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Musical „Once“: „Ich will den Highscore knacken!“

In den Hamburger Kammerspielen spielt Delio Malär neben Sybille Lambrich die männliche Hauptfigur im Musical „Once“ nach dem gleichnamigen Filmerfolg mit Glen Hansard und Markéta Irglová über einen Straßenmusiker in Dublin

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Delio Malär, „Once“ erzählt eine klassische Boy-meets-Girl-Geschichte. Die Protagonisten finden über die Musik zusammen. Aber ihre jeweilige Vergangenheit steht einer gemeinsamen Liebesverbindung im Weg. Eigentlich ein unspektakulärer Plot. Warum war der Film 2006 so ein Überraschungserfolg?

Delio Malär: Weil seine Songs so umwerfend sind. Wenn jemand einen Song, den er selbst geschrieben hat, so echt erzählt wie Glen Hansard in diesem Independent-Film, hat man keine Chance, dem zu widerstehen. Authentizität spürt man. Dieser Singer-Songwriter stellt sich allein auf eine Festivalbühne und ist erst nur ein unscheinbarer Typ mit einer Gitarre. Dann legt er los und singt um sein Leben. Ich glaube auch nicht, dass es sich hier um eine klassische Boy-meets-Girl-Konstellation handelt, denn die beiden treffen sich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Auch deshalb berührt uns diese Geschichte.

Wie geht ihr auf der Bühne, die ja anders als der Film keine Illusion von Wirklichkeit erzeugt, mit der Authentizität der Vorlage um und damit, dass die Hauptfiguren des Films so eng mit ihren Darstellern verknüpft sind? Glen Hansard spielt einen eher introvertierten Typ. Von dir hat man eher den gegenteiligen Eindruck.

Ich gehe bei dieser Rolle natürlich von mir aus und spiele meinen eigenen Typ. Bei Regisseur Gil Mehmert befinden wir uns diesbezüglich in besten Händen. Er richtet sich ganz danach, wer wir als Schauspieler sind. Aber auch ich habe, als ich vor zehn Jahren aus der Schweiz nach Hamburg gekommen bin, um die Schauspielschule zu besuchen, mein Geld als Straßenmusiker verdient und viele Eindrücke gesammelt, die ich für das Stück nutzen kann.

 

Die schauspielerische Herausforderung

Trotzdem spielst du einen Charakter, der lange zögert, ob er mit seiner Musik an eine größere Öffentlichkeit treten soll, und der die Unterstützung eines anderen Menschen braucht …

Dieser Charakterzug liegt meinem Naturell in der Tat etwas fern, aber diese Herausforderung gefällt mir. Eine einfache Rolle finde ich weniger interessant als eine schwierige. Das ist wie bei einem Video-Game: Ist das Rätsel schwieriger zu knacken, habe ich auch mehr Bock darauf.

Ihr singt komplett auf Deutsch. Oft ist es ja so, dass übersetzte Gesangstexte ziemlich peinlich klingen …

Anfangs dachte ich das auch. Aber als ich gesehen habe, wie feinfühlig und stimmig die Übersetzungen sind, habe ich erst recht Lust bekommen, die Rolle zu übernehmen. Außerdem haben wir wahnsinnig ausgefeilte Musiker, ein Ensemble, das auch acht Strebern besteht.

 

Ein inszenierter Song

 

Wie bindet ihr die Musiker in die Inszenierung ein?

Das Stück ist filmisch konzipiert und arbeitet mit vielen Schnitten. Alles ist so kunstvoll choreografiert, dass die schnellen Szenenwechsel kaum auffallen, mit einem singenden, musizierenden und gleichzeitig möbelschiebenden Ensemble. Das ganze Stück ist einziger inszenierter Song. Mit unserem Regisseur Gil Mehmert haben wir da eine echte Koryphäe am Start.

Spielst du im Stück, wie im realen Leben, verschiedene Instrumente? Oder nur Gitarre?

Lasst euch überraschen.

Oft spielst und singst du – auch mit deiner Band – deine eigenen Songs. Wie groß ist die Herausforderung für dich, diese fremden Songs zu interpretieren?

