Max Frisch fragt… Maren Schönfeld

In unserer Reihe „Max Frisch fragt…“ kommt der alte Meister der Literatur mit den Wortkünstlern der Gegenwart ins Gespräch. Dieses Mal mit Maren Schönfeld. Die Lyrikerin hat gerade ihr neues Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel “Töne, metallen, trägt der Fluss – eine lyrische Elbreise”.

Können Sie sich ein leichtes Sterben denken?

Ja, als Wechsel in die nächste Welt.

Halten Sie die Dauer einer Freundschaft, die Unverbrüchlichkeit, für ein Wertmaß der Freundschaft?

Nein. Nähe und gegenseitiges Verständnis sind mir wichtiger.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Dass der Klimawandel noch aufzuhalten ist.

Was gefällt Ihnen am Neuen Testament?

Dass die Liebe das Größte ist (1. Kor. 13,13).

Wie stellen Sie sich Armut vor?

Beklemmend, weil alles gut überlegt sein will, man immer vernünftig und kostenbewusst haushalten muss – sicherlich auf Kosten der Spontaneität und der eigenen Wünsche.

Wem wären Sie lieber nie begegnet?

Niemandem. Ich habe auch oder gerade aus unliebsamen Begegnungen sehr viel gelernt.

Interview: Jenny V. Wirschky

Lesung am 20.9.2018 ab 19:30 im Kulturzentrum Motte
www.lyrischeelbreise.com


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

 

 

 

 


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Mehr Literatur?

Max Frisch fragt… Simon Urban

In unserer Reihe „Max Frisch fragt…“ kommt der alte Meister der Literatur mit den Wortkünstlern der Gegenwart ins Gespräch. Dieses Mal mit Simon Urban. Für seinen Debütroman „Plan D“ wurde er mit dem Stuttgarter Krimipreis ausgezeichnet. Sein zweiter Roman „Gondwana“ über die Weltreligionen erschien 2014. Wir verkürzen uns die Wartezeit auf sein drittes Werk mit diesem Interview…

Lernen Sie von einer Liebesbeziehung für die nächste?

Absolut. Aber leider nie, wie ich es vermeiden kann, meine Lieblingsfehler immer und immer zu wiederholen.

Wissen Sie, was Sie brauchen?

Aktuell ein Klavier mit Silence-Funktion, das Ende dieses Winters und eine Frankreich-Reise mit meiner Mutter. Generell viel mehr Zeit zum Schreiben, weniger Arbeit in der Werbung und ab und zu eine gute Foie Gras. Davon abgesehen ist das Aufdieweltbringen von originellen Ideen für mich sicher eine Art solider Zwang. Egal, in welchem Beruf.

Möchten Sie wissen, wie sterben ist?

Als gelungene Mischung aus Atheist und Agnostiker (je nach Tagesform)kann ich darauf sehr gut verzichten. Ein vollkommen schmerzfreier Tod, nach dem man garantiert wieder heil zurückgeholt wird, wäre allerdings eine spannende Erfahrung. Da ließe sich auch eine schöne Folge „Black Mirror“ draus machen.

Gibt es Freundschaft ohne Affinität im Humor?

Ich habe Freunde, über die ich beim besten Willen nicht lachen kann.Ihr Humor ist in meinen Augen – hart ausgedrückt – banal, hilflos, uninspiriert. Trotzdem kann ich mich darauf erstaunlich gut einstellen, denn diese Leute besitzen zweifellos andere hervorragende Eigenschaften. Ich nehme das also ohne größere Schmerzen hin, denke aber häufig: In einer Partnerschaft wäre mir das völlig unmöglich.Wem wären Sie lieber nie begegnet? Ich würde jetzt ja gerne sagen: dem Arschloch, das uns seine Wohnung verkauft hat –aber wenn ich dem nicht begegnet wäre, würden wir noch auf 38 Quadratmetern in Dulsberg hocken und hätten keine Badewanne.

Sind Sie sich selber ein Freund?

Da bin ich mir absolut sicher. Ich bin immer für mich da.

