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„Jetzt Bayern, Dortmund oder den HSV“

Der FC Teutonia 05 gewinnt das Lotto-Pokalfinale und träumt von einem großen Gegner im DFB-Pokal

Text: Felix Willeke

„Altona hat ein tolles Spiel gemacht“, sagte Jan-Philipp Rose, Trainer vom FC Teutonia 05 nach dem Pokaltriumph gegen Altona 93. In der Tat schlug sich der Absteiger aus der Regionalliga Nord sehr gut im Lotto-Pokalfinale gegen die Teutonen aus Ottensen. Teutonia 05 ging als klarer Favorit in das Spiel. Schließlich hatten sie in der Saison beide Duelle gegen Altona 93 gewonnen. So überraschte es nur wenige, dass Teutonia schon nach zwei Minuten das 1:0 vor knapp 3.000 Zuschauer:innen erzielte – Fabian Istefo verwandelte einen frühen Strafstoß sicher. Auch in den kommenden Minuten war Altona immer einen Schritt zu spät. Das 2:0 für Teutonia nach einem Kopfball durch Can Düzel in der 14. Minute schien die logische Folge. „Wir haben die ersten zehn Minuten verpennt“, sagte Noah Gumpert von Altona 93 nach dem Spiel.

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Altona 93 versuchte in der 2. Halbzeit alles, um noch zum Ausgleich zu kommen, doch Teutonia 05 brachte die Führung über die Zeit (Foto: Erik Brandt-Höge)

Aufbäumen und Verwaltungsmodus

Nach dem Seitenwechsel versuchte Teutonia mit dem 2:0 im Rücken den Vorsprung zu verwalten und Altona 93 kam immer mehr ins Spiel. In der 62. Minute war es dann soweit: Noah Gumpert schlenzte den Ball sehenswert ins lange Eck zum 1:2 und bei den knapp 1.000 Fans von Altona keimte Hoffnung auf. Jedoch die mangelnde Chancenverwertung und ein guter Malte Schuchardt im Tor von Teutonia verhinderten den Ausgleich.

Erster Triumph und Abstiegsfrust

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Freuen sich über den Sieg im Lotto-Pokal: Der FC Teutonia 05 (Foto: Erik Brandt-Höge)

So feiert der FC Teutonia 05 seinen ersten Pokalerfolg im ersten Finale der Vereinsgeschichte. Währenddessen verpasste Altona 93 den ersten Einzug in den DFB-Pokal seit 1993/94. „So wie wir spielen, müssen wir das Spiel gewinnen. Natürlich sind wir total enttäuscht“, sagte Richard Golz, Sportdirektor von Altona, nach dem Abpfiff.

Bei Teutonia hingegen herrscht Euphorie und das zurecht. Spielte der Club noch vor sechs Jahren in der sechstklassigen Landesliga, können sie sich in der kommenden Saison auf ein Spiel im DFB-Pokal freuen. „Bayern, Dortmund oder HSV, wäre auch ein geiles Spiel“, sagte Ridel Monteiro, Mittelfeldspieler von Teutonia 05 nach dem Abpfiff. Das Team aus Ottensen blickt jetzt gespannt auf den 29. Mai 2022 um 19.15 Uhr, dann wird die erste Runde des DFB-Pokal 2022/23 live in der ARD ausgelost – gespielt wird zwischen dem 29. Juli und 1. August 2022. Unterdessen wartet auf Altona 93 eine Saison in der Oberliga. Beide Teams werden sich nach dieser Saison neu aufstellen, so auch Teutonia-Trainer Jan-Philipp Rose, er verlässt den Verein.

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Standen sich im Lotto-Pokal-Finale gegenüber: Altona 93 und der FC Teutonia 05 (Foto: Altona 93, FC Teutonia 05)

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Hamburger Pokalfinale: Alte Bekannte und neue Rivalen

Am Samstag, den 21. Mai 2022, steigt das Lotto-Pokalfinale Hamburg. Um 12.15 Uhr trifft Altona 93 auf den FC Teutonia 05 – eine gewachsene Rivalität unter Nachbarn

