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Bornplatzsynagoge: Das Für und Wider der Rekonstruktion

Der Wiederaufbau der ehemaligen Bornplatzsynagoge am heutigen Joseph-Carlebach-Platz im Grindelviertel ist das derzeit meist diskutierte Bauprojekt der Stadt. Die Bürgerschaft möchte die Synagoge so errichten, wie sie war, bevor sie 1938 von den Nazis zerstört wurde – an gleicher Stelle, im gleichen Stil, in einer anderen Zeit. Über das Für und Wider der Rekonstruktion

Text: Marco Arellano Gomes

 

Es gibt Bauprojekte mit starker Symbolkraft. Die Speicherstadt war ein solches Projekt. Sie offenbarte die ökonomische Macht des Hafens, war funktional und traf den Zeitgeist. Der Fernsehturm war ebenfalls ein solches Projekt. Er stand für Modernität und Erhabenheit und strahlte neben dem technischen Fortschritt den Wohlstand der Nachkriegszeit aus.

Auch die Elbphilharmonie gehört in ­diese Kategorie. Sie offenbart Hamburgs Ambition, kulturell in der ersten Liga mitzuspielen und vereint das Klassische mit dem Modernen. Ob der ge­plante Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge ein solches Projekt sein kann, wird sich zeigen. Zumindest ist es der Versuch, die Gegenwart und die Vergangenheit zu verstehen, zu vereinen, zu versöhnen. Kann das gelingen?

 

Bekenntnis zum jüdischen Glauben

 

Die Rekonstruktion der Synagoge sei ein klares Bekenntnis der Stadt zum jüdischen Glauben, der jüdischen Gemeinde, und ein politisches Zeichen gegen den gewachsenen Antisemitismus. So sagt es die Hamburgische Bürgerschaft, die sich geschlossen – über alle Fraktionen (SPD, Grüne, CDU, Linke, FDP und AfD) hinweg – für den Bau ausgesprochen hat. Ziel sei es, das jüdische Leben in Hamburg deutlich zu stärken und sichtbar werden zu lassen.

So viel Geschlossenheit gibt es nicht alle Tage. Die antisemitischen Anschläge in Halle und Hanau sind an Hamburg jedenfalls ebenso wenig vorbeigegangen wie der lebensgefährliche Angriff auf einen jüdischen Studenten mit einem Spaten vor der derzeitigen Hauptsynagoge Hohe Weide – mitten im Herzen von Eimsbüttel (SZENE HAMBURG berichtete in der November-Ausgabe).

 

Die Gedenkstätte

 

Am Joseph-Carlebach-Platz (ehemals Bornplatz), dem Ort, an dem die Synagoge wieder errichtet werden soll, befindet sich seit 1988 eine auf den ersten Blick nicht erkennbare Gedenkstätte. Man muss schon demütig den Blick senken, um das von der Künstlerin Margrit Kahl entworfene Bodenmosaik zu erkennen, das an den Sakralbau erinnert.

Diskret zeichnet es den Grundriss und das Deckengewölbe mit Granitsteinen nach. Einige Schilder und eine Stele auf dem Gehweg informieren über die Geschichte des Platzes, zeigen Bilder der Sy­nagoge und des damals prakti­zierenden Rabbiners Joseph Carlebach, der 1941 in das ­Lager Jungfernhof, nahe Riga (Lettland), deportiert und dort ebenso wie seine Frau und drei seiner Töchter ermordet wurde.

 

Größtes jüdisches Gotteshaus Norddeutschlands

 

Die Synagoge wurde am 9. November 1938 in der Reichs­pogromnacht von Nationalsozialisten geschändet und in Brand gesetzt, wie viele andere jüdische Gotteshäuser und Geschäfte in ganz Deutschland auch. Augenzeugen in Hamburg berichteten von klirrenden Scheiben, von Feuerflammen, die ein bis zwei Tage loderten, während die Feuerwehrleute nur daneben standen und zuschauten. Übrig blieb eine Ruine, die ein Jahr später auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgerissen wurde.