Rein stimmlich ist es viel Arbeit, an das heranzukommen, was Hansard macht. Zum Teil verwendet er auch eine andere Saitenstimmung. Aber die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Songs zu meinen eigenen zu machen, damit alles ganz automatisch läuft. Das ist eine langwierige Arbeit, die mich als Künstler aber bereichert und mir neue Inspiration gibt. Es ist ein Privileg und ein Geschenk, diese Songs performen zu dürfen. Und eine Verantwortung, die ich gewissenhaft tragen möchte.

 

Der Sprung von weit oben

 

Zum Thema „Falling Slowly“ – dem Oscar-prämierten Song des Films – fällt mir das Video zu deinem eigenen Song „Bomba d’Amor“ ein, in dem du von einem Felsen ins Wasser springst. Das sieht ziemlich hoch aus …

Das waren zwanzig Meter. Ein Felsen in Ponte Brolla im Tessin.

Und du bist da wirklich selbst gesprungen?

Zwei Mal. Der erste Take sah nicht geil aus. Ich wollte noch einen haben. Bei dem habe ich mir dann das Knie verdreht, was ich teilweise heute noch spüre.

War der Sprung deine eigene Idee?

Ich wollte schon seit fünfzehn Jahren dort hinunterspringen und habe nur auf den richtigen Anlass gewartet. Der Song „Bomba d’Amor“ handelt von der Wiedergeburt, von der Rückkehr zu einem selbst. Vor einer Wiedergeburt muss man sterben. Da musste ich einmal kurz meine Höhenangst überwinden. Mit diesem Projekt wollte ich in jeder Hinsicht das Maximum aus mir herausholen, mich und meine Energie formulieren. Mit diesem Song habe ich geschafft zu sagen: Das bin ich! Das ist meine Visitenkarte! Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich aus eigener Kraft und Kreativität so etwas gemacht habe.

Sicher eine Grenzerfahrung …

Das war der krasseste Drehtag für uns alle: Der Kameramann und sein Assistent haben für eine vier Sekunden lange Szene fünf Stunden in dem kalten Bergfluss eine Kamera drei Meter unter Wasser mit Seilen und Gewichten befestigt. Das Schlimmste war dann der Moment vor dem Sprung von der Klippe. Aber dieses Bild war mir wichtig: sich herauswagen aus der Komfortzone.

 

Klosterschule mit viel Kultur

 

Woher kommt dieser Wille zum Ausbruch? Ein Aufbegehren gegen die Enge der Klosterschule, die du in der Schweiz besucht hast?

Überhaupt nicht. Die Stiftschule Einsiedeln ist das tollste Gymnasium in der Region, in dem übrigens auch Mönche unterrichten. Die Schule hat ein breites kulturelles Angebot und einen eigenen Theatersaal – da hat für mich alles angefangen. Wir haben von Anfang an richtige Produktionen mit einem professionellen Regisseur realisiert. Dort konnte ich mich ganz frei entfalten.

Dann liegt deine Energie in den Genen?

Zum Teil ganz bestimmt. Meine Eltern sind schon immer durch die Welt gereist. Ich habe eine italienische Familie, in der es immer laut und lustig war. Alles war bei uns immer viel. Das ist mein Normalzustand. Die Energie kommt aber auch aus der Liebe zu Theater und Musik. Als Gamer habe ich die Challenge, den Highscore zu knacken. Wenn ich maximal performe, ist die Befriedigung nicht nur für das Publikum, sondern auch für mich am größten. Und ich bin so gerne befriedigt. (lacht)

Der Erfolg, den du und deine Band Love Rockets mit der Show „Tag der Helden“ habt, bei der ihr ausschließlich Cartoon-Introsongs spielt, klingt auch nach Highscore …

Am 22. September 2016 haben wir den ersten „Tag der Helden“ als Band in der Albers Bar veranstaltet. Das Datum werde ich nie vergessen, denn der Auftritt war legendär! Die Bar war brechend voll. Wir haben Tonaufnahmen gemacht, die wir nicht verwenden konnten, weil die Gäste mit ihrem Gesang alles überpegelt haben. Irgendwann sind wir ins Schmidtchen umgezogen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon mein erstes Musical (für sein Duo mit Cornelia Schirmer, Anm. d. Red.) geschrieben, und wir haben dann eine richtige Show daraus gemacht. Der Rest ist Geschichte.

