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Top 6 – Kochbücher für Kinder

Lesefutter – In der Pfanne brutzelt es abenteuerlich, aus dem Topf steigen leckere Düfte auf: Die ersten Versuche am Küchenherd sind aufregend. Welche Bücher bieten optimale Starthilfe? Eine kleine Auswahl.

Texte: Benjamin Cordes und Jenny V. Wirschky
Beitragsbild: Easy Peasy Familienküche / Edel Verlag

1) Kinder an den Herd

Kochbuch Tipps für Kinder: Kinder an den Herd c: Julia Hoersch, AT Verlag

Foto: Julia Hoersch/AT Verlag

Etwas verspielt ist dieses Buch gestaltet, aber dafür in der Ansprache perfekt für Kinder. Sie werden bei den Rezepttexten geradezu liebevoll an die Hand genommen. Auch die Themen sind originell: Neues aus der Brotdose, Kinderklassiker neu interpretiert, Rezepte für Frühstücksmuffel, Ruckzuckgerichte für die ganze Familie, Märchenküche, Spontanküche aus dem Vorratsschrank, Großelternrezepte. Toll ist auch das Kapitel „Wir spielen Restaurant“!

Das Allerbeste: Kinder können mit diesem Buch ihre ersten selbstständigen Schritte in der Küche machen und behutsam ans Kochen herangeführt werden.

Für wen gedacht: Kinder bis 12 kommen mit diesem Buch alleine gut zurecht. Wenn’s mal kniffliger wird, helfen eben kurz die Eltern aus.

Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch, Nelly Mager: Kinder, an den Herd!, AT Verlag, 184 Seiten, 19,95 Euro


2) Steffen Hensslers Küchenbande

Kochbuch-Tipps für Kinder: Steffen Hensslers KüchenbandeFischstäbchen, Milchreis, Kartoffelsalat, Rösti, Pancakes und Frikadellen – auf Experimente ist Steffen Henssler bei den 24 Rezepten für dieses kleine Büchlein nicht eingegangen. Dafür haben die Rezepte quasi eine Beliebtheitsgarantie. Statt neuer Erfahrungen geht es hier vielmehr darum, dass Kinder die Dinge, die sie mögen, selbst kochen können. Dazu kommen noch 13 Kinderlieder der Band Rabauken & Trompeten, die „Kindermusik auf Erwachsenenbeats“ macht. Also Musik an und Pfanne auf den Herd! Kann man bei diesem kleinen Preis ruhig mal ausprobieren.

Für wen gedacht: Locker für Kinder im Grundschulalter geeignet, die alleine aus diesem Buch kochen möchten.

Steffen Henssler: Steffen Hensslers Küchenbande, GU Verlag, 60 Seiten, 16,90 Euro


3) Heute koch ich, morgen brat ich

Kochbuch-Tipps für Kinder: Heute koch ich, Morgen brat ichDie Märchen der Brüder Grimm wurden vermutlich schon in jedem Kinderzimmer der Republik vorgelesen. Und Stevan Paul hatte eine gute Idee: Zu acht der Geschichten hat er Rezepte geschrieben. Es sind sympathischerweise keine typischen Kinderrezepte. Dafür kann man sie mit oder für Kinder kochen. Und Stevan Paul hat auch die Märchen neu interpretiert, denn die Originaltexte waren ihm zu nüchtern. Vermutlich werden die Kinder seine humorvolleren, zum Teil etwas weniger gruseligen Fassungen sogar lieber mögen. Und die Gerichte erst Recht: zum Beispiel Himbeer-Cupcakes, Eier in grüner Sauce, Entrecôte mit gegrilltem Radicchio, Rote-Beeren-Limonade oder Schokomousse mit Rhabarberkompott.

Dieses Buch zeigt auf tolle Weise, wie Kochen für Kinder mit Anspruch geht: nicht infantil oder albern, sondern fantasievoll, kreativ und mit guten Rezepten.

