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Moonage Daydream: David Bowies Kosmos

„Moonage Daydream“ ist eine Hommage des Regisseurs Brett Morgen an den 2016 verstorbenen David Bowie und nimmt das Publikum mit auf ein ganz besonderes audiovisuelles Erlebnis 

Text: Anna Grillet 

 

Die Dokumentation „Moonage Daydream“ katapultiert die Zuschauer als multimedialer Wahnsinnstrip mitten in den kreativen Kosmos des 2016 verstorbenen brillanten Sängers und Songwriters David Bowie, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Musikszene. Ein Ausnahmekünstler, der ständig Stile und Persönlichkeiten wechselte, Grenzen überschritt, von Nietzsche und Buddhismus inspiriert war. Ob als Ziggy Stardust, Elephant Man oder Major Tom, auf der Bühne, im Film oder beim Malen – die Suche nach sich selbst ist für ihn, den Gender-Dissidenten, das Kreieren neuer Ausdrucksformen im vertrauten Chaos.

Ein Kaleidoskop aus Sound, Bildern und Spiritualität

Filmemacher Brett Morgen („Kurt Cobain: Montage of Heck“, 2016) sichtete fünf Millionen Dokumente, Filmaufnahmen, Interviews, Tagebücher. Entstanden ist ein atemberaubend rasantes Kaleidoskop aus Sound, Bildern und Spiritualität. Live-Auftritte alternieren mit Film-Zitaten, experimenteller Videokunst und selbstreflektierenden Kommentaren David Bowies über Ziele, Zweifel und den Tod, aber auch die Gewissheit, keinen Moment des Lebens vergeudet zu haben.

„Moonage Daydream“,  Regie: Brett Morgen. 134 Min. Ab dem 15. September im Kino

Hier gibt’s den Trailer zum Film:


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Doku-Tipp: Alles ist Eins. Außer der 0.

Der Chaos Computer Club ist bekannt, mittlerweile sind sie Hacker im Dienste der Gesellschaft. Wie 1981 begann, zeigt die Dokumentation „Alles ist Eins. Außer der 0.“

Text: Marco Arellano Gomes

 

Der Chaos Computer Club (CCC) ist schon lange keine Ansammlung anarchischer Hacker aus der linken Szene. Der Verein ist eine Lobbyorganisation und starke Stimme mit Durchschlagskraft. Ihr Rat ist gefragt, ihre Kritik erwünscht. Sie sind Hacker im Dienste der Gesellschaft – zumindest scheint es so. Wer wissen will, wie 1981 alles begann, sollte sich die Dokumentation „Alles ist Eins. Außer der 0.“ ansehen. In dieser lassen der Hamburger Regisseur Klaus Maeck und Regisseurin Tanja Schwerdorf die wilden Anfangsjahre wieder aufleben. Prädikat: besonders chaotisch. Im Zentrum der Doku steht die Frage, was Hacker eigentlich sind? Aktivisten, Spione, Kriminelle oder gar verkannte Genies? Gründerlegende und selbst ernannter Datenphilosoph Wau Holland und seine Verbündeten wie Steffen Wernéry haben die Gefahren der Digitalisierung jedenfalls schon in den 80er-Jahren vorausgesehen und gerieten dabei mit einigen spektakulären Hacks in teils verhängnisvolle Verstrickungen. In Zeiten von Staatstroja- nern und Big Data bleibt angesichts der frühen Warnungen die ernüchternde Erkenntnis: Alles ist Eins. Außer der 0.

Alles ist Eins. Außer der 0., Regie: Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf. Seit dem 29.7. im Kino

Hier der Trailer zum Film:

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburgerin des Monats: Barbara Barberon

Auch, wenn ihr Name so klingt, Barbara Barberon (50) ist keine waschechte Französin, aber eine im Herzen. Das von ihr mitgegründete „arabesques“ Festival (bis 7. März 2018) vereint Künstler aus beiden Ländern, um die deutsch-französische Freundschaft zu stärken und solidarisch über die Grenzen hinauszuschauen

SZENE HAMBURG: Barbara, woher kommt deine enge Bindung zu Frankreich?
Barbara Barberon: Durch die Familie. Meine Großmutter war Wahlfranzösin und mein Vater hat seine Kindheit dort verlebt. Ich habe sieben Jahre in Chinon, einem gemütlichen mittelalterlichen Städtchen im Val de Loire, gelebt und meine Kinder wurden dort geboren.

Und wie bist du 2012 dazu gekommen, ein deutsch-französisches Festival hier zu initiieren?
Damals hat Nicolas Thiébaud, der Solo-Oboist an der Staatsoper ist, eine Konzertreihe veranstaltet und mich gefragt, ob ich Lust hätte, ergänzende Kulturveranstaltungen zu organisieren. Im ersten Jahr haben wir mit 25 angefangen, im zweiten waren es bereits 55, ein Mix aus Lesungen, Konzerten, Theater und Debatten.

Wie stemmt ihr das?
Anfangs haben wir alles zu zweit gemacht. Mittlerweile sind wir in unserer Organisation etwas breiter aufgestellt. Ich bin für die Programmplanung verantwortlich, also im ständigen Austausch mit Künstlern und Veranstaltungspartnern im In- und Ausland. Trotz Unterstützung einiger Stiftungen, sind wir leider institutionell noch nicht fest aufgestellt. Wir bekommen durch die Kulturbehörde eine jährlich neu zu beantragende Projektförderung, die sehr hilft, aber noch keine sichere langfristige Planung zulässt. Diese Festival-Ausgabe steht unter dem Motto „Gegenwelten“.

