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Hamburger Comedy Pokal 2022: Und der Gewinner ist…

Drei Sieger, 20 Gewinner:innen, ein begeistertes Publikum und volle Säle, das war der Hamburger Comedy Pokal 2022

Text: Felix Willeke

Vom 8. bis 11. Juli 2022 kämpften 20 Comedians um die Pokale bei Deutschlands größtem Comedy-Wettbewerb. Der große Gewinner des 20. Hamburger Comedy Pokals heißt Johannes Floehr. Der Wahl-Hamburger gewann seine Hauptrunde, sein Halbfinale und räumte beim ausverkauften Finale im Schmidts Tivoli neben dem mit 500 Euro dotierten Publikumspreis auch den mit 3.000 Euro dotierten Hauptpreis der Jury ab. Gestartet als Poerty-Slammer, ist es für den Autor mehrerer Bücher der erste große Comedy-Preis.

Das vorweggenommene Finale

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Die drei glücklichen Sieger: Benedikt Mitmannsgruber (l.), Johannes Floehr (m.) und das Duo Valter Rado + Tim Schaller (r.) (Foto: Burkhard Fuchs)

Zu Beginn war Floehr einer von 20 Comedians, die am 8. Juli in zehn Kulturzentren in der Hauptrunde gegeneinander antraten. Der Hamburger Comedy Preis 2022 war dabei besonders vielfältig. Es gab junge, poetische und weibliche Comedy von Teresa Reichl. Dazu Christine Teichmann, deren Auftritte einem Theaterstück gleichen und Valter Rado + Tim Schaller, die mit ihrem clownesken Slapstick-Humor das Publikum begeistern.

Besonderes Glück hatten diejenigen, die bei der Hauptrunde in der Lola in Bergedorf zu Gast waren, denn hier fand das vorweggenommene Finale zwischen Johannes Floehr und dem später zweitplatzierten Benedikt Mittmannsgruber statt. Floehr setzte sich mit seinen tollkühnen Gedankensprüngen und einer sympathischen Portion Selbstironie gegen Mittmannsgruber durch. Dieser glänzte als verpeilt wirkend immer wieder mit sehr überraschenden Pointen und konnte sein Finalticket als einer von Zweien bei der 2. Chance Show ergattern. So kämpften am Ende er, Johannes Floehr, Kathi Wolf, Teresa Reichl, Alice Köfer, Der Storb, und die schließlich drittplatzierten Valter Rado + Tim Schaller am 11. Juli im Schmidts Tivoli um die begehrten Pokale und insgesamt 6.000 Euro Preisgeld.

Was bleibt

Humor ist und bleibt individuell und egal ob beim Poerty-Slam oder bei Comedy- und Kabarettpreisen, die Bewertung von Humor ist immer ein schmaler Grat und Genres wie Clownerie mit Poesie zu vergleichen, bleibt schwierig. Das soll die Freude der Sieger beim 20. Hamburger Comedy Pokal allerdings nicht schmälern. Doch bei einem solchen Wettbewerb sind alle Gewinner:innen. Denn neben den Comedians, die zeigen, was alles Comedy ist, waren es die zehn Kulturzentren, die wieder einmal bewiesen haben, wie vielfältig Hamburgs Kulturlandschaft ist. Der 20. Hamburger Comedy Pokal war ein Fest für die Lachmuskeln und am Ende bleibt der Appell der Jury ans Publikum: „Geht in kleine Häuser, unterstützt die Kultur, die Künstler:innen und geht zu Comedyshows!“


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Das Polittbüro – eine Legende geht

Nach fast 20 Jahren verabschieden sich Lisa Politt und ihr Partner Gunter Schmidt vom Steindamm – die Nachfolger stehen schon fest

Text: Felix Willeke

Jochen Malmsheimer, Moritz Neumeier, Max Uthoff und viele mehr. Die komplette Kaberett- und Comedy-Szene hab sich in den letzt fast 20 jähren im Polittbüro die Klinke in die Hand. Das alte Kino auf dem Steindamm war lange das Haus von Lisa Politt und ihrem Partner Gunter Schmidt. Das ist jetzt vorbei. Die beiden hören auf. „War ‘ne geile Zeit“, schreiben sie zum Abschied. Es kommt plötzlich aber „die Doppelfunktion aus auf der Bühne sein und Betreiber einer Bühne zu sein, hat uns körperlich zunehmend überfordert.“ 

Ein fulminanter Abschied

Doch das Polittbüro wäre nicht das Polittbüro, wenn sie ihren Abschied nicht gebührend feiern würden. Ab dem 20 Mai 2022 gibt es deswegen ein „fulminantes Abschiedsprogramm“. Zu Gast sind neben Anna Mateur & the Beuys und Gustav Peter Wöhler sowie Piet Klocke und Max Uthoff auch Rainald Grebe, Marc-Uwe Kling und Moritz Neumeier. Vom 30. Juni bis 3. Juli stehen dann Lisa Politt und Gunter Schmidt selbst noch ein letztes Mal auf ihrer Bühne. Mit „65-Das Alter ist sicher“ haben sie sich einen musikalischen Abschied geschrieben – garantiert sehenswert.

