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Bosse: „Ordentlich träumen und dann machen“

Der Hamburger Popstar veröffentlicht mit „Sunnyside“ sein achtes Studioalbum. Die textlichen Themen: alle großen dieser Zeit. Ein Entweder-oder

Text: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Moll oder Dur?

Bosse: In der Musik immer Moll. Im Leben lieber Dur.

Drama oder Komödie?

Drama ist gut. Da fühlt man was. Bringt Schwung und Lehrreiches in die Komödie.

Melancholie oder Euphorie?

Tiefe Euphorie. Melancholie nur am Tag nach dem Rotwein.

Zeitreise: zurück oder nach vorne?

Immer nach vorne. Da hinten soll man nix verändern können. Würde schon manchmal gern wissen, wo ich als Opa so rumsitze und wer um mich rumsitzt.

Träumen oder Machen?

Ordentlich träumen und dann machen.

Höher, schneller, weiter oder Genügsamkeit?

Entspannt weiter, sonst wird das nix. Genügsamkeit nur, wenn es keine Kapitulation ist.

Songs schreiben: Im Kellerstudio oder unterwegs?

Im Lockdown hab ich mich da so wohlgefühlt. Ich nehme den Keller.

In Writing-Sessions mit anderen oder alleine?

Immer alleine. Krieg ich sonst nicht gesungen. Gibt so viel gute Leute, aber ich muss es alleine schaffen, sonst fühl’ ich da nix.

Studio oder Tourbus?

Geschlossene Räume sind schon schwierig. Das Studio wirkt bei mir nach drei Wochen oft wie ’ne Knastzelle. Dann lieber den Bus. Da kann man an die frische Luft.

Tour oder Urlaub?

Mal abgesehen von den Konzerten am Abend, ist Touren wie Urlaub. Gute Reisegruppe und viel Zeit, plus die Vorfreude auf den Abend. Ich nehme die Tour.

Auf Tour: Wild oder gediegen?

Seitdem das Ticket mehr als zwölf Euro kostet, gediegen. Niemand hat es verdient, mich verkatert und durchfeiert zu sehen. Ich versuche schon, jeden Abend so fit zu sein wie am ersten. Da verzichte ich auf jede Fete und jeden Gin.

Im Urlaub: Rastlos oder Poolliege?

Erst erkunden, dann in den Pool.

Autogramm oder Selfie?

Gibt es noch Autogramme?

Hohe Chart-Platzierung oder Live-Applaus?

Applaus ist die wahre Währung.

„Sunnyside“ ist am 27.8. auf Vertigo Berlin/Universal Music erschienen


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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WiebuschBosseUhlmann: Hits hoch drei

Die drei Sänger und Songschreiber machen gemeinsame Sache und sind am 11. August 2021 im Stadtpark

Text: Erik Brandt-Höge

 

Supergroups gibt es wie Sand am Meer. Immer wieder schließen sich bekannte Musiker zusammen, um im Kollektiv noch mehr Spaß zu haben – und anderen zu machen. Sicher, das haut nicht immer so hin wie geplant. Teils entstehen ach so wilde Formationen, deren Songs nur für ganz, ganz eingefleischte Anhänger der Bandmitglieder interessant sind. Manchmal sind Supergroups aber auch total, nun ja, super eben.

Eine von ihnen: WiebuschBosseUhlmann. Muss nicht zwingend erklärt werden, dass Marcus Wiebusch, Aki Bosse und Thees Uhlmann dahinterstecken. Ebenso müssen die drei Sänger und Songschreiber niemandem mehr vorgestellt werden. Ein Blick auf das Programm des Trios hingegen lohnt sich. Mit Band im Rücken spielen sie ihre Lieblingslieder – die von sich selbst und von den anderen. Kann also gut angehen, dass Wiebusch auf der Stadtpark’schen Freilichtbühne „Dein Hurra“ von Bosse singt. Und Uhlmann „Frankfurt/Oder“, auch von Bosse. Und dass Bosse Kettcars „48 Stunden“ und Uhlmanns „Danke für die Angst“ interpretiert. Und und und. Vorstellbar ist so ziemlich jeder Song der drei, performt von jedem. Deswegen macht diese Supergroup auch so viel Sinn.

