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Scooter: Hyper! Hyper! Wicked!

Manche lieben sie, manche nicht – ein Phänomen ist sie in jedem Fall: Die Techno-Band Scooter um Frontmann H.P. Baxxter.

Text: Marco Arellano Gomes
Foto: Philip Nurnberger

 

Wer an Scooter und den Frontmann H.P. Baxxter denkt, dem fallen unweigerlich die Worte „Hyper! Hyper!“ ein. Keine Ahnung, was das heißt. Keine Ahnung, was Scooter uns damit sagen wollten. Aber dieser Song stammt aus einer Zeit, in der die Welt noch nicht aus den Fugen geraten war. Damals, 1994, trafen sich viele Menschen einfach nur, um zu feiern. „Hyper! Hyper!“ drückte eine Euphorie des Augenblicks aus. Keiner wusste so genau, was es zu feiern gab, aber das war auch egal. Es war das Gefühl, dass alles irgendwie gut läuft, die Welt voller Möglichkeiten steckt.

Die Menschen kamen Woche für Woche in einem der vielen Tanztempel zusammen und zappelten sich, zu Elektrobeats, die vom Alltag strapazierten oder unterforderten Nervenbahnen frei. Auf diesen Trend setzte auch H.P. Baxxter, bürgerlich Hans Peter Geerdes. Entgegen der Bedeutung vom griechischen „hyper“, war damals wenig „übertrieben“, abgesehen vielleicht von eben jener Techno- und Ravebewegung, zu der Scooter zwar gehören wollten, von der H.P. Baxxter und seine Truppe aber eher belächelt wurden.

Die Discos jener Zeit entsprachen in gewisser Weise den heutigen Escape-Rooms, da sie die Möglichkeit boten, der Realität zu entfliehen. Nur dass es keine Rätsel zu lösen gab, bis auf dieses eine große Menschheitsrätsel: Was zur Hölle machen wir hier? In diesem Universum, auf diesem Planeten, diesem Kontinent, diesem Land, dieser Stadt, diesem Tanzklub? H.P. Baxxter hatte keine Antwort. Wenn überhaupt hatte er Fragen: „Is everybody on the floor?“, „How much is the fish?“, „The Question is: What is the Question?“ und: „Are you ready for the sound of Scooter?“ Die Welt war ready.

 

Über 30 Millionen verkaufte Tonträger

 

Seit 1993 konnte die Band national wie international über 30 Millionen Tonträger verkaufen. Die Bandmitglieder wechselten zwar alle paar Jahre, aber H.P. Baxxter blieb. Er und seine Band haben alle Rave-Kollegen und -kolleginnen überlebt. Scooter schrieben kontinuierlich Hits, während viele Raver ihre besten Zeiten hinter sich hatten. Scooter gehören inzwischen zu den erfolgreichsten deutschen Bands – und doch wird Scooter noch immer genauso belächelt wie gemocht.

Aber das trifft auf die Kirmes und den Autoscooter, von dem sich der Name der Band herleitete, nicht weniger zu. Sitzt man in einem drin, geht die wilde Fahrt los – und selten hat man so viel Spaß wie in jenen Momenten, in denen die Karosserien gegeneinander knallen und doch keine Versicherung konsultiert werden muss. Es geht einfach weiter, voller Adrenalin, voller Schwung, bis zum nächsten Knall.

Bei Scooter und Frontmann H.P. Baxxter verhält es sich ähnlich: Viele belächeln die Musik, bis man sie hört und sofort damit beginnt, mit den Füßen und Beinen, im Beat zu wippen, die Hände und Arme in der Luft umherschwirren zu lassen. Die Musik packt einen, sobald sie ertönt – egal wie simpel oder plump die einzelnen Zeilen zu sein scheinen, die H.P. Baxxter durch ein Megafon hinausbrüllt. Bei genauerer Betrachtung scheint es aber auch, als hätten Scooter eine eigene Sprache erfunden. Und das ist dann irgendwie auch ganz schön „wicked!“

 

Scooter ist ein Phänomen

 

Nichts zeigt die Ambivalenz in der Beurteilung dieser Band besser, als eine auf Youtube zu sehende Episode aus der „Tonight Show“. Moderator Jimmy Fallon stellt darin eine Reihe von Songs vor, die man nicht hören sollte und macht sich über den Bandnamen und das Cover von Scooter lustig. Das Publikum lacht vergnügt. Es wird der Song „How much is the fish?“ abgespielt, es kommt zur titelgebenden Zeile, das Publikum lacht jetzt noch lauter.

