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Coachella und Straßenkonzerte: Meute im „Taumel“

Vom Dach der Elbphilharmonie auf die Bühne des legendären Coachella Festivals: Die Hamburger Techno-Marching-Band Meute bewegt mittlerweile Massen und landet mit ihren Videos von spontanen Guerilla-Konzerten regelmäßig virale Hits. Wir haben mit dem Gründer, Manager und Trompeter der Band, Thomas Burhorn, über den großen Erfolg, spektakuläre Kulissen und den Bezug zur Hansestadt gesprochen

Interview: Henry Lührs

SZENE HAMBURG: Thomas, unsere Gesellschaft ist geprägt von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz. Techno mit Blasinstrumenten zu produzieren trifft dennoch offensichtlich den Nerv der Zeit. Oder gerade deswegen?

Thomas Burhorn: Es kann wirklich genau deswegen so sein. Wir machen Roboter wieder arbeitslos. Wir machen die Arbeit, die eigentlich ein Computer macht, wieder mit der Hand. Die Tatsache, dass Digitalisierung so voranschreitet weckt eine besonders große Sehnsucht nach dem Handgemachten. 

2015 hast du die elfköpfige Band zusammengetrommelt. Ab und zu gab es kleine personelle Fluktuationen, aber der Kern ist über die Jahre gleich geblieben. Wie schwer ist es die Meute zusammenzuhalten? 

Es ist auf jeden Fall Arbeit, so eine große Gruppe zusammenzuhalten. Da nicht immer alle können, spielt ab und zu eine Vertretung. Wir müssen als Band immer wieder viel miteinander sprechen und aushandeln, wer wie viel Platz für sich hat und wie man miteinander umgeht. Da bedarf es einer besonderen Energie von allen. Die haben wir aber, deswegen klappt das auch so gut mit uns. 

„Wir machen andere Musik, als die meisten Künstler:innen dort.“

Ihr habt kürzlich auf dem legendären Coachella Festival in Los Angeles  neben Superstars wie Harry Styles und Billie Eilish gespielt. Was war das für ein Gefühl? 

Es hat sich auf jeden Fall richtig angefühlt. Wir machen andere Musik, als die meisten Künstler:innen dort. Gleichzeitig sind wir genau am richtigen Ort. Das Publikum hat das, was wir machen, sofort verstanden und abgefeiert. Es hat gepasst!

In einem Interview hast du mal gesagt, dass ihr bis 2024 zu den erfolgreichsten zehn Deutschen Bands neben Rammstein usw. gehören wollt. Ihr seid auf einem ganz guten Weg, oder? 

Das sind Ziele, die wir uns mal mit einem kleinen Augenzwinkern gesetzt haben. Natürlich ist das auch nicht so leicht zu messen. Aber immerhin sind wir als deutsche Band im Ausland unterwegs, das ist schon mal ganz gut. Wenn wir es schaffen so weiterzumachen wie bisher und dabei unsere gute Laune behalten, dann bin ich happy. 

„Damit setzen wir hoffentlich auch ein kleines Zeichen dafür, dass jeder Ort für jeden Künstler oder jede Künstlerin eine Bühne sein kann.“ 

Ihr habt in Hamburg schon in spektakulären Locations gespielt. Zum Beispiel auf dem Dach der Elbphilharmonie, auf der Viktoria Kaserne in Altona oder im Kraftwerk Bille. Vor ein paar Tagen habt ihr ein Video veröffentlicht, wo ihr durch den Hamburger Hafen marschiert. Wie sucht ihr euch diese Kulissen aus? 

Manchmal machen wir einfach ein Video dort, wo wir zufällig in der Stadt unterwegs sind. Wir versuchen aber auch dahin zu gehen, wo es schön aussieht. Manchmal ergeben sich solche Dinge wie unsere Dach-Konzerte auch einfach.

Mit diesen verschiedenen Szenerien versuchen wir zu unterstreichen, dass wir als akustische Straßenband eigentlich überall spielen können. Damit setzen wir hoffentlich auch ein kleines Zeichen dafür, dass jeder Ort für jeden Künstler oder jede Künstlerin eine Bühne sein kann. 

Gibt es einen Ort, an den du dich besonders gern zurückerinnerst? 

Ich genieße, dass wir an verschiedenen Orten sein können und dass fast alles möglich ist. Egal ob auf der Elbphilharmonie, der Konzertbühne oder in der Fußgängerzone. Neulich haben wir bei der USA-Tour in Venice Beach am Strand gespielt, ein anderes Mal beim Trebur Open Air in einem Swimming Pool. Insofern gibt es gar nicht den einen Lieblingsort.

