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Hamburger Sportbund: Die Lage in der Corona-Pandemie

Ralph Lehnert (61) ist Vorstandsvorsitzender des Hamburger Sportbundes (HSB). Circa 830 Vereine, etwa 50 Fachverbände und somit über 540.000 Mitglieder sind im HSB organisiert. Im Interview mit SZENE HAMBURG nimmt Lehnert Stellung zur Lage des Hamburger Sports in der Corona-Pandemie

Interview: Mirko Schneider

 

Ralph-lehnert-sportbund-hamburgSZENE HAMBURG: Herr Lehnert, wie kommen die Hamburger Sportvereine aus Sicht des Hamburger Sportbundes durch die Pandemie?

Sehr unterschiedlich. Insgesamt können wir sagen, die Pandemie verursacht erhebliche wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten für die Vereine. Eine ganze Reihe von Vereinen war ja auch darauf angewiesen, Hilfen aus dem Nothilfefonds der Stadt Hamburg in Anspruch zu nehmen.

Können Sie die Probleme konkretisieren?

Sicher. In erster Linie verzeichnen die Vereine einen erheblichen Mitgliederverlust. Das schlägt sich unmittelbar auf der Einnahmenseite negativ nieder. Selbstverständlich sind auch viele kleinere Clubs betroffen, aber besonders größere Vereine haben hier teilweise einen großen Rückgang in den Mitgliederzahlen hinnehmen müssen. Und ausgetretene Mitglieder kommen ja nicht automatisch alle sofort zurück, wenn die Impfungen abgeschlossen sind.

Aber verursachen weniger Mitglieder nicht auch weniger Kosten, sodass auch die Ausgabenseite entlastet wird?

So können Sie das nicht rechnen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie bieten als Verein einen Sportkurs an, zu dem regelmäßig zwanzig Menschen kommen. Wenn der Vereinssport wieder hochgefahren wird, sind es nur noch 15. Ihre Beiträge durch Mitgliedereinnahmen sind dann gesunken, die Kosten aber gleichgeblieben.

Die Trainer muss der Verein ja trotzdem bezahlen und die Kosten für die Fläche, auf der der Sportkurs stattfindet, werden ebenfalls nicht kleiner. Wir werden also gemeinsam erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, damit jetzt nicht zu viele Mitglieder ihre Vereine verlassen. Trotzdem ist leider ein großer Schaden zu erwarten.

 

Zahlen und zahlen

 

Bei der letzten vom Hamburger Sportbund erfassten jährlichen Mitgliederstatistik am 1. Oktober 2020 betrug das negative Saldo für ganz Hamburg 21.000 Mitglieder. Die Zahl liest sich doch moderat und Corona existierte zu diesem Zeitpunkt schon längst…

Das stimmt. Aber man muss genauer hinschauen. Der Rückgang bei den Mitgliederzahlen zum Jahresende war nämlich wesentlich höher. Oft sind die satzungsgemäßen Austrittsfristen auf das Jahresende terminiert. Wir erheben das gerade und gehen davon aus, dass viele Clubs einen Rückgang der Mitgliederzahlen um 10 Prozent plus X werden hinnehmen müssen.

Besonders kostenintensive Angebote von Vereinen wie beispielsweise Fitnessstudios haben es schwer. Geraten Menschen in finanzielle Probleme, denken sie darüber nach, ob sie sich den Beitrag leisten können.

Der Nothilfefonds der Stadt Hamburg hat bislang 2,5 Millionen Euro an die Sportvereine ausgezahlt. Tut die Hamburger Politik auf dem ökonomischen Sektor genug für den Sport?

Zunächst einmal hat die Stadt Hamburg den Sport von Anfang an in all ihre Überlegungen miteinbezogen. Das war nicht in allen Bundesländern der Fall und ist daher nicht selbstverständlich.

Wir beim Hamburger Sportbund haben das Gefühl, der Nothilfefonds hilft den Vereinen sehr. Es gilt immer wieder festzustellen, welche Bedarfe bestehen, um dann zielgerichtet zu helfen.

Die Vereine können zwischen 25.000 und 40.000 Euro erhalten. Reicht das?

Nicht immer. Große Vereine müssen beispielweise oft vereinseigene Anlagen finanzieren. Da ergeben sich schnell Unterdeckungen in sechsstelliger Höhe und eine große finanzielle Not.

 

„Emotionalität ist gestiegen“

 

Der Hamburger Sportbund berät die Vereine bei der Antragstellung für Mittel aus dem Nothilfefonds. Ist der Aufwand für sie gewachsen?