Interview: Jenny V. Wirschky

Mehr aus dieser Reihe:


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Max Frisch fragt… Josefine Rieks

In unserer Reihe „Max Frisch fragt…“ kommt der alte Meister der Literatur mit den Wortkünstlern der Gegenwart ins Gespräch. Diesmal mit Josefine Rieks. Ihr Debüt „Serverland“ ist seit Ende Februar beim Hanser Verlag erhältlich. Sie liest draus am 27.3. im Literaturhaus Hamburg.

Haben Sie schon ohne Bargeld leben müssen?
Ich habe eigentlich immer Kleingeld in der Hosentasche.

Was bezeichnen Sie als männlich?
Sie, Herr Frisch. Und T.C. Boyle.

Was stört Sie an Begräbnissen?
Ich habe Angst vor dem Tod.

Woraus schließen Sie, dass Tiere wie Gazellen, Nilpferde, Bären, Pinguine, Tiger, Schimpansen usw., die hinter Gittern oder in Gehegen aufwachsen, den Zoo nicht als Heimat empfinden?
Sicher, dass sie sich nicht wohlfühlen? Vielleicht unterstellen wir den Tieren das nur. Dass sie auf weiter Steppe frei und unbeschwert wären und sich nicht alle gegenseitig fressen würden, können sich doch nur Hippies vorstellen.

Die Fragen stammen aus Max Frischs „Fragebogen”, gestellt von Jenny V. Wirschky.

Literaturhaus Hamburg
27.3.18, 19.30 Uhr


Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Max Frisch fragt… Thorsten Nagelschmidt

In unserer Reihe „Max Frisch fragt…“ kommt der alte Meister der Literatur mit den Wortkünstlern der Gegenwart ins Gespräch. Diesmal mit Thorsten Nagelschmidt, der am 22. Februar seinen neuen Roman „Abfall der Herzen“ veröffentlicht. 

Was empfinden Sie als Eigentum: a) was Sie gekauft haben, b) was Sie erben, c) was Sie gemacht haben?
Thorsten Nagelschmidt: Alles drei, am meisten aber wohl doch a)

Wogegen sind Sie nicht versichert?
Sterben.

Was fürchten Sie mehr, das Urteil von Freunden oder das Urteil von Feinden?
No fear.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?
Mitglied des Club 27 zu werden (vor langer Zeit). 

Die Fragen stammen aus Max Frischs „Fragebogen”, gestellt von Jenny V. Wirschky.

Thorsten Nagelschmidts neuer Roman „Abfall der Herzen“ erscheint am 22.2.18 im Fischer Verlag. 

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von SZENE HAMBURG, Februar 2018. In unserem Magazin finden Sie noch mehr interessante Beiträge über den Stadtteil. Es ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Max Frisch fragt… Sascha Leirich

In unserer Reihe „Max Frisch fragt…“ kommt der alte Meister der Literatur mit den Wortkünstlern der Gegenwart ins Gespräch. Diesmal mit Sascha Leirich, der gerade seinen Debütroman „Adrians Auftrag” über einen freiberuflichen Hamburger Werbetexter herausgebracht hat.

Max Frisch: Was bezeichnen Sie als männlich?

Sascha Leirich: In solchen Kategorien denke ich persönlich nicht. Aber meine Romanfigur Adrian weist gewisse machoeske Züge auf – bis er mit der hässlichen Fratze der Realität konfrontiert wird.

Wenn Sie an Verstorbene denken, wünschten Sie, dass der Verstorbene zu ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

Wenn ich tot bin, möchte ich meine Ruhe haben! Deshalb sollen mich die Toten zu Lebzeiten gefälligst in Ruhe lassen.

Wie stellen Sie sich Armut vor?

Teuer!

Warum müssen wir die Frauen nicht verstehen?

Weil dieses Verständnis Liebe voraussetzt. Und die Liebe ist der fünfte Reiter der Apokalypse.

Interview: Jenny V. Wirschky

Foto: Tanja Leirich

Sascha Leirich: Adrians Auftrag, Saga Egmont, 180 Seiten, 9 Euro. 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Dezember 2017. Das Magazin ist seit 28. November  2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!