(26.4.) Theater: Kaspar Häuser Meer, Thalia, 20 Uhr

Sozialarbeiter haben einen undankbaren Job. Besonders, wenn es sich bei ihren Schützlingen um verwahrloste und misshandelte Kinder handelt, deren Elend sie oft nur verwalten können. Wenn eines stirbt, steht nicht das System am Pranger, sondern jene, die sich trotz chronischer Überlastung engagieren. Die Autorin Felicia Zeller hat in deutschen Jugendämtern recherchiert und stellt in ihrem Stück drei Sozialarbeiterinnen in den Fokus. Als deren Kollege ein Burn-out erleidet und krankgeschrieben wird, landen seine unerledigten Akten zusätzlich auf ihren Schreibtischen und die bereits angespannte Situation eskaliert vollends. Die mit dem Publikumspreis der 33. Mühlheimer Theatertage ausgezeichnete Felicia Zeller transportiert die Inhalte nicht nur über die Handlung. Sie attackiert, ähnlich wie Elfriede Jelinek, das Thema mit Sprachgewalt. Die gestressten Frauen ringen nach Worten, verhaspeln sich, bis ihre Sprache kollabiert. Die stakkatohaften und poetischen Wortfetzen ergeben einen Sound, der musikalisch von Konrad Hempel begleitet wird. Auch das Ensemble mit Gabriela Maria Schmeide, Birte Schnöink und Victoria Trauttmansdorff klingt vielversprechend. (KAL)

Thalia in der Gaußstraße
26.4., 20 Uhr
Ticket: 22 Euro

(26.4.) Konzert: Bernhoft, Mojo, 20 Uhr

Loops statt Band

In seiner Heimat ist Bernhoft längst ein Star und, seitdem er im letzten Jahr als erster Nicht-Amerikaner für einen Grammy nominiert wurde, auch weltwelt kein Geheimtipp mehr. Das musikalische Markenzeichen des Norwegers ist ein fast Prince-artiges Falsett, das er in mehrfachen Loops übereinanderlegt und mit funkigem Soulpop, Beatboxing und Klopfen auf seiner Akustik-
gitarre mischt. Dieser Stil ist vor allem praktisch, behauptet Bernhoft: So muss er keine Gastmusiker bezahlen. Geiz hat noch nie so gegroovt. (NAT)

Mojo Club
Reeperbahn 1
26.4., 20 Uhr

(25.4.) Poetry Slam: Lautsprecher U20 Slam, Jolly Jumper, 20 Uhr

„Wir sind nicht Generation Amok, Generation Facebook, Generation Porno. Wenn ihr das Lebensgefühl einer Generation erleben wollt, hört ihr einfach nur zu: Wir sind die Generation Poesie.“ Das zumindest trifft sicher auf die U20-Lautsprecher zu. In Kooperation mit dem Kampf der Künste kommen jeden vierten Montag im Monat im Haus 73 die jungen Poeten an die Reihe, um uns von ihrer und unserer Welt zu erzählen. Und auch hier wird es so vielfältig, wie das Leben eben ist. Ein guter Montagabend! (AW)

73/Jolly Jumper
Schulterblatt 73
25.4., 20 Uhr

(25.4.) Ausstellung: „… und eine welt noch“, Kunsthaus, 19 Uhr

Fiona Banner, Isa Genzken oder Jorinde Voigt: Die Ausstellung „… und eine welt noch“ beschäftigt sich mit den Arbeiten von Hanne Darboven (1941–2009), mit ihrer Auseinandersetzung mit Zeichen, Schreibsystemen und Zeitgeschehen und damit, wie alle jungen Künstlergenerationen davon beeinflusst werden. Mit mehr als 50 Künstlern spannt die Schau den Bogen von Wegbegleitern wie Sol LeWitt und Lawrence Weiner zu zahlreichen Zeitgenossen. Heute Abend wird die Ausstellung eröffnet. (SD)

Kunsthaus Hamburg
Klosterwall 15
25.4., 19 Uhr


Foto: Lia Perjovschi, 21st century, 2015

(24.4.) Film-Aktion: Absolute Giganten, 13 Kinos

Eine Stadt sieht einen Film

Ein formidabler Film-Sonntag steht am 24. April an: 13 Hamburger Arthouse- und Programmkinos haben sich zusammengetan und lassen die „Absoluten Giganten“ hochleben. Unter dem Motto „Eine Stadt sieht einen Film“ zeigen sie über den ganzen Tag verteilt Sebastian Schippers 90er-Jahre Kultfilm um drei beste Freunde, die in Hamburg einen unvergesslichen letzten gemeinsamen Abend verleben. Schon gesehen? Egal, den kann man nicht oft genug gucken. Außerdem gibt’s drum herum ein fettes Begleitprogramm, vom Kickerturnier über ein Filmquiz und Kaffeeklatsch bis hin zum Filmbingo. Eine Fotoausstellung im Metropolis Kino erinnert zudem an den mittlerweile verstorbenen Hauptdarsteller Frank Giering. Bei einigen Vorstellungen kommen Regisseur Schipper und viele andere Darsteller, darunter Florian Lukas, Gustav Peter Wöhler und Guido A. Schick, auch persönlich zum Schnacken vorbei. Abends steigt auf dem Hamburger Berg 13 im Headcrash eine After-Cinema-Party mit Livemusik von „Die Vögel“. Rockt! (MAS)