Ja, aber wir helfen natürlich gerne. Wir informieren die Vereine und übrigens auch die Verbände über neue Rechtsverordnungen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten und Pflichten. Zum Glück sind wir in Sachen Digitalisierung gut unterwegs, können über unser neugeschaffenes Mitgliederportal Informationen zum Nothilfefons in digitaler Form anbieten.

Außerdem können die Vereine auf ihre bei uns datenschutzsicher hinterlegten Stammdaten zurückgreifen. Oft gibt es Unklarheiten, welche Kosten geltend gemacht werden dürfen. Bei jeder neuen Rechtsverordnung laufen in der Folge bei uns die Telefone heiß.

Haben Sie dann hauptsächlich mit verzweifelten Menschen zu tun?

Verzweifelt würde ich nicht sagen. Natürlich ist die Emotionalität im Laufe der Zeit gestiegen. Aber die meisten Ehrenamtler sind sehr verantwortungsbewusste Menschen. Sie haben die gesellschaftliche Situation im Blick und verstehen die Notwendigkeit der Maßnahmen.

Trotzdem freut sich natürlich keiner darüber, dass sich auch der Sport im Lockdown befindet. Viele Menschen in den Vereinen haben ja auch viel geleistet. Unter großen Mühen Hygienekonzepte erstellt, als es nicht mehr anders ging Online-Angebote ausgearbeitet. Das kostet alles Zeit und ist sehr anstrengend.

Außerdem existiert bei den Ehrenamtlern und auch bei uns eine Angst vor den langfristigen Spätfolgen der Aussetzung des Sports.

Welche langfristigen Spätfolgen sind das?

Es gibt wissenschaftliche Aussagen dazu, dass jede Stunde Sport, die jetzt nicht betrieben werden kann, zu einer Verschlechterung des Immunsystems führt. Zudem schult der Sport Sozialverhalten, gerade für Kinder und Jugendliche. Das fällt jetzt alles weg und das macht allen, die sich für den Sport engagieren, große Sorgen.

Bei einer Anhörung in der Bürgerschaft am 25. November schilderten Sie Ihr „Erschrecken und Entsetzen“ darüber, dass der Sport im ersten Beschluss der Bundesregierung zur Pandemie keine Erwähnung fand. Wie denken Sie heute darüber?

Ich habe damals zudem die Beschlussfassung für den Bereich Kultur zitiert und gesagt, wenn man das Wort „Kultur“ hier durch das Wort „Sport“ ersetzen würde, wäre uns sehr geholfen. Damit keine Missverständnisse entstehen: Es ging mir nicht um ein Ausspielen der wertvollen Kultur gegen den Sport.

Ich habe nur vorgeschlagen, durch eine identische Formulierung auch dem Sport einen Platz einzuräumen. Aus heutiger Sicht ist das längst Geschichte. Ich weiß, dass die Interessen des Sports auf Bundesebene sehr eindringlich vom Deutschen Olympischen Sportbund vertreten werden, der sich seinserseits intensiv mit den Landessportbünden austauscht.

In der aktuellen Beschlussfassung ist der Sport zwar wieder nicht erwähnt, aber das liegt vielleicht auch daran, dass er komplett heruntergefahren wurde. Schärfer als jetzt geht es ja nicht mehr.

 

Sonderstellung für Profisport

 

Eine Ausnahme bildet der Profisport. Er darf ausgeübt werden. Ist die Sonderstellung gerechtfertigt?

Man kann nicht von gerechtfertigt oder ungerechtfertigt sprechen. Die Begründung für den Profisport ist die Berufsausübung. Das wird meiner Wahrnehmung nach im Freizeit- und Breitensport durchaus akzeptiert und verstanden.

In Hamburg nehme ich jedenfalls keine Neiddebatte wahr. Hier herrscht viel Vernunft und Verantwortungsbewusstsein. Unsere Forderung nach einer Perspektive für den Freizeit- und Breitensport bleibt aber bestehen.

Wir als Hamburger Sportbund sind in Gesprächen mit dem Sportamt und das Verhältnis ist konstruktiv und vertrauensvoll. Für uns ist klar: Wenn sich die Infektionslage bessert, sollte der Kinder- und Jugendsport sowie Sport im Freien so schnell wie es möglich und verantwortbar ist wieder freigegeben werden.

Sind Sie optimistisch, dass der Hamburger Sport in diesem Jahr zurück zur Normalität findet?

