Was geht ab auf dem Reeperbahn Festival?

7 Tipps für’s Festival

Diese sieben musikalischen Acts legen wir euch ans Herz – von Mittwoch bis Samstag auf dem Reeperbahn Festival

Mittwoch

Martin Kohlstedt
Ein junger Pianist, der weit ab vom Moloch Berlin in der Provinz federleichte Piano-Stücke schreibt. Rein instrumental und ein schwebender Einstieg.
Mi, 23.9., 22.10 Uhr
kukuun, Spielbudenplatz 21-22

Donnerstag

Wanda

Popmusik aber auch „Amore“ aus Wien: Für unseren Musikredakteur die Band der Stunde.
Do, 24.9., 23.30 Uhr
Docks, Spielbudenplatz 19

Freitag

Written In Waters

Avantgarde-Band aus Brighton, die mit Elementen aus ProgRock, Metal und Jazz experimentiert und mit Beth Cannon eine herausragende Vokalistin hat.
Fr, 25.9., 13.15 Uhr
Spielbude, Spielbudenplatz

Dan Mangan

Kanadischer Sänger, der mit komplexen, gegen den Strich gebürsteten Kompositionen überzeugt. Energetisch, dunkel, laut.
Fr, 25.9., 20.55 Uhr
Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66

Samstag

John Milk

Französischer Soulsänger mit einer Falsett-Stimme in der Tradition von Curtis Mayfeld und anderen Soulkünstlern der 60er- und 70er-Jahre.
Sa, 26.9., 20 Uhr
Spielbude, Spielbudenplatz

Torres

US-Sängerin aus Nashville, die mit ihrer rauen Stimme an die junge PJ Harvey erinnert. Atemberaubend.
Sa, 26.9., 22.40 Uhr
Knust, Neuer Kamp 30

Bad Breeding

Hardcore-Punkband (Foto) aus dem Großraum London mit politischem Anspruch, herausgerotzter Wut und überbordender Energie.
Sa, 26.9., 23.59 Uhr
Molotow, Nobistor 14

Auswahl: Heinrich Oehmsen & Lena Frommeyer
Foto (Bad Breeding): FKP Scorpio

Wanda: Popmusik mit Amore

Die Wiener zählen zu den Highlights des Reeperbahn Festivals. Wir sprachen mit Sänger Marco Michael Wanda über seine Steherqualitäten, Zärtlichkeiten und Scham

SZENE HAMBURG: Wanda, Wanda, Wanda – wo man hinguckt, seid ihr schon. Kannst du den Hype überhaupt noch bewältigen? Wie viel Großinteresse verträgst du?

Marco Michael Wanda: Ich vertrage einiges, bricht man mir nicht unbedingt mit dem ersten Schlag die Nase, kann ich sehr lange stehen. Bin ich nicht gerade in depressiver Verstimmung, kann ich auch gut mit Frauen zärtlich sein, aber zu viel Interesse an meiner Person vertrage ich selbstverständlich schlechter. Ein Mann kann vieles, aber es bedarf einer eigenen Art von Blödheit, sich nicht zu schämen, wenn man ständig gelobt wird.

Tagsüber unterwegs, abends vor den Massen stehen: Wann und wie tankst du zwischendurch die Energie dafür?

Es gibt einen Ort, der nur mir gehört. An diesen gehe ich, und er wird auf immer mein Geheimnis sein.

Und wenn du auf die Bühne gehst? Bist du dann sofort im Entertainer-Modus? Kannst du jederzeit abliefern, wenn es verlangt wird?

Ich kann als Musiker fast immer unterhalten. Dafür erhalte ich Geld und Anerkennung. Dafür bezahle ich auf ganz eigene Art.

Ist nach der Show noch Zeit für Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll? Oder spart ihr euch die Wildheit, um am nächsten Morgen fit zu sein?

