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#seeforfree 2022: Freier Eintritt in über 30 Museen

Bei #seeforfree gibt es auch in diesem Jahr am Reformationstag freien Eintritt in über 30 Hamburger Museen

Text: Felix Willeke

 

Auch am 31. Oktober 2022 heißt es in Hamburg wieder #seeforfree. Zum diesjährigen Reformationstag gibt wieder es freien Eintritt in über 30 Hamburger Museen, damit sind es 2022 so viele wie nie zuvor. „Alle sind eingeladen, Kunst und Kultur zu entdecken und bei Führungen in verschiedenen Sprachen, Mitmachangeboten für Kinder oder Lesungen tiefer in Hamburgs vielfältige Museumslandschaft einzutauchen. So machen wir den Tag der Reformation in Hamburg zu einem echten Tag der Auseinandersetzung mit unserer Welt“, sagt Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien.

Klassiker und viel Neues

Bei #seeforfree sind 2022 natürlich die großen und etablierten Häuser wie die Hamburger Kunsthalle, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, das Museum für Hamburgische Geschichte und das Museum für Kunst und Gewerbe. mit dabei. Dazu bietet der Aktionstag 2022 aber auch viel Neues. Darunter unter anderem das Universitätsmuseum, dass die bewegte Vergangenheit der Hamburger Universität erzählt. Ebenso neu dabei ist das vor—gänge. museum für alternative stadt, dass eine Ausstellung zur historischen Hamburger Innenstadt und zum aktuellen sozio-kulturellen Projekt Gängeviertel zeigt. Und in diesem Jahr wohl einmalig mit dabei ist die Artstadt, die Kreative Zwischennutzung des ehemaligen Karstadt Sport Gebäudes am Hamburger Hauptbahnhof.

Ein vielfältiges Begleitprogramm

Bei #seeforfree kommen die Besucher:innen nicht nur bei freiem Eintritt in die Museen, die Häuser bieten auch eine Reihe spezieller Führungen an. So gibt es im Altonaer Museum und im Museum für Bergedorf und die Vierlande Führungen auf Ukrainisch und Russisch. Das Museum der Arbeit bietet neben englischen auch französische und spanische Highlight-Führungen. Dazu kommen reguläre Führungen, Rundgänge auf Plattdeutsch, für blinde und seheingeschränkte Menschen sowie Angebote in Gebärdensprache.

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Mining Photography zeigt im Museum für Kunst und Gewerbe den ökologische Fußabdruck der Bildproduktion – zu sehen bei freiem Eintritt im Rahmen von #seeforfree (©Museum für Kunst und Gewerbe)

Diese Museen sind 2022 bei #seeforfree mit dabei:


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10 schöne Blumenläden in Hamburg 

Über Blumen freuen sich fast alle! Doch jetzt sind aber erstmal die Mütter dran, denn am 8. Mai ist Muttertag. Zum Glück gibt es in Hamburg mehr als eine Handvoll grandioser Blumenläden und Florist:innen. Hier kommen 10 besonders schöne:

Grüne Flora

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Foto: @grueneflora via Instagram

Wer auf der Suche nach einem prächtigen Blumenstrauß ist, sollte unbedingt in der Grünen Flora am Schulterblatt vorbeischauen. Je nach Wunsch werden hier die unterschiedlichsten Sträuße gebunden. Die Florist:innen gehen auf persönliche Wünsche ein und kennen sich mit den verschiedenen Kombinationen für einen richtig schönen Blumenstrauß bestens aus. Unentschlossene werden fachkundig beraten und in dem liebevoll ausgewählten Sortiment findet sich eigentlich für jede:n etwas. Dass das Endergebnis hier nicht immer ganz günstig ausfällt, versteht sich daher von selbst.