Das glaube ich schon. Spätestens nach der Sommerpause müsste der reguläre Sportbetrieb wieder möglich sein. Wenn die Infektionslage entsprechend zurückgeht und die Impfungen planmäßig vorankommen.


Sport-SZENE_01_21-1 SZENE HAMBURG SPORT, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 als Heft im Heft in der Februar Ausgabe SZENE HAMBURG im Handel erhätlich!

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Plattenkünstler Ludwig Mausberg streamt bei YouTube

Der DJ und Produzent Ludwig Mausberg streamt seit Sommer über seinen YouTube-Kanal. Mit SZENE HAMBURG spricht er über hohe Reichweiten, den Austausch in Pandemiezeiten und Kommerz. Die Corona-Hilfen kritisiert er scharf

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Ludwig, wie erlebst du als DJ die Pandemie?

Ludwig Mausberg: Für mich ist das Nachtleben ein integraler Bestandteil meines Lebens. Im Moment kann ich dort nicht auflegen und viele soziale Kontakte sind weggebrochen. Die sind für mich als Künstler aber sehr wichtig, da ich dadurch Inspiration bekomme. Austausch mit anderen Leuten hat eine Auswirkung auf die Musik. Das geht nicht nur mir so.

Wir alle brauchen diesen Austausch. Trotzdem sehe ich ein, dass die Beschränkungen notwendig sind. Es schränkt ein, aber wir müssen sie in Kauf nehmen, damit es besser wird.

Wann hast du das letzte Mal vor Leuten aufgelegt?

Das war zur „Little Deeper“-Party, Mitte Februar im Pudel. Es frustriert mich sehr. Seit ich 13 bin gehört es für mich dazu, mit Leuten, die im Raum sind, Musik zu teilen. Es ist keine Brosche, die einem vom Revers gerissen wird und für die man Ersatz bekommt. Es ist etwas, wofür ich 20 Kilometer wegen eines Kabels durch den dunklen Wald gelaufen bin, nur um es möglich zu machen.

Es bedeutet für mich die Welt. Aber da diese Welt kostbar ist, ist sie schützenswert. Deswegen ist es ist gut, sich jetzt zurückzuziehen, damit es nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass man miteinander Musik erlebt hat.

Was hat sich noch für dich verändert?

Ich habe sehr große finanzielle Einbußen. Zum Glück habe ich eine Anstellung als Radkurier bei Thomas i Punkt. Die haben mich von Anfang an unterstützt und nicht hängengelassen. Großer Respekt dafür. Das machen nicht alle Unternehmen. Trotzdem fehlt mir eine Menge Geld vom Auflegen und Live-spielen.

Zu den klassischen Solo-Selbstständigen zählst du also nicht?

Seit drei, vier Jahren nicht mehr. Das hängt ein bisschen damit zusammen, dass ich dabei bin, unser Label The Crate als GbR aufzubauen und dort alles hinein investiere. Also noch einen Job habe, um hundert Prozent zu geben.

 

Nicht gewünscht, nicht gedacht

 

Konntest du irgendwelche Hilfen in Anspruch nehmen?

Natürlich habe ich davon gehört, aber als ich mir das richtig angeschaut habe, waren es im Prinzip alles Hilfen für Leute, die vorher schon finanziell gut aufgestellt waren. Ich möchte auch nichts hinterhergeworfen oder geschenkt bekommen und habe erarbeitet, was mir gehört.

Welche Unterstützung hättest du dir gewünscht?

Richtige Hilfen für richtige Künstler. Leute, die schon alles haben und in der Künstlersozialkasse nie Probleme hatten, die brauchen diese Scheißunterstützung nicht. Ich bin wirklich wütend, denn diese Hilfen greifen für die wenigsten und sind nur für diejenigen gedacht, die sowieso durchkommen.

Musiker, die wirklich ihre eigene Vision durchboxen wollen, können sich in dieser Verwertungsgesellschaft nicht aufstellen. Das ist nicht gewünscht und nicht gedacht. Man muss den ganzen Kommerz mitmachen und das ist armselig.

Was bräuchte es stattdessen?

Einen Twist der öffentlichen Wahrnehmung. Dass Musiker wieder dort gesehen werden, wo sie sind. Ganz viel im Nachtleben, mit zig Knochenjobs nebenbei und es trotzdem nicht reicht. Musiker, die alles geben, weil sie es irgendwie schaffen wollen und komplett hinter ihrer Sache stehen.