Wir können sehr wild sein, wir können aber auch gut erschöpft schlafen gehen.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Flo Senekowtisch

Wanda haben sich nach einer Wiener Zuhälterin benannt: Wanda Gertrude Kuchwalek, in den 1970er-Jahren auch bekannt als die „Wilde Wanda“. Wie passend – ist ein Konzertbesuch bei dieser Band doch irgendwie auch wie Liebe kaufen oder besser: „Amore“. So hieß 2014 das erste Wanda-Album, mit Liedern über Liebe, Alkohol, schlimme Trennungen und unerfüllte Träume. Am 2. Oktober erscheint Album Nummer zwei: „Bussi“.

Wanda spielen beim Reeperbahn Festival, 23.–26.9.

Don`t Panic! We`re from Poland

Am 24.9. startet der Showcase für polnische Bands auf dem Reeperbahn Festival. Wir sprachen vorab mit der Musikerin Mary Komasa

Auf dem Reeperbahn Festival kannst du Bands live sehen, die du sonst vielleicht nie gehört hättest. Bestes Beispiel für dieses Credo ist der Showcase “Don`t Panic! We`re from Poland” in dessen Rahmen vier Bands aus Osteuropa auf der Bühne des Spielbudenplatzes spielen. Eine der Musikerinnen ist Mary Komasa. Sie wurde in Warschau geboren, lebt heute in Berlin und macht Alternative Pop. Wir sprachen mit ihr am Telefon über die polnische Musikszene, Inspiration und Zwischenfälle mit der Polizei.

SZENE HAMBURG: Zum Showcase kommen vier Bands, alle mit einer Frau am Mikro. Können polnische Männer nicht singen?

Warum bist du von Warschau nach Paris und schließlich nach Berlin gezogen?

Wie unterscheidet sich die polnische Musikszene von der deutschen?

Wie beschreibst du deine Musik einem Fremden?

Du bist das erste Mal beim Reeperbahn Festival. Was hast du bisher gehört?

Interview: LEN

“Don’t Panic! We’re from Poland!”
Spielbudenplatz (Reeperbahn)
24.9., ab 11.30 Uhr

SZENE HAMBURG verlost zusammen mit poup-records 1 x 2 Plätze auf der Gästeliste für den Showcase des Reeperbahn Festival inklusive polnische Snacks und Getränke. Der Gewinn ist auf den Zugang zu dieser Veranstaltung beschränkt und ermöglicht nicht den Besuch anderer Locations des Festivals. Schickt eine E-Mail mit dem Betreff “We’re from Poland” sowie eurem Vor- und Nachnamen an verlosung@vkfmi.de

Timetable

12 Uhr – Sorry Boys

12.50 Uhr – Cosovel

13.40 Uhr – Mary Komasa

14.30 Uhr – XXANAXX

Countdown zum Reeperbahn Festival

Klugscheißer-Material: Funfacts zum Clubfestival rund um die Reeperbahn von 23. bis 26. September

Es ist noch ein Weilchen hin, bis die Discokugeln in den Clubs poliert werden, um beim Reeperbahnfestival für hunderte Konzerte wild zu funkeln. Vom 23. bis 26. September läuft die lokale und internationale Musikszene den Kiez rauf und runter. Sie trifft auf tausende Besucher, deren Haare vom letzten Gig noch ganz zerzaust sind und die schon im Programmheft nach der nächsten Möglichkeit suchen, ihr Bändchen am Handgelenk in die Höhe zu strecken. Wer in der Schlange vorm Club kluge Dinge sagen möchte, der zücke Stift und Zettel:

Wie viel Bands kommen?

Etwa 350, davon 250 im kuratierten Musikprogramm und weitere 100 in den Showcase-Konzerten, die schon tagsüber in den Kiez-Clubs und auf dem Spielbudenlatz laufen. Zum ersten Mal wird auch der Michel ins Festivalprogramm integriert. Hier wird der amerikanische Singer/Songwriter William Fitzsimmons (Foto oben) spielen.

