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FoodSZENE – Eine kulinarische Reise durch Dithmarschen

Jasmin unterwegs #10: Wenn die Sommerferien anstehen, hauen alle ab – möglichst weit in den Süden, wo viel Sonne, Cocktails mit Schirmchen und Salzwasser auf der Haut locken. Dabei haben wir Strand und Meer direkt vor der Tür. Und leckeres Essen obendrein. Eine kulinarische Reise durch Dithmarschen.

Wo man hinschaut: Kohl in allen Variationen. Fruchtbares Marschland weit und breit. Schlick zwischen den Fußzehen, Düngerduft in der Nase, am Horizont puschelige Schafe auf dem Deich. Die ehemalige Bauernrepublik zwischen Nordsee, Eider und Elbe hält an ihren regionaltypischen Spezialitäten ungeachtet aller Food-Trends fest: Wer in Dithmarschen essen geht, kann sich darauf verlassen, Bodenständiges auf der Karte zu finden. Dazu gehören Kohlrouladen und Kohlpfanne, Krabbensuppe und Mehlbüddel, Bohnen und Speck, Eiergrog und Friesentorte.

Heftig, deftig, lecker. Traditionsbewusstsein wird im Landkreis westlich von Hamburg großgeschrieben: Jährlich im September leiten die Dithmarscher Kohltage die Ernte des heimischen Superfoods ein. Diverse Kohl- und Gemüsemärkte sowie preisgünstige Kohlgerichte in nahezu allen Gaststätten gehören ebenso zum regionalen Fest, wie die Wahl zweier Kohlregentinnen (Bewerbungen willkommen!).

Zum Niederknien: Seehecht in der Ulmenklause, hauchdünn im Maisteig gebraten.

Für die Hamburger sei das friedvolle Marschland an der Nordsee Ferienland, schreibt Elisabeth Frenz, Autorin des frisch erschienenen Titels „Wochenender“ (Hopp und Frenz). Die Fotojournalistin hat hier unzählige Urlaube verbracht, in wunderschönen Unterkünften genächtigt, in alteingesessenen Gaststätten gespeist und Orte fernab des touristischen Trubels für sich entdeckt. Ein bisschen Landluft schnuppern, Nordseewind in den Haaren … Beim Durchblättern des toll gestalteten Buchs ist die Reisetasche wie von selbst gepackt.

Von Hamburg aus lässt sich die Kreisstadt Heide per Bahn oder Auto in eineinhalb Stunden erreichen. Wer sich für die Bahn entscheidet, sollte in jedem Fall ein Fahrrad mitnehmen; in vielen Städten ruht der Betrieb öffentlicher Verkehrsmittel an Wochenenden. Meldorf, Büsum, Wesselburen, Tönning – alles schmucke Ortschaften, die ab Heide über das gut ausgebaute Radwegenetz in rund einer Stunde erreichbar sind.

Das Sandsteinportal vom Gasthof Oldenwöhrden ist 384 Jahre alt.

„Wir haben viele Hamburger Tagesgäste“, sagt Elsbe Paulsen, Inhaberin des Gasthof Oldenwöhrden, der zwischen Heide und Büsum liegt. Die gebürtige Wöhrdenerin betreibt das Landhotel in vierter Generation, übernommen hat sie es 1982. Seit 1914 ist es in Familienbesitz, das soll auch so bleiben: „Meine Jüngste wird das hier alles übernehmen, sobald sie den letzten Schliff an der Hotelfachschule in Hamburg erhalten hat“. Die Mutter von drei Töchtern kann von Glück sprechen, dass ihr Nesthäkchen genauso für den Job brennt wie sie selbst.

Der Gastronomie und Hotellerie geht der Nachwuchs aus, das ist kein Geheimnis. Paulsens Küchenteam, darunter zwei junge Auszubildende, kocht ausschließlich mit regional-saisonalen Produkten. Der Anspruch: „Norddeutsche Küche mit Pfiff“. Kohl, Kartoffeln und Fleisch kommen von den Bauern aus der Umgebung, das Gemüse und Obst zum Teil vom Westhof Bio, der Käse aus Sarzbüttel, der Fisch aus Husum vom Fischhaus Loof.