„Once“, Hamburger Kammerspiele, 31.10. (Premiere), weitere Termine bis zum 16. Januar 2022


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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„Mord am Mikro“: Mitmach-Krimi vor Hamburgs einziger Burg

Ein abwechslungsreiches Kulturprogramm bietet die Bühne an der Burg Henneberg, einem ehemaligen gutbürgerlichen Familiensitz und Nachbau einer echten Ritterburg. Eines der Highlights vor märchenhafter Kulisse im Alstertal: Das Hörspiel „Mord am Mikro“ mit TV-Star Fabian Harloff

Text: Kevin Goonewardena
Fotos: Jérome Gerull

 

In wunderschöner, grüner Kulisse an der Poppenbütteler Alsterschleuse steht vor der einzigen Burg Hamburgs, der Burg Henneberg, eine kleine Open Air-Bühne. Das Surrounding aus dem Jahr 1804 prallt am Abend des 28. Juli auf eine Bühnengeschichte, die in den 1950er Jahren spielt: „Mord am Mikro“ heißt die Inszenierung eines gekonnt mit Slapstick und guten Gags gepickten Mitmachkrimi im Retro-Hörspielformat.

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Bibbern, zaudern, zetern – und natürlich mitraten: Ein Mörder versetzt das St. Pauli der 1950er Jahre in Angst und Schrecken. Gemeinsam mit den Zuschauer:innen begeben sich die Kommissare Hallig Stolz auf die Jagd nach dem mordenden Phantom. Vom Kiez, in noble Villen und städtische Behörden dringen sie dabei immer tiefer in eine Welt voller Gier, Hinterzimmer-Machenschaften, Lust und Rache vor.

Unterstützt von Publikum und Live-Musik, acht mörderisch gute Songs von Michael Jackson über Falco, Hildegard Knef, Eric Clapton und Tom Jones bis hin zu „Bonnie & Clyde“ von den Toten Hosen, lässt die Retro-Inszenierung des interaktiven Musikkrimis die einzigartige Atmosphäre alter Krimihörspiele wieder aufleben.

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Hamburger des Monats: Esche Geschäftsführer Andreas Fleischmann

2016 wurde die Esche in Altona eröffnet. Mit kostenlosen Graffiti- und HipHop-Kursen bietet sie Jugendlichen seitdem kreative Freiräume – die momentan schmerzlich vermisst werden. Geschäftsführer Andreas Fleischmann hat das Jugendkunsthaus mit seinem Team konzipiert und aufgebaut

Interview & Foto: Matthias Greulich

 

SZENE HAMBURG: Andreas, Glückwunsch zu fünf Jahren Esche. Stimmt es, dass du vor der Eröffnung Angst hattest, dass keine Jugendlichen zu euch in den Eschelsweg kommen?

Andreas Fleischmann: Das war tatsächlich so. Zum Glück wurden unsere Kurse von Beginn an gut angenommen. Ein Grund des Erfolgs war, dass wir uns genau angeschaut hatten, welche Angebote es in Altona gab. Die richteten sich meist an Sechs- bis 14-Jährige. Also haben wir etwas Weiterführendes gemacht. Relativ früh war klar: Wir wollen eine Art Jugendkunstschule aufbauen, wie es sie besonders in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern flächendeckend gibt.

Warum habt ihr euch Jugendkunsthaus genannt?

Wir wollten den Begriff Schule lieber rauslassen, um die Kids nicht zu verschrecken. Die Idee ist: Wir sind für alle offen und die Kurse für die Jugendlichen kostenlos. Du musst es dir vorstellen wie eine coole Volkshochschule nur für Jugendliche.

Euer Ziel in der Esche ist es, Freiräume für Jugendliche zu schaffen. Gibt es davon zu wenig?

Ich glaube, es gibt noch zu wenig kreative Freiräume. Der Stellenwert kultureller Bildung könnte in Hamburg höher sein. Nach dem ersten Lockdown lag der Schwerpunkt der Lockerungen in den Schulen bei den sogenannten Kernfächern wie Mathematik, Deutsch und Englisch.

Doch auch kulturelle Bildungsangebote, in denen man zum Beispiel lernt, sich vor einer Gruppe zu präsentieren, ein selbstbewusstes Auftreten zu üben und seine ganz eigene Ausdrucksform zu finden – warum ist das weniger wichtig als Mathematik? Die Jugendlichen brauchen dringend selbstbestimmte Freiräume, in denen sie sich austauschen und ausprobieren können.