Und dann sieht man irgendwelche Bratzen, die seit einem halben Jahr auflegen, bei diesen ganzen konstitutionellen Sachen mitgemacht haben und die dann die Hilfen abbekommen. Das finde ich verachtenswert und enttäuscht mich sehr. Nicht nur als Künstler, sondern auch auf menschlicher Ebene.

 

Wegbrechende Verbindlichkeiten

 

Nimmst du auch etwas Positives aus dieser Zeit mit?

Ja, ganz viel! Es ist ein starkes Bewusstsein dahingehend entstanden, was wir aneinander haben. Und wie man miteinander Musik macht. Zum Beispiel hat sich die Studioarbeit sehr verändert. Weil keiner weg kann.

Vorher waren wir im Zeitalter der wegbrechenden Verbindlichkeiten. Jeder hat ein Telefon und kann fünf Minuten vorher mit irgendeinem triftigen Grund absagen. Jetzt gibt es keine triftigen Gründe mehr. Alle waren pünktlich und man hat einfach für drei Stunden etwas gemacht, weil da draußen nichts ist, was man verpassen kann.

Glaubst du, das bleibt?

Ich glaube, dass die Leute ein bisschen mehr Erfahrung mit sich selbst gesammelt haben und merken, was ihnen wichtig ist. Die Reduktion führt vor Augen, dass sich viele früher oft nur unterhalten lassen wollten. Aber menschliches Leben ist dafür zu schade.

Ich will aktiver Teil der Unterhaltung sein. Und ich habe die große Hoffnung, dass es einigen Leuten genauso ergangen ist und sie diese Gedankengänge in die Tat umsetzen, um irgendetwas mit ihrer Zeit zu machen.

Ist so auch die Idee für deinen YouTube-Kanal entstanden?

Nicht ganz. Den Kanal habe ich mit einem Freund ins Leben gerufen als wir 17 waren. Wir haben dort Underground HipHop aus den USA hochgeladen, um sie mal bei Freunden abzuspielen und damit sie überhaupt im Internet vorhanden ist.

 

 

Wir waren damals schon DJs. Ich bin morgens aufgestanden und so wie andere Computer spielten, habe ich stundenlang nach rarer Musik gegraben. Seit Corona nutze ich diesen Kanal zum Streamen von zu Hause oder aus verschiedenen Plattenläden.

Die Abrufzahlen einiger Videos gehen bis weit über die Millionen. Wie erklärst du dir diesen Zuspruch?

Damit, dass wir damals die ersten waren, die diese unbekannten HipHop- Tracks in sehr hoher Qualität hochgeladen haben. Wir sorgten damit für konstant gute Musik, die für eine hohe Zuschauerschaft anders nicht verfügbar war. Und da hängt sicher irgendein Algorithmus dahinter, wo man öfter vorgeschlagen wird, umso länger man dabei ist. So kamen wir irgendwann überall hin.

Wie nutzt du diese Reichweite?

Wir haben den Kanal gerade von Boobacrazy in Deeper umbenannt. Er heißt jetzt wie die Partyreihe unseres Labels. Wir können darauf hinweisen, was wir hier für Musik spielen. Also alle unterschiedlichen Genres, nicht nur HipHop. Auch weil es viele internationale Booking-Anfragen gibt.

Wir wollen dort, wenn es wieder losgeht, unsere Partys streamen und die Zuhörerschaft auf Spotify oder anderen Diensten erweitern, sodass Künstler von unserem Label dort regelmäßig Musik veröffentlichen können.

Ich arbeitete gerade mit der Sängerin Zariah an einer Veröffentlichung in Richtung Soul und Disco. Und eine House-Platte ist auch so gut wie fertig.

Lohnen sich solche Abrufzahlen auch finanziell?

Die monetären Möglichkeiten sind begrenzt. Ich mache damit null Geld. Aber die anderen sind viel besser, nämlich mit Leuten in den bereits erwähnten Austausch zu kommen. Wenn sich den Stream einige Tausend Leute anschauen, dann geben sie mir direktes Feedback und man spürt die Liebe und was es ihnen bedeutet.

Viele sind selbst im Lockdown und für sie ist Musik einfach eine Notwendigkeit, um diese Zeit mental irgendwie zu überstehen. Musik war auch für mich immer eine Therapie im Leben. Wenn ich anderen damit etwas geben kann, werde ich es sofort machen.