Text: Felix Willeke

Nur 600 Meter trennen Altona 93 und den Teutonia 05 aus Ottensen. Nach zwei Derbys in der Liga treffen sie jetzt im Lotto-Pokalfinale aufeinander. In der Regionalliga-Saison gewann Teutonia das Hinspiel in Altona denkbar knapp mit 2:1. Im Rückspiel fiel der Sieg mit 5:1 schon deutlicher aus. Die Favoritenrolle für das Pokalfinale am 21. Mai scheint damit klar. Während Teutonia in der Regionalliga Nord sogar noch kurzzeitig vom Aufstieg in Liga drei träumen durfte, steht für Altona 93 der Abstieg in die Oberliga schon fest. Doch für beide hat das Pokalfinale eine große Bedeutung. Denn abgesehen vom Derby-Charakter verspricht ein Sieg für die kommende Saison die Teilnahme im DFB-Pokal und damit nicht nur eine Prämie von über 100.000 Euro, sondern auch einen potenziell sehr attraktiven Gegner aus der Bundesliga. 

„Er müsste eigentlich noch auf mich hören“

Andreas Bergmann, Trainer von Altona 93

Umgekehrte Vorzeichen

„Altona 93 ist für mich ursprünglicher Fußball“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Ragnar Törber SZENE HAMBURG. Während Altona 93 eine lange Tradition hat, ist Teutonia der Emporkömling. Altona spielte zuletzt in der Saison 1993/94 im DFB-Pokal. Damals verloren sie in der ersten Runde gegen Borussia Dortmund. Für Teutonia ist es hingegen sogar das erste Pokalfinale im Hamburger Landespokal, auch im DFP-POkal war der Verein aus Ottensen noch nie vertreten. Vor sechs Jahren spielten die Teutonen noch in der sechstklassigen Landesliga, heute hat der Kader laut transfermarkt.de einen doppelt so hohen Marktwert wie der von Altona 93. Ein Aufstieg, der ohne Investoren wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre.

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Stehen sich im Lotto-Pokal-Finale gegenüber: Altona 93 und der FC Teutonia 05 (Foto: Altona 93, FC Teutonia 05)

Konfliktpotenzial und alte Bekannte

Doch nicht nur ideologisch – Tradition versus Investoren – unterscheiden sich die Clubs. Aktuell läuft ein Konflikt rund um den Stadionneubau von Altona. Teutonia möchte auch gern zukünftig am neuen Standort spielen. Das sorgt für noch mehr Konfliktpotential zwischen den beiden Clubs. Doch abseits der Rivalität treffen beim Pokalfinale auch alte Bekannte aufeinander. Der heutige Interimstrainer von Teutonia, Jan-Philipp Rose, spielte 2004 noch beim FC St. Pauli. Der heutige Trainer von Altona 93, Andreas Bergmann, trainierte damals den Club vom Millerntor und holte Rose zu den Profis. „Er müsste eigentlich noch auf mich hören“, scherzte Bergmann im Vorfeld des Spiels. Das wird Rose am Samstag sicherlich nicht tun, auch wenn er die Favoritenrolle seines Teams nur widerwillig annimmt: „Laut der Tabelle sind wir Favorit, aber ein Finale muss auch immer erst gespielt werden“. 

Lotto-Pokalfinale, Anstoß am 21. Mai um 12.15 Uhr (Einlass ab 11 Uhr) im Stadion Hoheluft.
Tickets gibt es an der Tageskasse. Das Spiel wird zudem im Rahmen des Finaltag der Amateure in der ARD live übertragen. 


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St. Pauli gegen Bremen – ein Derby unter Freunden

Am Samstag spielt der FC St. Pauli im ausverkauften Millerntor-Stadion gegen Werder Bremen. Auch in der SZENE HAMBURG-Redaktion sind beide Fanlager vertreten – ein Blick aus Fansicht auf das „Nordderby“

Text: Erik Brandt-Höge & Felix Willeke

Am 9. April 2022 spielt der FC St. Pauli am heimischen Millerntor gegen Werder Bremen. Ein Spiel, über das im Vorfeld viel gesprochen wird, auch in der SZENE HAMBURG-Redaktion. Zwei Redakteure blicken aus Fansicht auf ein Spiel, das von einigen auch als Nordderby bezeichnet wird.

