Beiträge

#MOINKINO: Kostenlos Hamburger Kinos besuchen

Bei #MOINKINO gibt es zur Wiedereröffnung Freikarten in 16  Hamburger Kinos

Text: Felix Willeke

 

Unter dem Motto „MOIN – Die erste Runde geht auf uns“ startet eine besondere Aktion zur Wiedereröffnung der Kinos. Vom 1. bis 4. Juli 2021 gibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein in insgesamt 50 Filmhäusern Freikarten für eine Vorstellung. „Mit der Kampagne möchten wir den Neustart des Kulturortes Kino zu einem Fest machen und Hamburgerinnen und Hamburger nach der langen Zeit der leeren Leinwände zum ersten Kinobesuch einladen“, sagt der Hamburger Senator für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda.

Das Kontingent an Freikarten ist begrenzt. Tickets gibt es bei den teilnehmenden Kinos, bei NDR 90,3, dem Hamburg Journal und NDR 1 Welle Nord. Aus Hamburg sind folgende 16 Kinos mit dabei:

Unter den gezeigten Filmen sind neben der neuen Komödie „Catweazle“ mit OTTO als verrücktem Magier auch zwei Premieren: Das Animationsabenteuer „Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing“ und die Politsatire „Curveball – Wir machen die Wahrheit“. Beide Filme laufen exklusiv bei der Aktion „#MOINKINO“ und starten erst im Laufe des Sommers in den anderen deutschen Kinos.

 

Seht hier den Trailer zu „Curveball – Wir machen die Wahrheit“

 

Mit der Aktion feiert die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein nicht nur die Wiedereröffnung der Kinos; gleichzeitig läutetet sie ihren eigenen Relaunch ein: Ab sofort heißt es nicht mehr Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, sondern MOIN Filmförderung, das MOIN steht dabei für „Moving Images North“. „Wir möchten für die Bewegtbildbranche in Hamburg und Schleswig-Holstein die bestmögliche Partnerin sein und die besten Filme und Serien in den Norden holen“, sagt Geschäftsführer Helge Albers.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Kommentar zur „Diversity Checklist“: Einfältige Vielfalt

Die Hamburger Filmförderung will mit verpflichtenden Fragebögen mehr Diversität in der Branche erreichen. An der Methode gibt es Kritik – zu Recht

Kommentar: Ulrich Thiele

 

Der Türke als Gangster, die Schwarzafrikane­rin als Putzhilfe, und der afro­-deutsche Schauspieler darf höchstens den Sidekick des weißen Hauptkommissars spie­len – die Filmbranche bedient zahlreiche Stereotype, das ist kein Geheimnis. Die Filmförde­rung Hamburg Schleswig-­Hol­stein (FFHSH) führt deswegen eine „Diversity Checklist“ ein. Ab sofort sind Antragstel­ler dazu verpflichtet, in einem Fragebogen Auskunft über die Diversität ihres gesamten Projektes zu geben. Ziel sei es unter anderem, Filmemacher für die kritische Überprüfung von Stereotypen zu sensibilisieren. Dazu gehören drei Bögen für die Kategorien Entwicklung, Pro­duktion und Verleih. Ich beziehe mich an dieser Stelle ausschließ­lich auf die Kategorie Produktion, in der auf die inhaltliche Ebene eingegangen wird.

 

Die Motive sind ehrenwert, die Mittel sind es nicht

 

„Mehr Vielfalt filmen und Geschichten erzählen, die sonst ungehört bleiben: Wir wollen unsere vielfältige, multikultu­relle Gesellschaft modern und in all ihren Facetten auf der Lein­wand sehen“, verkündet Ge­schäftsführer Helge Albers. In dem Fragebogen heißt es: „Wir denken, dass die Filmbranche Vorbild sein kann, um Vorur­teile gegenüber marginalisier­ten Gruppen in unserer Gesell­schaft abzubauen und ein selbst­verständliches Miteinander zu befördern.“

Die Motive sind ehrenwert, die Mittel sind es nicht. Meine Kritik ist nicht neu, und Albers hat sie offenbar bereits erwartet und versucht, sie zu entkräften. Natürlich werde es auch Filme ohne diversen Cast geben: Zum Beispiel bei historischen Stoffen. „Diversität zu fördern, bedeutet nicht, Kreativen strenge Vorga­ben zu machen“, sagte er im Interview mit der Zeit.

