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Magdalena bringt neue Partyreihe Shadows ins PAL

Bookerin, Festival-Veranstalterin, Produzentin: Magdalena, die Hamburger DJ und ehemalige Ego-Chefin, ist mittlerweile weltweit unterwegs. Im Februar kommt sie mit ihrer Ibiza-Partyreihe Shadows ins PAL.

Interview: Ole Masch
Foto: Randy Rocket

SZENE HAMBURG: Magdalena, wir erreichen dich in Tulum, Mexiko. Was führt dich dortin?

Magdalena: Ich bin gerade auf Tour. Hinter mir liegen sieben Gigs, unter anderem in Mexico City, Guadalajara, Acapulco und Puerto Escondido. Morgen steht hier der wichtigste Gig an. Es geht um die Shadows-Reihe. Die Gäste die ich begrüßen darf sind meine guten Freundinnen Nicole Moudaber und Anja Schneider sowie Art Department und Radio Slave.

Was ist „Shadows“?

Eine Partyreihe die ich ursprünglich mit meinem Team entworfen habe, um eine wöchentliche Residency auf Ibiza zu spielen, freitags im Blue Marlin. Am späten Nachmittag geht es mit einem Gast los, die Sonne geht langsam unter, die Schatten werden länger, es gibt eine tolle Lichtshow. Zum Schluss des Abends gibt es häufig noch ein b2b von dem Gastkünstler und mir. Nun übertragen wir das Konzept in andere Länder.

Wo geht’s hin?

Wir starten mit Francesca Lombardo am 14. Februar in Berlin, im Watergate. Dann weiter nach Zürich ins Hive und zu guter Letzt in meine Heimat Hamburg, ins PAL. Alles an einem Wochenende. Das Ganze wiederholen wir am 14. März mit La Fleur. Es ist ziemlich schwierig, eine Tour mit einem Gast in so kurzer Zeit in drei Venues zu veranstalten. Die Clubs müssen ihr ok geben, die Gage muss hinhauen, die Künstler müssen rechtzeitig angefragt werden. Es war wirklich ein schwieriges und zeitaufwendiges Unterfangen. Ich bin froh, dass jetzt alles steht.

Was kannst du über die Künstlerinnen erzählen?

Seit ich La Fleur im Ego-Club gebucht habe, kreuzten sich unsere Wege unregelmäßig aber stetig. Ich habe sie im letzten Jahr zu „Shadows“ in Ibiza eingeladen, jetzt freue ich mich besonders, dass sie wieder mit am Start ist. Francesca Lombardo lernte ich vor circa zwei Jahren im Lost Beach Club in Ecuador kennen. Ich habe freitags gespielt, sie samstags. Sonntags haben wir eine lange Afterparty b2b gespielt, seitdem sind wir tief verbunden.

 

„Irgendwann habe ich angefangen, mit dem Mixer zu experimentieren“

 

Hast du bewusst zwei Frauen dafür ausgewählt?

Ich würde nicht sagen, dass ich Frauen generell Männern vorziehe, aber schon, dass ich Freunde eher einlade als mir unbekannte Künstler.

Du bist seit Beginn ein Teil der Diynamic-Label-Familie. Wie bist du zum Auflegen gekommen?

Da ich lange Zeit den Ego-Club geleitet habe, war ich oftmals bis zum Schluss da, um zu schauen, dass alles gut läuft. Irgendwann habe ich angefangen mit dem Mixer zu experimentieren. Da habe ich schnell bemerkt, wie viel Spaß mir das macht – und so kam eins zum anderen.

Was macht das Label für dich aus?

Es ist halt Familie für mich. Innerhalb von Diynamic sind wir alle sehr eng miteinander verwachsen, es gibt einen regen Austausch über Musik, wir sehen uns alle häufig bei den Diynamic Events, die Diynamic Festivals oder Showcases. Ich fühle mich einfach sehr eng mit diesem Label und deren Künstlern verbunden.

Bei Diynamic bist du die einzige Frau. Was meinst du, ist der Grund dafür?

Das ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Noch vor einigen Jahren gab es nicht so viele Frauen, die produzierten. Mittlerweile werden es immer mehr, was ich sehr begrüße. Ich denke nicht, dass es sehr lange dauern wird, bis eine weitere Frau auf Diynamic releasen wird.

Welche Erfahrungen hast du mit Sexismus im Nachtleben gemacht?

Ich bin in Hamburg aufgewachsen und hatte mit dem „Ego“ einen Club mitten auf dem Kiez. Mitten im Rotlichtmilieu, habe ich früh gelernt, mich mit dummen Sprüchen auseinanderzusetzen und auch zu kontern. Ich fühle mich auf dem Gebiet ziemlich abgehärtet.

