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Hamburger Nachwuchs: „Jugend debattiert“-Landessiegerin Jessica Bonn

Jessica Bonn ist 19 Jahre alt, hat gerade ihr Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,0 bestanden und war 2019 Landessiegerin des Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Ein Gespräch rund um das Thema Debattenkultur

Interview: Ulrich Thiele

 

SZENE HAMBURG: Jessica, warst du schon vor deinem „Jugend debattiert“-Engagement jemand, der gern debattiert?

Jessica Bonn: Ja, sehr gerne, meine Familie kann ein Lied davon singen (lacht). Ich wollte immer beim Abendessen debattieren, aber meine Familie war davon nie so richtig begeistert. Deswegen war es gut, dass ich Leute gefunden habe, mit denen ich mich so richtig ausdiskutieren kann.

Was macht denn eine gute Debatte bei „Jugend debattiert“ aus? 

Eine gute Debatte ist nicht einseitig. Das Ziel bei „Jugend debattiert“ ist, eine Kontroverse möglichst konkret auszudiskutieren. Das heißt: Beide Seiten müssen beleuchtet werden und zu Wort kommen dürfen. Es wäre keine gute Debatte, wenn eine Person die ganze Zeit dominiert und die anderen nicht zu Wort kommen lässt oder sie unterbricht.

Im Idealfall kann sich das Publikum im Anschluss eine eigene, informierte Meinung bilden. Dafür ist es wichtig, dass die Debattierenden als Team arbeiten – auch wenn es ein Wettbewerb ist. Denn primär geht es darum, gemeinsam eine gute Debatte zu schaffen und dabei die eigenen Argumente bestenfalls am überzeugendsten vorzutragen.

Welche Debatte war für dich bisher am besten?

Im Landesfinale 2019 ging es um die Streitfrage, ob eine Frauenquote für die Landesliste bei der Wahl zur hamburgischen Bürgerschaft eingeführt werden sollte. Ich wurde dem Team zugeteilt, das dafür argumentieren sollte – obwohl ich persönlich tendenziell eher dagegen bin.

Ich musste mich also umstellen und meine private Meinung ein bisschen außen vor lassen. Das war eine ziemliche Herausforderung. Während dieser Debatte hatte ich dann das unfassbar schöne Gefühl, dass wir alle richtig stark waren. Bei jedem Argument, das die anderen vorgetragen haben, dachte ich nur: „Ja, richtig stark argumentiert! So muss eine Debatte aussehen!“ Ich hätte hinterher nicht sagen können, wer am besten war.

Die Jury fand dich am besten und lobte dich für deine „hohe Sachkenntnis und Argumentationskraft“. Wie hast du argumentiert?

Ganz knapp wiedergegeben: Ich habe der Kontra-Seite zwar in dem Punkt zugestimmt, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollten und eine Quote dementsprechend nicht ideal ist.

Meine Hauptargumentationslinie war dann aber, dass wir momentan in einer Situation sind, in der Frauen strukturell benachteiligt werden. Es gehe bei dieser Quote also nicht darum, Frauen zu bevorzugen, sondern sie auf den gleichen Stand wie Männer zu bringen. Deswegen sei die Quote momentan notwendig, um die noch vorhandene Ungleichheit zu überwinden.

 

„Eine ziemlich langweilige Debatte“

 

Im Februar hast du im Rahmen einer „Jugend debattiert“-Veranstaltung in der Bürgerschaft mit Peter Tschentscher debattiert. Wie war das?

Es war natürlich spannend, im Rathaus zu stehen und mit dem Ersten Bürgermeister zu debattieren – das macht man nicht alle Tage. Peter Tschentscher hat das Thema ausgewählt, es ging darum, ob Hamburg zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine klimaneutrale Stadt werden sollte.

Das ist eine ziemlich langweilige Debatte, wenn wir ehrlich sind. Denn es gibt kaum jemanden, der ernsthaft dagegen ist, dass Hamburg klimaneutral wird. Deswegen habe ich mich darauf konzentriert, genauer hinzusehen, wie Herr Tschentscher das erreichen will. Er ist allerdings kaum auf meine Punkte eingegangen.

Er hat mich während der Debatte auch ein paar Mal unterbrochen – was ich nicht gewohnt war. Deswegen war das eher eine der schlechteren Debatten, die ich erlebt habe. Zwischendurch hat er mir vorgeworfen, dass ich gar keine richtige Kontra-Position vertrete. Aber eine Debatte muss nicht zwangsläufig aus konträren Positionen bestehen, sondern kann auch bedeuten, eine Maßnahme ganz genau zu überprüfen und zu hinterfragen.

Hast du ein Beispiel?

