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Kuscheltiere: Stoff zum Knuddeln

Kuscheltiere erfreuen sich als Weihnachtspräsent auch in Zeiten von Smartphones und Tablets großer Beliebtheit – und zwar bei Groß und Klein. Welche Rolle sie dieser Tage psychologisch spielen und warum viele Erwachsene nicht von ihnen lassen können

Text: Marco Arellano Gomes

 

Abends werden sie ins Bett gebracht, morgens geweckt, sie sitzen am Esstisch, begleiten beim Museumsbesuch und fliegen mit in den Urlaub: Kuscheltiere. Und es sind längst nicht nur Kinder, die ihre plüschigen Gefährten ständig um sich haben wollen. Knapp 50 Prozent der Erwachsenen spielen und reden einer repräsentativen GfK-Umfrage von 2013 zufolge mit ihren Plüschtieren. Das geschieht freilich meist im Geheimen. Im Gegensatz zu Kindern, möchte kaum ein Erwachsener mit dem Kuscheltier im Arm gesehen werden.

 

Das Ich entwickeln

 

Kuscheltiere gelten in der Psychologie als Übergangsobjekte. Sie sollen vor allem Kleinkindern dabei helfen, zeitliche und körperliche Trennungen von den Eltern zu überbrücken und sich emotional von den Eltern abzunabeln. Sie sind eine Stütze, um das eigene Ich zu entwickeln. Dabei entwickeln Kinder in der Regel eine sehr enge Beziehung zu ihrem Stofftier, das sie über Jahre – bei manchen aber auch das ganze Leben lang – begleitet. Kosenamen wie Teddy, Bäri, Mausi oder Hasi bezeugen diese liebevolle Hinwendung bereits phonetisch.

In der Jugend lassen die meisten von ihren plüschigen Weggefährten ab. Das trifft aber nicht auf alle zu. Knapp die Hälfte der Erwachsenen haben noch immer einen starken Bezug zu ihren Kuscheltieren. Einige mehr, andere weniger. Während viele ihr Lieblingskuscheltier aus der Kindheit behalten und prominent im Wohnzimmer platzieren, gibt es auch Erwachsene, die noch immer mit ihrem Stofftier interagieren. Selbst Paare kommunizieren spielerisch über Stofftiere miteinander. All das sind keine kuriosen Einzelfälle.

 

Perfekte Zuhörer

 

Die Tiere aus weichem, kuscheligen Stoff mit ihren drolligen Kulleraugen spenden Trost, sind perfekte Zuhörer und lassen sich stets bereitwillig in den Arm nehmen. In therapeutischen Sitzungen wird die Nutzung von Stofftieren nicht selten empfohlen, um Gefühle wie Geborgenheit und Zuneigung aktiv zu fördern.

„Wir haben sehr viele erwachsene Kunden, die Steiff-Tiere für sich selber kaufen, gerade zur Weihnachtszeit. Das sind nicht nur Sammler“, erzählt Oliver Arnold, Leiter des Steiff Shop Hamburg im Levantehaus. „Es gibt beispielsweise ein Pärchen, dass uns regelmäßig besucht und jährlich nach Schottland reist. Kurz vor Reiseantritt kaufen sie immer das selbe Schaf als Plüschtier und lassen auf diese Weise ihre Herde wachsen. Die Urlaubsbilder zeigen sie uns dann voller stolz und teilen diese über Social Media.“

 

 

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Früher hätte man ein solches Verhalten möglicherweise belächelt. Heute erntet man Likes dafür. Es ist schwer zu beurteilen, welchen Anteil die sozialen Medien daran haben, aber „der Umgang mit Stofftieren ist für Erwachsene unverkrampfter, offener geworden“, so Arnold. Aus seiner Sicht kann man „nie zu alt für Kuscheltiere“ sein.