Das ist ein durchschaubares Manöver. Zu behaupten, nicht pädagogisch eingreifen, kei­ne Vorgaben machen, keinen Druck ausüben zu wollen – aber genau dies zu tun. Zumindest unterschwellig. Die Checkliste erinnert in ihrer Methodik an Eltern, die ihre Kinder vorder­gründig ohne strenge Regeln erziehen, sie dafür aber umso subtiler mit den Mitteln des schlechten Gewissens auf Li­nie bringen. Denn der Unter­ton wird seine Wirkung nicht verfehlen – die berühmte Schere im Kopf. Und der besagt klar: Filme mit simpler „Vielfalt ist gut“­-Message sind uns genehm, wenn du davon abweichen willst, dann kannst du das tun, aber rechtfertige dich gefälligst! Man unterschätze nicht die psychologische Wirkung, die in der Einführung einer Rechtfer­tigungsforderung liegt.

 

Kunstfreiheit?

 

Natürlich wird es ab sofort nicht ausschließlich „politisch korrekte“ Filme geben, natür­lich wird es auch ästhetisch radikale Filmkunst aus verschie­densten Perspektiven geben, die über Eindeutigkeiten und Mini­malkonsens hinausgehen. Doch diese Kunst wird es nicht we­gen, sondern trotz der Check­liste geben.

Dass die FFHSH die Wir­kung erzielen könnte, die Kunst­freiheit einzuschränken, hat sie sogar schon eingeräumt. Die Pressesprecherin der Filmför­derung wird in einem Artikel auf jetzt.de in Bezug auf die „Propaganda“­-Kritik folgendermaßen zitiert: „Wir starten damit jetzt erst mal. Nach spätestens einem Jahr werden wir die Ergebnisse evaluieren.“ Weiter heißt es im Artikel: „Dann solle sich zeigen, inwiefern sich die Diver­sity Checklist auf die Entschei­dung der zuständigen Gremien und womöglich negativ auf die Kunstfreiheit auswirke.“

Kurz: Man nimmt die mögliche Einschneidung der Kunstfreiheit bewusst in Kauf. Was treibt die FFHSH dazu? Vorauseilender Gehorsam? Oder die Angst, im Kampf um die Deutungshoheit Boden an die Rechtspopulisten zu verlieren? Langfristig scha­det die Instrumentalisierung der Kunst der offenen Gesell­schaft. Denn diese lebt auch von radikaler Kunst, die Narrenfrei­heit genießt, die ambivalent ist, die Möglichkeiten auslotet, die verstört und Gewohnheiten und Gewissheiten in Frage stellt.

Man kann es ganz einfach zusammenfassen: Stereotype durch Vielschichtigkeit bre­chen, unterschiedliche Perspektiven aus verschiedensten Mili­eus zeigen, weiße Machtstruk­turen hinterfragen – ja, all das ist wichtig und bereichert die Kunst. Und gesellschaftliche Debatten treiben dies bereits voran. Dafür braucht es keine staatlichen Vorgaben, die sich „Vielfalt“ auf die Fahne schrei­ben, aber gewollt oder unge­wollt darauf zielen, Filme weltanschaulich auf Linie zu brin­gen.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Serienstandort Hamburg: High-End in Serie

Bisher ist die Hansestadt bei der Produktion von High-End-Serien nicht aufgefallen. Das soll sich nun ändern. Sechs Projekte werden gefördert und ein geeigneter Standort für ein neues Studio gesucht

Text: Marco Arellano Gomes

 

Hafen, Kontorhäuser, Brücken, Bürogebäude, Fabrikanlagen, Grünflächen, Stadtvillen, Sozialsiedlungen: Hamburg ist prädestiniert dafür, filmisch in Szene gesetzt zu werden. Dennoch steht Hamburg nach wie vor hinter Berlin und München zurück. Das soll sich ändern. Zumindest lassen dies die Pläne der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) und der Kulturbehörde vermuten. Im Juli verabschiedete die Filmförderung erstmals die finanzielle Unterstützung von High-End-Serien im Norden. Eine Million Euro stehen hierzu pro Jahr an Fördermitteln zur Verfügung. Serien sind in, die Mediatheken müssen gefüllt, die Sucht der Zuschauer gestillt werden. Es ist also Zeit, sich als Produktionsstandort in die erste Reihe zu schieben.

Gefördert werden vier Serien in der Entwicklung und zwei in der Produktion. Das Besondere: High-End Serien lehnen sich in Erzähltechnik und Ästhetik an Kinoproduktionen an. Die Projekte klingen vielversprechend: „Gefesselt“ (Regie: Hannu Salonen) handelt von einer Opferbetreuerin, die in den 1990er Jahren dem Hamburger Säurefassmörder Lutz Reinstrom auf die Schliche kommt. „Tod von Freunden“ (Regie: Friedemann Fromm) mit „Tatort“-Star Jan Josef Liefers und Katharina Schüttler zeigt zwei befreundete deutsch-dänische Familien, die sich an der Flensburger Förde so richtig kennen lernen.

