Der beste Beweis dafür ist das Ono. Solange es sich „nur“ um eine Gluten-Unverträglichkeit handelt, ist man im Ono sehr gut aufgehoben. Der Inhaber ist kein geringerer als Steffen Henssler und bekannt für das beste Sushi der Stadt.

Wem der Weg an die Große Elbstraße zu weit ist oder wer nicht im Liefergebiet des Lieferservice „Henssler at home“ wohnt, dem ist mit Steffen Hensslers zweitem Laden, dem Ono, bestens geholfen. Auch wenn man beim Essengehen auf die Zutatenliste schauen muss: Reis, genau wie Fisch, kommt von Haus aus ohne Weizen aus, und die Sojasauce gibt es auf Nachfrage glutenfrei. Gott sei Dank gilt das auch für den Wein. Fertig ist ein perfekter Abend, Lebensmittelallergie hin oder.

Auch Veganer und Vegetarier werden auf der Karte fündig: Selbstverständlich gibt es eine kleine Auswahl an fisch- und fleischfreien Vorspeisen und Sushi. Auch auf der Dessertkarte findet sich mit Sicherheit etwas Passendes. Wie wäre es zum Beispiel mit dem „Blumentopf “ (Erdbeere, Schokolade, Minze) oder einer japanischen Sweet Bowl (Shisokraut, Joghurt, Pfirsich)? Alternativ wird ein Omakase-Menü angeboten. Übersetzt: Der Koch macht, was er will, ganz allergenfrei.

Lehmweg 17 (Hoheluft-Ost); www.onobysh.de

 

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7. Superfood am Mühlenkamp – Paledo

Kleine Vorwarnung: Hier ist es meistens rappeldickevoll, was daran liegen könnte, dass das Paledo recht klein ist. Aber auch im Sommer, wenn die Bestuhlung draußen größer ist als drinnen, findet man hier nur schwer ein Plätzchen. Obwohl laut, weil am stark frequentierten Mühlenkamp gelegen, ist dieses Deli-Konzept ein Highlight. Hier gibt es Superfood vom Feinsten: frisch und selbstverständlich komplett frei von Zusatz- oder Aromastoffen.

Willkommen ist man hier den ganzen Tag. Ob morgens zum Frühstück auf eine Chocolate- Bowl, Porridge, Pancakes oder Eierspeisen, oder mittags auf einen Salat, eine kalte oder warme Bowl oder ein belegtes Brot – reichhaltig belegt mit Lachs, Avocado oder Ziegenkäse, auf Wunsch auch glutenfrei. Vegan oder vegetarisch ist grundsätzlich kein Problem – das Hauptkonzept aber ist Paleoküche. Das bedeutet, dass wie in der Steinzeitküche keine verarbeiteten Lebensmittel verwendet werden.

Den ganzen Tag gibt es gesunde und leckere Smoothies. Mein Highlight im Sommer: die „Fruit Bomb“ mit Kokosmilch. Im Winter bleibe ich dann doch lieber bei einer Matcha Latte oder einer goldenen Milch mit Kurkuma. Dazu einen kleinen, hausgemachten Snack, wie zum Beispiel einen Energy Ball, ein gesundes Snickers oder Bounty – natürlich komplett vegan, ohne Zucker und Gluten – und mein Nachmittag ist gerettet. Übrigens: Das hauseigene Brot gibt es auch zum Mitnehmen oder man bestellt es sich nach Hause.

Mühlenkamp 1 (Winterhude); www.paledohamburg.de

 

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8. Ayurvedischer Balsam für den Magen – Tassajara

Wer ins Tassajara kommt, betritt eine andere Welt. Von außen sieht das Restaurant an der Kreuzung Eppendorfer Landstraße und Eppendorfer Baum recht unspektakulär aus und gilt in manchen Kreisen als „Insider“. Für Liebhaber der ayurvedischen Küche und Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit, ist es schon lange kein Geheimtipp mehr. Und das bereits seit mehr als 40 Jahren.

In dem familiengeführten Restaurant steht das Gemüse im Mittelpunkt. Fleischliebhaber sollten also vielleicht besser woanders hingehen. Oder einfach mal Neuland wagen, um garantiert überrascht zu werden und festzustellen: Es braucht nicht immer Tier. Die Auswahl auf der Tageskarte ist riesig: Neben einer ungewöhnlichen Vorspeisen- und Rohkostkarte gibt es eine Hauptspeisenkarte, die mit Attributen wie leicht, fettarm und ballaststoffreich eine Orientierung gibt. Und sogar glutenfreie Pasta stehen auf dem Programm.