Es ist gerade dieses Spielerische, das den Menschen ausmacht. Der Mensch entwickele seine kulturellen Fähigkeiten vor allem über das Spiel, behauptete schon der Kulturhistoriker Johann Huizinga in seinem Werk „Homo Ludens“. Es ist kein Zufall, dass Jack Nicholson in dem Horror-Klassiker „The Shining“ von Kultregisseur Stanley Kubrick in die Schreibmaschine die berühmt gewordenen Worte „All work and no play, makes Jack a dull boy“ tippt (frei übersetzt: „All die Arbeit und kein Spiel machen Jack zu einem stumpfsinnigen Jungen).

 

„… das Gefühl, dass die Welt für einen Moment wieder in Ordnung ist“

 

Der Mensch hat die Fähigkeit der Ernsthaftigkeit des Lebens etwas Spielerisches, Fantasievolles entgegenzusetzen – und zwar von Geburt an. Es ist erstaunlich, dass Kinder geradezu instinktiv und mit größter Leichtigkeit fantasieren können, diese natürliche Fähigkeit im Laufe der Sozialisation aber weitestgehend verlernen. Das Spielen mit Stofftieren ist ein Aspekt dieses Spieltriebs, aber zurzeit vielleicht ein sehr hilfreicher. Das Tolle daran: Es ist auch in Corona-Zeiten bedenkenlos. Eine Maskenpflicht besteht nicht, der Abstand von 1,5 Metern ist nicht nötig und wenn das Stofftier nicht allzu oft den Besitzer wechselt, ist auch keine Hygieneprozedur notwendig.

In einer Welt, die unübersichtlich, kompliziert und unsicher wirkt, in der Kontaktbeschränkungen zur neuen Normalität werden und die Weihnachtszeit mit gedämpften Erwartungen daherkommt, hat das fantasievolle Spiel mit Stofftieren eine ungeahnt wichtige Bedeutung gewonnen – und zwar für Groß und Klein.

Denn diese kleinen Gefährten aus Plüsch können einem das Gefühl geben, dass die Welt für einen Moment wieder in Ordnung und in einem Gleichgewicht ist. Vielleicht brauchen die Menschen der- zeit dringender denn je ein Übergangs- objekt. Ein Stück Stoff zum Knuddeln, Lachen, Schmusen und Einschlafen. Das ist gut für Geist und Körper. Und so kommt auch keiner aus der Übung, bis der Tag erreicht ist, an dem die alte Nor- malität wieder zur alleinigen wird.


Cover_Szene_Hamburg_Dezember_2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2020. Das Magazin ist seit dem 28. November 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Straßenblues: Schenken mit Sinn

Menschen mit und ohne Obdach feiern gemeinsam Weihnachten

Text: Marie Filine Abel

 

Bereits zum fünften Mal feiern im Dezember jeweils rund 50 Hamburger mit und ohne Obdach gemeinsam ein Weihnachtsfest, das von „StrassenBLUES e.V.“ organisiert wird. Das Team des gemeinnützigen Vereins trifft und filmt im Vorfeld Wohnungs- und Obdachlose in Sozialeinrichtungen und fragt nach ihren Weihnachtswünschen.

Meist wird zum Beispiel eine warme Jacke, ein Kofferradio oder ein Schlafsack gebraucht. Oder auch eine Fahrkarte, um die Liebsten zu besuchen, die sie vielleicht seit Jahren nicht gesehen haben. Die Videoporträts der Obdachlosen werden anschließend auf der „StrassenBLUES“-Website und den Social-Media-Kanälen veröffentlicht.

 

Begegnungen an einem Tisch

 

Jeder, der möchte kann sich einem der Wünsche annehmen und verschenken – bei einem gemeinsamen Weihnachtsfest mit Kaffee, Kuchen und Live-Musik. Denn neben der Notwendigkeit eines warmen Schlafsacks, der gewünscht wird, geht es auch um Begegnungen, um Austausch zusammen an einem Tisch.