Vermisst du das „Ego“?

Einerseits ja, andererseits habe ich durch die Schließung auch viele neue Freiheiten bekommen. Da ich sehr viel Herzblut in den Laden gesteckt habe, habe ich auch viele Stunden dort verbracht – denn wenn ich mir etwas vorgenommen habe, gebe ich immer 100 Prozent. Jetzt ist meine Passion das Auflegen, und ich darf jetzt in der Welt umherreisen, was natürlich auch wunderschön ist.

Verschiedene Länder, unterschiedliche Feierkulturen. Jede Nacht ein anderer Club. Was für viele traumhaft klingt, ist sicher auch anstrengend. Wie erholst du dich davon?

Hin und wieder nehme ich mir ein Wochenende frei, aber generell bin ich noch zu „hungrig“ und möchte so viel spielen wie möglich. In der Woche kann man sich kurz ausruhen, aber meistens liegen dann viele andere Sachen an: Man möchte ins Studio, dort arbeiten oder mit seinem Team über die nächste Schritte sprechen. Ich versuche wenigstens am Montag für niemanden erreichbar zu sein, auch wenn das leider häufig nicht klappt …

 

Magdalena live in Beirut

 

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Wie häufig bist du überhaupt noch in Hamburg?

Ich würde sagen, dass ich circa sechs Mal im Jahr vorbeischaue. Manchmal länger, manchmal kürzer. Meine Familie lebt zum Teil noch dort und meine Agentur hat ihren Sitz in Hamburg. Manchmal bin ich auch zum Auflegen dort. Das Ego-Air veranstaltete ich die letzten Jahre ja außerdem auch noch. Ich nehme quasi jede Gelegenheit wahr um meiner Lieblingsstadt einen Besuch abzustatten.

Wird es dieses Jahr wieder ein Ego-Air geben?

Dazu kann ich leider noch nichts sagen. Ehrlich gesagt, hatte ich noch keine Zeit das final zu besprechen.

Neben dem Auflegen, hast du angefangen zu produzieren. Wie kam es dazu?

Nico Plagemann von Kollektiv Turmstrasse half mir auf die Sprünge. Er hat mich in sein Studio eingeladen, mir alle Basics erklärt und mir ans Herz gelegt, mit Ableton zu arbeiten. Damit ist man einfach schneller und kreativer und kommt zu einem super Ergebnis.

Stimmst du der Aussage zu, dass, wer als DJ wahrgenommen werden will, auch produzieren muss?

Generell schon. Das Publikum wünscht sich nicht nur DJs, sondern Musiker. Ausnahmen bestätigen hierbei natürlich wie immer die Regel.

Was hat dich bei deiner ersten EP Elementum inspiriert?

Die Vocals aus dem Track „Mountains of Es Cubells“ kamen von meinem Freund Steve. Er hatte mir eine Whats-App-Nachricht geschickt, die mich total an die Afterparty-Kultur von Ibiza erinnert hat – da musste ich einfach einen Track draus machen.

 

Hört hier „Mountains of Es Cubells“ von Magdalena

 

Verarbeitest du auch deine Hamburger Herkunft in deiner Musik?

Nun ja, ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen – somit trage ich Hamburg immer im Herzen.

Wo kann man dich in diesem Jahr noch auflegen sehen?

Im Mai spiele ich beim Diynamic Festival in München, ansonsten spiele ich in nächster Zeit hauptsächlich außerhalb Deutschlands.

Und was sind deine aktuellen musikalischen Projekte und planst du sonst für 2019?

Im Februar kommt ein Remix auf Timeless raus, dann arbeite ich noch an einem Remix für Hot Since 82, der im März veröffentlicht wird. Außerdem gibt es ein Herzensprojekt von mir, welches klassische Musik kreuzen wird, aber das ist noch nicht ganz spruchreif!