 

Jugendliche für Kunst begeistern

 

Füllt ihr mit der Esche eine Lücke aus?

Wichtig war uns, niemandem im Stadtteil Konkurrenz machen. Wir machen kein Töpfern, denn das gibt es im HausDrei, keine Holzwerkstatt, die es damals in der MOTTE gab und keinen Comic-Kurs, denn den gibt es in der GWA St. Pauli.

Stattdessen bieten wir Graffiti-Kurse, Breakdance, HipHop, Gesang, Songwriting und einen Zeichen- und Malkurs für die Älteren – inklusive Mappenvorbereitung. Wir wollen die Jugendlichen nachhaltig für Kunst begeistern. Deshalb bieten wir Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse an. Wir wollen die künstlerische Entwicklung begleiten, machen hier aber keinen Spitzensport.

Wen erreicht ihr?

Jugendliche aus dem Stadtteil, aber auch von weiter her, da wir mit der S-Bahn vom Bahnhof Königstraße gut zu erreichen sind. Einige kommen zu uns, die man nicht durch einen Flyer erreicht, weil wir viel mit Schulen und Jugendeinrichtungen im Viertel kooperieren. Wir richten uns in erster Linie an junge Menschen, die sich keine Mal-, Tanz- oder Gesangsschule leisten können – sind aber offen für alle!

Haben die Kinder und Jugendlichen Schwellenangst?

Das kommt schon vor. Man darf nicht vergessen: Es sind Jugendliche, die in der Pubertät stecken. Die kommen hier rein und sind noch nicht Teil der Tanzgruppe und kommen in den Tanzraum, wo sich alle kennen. Die sind aufgeregt und blass. Einige drehen auch auf der Stelle wieder um.

 

„Each one, teach one“

 

Die Jugendlichen sollen hier also nicht abhängen?

Wir wollen die Kinder zum Machen bewegen. Zum kreativ werden. Zum Selber-was-schaffen. Das haben wir aus dem HipHop: „Each one teach one.“ Diese Methode ist super wichtig. Dass sich die Kids auch gegenseitig etwas beibringen. Das ist hier kein Frontalunterricht, man erschafft etwas gemeinsam. Die Jugendlichen, die anfangs blass in einen Kurs gingen, tanzen uns ein halbes Jahr später voller Stolz die neue Choreo vor.

Ihr sprecht in normalen Zeiten jede Woche 200 Jugendliche an. Wie war es zwischen den Lockdowns, wie ist es jetzt?

Im September waren wir schon fast wieder bei den alten Besucherzahlen. Wir hatten noch einen zusätzlichen Graffiti- und Tanzkurs dazu genommen, weil die Anzahl der jeweiligen Kursteilnehmer durch unser Hygienekonzept kleiner wurde. Aus unserem Förderkreis haben wir Spenden bekommen, um die zusätzlichen Kurse bezahlen zu können. Jetzt bleibt uns nur die Möglichkeit, digital Kontakt zu halten.

Schade, dass du nicht sehen kannst, was sonst hier los wäre. Wir haben normalerweise alle zwei Monate einen Auftritt mit einem Kurs. Altonale, Kampnagel, Mädchenspektakel – alles 2020 ausgefallen. Da wollen wir wieder hin und da werden wir auch wieder hinkommen. Gesang und Songwriting machen wir momentan über Zoom weiter. Bei den Tanzkursen haben wir Videos gemacht. Die Videos können es aber nicht ersetzen, im Tanzraum gemeinsam zu proben.

Sobald wir wieder loslegen können, geht es weiter. Wir scharren mit den Füßen. Die Jugendlichen. Wir vom Team und die freischaffenden Künstler, die in einer schwierigen Situation sind.

Du hast fünf Jahre Esche erlebt. Was waren die schönsten Momente – und gab es auch mal Stress?

Die schönsten Momente waren für mich immer die Sommer- und Winterfeste. Die haben Meilensteine markiert und wir sahen, welche Früchte unsere Arbeit trägt. Zum Glück habe ich auch den Kontakt zu den Jugendlichen und sitze nicht nur im Büro und organisiere. Aber was in den Kursen geprobt und gemacht wird, sehe ich dann erst richtig auf den Festen. Das ist für mich superschön.