Was bedeutet der Begriff?
Ich gestalte jedes Jahr ein Thema, um zu vermeiden, dass das Festival in eine inhaltliche Beliebigkeit rutscht. Wir wollen eine Bindung erzeugen und zeigen, dass wir uns kulturpolitisch für ein Ziel einsetzen. Zu dem Thema „Gegenwelten“ gibt es noch den französischen Zusatz „repenser le monde“, also die Welt noch einmal anders denken. Für mich ist es sehr wichtig, den Mut zu haben und sich der Kraft bewusst zu sein, dass wir die Welt auch immer wieder ganz anders gestalten können. Dazu gehört natürlich die Stärke der Solidarität, des Sicheinsseins in dem Willen, etwas aktiv zu verändern. Wir müssen nicht feststecken – wir können hinterfragen und selbst eine Richtung angeben, kommunizieren, gestalten.

Wie ziehst du von der Systemkritik den Bogen zur deutsch-französischen Beziehung?
Bei der Programmgestaltung gehen wir von der deutsch-französischen Freundschaft aus, denn die Zusammenarbeit dieser beiden Länder ist essenziell für den Frieden in Europa. Wir arbeiten viel mit französischen Künstlern und Institutionen in Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Partnerländern zusammen. Es geht um die Idee, gemeinschaftlich über die Grenzen hinauszuschauen.

Welche Konzepte fördern eine stärkere Solidarität in der Gesellschaft?
Wenn ich auf die Welt blicke, ist für mich ein fehlender Zusammenhalt das Erschreckende, aber auch das Herausfordernde.

Welche Veranstaltung findest du besonders erwähnenswert?
Ende Januar findet ein sehr schönes Projekt in der Klangmanufaktur statt. Dort wird der Komponist und Pianist Thierry Pécou mit seinem Musiker-Ensemble ein sehr besonderes Programm mit Klarinette, Saxophon und Klavier spielen. Sie spüren der Groupe des Six nach, den Klängen von Tango, Disco und Jazz im Paris der 20er. Am Tag darauf werden die Musiker mit Schülern in einem Kompositionsworkshop zusammenkommen.

Die Klangmanufaktur ist ja für sich schon ein schönes Projekt …
Ja, ich finde die Idee und Vision großartig. Ausgehend von dem Gedanken, dass sich viele Künstler und Kulturstätten keinen so guten Flügel leisten können, restaurieren ehemalige Steinway-Mitarbeiter alte Steinway-Flügel. Investoren können, anstatt vielleicht eine Wohnung zu kaufen, einen dieser Flügel erwerben, der dann vermietet wird. Es gibt so viele bezaubernde Kulturstätten, die sich sonst keinen guten Flügel leisten können.

Was bedeutet die 60-jährige Städtepartnerschaft von Marseille und Hamburg für unsere Stadt?
Sie ist ein Symbol dafür, über seine Grenzen hinauszusehen und eine Aufforderung, sich mit der Kultur des Nachbarlandes zu befassen. Das ist nicht überall sichtbar, aber eine sehr schöne Möglichkeit, gemeinsam kulturelle Projekte ins Leben zu rufen und in beiden Ländern zu präsentieren – wie wir es beim Eröffnungskonzert tun werden. Das Ensemble arabesques widmet sich, unter der Leitung von Nicolas Thiébaud, gemeinsam mit Musikern des „Institut des vents français“ südfranzösischen und deutschen Komponisten. Dazu arbeiten wir eng mit dem Goethe-Institut zusammen und planen im Juni ein gemeinsames Hamburg-Marseille-Filmfest im Metropolis.

Woran hängt dein Herz mehr, Hamburg oder Frankreich?
Das kann ich gar nicht sagen. Hamburg war und ist meine Wahlheimat, ich habe hier schon studiert. Ich liebe die Stadt und als ich in Frankreich war, habe ich viel an Hamburg gedacht. Von hier aus habe ich immer Heimweh nach Frankreich. Und dann trage ich auch noch Celle im Herzen, die Stadt, aus der ich komme …

An welchen Ort in der Stadt gehst du, wenn dich die Sehnsucht packt?
Ein für mich wichtiger Ort, seit ich hierher zurückkam, ist das Lycée français geworden, an dem meine Kinder zur Schule gehen. Aber auch das Ensemble Voix de Femmes, in dem ich jeden Mittwochabend singe – ein sehr privater französischer Ort, den Rémi Laversanne geschaffen hat. Und wenn man genau hinsieht, findet man hier überall Frankreich wieder – im Theater, im Kino, in den Konzertsälen …

Das klingt, als würdest du nie Feierabend machen?
Doch, durchaus. Aber da treffe ich auch auf Frankreich: Meine Kinder sind Franzosen, in Frankreich geboren, es war ihre erste Heimat. Jetzt sind sie auch Hamburger, aber eben mit französischen Wurzeln.

Wenn dir mal alles zu viel wird, hast du dagegen eine Strategie?
Die Stille genießen. Und ich reise unglaublich gern, nicht nur nach Frankreich!

Interview: Hedda Bültmann

Foto: Michael Kohls

7. Deutsch-Französisches Kulturfestival arabesques, 22.Januar 2o18 – 7. März 2018, verschiedene Veranstaltungsorte in und um Hamburg; www.arabesques-hamburg.de

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!