Lassen Sie aber unbedingt noch Platz für den Nachtisch. Auch hier zeigt sich die ayurvedische Küche, die besonders warm für den Bauch ist und nicht nur schmecken, sondern vor allem unserer Gesundheit guttun soll. Besonders zu empfehlen ist das warme Aprikosenmousse mit Mandeln oder der Mohnkuchen mit Honigeis. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die Getränkekarte: Der Orangen-Rosen-Tee und der Yogi-Tee sind eine großartige Alternative zum Espresso. Übrigens: Zucker gibt es hier keinen. Gesüßt wird ausschließlich mit Honig oder Agavendicksaft. Wer hier aus der Tür geht, ist nicht nur satt, sondern ganz bestimmt auch höchst zufrieden.

Eppendorfer Landstraße 4 (Eppendorf); www.tassajara.de

 

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9. Ein Stück Frankreich in Hamburg – Ti Breizh

Am Wochenende reserviert man besser. Ansonsten könnte es passieren, dass Sie mit einem sehr netten, französischen Lächeln wieder hinausgeschickt werden. Nicht einmal Warten würde etwas bringen, denn die Tische sind meistens den ganzen Abend belegt. Für all diejenigen, die eine Reservierung oder Glück haben: Willkommen in der Bretagne. Auch wenn Sie noch nie dort waren, haben Sie nach einem Essen im Ti Breizh ein Gefühl dafür, wie es dort ist. Zumindest von der kulinarischen Seite aus betrachtet.

In Deutschland weit bekannt sind natürlich die französischen Crêpes, die ein echter Franzose allerdings niemals als Hauptspeise wählen würde. Der hauchdünne Pfannkuchen aus Weizenmehl, klassischerweise belegt mit Zucker und Butter, ist in Frankreich lediglich ein Dessert.

Die herzhafte Variante, die Galette, besteht aus 100 Prozent Buchweizenmehl und ist damit automatisch glutenfrei. Üblicherweise wird die Galette mit Käse, Schinken oder Ei belegt. Aber auch Nüsse, Fleisch oder vegetarische Varianten mit Obst und Gemüse kommen im Ti Breizh in die hausgemachten Galettes. Zum Essen wird Cidre getrunken. Den bretonischen Apfelwein gibt es wahlweise im Glas, als Flasche oder in einer Karaffe.

Deichstraße 39 (Altstadt); www.tibreizh.de

 

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10. Gesund, aber auch verdammt lecker – Was wir wirklich lieben

Sehr idyllisch, unter einer großen Markise, sitzt man hier an Tischen auf einer kleinen Terrasse – vornehmlich natürlich zum Essen und Trinken, ein bisschen aber auch um die vorbeiflanierenden Passanten zu sehen und selbst gesehen zu werden. Mitten in der beschaulichen Hegestraße hat das „Was wir wirklich lieben“, ein weiteres Kind der Küchenfreunde in Eppendorf und am Grindelhof, Platz gefunden und ist nicht mehr wegzudenken.

Ob im Sommer auf der besagten Terrasse oder im Winter drinnen – hier lässt es sich gut verweilen, in den Tag starten, nach einer Shoppingtour ausruhen oder einfach sehr gut essen. Täglich gibt es hier gesundes Frühstück bis in den Nachmittag mit Eiern vom eigenen Kastanienhof in der Lüneburger Heide sowie köstlichen Smoothies oder frischem Apfelsaft. Die Äpfel kommen von eigenen Apfelbäumen, selbstredend.

Auf der Karte stehen außerdem Salate, belegte Brote und eine Auswahl an Gemüse. Dazu gibt es wechselnde regionale und saisonale Mittagsgerichte. Oberste Priorität ist hier die Frische der Produkte, gesund und leicht zubereitet. Ob vegan, vegetarisch, glutenintolerant oder fruktoseintolerant: eine Bank für alle Sensibelchen. Für diejenigen, die es dann doch etwas süßer mögen: Der Kuchen, größtenteils auch vegan und glutenfrei, kommt aus Gretchens Villa aus dem Karoviertel und ist ein köstlicher Garant für ein halbwegs gutes Gewissen.

Hegestraße 28 (Hoheluft-Ost); www.waswirwirklichlieben.de

 

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Hamburgerin des Monats – Navina Nicke von Safe Night

Laute Musik, Nebel, eine ungewollte Hand am Hintern – bei Übergriffen im Nachtleben sind Betroffene oft hilflos. Akute Unterstützung bei Gewalt-Erfahrung bietet in einigen Clubs der Verein Safe Night. Die Mitinitiatorin und Türsteherin Navina Nicke über stereotypische Erwartungen und wie harmlose Momente ganz schnell kippen können.