„Bei der Performance auf der Straße ist es unfassbar ehrlich“

Spontane Guerilla-Konzerte spielt ihr regelmäßig. Was ist für dich der größte Unterschied von einer konventionellen Bühne zu der Performance auf der Straße? 

Bei der Performance auf der Straße ist es unfassbar ehrlich. Wenn die Leute das nicht interessiert, was wir machen, gehen die einfach weiter. Das hat natürlich noch mal eine ganz spezielle Energie. Mit dem eigenen Handwerk muss man sich das Publikum immer wieder erspielen und wirklich etwas machen, was den Leuten richtig zusagt. Wenn wir jetzt ein großes Konzert spielen, dann sind da in der Regel schon Leute gekommen, um uns zu sehen. Aber uns macht beides großen Spaß. 

„Letztendlich spielt es keine große Rolle, wo wir herkommen“

Ihr tretet bewusst als internationale Band auf. Trotzdem seid ihr mit der Hansestadt eng verwurzelt. Wie wichtig ist dir die Identifikation mit Hamburg?

Ich bin nicht so der Lokalpatriot. Anderseits wohne ich seit 20 Jahren wahnsinnig gerne in Hamburg. Hier gibt es eine riesige Musik- und Elektronik Szene, Musikrichtungen und Kulturen vermischen sich. Natürlich sind auch wir irgendwie ein Produkt dieser Stadt. Andererseits sind wir kein Fußballverein und es spielt letztendlich keine große Rolle wo wir herkommen. 

Das Covern und Samplen anderer Songs ist ein elementarer Teil eurer Musik. Gibt es einen Song, den du in Zukunft unbedingt mit Meute covern möchtest? Kannst du uns vielleicht sogar schon verraten, welcher Song als nächstes dran ist? 

Im November kommt unser Album raus. Monat für Monat werden wir jetzt einzelne Songs veröffentlichen. Da sind auch wieder Coverversionen dabei, teilweise von Leuten, die wir noch nicht gekannt haben, aber auch von alten Bekannten. Mehr verrate ich aber nicht.

Das neue Album heisst „Taumel“. Der Duden beschreibt das Wort mit einem rauschhaften Gemütszustand. Trifft das auch auf euer Album zu?

Ach, das ist ja gut! Die Beschreibung trifft auf jeden Fall auf das zu, was wir mit unserer Musik und auf Konzerten erreichen wollen. Dem ist eigentlich gar nichts hinzuzufügen. 

„Taumel“ von Meute erscheint am 18. November 2022 auf dem Label „Tumult“


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Weezer live im Stadtpark: Zurück auf großen Bühnen

Weezer veröffentlichten Anfang des Jahres ein Album mit eigenen Songs, einen Coup landeten sie mit dem Cover von Totos Hit „Africa“. Nun spielen sie wieder auf großen Bühnen – im Interview verrät Gitarrist Brian Bell, wie sie das geschafft haben

Text und Interview: Erik Brandt-Höge

Weezer drohte, in der Versenkung zu verschwinden. Die Anfang der 1990er Jahre gegründete Rockgruppe veröffentlichte zwar Album um Album, hatte allerdings nicht immer den gewünschten Erfolg. Erst, als im vergangenen Jahr Weezer-Fans nachdrücklich forderten, die Band solle doch Totos Überhit „Africa“ covern, gelang Frontmann Rivers Cuomo, Gitarrist Brian Bell und Co. wieder ein echter Coup. Denn sie beließen es nicht bei „Africa“, sondern veröffentlichten mit „Teal“ ein ganzes Coveralbum mit ihren Interpretationen von u. a. „Sweet Dreams“, „Take On Me“ und „Happy Together“. „Teal“ erschien Anfang des Jahres, fast zeitgleich mit dem aktuellen regulären Weezer-Album „The Black Album“. Ein Weezer-Doppelschlag und Grund genug für ein paar Nachfragen.

SZENE HAMBURG: Brian, kürzlich bezeichnete Weezer-Sänger Rivers Cuomo vergangenes und dieses Jahr als besonders verrückte Karrierephase eurer Band. Fühlt es sich für dich ähnlich an?

Brian Bell: (lacht) Zumindest finde ich es ein bisschen verrückt, dass wir gerade eine Art zweiten Frühling erleben dürfen. Wir schienen für einige Leute schon völlig irrelevant geworden zu sein, und dann standen wir plötzlich wieder auf der großen Bühne beim Coachella Festival – 15 Jahre, nachdem wir zuletzt dort waren.

