Restaurant Freudenhaus

Rindchen schlemmt – im Freudenhaus St. Pauli

Freudenhaus St. Pauli: wenn Hausmannskost, dann hier, findet unser Kolumnist.

Bisweilen, in meinem Falle muss ich allerdings einräumen recht selten, gelüstet es mich in dieser Stadt mit ihrer faszinierenden kulinarischen Internationalität und Vielfalt nach urdeutschen Genüssen. Behenden Schrittes steuere ich dann gern die Qualitätsgaststätte „Freudenhaus“ an, welch selbige von ihrem bezaubernden Betreiber Matthias Storm nunmehr schon seit über zwei Dezennien souverän durch die wechselnden Zeitläufte gesteuert wird.

Inmitten des tobenden Kiezlebens und auch auf Schusters Rappen nur ein Minütchen vom Spielbudenplatz entfernt sitzt man hier auf gemütlichen, rot gepolsterten Bänken und verzehrt behaglich vorzüglich zubereitete Hausmannskost, vorwiegend aus Produkten stolzer Landwirte der näheren Umgebung. Mit dem Thema „Vorspeisen und Salate“ setzen wir uns hier nicht auseinander, denn die Größe der Hauptgerichte ist magen- und abendfüllend und auf verdiente Werktätige beispielsweise aus dem Gerüstbauwesen oder dem Schmiedehandwerk ausgelegt.

Aromensatte Rindsrouladen, Rostbraten und Kalbsschnitzel

Mein Leibgericht sind die ungemein aromensatten, sehr zarten Rindsrouladen „Lilo Wanders“ mit Speck und Gurken gefüllt, leckerster Sauce und hinreißenden Speck-Petersilienklößen (19,50 Euro). Ich rate zur Steigerung des Genusses jedoch dringlichst dazu, im Zuge der aufpreisfrei offerierten Beilagenänderung den eigentlich ausgelobten Rotkohl durch die frisch gemachten, knackigen Speckbohnen zu ersetzen, die hauptberuflich dem ebenfalls vorzüglichen Zwiebelrostbraten mit Portwein-Rosmarinsauce und Butterspätzle beiwohnen (24,50 Euro). Das Kalbsschnitzel „Kalle“ besticht mit seiner schieren Größe von 300 Gramm, unterfangen von guten Bratkartoffeln und sehr leckeren, knackfrischen Blattsalaten, verfügte aber beim letzten Besuch über eine etwas introvertiert gewürzte Panade.*

Das Thema „Desserts“ umschiffen wir aus den nämlichen Gründen wie die Vorspeisen und widmen uns spornstreichs der ausschließlich mit deutschen Gewächsen bestückten, sehr erfreulichen Weinkarte. Schon der ausgezeichnete trockene Hausriesling, 2017 St. Paulianer Freudenschlüpfer, ist eine veritable Erzeugerabfüllung aus dem Oeuvre des Mosellaner Kultwinzers Ernie Loosen und schlägt mit äußerst fairen 21,50 Euro zu Buche (0,2-Glas 7,50 Euro, aber die Flasche ist schnell leer). Für 32 Euro gibt’s den fulminanten, diamantenklaren 2016er Riesling „Mineral“ von Emrich-Schönleber und für 41,50 Euro ein veritables Großes Gewächs, den 2015 Winkeler Jesuitengarten von Wegeler. Ein Wein, der im Handel auch schon 29 Euro kostet – das ist echt okay. Namedropper können sich in der roten Abteilung für 32,50 Euro (Schoppen 10,50 Euro) am „Black Print“ von Markus Schneider delektieren.

So findet hier ein jeder etwas, und einem lustvollen Abend der etwas anderen Art im Auge des Kiezorkans steht nichts mehr im Wege.

* Was will uns der Künstler damit sagen? Nun, kleiner Tipp: Was fängt mit „f“ an und reimt sich auf „Panade“?

Text: Gerd Rindchen

Freudenhaus Restaurant und Bar: Hein-Hoyer- Straße 7-9 (St. Pauli), www.stpauli-freudenhaus.de



Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2018. Das Magazin ist seit dem 29. September 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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