(12.4.) Theater: “Die Wand”, Hamburger Kammerspiele, 20 Uhr

Das Wiener Burgtheater ist zu Gast in den Hamburger Kammerspielen. Im Gepäck das Solostück „Die Wand“. Eines Morgens wacht eine Frau (Dorothee Hartinger) mitten in den Bergen in einer Hütte auf, eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand hinter der kein Leben mehr existiert. Ein Leben ohne andere Menschen – eine Bedrohung und zugleich eine Sehnsucht? Der Roman von Marlen Haushofer ist in seiner Deutung vielschichtig: Ein Symbol für Barrieren, die uns von den Mitmenschen trennen? Für Ausgrenzung und Depression? Sozialisationskrankheiten, die eines gemein haben: Einsamkeit. (HB)

Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11
12.4., 20 Uhr

Foto: Reinhard Werner

Trailer zum gleichnamigen Fernsehfilm

(10.4.) Theater: “Die Netzwelt”, Hamburger Kammerspiele, 19 Uhr

Diffuse Freiheit in der weiten virtuellen Welt

Im Internet fällt es leicht, die kultivierte Fassade gänzlich fallen zu lassen. An einem Ort, an dem sich die geheimsten Sehnsüchte erfüllen, die dunkelsten Fantasien ausgelebt werden können, und das ohne seine Identität offenbaren zu müssen. Dieser Ort ist der virtuelle Club „Hideaway“ im „The Nether“, einer optimierten Version des heutigen Internets. Hier floriert das Geschäft mit Sex und Gewalt – Allerdings mit dem Einverständnis aller Beteiligten, also ganz legal, wie Woodnut feststellt, der sich als verdeckter Ermittler in die Simulation einloggt. Und in kürzester Zeit selbst in den Sog der totalen Freiheit gerät. Das Stück von Jennifer Haley beschäftigt sich mit den Strukturen einer virtuellen Parallelwelt: Welche Gesetze sind dort gültig? Welcher Moral bedient sich der Einzelne, wenn sein soziales Umfeld ausgeblendet ist? Und bleibt das dortige Handeln tatsächlich ohne Konsequenzen fürs reale Leben? (HB)

Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11
10.4., 19 Uhr

Foto: Anatol Kotte

(8.4.) Bühne: Kein Schiff wird kommen, Monsun Theater, 20 Uhr

Kleine große Welt

Ein junger Theaterautor soll ein Stück über den Mauerfall schreiben, das ganz große Rad solle er drehen, sagt sein Intendant. Doch woraus schöpfen? Als der Kalte Krieg zu Ende ging, war er noch ein kleiner Steppke. Also kehrt er zurück nach Föhr, in seine alte Heimat und befragt seinen Vater, wie das war, damals. Doch die große Weltpolitik verliert in ihren unbeholfenen Gesprächen schnell an Bedeutung, Alltäglichkeiten werden wichtiger. Vor allem die Erinnerung an das langwierige Sterben seiner Mutter. Und so beginnt er sein Leben zu rekonstruieren. Der Autor Nis-Momme Stockmann schrieb mit „Kein Schiff wird kommen“ ein biografisch inspiriertes Stück, in dem die Aufarbeitung politischer Geschichte in einer Familientragödie endet. (BIE)

Monsun Theater
Friedensallee 20
8.4., 20 Uhr
Ticket: 15,90 Euro

Foto: Anette Daugardt

(7.4.) Theater: 3000 Euro, Thalia Gaußstraße, 21 Uhr

Eine Sozialstudie

Die fette Gans ist erlegt. Über die gesamte Bühnenbreite der Garage vom Thalia in der Gaußstraße liegt sie da, mit ausgefranstem Rumpf und zerfetzten Flügeln. Eine Kulisse als Sinnbild für all jene, die aufgrund ihrer sozialen Lage durch die gesellschaftliche Norm gefallen sind. So wie Anton und Denise. Sie, eine Kassiererin im Supermarkt, wünscht sich für ihre Tochter ein besseres Leben. 3000 Euro würden ihr reichen, für diese Summe dreht sie Pornos. 3000 Euro braucht auch der Obdachlose Anton, um seine Schulden zu begleichen und so dem nahenden Gerichtstermin zu entkommen. Wie Anton sagt, habe er sich selbst ins Knie geschossen und hinke seitdem hinterher. Im Wettlauf mit der Gesellschaft um soziale Anerkennung sind beide auf der Strecke verreckt und lecken seitdem ihre Wunden zurückgezogen in Einsamkeit. Doch als die beiden aufeinandertreffen, und ihresgleichen erkennen, keimt die Sehnsucht nach Beistand und ein wenig Liebe auf. In der melancholischen Inszenierung von Julia Jost wird das jeweilige Leben von Denise und Anton über einzelne Szenen und Erzählpassagen rekonstruiert: Wie sind sie in diese Schieflage geraten? Und wie sieht das Leben eigentlich aus, so am Rande der Gesellschaft? Knapp 90 Minuten lang steht das Stück unter dem wagen Schimmer der Hoffnung, doch bekanntlich stirbt diese ja zuletzt. (HB)

Thalia in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
7.4. bis 22.4., 21 Uhr

