(5.6.) Glaube Liebe Hoffnung, Schauspielhaus, 18 Uhr

Ein Orchestergraben ohne Orchester, stattdessen entweichen aus Lautsprechern einzelne Tonfetzen, bis langsam „Der Tod und das Mädchen“ von Schubert zu erkennen ist. Neben Walzern, Märschen und Popsongs eines der Musikstücke, das im Laufe des Abends immer wieder von Clemens Sienknecht angespielt wird. Nächste Szene: Ein Handwerker repariert über dem Eingang des Anatomischen Instituts eine kleine Ewigkeit lang die aus den Fugen geratenen Buchstaben, bis ihm die Sprossen seiner Leiter wegbrechen. Christoph Marthaler treibt es in seiner 3,5-stündigen Inszenierung von „Glaube Liebe Hoffnung“ mit der Zerdehnung der Zeit auf die Spitze. 2012 hatte das Volksstück von Ödön von Horváths bei den Wiener Festwochen Premiere. Nach Stationen in Zürich, Paris und Berlin wechselt es nun ans Hamburger Schauspielhaus, wo einige Darsteller dieses perfekt eingespielten Teams inzwischen zum Ensemble gehören. (AK)

Schauspielhaus
Kirchenallee 39
5.+10.6., 18 Uhr

Foto: Walter Mair

(3.6.) Premiere: Der Umbrella Code, Monsun Theater, 19 Uhr

Hamburg im Jahre 1939: Hans, Marie und Freddy spielen auf ihren tragbaren Plattenspielern am liebsten Duke Ellington und Louis Armstrong. Sichtbar zollen sie der angloamerikanischen Lebensart Tribut, indem sie sich betont lässig anziehen und sich so von der braunen Hitlerjugend abgrenzen – In einer Zeit, in der Uniformität und Gehorsam (über-)lebensnotwendig waren. Die drei Freunde gehören zu den sogenannten „Swing Kids“, eine Jugendbewegung, die Musik als Lebensgefühl versteht und in ihr Freiheit findet. In Nazi-Deutschland ein Verbrechen, müssen die drei ständig vor Hitlers Schergen fliehen, was nicht lange gut geht. Das Stück für Jugendliche ab zwölf Jahren beruht auf einer wahren Begebenheit, die durch Rückschauen, Bezüge zur Gegenwart und viel Musik wiederbelebt wird. (HED)

Monsun Theater
Friedensallee
3.6., 19 Uhr
Ticket: 13,90 Euro


Foto: Andreas Hartmann

(1.6.) Festival: Projeto Brasil, Kampnagel, ab 20 Uhr

Tropicalypse Now!

Brasilien steht für Samba, Karneval und Fußball, aber auch für Wirtschaftskrise, Rassismus und Umweltzerstörung. Wie sich die performativen Künste des größten südamerikanischen Landes mit ihrer gesellschaftlichen Situation auseinandersetzen, zeigt das Festival „Projeto Brasil. Tropicalypse Now“ vom 1. bis 11. Juni. Lia Rodrigues, eine der wichtigsten brasilianischen Choreografinnen, eröffnet mit „For The Sky Is Not To Fall“ (Foto) das vielfältige Programm. In ihrem Tanzstück thematisiert sie den Klimawandel und lässt sich von der Spiritualität der indigenen Bevölkerung ihres Landes inspirieren. Ab 3. Juni mischen sich die Akteure von Demolition Inc. unter das Publikum. Der international agierende Performer Marcelo Evelin lässt die Zuschauer in „Suddenly Everywhere Is Black With People“ die Furcht und Faszination vor dem Unbekannten hautnah nachspüren. Neben zeitgenössischem Tanz und Theater werden auf Kampnagel Konzerte, Lectures und Workshops veranstaltet. (KAL)

Kampnagel
Jarrestraße 20
1.–11.6.