Livestream jeden Sonntag 17–20 Uhr

 

Gebt euch hier den Stream für den 17.01.2021:

 


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Das epische Format: Florian Weischer über Kinowerbung

Florian Weischer gehört mit seinem Unternehmen Weischer.Cinema zu den Marktführern im Bereich Kinowerbung. Mit SZENE HAMBURG spricht er über die gegenwärtige Situation, die Entwicklung der Kinobranche und wie er in die Welt des Kinos kam

Interview: Marco Arellano Gomes

 

SZENE HAMBURG: Herr Weischer, Sie haben Ihrem Unternehmen vor einem Jahr eine neue Corporate Identity verpasst. Was auffiel, war die Welle im neuen Logo. Haben Sie die Infektionswellen vorausgesehen, oder was wollten Sie damit zum Ausdruck bringen?

Florian Weischer: (lacht) Die Welle in unserem Logo ist das Ergebnis eines langen Diskussionsprozesses. Sie steht für Veränderung, Bewegung und die Nähe zum Wasser, da unsere Hamburger Zentrale am Hafen liegt. Wir gucken auf die Elbe und sehen das tägliche Kommen und Gehen des Wassers. Diese permanente Veränderung ist für uns etwas sehr Prägendes. Medienlandschaften verändern sich auch oft gravierend – und das in kurzen Zeitabschnitten. Darauf müssen wir reagieren, aber auch agieren, indem wir die Veränderungen mitgestalten.

Nun gab es 2020 eine ziemlich massive Veränderung, mit der so keiner gerechnet hatte: Welchen Einfluss hat die Pandemie auf Ihr Geschäft?

Wir haben mit unserer Kinosparte in diesem Jahr gut 80 Prozent unseres geplanten Umsatzes eingebüßt.

 

Kino und Lockdown

 

Als der erste Lockdown beschlossen war, haben Sie eine Kampagne namens #hilfdeinemkino ins Leben gerufen. Durch das Anschauen von Kinowerbung im Internet wurde Geld für die Kinos gesammelt. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Das war die Idee unseres Innovationsteams. Die haben sich organisiert, über Videokonferenzen abgestimmt und in wenigen Tagen das Konzept #hilfdeinemkino aus der Taufe gehoben. Die technischen Möglichkeiten dazu hatten wir, die Menschen mit ausreichender Kreativität und Vorstellungsvermögen auch. Da haben wir Gesellschafter am nächsten Morgen gesagt: „Mensch, das ist toll. Macht das!“ Das war wichtig für die Moral – sowohl in unserem Unternehmen als auch bei den Kinobetreibern und -besuchern.

Welche Summe kam zusammen?

Es waren knapp hunderttausend Euro, die wir auf diesem Wege generieren konnten. Wir haben dieses Geld zum größten Teil an die Kinos ausgeschüttet, was bei knapp 4.500 Leinwänden in Deutschland pro Kino kein riesiger Betrag ist. Aber zumindest konnten wir so Aufmerksamkeit für die Filmtheater generieren.

Ihr Unternehmen betreibt unter anderem auch Außen- und Onlinewerbung. Konnten Sie die Verluste in der Kinosparte dadurch etwas ausgleichen?

Es ist dadurch weniger dramatisch gewesen, aber der Einschnitt ist dennoch gewaltig. Es ist bei uns ein zweistelliger Millionenverlust entstanden. Wir überstehen das, aber wir standen durchaus vor der Frage: Glauben wir an die Zukunft des Kinos oder nicht?

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Wir glauben daran, dass das Kino zurückkommt. Das kann aber ein bisschen dauern. Wir hätten die Freiheit, auch anders darüber zu denken. Tun wir aber nicht.

Sie haben auch einen Trailer mit dem Titel „Dein Kino – Du fehlst“ produzieren lassen, der die Sehnsucht nach dem Kinoerlebnis spürbar macht. Was haben Sie gefühlt, als sie den Clip erstmals sahen?

Ich hatte Gänsehaut. Ich war gerührt von der Emotionalität der filmischen Umsetzung. Die Idee zum Clip kam ebenfalls von unserem Innovationsteam. Der Clip ist mit einem Mikrobudget produziert worden. Es waren höchstens eine Handvoll Tausend Euro. Sky du Mont hat uns seine Stimme kostenlos geliehen. Eine schöne Aktion. Der Trailer wurde später ins Englische übersetzt und kam weltweit in über 20 Ländern zum Einsatz.

 

„Kino braucht das epische Format“

 

Ihr Unternehmen wurde 1954 von Ihrem Vater, Hans Weischer, als Spezialagentur für Kinowerbung gegründet. Die Kinobranche wird seither immer wieder gern totgesagt. Ist Ihnen die Kinosparte nur aufgrund der Unternehmensgeschichte wichtig oder lohnt es sich auch?