Wie viele Bewerbungen sind eingegangen?

Jedes Jahr bewerben sich 2.000 Bands initiativ beim Festival, aber nur ein Bruchteil wird genommen.

Wie viele Kilometer legt man während des Festivals zurück?

Die Länge der Dreiecksroute Mojo Club / Bunker Feldstraße /Große Freiheit 36 / Mojo Club beträgt, 3,35 Kilometer.

Wie viele Helfer sind im Einsatz?

Etwa 500. Sie sorgen sich um den Bühnenaufbau, den Einlass, Kartenverkauf und Bändchenausgabe, betreuen Künstler und Gastredner bei der Conference, helfen an Infoständen. 50 von ihnen sind Volunteers.

Wie viele Minuten vor Konzertbeginn sollte man da sein?

20 Minuten reichen meistens. Die Festival-App informiert über Einlass-Stopps und etwaige Programmverschiebungen.

Wie viele kostenlose Konzerte und Veranstaltungen flankieren das Festival?

Ohne Festivalbändchen kann man einige Veranstaltungen aus dem Arts-Programm wie die Flatstock Poster Convention und Showcases in Plattenläden wie Michelle oder Zardoz besuchen. Außerdem ist das Programm auf dem Spielbudenplatz öffentlich und kostenfrei.

Alexander Schulz

The Boss: Festivalchef Alexander Schulz (Foto: Rieka Anscheidt)

Zum zehnten Mal findet das Musikfest statt. Von Beginn an ist Alexander Schulz der Kopf des Ganzen und spricht im Interview mit uns über Startschwierigkeiten und was man in diesem Jahr nicht verpassen darf

SZENE HAMBURG: Was war dein schönster Moment beim Reeperbahn Festival?

Alexander Schulz: Als ich 2013 an einem Nachmittag die Show von Deine Freunde zusammen mit meinem damals sechsjährigen Sohn Amon erlebt habe.

Und was war der härteste?

Der Sonntag nach der Premiere des Festivals 2006. Die Enttäuschung war groß, dass unser Konzept nicht so aufgegangen war, wie wir erwartet hatten.

Was war im ersten Jahr schwierig?

Wir haben das Festival lange vorbereitet und sind mit einer riesigen Euphorie, aber auch mit einer Portion Betriebsblindheit da herangegangen. Doch es war zu groß und niemand kannte dieses Format mit einem Ticket für unzählige unbekannte Künstler. Es fehlte die wichtige Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir hatten das SXSW in Austin vor Augen und dachten, was dort funktioniert, muss in Hamburg auch klappen – gleich im ersten Jahr.

Wie habt ihr die Anfangsschwierigkeiten überwunden?

Wir haben das Festival im zweiten Jahr verkleinert. Nur noch 140 Bands statt 230, nur noch 15 Locations statt 25. Wir sind langsam gewachsen. Als dann 2009 Reeperbahn Campus dazukam, hatten wir einen guten Mix aus Fans, Fachbesuchern und Künstlern. In diesem Jahr erwarten wir mehr als 30.000 Besucher.

Welche Bedeutung hat das Reeperbahn Festival für den Musikstandort Hamburg?

Vermutlich ist seine mittelbare Bedeutung für die Musikwirtschaft in Hamburg größer als seine unmittelbare. Natürlich ist es komfortabel, wenn alle deine Geschäftspartner einmal im Jahr an deinen Standort reisen. Wichtiger aber sind die Effekte, die die Veranstaltung für die Wahrnehmung und Bedeutung von Musikkultur und Musikwirtschaft am Standort das ganze Jahr über auslöst.

Wie groß ist die nationale und internationale Bedeutung?

Für Besucher, die neue nationale und internationale Künstler sehen wollen, sind wir sicher die wichtigste Plattform in Deutschland und einer der wichtigsten Markplätze für die internationale Musikwirtschaft weltweit.