Grüne Flora: Schulterblatt 79, 20357 Hamburg

Tessa Petzold Blumentochter

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Foto: @tesapatzold_blumentochter via Instagram

Gleich fünf Blumentöchter gibt es in Hamburg rund um die Alster verteilt. Wir empfehlen vor allem den kleinen Tessa Petzold-Laden im Eppendorfer Weg. Hier verstopft gerne mal der Gehweg, weil Passant:innen stehen bleiben um sich die Blütenpracht am Straßenrand anzusehen. Von klassisch bis extravagant gibt es hier eine schöne, kleine Auswahl an Blumen, Sträußen und Zimmerpflanzen. Die netten Mitarbeiterinnen nehmen sich Zeit für die Zusammenstellung und das Binden von Sträußen und haben immer eine gute Idee parat. Besonders schön: Blumen, die am Ende des Tages nicht verkauft wurden, werden zum verschenken nach draußen gestellt. Die Preise liegen hier verhältnismäßig im mittleren Bereich.

Blumentochter: Eppendorfer Weg 195, 20253 Hamburg

Pflanz Kafka

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Foto: @pflanzkafka via Instagram

Für alle Pflanzenfans, die Vintage lieben, ist Pflanz Kafka in Ottensen ein absolutes Muss. Erst vor knapp zwei Jahren hat Lisa Meinen ihren Laden im Othmascher Kirchenweg eröffnet. Wegen Corona und einer Babypause hat sie 2021 pausiert und ist 2022 mit einem kleinen Pop-Up-Laden in Ottensen zurück. Alle zwei Wochen gibt es hier am Wochenende neben ausgewählten Blumen und Pflanzen auch verschiedene Vintage Vasen, Töpfe und Trockenblumen. Für jedes Event und jeden Feiertag denken sich die Betreiber:innen nette florale Specials aus. Pflanz Kafka ist definitiv einer der besondersten Blumenläden in Hamburg und jederzeit einen Besuch wert!

Pflanz Kafka: Bahrenfelder Str 51, 22763 Hamburg

Das kleine Grüne

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Foto: @daskleinegruene via Instagram

Das kleine Grüne ist der Anlaufpunkt für bunte Blumensträuße in Eimsbüttel. Im Gegensatz zum Namen des Ladens fallen die Sträuße weder klein noch nur grün aus, sondern sind bekannt dafür besonders groß und Farbenfroh zu sein. Praktisch ist hier, dass die Blumen auch geliefert und in wenigen Stunden an der eigenen Haustür angenommen werden können. Nachhaltigkeit und eine regionale Auswahl sind hier außerdem Programm. Wer sich in dem Handwerk des Floristen aber auch selbst mal probieren möchte, kann hier zum Beispiel einen Blumenkranz-Workshop buchen oder verschenken.

Das kleine Grüne: Bismarckstraße 88, 20253 Hamburg

Blumen Barthels

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Foto: Blumen Barthels via Facebook

Bei Blumen Barthels in der Fuhlsbütteler Straße gibt es eine große Auswahl an Schnittblumen und Pflanzen aller Art. Auf Bestellung werden auch besondere und ausgefallene Wünsche erfüllt. Auch hier können individuell gebundene Sträuße für einen Aufpreis direkt nach Hause geliefert werden. Ein Geheimtipp ist Blumen Barthels aber vor allem für alle Kurzentschlossenen oder die, die es eilig haben: Eine große Auswahl fertig gebundener Sträuße steht hier immer bereit um abgeholt oder geliefert zu werden.

Blumen Barthels: Fuhlsbüttler Str. 781c, 22337 Hamburg

Himmel und Erde

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Foto: @himmelunderdemeisterfloristik via Instagram

Die Meisterfloristik in Uhlenhorst zeichnet sich durch Minimalismus und Eleganz aus. Hier gehen selbst an Feiertagen, Sträuße nicht als Massenware und im Akkord über die Theke. Jeder Strauß wird einzeln und mit einem hohen künstlerischen Anspruch gebunden. Sich selbst bezeichnet die Meisterfloristik als Team von Kreativen, Illusionisten und floralen Gestaltern. Gut aufgehoben sind hier alle, die bereit sind, für makelloses, floristisches Handwerk auch etwas mehr Geld auszugeben.