Für wen gedacht: Dies ist eher ein Buch für Eltern, die für ihre Kinder kochen. Am besten erst ein Märchen vorlesen und später das Rezept dazu kochen. Kinder, die hieraus selbst kochen wollen, sollten eher schon am Ende der Grundschulzeit sein. Denn manche Rezepte brauchen etwas Geschick.

Heute koch ich, morgen brat ich: Märchenhafte Rezepte, 208 Seiten, Hölker Verlag 29,95 Euro


4) Easy Peasy Familienküche

Kochbuch-Tipps für Kinder: Easy Peasy FamilienkücheDieses Buch ist ein Schatz: wunderbar geschrieben, Inhalte mit Mehrwert weit über das Kochen hinaus und eine Aufmachung, die einfach Spaß macht. Denn wenn man ein Buch gerne in den Händen hält, schaut man öfter hinein – und das lohnt sich hier nicht nur wegen des Themas allemal: bewusst und gesund essen, zu Hause und unterwegs.

Die beiden Autorinnen erklären, wie man die Rezepte umsetzt und liefern auch Infos zu den dahintersteckenden „Foodregeln“. Tipps und Tricks für den gesunden und kindgerechten Umgang mit Ernährung inklusive. Die Snacks und Mahlzeiten sind mal supereinfach, wie Sesam-Buchweizennudeln mit Brokkoli und Huhn oder Tomaten-Tarte mit Zucchini und Ziegenkäse, mal sind sie raffinierter, wie Quinoa-Garnelen-Frikadellen oder Plätzchen mit Cashew-Creme-Füllung. Die Fotos der fertigen Speisen sind derart gut gelungen, dass man alle Rezepte nachkochen möchte. Challenge accepted!

Für wen gedacht: Eltern, die für ihre Kinder kochen.

Claire van den Heuvel, Vera van Haren: Easy Peasy Familienküche, Edel Verlag, 239 Seiten, 19,95 Euro


5) Der Silberlöffel für Kinder

Kochbuch-Tipps für Kinder: Der Silberlöffel Cover: Angela Moore

Foto: Angela Moore

Endlich hat sich jemand die Mühe gemacht, den Kochbuchklassiker der italienischen Küche für den Nachwuchs zu schreiben. „Der Silberlöffel für Kinder“ ist nicht nur spannend und voller leckerer Rezepte, er ist auch pädagogisch wertvoll. So beschreibt die Autorin, selbst Mama von drei Kindern und Foodjournalistin, was schon die Kleinen beim Kochen beachten müssen – vom Umgang mit scharfen Messern über die Hygiene am Herd bis hin zu Tipps, wie man die typisch italienischen Gerichte kinderleicht zubereiten kann.

Alle Schritte der Rezepte, darunter einfache Gerichte à la Bruschetta aber auch anspruchsvollere wie Hähnchenbrust mit Mascarponefüllung, werden kindgerecht mit gelungenen Zeichnungen ergänzt. Das sieht schön bunt aus und verschafft einen guten Überblick. Man lernt auf jeder Seite eine Menge über die Zutaten, das Land und die Sprache (in Klammern steht immer, wie man die ungewohnten Wörter ausspricht – und das ist gut, um ein bisschen anzugeben). Kurzum: Wenn man Pizza, Pasta und Panna cotta liebt, ist dieses Buch genau das richtige.

Für wen gedacht: Eltern, die mit ihren Kindern ab 6 Jahren kochen. Oder Kinder ab 9, die alleine kochen.

Amanda Grant: Der Silberlöffel für Kinder, Phaidon/Edel Verlag, 100 Seiten, 19,95 Euro


6) Pinipas Pfannkuchen­bäckerei

Kochbuch-Tipps für Kinder: Pinipas PfannkuchenbäckereiDie Idee hinter diesem Backbuch ist eigentlich ziemlich gut: Ein Mädchen namens Greta und ihre „geheime“ Freundin Pinipa zeigen die verschiedensten Pfannkuchenrezepte aus ganz Europa – einige davon sind süß mit Beeren, Schokolade oder Sirup. Andere sind herzhaft, wie die französische Galette mit Käse und Ei oder die italienische Frittata mit Tomaten und Basilikum.