Wir haben in den letzten Jahren eine gute Entwicklung gehabt. 2019 war ein super Jahr mit zweistelligen Wachstumsraten bei der Kinowerbung, aber auch zweistelligem Wachstum bei den Kinobesuchen. Das ist vielen gar nicht so klar. Viele denken, das Kino sei allgemein in der Krise. Das ist aber ein völlig falsches Bild.

Viele Besucher schauen sich die Reklame im Kino komplett an. Wie erklären Sie sich das?

Kinowerbung ist wahrscheinlich das letzte Medienformat, bei dem sich Menschen bewusst, freiwillig und zufrieden mit Werbung befassen (lacht). Der Akzeptanzwert für Kinowerbung liegt bei über 80 Prozent. Wir haben uns damals, als die Kinos vor etwa 25 Jahren die Platzreservierung und Buchungssysteme eingeführt hatten, große Sorgen gemacht.

Wir befürchteten, dass die Zuschauer erst nach dem Werbeblock in den Saal gehen würden, da ihr Sitzplatz sicher ist. Das ist aber nicht eingetreten. Die Zuschauer empfinden das Vorprogramm als attraktiv. Werbung wird akzeptiert, wenn es unterhaltsam, spannend, attraktiv und lustig ist.

Nicht wenige empfinden die Werbung im Kino sogar als Teil des Kinoerlebnisses, wie eine Art Vorspiel zum eigentlichen Hauptfilm. Sehen Sie das auch so?

Ja, absolut. Ich bin mit Kinowerbung groß geworden. Ich habe damals als Teenager für das Unternehmen meines Vaters Kontrollbögen ausgefüllt. Ich musste überprüfen, ob alle Werbefilme auch in den Kinos abgespielt wurden. Als Entlohnung erhielt ich Kinotickets. Die Werbung war quasi mein Zugang zum Kino. (lacht)

Stanley Kubrick soll von Nescafé-Werbespots fasziniert gewesen sein. Er fragte sich damals, Sydney Pollack zufolge, wie man eine Geschichte in so kurzer Zeit überhaupt erzählen kann …

Es ist schon eine Kunst, eine Geschichte in ein bis zwei Minuten zu erzählen. Das erfordert, dass sie auch wirklich gut ist. Bei der Kinowerbung kommt hinzu, dass das Format und der Ton auch wirklich genutzt werden müssen. Das Kino kann mit modernen Social-Media-Erzählformen und -Formaten wenig anfangen. Ein Siebensekünder funktioniert in einem Filmtheater einfach nicht. Kino braucht das epische Format.

Sehen Sie das Kino angesichts der Streaming-Konkurrenz in Gefahr?

Es ist nicht so, dass Streaming-Dienste das Kino in irgendeiner Weise ersetzen könnten – und das tun sie auch nicht. Für mich sind die Streaming-Dienste eine andere Form von Fernsehen. Wir haben eine ziemlich stabile Entwicklung bei den Kinobesuchen und schwanken seit etwa zehn Jahren zwischen 110 und 130 Millionen Kinobesuchen im Jahr. Die Kinobesucher sind zwar inzwischen älter als noch vor 20 Jahren, aber das ist für uns nicht schlecht, denn dass die 30-, 40- und 50-Jährigen das Kino wiederentdeckt haben, bedeutet für uns einen größeren Markt.

Viele Filmstudios sind dazu übergegangen, ihre Filme direkt in die Streaming-Portale zu geben. Warner Bros. planen, ihre Filme für 2021 zeitgleich in den Kinos und im eigenen Streaming-Kanal HBO herauszubringen. Wird das nicht die gesamte Kinokultur verändern?

Ich glaube nicht, dass die Filmverleiher sich langfristig vom Kino abwenden. Das mag im Moment so erscheinen, aber das kann ich mir angesichts der Gewinne, die die Filmverleiher und Filmproduzenten sich entgehen ließen, nicht vorstellen. Die Wertschöpfung der Streaming-Dienste ist im Vergleich zu dem der Kinos wesentlich geringer.

 

Sehen, was im Kino funktioniert und was nicht

 

Welches Hamburger Kino besuchen Sie gerne?

Ich mag das Cinemaxx-Dammtor mit seinen 1.000 Plätzen, ich bin sehr gerne in der Astor Lounge in der HafenCity, wenn es mal die Originalsprache sein soll im Savoy, und wenn es um Filmkunst geht im Abaton. Es ist schön, dass Hamburg diese Bandbreite bietet.