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Schon bald gibt es unter neuem Namen wieder Kabarett und Comedy am Steindamm, los geht’s am 26. September 2022 (Foto: Carlo Kahfeldt)

Die Nachfolge steht fest

Auch wenn es das Polittbüro in Zukunft nicht mehr geben wird, Kabarett und Comedy verschwinden nicht vom Steindamm. „Wir haben würde Nachfolger für unsere Bühne gefunden“, schreiben Politt und Schmidt. „Michel Abdollahi und Robert Oschatz haben unseren Antrag angenommen.“ Die beiden sind seit Jahren in der Comedy-, Slam- und Kabarettszene unterwegs. Während Abdollahi besonders als Conférencier bekannt ist, wirkt Oschatz als Mann im Hintergrund und betreibt seine eigene Künstleragentur. Am 26. September wird dann das alte Polittbüro nach einem Umbau unter neuem Namen seine erste Spielzeit mit Kurt Krömer beginnen. 

Das fulminante Abschiedsprogramm des Polittbüro
vom 20. Mai bis 3. Juli
2022


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Das Theaterschiff braucht Hilfe: SOS vom Nikolaifleet

„Das Schiff“ ist das einzige fahrtüchtige Theaterschiff Europas und 107 Jahre alt. Seit über vier Jahrzehnten liegt es im Nikolaifleet und bietet ein kleines, feines Kulturprogramm. Doch jetzt droht Hamburgs Theaterschiff der Untergang

Text: Dagmar Ellen Fischer
Fotos: Kerstin Sander

Parkett und Rang gibt es nicht, hier sitzt das Publikum achtern oder mittschiffs steuerbord. Keine Klingel, die Schiffsglocke ruft zur Vorstellung. Spätestens bei diesem Signal reißt sich das Publikum vom Blick aufs Wasser los und klettert vom Oberdeck in den Schiffsbauch. Dort garantieren 120 Plätze rundum beste Sicht. Jugendliche Backpacker sitzen hier neben ergrautem Stammpublikum, ein kichernder Mädelsabend neben Großeltern samt Enkel.

Knapp 70 Prozent Auslastung erreicht das Theaterschiff, so Eigentümer Heiko Schlesselmann, die Elbphilharmonie schwemmt eine stetig steigende Zahl Touristen ins Hafengebiet, und das kommt auch dem Theaterschiff zugute. Doch Einnahmen allein werden nicht reichen, wenn „Das Schiff “ demnächst auf die notwendige umfassende Sanierung zusteuert. Die gute Nachricht: Die Hamburger Bürgerschaft bewilligte schon 2017 den Betrag von 312.000 Euro aus dem sogenannten Sanierungsfonds 2020.

 

Zuschauerraum-Theaterschiff-Hamburg-(c)-Kerstin-Sander

Klein und fein: der Theaterraum unter Deck

 

Optimistisch machte sich Heiko Schlesselmann folglich im Januar 2018 mit einem großen Koffer auf, um das Geld in Empfang zu nehmen. Doch dann die böse Überraschung: Bevor das Geld fließen konnte, forderte ein Team aus Sachverständigen ein detailliertes Leistungsverzeichnis, also die präzise Aufstellung aller notwendigen Arbeiten samt Kosten. Das legte der Inhaber Ende 2018 vor, in der festen Überzeugung, nun alle Bedingungen erfüllt zu haben.

 

Sanierung doch teurer als erwartet

 

Die erneute Ernüchterung kam jedoch in Form einer Nachforderung – ein Schadstoff-Gutachten müsse her, von dem bislang keine Rede gewesen war. „Bei möglichen Schadstoffen werden Behörden besonders hellhörig, auch wenn ein solches Gutachten für Binnenschiffe gar nicht verpflichtend ist“, erläutert Schlesselmann.

Vier Wochen später lag das Ergebnis vor, man war fündig geworden: Blei in der Lackierung, Asbest in den Pontons und Glaswolle hinter der Innenverkleidung. In Zahlen: Die Kosten für eine grundlegende Sanierung hatten sich verdreifacht. Kalkuliert man mit dem bewilligten Geld aus dem Sanierungsfonds 2020 als einem Drittel, und addiert dazu ein weiteres Drittel, das vom Theaterschiff aus Rücklagen finanziert werden kann, bleibt ein Drittel offen …

 

Seht in diesem Video, wie es um „Das Schiff“ steht

 

 

Und dieses Leck kann gestopft werden, darin sind sich Schlesselmann und der künstlerische Leiter Michael Frowin einig. Zu den einträglichen Maßnahmen gehört eine Crowdfunding-Kampagne, Spendenaufrufe durch Übernahme von Stuhlpatenschaften und als Höhepunkt das Benefizkonzert in der Elbphilharmonie am 7. Dezember, unter anderem mit Gustav Peter Wöhler, Anna Depenbusch und Bodo Wartke.

Musik und Literatur prägten die schwimmende Bühne von Anfang an: Christa und Eberhard Möbius erwarben das ausgemusterte Schiff 1974 und eröffneten nach umfangreichem Umbau ein Jahr später Deutschlands erstes Theaterschiff mit einer Revue über Joachim Ringelnatz. In den folgenden Jahren waren sich selbst Größen wie Helmut Qualtinger und Gert Fröbe nicht zu schade, mit Lesungen Publikum an Bord zu locken. 2012 übernahm Heiko Schlesselmann erfolgreich das Ruder, mit einer Mischung aus Kabarett, Kindertheater und handverlesenen Gastspielen. Doch nun braucht er die Hilfe einer engagierten und spendablen Mannschaft, um Schiffbruch zu vermeiden.

Das Schiff: Nikolaifleet, Holzbrücke 2 (Neustadt)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
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