Foto: Sammi Landweer

(28.5.) Premiere: Die große Freiheit, Das Schiff, 19.30 Uhr

Durch die gemütliche Kajüten-Atmosphäre unter Deck des Theaterschiffs am Nikolaifleet bekommen Stücke, die auf hoher See spielen, eine ganz besonders authentische Wirkung, wie zuletzt bei „Novecento“. In „Die große Freiheit“ unterhalten Max und Walter seit Jahrzehnten als Entertainer-Duo betuchte Gäste auf Luxuslinern. Abgeschnitten vom Rest der Welt, scheint dort die Zeit stehen zu bleiben, während sich das Festland, vor allem Europa, immer mehr verändert. So kommt es, dass der Kreuzfahrtchef plötzlich findet, Max und Walter seien nicht mehr up to date. Die beiden stürzen in eine existenzielle Krise, dessen Licht am Ende des Tunnels als grenzenlose Freiheit erscheint. Ein (Lieder-)Abend mit Sandra Maria Schoener, Tommaso Cacciapuoti und Felix-Oliver Schepp, die ihr Gesangs- und Schauspieltalent bereits auf vielen Hamburger Bühnen bewiesen haben (HED)

Das Schiff
Nikolaifleet, Holzbrücke 2
28.5., 19.30 Uhr

(22.5.) Premiere: “Ritter, Dene, Voss”, Hamburger Kammerspiele, 19 Uhr

Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard hat in seinen Dramen immer wieder Schauspielern ein Denkmal gesetzt, indem er für sie kongeniale Rollen schrieb. In dem Stück „Ritter, Dene, Voss“ sind es gleich drei großartige Mimen, die er auf diese Weise verewigt hat: Ilse Ritter, Kirsten Dene und Gerd Voss, die auch in der von Claus Peymann inszenierten Uraufführung bei den Salzburger Festspielen 1986 selbst die Figuren spielten. Sie verkörpern drei Geschwister, die sich nicht aus ihren familiären Verstrickungen lösen können. Dene, die ältere Schwester, hat den Bruder nach einem Psychiatrieaufenthalt nach Hause ins Elternhaus geholt, wo die beiden Schwestern noch immer leben. Sorgfältig hat sie für den genialen Tyrannen ein Essen vorbereitet und Papier bereitgelegt, damit er jederzeit seine philosophischen Ergüsse diktieren kann. Doch schon bald eskalieren die Gefühle zwischen dem Despoten und seinen Schwestern. An den Kammerspielen inszeniert Regisseur Jasper Brandis die Bernhard’sche Untergangskomödie mit den Schauspielern Markus Boysen, Imogen Kogge und Ulli Maier. (KAL)

Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11
22.5., 19 Uhr

(21.5.) Hallöchen, Kraftwerk Bille, 15 Uhr

Neue Räume für Hamburger Künstler und Kulturmacher – das wollen die „Hallo-Festspiele“. Ein solcher Raum ist zum Beispiel das leerstehende Kraftwerk Bille, in dem das kleine alternative Festival im Herbst 2015 zum ersten Mal stattgefunden hat. Im Spätsommer kehren die Festspiele zum zweiten Mal an die Bille zurück. Die eintägige Auftaktveranstaltung „Hallöchen“ wartet bereits im Mai zwischen Brombeerbüschen und Backstein mit Musik, Performances und kühlen Getränken auf. (NAT)

Kraftwerk Bille
Anton-Ree-Weg 50
21.5., 15–21 Uhr

(20.5.) Minifestival: Horst Blau geht Tauchen, Fundbureau, 18 Uhr

Von Abtauchen keine Spur: Zu ihrem eintägigen Festival schmeißen sich die Jungs und Mädchen von Horst Blau (verantwortlich auch für das Skandaløs-Festival im vergangenen August) so richtig in Schale. Dabei stehen zunächst fünf Stunden Allerlei mit Theater, Lesung und Livemusik auf dem Programm, ehe von 23 Uhr bis in die Morgenstunden zu bassbewummerten Beats getanzt wird. Wer in Badehose und Schnorchel auftaucht (ha!), muss trotzdem Eintritt zahlen, bekommt aber Style-Punkte ohne Ende. (FR)