Glückssache und gemeinsame Werte

Klaus Allofs war auf 180. Der Werder-Manager, der ab 1999 mit geschickten Transfers extrem erfolgreiche Vereinsjahre eingeleitet (und später mit ungeschickten wieder beendet) hatte, sah in der Pokal-Begegnung gegen den FC St. Pauli im Januar 2006 ein „Spaßspiel“. Mit seriösem Fußball hätte das nichts zu tun. Die Entscheidung, das Ganze überhaupt anzupfeifen: völliger Quatsch. Und tatsächlich: Es war bitterkalt, der Schnee bedeckte den Platz zentimeterhoch und das Spielfeld glich einer Schlittschuhbahn. Die Verletzungsgefahr war riesig, die Tore teils Glückssache. Am Ende schoss St. Pauli drei, Werder nur eins. Das machte Allofs‘ Laune nicht unbedingt besser…

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In den Farben getrennt, in den Werten vereint: Werder Bremen und der FC St. Pauli (Foto: pixabay)

Wenn ich an die bisherigen Aufeinandertreffen des Kiez-Clubs und Werder Bremen, meinem Lieblingsverein, denke, kommt mir dieses Spiel zuerst in den Sinn. Allerdings ohne Allofs-ähnlichen Ärger. Ohne Jammerei. St. Pauli musste damals ja genauso übers Eis schlittern wie Werder. Probleme hatten beide und die Hamburger haben sie besser in den Griff gekriegt.

Überhaupt: St. Pauli ist eindeutig der sympathischere Hamburger Club. Wenn sie gegen Werder gewinnen, bin ich selten schlecht gelaunt, egal wie das Wetter gerade ist. Denn ich mag die Werte des Vereins, den Aktivismus gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie. Werder hat dieselben Werte. Logisch, dass sich die Fans der beiden verstehen – zuletzt gesehen beim Spiel im Oktober vergangenen Jahres am Bremer Osterdeich. Jetzt, wenn Werder mal wieder am Millerntor spielt, will ich mehr Werder- als St. Pauli-Tore. Das will ich immer. Aber wenn es anders kommt, brauche ich weder zwanzig Trost-Biere noch irgendein Ventil wie Allfos im Jahr 2006. Wer auch immer das Ding am Samstag gewinnt: Glückwunsch schon mal.  

Der FC St. Pauli und Werder: eine Liga

Jan Delay, Katharina Fegebank, mein Kollege Erik und viele andere, die Liste der Werder-Fans mit eindeutigem Hamburg-Bezug ist lang. Kein Wunder, der Verein ist ja auch vollkommen okay. Der FC St. Pauli und Werder haben eine gemeinsame Geschichte, immer wieder wechseln Spieler zwischen den beiden Vereinen hin und her – ob Fin Bartels, Max Kruse oder zuletzt Luca Zander. Zurzeit sprechen viele beim Spiel am Samstag vom „Nordderby“. Das ist Quatsch. Derbys haben immer eine hohe symbolische Bedeutung, wie das „echte Nordderby“ zwischen Bremen und dem Verein aus Hamburg-Stellingen oder das Hamburger Stadtderby. Für mich ist es eher ein Spiel unter Freunden, bei dem der Bessere gewinnen soll. Es gibt keine Antipathie oder Ähnliches. Dafür eint die Vereine, insbesondere bei den eigenen Werten, zu viel – auch wenn ein Sponsor wie Wiesenhof beim FC St. Pauli mutmaßlich nicht auf dem Trikot stehen würde.

Wie es der Zufall will, sind beide Vereine aber sportlich zurzeit in derselben Lage: Beide stehen oben in der Tabelle der 2. Bundesliga und beide können, wollen und, in Bremens Fall, müssen vielleicht sogar aufsteigen. Drei Punkte am Wochenende wären damit für beide gleichermaßen wichtig. Das Hinspiel war ein sehr gutes, am Ende trennten sich die Teams 1:1. Ein Ergebnis, mit dem ich für Samstag leben könnte. Natürlich wäre ein 3:1 wie 2006, noch besser, aber die Vorzeichen sind andere. Der Platz hat mittlerweile eine Rasenheizung und beide Teams stehen sich nahezu auf Augenhöhe gegenüber. Mein Wunsch ist ein Heimsieg, am Ende der Saison Platz 1 für Bremen, Platz 2 für den FC St. Pauli, der Aufstieg für beide. Und die Kollegen aus Stellingen, die werden wieder Vierter, das hat ja auch schon ein wenig Tradition.