Himmel und Erde: Hofweg 11, 22085 Hamburg

Blütenrausch

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Foto: Blütenrausch Hamburg via Facebook

Blütenrausch in der Herderstraße bietet neben vielen verschiedenen Schnittblumen, eine ganze Reihe an Besonderheiten für Balkon und Garten an. Das Versprechen von Blütenrausch: „Floristik der besonderen Art“. Hier gibt es immer mal wieder Blumen und Pflanzen zu entdecken, die man bisher noch nicht so häufig gesehen hat.

Blütenrausch: Herderstraße 41, 22085 Hamburg

Cassou Greenery

Foto: @cassou_hh via Instagram

Bei Cassou Greenery am Eppendorfer Baum gibt es gute Qualität auch noch für den kleinen Preis. Die Besitzerin arbeitet noch selbst als Verkäuferin und legt großen Wert darauf, für jede:n das Passende zu finden. Schnittblumen findet man hier eher weniger, dafür umso mehr Langlebiges. Der gesamte Laden mit viel Herz eingerichtet und die außergewöhnlichsten Pflanzen verstecken sich an Wand, Decke und Boden. Hier gibt es außerdem alles, was das Urban-Jungle-Herz bedarf: Keramik- und Upcycling-Arbeiten, nachhaltige Töpfe und Körbe und jede Menge anderer kleiner Geschenkideen.

Cassou Greenery: Haynstraße 25a, 20249 Hamburg

Hortensia

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Foto: unsplash/Peter Bucks 

Im Stadtteil St.Georg ist das Blumengeschäft Hortensia in der Langen Reihe seit Jahren fest etabliert! Besonders für hochwertige, individuell gebundene Sträuße, ist man bei Hortensia an der richtigen Adresse! Die Floristen zaubern kreative aber auch edle Blumensträuße. Die Auswahl ist besonders groß und beraten wird man von Expert:innen. Wer also auch an Feiertagen auf Nummer sicher gehen möchte, macht hier nichts verkehrt. Die gute Qualität spiegelt sich dafür aber auch in den nicht ganz günstigen Preisen wieder.

Hortensia: Lange Reihe 86, 20099 Hamburg

Blumenladen Susannenstraße

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Foto: unsplash/Waldemar Brandt 

Seit über 20 Jahren gilt der Blumenladen in der Susannenstraße ohne Namen und ohne feste Öffnungszeiten als absoluter Insider-Tipp in Hamburg. Und wie es mit Insider-Tipps halt so ist, hat sich die liebevolle Auswahl an Blumen und Pflanzen natürlich schon vor langer Zeit rumgesprochen. Schlange stehen lohnt sich allerdings, denn das reduzierte Angebot hat den Effekt, dass immer auf beste Qualität geachtet werden kann! Alle Pflanzen werden direkt aus Holland importiert. Wer Schnickschnack und Schickimicki sucht, ist hier allerdings falsch. Hier gilt das Motto: bodenständig, preiswert, hübsch!

Blumenladen Susannenstraße: Susannenstraße 30, 20357 Hamburg


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Die Hamburger Osterfeuer sind zurück

In den letzten zwei Jahren waren sie aufgrund der Corona-Pandemie verboten, jetzt kehren die traditionsreichen Osterfeuer zurück – auch privat ist wieder mehr möglich

Text: Felix Willeke

Es ist eine alte Tradition, am Ostersamstag entzünden sich in Hamburg unzählige kleine Osterfeuer. Das war in den letzten zwei Jahren nur unter Beachtung der pandemie-bedingten Kontaktbeschränkungen möglich. Die goßen Feuer wie am Elbstrand von Blankenese fielen sogar ganz aus. 2022 wird nun wieder alles so wie es war. Wie der NDR berichtet, könnten die großen öffentlichen Feuer am Elbstrand wieder stattfinden. Sicher sind hingegen schon das Osterfeuer in Stellingen oder das in Langenhorn – eine Übersicht über öffentliche Osterfeuer gibt es auf Hafengeburtstag 2022.

