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Jens: „Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich”

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Jens begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Du selbst bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Das zu begreifen, hat etwas gedauert. Wahrscheinlich ist es mein einziges Talent, mich wirklich reflektieren zu können. Aber auch das musste ich lernen. Genau wie ich vor zwei Jahren lernen musste, plötzlich alleine klarzukommen. Wir waren zehn Jahre zusammen, haben einen Sohn, Bruno. Aber wir haben uns schließlich gesagt, es ist besser alleine glücklich zu werden als zusammen unglücklich.

Das war eine harte Zeit, aber ich glaube eh nicht ans Perfekte. Man darf auch mehrmals im Leben lieben. Es war schon die richtige Entscheidung, gerade wegen Bruno. Der bekommt ja alles mit. Wenn’s mir schlecht ging, kam er oft zu mir und wollte mich mit irgendwelchen Witzen oder Geschenken aufheitern.

Und damit hat er ja Recht, er ist jetzt neun und hat es verstanden. Ich sage ihm immer: Es ist egal was du machst, Hauptsache du wirst glücklich. Das klingt so spielerisch und naiv, aber mein Gott, darum geht es nun mal im Leben. Um nichts anderes. Nur Polizist oder Soldat darf er nicht werden, habe ich ihm gesagt. Alles andere liebend gerne. Und wenn er Balletttänzer werden will, kaufe ich ihm das Tutu.

 

„Du bist dein ganzes Leben lang nicht mehr alleine”

 

Ich besitze selbst wenig Materielles und bin damit sehr happy. Ich arbeite in der Livemusik-Branche, bin viel unterwegs und lebe minimalistisch, habe kein Auto, eine kleine Wohnung, ein Fahrrad und meinen Laptop. Das war’s. Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich. Ich selbst bin doch mein größter Wert, wie gesagt: Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben. Genau wie du der wichtigste in deinem bist. Wenn ich nicht bei mir bin und glücklich bin, kann ich auch nicht für meinen Sohn da sein und dann geht’s ihm auch nicht gut.

Dass ich nicht trinke, nicht rauche, Sport mache und mich gesund ernähre, hat den ganz einfachen Grund, dass ich gesund sein muss. Für mich. Und damit für meinen Sohn. Ich habe ihm versprochen, dass ich zu seinem 60. Geburtstag komme.

Wenn ich an die Geburt zurückdenke, weiß ich noch, wie merkwürdig dieses Gefühl war. Du hast ein Kind auf dem Arm und denkst dir: Okay, kleiner Mann, du bist das also. Und dir wird klar, dass du dein ganzes Leben lang nicht mehr alleine sein wirst.

 

Bruno und Super Mario

 

Jetzt habe ich ständig so einen kleinen Kumpel dabei. Ich kann mit ihm mittlerweile über Jungssachen quatschen, er stellt schlaue Fragen, wir daddeln Mario Kart zusammen, nächste Woche macht er seinen Surfkurs und dann fahren wir gemeinsam nach Holland. Mütter haben ja häufig Angst davor, dass die Kinder größer werden und bald aus dem Haus sind. Ich hingegen finde die Vorstellung cool, mit ihm um die Häuser zu ziehen oder mit dem Wohnmobil durch Portugal zu fahren.

Er ist kein Baby mehr, was nur „Dudu“ und „Dada“ sagt, sondern ein richtiger Homie von mir. Hier, sieh mal, ich hab mir sogar seinen Namen auf den Oberschenkel tätowiert. Das ist seine Handschrift in Super-Mario-Farben. Das O in Bruno hat er selbst gestochen.“


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Jacqueline: „Kinder zeigen uns, wie Glück funktioniert“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Jacqueline begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Kinder haben offene Gedanken, sie beschränkt kaum etwas. Das macht die Arbeit mit ihnen aus. Es ist wirklich erfüllend. Weil ich als Erzieherin mehr von ihnen lernen kann als von sonst wem, denn Kinder können einem zeigen wie Glück funktioniert. Wir Erwachsenen haben viel zu hohe Ansprüche und brauchen mehr, um wirklich glücklich zu sein. Kinder sind offen für alles – und brauchen doch nur kleine Dinge.

Seit September arbeite ich in einer Ganztagsgrundschule, bin also Berufsanfängerin. Das ist für mich ein ganz neues Lebensgefühl. In der Ausbildung hatte ich kaum Geld, weil die Arbeit nicht vergütet wird. Das hieß für mich, dass ich in den letzten Jahren bei vielem zurückstecken musste. Ich war zum Beispiel ewig nicht im Urlaub, weil ich in den Ferien gearbeitet habe, um mich über Wasser zu halten.

 

Zeit alleine verbringen

 

Heute bin ich unabhängig, bekomme ein geregeltes Einkommen und fühle mich sicher. Ich könnte kein einziges Problem nennen, das ich momentan habe. Klar, da ist Corona. Aber ein wirkliches Problem? Für mich? Es gibt keins.

Ich erfreue mich viel zu sehr an dem, was ich habe, dass ich gesund bin und jetzt zur Arbeit laufe. Bald wird man auch wieder reisen können und dann möchte ich mich alleine auf den Weg machen. Denn ich glaube, es gibt unheimlich viel an dir selber zu entdecken. Es lohnt sich, Zeit alleine zu verbringen. So wie Kinder das ständig tun.“


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