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BierSZENE – Neueröffnung: Bierbar Malto in Altona

Die guten Hopfentropfen von Birrificio Shanghait gab es in der Vergangenheit ausschließlich im Jimmy Elsass – bis jetzt. Denn seit kurzem hat die Hamburger Craft-Bier-Marke ihren eigenen Brewpub in Altona eröffnet. Biersommelier Daniel Elich hat für die SZENE Brauer Francesco und der neuen Bierbar einen Besuch abgestattet.

Gute Aussichten für die Hamburger Craft-Beer-Kultur: die Biere von Birrificio Shanghait bereichern die Szene. Foto: Jennifer Meyer / Jupiter Union

Ein kleiner, puristisch eingerichteter Laden erwartet mich als ich die Tür zum Malto in der Max-Brauer-Allee öffne. Umso wärmer und herzlicher fällt die Begrüßung von Francesco und Antonio aus. Kaum habe ich es mir an der Bar gemütlich gemacht, versorgen mich die beiden mit meinem ersten frisch gezapften Bier an diesem Abend: ein American Pale Ale, gebraut von Francesco himself. Mega weiche Konturen, leicht bitter-süß und dabei herrlich tropisch fruchtig. Hammer Start. I like!

Schlicht, aber gemütlich: Das Malto glänzt mit Purismus. Foto: Jennifer Meyer / Jupiter Union

Früher Croques. Heute Bier.

Eigentlich seien sie zu viert, berichtet Francesco. Mattia und Pedro fehlen und vervollständigen sonst das Vierergespann der Bierbargründer. Gut 1,5 Monate haben die vier Herren die Räume in Eigenregie renoviert. Wo jetzt aus acht Zapfhähnen richtig gute Kreativbiere fließen wurden noch vor kurzem Croques belegt. Bis die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres Hamburger wieder vor die Tür locken, soll auch der kleine Biergarten zum Hinterhof fertig sein.

Gastronom mit Herz: Brauer und Barbesitzer Francesco ist immer für ein Späßchen zu haben. Foto: Jennifer Meyer / Jupiter Union

Die vier Barbesitzer kommen ursprünglich aus Italien und Spanien, ein Gespür für hochwertiges Essen und gute Getränke steckt also quasi in ihrer DNA. Das merkt man, sofort, wenn Sie erzählen, was sie in den kommenden Monaten noch mit dem Malto vorhaben: Sie wollen einen kleinen Ort schaffen, an dem tolles Bier und außergewöhnliche Weine ausgeschenkt und köstliche Kleinigkeiten gegen aufkommenden Bierhunger gereicht werden.

Läuft bei dir: Antonio ist einer der vier Barbesitzer. Foto: Jennifer Meyer / Jupiter Union

Brauerinnen bevorzugt: Francesco sucht weibliche Unterstützung

Während mir Francesco das zweite Bier serviert (Ein Session IPA. Fruchtig-bitter, könnte aber vielleicht etwas mehr Körper vertragen, der die Aromen trägt.) erzählt er von weiteren Plänen für die Location. Bisher werden nämlich alle Birrificio-Shanghait-Biere auf einer Nanoanlage im Jimmy Elsass gebraut. Doch das soll sich in Zukunft ändern. Sobald wie möglich, möchte der Brauer und eigentliche Mathematiker eine eigene Brauanlage im Keller des Gebäudes. Das Bier könnte dann direkt aus Fässern im Untergeschoss an den Zapfhahn geleitet werden. Einen kürzeren Transportweg gebe es wohl kaum. Fürs Brauen sucht Francesco übrigens noch nach Unterstützung – am liebsten weibliche. „Brauen war früher ausschließlich Frauensache. Heute wird die Szene von Männern dominiert. Das finde ich schade“, so Francesco, mein drittes Bier zapfend. Das Panna Cotta IPA ist wieder meins: Ein sehr weiches Mundgefühl, ein milder bitter-süßer Geschmack, der von hellen Aromen von Ananas und Banane begleitet wird. Wirklich gut gemacht!