Eine Stadt sieht einen Film
verschiedene Kinos
verschiedene Zeiten

(24.4.) Musikfest: La Passione, Deichtorhallen, 20 Uhr

Bachs epochale Matthäus-Passion, dirigiert von Kent Nagano und inszeniert vom Regisseur Romeo Castellucci, bildet den Auftakt zum 2. Internationalen Musikfest, das vom 21. April bis zum 22. Mai in Hamburg stattfindet. Das Besondere: Castellucci verlegt „La Passione“ in die Deichtorhallen. Ganz in der Tradition seiner Theaterarbeiten, die stark durch die bildende Kunst geprägt sind, arbeitet er auch hier mit Bildern in Form von Objekten. Diese „Steine“, wie die Oper ankündigt, stehen für Probleme, Hindernisse, die den Betrachter zwingen seine Richtung zu ändern und so einen Weg öffnen zum Hinhören und Innehalten. Denn für Castellucci ist das Theater „der Anlass zu denken, das Sehen zu sehen, sich als Zuschauer vor Probleme gestellt zu sehen, die in voller Absicht gerade für ihn gestaltet wurden – es ist die Erörterung der Frage, was es bedeutet, Zuschauer zu sein.“ (HB)

Deichtorhallen
Deichstraße 1
24.4., 20 Uhr
Restkarten: ab 109 Euro

Foto: Luca del Pia

(23.04.) Party: Hamburg Elektronisch Release, Beta Lounge, 20 Uhr

Die Hamburger Schule hat auch im Nachtleben deutsche Musikgeschichte geschrieben. Zum Beispiel als der FRONT-Club die erste Heimat für House Music in der BRD wurde, als DJ Koze damals Blumfelds „Tausend Tränen tief“ zu Minimal House verwandelte oder als Tocotronic sich von Erobique haben remixen lassen. Und bis heute lebt sie, die Hamburger Abendschule, in den Clubs der Stadt von Golem über TurTur und PAL bis hin zu Läden, die öffentlich nicht genannt werden wollen. Dieser Szene möchte die Reihe „hamburg elektronisch“ mit ihren Releases ein akustisches Denkmal setzen. Die dritte Compilation unter dem Motto „von house zu house“ kommt jetzt raus – mit exklusiven Tracks von DJ Koze, Erobique, Christopher Rau usw. Und das soll am Samstag gefeiert werden. Eine ganze Reihe Hamburger DJs sind dabei am Plattenteller zu finden. Deo & Z-Man, eurokai, Joney, Les Loups, levente SUBURB, ralf köster, RSS Disco, Tilman Tausendfreund, tobias lampe, tobi schmid, Patlac, vincenzo heißen sie und schicken uns zur Abendschule auf die Tanzfläche. Endlich macht Schule Spaß! (AW)

Beta Lounge/Hamburger Botschaft
Sternstraße 67
23.4., 20 Uhr

(23.4.) Konzert: Jamie Woon, Laeiszhalle, 21.30 Uhr

Wer kann schon behaupten, mit Adele und Amy Winhouse studiert zu haben? Jamie Woon kann! Der 33-jährige Sänger aus London, dessen Mutter prominente Gesellschaft genoss (Mae McKenna war u.a. Backgroundsängerin von Kylie Minogue und Blur), stand jedoch nie im Schatten seiner Jahrgangsstars, sondern legte als Soul-Vokalist eine ordentliche Karriere hin. Er tritt beim 2. Internationalen Musikfest Hamburg (21.4.–22.5.) auf – in bestem Ambiente in der Laiszhalle. (EBH)

Großer Saal Laeiszhalle
Dammtorwall 46
23.4., 21.30 Uhr
Ticket: 28,13 Euro

Foto: The Quietus

(23.4.) Live: Busdriver, Hafenklang, 22 Uhr

Beats statt Konventionen

Ins Bewusstsein des Mainstreams hat es Regan Farquhar aka Busdriver nie ganz geschafft – vielleicht auch, weil er immer wieder herzlich in seine Richtung austeilt – in HipHop-Kreisen, insbesondere rund um seine Heimat L.A. hat er seinen Namen jedoch längst in Stein gemeißelt. Als einer, der wenig auf (HipHop-)Konventionen gibt, mit verschiedensten Stilen von Jazz bis Alternative herumexperimentiert, das Tempo gerne in die Höhe schraubt und ein begnadeter Freestyler ist. Gebt ihm einfach ein Mikro und lasst ihn rappen! (MME)

Hafenklang
Große Elbstraße 84
23.4., 22 Uhr

(22.4.) Lesung: Geist gegen Qual, Westwerk, 20 Uhr

Kafka gelesen von Franz Kaltenbeck und Eckhard Rhode. „Jeder Satz spricht: deute mich, und keiner will es dulden“, sagt Adorno in seinen Aufzeichnungen zu Kafka. Dem folgend analysiert Kaltenbeck das „pathologische Gesicht des Gesetzes“, Rhode den Unterschied von „Gewalttätigkeit mit und Gewalt der Sprache“. Und zusammen lesen sie aus dem und diskutieren das Werk Franz Kafkas. Am Freitag. Im Westwerk.


Westwerk
Admiralitätstraße 74
22.4., 20 Uhr

Foto: Charles Ray, Untitled