Interview: Hedda Bültmann
Beitragsbild: Jakob Börner

SZENE HAMBURG: Navina, wer steht hinter Safe Night?

Navina Nicke: Das ist ein Zusammenschluss aus vier Clubs und einigen Freien, wie ich. Mit dabei sind das Uebel & Gefährlich, Moloch, Hafen- klang und Kulturelles Neuland e. V., die den Südpol betreiben. Den Verein haben wir Mitte 2017 gegründet und wir vom Club-Plenum arbeiten seit zweieinhalb Jahren ehrenamtlich.

Warum nur vier?

Das sind die, die sich anfangs zusammengetan haben und Lust dazu hatten. Mittlerweile gibt es auch Anfragen von anderen Clubs, aber wir können momentan leider strukturell nicht noch mehr Clubs aufnehmen.

Wo hakt es?

Die Mitarbeiter der Clubs würden dann mit im Plenum sitzen, das sich re- gelmäßig tri , um zu besprechen, wie wir weiterarbeiten können. Das wäre ein noch größerer Orga-Aufwand. Und diese Clubs würden auch das Aware- ness-Team für seine Partys buchen. Außerdem würden wir auch die Mitarbeiter der Clubs schulen wollen zum Umgang mit sexualisierter Gewalt oder Handlungsstrategien bei Verdacht auf K.O.-Tropfen. Dafür haben wir aber zurzeit keine Kapazitäten.

 

„Ich weiß nicht, wie oft ich verfickte Feministin genannt wurde.“

 

Wofür ist das Awareness-Team auf Partys zuständig?

Das ist eine Dienstleistung, die wir anbieten und die ein Club buchen kann. Das Team ist verkürzt gesagt der Gegenpol zur Tür. Wenn in einem Club etwas passiert, gibt es eine gewaltausübende Person, die von der Tür rausgeschmissen wird. Aber es gibt ja auch eine betroffene Person, um die sich niemand im Club kümmern kann. Dafür ist das Awareness-Team da. Sie unterstützen Betroffene, wenn diese das möchten.

Wer ist das Awareness-Team?

Mittlerweile haben wir einen Pool von über 20 Leuten, die ausgebildet wurden in Krisenintervention und Gesprächsführung und die sich viel untereinander austauschen, wie sie Betroffene in Clubs unterstützen können.

 

„Wir helfen nicht nur Frauen.“

 

Wie kann man sich das vor Ort vorstellen?

Wenn das Team für eine Party gebucht wird, haben sie dort einen festen Stand. Dort können sie angesprochen werden, auch, wenn sich jemand generell für die Arbeit interessiert. Aber sie laufen im Club rum und sind durch ein leuchtendes A auf der Kleidung gekennzeichnet. Allerdings greifen sie nicht in akuten Situationen ein, sondern vermitteln den Leuten, dass sie da sind, wenn Unterstützung gewünscht wird. Es sind zweier Teams, die alle sechs Stunden wechseln.

Und welche Rolle spielt dabei Safe Night?

Der Verein kümmert sich zum einen um die Awareness-Teams und zum anderen veranstalten wir zukünftig Schulungen für Mitarbeiter der Clubs. Damit Leute vor Ort sind, die im Ernstfall vorbereitet sind. Die Bar zum Beispiel sieht am meisten, da sie am dichtesten am Dancefloor ist. Die Tür ist am weitesten weg, ist aber eigentlich dafür da, als erstes zu intervenieren, wenn etwas passiert. Deshalb ist es total wichtig, die Mitarbeiter zu schulen, wie sie bei Konflikten unterstützen können.

 

„Leider ist Gewalt schon lange normalisiert, auch im Kontext einer Party.“

 

Es scheint immer wichtiger zu werden, Frauen zu unterstützen …

Wir helfen nicht nur Frauen, es gibt auch Gewalt beispielsweise gegenüber Queers und Transmenschen. Viel Gewalt findet im Nachtleben statt, aber das war schon immer so. Nur wird das Bewusstsein dafür größer, Betroffene werden lauter und die öffentliche Aufmerksamkeit ist da. Dadurch werden dringend notwendige Diskussionen angestoßen. In der Vergangenheit wurde darüber einfach nicht geredet.