Was man in Dithmarschen gesehen haben sollte? „Die Familienlagune in Büsum kann ich empfehlen. Wenn man allerdings seine Ruhe haben will, fährt man in den Speicherkoog. In Meldorf ist der Dom sehenswert und in Wesselburen das Hebbel-Haus. In der Seehundstation in Friedrichskoog sind gerade zwei Heuler auf die Welt gekommen. In Brunsbüttel kann man Schiffe gucken und am Marktstrand in Heide spielen sie im Sommer alle Volleyball.“ Eine echte Norddeutsche, die Hausherrin: Ist das Eis einmal gebrochen, sprudeln die Döntjes nur so hervor.

Nächste Station: Wesselburenerkoog an der Eidermündung, dort erwartet mich und meine Reisebegleitung ein neu eröffneter Landgasthof. Einem Zwischenstopp in Wesselburen ist es zu verdanken, dass wir die Ulmenklause am Marktplatz entdecken: Hier wird sensationell frisch mit astreinen Produkten aus der Region gekocht – klassisch zubereitet mit modernem Twist. Heißt: weniger Butter und Speck. „Geballte Frauenpower in der Ulmenklause“, titelte kürzlich eine Doku-Soap auf Kabel Eins. Inhaber Seçkin Möller-Küçüker hält uns zum Beweis eine Urkunde für den ersten Platz vor die Nase. Star der Gaststätte ist Tanja Möller, Köchin und Betreiberin der Kochschule „Bi uns to Huus“. Zusammen mit ihrer Kollegin Anika Schütt bringt sie Klassiker wie Kohlrouladen und Seehecht nach Müllerin Art auf die Teller. Allein das hausgebackene Kohlbrot vorweg ist köstlich.

Drinnen Landhausstil, draußen genialer Blick auf die Marschlandschaft: das Koog Café.

325 schreckhafte Schafe, angriffslustige Bullen und säugende Kühe, friedlich grasende Pferde, laut trillernde Austernfischer, Seeschwalben und Kiebitze später sitzen wir im wahrscheinlich besten Café der Region, schlürfen Löwenzahnblüten-Schorle und genießen die hausgemachte Wirsing-Lauch-Suppe. Das charmante Koog Café und der zugehörige Hofladen sind fest in der Hand von Familie Wilkens. Mit einem der Familienmitglieder haben wir am Abend zuvor schon Bekanntschaft gemacht, bei einem kühlen Blonden an der Bar des Landgasthofs Ahoi. Hier ein kleiner Schnack, dort ein Nickerchen im Liegestuhl: An der Nordseeküste tickt die Uhr langsamer. Eine erholsame Abwechslung zum schnell getakteten Großstadtalltag – und wenn auch nur für einen Tagesausflug. Kiek mol in!

Text & Fotos: Jasmin Shamsi
Beitragsbild: Yvonne Schmedemann

LITERATURTIPP:

Urlaub im Kopf
Viel, viel blauer Himmel, Wattewölkchen und feiner Sandstrand: In Yvonne Schmedemanns Fotografien kann man sich verlieren. Und Ruhe finden. Autorin Elisabeth Frenz gibt Ausflugstipps, die sie alle schon selbst erprobt hat.
Elisabeth Frenz: Wochen­ender, Hamburg 2018,180 Seiten, 18 Euro


Urlaub im Topf
Schnüüsch, Snirtjebraten, Friesentorte: In rund 70 typischen und ansprechend bebilderten Rezepten erzählen Küchenchefs, Einheimische und Reisende, was norddeutsche Küche für sie ausmacht.
Christiane Leesker und Vanessa Jansen: Norddeutsche Heimwehküche, München 2017, 192 Seiten, 19,95 Euro

 

 


Who the fuck is…

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. “Sie hängen eng miteinander zusammen und befinden sich im ständigen Austausch”, sagt sie. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.

jasmin.shamsi@vkfmi.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2018. Das Magazin ist seit dem 29. Juni 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 


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Kühles Nass – Wo wir in Hamburg am liebsten baden gehen

Der schönste Badesee ist natürlich Ansichtssache, aber bei den folgenden kommt definitiv jeder auf seine Kosten – und zwar in der ganzen Saison vom 10. Mai bis 9. September. Ach so, eine Sache noch: Die Badewasserqualität sieht in Hamburg übrigens durchweg sehr gut aus! An diesen 4 Badeseen hüpfen wir besonders gern ins Wasser.