Private Osterfeuer

Seit Anfang April gibt es kaum noch Kontaktbeschränkungen. Das bedeutet: Private Osterfeuer sind wieder nahezu unbeschränkt möglich. Wichtig ist nur, dass das Feuer vom Grundeigentümer (bei Feuern auf privatem Grund) oder vom Bezirksamt (bei Feuern auf öffentlichem Grund) genehmigt werden muss. Wie immer gilt aber, dass man besonders auf Umwelt-, Natur- und Brandschutz achten sollte. Das heißt: Keinen Müll verbrennen, genügend Abstand zu Gebäuden einhalten und den Reisighaufen vor dem Anzünden abklopft, um Tiere zu schützen.

Genaue Verhaltensregeln und -empfehlungen gibt es bei der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima und Agrarwirtschaft.


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21 Prozent – ein Kommentar zum „Weltfrauentag“

Der 8. März ist „Weltfrauentag“. Wie in jedem Jahr wird demonstriert, doch ein Tag voller Symbolik reicht längst nicht mehr – ein Kommentar

Kommentar: Felix Willeke

Heute schon „Solidarisch aktiv für Frauen*rechte!“ am Clara Zetkin Denkmal in Berlin-Hellersdorf gewesen? Oder den freien Tag bei einem Kaffee an der Spree genossen? Berlin ist schließlich das einzige Bundesland, an dem der 8. März ein Feiertag ist. Genauso wie am Tag der Arbeit wird heute am „Weltfrauentag“ in der Hauptstadt und anderen Städten demonstriert – in Hamburg gibt es ab 16:30 Uhr unter dem Motto „Überlastet, ungesehen, un(ter)bezahlt“ einen Sternmarsch zur Abschlusskundgebung am Jungfernstieg (18:30 Uhr).

21 Prozent Unterschied

Doch wofür demonstrieren? Wer sich das ernsthaft im Jahr 2022 noch fragt, wofür demonstriert wird, lebt wahrscheinlich hinterm Mond (der, maskulin). Man stelle sich vor, der Vorgesetzte biete einem morgen 21 Prozent mehr Gehalt an. Das wären bei 2.500 Euro auf einen Schlag über 500 Euro mehr. Ein wahnsinniger Sprung und echt viel Geld. Stellen wir uns vor, alle Führungskräfte gehen heute auf ihre weiblichen Angestellten zu und geben ihnen 21 Prozent mehr Gehalt als den männlichen Kollegen. Ab sofort. Der Aufschrei wäre riesig, es würde protestiert und „Männerfeindlichkeit“ geschrien. Doch, liebe Männer und liebe Führungsetagen, umgekehrt ist das Ganze schon lange Realität. Vor Corona verdienten in Hamburg Frauen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit arbeiteten sie von Jahresbeginn bis zum 7. März 2022, dem Equal Pay Day, quasi umsonst.

Keine Blumen und Rabattcodes

Einer der Gründe für diesen krassen Unterschied steckt schon im Motto der Demonstrationen in Hamburg: „Überlastet, ungesehen, un(ter)bezahlt“. Neben den fehlenden Frauen in Führungspositionen arbeiten viel mehr Frauen als Männer in Teilzeit oder schlecht bezahlten Jobs. In Pflege- und Sorgeberufen sind es zum Teil über 90 Prozent Frauen. Deswegen streiken auch bewusst am 8. März 2022 viele Angestellte in den Hamburger Kitas. Ein gutes Zeichen, aber nicht genug. Berlin zeigt, wie die Aufmerksamkeit für den 8. März größer werden kann. Mit Symbolik allein ist es nicht getan – es braucht keine Blumen und Rabattcodes. Es braucht Geschlechtergerechtigkeit, das Ende der Rollenklischees, keinen Gender Pay Gap und die gendergerechte Sprache. Vielleicht wäre, wie es die Autorin Emilia Roig vorschlägt, ein neuer Name der erste Schritt: Aus dem „Weltfrauentag“ wird so der Anti-Patriarchatstag – und das jeden Tag.


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„Ich will dahin, wo ich früher im Sand gelegen habe“

Horst Hahn ist gelernter Seemann, Kaufmann und Bestatter. 1972 hat er die heute älteste Seebestattungsreederei Deutschlands gegründet. Ein Gespräch über die immer beliebter werdende Art der Bestattung, Hahns Weg auf See und den Wunsch für seine eigene Beerdigung

Interview: Felix Willeke

 

SZENE HAMBURG: Herr Hahn, wann waren Sie das letzte Mal auf See?