Hand aufs Herz: Wenn Sie in ein Kino gehen, schauen Sie sich die komplette Werbung an oder schleichen Sie sich kurz vor Filmbeginn hinein?

(lacht) Ich bin tatsächlich ab dem ersten Bild schon auf dem Platz, weil ich neugierig bin, wie die Menschen auf die Werbung reagieren. Ich finde es wichtig, zu sehen, was im Kino funktioniert und was nicht. Das kriegt man anhand der Reaktionen ganz gut mit.

Gibt es einen Kino-Werbespot, den sie nie vergessen haben?

Wir hatten vor vielen Jahren die Idee, ein sogenanntes Duftkino zu machen. Hierzu hatten wir eine Apparatur, die mit der Klimaanlage des Kinos gekoppelt war und die punktgenau einen Duft ausspielte. An einem Abend testeten wir das im Cinemaxx-Dammtor. Es lief ein Nivea-Werbespot. Der Spot selbst war unspektakulär. Er zeigte einige Strandszenen, Dünen an der Nordsee, spazierende Menschen, vorbeifliegende Möwen, rauschende Wellen.

Dann prallte, wie mit einer Keule geschwungen, der Duft von Nivea-Sonnenlotion in die Nasen der Zuschauer. Alle hatten sofort Assoziationen von Sommer, Strand, Urlaub im Kopf. Einige sprangen sogar kurz enthusiastisch von ihren Sitzen auf, weil der Geruchsreiz direkt im Stammhirn verarbeitet wird. Das war ein phänomenales Erlebnis.

Ihr Unternehmen zog 1971 von Hannover nach Hamburg. Warum?

Die Kundennähe war für meinen Vater sehr wichtig. Die größten Auftragnehmer für unser Unternehmen saßen damals und sitzen noch heute in Hamburg. Da wollte mein Vater nah ran. Das fanden mein Bruder Marcus und ich als Kinder zwar nur so mittelprächtig, weil unser Vater von Montag bis Freitag in Hamburg war und wir in Hannover lebten, aber aus Sicht des Unternehmens war das eine sehr kluge Entscheidung.

Ihr Unternehmen ist seit 60 Jahren im Geschäft. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Da sind wir wieder beim Logo (lacht). Ich denke, die Bereitschaft und die Fähigkeit Veränderungen mitzugehen oder zu gestalten hat wesentlich dazu beigetragen, dass es uns gut gegangen ist und wir uns gut entwickeln konnten. Kino ist das mit Abstand Wichtigste für uns.

weischer.media


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Hilfreiche Tipps: So spart ihr Geld im Studium

In studentischen Geldbeuteln herrscht oft gähnende Leere – besonders am Monatsende. Dabei helfen oft schon kleine Kniffe, um sein Geld besser zusammenzuhalten. Finanzcoach Dani Parthum erklärt, warum sich Studierende das Leben leichter machen, wenn sie sich schon früh mit ihren Finanzen beschäftigen

Interview & Texte: Sophia Herzog

 

Finanzcoach Dani Parthum (Foto: Tom Salt)

Uni-Extra: Frau Partum, kann man lernen, mit Geld umzugehen? 

Dani Parthum: Natürlich! So, wie wir alles lernen, von Chemie über Betriebswirtschaft, wie wir Essen kochen, Laufen, Sprechen. Dooferweise lernen wir den Umgang mit Geld nicht systematisch, zum Beispiel in der Schule oder an Facheinrichtungen, sondern vor allem von unseren Eltern. Und die wissen meist auch nicht wirklich Bescheid, haben Halbwissen oder eine schwierige Einstellung zu Geld und Geldanlage.

Welche Fehler machen junge Menschen denn besonders häufig, wenn es um Geld geht? 

Die gleichen wie ältere Menschen auch. Sie denken, das Geld gleich Konsum bedeutet und nicht Gestaltungsspielraum. Geld als Ressource des eigenen Lebens zu begreifen, ist der Schlüssel zu einem bewussten Umgang damit. Mit Geld kann ich mein eigenes Unternehmen gründen, die Welt bereisen, gesellschaftliche Veränderungen unterstützen, mich und andere bilden, nach meinen Werten leben. Sein Geld ausschließlich zu verkonsumieren ist kurzfristig gedacht und dumm.

Welche Tipps haben Sie für finanzunerfahrene Studierende? 