 

1. Boberger See

(siehe Beitragsfoto)

Der circa 7,9 Hektar große See ist mit seinem vielseitigen Umland ein besonderer Spot für Naturliebhaber. Mitten im Naturschutzgebiet Boberger Niederung bei Bergedorf gelegen, lässt er sich gut mit der Bahn S21 Haltestelle Mittlerer Landweg und einem anschließenden 40-minütigen Spaziergang erreichen. Für Eilige bietet sich der Bus 330 Richtung Billstedt an, Ausstieg an der Station Billwerder Kirche – dann sind es nur noch 15 Minuten zu Fuß. Nun aber zum See: Seine maximale Tiefe beträgt 11,5 Meter bei einer Breite von knapp 400 Metern. Gespeist wird der Boberger See durch Grundwasser und überzeugt damit mit einer ausgezeichneten Badewasserqualität. Die Badestelle befindet sich am nordöstlichen Ufer und misst einen über 16 Meter langen Strandlauf plus Liegewiese. Wenn das nicht verlockend klingt! Am Südufer gibt es ein FKK-Gelände, also Vorsicht vor unliebsamen Überraschung für Leute, die sich augenscheinlich schnell aus der Fassung bringen lassen. Entstanden ist der See übrigens um 1950 bei einer Ausbaggerung zur Kiesabtragung für den Bau der A1. Heute gewinnt er immer mehr an Beliebtheit und ist definitiv einen Ausflug wert. Und wer schon mal da ist, dem seien die Boberger Dünen ebenfalls ans Naturherz gelegt – Hamburgs letzte Wanderdüne inmitten von Heidekraut und Marschwiese.

Adresse: Billwerder Billdeich
Anreise: S21 bis Mittlerer Landweg
Grillen erlaubt: Nein
Sandstrand: Ja
Liegewiese: Ja
Parkplatz: Nein
Nichtschwimmerbereich: Nein
Toiletten: Ja
Shops: Kiosk im Besuchergarten
Hunde erlaubt: Ja, an kurzer Leine

2. Hohendeicher See

Badeseen in Hamburg: der Hohendeicher See Foto: Philipp Schmidt

Er wird auch Oortkatensee genannt und liegt mitten in den Marschlanden im Bezirk Bergedorf. Direkt hinter dem Elbdeich erstreckt er sich mit einer Fläche von circa 62 Hektar. Beachtlich! Bei der Größe ist klar: Es gibt mehr als eine Badestelle und ordentlich Platz für viele Menschen. Bekannt und beliebt sind folgende: Eine am westlichen Ufer mit kleinem Sandstrand und Liegewiese, die andere am südlichen Ufer – großer Strand und ebenfalls viel Platz um in die Horizontale zu gehen. Genutzt wird das kühle Nass nicht nur von erholungsbedürftigen Besuchern, sondern auch von der einen oder anderen Wasserratte. Wie jetzt?! Keine Panik: Von Zeit zu Zeit sind Taucher, Segler, Paddler und Surfer anzutreffen. Manchmal lässt sich auch das eine oder andere Partyvolk hier nieder. Nichtsdestotrotz lässt sich das umliegende Land sehen: Grün, Grün, Grün, wohin das Auge blickt! Kein Wunder, wurde der See doch bereits 1977 als Landschafts- schutzgebiet ausgewiesen und vegetiert seitdem friedlich vor sich hin. Das freut natürlich die Tier- und Pflanzenwelt, die sich hier herrlich verbreitet und Lebensraum für sich beansprucht. Also: Respekt vor der Umwelt. Versteht sich hoffentlich von selbst. Noch ein Fakt für den nächsten Smalltalk: Anfang Juni ist der Hohendeicher See Austragsort des Vierlande-Triathlons. Erst werden 500 bis 1.500 Meter geschwommen, dann eine zehn Kilometer-Radstrecke zur Tatenberger Schleuse zurückgelegt und schlussendlich zurück zum Seeufer gelaufen. Äußerst sportliche Angelegenheit! Ruhesuchende sollten am 3. Juni eine andere Badestelle anvisieren.