Horst Hahn: Vor ein paar Tagen habe ich eine Urne in die Lübecker Bucht rausgebracht.

Wie sind Sie Seebestatter geworden?

Ich bin schon fast 90 Jahre alt und im Krieg groß geworden. Mein Großvater und mein Onkel waren Seemänner, der Beruf wurde mir damit in die Wiege gelegt. Doch nach dem Krieg gab es in Flensburg, wo ich aufgewachsen bin, kaum Arbeit. Deswegen habe ich das Erstbeste gemacht und eine Lehre zum Kaufmann begonnen. Der Beruf hat mich aber schnell gelangweilt. Ich wollte zur See fahren und habe in Bremen bei der Hansa-Reederei als Lehrling angeheuert. In den freien Monaten habe ich Theorie gebüffelt und so wurde ich irgendwann Matrose und bekam mein Patent. Aber ich wollte auch eine Familie an Land gründen und deswegen kam mir das Angebot ganz recht, das Geschäft von meinem Onkel zu übernehmen. Mein Onkel Hans war Bestatter. Ich machte also in Hamburg-Ohlsdorf eine Lehre zum Bestatter und – ausgebildeter Kaufmann war ich ja schon – übernahm das Geschäft meines Onkels. Heute gehört das Unternehmen meinem Sohn, der es in Ammersbek vor den Toren der Stadt weiterführt.

Und wie ging es bei Ihnen weiter?

Nachdem ich ein Haus gekauft und eine Familie gegründet hatte, sprach mich Ende der 1960er-Jahre eine Familie an: Der Großvater war verstorben und sie wollten ihn gerne auf See bestatten lassen. Damals war eine Seebestattung ehemaligen Marinesoldaten und Wasserschutzpolizisten vorbehalten. Ich wollte den Wunsch des Verstorbenen trotzdem erfüllen und habe die Urne mit meinem privaten Segelboot in der Lübecker Bucht beigesetzt. Daraus entstand die Idee, die Seebestattung auszubauen und 1972 habe ich schließlich den Vorgänger der heutigen Seebestattungs-Reederei-Hamburg Kapitän Horst Hahn gegründet.

 

Von der Urne ins Wasser

 

Wie läuft eine Seebestattung denn heute ab?

Erst mal genauso wie eine Urnenbeisetzung: Der Tote wird im Krematorium bei 800 bis 1400 Grad verbrannt, die übrig gebliebenen Knochen werden in einer Mühle, die man sich wie eine überdimensionierte Kaffeemühle vorstellen kann, gemahlen und das Granulat wird in eine Blechurne gefüllt, in die Name und Lebensdaten des Verstorbenen eingraviert werden. Bei einer Urnenbeisetzung folgt dann die Trauerfeier. Wir lassen die Urne an die Ostsee nach Travemünde bringen. Hier findet sich dann die Trauergesellschaft für die Beisetzung ein und wir fahren mit ihnen für etwa anderthalb Stunden aufs Meer. Wenn wir nach ungefähr 30 Minuten den Ort der Beisetzung erreicht haben, stellt sich der Kapitän am Heck des Schiffes an eine Glocke, sagt ein paar Worte und läutet acht Mal. In der Seefahrt heißt das Glasen – acht Glasen für das Ende einer Wache gilt auch als Symbol des Übergangs vom Leben zum Tod, wir haben diese Tradition für die Seebestattung übernommen. Anschließend wird die Urne sanft ins Wasser gelassen und die Angehörigen werfen zum Abschied Blütenblätter. Das Schiff umkreist die Stelle der Beisetzung drei Mal und kehrt dann mit einem langen, lauten Abschiedston in den Hafen zurück.

Das heißt, es gibt keine Musik, keinen Kranz und keine Trauerrede?