Dabei sollte die nach den Plänen der Architekten Ernst Friedheim und Semmy Engel erbaute Bornplatzsynagoge ursprünglich ein neues Kapitel des gesellschaftlichen Zusammenlebens zwischen Juden und Nichtjuden in Hamburg einläuten: Es war das größte jüdische Gotteshaus Norddeutschlands.

Mitten in dem Stadtteil, in dem das jüdische Leben zu Hause war: das Grindelviertel. Gestaltet im neoromanischen Stil, mit Rundbögen und gotischen Elementen. Auf der mächtigen, knapp 40 Meter hohen braunen Kuppel war ein Stab mit einem vergoldeten Davidstern angebracht. Die 1908 eingeweihte Synagoge bot 1.200 Besuchern Platz und war mit ihrer schlichten und doch erhabenen Präsenz Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins.

 

Spatenschlag statt Spatenstich

 

Shlomo Bistritzky, der derzeitige Landesrabbiner der Freien und Hansestadt Hamburg, hat die Synagoge in einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ im Oktober 2019 wieder ins Gedächtnis gerufen und schlug kühn vor, sie erneut zu errichten. Exakt so wie damals.

Auch Philipp Stricharz, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, sprach sich dafür aus, ebenso wie die Hamburgische Bürgerschaft. In der Sitzung im Februar 2020 brandete Beifall unter den Abgeordneten auf. Der Schock von Halle saß noch tief – und die Bürgerschaft wollte offensichtlich mehr bieten als verbale Anteilnahme. Die Politik stand also dahinter, die Presse und große Teile der Bevölkerung auch.

Dann folgte am 4. Oktober statt eines Spatenstichs der besagte Spatenschlag, vor der Synagoge Hohe Weide. Es war die zweite aufsehenerregende antisemitische Attacke in Hamburg innerhalb eines Jahres. Zuvor wurde Landesrabbiner Shlomo Bistrit­zky auf dem Rathausmarkt angespuckt. Wie könnte man jetzt noch Nein sagen? Wenn es jetzt nicht an der Zeit ist, ein klares, selbstbewusstes Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zu setzen, wann dann?

 

„Hamburg hat keinen Zentimeter Platz für Antisemitismus.“

Peter Tschentscher

 

Am 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht, gedachten Hunderte der im Holo­caust ermordeten Hamburger Juden und stellten Kerzen neben den vielen Stolpersteinen auf. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher stellte sich hinter das Projekt: „Mit einem Wiederaufbau der von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge am Bornplatz kann dort erneut ein zentraler Ort des jüdischen Lebens in Hamburg entstehen“, sagte er und fügte hinzu: „Hamburg hat keinen Zentimeter Platz für Antisemitismus.“

Mitte November folgte die Finanzierungszusage des Bundes in Höhe von 600.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie. Diese soll Klarheit bringen, ob und wie eine Rekonstruktion der Synagoge aussehen kann. Viele Fragen gilt es hierbei zu klären: Passt das Gebäude überhaupt in den zur Verfügung stehenden Platz? Gibt es bauliche Schwierigkeiten aufgrund des angrenzenden, denkmalgeschützten Luftschutzbunkers? Müssen Bäume gefällt werden? Gibt es bautechnische Voraussetzungen, die eine Umsetzung erschweren oder teurer werden lassen? Was wird der Bau kosten? Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden für Ende 2021 erwartet.

 

Kritische Stimmen

 

Am 27. November bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestags 65 Millionen Euro für den Wiederaufbau. Der Hamburger Haushalt soll sich in gleicher Höhe beteiligen. Machbarkeitsstudie finanziert, Gelder bewilligt, alle dafür – es hätte nicht besser laufen können. Dann meldeten sich erste kritische Stimmen.

Den Anfang machte der ehemalige Journalist Michel Rodzynek. Er habe Bedenken, dass die immensen Kosten – mitten in der Pandemie – alte Vorurteile schüren könnten. Er plädiert für ein jüdisches Zentrum statt einer Synagoge.