 

Hamburg braucht ein Studio, das sämtliche Ansprüche und Bedürfnisse erfüllt

 

Weitere Projekte sind „Schneekönig“ (Regie: Stephan Wagner), über Hamburgs größten Drogendealer Ronald „Blacky“ Miehling; „Zwei Minuten“ (Regie: Florian Dietrich), über blitzartige Raubüberfälle im Auftrag einer geheimnisvollen Organisation; „Die beste Welt“ (Regie: Sebastian Ludwig), über zwei Typen, die ihr Restaurant zum besten der Stadt machen möchten; und die Fantasy-Animationsserie „Johnny Sinclair: Geisterjäger“ nach den Erfolgsromanen der Hamburger Kinderbuch-Autorin Sabine Städing.

„Das ist ein guter Anfang“, sagt FFHSH-Chef Helge Albers – und doch braucht Hamburg für High-End-Serien lang-, mittelund kurzfristig auch ein Studio, das verfügbar ist und sämtliche Ansprüche und Bedürfnisse erfüllt. „Derzeit können wir am Standort noch kein adäquates Angebot machen“, gibt Albers zu. Auch das soll sich ändern. Die FFHSH sieht sich nach Gebäuden um. Eines stand Ende Juni im Fokus der Aufmerksamkeit: das alte Paketsortierzentrum am Kaltenkircher Platz (Diebsteich). Dort – so der verwegene Plan – könnte ein Projekt realisiert werden, das zwar noch einige Zeit auf sich warten lassen dürfte, aber bereits jetzt alle elektrisiert: „Marlene“ mit Diane Kruger („Inglourious Basterds“) in der Hauptrolle als Filmlegende Marlene Dietrich.

„Hollywood in Altona“

 

Drehbuch und Regie: Fatih Akin. „Hollywood in Altona“ titelte die Zeit entzückt und kritisch zugleich – und wies auf die Pläne der Stadt hin, das Areal rund um das ehemalige Paketsortierzentrum zu einem „kulturellen Mittelpunkt des Quartiers“ zu wandeln. Der neue Bahnhof Altona wird nur wenige Gehminuten entfernt sein, da sollte das Umfeld nicht hintanstehen. Kleinteilige Gewerbeeinheiten, mit künstlerischer, musikalischer und handwerklicher Ausrichtung, sind geplant, aber auch Sportplätze, eine Musikhalle, Wohnraum, Grünanlagen – und möglicherweise eben auch besagtes Studio. Gegenwärtig steht das ehemalige Paketsortierzentrum leer. Nur die Play Photostudios nutzen die Halle für Fotosessions.

Einmal im Jahr findet hier zudem das Kurzfilm Festival Hamburg statt – eines der bedeutendsten in Deutschland. Die zuständige Kurzfilmagentur Hamburg wurde über die Pläne spät informiert. Es gab Gespräche über eine mögliche Nutzung des ersten Stockwerks. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass man sich – für den Fall der Fälle – schon mal nach Alternativen umschauen sollte. „Ohne uns wüsste niemand, dass die Halle überhaupt nutzbar ist“, sagt Sven Schwarz, organisatorischer Leiter des Kurzfilm Festivals. „Wir sollten in der Planung fairerweise berücksichtigt werden.“

 

Noch ist die Frage des Standortes offen

 

Schwarz kennt das Gebäude gut. Er weist darauf hin, dass es keine Klimatisierung, keine verlässlichen Stromkreise, keinen stabilen Betonboden, aber einen sanierungsbedürftigen Fahrstuhl gibt. Seit zwei Jahren trägt Schwarz hier das Kurzfilmfestival aus. Ein Jahr hatte es gedauert, bis er hierfür die Genehmigung bekam. Auch wenn Schwarz die Idee, den Filmstandort Hamburg aufzuwerten, begrüßenswert findet, betont er, dass dies nicht mit Verdrängungseffekten einhergehen sollte – zumal sich Kurzfilmfestival und Produktionsstudio gegenseitig befruchten könnten. Noch ist die Frage des Standortes offen. „Ein Studio ist mehr als ein Dach mit vier geraden Wänden“, erklärt Helge Albers, „es braucht ein kreatives Umfeld, Verkehrsinfrastruktur, geringe Lärmbelästigung und vieles mehr.“

Keine Immobilie werde die Bedingungen zu 100 Prozent erfüllen. „Es ist eine ständige Abwägung, eine Suche nach Kompromissen, und eine Abschätzung über die Kosten.“ Vor allem aber ist es eine Chance. „Cinegate und das Studio Hamburg – die zwei bislang größten Filmstudios der Stadt – hätten andere Profile“, erklärt Albers. Zudem seien beide Studios mit TV- und Werbeproduktionen bereits recht gut belegt. „Das High-End-Seriengeschäft hatte uns bisher umschifft, aber jetzt wird Hamburg entdeckt.“ Ein neues, professionelles Studio wäre ein Signal, dass der Norden bei hochkarätigen Serien und Filmen mitspielt – mit Hamburg als Medienhauptstadt.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.