(31.3.) Musical: Tell me on a Sunday, Theater das Zimmer, 20 Uhr

Kleine Musical-Perle

Das Theater das Zimmer zeigt auf ihrer kleinen Bühne ein One-Woman-Musical – gespielt von Sandra Kiefer unter der Regie von Jan Holtappels. Aus der Zusammenarbeit der beiden Mitinhaber sind in der Vergangenheit bereits sehenswerte Inszenierungen entstanden, und sie ein gutes Händchen bei der Stückauswahl bewiesen haben. Dieser Stoff stammt aus der Feder des Musical-Papstes Andrew Lloyd Webber, der neben Welterfolgen wie „Cats“ auch Stücke für kleinere Bühnen geschrieben hat – mit weniger Pomp und mehr Tragik. Eine junge Frau bricht auf, um in einem ihr fremden Land ein neues Leben zu beginnen. Doch die anfängliche Euphorie verfliegt, als sie keine Aufenthaltsgenehmigung bekommt, es sei denn, sie heiratet. So wird Liebe zum Kalkül. Und ihre Träume verblassen in einer Welt, in der ihre gesamte Hoffnung an verschiedenen Liebschaften hängt. (HB)

Theater das Zimmer
Washingtonallee 42
31.3., 20 Uhr

(22.3.) Theater: Yasmina Rhezas’ “Kunst”, St. Pauli Theater, 19.30 Uhr

Yasmina Rhezas Stück „Kunst“ dreht sich um das „Nichts“: Serge (Stephan Schad) hat ein Bild gekauft: 1,60 x 1,20 Meter weiße Fläche mit kleinen weißen Streifen. Sein Freund Marc (Peter Jordan) hält Serge für einen Snob, weil er für „diese Scheiße“, wie er es nennt, so viel Geld ausgegeben hat. Der dritte im Bunde, Yvan (Hans Löw) will heiraten und ist mit den Vorbereitungen beschäftigt. Jetzt soll der von Natur aus Konfliktscheue im Kunststreit den Schiedsrichter spielen. Boshafte Pointen und begnadete Schauspieler machen diese Zerreißprobe dreier Freunde zu einem Erfolgsstück. (HB)

St. Pauli Theater
Spielbudenplatz 29 – 30
22.3., 19.30 Uhr

Foto: Christian Enger

(21.3.) Theater: Soulkitchen, Ohnsorg Theater, 19.30 Uhr

Der Kultfilm auf Plattdeutsch

Fatih Akins gleichnamiger Kinofilm von 2009 ist eine Liebeserklärung an Hamburg. Und ein moderner Heimatfilm, über den er sagt: „Es geht um den Kampf für die Heimat als einen Ort, den es in einer zunehmend unberechenbaren Welt zu schützen gilt.“ Dieser Ort ist das Restaurant von Sino, in dem sich die Wege seiner Freunde und Familie immer wieder kreuzen, ein Ort, wo Liebe, Loyalität und Verrat nah beieinanderliegen. Doch sowohl im Restaurant als auch in Sinos Leben herrscht Flaute. Seine Freundin geht nach Shanghai und sein vorbestrafter Bruder bittet ihn um einen Job. Zudem erleidet Sino einen Bandscheibenvorfall. Als ein Immobilienhai ihm das Restaurant abluchsen will, um dieses abzureißen und das Grundstück teuer zu verkaufen, gerät Sino in einen Strudel aus Ereignissen. Das Ohnsorg Theater inszeniert die Geschichte in einer plattdeutschen Version mit der Soulsängerin Love Newkirk und ihrer Band. (HB)

Ohnsorg Theater
Hachmannplatz
21.3., 19.30 Uhr

(21.3.) Theater: Funny Girl, Schauspielhaus, 19 Uhr

Zwischen Glaube und Freiheit

Ein weiblicher Comedy Star in einer Burka auf der Bühne. Das ist die junge Azime, aufgewachsen im modernen London und geprägt durch ihre gläubige, kurdische Familie – ein Spagat zwischen Islam und Säkularismus, Kopftuch und bauchfreiem Oberteil. Ihren eigenen Weg findet sie erst, als in der Londoner U-Bahn Terroristen Bomben zünden: Gegen das Drängen ihrer Mutter, sie solle möglichst schnell heiraten, stellt sich Azime auf die Bühne. Sie hat eine Mission: „Ich will euch zeigen, dass sogar Fatwa und Terrorismus und religiöser Extremismus ihre lustigen Seiten haben.“ Natürlich stößt Azime in ihrem Kampf gegen Vorurteile und für Selbstbestimmung auf Widerstand, und das nicht nur vom Moloch im Internet, sondern auch von der eigenen Familie. Eine Geschichte, die prädestiniert ist, alle gängigen Klischees und Themen der islamischen Kultur aufzugreifen: Ehrenmord, Terrorismus und die Rolle der Frau. (HB)

Junges Schauspielhaus
Kirchenallee 39
21.3., 29 Uhr

Foto: Sinje Hasheider

(17.3.) Theater: Liebeslügen, Ernst Deutsch Theater, 19.30 Uhr

Das Leben ist eine Beziehungskiste

Von Ildikó von Kürthys bislang neun Büchern wurden über sechs Millionen Exemplare in rund dreißig Sprachen verkauft. Ihre Heldinnen befinden sich meistens auf Identitätssuche irgendwo zwischen Heimchenfantasien, Liebeswahn und Karriereglück; Rollen- und Genderklischees weiß von Kürthy dabei mit gefälligem Augenzwinkern zu nutzen. Ihr erstes Bühnenstück „Liebeslügen oder Treue ist auch keine Lösung“ zeigt drei gegensätzliche Freundinnen auf der ewigen Suche nach dem perfekten Beziehungskonzept für Frau und Mann. Aber funktioniert das, was als Nachttischlektüre so angenehm plätschernd amüsiert, auch auf der Bühne? Von Kürthys Texte könnten sich als Grundstoff ebenso eignen für sinnleere Gendercomedy wie für gewitzte Beiträge zum Feminismus, irgendwo zwischen Alice Schwarzer, Ronja von Rönne und Anne Wizorek. Die Inszenierung von Andreas Kaufmann wird es zeigen. (BIE)

Ernst Deutsch Theater
Friedrich-Schütter-Platz 1
17.3., 19.30 Uhr