Birrificio Shanghait – da scheint dir die Sonne ausm Glas. Foto: Jennifer Meyer / Jupiter Union

Klein, aber oho: Die Karte im Malto ist übersichtlich, kann aber was. Foto: Jennifer Meyer / Jupiter Union

Birrificio Shanghait – for Hamburg only

Francesco hat genaue Vorstellungen, wie er sein Bier an Mann und Frau bringen will: „Ich möchte ein lokaler Anbieter sein. Bier ist ein Frischeprodukt, das – wenn du es auf einem gleichbleibend hohen Niveau anbieten willst – nur kurze Transportwege hinter sich legen kann. Klar freue ich mich auch, andere Gastronomien mit Bier zu beliefern, aber das wird mit meinen Bieren nicht über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus passieren.“ Sehr sympathische Ansichten hat der junge Mann aus L’Aquila aus Mittelitalien – und seine Biere habe ich sicherlich nicht das letzte Mal getrunken.

Malto: Max-Brauer-Allee 88 (Altona), Telefon 0151 65 12 33 91, Di-Do 17–23, Fr-Sa 17–1, So 16–22 Uhr; www.shanghait.beer

Stammgastfreundschaft: Fast täglich kommen Freunde auf ein Bier vorbei. Foto: Jennifer Meyer / Jupiter Union

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel


Foto: Felix Valentin / Jupiter Union

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

BierSZENE – 4 Fakten zur Hamburger Biergeschichte

Moin Hamburg,

ich komm gerade aus der Zeitmaschine. Ihr Name: Museum für Hamburgische Geschichte. Dort bin ich mal eben ins Mittelalter abgetaucht und habe mir das Hamburg von damals angeschaut. Glasklares Fazit meiner Zeitreise:

Hamburger Biergeschichte ist Stadtgeschichte. Wieso, weshalb, warum? Hier 4 Gründe: 

1.000 Jahre Prost!

Hamburg blickt auf mehr als 1.000 Jahre Biergeschichte zurück. Damit hat die Hansestadt eine der ältesten Brautraditionen in Deutschland. Und nicht nur das: Im 15. Jahrhundert gab es mehr als 500 Hamburger Brauereien und nirgends wurde zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert mehr Bier gebraut. Kaum zu glauben, dass es hier heute nur noch 12 aktive Brauereien gibt, Tendenz (wieder) steigend. Zum Glück!

In Zahlen: Jeder Hanseat trank bis zu 2 Liter Bier am Tag, das macht satte 1.000 Liter im Jahr.

Kein Tag ohne Bier

Bier war als „flüssiges Brot“ im Mittelalter allgegenwärtig: morgens zum Frühstück als schöööne Biersuppe, mittags als Krafttrunk und abends zum (oder statt) Abendbrot. In Zahlen: Jeder Hanseat trank bis zu 2 Liter Bier am Tag, das macht satte 1.000 Liter im Jahr. Heute sind es gerade mal 100 Liter pro Nase. Gut … das Mittelalterbier war meist alkoholfrei, aber Kaffee und Tee hatten damals noch nix zu melden. Außerdem war Bier durch das Abkochen im Brauprozess fast keimfrei und somit perfekt für alle – auch für Kinder.

Flüssiger Exportschlager

Alles Pfeffersäcke? Von wegen! Bierfässer machten Hamburg reich. Vor allem der fässerweise Export nach Holland, Frankreich, England und Co. im Rahmen der Hanse war einer der Wachstumsmotoren und machte Hamburg zur Mittelalter-Metropole. 

Bier gut, alles gut

Ab dem 15. Jahrhundert ging’s abwärts für die Bierwirtschaft. Der Niedergang der Hanse und später auch Kaffee, Tee und Schnaps aus der Neuen Welt machten dem Bier das Leben schwer. Außerdem warnten Moralisten vor den Gefahren von zu hohem Bier- oder besser gesagt Alkoholkonsums. Erst mit der Gewerbefreiheit und technischer Innovationen zur Herstellung untergäriger Biere wie Pilsner erlebte der Biermarkt im 19. Jahrhundert wieder einen Aufschwung.

Genug Geschichte, zurück in die Zukunft. Und die sieht dank Craft-Beer-Bewegung rosig aus. Mehr Bier für alle! Apropos: Extra für die Ausstellung hat die Störtebeker Braumanufaktur ein Hamburger Rauchweizenbier nach mittelalterlicher Rezeptur gebraut. Klare Sache, was bei mir heute Abend im Glas landet …

In diesem Sinne: Prost und ein schönes Wochenende!

Euer Daniel

Kein Bier ohne Alster. Hamburg – Brauhaus der Hanse“. Die Sonderausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte läuft noch bis 12. März 2017.

 Foto Aufmacher: Henning Angerer


Who the fuck is…Daniel?

Szene Hamburg

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen.

Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen Bieronkel und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!  @bieronkelHH_