Klug ist es, dem Sparen, und damit auch Investieren, immer einen Vorrang vor dem Konsum zu geben. Und wenn man im Monat nur 25 Euro zurücklegt. Außerdem ist es wichtig, Ausgaben im Blick zu behalten, damit man weiß, wo das Geld in welcher Größenordnung hinfließt. Es gibt da tolle Haushalts-Apps fürs Smartphone oder Online-Banken, die alle Zahlungen automatisch kategorisieren. Und es hilft, Budgets für bestimmte Ausgaben festzulegen wie Feiern, Urlaub, Essen gehen, Kleidung, sowas. Und vor allem: Finger weg von Konsumschulden, also dem Kauf von Gebrauchsgegenständen auf Pump, wie Smartphones. Lieber darauf sparen, das macht mehr Laune und man bleibt unabhängig. Überhaupt Konsum hinterfragen und öfter Secondhand kaufen.

Warum ist es so wichtig, sich schon früh mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen?

Weil zu einem selbstbestimmten Leben dazugehört, sich um seine Finanzen zu kümmern. Geld durchzieht alle unsere Lebensbereiche – es gibt nicht mehr vieles, was sich nicht in Geldeinheiten bezahlen ließe. Das müssen wir nicht gut finden, ist aber Realität. Wer diese Realität als etwas Positives erkennt, sein Geld pflegt, einen Finanzplan und ein Vermögensziel für sein Leben entwirft, wird unabhängig sein und selbstbestimmt leben können. Außerdem bedeutet Geld nicht nur Gestaltungsmöglichkeit und Wohlstand, sondern vor allem auch Macht und Einfluss. Warum das anderen überlassen, statt selbst die Welt zu verändern?

Tipps: So geht sparen

 

Internationaler Studierendenausweis

Wer auch im Auslandssemester von Studentenrabatten profitieren will, sollte sich den Internationalen Studierendenausweis ISIC zulegen: Mit der Karte haben Inhaber Zugang zu Vergünstigungen in über 130 Ländern, die Angebote reichen von Inneneinrichtung bis hin zu Flixbus-Fahrten.
www.isic.de

Hochschulsport

Sport machen kann ein ganz schön großes Loch in den studentischen Geldbeutel fressen. Hochschulsport geht günstiger: Für 52 Euro pro Semester können sich Studis normalerweise durch rund 200 verschiedene Sportarten probieren. Aber Achtung: Aufgrund der Corona-Verordnungen ist das Programm gerade geschrumpft.
hsp-hh.sport.uni-hamburg.de

 

NDR Kultur Karte

Lust auf Kulturprogramm? Mit der Rabattkarte von NDR Kultur bekommen Inhaber für 20 Euro ein Jahr lang Vergünstigungen bei 150 Kulturpartnern in Norddeutschland. Mit dabei sind unter anderem das Abaton Kino, das Schauspielhaus und die Konzerte des NDR Orchesters. Rundum-Infos zu den Events findet man online bei NDR Kultur.
www.ndrkulturkarte.de

 

Kunstmeile Hamburg

Kunsthalle, Deichtorhallen, Kunstverein, das Museum für Kunst und Gewerbe und das Bucerius Kunst Forum – wer diese fünf Häuser besuchen will, kann das vergünstigt mit dem Kunstmeilen-Pass: Für 22 Euro haben Studierende ein ganzes Jahr jeweils einmalig Zutritt zu den Museen. Bei Zeitdruck gibt es einen Drei- Tages-Pass für drei Euro weniger. Unser Tipp: Die beeindruckende Ausstellung „Peter Lindbergh: Untold Stories“ ist noch bis zum 1.11.2020 im Museum für Kunst & Gewerbe zu sehen kunstmeile-hamburg.de

 

Too Good To Go

Eigentlich soll die App Lebensmittel vor einem voreiligen Schicksal im Mülleimer bewahren. Dass die geretteten Lebensmittel dabei aber auch noch günstiger sind, ist ein netter Nebeneffekt. Warme Mahlzeiten, Backwaren, Obst oder Gemüse lassen sich ganz einfach über die App reservieren – kulinarische Schätze für kleines Geld.
toogoodtogo.de

 

Haspa Joker unicus

Mit diesem Girokonto können Studierende nicht nur viele Rabatte nutzen, sondern haben auch andere praktische Vorteile – wie ein Handy- Ersatzservice und einen Festpreis für den Schlüsseldienst – falls es mal anders laufen sollte als gedacht. Den Internationalen Studierendenausweis und eine Kreditkarte gibt es übrigens kostenlos dazu.
haspa.de

 


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