Doch, theoretisch ist das alles möglich. Für die Beisetzung fahren wir mit maximal zwölf Gästen raus, zu denen auf Wunsch auch Trauerredner, Fotograf oder Akkordeonspieler gehören kann. Auf individuelle Musikwünsche gehen wir dabei auch ein. Einen Kranz können wir auch mitnehmen, dieser wird aber nicht wie früher ins Meer geworfen.

 

Nachhaltigkeit

 

Warum nicht?

Weil Kränze umweltschädlich sind und schwimmen. Vor 20 Jahren hat sich mal ein Bürgermeister beschwert, dass bei ihm die Menschen am Strand liegen und ständig Kränze von Seebestattungen angespült werden, das geht natürlich nicht. Deswegen setzen wir heute auf Blütenblätter.

Blütenblätter, aber Blechurnen?

Nein, wir setzen keine Blechurnen bei. Aus Umweltschutzgründen füllen wir das Granulat des Verstorbenen, das umgangssprachlich auch Asche genannt wird, vorher um. Die Urnen für die Seebestattung sind zumeist aus ungebranntem Ton, in unserem Fall aus umweltfreundlicher Pappe. Die 25 Zentimeter hohe Urne hinterlässt, nachdem sie sich aufgelöst hat, ein kleines Häufchen Granulat auf dem Meeresgrund. Dieses bleibt, da es deutlich schwerer ist als Wasser, an Ort und Stelle liegen und wird langsam vom Meer eingesandet.

Und was machen Sie bei Sturm?

Grundsätzlich fahren wir bis Windstärke sechs, das ist für die Gäste erträglich. Ob das Wetter eine Bestattung zulässt, wissen wir immer ungefähr drei Tage vorher. Wir sind da aber vorsichtig und verschieben die Beisetzung eher, als dass wir die Trauergesellschaft zu rauer See aussetzen.

 

„Wir haben auch schon in Chile bestattet“

 

Bestatten Sie nur von Travemünde aus?

Ja, da liegt die Farewell, unser Schiff. Eine Bestattung ist aber an der ganzen Küste, egal, ob Ost- oder Nordsee, möglich. Es gibt in Deutschland ungefähr 20 Reedereien mit der Erlaubnis, auf See zu bestatten. Wenn sie mit dem Wunsch an uns herantreten, einen Verstorbenen in der Nordsee beizusetzen, kontaktieren wir die Kollegen. Wir Seebestatter sind eine gute Gemeinschaft, eine große Konkurrenz gibt es eigentlich nicht.

Ist eine Seebestattung überall auf der Welt möglich?

Das hängt von den Gesetzen in den jeweiligen Ländern ab. Wir haben auch schon in Chile bestattet. Es gibt allerdings Länder, in denen die Praxis der Einäscherung eines Verstorbenen zum Beispiel aus religiösen Gründen abgelehnt wird. Da würden wir dann auch keine Seebestattung durchführen.

 

Aus Liebe zum Meer

 

Warum entscheiden sich Menschen für eine Seebestattung?

Häufig aus Liebe zum Meer, aber auch die Kosten sind ein Faktor. Deswegen waren die Kirchen auch zuerst sauer auf mich, denn wenn sich Menschen auf See bestatten lassen, kaufen sie nicht mehr für mehrere Tausend Euro ein Grab. Wir bestatten bis zu 50 Prozent günstiger, denn auf See gibt es keine Folgekosten, zum Beispiel für die Grabpflege. Für die individuelle Trauer bekommt die Trauergesellschaft immer einen Seegrabbrief mit den Koordinaten der Beisetzung. Dazu haben wir am Brodtener Ufer (zwischen Travemünde und Timmendorfer Strand, Anm. d. Red.) einen Gedenkstein aufgestellt und wir bieten regelmäßig Gedenkfahrten an. Denn die Trauernden können sich sicher sein: Der Verstorbene ist immer noch da.

Wollen Sie auch selbst auf See bestattet werden?

Ja, ich bin Seemann. Schon vor längerer Zeit habe ich genau die Position festgelegt, wo das sein soll. Ich will dahin, wo ich früher am Strand im Sand gelegen habe. Da habe ich dann das Gefühl, ich bin den schönsten Stellen in meinem Leben nah.

seebestattung.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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