Beiträge

Danger Dan: „Ich bin nimmersatt“

Mit der Antilopen Gang eh schon erfolgreich, katapultierte sich der Rapper mit seinem Klavieralbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ noch mehr ins Rampenlicht. Das war nicht abzusehen, sagt Danger Dan im Interview kurz vor seinem Stadtpark-Konzert

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Danger Dan, planen oder mal abwarten?

Danger Dan: Eher planen. Bei mir ist es allerdings so, dass Planung immer eine Ablösung des Zufalls durch den Irrtum ist. Bis jetzt ist noch keiner meiner Pläne aufgegangen, aber das Gute ist, dass das, was stattdessen passiert ist, eigentlich noch besser war.

Ist es beim Schreiben von Musik auch so, zum Beispiel beim Schreiben am aktuellen Soloalbum? Du hast mal gesagt, am Anfang hättest du noch nicht gewusst, wo die textliche Reise hingehen würde.

Ja, das war schon immer so. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals gezielt gedacht habe: So, ich schreibe jetzt einen Text darüber und darüber. Ich arbeite nie ein bestimmtes Thema ab. Stattdessen setze ich mich hin, und irgendwas passiert. Einen Tag später gucke ich mir den Text dann an und prüfe, ob er gut ist.

„Alleine kann ich leichter über Liebe schreiben“

Danger Dan

„In politischen Liedern rege ich mich meistens nur auf“

Und wenn du dich beim Schreiben für ein Thema entscheiden müsstest: Liebe oder Politik?

Schwierig. Beides Dinge, die mich schnell ergreifen. Ich bin inflationär schnell verliebt. Auch als ich das Soloalbum geschrieben habe, war ich extrem verliebt. Auf der anderen Seite beschäftigen mich politische Themen auch sehr. Gespräche mit Freunden drehen sich oft um Politisches. Müsste ich mich tatsächlich entscheiden, würde ich wahrscheinlich Liebeslieder nehmen, einfach, weil es darin um schönere Gefühle geht. In politischen Liedern rege ich mich meistens nur auf.

Fällt es dir grundsätzlich auch leichter, über Liebe zu schreiben?

Nein, das nicht. Das Schöne am Schreiben des Klavieralbums war, dass ich alleine geschrieben habe. Bei der Antilopen Gang schreiben ja immer drei Freunde gemeinsam. Alleine kann ich leichter über Liebe schreiben. Ich muss aber auch sagen, dass das Schreiben das eine ist – und das Vorspielen der Liebeslieder was ganz anderes. Als ich die Lieder anderen vorgespielt habe, habe ich mich richtig geschämt. Die Texte sind ja schon sehr intim.

„Ich jammere gerade eher“

Verschwand die Scham, als du gemerkt hast, wie sehr die Lieder den Leuten gefallen?

Ja. Mittlerweile habe ich beim Vorspielen keine Selbstzweifel mehr, sondern bin einfach nur stolz auf die Lieder.

Nächste Entscheidungsfrage: Hauptsache eine Message oder Hauptsache gute Unterhaltung?

Hauptsache gute Unterhaltung. Ich bin oft enttäuscht, wenn Musikerinnen oder Musiker versuchen, Messages zu transportieren, auf die sich eh alle einigen können: Klimawandel ist scheiße, Nazis sind scheiße, Gleichberechtigung ist gut. Das sind alles keine richtigen Messages mehr, das haben alle verstanden. Da bin ich lieber gut unterhalten. Es gibt natürlich auch den Fall, wenn beides zusammenkommen soll, die Message aber schlecht ist und ich am Ende total schlecht unterhalten bin. Gerade im Rapbereich ist es ja so, dass Texte gar nicht politisch gedacht sind, es aber eben doch sind, zum Beispiel, wenn da bestimmte Frauenbilder beschrieben werden. Das ist oft AfD-kompatibler, als den Autoren klar ist.

In Krisenzeiten: Jammern oder jetzt erst recht?

Die ehrliche Antwort ist, dass ich gerade eher jammere. Ich habe so eine Phase, in der ich geradezu handlungsunfähig bin.

Inwiefern?

Politisch. Politisch stört mich momentan so viel, aber ich jammere nur darüber.

„Von der Kunstfreiheit gedeckt“, für Danger Dan ein Überraschungserfolg

Zukunft vorhersehen: Nicht spannend genug

Was tröstet dich?

Die Konzerte, die ich endlich wieder spielen kann, und die vielen Leute, die da kommen.

Die Zukunft vorhersehen können: Ja oder nein?

Nein!

Weil du Angst davor hast?

Einerseits, und dann auch, weil meine Biografie deshalb so spannend ist, weil nie klar war, was aus diesem Typen noch werden würde. Es war immer alles offen. Ich wurde vom durchgedrehten Obdachlosen zum Sänger und Pianisten mit großem Renommee. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre das überhaupt nicht spannend gewesen.

Ein ganz anderes Bild

Du scheinst auch nicht besonders gut darin zu sein, die Zukunft vorherzusagen – zumindest, was das Klavieralbum betrifft. Die Auflage hattest du ja enorm klein geplant.

Wir dachten, dass wir innerhalb der nächsten Jahre 500 Exemplare verkaufen können. Die waren allerdings schon innerhalb einer Nacht weg. Das hätte niemand prognostizieren können. Es ist ja Musik, die sehr wenig zeitgeistig ist und in der ein Rapper sich in einen ganz anderen Bereich bewegt. Dass Leute, die die Antilopen Gang hören, auch ein Klavieralbum von mir hören würden, war absolut nicht klar.

Kommen wir zum Umgang mit Erfolg: Genießen oder hinterfragen?

Sowohl als auch. Es ist doch ein bisschen viel geworden, ich werde in der U-Bahn erkannt und so. Ich habe auch durch Auftritte und Interviews ein Bild von mir gezeichnet, dass ich selbst gar nicht von mir habe.

Der Hunger soll bleiben

Wie ist denn dein Bild von dir?

Ich bin ein ganz normaler, verpeilter Typ. Dass wissen auch alle meine Freundinnen und Freunde. Und dieses Bild widerspricht der öffentlichen Figur doch sehr stark. Zudem werde ich immer mehr zu bestimmten politischen Themen gefragt, bei denen ich gar keine Expertise habe. Dieses Album ist zwar im Vergleich zu anderen sehr reflektiert, aber das bedeutet nicht, dass man sich auf mich berufen sollte, was irgendwas betrifft. Ich glaube nicht, dass ich ein guter Ratgeber bin.

Zum Schluss: Schnell zufrieden oder nimmersatt?

Ich bin nimmersatt. Ich habe gar keine Lust, irgendwo anzukommen, und ich hoffe, ich kann mir meinen Hunger aufs Leben bewahren.

Danger Dan spielt am 9. Juli um 19 Uhr beim Stadtpark Open Air;
SZENE HAMBURG verlost 2 x 2 Gästelistenplätze. E-Mail mit Name und Betreff „Danger Dan“ bis 5. Juli an verlosung@szene-hamburg.com


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?