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klub katarakt: Experimentelle Musik auf Kampnagel

klub katarakt ist ein Festival für experimentelle Musik, das sich auf sämtlichen künstlerischen Ebenen offen präsentiert

Text: Erik Brandt-Höge

 

Das Jahr 1992. Snap!, Dr. Alban und Die Prinzen bestimmen die deutschen Charts, schlichte Beats und noch schlichtere Lyrik laufen im Radio rauf und runter. In ebendieser Zeit gründen Kompositionsstudenten der Hamburger Musikhochschule den Verein katarakt – und stehen damit für das experimentelle Gegenteil zum Gedudel. Sicher, einerseits ging es den Studenten darum, ihre Kompositionen einmal außerhalb der Hochschule aufführen zu können, und zwar an eher ungewöhnlichen Orten dafür, etwa Rockclubs. Aber sie wollten auch nicht-radiofreundliche Sounds der breiten Masse vorstellen.

 

Springer zwischen multimedialen Welten

 

Das gelang ihnen spätestens mit der ersten Ausgabe des klub katarakt 2005. Sie machten Neue Musik zugänglich, indem sie eben diese sprengten, durch sich ständig im Wandel befindende Klang- und Bildinstallationen sowie durch Öffnung der bespielten Räumlichkeiten. Auf Kampnagel hat das Festival ein Zuhause gefunden, in dem die Macher gleich drei ineinander übergehende Hallen zur Verfügung haben. Besucher werden zu Springern zwischen multimedialen Welten, erleben Sounds und Bilder beim Flanieren.

Die klub katarakt-Eröffnung (15.1., 20 Uhr) wird auch in diesem Jahr ein Event der Wandelkonzerte. Viele Hamburger Musiker, Komponisten und Künstler stehe dafür bereit, zum Beispiel die Elektroniker Nika Son und Thomas Leboeg, die Violinistin Lisa Lammel, die Pianistin Daria Iossifova und der Harvestehuder Kammerchor unter der Leitung von Edzard Burchards.

 

 

Der zweite Festivaltag steht ganz im Zeichen einer Arbeit für Blechblasinstrumente und Elektronik, aufgeführt von der schwedischen Komponistin Ellen Arkbro zusammen mit dem Berliner Ensemble Zinc & Copper. An den beiden darauffolgenden Tagen werden das Splitter Orchester & The Pitch zu erleben sein, ein Kollektiv aus 24 international renommierten Musikern, es gibt eine sogenannte „Lange Nacht“ mit unter anderem einem Zusammenspiel von 17 akustischen Gitarren und ein Nachtkonzert mit Streichquartett und Klavier. Im Ganzen ein Spektakel für alle, nicht nur für Fans von Neuer Musik, und nach wie vor ein Gegenpol zu Charts-Stücken für das schnelle Hörerglück.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 20. Dezember 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Klub Katarakt – Spannung durch Sprengung

Marktorientierung machen andere: Das Internationale Festival für Experimentelle Musik präsentiert auf Kampnagel Kunst unangestrengt, offen, zugänglich.

Experimente kann jeder, sie der breiten Masse schmackhaft machen wird schon schwieriger. Den Machern des Hamburger Festivals klub katarakt gelingt genau das seit nunmehr zwölf Jahren. Musikalische Wagnisse werden von ihnen dermaßen spannend gestaltet, dass damit mehr als nur ein Fach- und Nerd-Publikum angesprochen werden. Die teilnehmenden Künstler: Größen ihres Genres. Die allgemeine Festivalatmosphäre: offen, spannend wie entspannend.

1992 von Kompositionsstudenten der Hamburger Musikhochschule als Verein katarakt gegründet, damit die Kompositionen der Mitglieder auch außerhalb der Hochschule aufgeführt werden konnten, entstand 2005 erstmals das gleichnamige Festival. Bisherige Gastkünstler mit Porträtkonzerten, Vorträgen und Präsentationen waren u. a. Marc Sabat, Gerard Pape, Marko Ciciliani, Christian Wolff, Alvin Lucier und Charles Curtis. Auch Hamburger Komponisten werden regelmäßig vorgestellt, diese Ausgabe des Festivals bietet etwa Alexander Schubert eine Bühne.

Höhepunkte beim diesjährigen klub katarakt gibt es gleich zu Beginn mit der Konzertinstallation, die das Schweizer Insub Meta Orchestra in Zusammenarbeit mit der künstlerischen Leitung vom klub katarakt in einem vorausgehenden Arbeitsprozess präsentieren wird. Hierbei geht es auch um neue Formen der Musikvorführung, etwa die Auflösung von festen Plätzen und das Zusammenfinden von immer neuen Gruppierungen an unterschiedlichen Orten. Am zweiten Festivaltag folgt dann Alexander Schubert mit der Erstaufführung seines einstündigen Werks „Supramodal Parser“. Musikalisch und szenisch erinnert hierbei alles an die Techno- und Ravekultur: Keine Stuhlreihen, keine Bühne, stattdessen eine Kulisse wie ein Club, in dem das israelische Ensemble Nikel und die Hamburger Sängerin Mohna die Klangästhetik bestimmen. Die Sprengung der typischen Konzertformen in Vollendung. Tag drei steht dann ganz im Zeichen der Blechbläser. Das Tubisten-Trio Microtub und die drei Trompeterinnen, die sich zusammen Tritop nennen, treten auf. Und am vierten und letzten Festivaltag gibt es noch die „Lange Nacht“ mit allerhand Erst- und Uraufführungen aus der Hamburger Szene sowie die abschließende Party mit Nikae und F#X.

Text: Erik Brandt-Höge 

Beitragsbild: Jamasp Jhabvala

Kampnagel
17.–20.1.18

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!