Und natürlich gibt es immer mal wieder Stress. Meine Kollegin Tanja Brenner ist nicht umsonst Diplomsozialpädagogin. Wir haben auch Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, die hier ihr Herz ausschütten. Solche Fälle gibt es immer.

esche.eu


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Samy Deluxe & Haspa Musikstiftung: „Eine super Synergie“

Zig aufstrebende Künstler haben bereits von der Förderung der Haspa Musikstiftung profitiert, u. a. die Mitglieder des DeluxeKidz e. V., der Kindern und Jugendlichen die Welt des HipHop näherbringt. Zum zehnten Geburtstag der Stiftung: Ein Gespräch mit DeluxeKidz-Gründer Samy Deluxe.

SZENE HAMBURG: Samy, erinnerst du dich an deinen ersten Förderer?

Samy Deluxe: Als Siebtklässler war ich ein halbes Jahr in England, dort hatte ich einen Privatlehrer, der einmal in der Woche Zeit mit mir verbracht hat. Ein derbe flashiger Dude, der schon die ganze Welt bereist hatte. In seinem Haus standen bestimmt hundert Instrumente, von Mandolinen bis zu den krassesten Riesentrommeln aus dem afrikanischen Dschungel. Mit ihm habe ich Musik gemacht und die Natur an der Küste bei Cornwall erkundet. Ich war damals ein kleiner Trouble-Jugendlicher. Dieser Typ hat Kreativität mehr geschätzt als Disziplin und es geschafft, dass ich viele Dinge für mich entdecken konnte, u. a. das Texten, Malen, Graffiti und einiges mehr.

Und was denkst du ist generell das Wichtigste bei der Unterstützung junger Künstler?

Erst mal sollte es um Spaß und Ausdruck gehen. Wenn ich als Mentor die Karriere von Nachwuchskünstlern mit zu verantworten habe, ist es mir allerdings auch wichtig, mein Wissen weiterzugeben. Leidenschaft ist gut, aber man kann keine Karriere starten, ohne zumindest die Eckpfeiler des Business zu kennen.

Du betreust seit 2013 die DeluxeKidz, pushst viele aufstrebende Talente. Was steckt hinter dieser Arbeit: innerer Drang? Pflichtbewusstsein?

Es war vor gut zehn Jahren, als ich mir Gedanken über meinen bisherigen Weg gemacht habe. Darüber, wofür ich stehe, und ob ich bisher mehr Gutes oder mehr Schlechtes in die Welt gebracht habe. Ich hatte dann tatsächlich einen großen Drang nach so einem Hands-on-Aktivismus und habe einen ersten Verein gegründet, der inhaltlich ähnlich lief wie die DeluxeKidz jetzt, der also auf HipHop-Workshops basierte. Zu der Zeit ging ich teilweise dreimal die Woche mehrere Stunden an Schulen. Meine Arbeit wurde später von Freunden weitergeführt. Es war also ein Win-win-Konstrukt.

Für die DeluxeKidz bekommst du auch von anderen Seiten Förderung, etwa von der Haspa Musikstiftung. Wie wichtig ist das für deine Arbeit?

Es ist eine super Synergie. Die Stiftung ermöglicht uns den Start in ein neues Theaterprojekt, in dem die Kidz mit Unterstützung unserer Coaches ihre Themen mit Tanz, Gesang, Rap, DJing, Beatbox und Graffiti auf die Bühne bringen werden. Es ist ja so: Um junge Leute zusammenzubringen und zu motivieren, etwas auf die Beine zu stellen, sind Sport und Musik die größten Schnittstellen. Beim Fußball braucht man nur einen Ball, Tore baut man sich schon irgendwie zusammen. Aber in der Musik braucht man eben mehr: Turntables, Mikrofone und so weiter. Und auch unsere Coaches müssen bezahlt werden. Das wäre ohne Unterstützer nicht möglich. Es ist deshalb cool, was die Stiftung für den Nachwuchs macht.

Interview: Erik Brandt-Höge
Beitragsbild: Romanus Fuhrmann

www.haspa-musik-stiftung.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2018. Das Magazin ist seit dem 29. Juni 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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