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A Summer’s Tale 2019: Ein Open-Air-Traum in der Heide

Das Festival A Summer’s Tale holt Künstler wie Maxïmo Park, Zaz und Suede nach Luhmühlen – neben vielen anderen Highlights 

Text: Erik Brandt-Höge
Foto (o.): Robin Schmiedebach

 

Es geht raus in die Pampa. Für viele A Summer’s Tale-Besucher beginnt das Festival am Lüneburger Bahnhof, von wo aus Shuttlebusse nach Luhmühlen tuckern, einem Ortsteil von Salzhausen. Salzhausen – noch nie gehört?

Komisch, hüstel, schließlich hat das Kaff am nordöstlichen Rand der Lüneburger Heide mit einer Dorfscheune, einem Feuerwehrschlauchturm und nicht zuletzt einem Schützenhaus geradezu Magneten für Touristen installiert.

Jedenfalls: Ortsteil Luhmühlen. Nach einer guten halben Stunde Fahrt ist das AST-Areal erreicht, und wer denkt, hier warte das gängige Festival-Halligalli, mit Horden von grillenden, grölenden und sich stets an der Grenze zur Alkoholvergiftung bewegenden Kids, der liegt, gelinde gesagt: falsch. A Summer’s Tale stellt seit der Premiere 2015 die idyllische Alternative im deutschen  Festivalangebot dar.

 

Gediegener Spaß für Groß und Klein

 

Während Wildheit anderswo nicht weniger bedeutet als Stage-Diving, Drogenflut und Dreier im Dixi-Klo, heißt es in Luhmühlen: gediegener Spaß für Groß und Klein. Sicher, auch beim A Summer’s Tale treten Rockbands auf, in den vergangenen Jahren etwa Tocotronic, Thees Uhlmann, Noel Gallagher’s High Flying Birds, Franz Ferdinand, Mando Diao, Isolation Berlin, Johnossi, Pixies, Die Sterne und, und, und.

Zudem bieten das große Zirkuszelt und das mit feinen Wattebäuschen aufgeschüttete Feld vor der Open-Air-Bühne reichlich Raum zum Hüpfen, Springen, Toben. Aber wer hierherkommt, will nicht toben. Wer hierherkommt, will die Schönheit der Natur erleben, über den zentral positionierten Designmarkt schlendern, Weinschorle auf der Zuschauertribüne am Geländerand schlürfen, mit den Kindern Holzhocker bauen und Traumfänger basteln. Kurz: All-Inclusive-Camping-Urlaub ohne nennenswerte Störgeräusche.

Apropos Camping: Wer keine Lust auf die Luftmatratze im Billig-Wurfzelt hat, kann für einige Extra-Euro am Comfort-Camping teilnehmen. Das beinhaltet u. a. tipptopp Sanitäranlagen, Zugang zu einer eigenen Bar und – Achtung –, einem eigenen Pool. Ein wenig Romantik kommt als Comfort-Kirsche obendrauf, wenn das Lagerfeuer im Resort angeht und der Festivaltag auf der Hollywoodschaukel ausklingt.

 

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Träumchen von einer Kulisse: Auftrittszelt in Luhmühlen / Foto: Erik Brandt-Höge

 

Ob Normalo-Zelten oder Luxus-Variante: Beim morgendlichen Blick aus dem Zelt sind keine Heiopeis zu sehen, die restalkoholisiert nach Helga schreien, höchstens ein paar Jogger oder Bootschlepper. Schließlich hat Luhmühlen seinen Namen von der Luhe, einem Flüsschen, das Kanufahrer durch eine satt-grüne Landschaft aus Wiesen, Weiden und Wäldern führt.

Außerdem aktuell auf dem ASTActivity-Programm: Feetup-, Vinyasa-, Acro-, Hatha- und Yin-Yoga, Meditation, Workshops in Handstand, Thai-Massage, Karate, Northern Soul-, Swing- und Electro Swing- Tanz.

Und wer weder Bock auf Live-Sounds, noch auf Bewegung hat, kann sich vor die Lesebühne hocken, die in diesem Sommer mit Autoren á la Ronja von Rönne, Stefanie Sargnagel, Giulia Becker, John Niven, Jens Eisel und Anja Rützel hochkarätig besetzt ist. Und danach geht’s an eine der Fressbuden, an denen es zum Beispiel Handbrot, Burger, Gnocchi, Crêpes und Eis gibt.