Adresse: Overwerder Hauptdeich
Anreise: S21 Tiefstack
Grillen erlaubt: Ja
Sandstrand: Ja
Liegewiese: Ja
Parkplatz: Ja
Nichtschwimmerbereich: Nein
Toiletten: Ja, barrierefrei
Shops: Nein
Hunde erlaubt: Ja, an kurzer Leine

3. See im großen Moor

Hamburgs beste Badeseen: Großmoor Foto: Philipp Schmidt

Raus aus Hamburgs Gefilden und hinein ins niedersächsische Seevetal. Ganz easy mit der Regionalbahn oder dem Bus zu erreichen, liegt der 21 Hektar große See zwischen den Stationen Meckelfeld und Maschen. Umgeben von Feldern, Marschland und Mini-Wäldern lässt sich hier in der Sonne wunderbar entspannen. Aber Achtung! Folgendes sollte beim Genießen des kühlen Nass beachtet werden: Es gibt erstens keine Badeaufsicht. Und der See ist zweitens 21 Meter tief. Das ist nicht ohne! Nichtsdestotrotz ist dieser ehemalige Baggersee heute ein beliebtes Ausflugsziel zum Baden und Seele baumeln lassen. Das haben sich auch einige Sportbegeisterte gedacht. So treffen am See im großen Moor Surfer, Segel und Modellboot-Fahrer aufeinander. In der Idylle ist Grillen erlaubt, allerdings mit Vorsicht: Dadurch, dass es keine offizielle Aufsicht gibt und der Aufenthalt in und um den See auf eigene Verantwortung hin geschieht, sollte der Grill nicht den Boden berühren. Also möglichst keine Einweggrills verwenden (die sind eh total umweltschädlich). Wegen des moorigen Untergrunds können schnell Schwelbrände entstehen, die nur schwer unter Kontrolle zu bekommen sind. Nachdem die Asche verglüht und die Mägen gefüllt sind, bietet sich die 2,4 Kilometer lange Strecke um den See für einen gemütlichen Verdauungsspaziergang geradezu an.

Adresse: Zum Großen Moor (Seevetal)
Anreise: RB31 bis Meckelfeld
Grillen erlaubt: Ja, aber verantwortungs­bewusst: Es gibt keine offenen Feuer­stellen. Grillbehältnisse sollten nicht den Boden berühren
Sandstrand: Ja
Hunde erlaubt? Ja, an kurzer Leine

4. See hinterm Horn

Wo sind Hamburgs beste Badeseen? Der See hinterm Horn gehört dazu. Foto: Philipp Schmidt

Unweit des Allermöher Sees plätschert der See hinterm Horn vor sich hin. Eine gute Alternative, falls drüben mal zu viel los sein sollte. Der versteckte, circa zehn Hektar große See liegt zwischen der A25 und der Dove-Elbe. Früher wurde hier Kies abgebaut. Er wird von Grundwasser gespeist, was ihn besonders klar und sauber macht. Die Badestelle mit Sandstrand liegt am nordwestlichen Ufer. Eine ungefähr 20 Meter breite Liegewiese bietet Platz zum Verweilen, einem Picknick oder einfach nur in der Sonne dösen. Mini-Waldgebiete spenden Schatten und umliegende Felder geben dem Landschaftsbild eine Atmosphäre, als wären Besucher mitten auf dem Land. Kein Wunder! Sind doch auch hier die Vier- und Marschlanden gleich zur Stelle, die eigentlich immer einen Ausflug wert sind. Wer also Lust hat auf besonders viel Ruhe, dem sei dieses Fleckchen Erde empfohlen. Denn hier verirren sich nicht so viele Besucher hin, wie an andere Seen.

Adresse: Allermöher Deich
Anreise: S21 bis Mittlerer Landweg
Grillen erlaubt: Ja
Sandstrand: Ja
Liegewiese: Ja
Parkplatz: Ja
Nichtschwimmerbereich: Nein
Toiletten: Ja
Shops: Nein
Hunde erlaubt: Ja, an kurzer Leine

Text: Christiane Mehlig
Fotos: Philipp Schmidt


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 Dieser Beitrag stammt aus dem Summerguide 2018, SZENE HAMBURG STADT LAND SOMMER. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2018 im Handel und zeitlos online erhältlich.