Fundbureau
Stresemannstrasse 114
20.5., 18 Uhr

(20.5.) Premiere: Happy Birthday, Henry!, Die 2te Heimat, 19.30 Uhr

Das Leben, die Liebe und ein guter Haarschnitt

Wer „Henry, Friseur ohne Grenzen“ in der 2ten Heimat bereits gesehen hat, kann sich freuen, denn im Mai kommt die Fortsetzung des Stücks auf die Bühne. Frisch von seiner Auszeit in Südfrankreich zurück in Hamburg, will Henry seinen 70. Geburtstag groß feiern. Doch bevor es dazu kommt, findet seine älteste Stammkundin Greta eine Liste mit seinen Wünschen für den Ablauf des Festes und kommt dadurch ins Erzählen. Geschichten, die zu Herzen gehen, mal bissig, mal komisch – wie das Leben und die Liebe eben sind. Zum Plaudern lädt die 2te Heimat auch nach dem Stück in geselliger Runde ein. Denn, wenn der Bühnenvorhang gefallen ist, öffnet sich ein anderer und gibt lange Tafeln frei, an denen die Zuschauer bei einem Drei-Gänge-Menü und dem ein oder anderen Glas Wein den Abend gemütlich ausklingen lassen können. (HED)

Die 2te Heimat
Max-Brauer-Allee 34
20.5., 19:30 Uhr

Foto: Ulrike Schacht

(17.5.) Moby Dick, Thalia Theater, 20 Uhr

“Ich kenne das Buch gut und auch die Beweggründe Herman Melvilles. Und hatte meine Bedenken, doch auch das Vertrauen in das Theater mit all der vielen Information über den Walfang, den Gesellschaftlichen Aspekten und den teilweisen Längen im Roman klarzukommen. Und dann das: Was für ein tiefes, großes und seelisch kraftvolles Ganzes habe ich nicht nur gesehen, nein – erlebt gestern Abend!! Mehr kann sich ein Autor nicht wünschen, als so umgesetzt zu werden.”

Diese Besucherin und viele andere waren laut Kommentaren auf der Thalia-Seite schon einmal begeistert von der Hamburger Inszenierung von “Moby Dick” – vom Ensemble, von den Szenen, in denen sie energetisch im Chor sprachen und von der Leidenschaft. Regisseur Antú Romero Nunes hat das Buch von Herman Melville auf die Bühne gebracht. Premiere war schon im September 2013, die mitreißende Geschichte wird aber bis heute zu vereinzelten Terminen gezeigt. An diesem Dienstag zum Beispiel. (AW)

Thalia Theater
Alstertor
17.5., 20 Uhr
Tickets: 7,50 bis 38 Euro

(13.5.) Premiere: Glaube Liebe Hoffnung, Schauspielhaus, 19.30 Uhr

Untergang der Mittelschicht

Elisabeth arbeitet selbstständig als Vertreterin. Da sie keinen Gewerbeschein hat, erhält sie eine Geldstrafe, die sie nicht bezahlen kann und versucht deshalb ihre zukünftige Leiche für 150 Mark ans Anatomische Institut zu verkaufen. Was Elisabeth auch unternimmt, sie rutscht immer tiefer in ihre hoffnungslos prekäre Situation und landet schließlich im Gefängnis. Am Ende bleibt ihr nur der Suizid. Das Volksstück „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horváth aus dem Jahre 1932 basiert auf einem realen Gerichtsfall und entstand unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise. Wie in seinem legendären Wurzel-Faust am Hamburger Schauspielhaus, als der Regisseur Christoph Marthaler Mephisto und Gretchen vervielfältigte, lässt er auch hier die Protagonistin Elisabeth in zwei Versionen auftreten (Olivia Grigolli und Sasha Rau). Er zeigt nicht ein individuelles Schicksal, sondern skizziert den sozialen Abstieg einer ganzen Gesellschaftsschicht. Die Inszenierung von Marthaler kommt von der Berliner Volksbühne nach Hamburg. (KAL)

Schauspielhaus
Kirchenallee
13.5., 19.30 Uhr
Ticket: ab 10 Euro

Foto: Walter Mair