Mitte Dezember machte dann ein Thesenpapier die Runde, zu dessen Autoren die Historikerin Prof. Miriam Rürup, der Bauhistoriker Prof. Gert Kähler sowie die frühere Eimsbütteler Bezirksamtsleiterin Ingrid Nümann-Seidewinkel (SPD) zählen. Darin machen sie mehrere Einwände geltend. Besonders problematisch empfinden die Verfasser, „dass dadurch das Resultat verbrecherischer Handlungen unsichtbar gemacht und die Erinnerung an diese Verbrechen erschwert wird.“ Es könne zudem die Illusion erzeugt werden, „es sei nie etwas geschehen“.

Aber sind die Argumente überzeugend? Glaubt irgendjemand allen Ernstes, dass die jüdische Gemeinde ein Interesse daran hat, „die Erinnerung an diese Verbrechen zu erschweren“? Würde eine exakte Nachbildung einer historischen Synagoge nicht vielmehr die ­Menschen zwingen, sich stärker mit ihr auseinanderzusetzen und zugleich einen Neuanfang ermöglichen?

 

Neuer Altbau

 

Die Autoren plädieren für einen modernen Neubau und nennen als Vorbilder Dresden (2001), München (2006) und Mainz (2010). Auch das Kulturforum Hamburg sprach sich für einen Neubau aus. Aber passt ein solcher Neubau wirklich besser in das Grindelviertel als ein neuer Altbau?

Geklärt werden muss auch, wie man mit dem bisherigen Bodenmosaik umgeht. Aber müssen „wir“ wirklich zwingend „diese Wunde im Stadtbild zeigen – und diese Wunde offenhalten“, wie es die Ex-Senatorin Ingrid Nümann-Seidewinkel im Thesenpapier fordert und mit Rechten der Künstlerin begründet, die „1988 nicht erwarten konnte, dass ihr Werk nur 30 Jahre Bestand haben würde“?

„Die große Mehrheit der heutigen Hamburger sagt: Die Bornplatzsynagoge wurde der jüdischen Gemeinde von den Nazis genommen, ermöglichen wir den Wiederaufbau“, sagt Philipp Stricharz, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde. Es dürfe gerade nicht heißen: „Wo die Nazis keine Synagoge sehen wollten, soll der Platz auch leer bleiben.“

Im Grindelviertel wächst seit einiger Zeit etwas, das verloren schien. Mit der 2007 wiedereröffneten Joseph-Carlebach-Schule und dem angeschlossenen Kindergarten sowie dem nahe gelegenen Café Leonar ist die jüdische Gemeinde wieder im Aufwind. Sie wächst. Die Bornplatzsynagoge an irgendeinen anderen Ort in der Stadt aufzubauen, hält Stricharz daher für wenig zielführend. Die Synagoge müsse hier stehen. Nur hier vermag sie den Mitgliedern ein Gefühl zu geben, wieder angekommen zu sein: in Hamburg, im Grindelviertel, am Bornplatz.

 

Neue Initiative

 

Seit Anfang Januar hängen knapp 500 Plakate der Initiative „Nein zu Antisemitismus. Ja zur Bornplatzsynagoge“ verteilt im Stadtgebiet. Die Initiative des Unternehmers Daniel Sheffer hat viele namhafte Unterstützer hinzugewonnen. Nach Angaben der Pressesprecherin haben 100.000 Menschen die Kampagne bereits unterstützt (Stand: 20.1.2021). Wer wagt da noch zu widersprechen?

Zum Beispiel Esther Bejarano (96) und Peggy Parnass (93), zwei Holocaust-Überlebende. Beide vom Hamburger Senat mit der Ehrendenkmünze in Gold ausgezeichnet, der zweithöchsten Auszeichnung nach der Ehrenbürgerwürde.

Beide sind skeptisch, wenn es um die Rekonstruktion der Synagoge als Zeichen gegen den Antisemitismus in Hamburg geht. „Ich zweifle an der Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens“, sagte Bejarano nach Angaben des Auschwitz-Komitees. „Anti­semitismus können wir nur bekämpfen“, so Bejarano, „wenn wir die Jungen gewinnen.“ Sie plädiert deshalb für ein Haus der Begegnung für alle Menschen, „in dem über die Ursachen von Antisemitismus, über Lebensbedingungen heute, über Solidarität und Gerechtigkeit, über Umwelt und Bildung diskutiert wird“.