Aber im Nachtleben scheint es eine besondere Dringlichkeit zu haben …

Partys sind ein sehr spezieller Raum, der sich unkontrollierbar anfühlt. Dort ist viel Nebel, laute Musik, die Leute sind berauscht und für manche ist es ein Freibrief, um an anderen Gewalt auszuüben. Die ist oft so normalisiert ist, dass sie nicht wahrgenommen wird, wie zum Beispiel die Hand am Hintern. Oft ist es ein vermeintlich geregelter Ablauf, man geht in eine Bar, trinkt, fängt an zu knutschen und dann versucht man mit irgendjemand nach Hause zu gehen. Das ist ein großer Teil von dem, was Leute vom Feiern wollen. Was aber auch zur Katastrophe führen kann.

Da es ab einem gewissen Punkt ausartet?

Leider ist Gewalt schon lange normalisiert, auch im Kontext einer Party. Es liegt an der weit verbreiteten stereotypen Vorstellung, wie es abzulaufen hat und die nicht auf Konsens ausgelegt ist. Männern wird vermittelt, wenn sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten, dann passt das schon bei der Frau. Wenn nicht, dann ist sie eine Spaßbremse. Wir leben in einer Gesellschaft, die Männern jederzeit ermöglicht, Gewalt auszuüben, ohne dass dies irgendeine Form von Sanktionierung erfährt.

Scheitert das Finden eines Konsenses oft am Alkohol?

Es scheitert an den nicht gestarteten Versuchen. Es ist ein allgemeines gesellschaftliches Problem, dass in bestimmten Situationen vorausgesetzt wird, dass beide Parteien einverstanden sind und beide dasselbe wollen. Und klar,ab einem bestimmten Pegel ist es nicht mehr möglich, eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Stimmt der äußere Eindruck, dass meist Männer auffällig werden?

Wenn es um sexualisierte Gewalt geht, ja, dann sind es meistens Männer, die gegenüber Nicht-Männern gewalttätig werden.

Wie reagieren Männer, wenn du, als weibliche Türsteherin, sie aus einer sexuell übergriffigen Situation raus aus dem Club ziehst?

Ich weiß nicht, wie oft ich allein gestern Nacht während meiner Schicht an der Tür, verfickte Feministin genannt wurde. Ich bekomme keine einzige Beleidigung ab, die nicht darauf abzielt, dass ich eine Frau bin. Letztens wurde ich Punkerfotze genannt und fand das mal eine Abwechslung (lacht).

 

„Die Tür ist das Medium, worüber der Club vermittelt, was für ein Ort er sein will.“

 

Wie wirkt sich die Türpolitik auf das Geschehen im Club aus?

Ich bemühe mich immer sehr, eine Anti-Rassistische und Feministische Türpolitik zu fahren und gucke, wie die Leute auf bestimmte Fragen von mir reagieren, wie sie überhaupt drauf sind, oder ob schon extrem betrunken. Die Tür ist das Medium, worüber die Kommunikation zwischen Club und Publikum stattfindet, wo der Club vermittelt, was für ein Ort er sein will. Einer, an dem sich alle Menschen wohlfühlen können, an dem darauf geachtet wird, dass alle miteinander respektvoll umgehen. Somit kann ich auch Einfluss darauf nehmen, welches Publikum im Laden ist oder aber auch als Argumentation, wenn ich jemanden rauswerfe.

Gibt es noch viele Türen, die anders handeln und denken als du?

Ich glaube, es gibt viele Orte, die sich dringend mit diesem Thema befassen sollten und das überhaupt nicht auf dem Radar haben, weil es einfach nicht Teil ihrer Philosophie ist.

Es muss also an beiden Seiten gearbeitet werden, die Einstellung der Gäste und der Clubs?

Genau. Die Philosophie der Clubs zeigt sich dann aber an vielen Stellen, wie beispielweise die Frauen-Männer- Quote beim Line-up. Das sind ganz viele Faktoren, die auf das gleiche abzielen aber sehr unterschiedlichen Einfluss auf die faktische Party haben.

Hat eure Arbeit in den Clubs schon etwas merklich bewirkt?

Ja. Vor allem erlebe ich es in dem Club, wo ich an der Tür stehe, und das Awareness-Team regelmäßig arbeitet. In dem letzten halben Jahr hat sich viel verändert. Anfangs war seitens der Gäste viel Neugierde da, aber auch ein kleiner Schock nach dem Motto: „Ist es hier so schlimm, dass ihr das braucht?“ Was nicht der Fall war, aber die Betreiber und die Mitarbeiter wollen, dass es den Gästen gutgeht und sie einfach eine gute Zeit haben können. Es ist eher wie ein Goodie obendrauf. Die Gäste haben es dann sehr schnell angenommen und mittlerweile es auch oft ein Kriterium für die Leute geworden, ob sie in den Club gehen oder nicht.

Safe Night e.V.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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