Die Rezepte stammen aus der Feder vieler verschiedener Foodblogger, was das Backbuch sprachlich lebendig macht. Leider sind weder die Geschichten zu den vielen Rezepten besonders gut geschrieben, noch sind die fertigen Pfannkuchenvariationen ansprechend fotografiert. Schade, denn wie man Pfannkuchen in den verschiedenen Ländern zubereitet, ist ja eigentlich spannend. So lernt der koch- und backbegeisterte Nachwuchs zum Beispiel auch, dass der spanische Pfannkuchen Tortilla heißt. Aufgrund des Formats können aber zumindest selbst kleine Hände mit dem Buch gut hantieren.

Für wen gedacht: Kinder ab 8 Jahren, die alleine kochen.

Martin Grolms, Annika Kuhn: Pinipas Pfannkuchenbäckerei, Gruhnling Verlag, 91 Seiten, 12,90 Euro


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Kraftpakete für Superhelden

Damit keine Langeweile aufkommt, muss Abwechslung in die Brotbox! Ob Körnerbrötchen oder Bagel, gelbe oder rote Paprika, Apfel mit oder ohne Augen – Hauptsache, man probiert immer mal wieder Neues aus. Bei diesen Rezepten sind neidische Blicke garantiert.

Sandwich Sushi

Rezepte für Kinder: Sandwich Sushi (c) Julia Hoersch, AT Verlag

© Julia Hoersch, AT Verlag

Für 12 Röllchen (2 Kinder):
Zubereitungszeit: 40 Minuten

  • 2 EL Frischkäse
  • 1 TL Tomatenmark
  • Salz, Pfeffer
  • 1/4 Gurke
  • 4 Salatblätter
  • 1 rote oder gelbe Paprika
  • 4 Scheiben Toastbrot (aus Dinkel oder Vollkorn)
  • 20 weiße Trauben
  • Etwas Nutella und 4 Schokoperlen zum Verzieren
  • 12 kleine Zahnstocher und 2 Holzspieße

So geht’s:

  1. Du verrührst den Frischkäse, das Tomatenmark sowie Salz und Pfeffer. Die Gurke schälst du und schneidest sie in dünne Scheiben. Wasche die Salatblätter und schüttle sie trocken. Die Paprika halbierst du, löst die Kerne heraus und schneidest eine Hälfte in dünne Steifen (die andere Hälfte kannst du für etwas anderes verwenden). Dann schneidest du von den Toastbrotscheiben den Rand ab und rollst die Scheiben mit einem Nudelholz etwas aus. Bestreiche die Toastscheiben auf einer Seite mit der Tomatencreme und belege sie mit Gurke, Salat und Paprika.
  2. Rolle nun die ausgerollten Toastbrotscheiben auf und spieße sie mit je 3 Zahnstochern auf. Schneide die Rollen in 3 Teile und packe sie dir in eine Brotdose. Nicht vergessen, den Holzspieß dann wieder rauszuziehen vorm Reinbeißen.
  3. Dann spießt du je 10 Trauben auf 2 Holzspieße. Nimm mit einem Zahnstocher ganz wenig Nutella, setze pro Spieß auf die vorderste Traube je 2 Punkte und je 2 Schokoperlen als Augen. Fertig sind die tierischen Obstbegleiter.