Auch Peggy Parnass, die als Gerichtsreporterin über zahlreiche NS-Pozesse berichtet hat und die alte Synagoge noch kannte, empfindet eine Rekonstruktion als nicht angebracht. Sie wünsche sich „eine kuschelige kleine Synagoge, wie ich sie in Prag gesehen habe. Für gigantische Projekte habe ich nichts übrig.“

Kann eine originalgetreue Rekonstruktion einer Synagoge einen angemessenen Neuanfang initiieren? Oder ist sie Ausdruck eines ­revisionistischen Geschichtsverständnisses? In jedem Fall verspricht sie ein Projekt von ungeheurer Symbolkraft zu werden. Mit allen Gefahren, die damit einhergehen.

bornplatzsynagoge.org


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Michel Arriens: Im Einsatz gegen Diskriminierung

Inklusionsaktivist Michel Arriens strotzt vor Tatendrang: Der kleinwüchsige Mann ist unermüdlich im Einsatz gegen Diskriminierung

Interview: Mirko Schneider
Foto: Anna Spindelndreier

Michel, du nennst dich „Inklusionsaktivist“. Was verstehst du darunter?

Michel Arriens: Ich setze mich für die Bedürfnisse der zehn Millionen Menschen mit Behinderung in Deutschland ein. Aber nicht nur für die der rund 100.000 kleinwüchsigen Menschen. Als studierter Medien- und Kommunikationswissenschaftler arbeite ich als Head of Social Media & Campaigner bei Change.org.

Außerdem bin ich Pressesprecher beim Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien. Online bin ich auf Facebook und Twitter sehr aktiv, blogge, filme, fotografiere, führe viele Gespräche mit Entscheidungsträgern und besuche Veranstaltungen wie zum Beispiel die re:publica. Da schmeiße ich dann meinen Roller an und ab geht die Post.

In deinem Blog schreibst du, du seiest „Experte für Kampagnen-Eskalation“. Verrätst du uns ein paar Tricks?

(lacht) Für welche Kampagne denn? Grundsätzlich ist eine Kampagne als Dreieck zu betrachten. Erste Seite: eine Masse von Menschen, die etwas verändern will. Zweite: die mediale Berichterstattung. Dritte: die Entscheidungsträger, die zu Taten bewegt werden sollen. Alle drei Seiten müssen bedacht werden. Eine Online-Petition zum Beispiel, selbst wenn sie viele Menschen mobilisiert, nützt ohne medialen Druck kaum etwas.

Also müssen die Belange der Medien mitgedacht, ihnen wahre und gute Geschichten geliefert werden, über die sie berichten können. Durch die Öffentlichkeit wird das Anliegen sichtbarer, die Mobilisierung wird verstärkt – und der Druck auf die Entscheidungsträger wächst. Mit denen muss man dann parallel in den Dialog treten, damit sie die Plastiktüte im Discounter abschaffen. Oder eben das tun, was das Ziel der Kampagne ist.

 

„Man sieht den Körper – und traut uns viel weniger zu“

 

Für kleinwüchsige Menschen fällt eine Benachteiligung sofort auf: die oft nicht gegebene Barrierefreiheit.

Richtig. Schon beim Aufwachsen existiert eine Spaltung unserer Lebensrealitäten. Wenn ich nicht in deine Lieblingsdisco, dein Lieblingscafé, dein Lieblingsrestaurant, deinen Lieblingssportverein gehen kann – wie sollen wir uns dann eigentlich kennenlernen? Mindestens genauso schlimm ist oft die Haltung, kleinwüchsige Menschen nichts zuzutrauen.