„Shadows“ mit Magdalena und Gästen live in Hamburg: 16.2. und 16.3., PAL, 24 Uhr


 Dieses Interview stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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10 Jahre Diynamic: „Lieber selber machen“

Diynamic, das Hamburger Label  für elektronische Musik, feiert sein 10-jähriges Jubiläum im Bunker und übernimmt für ein Wochenende das Nachtleben der Stadt

Vor über zehn Jahren bildeten sich jeden Samstag auf einem Hinterhof in der Bartelsstraße lange Schlangen. Vorbei an Garagen der umliegenden Wohnhäuser, verschwand die Menschenschlange hinter schwarzen Vorhängen. Ein Stockwerk höher, zwei Stahltüren später, stand man auf der bassdurchfluteten Tanzfläche des zu der Zeit wichtigsten Hamburger Underground-Spots für Techno- und Housemusik. Jedes Wochenende wurde in den tagsüber als Kita genutzten Räumen, das Mobiliar beiseite geräumt, der Teppich eingerollt und mit nationalen und internationalen Szene-Größen bis in die Morgenstunden gefeiert. Getauft wurde das Projekt auf den Namen Ro.DIY e.V. – ein Zusammenspiel aus der im Erdgeschoss liegenden türkischen Großbäckerei Rodi-Brot und den hier stattfindenden DIY-Partys von Adriano Trolio und Mladen Solomun. Der Verein legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte die in diesem Jahr ihr Jubiläum feiert: Diynamic.

Nachdem das Ro.DIY Anfang 2006 wegen Ärger mit Mitbewerbern und behördlichen Problemen schließen musste, zog man als Veranstalter ins Uebel & Gefährlich und gründete fast zeitgleich das heute wohl einflussreichste Hamburger Label für elektronische Musik.

Diynamic

„Wir hatten damals angefangen, erste eigene Tracks zu produzieren. Kai Fräger von Wordandsound meinte zu uns, gründet doch einfach ein Label dafür“, erzählt Solomun. „Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden, weil wir getreu unserer DIY-Attitude keine große Lust hatten, anderen Labels Musik zu schicken, in der Hoffnung, dass es ihnen gefällt. Nein, dann lieber selber machen!“ Nach dem gleichen Prinzip wurde kurze Zeit später die hauseigene Booking-Agentur eröffnet. Jungs der ersten Stunde waren neben Solomun die befreundeten Künstler H.O.S.H. und Stimming, sowie Wunderkind David August, der mittlerweile eigene Wege geht. Heute gehören Acts wie Kollektiv Turmstraße oder Deichkinds DJ Phono zum Label. Mit Solomuns Schwester Magdalena als Chefin – die seit ein paar Jahren ebenfalls hinter Plattentellern steht – folgte 2009 das EGO in der Talstraße.

 

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg trägt Labelboss Solomun selbst bei. 2012 kürte ihn das einflussreiche Mixmag Magazin zum DJ of the year. Resident Advisor führt ihn mittlerweile auf Platz 13 der besten DJs weltweit. Erst kürzlich beendete er seine diesjährige Residency-Saison im Pacha auf Ibiza. Bei den Solumun+1 Nächten lädt er Gäste wie Richie Hawtin oder Sven Väth zu sich in die DJ-Kanzel. So erstaunt es wenig, dass das 10-jährige Bestehen des Labels ebenfalls groß ausfällt.

„Zu ein paar Städten haben wir als Diynamic Music eine enge Beziehung und deshalb wollten wir dort auch etwas besonderes machen“, erzählt Trolio. Da mittlerweile viele Künstler zur Familie gehören die alle Lust haben zu spielen, kam Solomun auf die Idee sogenannter Städte-Take-Over’s. Alle unsere Acts spielen in verschiedenen Clubs, so dass man seine Lieblingskünstler in einer Nacht gleich mehrfach sehen kann.“

In Amsterdam, Ibiza, Berlin, Zürich, Paris und demnächst London wurde so bereits gefeiert. Zudem kam im September die 10-Years-Diynamic Compilation mit unveröffentlichten Tracks von Solomun, Adriatique, H.O.S.H., Kollektiv Turmstrasse, Stimming, Karmon, NTFO, Thyladomid, Ost & Kjex, Magdalena, Johannes Brecht, Undercatt und Lehar heraus. Mit genau diesem Lineup ist man Ende November in Hamburg. Die Clubnachbarn Uebel & Gefährlich und Terrace Hill, sowie das PAL für die Aftershow, stehen bereit.

Wie sich Diynamic in den nächsten Jahren entwickelt bleibt spannend. Weltweite Festivals sind in Planung. „Einen eigenen Club in Hamburg wird es vermutlich im nächsten Jahr nicht geben, meint Solomun, „aber wir planen Dinge in Hamburg, über die wir noch nicht reden können. Egal wo wir sind oder was wir machen, wir werden der Stadt ohnehin immer ganz besonders verbunden sein.“

 

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Text: Ole Masch. Der Text ist ein Auszug aus gleichnamigen Artikel, erschienen in der November-Ausgabe von SZENE HAMBURG

Fotos: Diynamic

 10 Jahre Diynamic. Die Party am  26.November 2016, Uebel & Gefährlich und Terrace Hill, 22 Uhr; Afterhour im PAL