 Wir verlosen 2×2 personalisierte Tickets für WiebuschBosseUhlmann am 11. August 2021!

Wie könnt ihr mitmachen? Na so:

Bitte gebt für die Teilnahme euren vollständigen Namen und eure Adresse, sowie die Daten eurer Begleitung an. 

WiebuschBosseUhlmann: Stadtpark Open Air, 11. August 2021, 20 Uhr


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburger des Monats – Anne de Wolff

Die Musikerin Anne de Wolff spielte schon mit Popgrößen wie Bosse, Elif oder BAP zusammen. Eines ihrer Herzensprojekte neben der Musik ist das Benefizkonzert der Stiftung „Initiative Courage“

Interview: Hedda Bültmann
Foto: Rene van der Voorden

SZENE HAMBURG: Anne, du hast ja einen traumhaften Wintergarten hier bei dir zu Hause …

Anne de Wolff: Danke. Ja, hier haben wir auch schon oft geprobt. Zum Beispiel mit Bosse die „Leise Landung“. Oder mit Mark Forster das zdf@bauhaus. Mit Elif, mit Tokunbo, Stoppok und sogar mit BAP. Natürlich alles nicht in voller Lautstärke. Aber dennoch: Wir haben sehr freundliche Nachbarn, die das geduldig aushalten.

Erzähl doch mal, was du als Musikerin genau machst.

Ich bin Multi-Instrumentalistin. Angefangen hat alles mit der Geige, doch da fühlte ich mich später musikalisch zu sehr eingeschränkt. Nicht jede Band braucht in jedem Song ein Geigengeräusch, deshalb hatte ich schnell Lust, meine klangliche Bandbreite zu erweitern und es kamen unter anderem Bratsche, Akkordeon, Percussion, Cello, ein bisschen Gitarre, Mandoline und Posaune dazu.

Du spielst nicht nur auf der Bühne, sondern arbeitest auch im Studio, das praktischerweise auch hier im Hause ist …

Genau. Vieles nehme ich hier zusammen mit meinem Mann Ulle (Gitarrist Ulrich Rode, Anm. d. Red.) auf. Es kommen oft Musiker zu uns, die noch Farben für ihr Album suchen, so wie letzte Woche zum Beispiel Fayzen. Für Niels Frevert und Johannes Oerding haben wir gerade ein paar Streicher aufgenommen. Momentan bereiten wir das neue BAP-Album vor.

 

Hdm-Anna-de-Wolff

In ihrem Wintergarten hat Anne de Wolff (48) schon mit Bosse geprobt

 

Hast du dir schon einmal gewünscht, du hättest einen anderen Beruf?

Nein, Musik spielte schon in meiner Kindheit eine wichtige Rolle und ließ mich seitdem nie los. Dazu kam noch ein bisschen Glück. Eigentlich hätte ich nie gedacht, dass ich von Musik leben kann – erst recht nicht so lange. Ich dachte früher, Popmusik wäre eher etwas für junge Frauen, da ich quasi keine Instrumentalistinnen jenseits der 40 kannte.

Leider gibt es aber generell einfach ziemlich wenige „Sidefrauen“ – ich frage mich immer, warum? Mittlerweile spiele ich mit vielen unglaublich tollen, zum Teil auch erheblich jüngeren Musikern und Musikerinnen und empfinde dies als sehr bereichernd. Man kann sich gegenseitig inspirieren und voneinander lernen.

Ein anderes Thema. Du bist Schirmherrin der Stiftung Initiative Courage. Wie kam es dazu?

