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Neu im Kino: The Card Counter

Oscar Isaac spielt in Paul Schraders neuen Film „The Card Counter“ ein Black-Jack-Mastermind mit düsterer Vergangenheit

Text: Calle Claus

Robert De Niro als „Taxi Driver“ (1976) und „Raging Bull“ (1980) in den Martin-Scorsese-Klassikern, und nun, fast ein halbes Jahrhundert später, Oscar Isaac als traumatisierter Casino-Nomade: Die Drehbücher von Hollywood-Legende Paul Schrader kreisen immer wieder um tickende männliche Zeitbomben. Inzwischen führt er selbst Regie, doch auch Scorsese ist noch an seiner Seite, in diesem Fall als ausführender Produzent. Der „Card Counter“ ist ein weiterer „angry lone wolf “ in Schraders Figuren-Galerie: William Tell (Oscar Isaac) erlernte während einer achtjährigen Haftstrafe die komplexe Technik des „Kartenzählens“, mittels der man BlackJack-Spiele vorausberechnen kann. Mit dieser Superpower tingelt er von Casino zu Casino, immer umgeben vom gleichen tristen Interieur: Spieltische, Bars und Pokerfaces auf scheußlich gemusterter Auslegeware. Bezieht Tell ein neues Motel, frönt er einer seltsamen Routine: Er verpackt – Christo lässt grüßen – das gesamte Mobiliar akkurat in weiße Stofflaken. Reminiszenz an die Monotonie seiner Zelle? Ausdruck der Sehnsucht nach innerer Reinheit?

Ein Beispiel für den Umgang der USA mit Schuld

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„The Card Counter“, der neue Film mit Oscar Isaac, Tiffany Haddish und Willem Dafoe (Foto: Lucky Number Inc.)

Das Spielhallen-Phantom gibt Rätsel auf. Irgendwann läuft ihm Cirk (Tye Sheridan) über den Weg. Der junge Mann ist der Sohn eines einstigen Militär-Kameraden Tells und weiß, welcher blutigen Hölle dieser entstammt. Cirk versucht Tell in einen Rachefeldzug für seinen verstorbenen Vater zu involvieren, dessen Ziel ein schnauzbärtiger Kommandant namens John Gordo (Willem Dafoe) ist. Schon bevor er nämlich selbst hinter Gitter kam, war ein Gefängnis Tells Lebensmittelpunkt: Das berüchtigte Folter-Straflager Abu Ghraib im Irak, das nach 9/11 in die Schlagzeilen geriet. Tell setzt seine Reise zusammen mit Cirk fort und entwickelt etwas, das er bis dato nicht kannte: Vatergefühle. „The Card Counter“ ist eine beklemmende Studie über einen Mann mit erdrückender Vergangenheit, getragen von einem souverän aufspielenden Oscar Isaac. Wenn am Ende die Karten auf dem Tisch liegen und William Tell explodiert, steht das exemplarisch für den Umgang der USA mit Schuld in der jüngeren Geschichte.

„The Card Counter“, Regie: Paul Schrader. Mit Oscar Isaac, Tiffany Haddish, Willem Dafoe. 112 Min. Ab dem 3. März 2022 im Kino

Hier gibts den Trailer zum Film:


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