Das kleine Comeback liegt vor allem am Erfolg eures „Africa“-Coversongs und dem des folgenden Coveralbums „Teal“. Fühlt es sich seltsam an, mit etwas Nachgespieltem mehr Erfolg zu haben als mit eigenen Sachen? „Teal“ bekam ja nicht nur mehr Aufmerksamkeit als die Weezer-Veröffentlichungen zuvor, sondern auch als das „The Black Album“, das nach „Teal“ erschien.

Na ja, vor „Africa“ gab es Leute, die uns schon als Band für Nostalgiker bezeichneten. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was man über Künstler sagen kann, es kommt einem Todesurteil gleich. „Africa“ hat uns dann einfach geholfen, aber wir haben uns dafür nicht verbogen. Ich meine: Es kamen zig Leute zu uns und sagten, das Cover klinge wie ein Weezer-Song. Wenn man bedenkt, dass das Original mehr als ein Jahrzehnt vor unserem Karrierestart rausgekommen ist, finde ich das schon bemerkenswert. Aber stimmt schon: Scheinbar mussten wir etwas Altes aufgreifen, um selbst wieder zeitgemäß zu erscheinen – was fast schon ironisch ist (lacht).

 

Hört hier das „Africa“-Cover von Weezer

 

Wirft die Frage auf, ob ihr als Band ein Verfallsdatum habt?

Ich hoffe nicht! Komponisten und Künstler, die sich als zeitlos erwiesen haben, faszinieren mich sehr, und ich hoffe, dass wir auch irgendwann als zeitlos bezeichnet werden.

Ein Rezept für Zeitlosigkeit im Pop- und Rockgeschäft ist die ständige Neuerfindung, die auch ihr vollzieht. Macht ihr das ganz gezielt, oder passiert das automatisch und eher unbewusst?

Wir planen Neuerfindungen nicht. Als wir zum Beispiel das „Raditude“-Album aufgenommen haben (erschienen 2009; Anm. d. Red.) – was ja nicht gerade zum Liebling unserer Fans wurde – war ich ein bisschen besorgt, weil sich unser Sound so sehr veränderte. Ich habe sogar Rivers angerufen und ihm gesagt: „Wir könnten damit echt einige Anhänger verlieren!“ Ich denke eben bei jedem Weezer-Album, an dem wir arbeiten, dass es das letzte sein könnte, und dass wir alles, was wir haben, reinlegen sollten.

Und wie hat Rivers reagiert?

Er meinte nur: „Keine Sorge, es ist nur ein Album, viele weitere werden folgen. Wir experimentieren einfach mal herum und gucken, ob es funktioniert!“ Gut, „Raditude“ funktionierte letztlich zwar nicht wirklich, aber Rivers hatte Recht: Danach kam tatsächlich noch einiges von uns.

 

„Wir spielen, was die Leute hören wollen“

 

Zum Beispiel „Teal“. War der Erfolg damit eigentlich einkalkuliert, weil die Songs jeder kennt und mag?

Die Songs auf „Teal“ haben die Tests der Zeit überstanden, und ja, wir haben sie ausgewählt, weil jeder sie liebt. Es war tatsächlich keine große Überraschung, dass das Album gut lief. Wobei man sagen muss: Wenn man etwas wirklich gut covern will, muss man sich lange damit beschäftigen, was wir getan haben. Dabei stellte sich schnell heraus, wie extrem komplex diese oft so simpel erscheinenden Ohrwürmer eigentlich sind. „Teal“ war also nicht mal eben aufgenommen.

Bedeutet der Erfolg mit „Teal“ auch, dass ihr bei der anstehenden Live-Show in Hamburg mehr Coversongs spielen werdet als eigene?

Wir spielen grundsätzlich das, was die Leute hören wollen. Wir sind keine von diesen Bands, die sich nicht ums Publikum scheren, sondern nur um ihren eigenen Spaß, und die, je nach Lust und Laune, auch mal völlig ausufernde Jazz- Jams dazwischenschieben. Wir wissen, was man von uns erwartet, und deshalb werden wir die Weezer-Klassiker ebenso spielen wie die „Teal“-Songs und wahrscheinlich auch Stücke von „Pinkerton“ (erschienen 1996; Anm. d. Red.) und „The Black Album“.

Weezer: 2.7., Stadtpark (Freilichtbühne), 19 Uhr


Szene-Hamburg-juni-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juni 2019. Titelthema: Was ist los, Altona?
Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im 
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