Wenn ich dafür gelobt werde, dass ich „trotzdem“ im Club feiere und abgehe, ärgere ich mich. Oder dass ich „trotzdem“ lächele. Was ist denn dieses „Trotzdem“? Ich kann genauso feiern und lächeln wie andere Menschen auch. Ich will nicht diesen Makel angeheftet bekommen. Der hat übrigens ganz reale ökonomische Konsequenzen.

Welche?

Es gibt eine Menge Studien dazu. Trotz erwiesenermaßen überdurchschnittlicher Qualifikation ist die Arbeitslosenquote unter kleinwüchsigen Menschen doppelt so hoch. Man sieht ihren Körper – und traut ihnen viel weniger zu. Das ist diskriminierend und traurig.

Du hast die Medien angesprochen, die eine wichtige Rolle für die Belange benachteiligter Menschen spielen. Doch sie können auch ein weniger rühmlicher Akteur sein, oder?

Ja. Die Erfahrung habe ich am eigenen Leib gemacht. Für Sat.1 moderierte ich 2012 die Doku-Serie „Die große Welt der kleinen Menschen“ mit Ulla Kock am Brink. Vorneweg: Mit Ulla Kock am Brink würde ich jederzeit wieder zusammenarbeiten. Sie war ausgezeichnet. Doch es gab viel berechtigte Kritik daran. So wurde beispielsweise ein kleiner Mann gezeigt, der durch einen Wald geht.

Unterlegt wurde die Szene ohne mein Wissen mit der Musik aus den „7 Zwergen“. Es wurde sich zu oft lustig gemacht, zu viele Stereotype reproduziert. Mit dem Wissen von heute würde ich die Sendung so nicht mehr machen.

 

Die Disco, die Kleinwüchsige jagen ließ

 

Manchmal geben sich kleinwüchsige Menschen leider für Aktionen her, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. So wie das Zwergenwerfen. Wie findest du das?

Das nervt mich. Klar, die Menschen machen das freiwillig. Aber welches Bild transportiert denn das? Wir sind klein, putzig, nicht ernst zu nehmen. Extrem schlimm fand ich im Jahre 2013 die Aktion einer Disco in Cuxhaven namens „Fang den Liliputaner und gewinne einen Flatscreen“. Vorbild war der Film „Project X“, in dem eine Party von Jugendlichen vollends eskaliert. Als die Eskalation so richtig ins Rollen kommt, wird ein kleinwüchsiger Mensch in einen Backofen eingesperrt. Die Disco ließ also einen kleinwüchsigen Menschen von den Disco-Besuchern jagen, um ihn dann einzusperren!

Wir haben dazu vom Bundesverband für Kleinwüchsige Menschen eine Stellungnahme verfasst, unsere Abscheu kundgetan. Die Aktion ist totale Scheiße – und der Begriff „Liliputaner“ übrigens auch. Man kann sich das leicht klarmachen, wenn man den Begriff tauscht. Was wäre wohl los, wenn eine Disco mit dem Slogan „Fang den Neger und gewinne einen Flatscreen“ wirbt?

Treibt dich das vor allem an?

Dass solches Gedankengut nicht wieder salonfähig wird? Klares Ja! Ich nehme einen gesellschaftlichen Ruck in eine bestimmte Richtung wahr. Dagegen stelle ich mich und ich wünsche mir, dass es viele andere Menschen auch tun. Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, das Aufstellen von Barrieren gegenüber Behinderten durch jegliche Form der Ausgrenzung – all diese Diskriminierungen müssen bekämpft werden. Ich persönlich habe mit 20 Jahren den Entschluss gefasst, etwas zu tun.

Ich habe mir eine große Klappe antrainiert, um gehört zu werden. Das war wichtig, hat mich selbstbewusster gemacht. Denn ich will nicht als Mensch mit einer Behinderung in einer Gesellschaft leben, die mich als Sonderling betrachtet.

Michel Arriens.de


Wie inklusiv ist Hamburg schon? Dieser Text stammt aus Vielfalt leben – dem Magazin von SZENE HAMBURG und Inklusionsbüro, Juni 2019
Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel erhältlich: inklusive der SZENE HAMBURG, im 
Online Shop oder hierVielfalt-leben-Juni-2019-cover


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