Rezept aus: Kinder, an den Herd!, AT Verlag


Vollkornbrötchen mit getrockneten Tomaten und Mozzarella

Rezepte für Kinder (c) AT Verlag

© Julia Hoersch AT Verlag

Für 2 Brötchen (2 Kinder):
Zubereitungszeit: 15 Minuten

  • 2 Vollkornbrötchen
  • 30 g weiche Butter
  • 3 EL Basilikumpesto
  • 1 Kugel Mozzarella (150 g)
  • 5 getrocknete Tomaten

So geht’s:

Halbiere die Brötchen und bestreiche sie mit der Butter und dem Pesto. Lass den Mozzarella abtropfen und schneide ihn in dünne Scheiben. Verteile den Mozzarella und die getrockneten Tomaten auf den Brötchen. Schon fertig!

Rezept aus: Kinder an den Herd!, AT Verlag


Feinschmecker Brot

Rezepte für Kinder: Feinschmecker Brot von Beach Schulz

  • Etwas Kerrygold-Butter
  • 2 Scheiben Schwarzbrot
  • 4 EL Ziegenfrischkäse
  • Frischer Rosmarin
  • Honig
  • 1 Zitrone
  • 4 Datteln
  • 4 getrocknete Aprikosen
  • 1 Birne
  • Pfeffer

So geht’s: Das Brot mit Kerrygold-Butter bestreichen. Die getrockneten Aprikosen und Datteln in Stücke schneiden. Den Rosmarin hacken. Die Birne in dünne Scheiben schneiden. Den Frischkäse mit den Aprikosen, Datteln und dem Rosmarin vermengen. Den Abrieb der Zitrone und etwas Zitronensaft dazugeben. Mit Honig und Pfeffer abschmecken. Beide Brothälften damit bestreichen und mit der Birne belegen. Wer mag, kann auch noch etwas Schinken und/oder Ruccola dazugeben.

Rezept von: Bea Schulz auf www.gesundespausenbrot.de


Schüler-Bagel auf Hawaii

Rezepte für Kinder: Bagel Hawaii

  • Etwas Kerrygold-Butter
  • 2 Vollkornbagels
  • 2 Scheiben Kochschinken
  • 2 Scheiben Ananas
  • 2 Scheiben Kerrygold Butterkäse
  • 1 Tomate
  • 2 Gewürzgurken
  • 4 Blätter Kopfsalat
  • 1/2 Schalotte

So geht’s:

Bagels halbieren und mit Kerrygold-Butter bestreichen. Tomate in Scheiben schneiden. Gewürzgurken längs in Scheiben schneiden, Schalotte schälen und in feine Ringe schneiden. Salat in grobe Streifen schneiden und die Bagels damit belegen.

Darauf je eine Scheibe Kochschinken, Ananas und Butterkäse geben. Tomatenscheiben, Gurken und Schalottenringe darüber geben und die Bagels zuklappen.

Rezept von: Jan-Philipp Cleusters auf www.gesundespausenbrot.de


Ciabatta mit Linsen-Nuss-Aufstrich, dazu Rohkoststicks

Rezepte für Kinder: Ciabatta mit Linsen-Nuss-Aufstrich

Für 6 Personen

  • 100 g Linsen
  • 20 g Haselnüsse
  • 20 g Petersilie, frisch
  • 100 g Zwiebeln, frisch
  • 50 ml Orangensaft
  • Curry, Jodsalz, Pfeffer nach Geschmack
  • 100 g Gurken, frisch
  • 50 g Margarine
  • 450 g Ciabatta oder Weizenbrötchen
  • 200 g Paprikaschoten, frisch
  • 200 g Gurken, frisch

So geht’s:

Linsen in Wasser weich kochen. Anschließend auf ein Sieb abgießen. Nüsse in einer Pfanne trocken rösten, abkühlen lassen und hacken. Petersilie waschen und fein schneiden. Alle Zutaten mischen und pürieren, mit Gewürzen abschmecken.

Ciabatta-Brötchen mit Margarine und dem Linsenaufstrich dünn bestreichen. Mit Gurkenscheiben belegen. Paprika und Gurken in Sticks schneiden und zum Brötchen reichen.

Rezept von: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.