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HSV und St. Pauli: Vor dem Derby

Hamburg ist im DFB-Pokal-Rausch. Während der Hamburger SV ein kurioses Elfmeterschießen in Köln gewann, steht auch der FC St. Pauli nach einem überraschenden Sieg gegen Borussia Dortmund im Viertelfinale. Jetzt wartet das Derby

Text: Felix Willeke

 

„Wir dürfen den Abend genießen. Ab morgen richten wir den Blick auf Freitag, da steht das nächste wichtige Spiel für uns an“, sagte Etienne Amenyido, Stürmer des FC St. Pauli, nach überraschenden, aber nicht unverdienten 2:1 Erfolg im DFB-Pokal Achtelfinale gegen Borussia Dortmund. Ebenfalls eine Runde weiter ist der Hamburger SV. Die Mannschaft von Trainer Tim Walter gewann im Elfmeterschießen gegen den 1. FC Köln. FC-Spieler Florian Kainz rutschte beim letzten Strafstoß aus und schoss seinen eigenen Fuß an, eh der Ball ins Tor ging. Ein Regelverstoß und so endete das Elfmeterschießen kurios und auch der HSV steht im DFB-Pokal Viertelfinale, das am 30. Januar in der ARD-Sportschau ausgelost wird.

Bei dieser Auslosung könnte es zu einer Partie kommen, die schon am Freitag, den 21. Januar 2022 im Volksparkstadion stattfindet: Dem Hamburger Stadtderby. Nach dem Pokal-Erfolg gehen beide Mannschaften mit einer Portion Extra-Motivation in das Spiel.

 

Auf Augenhöhe?

 

Der FC St. Pauli grüßt trotz zuletzt dreier siegloser Liga-Spiele von Platz eins der 2. Bundesliga. Der HSV hingegen hat eines seiner drei letzten drei Spiele in der Liga gewonnen und steht auf Platz fünf und damit sechs Punkte hinter dem Stadtrivalen. Die Saison lief für beide ähnlich. Mit einem Unterschied: Während der FC St. Pauli schon viermal verloren hat, ging der HSV erst einmal als Verlierer vom Platz, am 13. August 2021 im Hinspiel am Millerntor. Nicht zuletzt deswegen könnte das Wort „Derby“ beim HSV in der letzten Zeit zu einem Reizwort geworden sein. Denn seit März 2019 gab es für das Team aus dem Volkspark fünf Niederlagen und ein Unentschieden gegen den FC St. Pauli – der letzte Sieg im heimischen Stadion datiert dabei aus dem Jahr 2001. Den Favoritenstatus, den der langjährige Erstligist fast immer hatte, gibt es nicht mehr.

 

Stärke trifft Stärke

 

Die Ausgangslage ist damit so ausgeglichen wie noch nie. Dazu lohnt ein Blick auf die Statistik: Der HSV stellt mit 19 Gegentoren nach 19 Spielen die beste Defensive der 2. Bundesliga und der FC St. Pauli hat mit 39 erzielten Toren die zweitbeste Offensive. Im Derby trifft also Stärke auf Stärke. Die Personalsituation ist ebenfalls ausgeglichen: Dem HSV fehlt mit Tim Leibold schon seit Ende Oktober der Stamm-Linksverteidiger mit Kreuzbandriss, der aber zumeist gut von Jan Gyamerah ersetzt wird. Beim FC St. Pauli ging man davon aus, dass mit Daniel-Kofi Kyereh der beste Vorlagengeber und zweitbeste Torschütze fehlen wird. Doch überraschend schied Kyereh am Dienstag mit Ghana beim Afrika-Cup aus und wird am Donnerstag in Hamburg erwartet. Ob es dann für Freitag reicht, wird kurzfristig entschieden.

 

Die Prognose

 

Das Hinspiel war dramatisch und endete denkbar knapp mit 3:2 für den FC St. Pauli – einzig eine laut kicker.de mangelhafte Schiedsrichterleistung trübte das Bild. Auch für das Rückspiel ist genau so ein Spielverlauf, abgesehen vom Schiedsrichter, denkbar. Letztendlich kommt es vor 2.000 Fans auf die berühmte Tagesform an und darauf, wie die Teams das Pokalspiel unter der Woche verkraftet haben. Wer das Derby am Freitag gewinnt, darf seine Aufstiegsambitionen noch einmal unterstreichen. Doch auch ein Unentschieden auf höchstem Zweitliganiveau sollte keinen überraschen.

Hamburger SV vs. FC St. Pauli, Freitag, 21. Januar 2022 um 18.30 Uhr im Volksparkstadion


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