Ich habe Herrn Tschentscher gefragt, wie er neben der Emissionsreduktion einen Emissionsausgleich schaffen möchte, der für Klimaneutralität notwendig ist. Ich habe ihm gesagt, dass Hamburg als Stadtstaat nicht genug Bäume pflanzen kann. Wie genau er den Ausgleich bewerkstelligen will, hat er aber nicht gesagt. Ich fand das schade, denn so kurz vor der Bürgerschaftswahl wäre eine konkrete Antwort für mich auch insofern interessant gewesen, als ich mehr Klarheit darüber bekommen hätte, ob die SPD für mich wählbar ist.

 

„In politischen Debatten bilden sich sehr schnell Lager heraus“

 

Stichwort Umweltschutz: Du hast auch bei Fridays for Future teilgenommen – und in einem Interview vor zu viel Selbstgerechtigkeit gewarnt. Was meintest du damit genau?

Meiner Meinung nach sind die Forderungen von Fridays for Future (FFF) genau richtig. Ich habe aber die Wahrnehmung, dass viele Leute dadurch abgeschreckt werden, dass sie sich verurteilt fühlen. Manche bei FFF agieren nach dem Motto: Wir sind die Guten und ihr seid die Bösen, die alles kaputtmachen. Eine solche Einstellung schließt eine richtige Diskussion von vornherein aus. Davor warne ich auch weiterhin.

Ich muss dazu aber sagen, dass das sehr personenabhängig ist und nicht alle so sind. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass FFF einen richtig guten Job macht.

Ganz allgemein gefragt: Findest du, dass die Debattenkultur in Deutschland gut ist?

Nee. Es ist natürlich schwierig, die Debattenkultur so allgemein zu beurteilen. Ich habe aber zumindest den Eindruck, dass sich in politischen Debatten sehr schnell Lager herausbilden, die nicht wirklich über die Position der anderen Seite nachdenken, sondern nur ihre feststehende Meinung bestätigen wollen.

Wenn ich in meinem privaten Umfeld diskutiere, finde ich es wichtig, die andere Seite anzuhören und in Erwägung zu ziehen, dass sie gute Argumente haben könnte. Das sehe ich in der Politik und auch in meinem privaten Umfeld leider selten. Ich würde mir wünschen, dass mehr junge Menschen sich bei Wettbewerben wie „Jugend debattiert“ engagieren und lernen, dass es immer zwei Seiten gibt, über die man nachgedacht haben sollte.

jugend-debattiert.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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WohnSZENE – Wie viel dürfen Möbel kosten?

(Sponsored) Wie viel ein Möbel kosten darf, diese Frage löste neulich auf Sarah Ramroths Blog Wohn.glück spannende Diskussionen aus. Vor allem wenn es sich um kleinere Möbelstücke, wie ein Stuhl, Beistelltisch oder Regal handelt. Jetzt erklärt Sarah auf www.wohnfreude.de, warum sich ein Mix aus günstigen Trendteilen und teureren Designklassikern bezahlt macht.

Hej,

was ist der teuerste Betrag, den du je für ein Möbelstück ausgegeben hast? Kannst du dich noch daran erinnern? Ich habe mir vor kurzem einen Stuhl gegönnt, der eine spannende Diskussion ausgelöst hat: Wie viel darf ein Möbelstück eigentlich kosten?

Jedem von uns fällt bei der Frage nach hochpreisigen Möbeln als erstes die eigene Couch oder der Kleiderschrank ein. Ja, das sind natürlich Möbel, die einem gerne mal ein Loch ins eigene Bankkonto fressen, welches aber häufig gar nicht in Frage gestellt wird. Schließlich handelt es sich dabei um Möbelstücke, die benötigt werden. Aber was ist mit den anderen ,,kleineren“ Möbelstücken , die im ersten Moment nicht lebensnotwendig sind, wie zum Beispiel ein Stuhl, Beistelltisch oder Regal? Angenommen man hat sich unsterblich in eines davon verliebt, welches dann im ersten Moment gar nicht teuer erscheint, der Blick auf den Preiszettel einem allerdings einen Schlag in die Magengrube versetzt – ist es dann besser direkt einen Haken daran zu machen und nach günstigeren Alternativen zu schauen oder sich zu hinterfragen, warum besagter Stuhl oder das Regal eigentlich so teuer ist?

Text & Foto: Sarah Ramroth

 Dieser Text ist ein Auszug aus Sarahs Beitrag Neue Möbel? Die richtige Mischung macht’s. Weiter geht’s auf www.wohnfreude.de, das Hamburger Online-Magazin rund ums Bauen, Wohnen, Finanzieren mit freundlicher Unterstützung der Sparda-Bank Hamburg eG.


Who the fuck is…

Sarah Ramroth gibt auf wohnglueck.hamburg und  @wohnglueckhamburg (Instagram) seit über einem Jahr praktische Einrichtungstipps und verbindet sie mit ihrer Liebe zu Hamburg. Einmal pro Monat berichtet sie über Hamburger Wohnthemen für www.szene-hamburg.com und www.wohnfreude.de.