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Thomas Sampl – Gesunde Ernährung fängt bei den Eltern an

Das Thema Ernährungsbildung steht bei Thomas Sampl ganz oben auf der Agenda. Der Spitzenkoch erklärt, was für ihn zeitgemäße Esskultur bedeutet.

Interview: Maike Schade und Jasmin Shamsi
Beitragsbild: Gerrit Meyer

 

SZENE HAMBURG: Thomas Sampl, bewusste Ernährung ist heutzutage ein Riesenthema. Trotzdem ist jedes fünfte Kind zu dick. Warum?

Thomas Sampl: Das liegt daran, was Eltern ihren Kindern zu essen geben und wie sie sich um sie kümmern. Wir haben kein Problem mit unseren Kindern, sondern wir haben ein großes Problem mit den Eltern.

 

„Gemeinsames Kochen ist essenziell“

 

Inwiefern?

Zum Beispiel kochen Eltern mit ihren Kindern nicht mehr zu Hause, sondern stellen ihnen stattdessen Fertigprodukte auf den Tisch. Dabei ist gemeinsames Kochen essenziell. Ich wollte mit Viertklässlern in der Elbinselschule einen Kuchen backen und die Kinder konnten nicht mal ein Ei aufschlagen! Zu Hause kriegen sie fertigen Pfannkuchenteig und Waffeln von irgendeinem Discounter vorgesetzt.

… in denen eine Menge Müll ist. Heißt also: Finger weg von Fertigprodukten und lieber selber machen?

Am besten, man bindet Kinder beim Kochen gleich mit ein: Lebensmittel in die Hand und sie einfach mal machen lassen.

Das ist bei manchen aber vielleicht ein Zeitproblem.

Ja genau, das ist immer die Ausrede. So ein Quatsch. Die Leute haben Zeit dafür, fünfmal in der Woche ins Fitnessstudio zu rennen oder stundenlang vor der Glotze zu sitzen, aber sie haben keine Zeit, sich etwas zu essen zu kochen. Das halte ich für Blödsinn.

Selbst wenn wir kochen: Viele Kinder mögen kein Gemüse, und …

Quatsch.

 

„Wer Billiggemüse kauft, braucht sich nicht zu wundern“

 

Wie, Quatsch? Ich kenne eine Menge Kinder, die das Gemüse auf dem Teller zur Seite schieben.

Da muss ich widersprechen. Es stimmt, Kinder essen einige Sachen nicht. Vieles gucken sie sich aber auch von den Eltern ab, etwa eine Abneigung gegen Rote Bete. An den Schulen koche ich deswegen mit Gelber und Weißer Bete oder auch Ringelbete – und die essen die Kinder einfach so weg, weil sie nicht merken, dass es eigentlich Rote Bete ist. Das Hauptproblem ist aber, dass unsere Kinder nicht mehr an vernünftige Lebensmittel rankommen. Wenn ich eine konventionell produzierte Karotte vom Discounter kaufe, dann schmeckt die einfach scheiße. Wer Billiggemüse kauft, braucht sich nicht zu wundern, dass Kinder das nicht essen.

Und was sagst du den Leuten, die sich kein teures Biogemüse leisten können?

Die sollen auf den Wochenmarkt gehen, da geben sie weniger Geld aus als bei Discountern. Nicht bei Fleisch oder Käse, das ist klar. Aber bei Gemüse und Obst, und das sollte ja mindestens 50 bis 60 Prozent unserer Ernährung ausmachen. Auf dem Markt bekommst du Sachen, die schmecken, weil sie nicht nach Aussehen, sondern nach Reifegrad geerntet werden.

Wie stehst du zu Vegetarismus und Veganismus bei Kindern, ist das geeignet und gesund?

Kann man machen, allerdings sollte man dann auf eine ausgewogene Ernährung achten. Bei Veganismus droht Vitamin-B12-Mangel, da muss man konsequent gegensteuern. Wichtig ist vor allem, dass man um diese ganzen Fleischersatzprodukte einen Bogen macht. Oft sind da etliche Geschmacksverstärker und Klebestoffe drin.