Ich habe die Initiatorin dieser Stiftung, Karin Schmedt, kennengelernt. Und als wir uns unterhalten haben, sprach sie mir so aus der Seele: Ich finde es schlimm, dass Leute sich die ganze Zeit über Missstände beschweren, ohne selbst initiativ zu sein. Dieses passive Gemecker strengt mich an. Ich habe lange nach etwas gesucht, wo ich mich engagieren kann.

Was macht die Stiftung?

Sie schenkt Kindern, denen das nicht möglich ist, schöne Momente. Momente, in denen sie respektiert und wertgeschätzt und dadurch gestärkt werden. Karin macht das beispielsweise für Kinder in Kinderheimen und für Flüchtlingskinder. Aber auch für Kinder, die es offensichtlich zuhause schwerer haben. Damit sie merken, dass es auch Gutes gibt.

 

Fußball-Camps und Reisen ins Wunderland

 

Welche Momente sind das?

Sie betreut mehrere kleinere Initiativen, für die sie Geld sammelt. Es gibt zum Beispiel ein Fußballcamp und die „Wunderlandreisen“, bei denen die Kinder aus schwierigen Verhältnissen mit ihren Familien eine Woche in den Urlaub fahren können. Es gibt Trommelgruppen und auch eine Zusammenarbeit mit der HipHop Academy. Diese Aktionen unterstützen wir mit dem Geld, das wir unter anderem bei dem jährlichen Benefizkonzert einnehmen.

Und die Organisation des Konzertes ist dein Part …

Genau. Ich kümmere mich um die Bands und stelle das Programm auf. Und natürlich wickle ich die Koordination im Vorfeld ab. Woher kommt der Flügel, wer sponsert den, wie bekommen wir ihn in unsere Location, die Markthalle? Ist der Fahrstuhl groß genug? Es ist übrigens ganz wundervoll, wie schnell alle Musiker immer Lust hatten, dabei zu sein. Das waren in den letzten Jahren unter anderem Aino Löwenmark, Jon Flemming Olsen, das Tingvall Trio, von Brücken, Johannes Oerding, Fayzen, Tokunbo, Diane Weigmann, Phil Siemers …

Die Markthalle steht ja unter anderem auch für soziale Nachhaltigkeit. Eine perfekte Partner-Location …

Die Markthalle ist so großartig und unterstützt uns seit Anfang an – jetzt schon das fünfte Jahr. Bis 2018 war das Konzert eher eine Veranstaltung für Sponsoren, in diesem Jahr wollten wir das Ganze öffnen, um auch andere Menschen für das Thema zu sensibilisieren und weitere Spenden zu generieren. Wir hatten Spendenboxen aufgestellt, und die Eintrittsgelder gingen komplett an die Stiftung. Es war toll, mit den Leuten von der Markthalle zusammenzuarbeiten. Die haben uns den kompletten Tag alles für einen sehr geringen Unkostenbeitrag für Personal zur Verfügung gestellt.

Zurück zum passiven Meckern: Woran liegt es, dass viele Menschen zwar ständig nörgeln, aber nicht aktiv werden?

Gefühlt prasseln auf uns täglich Unmengen von Geschichten ein über Gewalttaten, Umweltsünden, Kriege und Menschen, die betrügen oder schlecht zueinander sind. Zudem fällt es immer schwerer, Dinge in Gut oder Böse einordnen zu können, da alles unheimlich komplex ist in diesen Zeiten der Globalisierung und des Internets. Angesichts dessen fühlt man sich oft überfordert und neigt dazu, immer misstrauischer zu werden. Daraus entstehen dann oft diese Wut und Hilflosigkeit, die unser Leben eigentlich traurig macht, weil das Geschimpfe am Ende nur uns selbst schadet.

Hast du einen Vorschlag, wie es besser gehen kann?