Dann geschieht das Unglaubliche: Die Musik läuft weiter, das Publikum fängt an, zum Beat zu Klatschen, das Studio wird abgedunkelt, Fallon lässt zwei lila leuchtende Stäbchen über seinen Schreibtisch schwirren – das Studio brüllt vor Begeisterung. Für wenige Sekunden eroberte Scooter die „Tonight Show“. Auch Jimmy Fallon merkt nun, dass er es mit einem Phänomen zu tun hat. Im kommenden Jahr, am 21. August 2021, gibt es dieses Phänomen wieder live in Hamburg-Bahrenfeld auf der Trabrennbahn zu erleben. Selbstverständlich: „FASTER, HARDER, SCOOTER!“


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Operation Ton #12 – Konzerte und Workshops im Bunker

Initiiert von RockCity Hamburg e. V., werden bei Operation Ton #12 musikalische Zukunftsfragen am 29. und 30. März per Konferenz und Festival geklärt.

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Robin Hinsch

Judith Holofernes, PeterLicht, H. P. Baxxter, BOY, Enno Bunger: Die Liste der Operation Ton-Gäste seit der Erstausgabe 2007 liest sich so imposant wie divers. Liegt natürlich an der Ausrichtung der Konferenz- und Festivalreihe: Alle denkbaren popkulturellen Bereiche sollen beleuchtet, besprochen und weitergedacht werden.

Musiker und Musikschaffende aus dem gesamten Bundesgebiet kommen hierfür zusammen, im Resonanzraum, dem OT-Hauptquartier und an vielen weiteren Spielorten rund um den Hamburger Medienbunker, um ihre Themen zu diskutieren. Workshops, Labore, Lesungen, Konzerte: Das Programm ist immer pickepackevoll, auch in diesem Jahr. Die Organisatoren von RockCity Hamburg e. V. – Zentrum für Popularmusik haben keine Mühen gescheut, um den OT-Teilnehmern zwei Tage lang bestmögliches Infotainment zu bieten.

Das jetzige Motto: „UNITY!“ Logisch, dass ein Ziel der Veranstaltungen die Verschworenheit aller Anwesenden ist. Es geht um Schulterschlüsse und die gemeinsame Entwicklung von Ideen, wie ein Überleben im Musikgeschäft auf Dauer möglich ist.

 

Bühnengespräche, D. I. Y. und Fehler, die voranbringen

 

Unter anderem sicherlich erlebenswert: ein Bühnengespräch mit Gudrun Gut über D. I. Y. und Selbstvermarktung, das ebenso für den ersten OT-Tag angesetzt ist wie ein Panel zum Thema „Welche Stadt braucht die Musik?“, bei dem auch Andrea Rothaug von RockCity anwesend sein wird. Und ein Talk am Tag darauf mit Gereon Klug und Andreas Dorau über Fehler. Ja genau: Fehler, und wie diese einen irgendwie doch weiterbringen und womöglich zum nächsten großen Hit führen können.

Diese und alle weiteren Programmpunkte von Operation Ton besitzen freilich eine ziemliche Branchenwichtigkeit. Denn wo und wie sonst können diejenigen, die mit und für die Musik arbeiten, so viele spannende Gleichgesinnte und neue Impulse finden?

Holt euch eure Tickets für Operation Ton im SZENE HAMBURG Ticketshop, in Kooperation mit Reservix.

 

Operation Ton: 29. + 30.3., an diversen Orten in Hamburg.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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