Hinter „StrassenBLUES“ steckt vor allem Gründer und Filmemacher Nikolas Migut. Als er im Jahre 2012 eine NDR-Dokumentation in einer Berliner Bahnhofsmission am Zoo drehte, lernte er den Obdachlosen Alex kennen. Nikolas ist von ihm so fasziniert, dass er mit ihm eine Nacht lang durch Berlin zieht und aus dem dabei entstandenen Material die Doku „Alex – Halbes Vertrauen“ schneidet.

Doch Alex lässt ihn nicht los und er macht sich 2014 gemeinsam mit seiner Frau Milena und seiner kleinen Tochter Maja auf die Suche. Alex lebte zu dem Zeitpunkt nach zehn Jahren auf der Straße erstmals wieder in einer Sozialwohnung in Neumünster. Das Wiedersehen im Januar 2015 lieferte das Material für Nikolas Miguts halbstündige Dokumentation „Straßenblues“.

 

 

Die Dokumentation war der Auftakt für die Gründung des gemeinnützigen Vereins, der sich mit unterschiedlichen Aktionen darum kümmert, Menschen ohne Obdach in die Gesellschaft einzubinden. Für das Engagement wurde „StraßenBLUES“ bereits mehrfach unter anderem mit dem Deutschen Integrationspreis ausgezeichnet.

15.12.19, 15 Uhr

strassenweihnachtswunsch.de und strassen-blues.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 29. November 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Top 10 – Die schönsten Märchen zu Weihnachten

Kindertheater – Alle Jahre wieder: In der Adventszeit kommt (fast) niemand an den weihnachtlichen Märchen auf Hamburgs Bühnen vorbei. Wir stellen euch zehn davon vor:

Texte: Sophia Herzog
Beitragsfoto: Ohnsorg Theater/Oliver Fantitsch

1) Das Dschungelbuch

Die berühmte Geschichte um das Findelkind Mowgli bringt Urwald-Feeling statt Schneegestöber nach St. Pauli. Hier wächst der Junge bei einer Familie von Wölfen auf, lernt die Gesetze der Wildnis und erlebt Abenteuer mit seinen Freunden Baloo der Bär und Panther Bagheera, die ihn auch vor dem bösen Tiger Shere Khan beschützen. Ab vier Jahren.

St. Pauli Theater, bis 22.12.18; www.st-pauli-theater.de

2) Das kleine Gespenst

Jede Nacht erwacht das kleine Gespenst zur Geisterstunde, dabei will es eigentlich nichts sehnlicher, als die Welt um seine Burg herum einmal bei Tag zu erkunden. Eines Tages geht sein Wunsch endlich in Erfüllung, doch bei Tageslicht stiftet das Gespenst bei den Erwachsenen ziemliches Chaos. Ab fünf Jahren.

Harburger Theater, bis 23.12.18; www.harburger-theater.de

3) Der kleine Störtebeker

Als Robin Hood der Norddeutschen stahl der berühmte Pirat Störtebeker von den Reichen und gab die Schätze den Armen. Aber wie wird man eigentlich zum Piraten? Das Kinderstück des Schmidt Theater erzählt von den Abenteuer des jungen Störtebeker. Inklusive sprechender Ratten und, natürlich, einem Piratenschatz. Ab sechs Jahren.

Schmidt Theater, bis 20.1.19; www.tivoli.de

Die schönsten Weihnachtsmärchen für Kinder in Hamburg: Der kleine Störtebeker

Foto: Oliver Fantitsch

4) Der Nussknacker

Clara bekommt von ihrem Onkel einen Nussknacker zu Weihnachten geschenkt. Doch dieser knackt nicht einfach nur Walnüsse, sondern verwandelt sich nachts in einen Prinzen, der die Spielzeugsoldaten in die Schlacht gegen den Mäusekönig anführt. Das Weihnachts-Ballett ist eine Wiederaufnahme des Monsun Theaters. Ab drei Jahren.