 

„Nicht aufgeben, sondern immer wieder Neues ausprobieren“

 

Wie sieht es mit Süßigkeiten aus?

Kinder können täglich eine Süßigkeit essen, wenn sie ansonsten keinen Industriezucker zu sich nehmen. Der steckt aber leider in vielen Fertigprodukten, häufig in versteckter Form. In vielen Fruchtjoghurts zum Beispiel ist unglaublich viel Zucker drin. Mit richtigem Joghurt hat das überhaupt nichts mehr tun, auch geschmacklich nicht.

Wenn mein Kind zu dick oder zu dünn ist – sollte ich es darauf ansprechen? Oder beschwört man dann womöglich eine Essstörung herauf?

Nein, unbedingt die Ursachen herausfinden und mit dem Kind darüber sprechen. Wichtig ist vor allem, gesundes Essen so zuzubereiten, dass es den Kindern schmeckt.

Und wenn sie dann trotzdem nur Nudeln ohne alles essen wollen?

Nicht aufgeben, sondern es immer wieder mit anderen Gemüsesorten und anderen Zubereitungsarten versuchen. Und zwar von Anfang an. Kinder, die frisch gekochten Babybrei aus gutem Gemüse bekommen, werden ganz sicher auch später gerne Gemüse essen.

Kommen wir zu den Kindergerichten in Restaurants: Mehr als Nudeln mit Tomatensoße, Chicken Nuggets, Schnitzel oder Fischstäbchen ist da oft nicht drin.

Unsäglich. Viele Hamburger Restaurants sind überhaupt nicht auf Kinder eingestellt und haben keine vernünftige Kinderkarte. Chicken Nuggets oder Fischfilets kann man grundsätzlich auch frisch zubereiten und mit ein bisschen Gemüse servieren. Aber Tiefkühlprodukte in die Fritteuse zu schmeißen, das geht gar nicht. Leider ist das aber fast überall der Fall.

 

„Gutes Essen in Kitas und Schulen ist eine Frage der Priorität“

 

Und wie sieht es mit dem Essen in Hamburger Kitas und Schulen aus?

Da gibt es riesige Unterschiede. Es gibt ganz tolle Caterer wie „Wackelpeter“, die frisches Bioessen auf den Tisch bringen. Grundsätzlich können Schulen den Caterer völlig frei wählen. Man muss nur mit dem Budget haushalten, das die Stadt Hamburg vorgibt. Einige Schulen haben einen Koch eingestellt, andere entscheiden sich für billiges Essen, das 2,50 Euro pro Tag kostet. Das restliche Geld wird dann für andere Projekte wie zum Beispiel ein drittes Austauschprogramm ausgegeben. Eine Frage der Priorität, wie man sieht. Wer unzufrieden ist, sollte unbedingt das Gespräch mit der Schulleitung suchen bzw. eine Eltern-Allianz bilden und dagegen angehen.

Gutes Schul- oder Kita-Mittagessen kostet pro Tag locker 3,50 Euro oder mehr. Für viele Eltern ist das auf die Woche hochgerechnet eine Menge Geld.

Ja, stimmt. Das sollte es uns aber Wert sein – schließlich geht es um unsere Kinder! In anderen Ländern ist es absolut üblich, für gutes Essen ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen. Wir müssen Essen einfach mehr wertschätzen.


THOMAS SAMPL arbeitet seit Jahren eng mit der Stiftung Kinderjahre, Schlaufox e. V. und dem Jugenderholungswerk zusammen. Er war viele Jahre Küchendirektor im VLET in der Speicherstadt. Als Inhaber von Hobenköök Catering, Smutjes Landgang und Sampl Gastro Consulting bietet er heute auch Kinderkochkurse und Ausflüge auf Bauernhöfe an.