Was darf man in diesem Jahr auf keinen Fall versäumen?

Unsere Zehn-Jahres-Ausstellung im Klubhaus St. Pauli oder Aquilo aus U.K. im neuen Club Häkken, ebenfalls im Klubhaus St. Pauli.

Was wünscht du dir für das Festival 2025?

Einen Keynote-Speaker wie Jack White, der dann später mit seiner Band im Docks auftritt.

Interview/Text: Heimrich Oehmsen

Reeperbahn Festival: 23.–26.9.; www.reeperbahnfestival.com

(23.9.), Reeperbahnfestival, Samm Henshaw, Nochtspeicher, 22 Uhr

Tipp für Reeperbahnfestival-Gänger: Im Nochtspeicher zeigt am Freitag, den 23.September, Samm Henshaw sein musikalisches Können. Der Mann kann Gefühle, und wie. Der 22-jährige Londoner Sänger und Songschreiber erzählt nicht nur die schönsten Geschichten von Lebenslust und Liebe, er hat auch noch eine frotteeweiche Soulstimme und ist gleich gut am Klavier und an der Gitarre. Henshaws Lieblingsmusiker: Stevie Wonder, Michael Jackson, Lauryn Hill und Frank Ocean. Sie alle will man in seinen Lieder hören, die – so rosamundepilchermäßig das klingt – schlichtweg Herzen berühren.

Nochtspeicher
Bernhard Nocht Straße 69
23.9., 22 Uhr
Eintritt mit Reeperbahnfestival-Ticket  

Foto: Andrew Whitton 

(24.9) Labelnight Tru Thoughts Recordings, Mojo Club, 24 Uhr

Im Jahr 1999 gründeten Robert Luis und Paul Jonas in Brighton, UK, das Label Tru Thoughts Recordings. Seitdem hat sich das Label zur vielseitigen Plattform für elektronische Sounds entwickelt. Vor allem die Debüt Alben “Animal Magic” von Bonobo und “The 5th Exotic” von Quantic waren Anfang 2000 wegweisend.

Der frühe Erfolg erlaubte es, einen hochqualitativen Soultronica-Roster um Acts wie Alice Russel und das Quantic Soul Orchestra aufzubauen. Der Mojo Club widmet Tru Thoughts Recordings am 24.9 eine Label Night. Nach den Konzerten des Reeperbahn Festivals übernehmen dort im Rahmen einer Aftershow-Party unter anderem Acts wie AnchorsongJ-Felix und Werkha die Bühne.

Mojo Club
Reeperbahn 1
24.9., Einlass: 24 Uhr
Eintritt: 10 Euro, mit Reeperbahn Festivalticket frei

Foto: Dav Stewart

(22.9.) Don’t Panic! We are from Poland, Häkken, 20 Uhr

Heißer Scheiß von nebenan: Auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival werden neben zahlreichen Konzerten von Bands aus Holland, dem Partnerland des Festivals, auch polnische Acts an den Start gehen. Bands wie Buslav, Coals, Jaaa und Min_T werden im Rahmen des Themenabends „Don’t Panic! We’re From Poland“ für laute Sounds und starke Beats sorgen. Vor allem Min_T, eine der aktuell spannendsten Künstlerinnen der elektronischen Musikszene in Polen, wird das Konzert zu einer schillernden Veranstaltung machen.  Hinter MIN_t verbirgt sich die zeitweise in Berlin lebende polnische Sängerin und Soundtüftlerin Martyna Kubicz, die auf ihrer EP „Turn The Lights Down“ Elektronika mit experimentellem Neo-Soul verbindet. Spannende musikalische Kost für Entdecker ist an diesem Themenabend garantiert.

Häkken
Spielbudenplatz 21/22
22.9., Beginn: 20 Uhr
Eintritt: ab 35 Euro (Tagesticket Reeperbahn Festival)

Foto: Adam Romanowski