Monsun Theater, bis 23.12.18; www.monsuntheater.de

Weihnachtsmärchen für Kinder in Hamburg: Der Nussknacker im Monsun Theater Foto: monsun Theater

Foto: Monsun Theater

5) Die Drei ??? Kids – der Weihnachtsdieb

Die drei Detektive aus Rocky Beach haben einen neuen Fall – denn Justus’ Geschenk für seine Tante Mathilde wurde aus seinem Versteck auf dem Schrottplatz gestohlen. Schnell verfestigen sich die Beweise, ausgerechnet gegen den Weihnachtsmann. Können die drei ??? die Bescherung noch retten? Ab acht Jahren.

Kammerspiele, bis 18.12.18; www.hamburger-kammerspiele.de

6) Hans im Glück

Als Dank für seine harte Arbeit bekommt Hans einen Goldklumpen, als er sich auf den Heimweg macht, um den Geburtstag seiner Mutter zu Hause zu feiern. Doch der Klumpen ist furchtbar schwer und der Weg lang. Ohne zu zögern tauscht er also das Gold gegen ein Pferd, und das Pferd gegen eine Kuh – mit was in den Händen er wohl letztendlich ankommt? Ab drei Jahren.

Hoftheater Ottensen, bis 13.1.19; www.norddeutsches-tourneetheater.de

Hans im Glück: Weihnachtsmärchen im Hoftheater Ottensen in Hamburg Foto: Kindertheater Wackelzahn

Foto: Kindertheater Wackelzahn

7) Max und Moritz

Sie sind wohl die bekanntesten Unruhestifter der Kinderliteratur. Nicht nur die Witwe Bolte oder der Schneider Böck fallen ihrem Unfug zum Opfer, auch Lehrer Lämpel und Onkel Fritz müssen dran glauben – bis die Dorfbewohner genug haben, und einen Plan schmieden. Ausnahmsweise wird mit diesem Kinderstück im Ohnsorg Theater auf Hochdeutsch inszeniert. Ab vier Jahren.

Ohnsorg Theater, bis 27.12.18; www.ohnsorg.de

8) Peter Pan

Vorbei am zweiten Stern rechts und dann immer geradeaus bis zur Morgendämmerung – diesen Weg fliegen Wendy und John Darling zusammen mit Peter Pan bis nach Nimmerland. Für die berühmte Geschichte über die Magie der kindlichen Vorstellungskraft, aber auch über das Erwachsenwerden hat das Theater für Kinder eigens Musik komponiert. Ab sechs Jahren.

Theater für Kinder, bis 27.1.19; kindertheater.alleetheater.de

9) Pippi Langstrumpf

In Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker stellt das Mädchen mit den roten Zöpfen einiges auf den Kopf. Mit ihrem Affen Herr Nilsson, ihrem Pferd Kleiner Onkel und ihren Freunden Tommy und Annika, die direkt nebenan wohnen, nimmt sie es in verrückten Abenteuern mit Einbrechern, Lehrern und Polizisten auf. Ab fünf Jahren.

Altonaer Theater, bis 14.1.19; www.altonaer-theater.de

Weihnachtsmärchen in Hamburg: Pippi Langstrumpf im Altonaer Theater; Foto: G2 Baraniak

Foto: G2 Baraniak

10) Rapunzel

Rapunzel reicht’s: Sie will nicht mehr in dem Turm festsitzen, in den die böse Hexe sie noch als Kind gesteckt hat. Ein Fluchtplan muss her. Gemeinsam mit ihren Freunden der ängstlichen Grille, der schlauen Eule und der frechen Maus Fleder plant sie also ihren Ausbruch. Ab vier Jahren.

Ernst Deutsch Theater, bis 23.12.18; www.ernst-deutsch-theater.de


Noch mehr Tipps für Weihnachtsmärchen findet ihr im SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2018. Das Magazin ist seit dem 29. November 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop erhältlich! 


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