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Vier Gänge, vier Kinder, ein Koch – Essen lernen im Jacobs

Die Rothenburgsorter Gourmetkinder stehen normalerweise selbst hinterm Herd. Im Jacobs Restaurant durften sie die Sterneküche von Thomas Martin testen.

Zwei Elbvororte, zwei verschiedene Welten. Hier das altehrwürdige Fünf-Sterne-Hotel Louis C. Jacob an der Elbchaussee, dort die Fritz- Köhne-Schule in Rothenburgsort, dem etwas anderen Elbvorort zwischen Norderelbe und Bille. Dass der Stadtteil als sozialer Brennpunkt gilt, hört Hermann Teiner nicht gerne. Der 59-Jährige leitet das Haus der Jugend in Rothenburgsort und findet, dass ein Blick auf die vielen engagierten Projekte im Stadtteil lohnenswerter ist. Recht hat er.

Fangen wir doch gleich bei ihm selbst an: Seit knapp zehn Jahren bietet er eine Koch-AG an der Fritz-Köhne-Schule an. Unter Anleitung von Profiköchen kochen 14 Grundschüler einmal pro Woche mehrgängige Menüs. In regelmäßigen Abständen sind die „Rothenburgsorter Gourmentkinder“, wie sie Teiner nennt, auch außerhalb der Schule als Köche aktiv, etwa zu besonderen Veranstaltungen im Stadtteil. Auch im „Le Canard“ waren sie schon und durften dem ehemaligen Chefkoch Ali Güngörmüs zur Hand gehen.

Heute ist ein besonderer Tag für vier der Schüler aus der Koch-AG: Sie dürfen sich im Jacobs Restaurant von Sternekoch Thomas Martin bewirten lassen. Der große, schlanke Koch mit dem freundlichen Lächeln hat ein viergängiges Menü vorbereitet: Vierländer Tomate und Crottin de Chavignol, Artischocke à la barigoule, knusprig gebratene Vierländer Ente und als Dessert Erdbeer-Baiser.

1,2,3 – Hoch die Gläser! Die Kinder sind voller Tatendrang

Getestet wird das Essen von Anesa, Aaliyah, Maliq und Tanyel, alle zehn Jahre alt. Anesas Lieblingsessen: Pizza. Aaliyah: Reiskugeln. Maliq: Kartoffelbrei. Tanyel: Currywurst, türkische Linsensuppe, Reis mit Fleisch. Die Schüler haben Hunger mitgebracht und schauen sich neugierig um: große Fensterfronten, die viel Licht hereinlassen und einen fantastischen Blick auf die Elbe freigeben, hellgrün und dunkelgrau bezogene Samtsofas, dezente Blumenarrangements, weiche und warme Lichtakzente an den Wänden. „Wow, tolle Kronleuchter“, bemerkt Tanyel. Sein Freund Maliq mutmaßt, dass sie viele Millionen Euro gekostet haben müssen. „Nein, so viel auch nun wieder nicht“, wirft Anna schmunzelnd ein, die heute den Service für die Kinder übernimmt und ihnen gerade Trauben-Secco in die Gläser füllt. Anesa und Maliq halten ihre Stielgläser am Bauch, das haben sie so in Filmen gesehen. „Ich hab’ dich schon erwartet, sagen die dann immer“, weiß Anesa.

Sterneküche für Kinder im Jacobs Restaurant Hamburg Foto: Philipp JungWie zur Bestätigung nimmt sie einen tiefen Schluck aus dem Glas. Halt! – Tanyel will anstoßen. „1, 2, 3!“, die Kinder halten ihre Gläser in die Tischmitte und lassen sie aneinander klirren. „Hat jemand eine Idee, worüber wir reden könnten?“, fragt Tanyel voller Tatendrang. Maliq zuckt mit den Schultern und prüft hüpfend die Beschaffenheit seines Stuhlpolsters.