Auch auf dem Weg durch die AST-Kulinarik fällt auf: Kein Drängeln, kein Krakeelen, kein Stress im Paradies. Stattdessen liegen Besucher zufrieden auf den Grashügeln, in Hängematten oder Liegestühlen und saugen die durchweg positive, superentspannte, fast hippiehafte Atmosphäre auf, die nicht zuletzt durch die detailverliebten Deko-Spielereien der Festivalmacher entsteht. Von Palettenkunst über Lampignons, Mobiles und Girlanden bis hin zu aufwendigen Lichtinstallationen ist alles dabei, was ein, nun ja, Nicht-Halligalli-Festival ausmacht.

A Summer’s Tale: 1.-4.8., Luhmühlen (Lüneburger Heide)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
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Franz Ferdinand: „Wir wollten aufnehmen wie Elvis“

Die schottischen Indie-Popstars haben sich gezielt auf links gedreht. Ein Gespräch mit Sänger Alex Kapranos über die Neuerfindung und den Sound von „Always Ascending“, dem aktuellen Album der Band.

SZENE HAMBURG: Alex Kapranos, fürs neue Album seid ihr in den einsamen Westen Schottlands gezogen. Es heißt, ihr hättet euch gezielt isoliert und nur auf die Gesellschaft von Bobs (Bassist; Anm. d. Red.) Hund gesetzt, als ihr an den Songs gearbeitet habt.
Alex Kapranos: Der Hund hat unser Leben gerettet (lacht). Kleiner Tipp an alle Musiker, die sich für ihre Arbeit mal abschotten wollen: Nehmt einen Hund mit! Er wird dafür sorgen, dass alle freundlich zueinander bleiben.

Wo und wie genau habt ihr gewohnt? Wie muss man sich euer Arbeitsleben in der Einöde vorstellen?
In einem Haus mit integriertem Studio, ungefähr eine Autostunde südlich von Glasgow. Anfänglich haben wir nur gesprochen, über Ideen und Ziele. Dann haben wir geschrieben, gespielt, vieles neu gelernt. Man kann es wirklich so sagen: Wir hatten uns vorgenommen, eine neue Band zu werden.

Was bedeutete das denn konkret?
Wir wollten Musik erschaffen, die nicht klingt wie so vieles andere gegenwärtige Zeug. Eher wie die Vergangenheit – natürlich nicht unsere eigene.

Das musst du erklären.
Es geht um die Aufnahmemethoden. Wir haben eine rohe Live-Band-Performance in den Vordergrund gestellt. Bei uns wurde nichts programmiert, auch nicht die Synthie-Sounds – das haben wir alles selbst gespielt. Wir waren alle in einem Raum, auch ich zum Singen. Hat schon Elvis Presley so gemacht. Wir wollten also aufnehmen wie Elvis, aber immer noch in 2018 passen.

Rund um die Aufnahmen von „Always Ascending“ habt ihr zudem viel Zeit mit Sam Potter (ehemals Sänger bei Late Of The Pier; Anm. d. Red.) verbracht und euch darüber ausgetauscht, was Drogen mit einem machen und wie man Musik produzieren könnte, die sich für den Hörer anfühlt wie ein Rausch. Welche Ergebnisse haben die Gespräche gebracht?
Sam ist ein guter Freund von uns. Worüber wir tatsächlich viel gesprochen haben, waren psychedelische Erfahrungen und die Zeit, in der man diese noch nicht gemacht hatte und sich nur vorstellen konnte, wie sie sich wohl anfühlen würden. Ich spreche da über die frühen Teenagerjahre. Da überlegte man ja oft: Wie fühlt sich Romantik an? Wie Sex? Wie Drogen? Wie der Sieg bei einem wichtigen Fußballspiel? Wie ein Rockstardasein? Mit Sam kamen wir zu dem Fazit, dass die Vorstellung dieser Erfahrungen viel intensiver waren, als die Erfahrungen selbst. Naivität und Vorstellungskraft sind zusammen extrem stark.

Woher kommt eigentlich der Hang zum Rauschhaften?
Ach, wir sind doch alle auf der Suche nach Stimulation. Wir wollen uns aus unserer Alltagsposition herausheben. Wir streben danach, etwas zu finden, das uns tief berührt. Es geht darum, einen anderen Bewusstseinszustand zu erreichen. Das kann u.a. durch ein Konzert gelingen. Speziell Musik mit seinen widerkehrenden Elementen kann in dieser Hinsicht viel bewirken.

Interview: Erik Brandt-Höge

„Always Ascending“ ist am 9.2. (Domino/Goodtogo) erschienen, Franz Ferdinand spielt am 1. März 2017, 20:00 Uhr im Mehr! Theater

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von SZENE HAMBURG, Februar 2018. In unserem Magazin finden Sie noch mehr interessante Beiträge über den Stadtteil. Es ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!