Ich halte es für ganz wichtig, trotz allem davon auszugehen, dass die meisten Menschen gut sind. Dabei hilft ungemein, selbst die Initiative zu ergreifen, sich im Kleinen irgendwie zu engagieren. An jeder Ecke gibt es Gruppierungen, man kann sich etwas aussuchen, das einem liegt. Das könnte das Einkaufen für eine Oma sein und Gespräche mit ihr. Man verbessert so nicht nur das soziale Miteinander, sondern auch das eigene Leben. Man lernt andere tolle, liebevoll engagierte Menschen kennen und spürt die Dankbarkeit und Freude der Menschen, die man unterstützt. Diese kleinen Dinge machen am Ende das große Ganze aus und damit unsere Welt besser.

Annedewolff.de

Sic-stiftung.de


Szene-Hamburg-juni-2019 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Bosse im Interview: „St. Pauli war für mich der Himmel“

Unsere Leute: Der Wahl-Hamburger Bosse bespielt in diesem Sommer erstmals die Trabrennbahn. Ein Gespräch über seine frühe Vorliebe für St. Pauli, Amore als Anker und das anstehende „Riesending“

Interview: Erik Brandt-Höge / Foto: Benedikt Schnermann

SZENE HAMBURG: Bosse, wann war dir klar: du und Hamburg, das könnte eine
Verbindung für länger sein?

Bosse: Schon als Teenagertourist war St. Pauli für mich der Himmel. Alternative Musik, Freiheit und Fußball. Da bin ich schnell angedockt.

Als du dann von Berlin nach Hamburg gezogen bist, warst du bereits etablierter Künstler. Denkst du, das Ankommen in der Hamburger Musikszene wäre dir sonst schwerer gefallen als einst in Berlin?

Bosse

Ich bin vor vielen Jahren wegen der Amore hierher, eher antizyklisch, da viele Hamburger Musiker damals nach Berlin gezogen sind. Ansonsten ist die Musikszene ein Dorf.

Du lebst am Stadtrand, hast zudem einen Platz mit Wohnwagen an der Elbe. Klingt fast wie ländliches Leben in der Stadt – oder trifft man dich, wenn du nicht tourst oder aufnimmst, auch regelmäßig in den dichter besiedelten und City-nahen Vierteln?

Ich mag den Stadtrand vor allem wegen der Elbe. Als unser Kind zur Welt kam, sind wir von der Annenstraße nach draußen gezogen. Es gibt trotzdem ein Büro auf St. Pauli und die ganzen Freunde. In Ottensen häng ich auch oft.

Und dein Musikeralltag? Wo und wie findet der statt? Wo wird z.B. geprobt? Wie muss man sich den Probenraum und das Studio vorstellen?

Wir proben einmal zu Beginn der Tour. Proberaum gibt es also nicht. Ich habe auch kein Studio. Nix hab ich. Mir reicht zum Schreiben ein Textbuch und eine Gitarre, da bin ich mobil und ungebunden. Feste Räume machen für meinen Job keinen Sinn. Am liebsten arbeite ich im Wohnzimmer, wenn keiner zu Hause ist, oder unterwegs.

Was die Hamburger Auftrittsorte betrifft, kommt nach der Sporthalle, die du bereits vor Jahren gefüllt hast, nun noch die Trabrennbahn dazu. Sind die ganz großen Shows in deiner Wahlheimat Hamburg besonders euphorisierend oder besonders Lampenfieber erregend oder schlichtweg Respekt einflößend?

In Hamburg waren die Konzerte schon immer besonders, egal ob in der Freiheit, in der Sporthalle oder im Knust. Die Trabrennbahn ist wirklich ein Riesending. Hätte keiner gedacht, dass wir die mal bespielen. Ich freue mich auf ein paar tolle Gäste auf der Bühne und über Boy und die Mighty Oaks. So einen Abend muss man als Musiker genießen, ohne Angst oder Stress in der Birne.

Hättest du etwas dagegen, wenn irgendwann das Millerntor-Stadion als Auftrittsort auch noch dazukäme?

He, he. Nicht durchdrehen.